Cokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 21. April 1909.
Z Zu den Schwurgerichtsverhandlungen sind, wie wir be—
its in der Samstag Nummer mitgeteilt, zwei Sachen hin—
ugetreten. Mittwoch den 21. April wird gegen den Post⸗
—
eize augeklagt wegen Uaterschlagung im Amte verhandelt
erner gegen den Uhrmacher Anton Bauer, fruher in Sulz⸗
ach, wegea Konkursverbrechen. — Eme große Sa he be—
zinnt Donnerstag, den 22. und wird voraussichtlich auch noch
Freitag, den 23. April in Anspruch nehmen: der Meineida⸗
rozeß gegen Ludwig Heimann, Friedrich Mildenberger und
ßeter Schläger, sämtlich Bergleute in Sulzbach. Diese sind
eschuldigt, vor dem Amisgericht in Sulzbach in einem
limentations-Prozeß Meiageide geschworen zu haben.
8 Polizel-Bericht. Dem Tagelöhner Peter Schuff zu
»errensohr ist ein Hund Forterrier zugelaufen. Gezen Er⸗
sattung der Futterkosten innerhalb einer Woche abzuholen.
Angezeigt wurden zwei Knechte von Hetrensohr wegen
dierquälerei eine Frau von hier wegen Meineids und eine
Frau aus Herrensohr wegen Mßhandlung.
ZF Der Markscheideraspiranten Adolf Forster, Karl Leh—
mann und Otto Karl Ebenau ist die Konzession zum Betriebe
des Gewerbes der Markscheider erteilt worden. Forster wird
seinen Wohnsitz in Sulzbach, Kreis Soarbrücken, Lehmaun
in Neunkirchen, Kreis Ditweiler uad Ebenau in Reden, K'eeis
Ittweiler nehmen.
FAus Eisaß⸗Lothinzen. Eine Firma ließ etwa4
zilometer von Neunhäuser, dicht an der Grenze, nach Stein⸗
ohlen bohren. In einer Tiefe von 1100 Meiet stieß
nan auf tine Quelle, aus welcher seitdem stets Wasser mit
tarlem Druck heroorgesprudell. Das Wasser hat einen
alzig bitteren Geschmack und scheint großen Eisengehalt zu
aben.
Keine Besserung der wirtschafllichen Lage. In der
senrigen Generalversammlung in der Gelsenknchener Berg⸗
verls⸗Aktien Gesellschaft teilte Geheimrat Kirdorf folgendes
nit: Die gesamte wirischaftliche Lage sei noch keine günstige.
— DD
reulich. Daß im April der Kohlenabsazß sich etwas gebesseit
abe, sel nur darauf zurückzufühhren, daß am 1. April die
Zreisermäßigung eingefetzt habe und daher die Zurückhaltung
er Verbraucher vom März ihren Ausgleich finde. Als all⸗
emeine Belebung sei dieser Umstand nicht aufzufassen.
F Vorsicht! Seitens der Vorstände der Anstalten fur
rvlleprische, Beihel, Sarepta und Nazareth in Bethel bei
zielefeld wind darüber Klage ausgeführt, daß die Namen der
Anstelten insoweit mißbraucht werden, als Manner, Frauen
d Mädchen angeblich zum Beften der Anstalten Taschen—
ücher und Leinensachen, die nach ihre: Angabe in den betref⸗
enden Anstalten seltst angefertizt seien, im Wege des
zausierhandels abzusetzen suchen. Alle Freunde und Gönner
efer Anstalten werden darauf hingewiesen, daß diese Leute
uchts als Schwindler sind, da die Anstalten niemals in
deinensachen hausieten lassen, und daß alle Anstaltskolleltanten
ind Bücherkolporteure mil einer behördlich bealaubigten Le ;
Amitation versehen find.
„Ein Rekord, Bei einem Pfandleiher in Leipzig erschien
neser Tage eine Soubrette und legte 14 Verlobungsringe
or, die sie versetzen wollte. Der Pfandleiher war der sicheren
eberzeugung, daß diese aus einem Diebstahl herrühren müß⸗
ien, und benachrichtigie die Kriminalpolizei. Dem erschienenen
Beamten setzte die Schöne an Hand der Gravierungen aus⸗
inander, daß sie trotz ihrer 22 Lerze bereits 14mal verlobt
gewesen sei und daß sie sich die Ringe für den Notfall auf⸗
hewahrt habe, um sie verfetzen zu können. Dies entsprach
denn auch den Ta'sachen, nur der alte Pfandleiher wollte es
nicht begreifen, daß man im Bereiche der leichtgeschürzten
Muse ein derart wankelmütiges Herz haben kann.
z Eine Selbstmordmanie heirscht seit sechs Jahren in
zapan, mit der sich eine eberso merkwürdige wie perverse
Selbstinordromantik verbindet. Sie besteht darin, daß unreife
oder abgewirtschastete Persönlichkeiten ihren Stolz barein
setzen, einen möglichst originellen und neuen Weg in das In⸗
eits zu finden. Die Sache begann mik dem Seibstmorde
ꝛines Studenten der Universitaͤt Tokio, der sich in den Wos⸗
serfall Kegon in den Bergen von Nitko fiürzte. Bezeichnend
Renug wurd dieser schöne Wasserfall durch den Selbstmord
des Studenten sehr bald berühmt, und andere, die gleichfalls
mit dem Leben fertig waren, bevorzugten ein Kegonfall, um
sich das Leben zu nehmen. Endlich schritt die Polizei ein,
ind eine nüchterne Wache hindert jetzt die Selbstmöcder an
der Benutzung des romantischen Kegonfalles. Aber ihre Er⸗
irdungsgabe war mnicht erschöpft. Ein anderer Studeut
sölete fich, indem er sich in den Krater des noch tätigen Vul—
lans Asäma Yama warf, dessen Wande serkrecht und voll⸗
ommen glatt sind. Vor Tagesanbruch vollführte er dort
einen Selbfimord, vergaß aber vorter nicht, seine Gedanken
iber die Nutzlosigkeit von Leben und Liebe in einem schlechten
ilisierten Briefe zurüczufnssen. Ganz kürzlich ist nun wieder
ine neue Form des Selbstmordes aufgetreten. Die Stätte
der jüngsten Katastrophe war ein bekannter Vergnügungeéort,
amens Enoschima. Dort haben siqch eine Geiiha und ihr
iebhaber, dir sich des Mädchens wegen tief in Schulden ge⸗
lürzi hatte, den Tod gegeben. Sie hatten sich erst zusam
nengebunden und sich dann die Gurgeln durchgeschnitten.
28 diese Art des Selbstmordes wird für sehr „romantisch“
it
S Talmudische Spruchwieisheit. Man schreibt uns: Die
n der talmudischen Literatur weithin zerstreuten Sprichwör⸗
er, Weisheilslehren, Spottverse. Legenden u. s. w. haben
hon vielfa ꝛe Behandlung ersahren. Aber immer noch geben
Veranlassung, welter zu schütsen und Schätze an das
ageslicht zu bringen. So ist (im Verlag von Otto Hendel
nHalle) soeben unter dem Titel „Ewige Weisheit“ eine von
Nax Weinderg bearbeitete Sammlung aus der Spruchpo si⸗
and den Legenhen der Talmudischen Schriften eifchlenen, die
mter manchem Bekannten vieles neue Schöne, nach Materien
Lordnet, dem Publikum dietet. Aus dem Teil, der die
dprüche behandelt, sei im folgenden einiges wiedergegeben:
Ne Flüchtigkeit des Lebens wird prägnant zum UAusdruck
ebtacht: „Das Leben gleicht dem Hochzeitsschmaus, — ?aum
etzt man sich, da ist's sa on aus.“ Gegen. den Dummfrom⸗—
ien; „Wer üderfromm und dumm, — um den geh weit
eium.“ Von den Bücherweisen heißt es: „Er ein Gelehyrter?
lein, mein Kind, — nur ein lebendiges Bücher'pind.“ Von
t unverwüfilichen Lebensfreude: „Großmut er noch den Fuß
ewegt, — hört sie, daß man die Zimpil schlägt.“ Ueber
in. Wert der Arbeit; „Heirfscht sieben Jahr auch Hungers—
d. — der Handwerlsmann find't doch sein Brot.“ Urbe—
e Vorsorge für die Armen: „Fieund, tue nicht dein Geld
ile in ein Saͤckchen, — ein Zehntel stets davon lee, in ein
indres Eckchen. — und klopft ein Armer an und klagt dir
eine Nos, — greif in die Zehiel-Eck, auf daß auch er har
Zrot., — „Es flünde besset um Volk und Welt, — hätt'
veld mehr Herz und Herz mehz Geld.“ Daß mancher sich
elbst dem Heaker ausliefert, was für Völker sowohl wie für
en Einzelnen gilt, sazt warnend die Sentenz: „Der Baum
elbst gibt zur Axt den Stiel, — die seinem Leben setzt ein
ziei.“ Nan noch zum Schluß ein Verschen, das sich jeder
eicht selbst auslegen kann: „Sazt einer, du hast Eselsohren,
— acht's als das Schwatzen eines Toren, — doch sagts der
weite gleich darauf, — so leg dir nur den Sattel aus.“ —
8 Essen, 17. April. Bei der Polizei bezichtigte sich
der Bergmann Arnold, vor neun Johrrn ein Mäbchen namens
Mander in der Nähe von Hagen ermordet zu haben. Die
reiche des Mädchens wurde seinerzeit auigezunden, aber der
Wörder konnte bisher nicht ermittelt werden. Ein ärztliches
Zutachten bezeichnet Arnold als geisteskrank. ——
⸗) Uachen, 20. April. (Wieder einen Unrich
igen erwischt.) Der vor Wochen verhaftete Ar—
»eiter Josef Lehouraget, der nach dem offiziellen Polizei—
ericht sür den Tod der Lara Klinkenberg in Frage
am, ist freigelassen worden, da sich die Verdachtmomente
ils haltlos erwiesen. Rach diesem abermaligen Fehlgriff
chwindet die Hoffnung immer mehr, daß es der hiesi—
sen Kriminalbehörde gelingen werde, ienen Mörder sest⸗
usiellen.
() Düfseldorf, 20. April. Mordversuch.) In
den Nachtstunden wurde die Witwe Ratte aus Lieren—
eld auf dem Heimwege meuchlerisch angeschossen. Als
nutmaßlicher Täter wurde ihr Stiessohn verhaftet, der
zefürchtete, von der wohlhabenden Stiefmutter, deren Mann
nior sechs Wochen gestorben war, die aber bereits wieder
»erlobt war, enterbt zu werden. Frau Ratie starb, nach
zenmt sie kurz vorher auf dem Sterbebette getraut wor—
»en war.
(c) Düsseldorisj, 20. April. (Gon einem Stier
fetötet.) In Allrath bei Grevenbroich wurde ein
lckerer von einem wütenden Stier angegriffen und mit
zeinen und Hörnern so zugerichtet, daß er starb.
(6) Ruhrort, 20. April. Eine vorbildliche
denerung) Zwischen Duisburg, Ruhrort, Meide
ich, Hamborn, Marxloh und Neumühl verkehrt seit eini—
sen Tagen eine mit vier Kraftwagen ausgestattete Au
omobilpost, die im Interesse einer schnelleren Briefbe—
oͤrderung von der Reichspostoerwaltung eingerichtet wor
en ist.
(5) Essen, 20. April. Genickstarre.) In Alten—
ssen brach eine Genickstarre-Epidentie aus. Es sind weit—
ehende Vorsichtsmaßregeln getroffen.
(2) Dortmund, 20. April. (Ein freventlicher
htoer d.. Der Bergmann Werner in Aktenderne ermor—
»ete seinen Kostwirt Gutt, den Vater von vier Kin—
zern, da ihm dieser die Wohnung gelündigt hatte.
() Halberftadt, 20. April. (Durch Gasaussir ö—
wung getötet.) Im Hause Lichtengraben 6 wur—
en auf ihrer Kammer zwei Dienstmädchen tot aufge—
unden. Der zum Gasofen führende Gummischlauch war
zArch einen dagegen gerückten Korb durchschnitten, sodaß
as Gas ungehiupdert aussirömen konnte.
(⸗ ) Mainz, 20. April. (Eine Streitfrage.) Eine
iesonders für die landwirtschaftlichen Kreise sehr wichtige
drage gelangte vor der hiesigen Strafkammer zur Ent—
che dung. Angeklagt war der Tierarzt Rosenberg von Ost
)osen wegen Vergehens gegen das Viehseuchengesetz und
war sollte er es unterlassen haben, die von ihm in ver
chiedenen Fallen behandelten, an Baclsteinblattern bezw
esself eber erkranksten Schweine zur Anzeige zu bringen
Da das Reichsseuchengesetz die Anzeigepflicht nur be
Rotlaufseuche vorschreibt, hielt sih der Angeklagte zur
Anzeige der Backsteinblattern nicht für verpflichtet und
vurde auch in erster Instanz vom Schöffengerichte frei
gesprochen mit der Begründung, daß Backsteinblattern und
sotlauf zwei verschiedene Krankheiten seien, von denen
sesetzlich nur Rotlauf anzeigepflichtig sei. Auf die von
Zeiien der Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende
rteil eingelegte Berusung hob die Straslammer das—
elbe auf und verurteilte den Angeklagten zu 50 Marl
Leldstrafe nebst den erheblichen Kosten beider Instanzen
lls Sachverständige waren u. a. anwesend Herr Geheim
at Lorenz vom Ministerium in Darmstadt, sowie Heri
brofessor Olt von der Landesuniversität in Gießen. Wäh
end Herr Geheimrat Lorenz die Baclsteinblattern als
erste Anzeichen des Rotlaufs ansieht und demnach stets
Kotloufverdacht als vorliegend erachtete, erklärte Herr
Lrofessor Olt, daß die Kapazitäten auf dem Gebiete der
akteriologischen Forschungen noch nicht darüber einig
eien, bezw. der Ansicht des Geheimrat Lorenz teilweise
nigegensiänden. Das Gericht stellte sich aber auf den
5tandvunkt des Geheimrats Lorenz und kam. wie schon
rwahnt, zur Verurtetlung des Beschuldigten. Gegen die
es Urtell ist Revision beim Reichsgericht angemeldet.
() Frankfurt, 20. Apriß. (Versagte Bestätig—
ung. Die Regierung zu Wiesbaden hat die Wahl des
hiesigen sozialdemokratischen Stadtverordneten Dr. Quar
in den Schulausschuß nicht bestätigt.
(c) München 20. April. (Kebensmüde.) Die
hlätter melden über ein Familiendrama auf dem Wal—
heusee: Am Sonntag abend elwa 3536 Uhr verlangte beim
Jäger am See“ eine stattliche Dame im Alter von etwa
15 Jahren in Begleitung eines ungesähr 8ÿ510 Jahre
ilten Mädchens einen Kahn, angeblich um eine kleine
Fahrt auf dem Sce zu machen. Als sie etwas von dem
üfer entfernt war, ergriff sie plötzlich das Mädchen und
varf es in die Fluten, worauf sie selber nachsprang. So
ort eilten Schiffer der Stelle zu und nach etwa neuß
Hinuten hatten sie die Dame und das Kind, allerdinge
nur mehr als Leichen, geborgen. ——
.Aus aller Welt. —
*Der neue Hardenprozeß. Vor der 4. Strafkammer
u Berlin begann der Moltite-Harden-Prozeß. Graf Kuno
Noltte ist erschienen. Vor Verlesung des Eröffnungsbe—
chlusses bekaämpfte Justizrat Bernstcin, der Verieiger Har—
dens die Zuständigkeit des Gerichtes. vwrr
* Selbstmord. Der Direktor Hermann Müller au?
sharlottenburg schoß sich im Badezimmer eine Kugel in
ꝛen Kopf. Der Tod trat nach wenigen Stunden ein
das Motiv zu der Tat ist noch nicht aufgellärt. Müllen
var erst Hauptkaässierer, dann Direktor in einem Bant—
eamtenverein.
* Musweisung eines Komponisten. Der in Berlin
veilende Komponist Gustav Kerker aus New-York hat von
der Regierung einen Ausweisungsbefehl erhasten, Berlin
»is zum 2. August zu verlassen. Die Ursache des Aus—
veisungsbesehls dürfte darin zu suchen sein, daß Kerler
ils geborener Westiale seiner Militärpflicht nicht ge—
nügt hat.
* Aufgefahren. Der auf der Werft der Altiengesell
hast Weser in Bremen erbaute große Doppelschrauben—
ampfer des Norddeutschen Lloyd „Berlin“ ist auf der
zahrt nach Geestemünde bei Rechtelfletih aufgelaufen.
Millionen-Bermächtnis. Der verstorbene Privatier
engel hat sein acht Millionen Kronen betragendes Ver—
nögen der Stadt zu wohltätigen Zwecken vermacht.
*Gelyncht. In Ada im Staate Oklahoma wurden 4
»eiße Viehtreiber gelyncht. die des Mordes angeklag
9n721n—
Humoristische Ecke.
a3. Zweckmäßig. Eine Dame tritt in einen Uhr—
macherladen und verlangte einen Wecker. „Zu welchem
Preise darf ich Ihnen welche vorlegen?“ fragte der Ver—
käufer. „Der Preis ist gleichgültig“, erwiderte die Dame,
„wenn ich nur das bekomme, was ich suche, nämlich ei—
nen Wecker, der das Mädchen weckt, ohne die ganze Fa—
milie aufzuschrecken.“ „Solche gibt's leider nicht, gnädige
Frau“, sprache bedauernd der Uhrmacher, „ich führe nur
die gewöhnliche Sorte, welche die ganze Familie weckt,
ohne das Mädchen zu siören.“
2Erkenntihn. Einem Rechtsanwalt war es ge—
lungen, seinen Klienten, trotz schwerwiegender Beweise,
durch eine glänzende Verteidigungsrede freizubekommen.
Nach dem Freispruch wendete er sich an den Richter:
„Wäre es nicht möglich, Herr Rat, den Mann erst mor—
gen früh zu entiassen?“ „Und warum?“ „Mein Haus
liegt ziemlich einsam, und mein Klient weiß zufällig, daß
ich viel Geld im Hause habe.“
*Verfehlt. Bei einer Exlursion, die ein sächsischer
Hochschullehrer mit seinen Schülern unternahm, traf es
sich, daß ein kleines Städtchen zum Nachtquartier auser—
sehen wurde. Da ein einzelner Gasthof die 50 Leute
voraussichtlich nicht ausnehmen konnte, wurden morgens
zwei gleichlautende Telegramme an die beiden Gasthöf«
des Ortes geschickt: „Komme heute abend mit 25 Stu—
denten. Bitte Zimmer und Abendessen herrichten. Ge
lbeimrat H. — Bei der Ankunft im ersten Gasthof wurde
dem vorausgehenden Geheimrat der Bescheid: „Nee, mei'
Gutester, uff den Leim bin ich Sie nich gehuppt; denn
meinen Schwager im Goldenen Stern haben Sie doch mit
dem gleichen Telegramm veralbern wollen!“
sUnsere Kinder. Die Mama ertappt die kleine
Erna, wie sie eben den Finger in das Sahnenkännchen
taucht und zum Munde führt. Nach einem raschen Klaps
auf die Hand fragt sie die kleine Näscherin: „Weißt Du
nicht, wie man das nennt?“ — Erna macht ein bedenk—
liches Gesicht und erwidert: „Schlagsahne, Mama!“
— —
n
Verkehrsnachrichten.
42:) Von der Befögderung ausgeschlossene Druck⸗
sachen. Ueber die Behandlung unzulässiger Drucksachen,
Warenproben und Geschäftspapiere sind vom Reichspostimte
neue, zum Teil abgeänderte Bestimmungen getrof—
fen worden. Drucksachen, Warenproben und Geschäftspa—
piere des Inlandverkehres, die als unzulässig von der
Beförderung ausgeschlossen worden sind, werden dem Ab—
sender zurückgegeben. Ist auf den Sendungen der Ab—
iender nicht angegeben und kann er auch aus der äuße—
ten Beschaffenheit oder dem Inhalte der Sendung nich
ersehen werden, so sollen die Postanstalten ihn ermit
teln, wenn es sich um Sendungen mit wertvollem oder
für die Korrespondenten augenscheinlich wichtigen In—
halte handelt. Die Aufgabe-Postanstalt schickt dann ein
möglichst genaue Beschreibung des Gegenstandes an die
Bestimmungs-Postanstalt und ersucht sie, den Absender durch
MNachfrage beim Empfänger zu ermitteln. Die Sendung
sesbst wird aber dem Schreiben nicht beigefügt. Für diese
Anfrage können bei Bedürfnis vorgedruckte Formular«
benutzt werden. Ueber das Ergebnis der Nachfrag
w'rd ein Vermerk auf die Sendung niedergeschrieben
Die Nachfrage kann unterbleiben, wenn nach der Lage
der Umstände ein Ersolg nicht zu erwarten ist. Unzu—
lässige Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapier
nach dem Auslande sind zum Zwecke der Nachfrage ar
den Ausschuß zur Eröffnung unbestellbarer Postsendun
gen bei der zuständigen Oberpossdirektion einzusenden.
Ueneite Nachrichrien unge Celegramme
Depesche nĩ Bureau Herold.
F Saarbrucken, 21. April, In der gestigen
Schwurgerichts Sitzung wurde der Friseur Jakob Baldes zu
Meichweiler wegen Körperverletzurg mit nachgefolgtem Tode
zu 6 Monaten Ge'ängris verurteilt.
* Berlin, 18. April. Weßen echelicher Zwistigkeiten und
Nahrur gosorgen vergiftele gesern Abend die 28iährige Frau
des Schriftfetzers Seibt, Bredowst'aße, sich selbst und ihre
beiden Kinder mit Ly'ol.
* Berlin 21, April. Die erste Srafkamm⸗r des Land⸗
gerich s verurteille in dem Molke Harden Projeß den Schrift⸗
qeller Harden wegen Beleidigung des General Kuno von
Moltke dem Annage des Staatanwalts gemäß zu 600 M.
Geldstrafe eventuell sür je 15 Merk einen Tag Gekfängnis.
Strafverschärfend wurde bei dem Urteil berücksichtig die schweren,
zu Unrecht erhobenen Vorwürfe und deren Folgen für die ge—
sellschaftlike Stell ing Moltkes, Strafrildernd fiel ins Ge—
w'icht, daß man Harden keine untautere Molive urteischieben
könne. Der Angeklagte wurde zur Trazung der Gesammt—⸗
kosten des gaazen Prozeßganges verurteili, Kuno von Molt—⸗
ke erhielt des Puplikatione recht des Uzteils in der „Zukunft“
der „Vossischen Zeitung“ und in der Kreuzzeitung.
* Berlin, 21. März. Wiener Blättermeldungen zufolge
wurde Fürst Kopassis von Samos ermordet.
* Petersburg, 21. April. In hiesigen eingeweihten
sreisen verlautet, daß Montenegro in den nächsten
Wochen zum Königreich proklamiert werden soil.
* Washington, 21. April. Hier herrscht große Auf
regung über das Verschwinden eines ameriianischen Vize—
admirals, der seit einigen Wochen in Klein-Asien weilte.
Man befürchtet, daß er ermordet worden ist. Seine Fa
milie hat seit acht Tagen keine Nachricht mehr von ihm
* Konstan'ioopel, 21. Rpris. Gestern Nachmittag wurde
kin fünffstündiger Ministerrot abg halier. In demselben ge—
langten Telezramme zur Verlesung, vach denen 'n Andano
jetzt die Christ nmetzeleten eusgehött hätien aber in Antiochien
neue Unruhen gegen Armenker zum Ausbruch gkommen set.
Ferner stellie sich heraus, daß die Fähre der junglürkischen
Arnee in ihren Verhandlungen mit dem Minist⸗rium den
Sultan gar nicht mehr erwährer, obwehl Abdul Hamid sich
noch nicht entschließen konnte, definitiv seine Abdankung zr
vollziehen. Er hofft noch auf eine Vermittlung der Groß
mächte. Das Gerucht erhält sich, daß der Sultan gestern
auf einen russsichen Dam fer geflüchtet set und nicht kbeiw
Cinmarsch dee 2 und 3. Armeekops zigegen zu sein.
* Belgrad, 21. ARpris. Der Thronfolzer Auxurder soll
zur Vollendung seiner Studien ins Ausland geober. Es
wurde bestimmt, daß er zur ächst die Univerfität Boan be—
tuchen und donßn nach Enlaud geben sof
Moöchsen die Cage, lannkommt dercrüsiling,
das weiß jedes Kind. Aber auch das weiß man, daß mar
029 gerade dann sich am leichtesten erkältet. Wer aber schor
— erkältet, oder doch sehr empfindlich ist, der soll unter aller
Umständen Fays ächte Sodener Miueral-Pastillen gebrauche;
39 die ebenso zuverlässig oorbeugen, wie sie akute und chronisch
C) Batarrhe beseitigen Fays achte Sodener kosten 88 pifg
die Sachtel und sind in allen Apatheken. Drogerien und
20 Mineralwasserhandlungen zu haben