Full text : Dudweiler Zeitung

undigung tressen. Auf Saison- und Inventurausvertau—
e, die in der Auflündigung als solche bezeichnet werden
und im ordentlichen Geschäftsverlehr üblich sind, sollen
die betreffenden Vorschriften zwar keine Anwendung fin—
den, doch kann, so schreibt die „Sozialpolitische Rund—
schau“, die Verwaltungsbehörde Zeit und Dauer dieser
Ausverkäufe besiimmen. Diese Maßnahmen zielen übri—
gens keineswegs darauf ab, Ausverläufe von einer poli—
zeilichen Genehmigung abhängig zu machen, vielmehr wird
ausdrücklich anerkannt, daß der Ausverkauf an sich keinen
unlauteren Wettbewerb darstellt, sondern unter Umstän—
den eine unentbehrsliche Form des Warenabsabes ist.
BPolitische Rundschair.
— Deutsches Reich.
Wie verlautet, soll Kaiser Wilhelm bei seiner am
25. April erfiolgenden Rückkehr aus Korfu in Venedig
eine Zusammenkunft mit König Viktor Ema⸗—
nuel haben. gerew —2
*Cine Neuorganisation des Torpedowesens
ritt im nächsiten Herbst ein. Es werden sechs Flottillen
zu je zwei Halbflottillen gebildet; jede Division siellt drei
Flottillen, bei jeder Division wird eine neue Kompanie
iormiert.
*Aus Dessanu wird berichtet: In einer Versamm—
lung des nationalliberalen Wahlvereins
Köthen erklärte nach einem Referat des Abg. Trautmann
der Vorsitzende des konservativen Vereins, Prof. Lüdele:
Die kbonservative Gesamtpartei v'oon An—
halt stimme der Regierungsvorlage zu. Wohl seien Be—
denken gegen die Erbanfallsteuer laut geworden,
die Konservativen woliten sich aber der Notwendigkeit nicht
verschließen, daß auch der Besitz getrofsen werden müsse
Oesterreich-Uugarn.
* Ein Armeebefehl des Kaifsers ist erschienen, wo—
tin der Monarch Bezug nimmt auf die wiederhergestellten
Beziehungen zu den fremden Mächten, durch die es er—
nögsicht wurde, die einberufenen Referven zu entlassen.
Der Kaiser spricht den eingerückten Mannschäften für die
nusterhaste Art der Einrückung seine besondere Anerkenn—
ing und gleichzeitig allen Foommandanten seinen Dank
für die geleisteten Dienste aus.
* Zugleich mit dem deutschen Kronprinzen werden in
diesem Sommer auch der König von Württemberg und
Prinz Ludwig von Bayern zu den Hofjagden in Jichl!
eintreffen
—— Solland.
*r Gerüchtweise verlautet, daß im Falle der Geburt
eines männlichen Thronerben dieser vier Paten
erhalten soll. Unter ihnen würde sich der deutsche Kronprinz
 und der älteste Bruder des Prinzen Heinrich, Her—
zog Paul Friedrich von Mecksenhurg-Schwerin befinden.

Frankreich.
* Nach einer Meldung aus Saigon zersprengten die
Zivilgarde und die Kolonialinfanterie am 13. April bei
Luenam chinesische Seeräuber, von denen sechs ge—
tötet wurden. Eine andere chinesische Baude versuchte
Tambodßa auszuplündern, wurde aber verjagt und
sieß siebzehn Mann tot oder verwundet zurück. Die Fran—
zofen hatten beide Male keine Verlusle.
* Mehrere Blätter melden aus Toulon: Nach Privaät—
rachrichten aus Grand Bassam hat an Bord des
rach Dakar eutsandten Kreuzers „Du Chayla“ eine
ernsie Meuterei stattgefunden. Die Mannschaft, welche
ich über die allzu strenge Behandlung bellagte, sang die
Internationale, veranstaltete eine lärmende Kund—
Jebung gegen den Schissskommandanten, weil ein Ma—
chinisi angeblich aus Mangel an ärztlicher Pflege ge;
torben swar und verlangte Ruhepausen, sowie bessere
Kost. Der Kommandant habe hieraui die Forderungen der
Heuterer bewilligt.
m Riesenbrand. In dem Ort Stinacs an der steirisch—
ungarischen Grenze sind 80 Häuser abgebrannut. 600 Men—
chen sind obdachlos. Die Kirche wurde verschont; fünj
Joch Wa'd sind mit verbrannt.
Rußlaud. a der
* Nach einer Meldung aus Petersburg wird bestätigt,
daß Iswolski seine Demission gegeben und der
Zar sie angenommen habe. Goromykin sei zum
Minister des Aeußern ernannt worden. Die Veröffentlich—
ung dieser Ernennung wäre bereits am Freitag erfolgt,
wenn Iswolskli entsprechend seinen früheren Absichten
nach München abgereist wäre. Iswolstki wird vorläufig
nicht zum Gesandien an einem europäischen Hofe ernannt
werden, sondern wird vielleicht in den Reichsrat berusen.
* Rumänien.
Der deutsche Kronprinz trifft heute (Montag) vormit
tag in Bukareft ein. Es sindet großer Empfangsabend
mit Galadiner statt. Am Dienstag wird Gottesdienst und
Parade abgehalten; daran schließen sich Ausflüge nachk
Koͤnstantza, Sinaia, Curta de Argesch und in das Petro
leum-⸗Zentrum Bufienari. Die Abfahrt ersolgt am
Samslag über Predeal, wobei der König und⸗das Thron
olgerpaar den Kronprinzen bis zur Grenze begleiten.
9
Versöhnt.

Eie lieben mich? Allich jetzt noch, nachdem Sie meine
Schuld kennen?“
Ich liebe Dichl Vor allen Stürmen desz Lebens will
ich Dich behüten, Dich auf den Händen tragen! Sprich,
Lucilia, willst Du als Hertin in mein Schloß einziehen?
Sie antwortete nicht. Ein glückliches Laͤcheln malte
sich in ihren bleichen Zügen, dann barg sie ihr Köpfchen
an seine starke Schultern und weinte Freudentränen. J
48 ⸗»Bist Du jebt glücklich?“ fragte er.
Iqh bin fehr, sehe biuctich; glüdlicher, wie eh
e8 verdient habe,“ flüsterte sie ihm zu.
Lange saßen sie noch zusammen, bis die Nacht tief
e war und er in heitersier Stimmung seinem
Hause zuschritt. Was kümmerte ihn jetzt die Vergangen
heit, da die Zukunft so licht vor ihm lag? Seine Ge—
liebte war keine Mörderin, sie war nicht schlecht, nur ihr
beißes Temperament hatte sie zu dieser Tat hingerissen.
F *
* Jahre waren vergangen! Zehn lange Jahre, die ab⸗
wechselnd Leid und Freud gebracht hatten.
„„Ilona und Fabio waren überglücklich. Vier munterẽ,
sröhliche Kinder, zwei Knaben und zwei Mädchen, tum—
nelten sich vergnügt in den weitläufigen Anlagen des
Schloßparkes. Nur der Gedanke an Lucilla trübte bis—
peilen Ilonas sonniges Leben. — Sie wollte ihr so gern
agen, daß sie ihr längst aus vollem Herzen verziehen
habe, aber — Lucilia kam nicht mehr zu ihr! Seit zehn
Jahren war sie mit dem Grafen Blondini vereint; sie
sührte an seiner Seite ein glüdliches Dasein, aber den—
noch war eine Zusammenkunft ängltlich vermieden wor—
den. — *

* Ver deutsche Gesandte Riderlen-Waechter erhlel
»omn König von Rumänien den Großkordon des Ster—
ienordens.
Japan. ιασ
“Der Artikel 47 des revidierten Patentgesetzes verlangt
»aß ein Patent in Japan in drei Jahren nach Er
werb des Vatentrechtes bearbeitet werden muk. widrigen
salus es auf Antrag von Interessenten aufgehoben wer
den könne. Die Bestimmung hat in Handelskreisen große
Bestürzung hervorgerusen.
Marokko.
*Der „Agence Havas wird aus Fez gemeldet, daf
der Sultan beabsichtige, den Feldzug gegen den Rog
zu verschieben, bis die von Rabat erwarteten Groß—
wesire in Fez eingetroffen sind. Infolgedessen ist der
Mahalla, die Befehle erhalten hatte, gegen Budamara zu
naärschieren. Gegenbesehl erteilt worden

Die Lage am Balkan.

— Neue schwierigkeiten in der An
nerionsfrage sollen bevorstejen. Der Pester Lloyt
neldet aus Wien: Die Mächte der Tripleentente, insbe
sondere Rußland, erheben formelle Schwierigkeiten bezüg
lich der Anerkennung der Annexion. Rußland scheint da
über verstimmt zu sein, daß die Differenzen zwische
MNontenegro und Oesterreich-Ungarn durch die Interven
ion Italiens und nicht durch die Rußlands beigeleg
wurden. Dieser nachträglichen Zögerung wird jedoch kein
onderliche Bedeutung beigelegt.
Der bulgarische Geschäftsträger in Wien versicherte,
»aß Bulgariennicht daran denke, wegen der
Vorgänge in Konstantinopel zu mobilisieren. Al
erdings errege die Unterbrechung in den bulgarischtürli
chen Verhandlungen in Bulgarien großen Unwillen und
zaher sei eine baldige Erlediaung der Anagelegenhbeit sehr
rwünscht.
Aus Belgrad wird gemeldet: Die serbische Regierung
jat das serbisch-österreichische Abkommen bezüglich de—
Ddonau⸗Schiffahrt gelündigt. Serbien erklärt sich
aber bereit, mit Oesterreich in neue Verhandlungen zu
Erneucrung des Vertrages ebenso wie zum Abschuß ei—
nes Handelsvertrages zu treten.
Wie Rifaat Pascha versichert, werden die tür
isch-⸗bulgarischen Verhandlungen schon heute (Montagqg)
eendet werden.

— ——
Die Revolution in Konstantinopel.
ODer Sultan hat verlaugt, daß der General des
Barde-Korps, Mahmud Mukdhtar Pascha, der sich jetzt nach
Athen in Sicherheit gebracht hat, ihm tot oder lebendig
iusgeliesert werde. Daraufhin umstellten 150 der meun—
ernden Soldaten sein Haus und drangen sogar in den
darent ein. Ebenso betraten sie englischen Boden, indem
ie nicht nur in den Garten, sondern auch in das Haus
eintes angesehenen Engländers eindrangen, wo sie der
Frau die Bajonnette auf die Brust setzten. Wie ver!lau—
et, hat der englische Botschaster bis jetzt noch keinen
zchritt unternommen, doch wird eine Stellungnahme Eng—
ands zu der Angelegenheit erwartet. Der Großwesir
derfit Pascha will angebtech in zwei bis drei Ta—
zen abdanken. Die gesamte Generalität hat demi—
iniert. Reuf Pascha ist zum Minister des Innerny
erngunt worden.
Nach einem Telegramm des „Echo de Paris“ ist En
ver Bei an der türkischen Grenze verhaftet worden.
Fin an ihn gerichtetes Telegramm, welches lautete: Reise
sofort nach Adrianopel, wo wir Dich erwarten, schein
zine Falle gewesen zu sein.
Aus Salonili wird berichtet, daß dem erster
Sekretär des Sultans vom Zentral-Komitee aus Sa
lonifiein Ultimatum zugestellt worden sei, in den
es zum Schlusse heißt: Wir wissen zu sterben, eine Um
kehr gibt es nicht. Die Vorkehrungen zum Marsche nackt
Frunstantinopel werden deshalb fortgesetzt. Auf das jung
türkische Ulümatum ist seitens des Jildis cine auswel—
hende Antwort erteilt worden. Das Komitee erhält aus
allen Teilen der Provinz Mazedonien die Versicherung
dast alles zun Marsscchnach Konstantinpel be
ceit sei. Das Saloniker Komitee rechnet darauf, daß Mo
nastir, Solonikt und Janina eine Expedition von 60 00(
Zoldaten zum Angriff nach Konstantinopel senden können
Vier PMilitärzüge mit ungefähr 2500 Mann sind vor
Zalonik und Adrianopel. in Tschataldscha eingetrofsen. Si
stiegen ruhig und in vollster Disziplin aus und bezoger
zie dortigen Verteidigungswerke. In Hademleui, den Vor
verlen von Tschataldscha, schloß sich die etwa 1200 Man
ietragende Vesatzung der Saloniser Bewegung an. De
risenbahn Salonik-Dedeagatsch ist für den Personen- und
yüterverkehr infsolge der Truppentransvorte von Saloni
zus gesperrt worden

Gemetzelbin Adana.
Aus Adan aRleinasien) wird gemeldet, daß die
ztadt in Flammenssteht. In den Straßen finde
in entsesbliches Gemetzel sstatt. Ein Eisenbahnzug der L
londs erster Schmerz war der Tod ihres geliebten,
zrst sy 3* endemen Vaterz. Es waren ihm nur we—
uge dahre rn d Slůg gure Kinder du denie—
hen; aber die kurze Zeil halle den —— Sonderling
n einen heiteren, glüclichen Mann verwandelt. Scdand
wurde Sidnora Lennor, Ilonas treue, mutterliche Freum
din, aus diesem Erdenleben abgerufen, nachdem sie noch
jorher die Freude hatte, Leonardy Dalison als ein selb.
tändiges, nützliches Glied der menschlichen Gesellschaf⸗
jeranwachsen zu sehen.
*. Jetzt war Weihnachten! „Friede duf Erdenl!“ erschol
3 weit und breit, und diese Worte fanden ein tausendfa—
hes Echo in aller Menschen Herzen. „Friede, Friede auf
Erden,“ flüsterte Jlona unaufhörlich Und gedachte im—
tiller Wehmut Lucilias.
Da öffnete sich leise die Tür. Der eintretende Diener
iberreichte seiner Herrin eine Karte. Ilcnas Wangen
Jlühten; sie entfernte sich sofort.
Eine Dame und ein schwarzäugiger, frischer Knabe
standen im Empfangssaal.
„Lucilia!“ rief Ilona und stredte der Langersehnten
heide Hände entgegen, dann küßie sie den Knaben. t
Hast Du mir vergeben, Ilona?* J—
EStill, sprich nicht von der Verdangenheit. Es war
mein einzigster Wunsch, Dich wiederzusehen; erst jetzt bin
cch vollkommen glücklich. Komm, laß uns zu Fabio gehen.“
Ilonas größter Wunsch war am Weihnachtsfesse er⸗
üllt. Sie war mit Lucilia versöhnt; der einzige Schat—⸗
len, der bisweilen ihr senniges Leben getrübt hatte, war
perschwunden!
— — En de.

it Adana⸗ersina wurde angeschossey. Tie deutfsche Ko
onie, die sich aus Ingenieuren der Bagdaobahn und Be
imten der Baumwollgesellschaft zusammensetzt, hat an der
»eutschen Botschafter um Schutz telegraphiert. Es wird
veiter gemeldet, der Großwesir habe auf einen Schritt des
eutschen Botschafters hin telegraphisch Schußmaßregel—
angeordnet.
Nach einer Meldung der „Agence Havas“ aus Kom—
santinopel wurden 60 Ärmenier getöst'e t, sowie
zahlreiche Häuser geplündert und in Braͤnd gesteckt. Ein
Deutscher und der Dragoman des englischen Konfulats sint
berwundet worden.
Ta die Unruhen in Adana fortsdauern, wurde das
Standrecht proklamiert und Militär dorthin entsandt.
Das ormenische Komitee in Konstantinopel ist über di—
Vorsälle in Adana seh— erregt.
Nach Meldungen aus Plewlje ist in verschiedenen
Teilen des Sandschals Nowibazar eine Reihe bluti
ger Aufstände gegen die Jungtürken ausgebrochen.
Mehrere Jungtürken wurden ermordet. viele mußlen nack
Bonien ffüchten

Wien, 17. April. Auf der hiesigen türkischen Bot
schaft ist man wegen der Ereignisse in Salonun sehr dbe
sorgt. Der Botschafter äußerte sich zu einem Diplomaten
dahin, daß er nach seinen Informalionen an einen Sie⸗
der zJungtürkischeu Sache glauben muß.
Paris, 17. April. Auf Grund der Ereignisse in
der Türlkei hat die französische Regierung beschlossen. die
geschuzgren Kreuzer „Wictor Hugo“ und „Jules Mt
helet“ nach dem Piräus zu enssenden. Die Schiff.
ind von Toulon abgegangen

Politische Bruunenvergiftung.
Der „Standard“ bemüht sich, Deutschlaund für di—
Kevolution in Konstantinopel verantwortiich zu machen
das Blaͤtt läßt sich von einem in London weilenden Jung
ürken verraten, daß die liberale Union und der Sultan
uur die Rollen spielten, die ihnen der DeutscheKai
her zuerteilt habe. Die Albanien gewährte Autonomit
und andere derartige Maßregeln müßten zum Zusamnien
bruch des Reiches sühren, der dann den Deutschen nad
dem Tode des Kaisers Franz Joseph den Weg an das
Mittelländische Meer öffnen würde. Zur Förderung die
ser Intrigen würden jetzt Tausende von Pfunden von.,
deutscher Hand in Konstantinopel ausgegeben. Mehrere
Blätter, darunter die „Morning Post“ und „Times“, laj
jen sich ähnliche Geschichten aus St. Petersburg drahten
nur daß darin statt von der pfundespendenden deutscher
Hand von der eisengepanzerten Faust gesprochen wird, di
ntan auch in Konstantinopel wieder heraussühlen könne
Auch die „Liberte“ führt aus, hinter den Konfstantinope
ier Ereiznissen siänden fremde Ränke. Die Tatsache au
lein, daß England offen sfür das Komitee für Einheit und
Fortschritt Partei ergrissen, und auch Frankreich ihm sein
Sympathie zugewendet häaͤtte, lasse Rückschlüsse auf di—
Siellungnahme Deutschlands ziehen. Der Deutsche Kaue
habe seinen Freund, den Sultan, nicht im Stiche lassen
wollen, und der deutsche Botschafter in RKonstantinopel
habe nicht gewollt, daß die vielen im Namen des Deut
schen Kaisers unter die Albanier der Garde verteilten
Riaster sich als zwecklos verausgabt erwiesen. „Sager
wir, um höflich zu sein“, fügt die „Liberte“ hinzu, „daf
die deutsche Botschaft in Konstantinopel am besten üben
die wirklichen Ursachen der Meuterei unterrichtet ist.“ Eir
Kommentar zu dieser politischen Brunnenvergiftung, sc
ügt ein offiziöses Trlegramm der „Köln. Zig.“ bei, ist
überflüssig. Es genügt, derartige tückische Hetzereien, wi.
hiermit geschehen ioll. niedriger zu hänae

Spiel und Sport.
(y) Internationale Lustschiffahrt-Ausstellung, in
Frankfurt. Graf Zeppelin hat einen Preis von 000
Mark gesniftet für dasenige lleinste Motorluft chifs, das
vñhrend der Dauer der Ausstellung mindestens 5 Fahrtei
»on wenigstens halbstundiger Dauer unter Rückteht zum
Ansgangspunkt ohne Zwischenkandung und maͤt wenig
tene 2 Menschen an Bord ausführt. — Für den 5
vans⸗Fabrice⸗ Preis (Mark 10 000) ist bestimnt, daß Ge
vinner des Preises derjenige ist, welcher am öfteste
vährend der Dauer der Ausstellung Flüge von mehr alt
Minuten ausgeführt hat. Bis jetzt sind Geldpreise ip
SAesamtbetrage von 130 000 Mark gestistet. Der Garan
iefsonds der Ausstellung hat den Betrag von einer Mu
ion Mark überschritten. Die Senckenbergische Naturfor
chende Gesellschaft veranstaltet eine vrnichologische Aus
tellnng zur Veranschaulichung des Fluges in der Natur
Herr Professor Schillings hat sich in liebenswürdigste
Weise bereit erklärt, die Veranstaltung dieser Nusfleltun
zu unterstützen.
(9) Verbotenes Fuß ball⸗-Wettspiel. Der englisch
driegsminisser hat das geplante Fußball⸗Wettspiel zwi
chen dem englischen Garde Grenadier-Regiment und den.
29. französischen Infanterie-Regiment verboten. da da—
uswärtige Amt Bedenken dagegen träot

— M

Wenn man keine Zeitung liest. Lebt da in E
bei Heidelberg eine Witwe, die ein Häuschen hat. Das
aber ist bis in die Hohlziegel verschuldet. Um einen Teil
davon abzahlen zu können, sparte sie sich seit dem Tode
ihres Mannes die Pfennige vom Wunde ab und wemn
ein Taler beisommen war, dann verwahrie sie ihn guͤ
an einem sicheren Orte. So fammelte sie schon 10 Jahrd
lang Taser auf Taler, anftatt das Geld zinstragend an
zulezen. Von der Außerlurssetzung der alten Dreimark
itücke erfuhr die emsige Talersparerin, da sie eben kein
Zeitung liest, erst zu spat, und als sie mit ihrem Gelde«
kam, um es umwechseln zu lassen, hörte sie zu ihrem
Schrecken, daß die Taler nur noch zum Silberwerte von
Mark angenommen werden. — Also immer, auch im
Sonmmer, die Zeitung lesen, es gibt recht viele Gelegen
heiten, sich Schaden zuzufügen, wenn man nicht ordentlid
zdrientiert ist!
Die Amerikaner wachsen. Aus New-York wir
berichtet: Nach den Ergebnissen der jetzt veröfsenlichten
neunen Statistiten über die Größe der amerikanischen Stu
enten scheint es, daß der Typus des Amerikaners sid
n starlem Wachstum befindei. Die heutigen Studenten
haben ein ungleich größeres Durchschnittsmaß als ihre
Väter und Großväter. Im Yale⸗Gymnasium ist die durch
schnitiliche Körpergröße der Stiudenten in den letzten fün
Jahren um nicht weniger als 18 Zoll gewachsen. Zu
zleich verschwindet der hagere Typus von früher uͤnt
veicht einer volleren Körperentfaltung, das Durchschnitts
gemicht ist 27 Pfund höher als früher. Die Sportsvegei
terung der amerikanischen Studenten hat auf die Lunge
tärkend eingewirkt; die Fassungs!raft hat in den Jahret
803- 1908 um 72 Kubitzoll zugenommen. Auch an der
Harerd-Universität hat man eine Erhöhung der Durch—
schnitts körpermaße festgestellt, die das gleiche Wachstumn
des Typus illustrieren. Haud in Hand damit geht da
Erhöhung der Körperkräste, die in den letzzen 28 Jahrer
um 30—50 Prozent gewachsen ist. Dabci ist die Verän
derung in der Entwickelung des a LIgemeinen Muskelsystem
nier?würdig gering, nur der Brustumfang hat durchschnitt
lich um drei Zol zugenommen. Die Taille, der Nacken
und die Oberschenkel sind größer wie früher. Auch di
statistischen Zahlen für die Körperverhältnisse der ameri
tnznischen Frau werden speröüftei —
            
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