Full text : Dudweiler Zeitung

zwischen, als diese Zetlen gesyrieben wurden und ehe
sie unseren Lesern vorliegen, mit der Storchskarosse au—
gekommen. Unsern Nachbarn, den Hollandern, gönnen
wir einen kräftigen Thronfolger und ihrer sympathischen
Herrscherin wünschen wir deutschen Stammesverwandten
non Herzen das lanzgentbehrte und ersronte Mutteralück

Gegen die Paunzerplatten-Lieferauten.
Sie „Köln. Volfrszntg.“ veröffentlicht den vols—
ständigen Wortlaut der Rede, die der Zentrumsabgeord—
aete Graf von Oppersdorff gelegentlich der Kommiffions—
beratung des Marineetats am 23. März im Reichstag ge—
hal!en hat und die, wie das Blatt bemerkt, infolge der
Mehrausgaben seitens der Mariueverwaltung gerade jetzt
bei der Debatte über die Reichssinanzreform besonderes
Interesse beanspruchen dürfte. Ersparnisse bei diesem
Etat seien deshalb so überaus schwierig, weil die
Marineverwaltung sür den wichtigsten
Bedarf sich in den Händeneinigerweni
ger Lieferanten besindet, denen gegenüber das
Reichsmarineamt für die Jahre 1902 bis 1904 sich ver—
pflichtet hatte. Im August 1905 und im Anfang Dezem—
ber 1907 wurden Nachiragsverträge geschlossen, wodurch
der Staat auf Jahre hinaus der Moöͤglichkeit freier Ent
schließung beraubt und den betreffenden Unternehmern und
Monopol'nhabern im ersten Vertrag auf 6 und im letzten
Vertrag sogar auf 8 Jahre ausgeliesert wurde. Im letz
len Rachtragsvertrag wurde übrigens auch die besondere
Bestinimung aufgenommen, daß selbst für den Fall, daß
ein neues Unternehmen besser liefern sollte, als die Firmen
rupp und Ditlingen bisher geliesert haben, das Reich
diesent neuen Unternehmen doch nur dann einen Auftrag
rteilen darf, falls letztere sich einverstanden erklären, nun
benso billig wie der neue Unternehmer zu liefern. Die
Bevorzugung der beiden Firmen hatte insofern einen ge⸗
wissen Schein der Berechtigung, als ihnen der Schitz vor
Patenten zur Seite stand. Heute dagegen sind die wich
tigsten der Kruppschen Härtungspatente abgelausen. Nachk
dent Blatt antwortet Staaitssetreiär von Tirpitz, flatt diese
Kritik der Maßnahmen des Reichsmarineamtes, welche
größtes Aufsehen erregte, zu entkräftigen, daß er erfreut
sein würde, wenn es gelänge, für die Panzerplatten⸗Fa⸗
hrikation ein Konlurrenzwerk zu gründen. Er würde ein
olches unterstitzen, soweit es den bisherigen Lieferanten
zgegenüber in loyaler Weise geschehen könnte.

Volitische Runudschau.
Deutsches Reich.
* Wie ver „Lolal⸗Anzeiger“ erfährt, wird de. Reichs—
anzler Fürst Büow am 20. dss., dem Tage des
Wiederzusammentritts des Reichsstages Abordnungen aus
berschiedenen Teilen des Reiches zur Entgegennahme von
Adressen zu Gunsten der Reichssinanzreform empfangen
Man erwartet, daß der Reichskanzler bei dieser Gelegen
heit eine bedeutungsvolle Ansprache halten und noch
einmal die für die verbündeten Regierungen leitenden
Vesichtspunklte darlegen wird.
*Die unter Leitung des Berliner Anarchistenführers
Lange in Dresden tagende Konferenz sächsischer
Anarchist en befürwortese den Zusammenfchluß aller
Anarchisten Deuischlands und beschloß die Einfetzung ei—
nes Agttations-Komitees zur Abbhaltung jährlicher Qu—
iammenlfünfte.
*Entgegen bisherigen Annahmen, daß aus Sparsam—
leitsagründen eine Kaiserparade in diesem Jahre nicht
abgehalten werden solle, findet diese nun doch und zwar
am 11. Spetember auf dem Gxerzierplatz bei Forch—
hei“m für das 14. badische Armeekorps statt. Daran
schließen sich dann die dreitägigen Kaisermansöver.
* Bei der im sünften Wahlbezirk des Regierungsbezir—
kes Schleswig stattgehabten LRandtagsersatß—
wahl entsielen sämtliche 165 abgegebenen Stimmen auf
J. Toennies, Amtsvorsteher in Carding (nat'ona liben.
Fraukreich.
*Der „Temps“ veröfssentlicht die langere Zuschrtift eines
höheren Offiziers, der sich aus militärischen Grüuden ge⸗
gen die Herstellung weiterer VogesenzEisenbahnen aus—
spricht. Die jetzige Stellung von Belfort und Epinal in
Verbindung mit dem Vogesenwall sei stark, aber sie würde
wesentlich geschwächt, wenn die Vogesen an einer oder
gar an mehreren Stellen durchbohrt würden. Der Offi
zier schließt, man solle sich nicht durch Erwägungen wirt
schaftlicher Natur zu Maßnahmen verführen lassen, di
über kurz oder lang Frankreich teuer zu stehen kommen
würden. Auf alle Fälle müßie man anm Ausgange jedes
Tunnels siaske Befestigungen anbringen, aber das koste
wieder viel Geld und Frankreich habe ohnehin schon Feft
ungen genng.
* Paul Doumer, Mitglied des Marine-Enquete-Aus—
schuifses, Seröffentlicht im „Matin“ einen Artikel, worin er
zu dem Schluß kommt, daß die franzssische Marine
sich in einem Zustande völliger Anarchie vesinde. Sie
besitze weder die genügende Anzabs Mannschaften noh
Geschünkne und Geschosse

Spanien. 2*
* Das Amisblatr“ veröffenticht ein Dekret, durch das
der Bau des neuen Schiffsgeschwaders, so—
wie die Instandsetzung der Arsenale von Ferrol und
KCarthagena der spanischen Schiffbaugesellschast ühertra—
den wird.

F Amerika. we 83*
*Der Senar der Vereinigten Staaten ratis erie den
Vatentvertran mit Deutichland, wongch die Mus.
zeutung eines Patentes in einem Lande für dessen Gm.
sigleit im anderen genügt.
I* Admiral Evan veröffentlicht im Hanpton-Magazin
inen Artikel, worin er darauf hinweist, daß die ame⸗
ritkanische Flotte nicht genügendOfftziere
zesitzt, sodaß z. B. bei der letzten Kreuzfahrt des öfteren
Panzerschifse von Marine-Aspiranten kommandiert wer—
bden mußten. Admiral Evan befürwortet, um diesem Man
gel abzuhelfen, eine numerische Erhöhung der Offiziers—
lellen, bessere Vensions-Fürsorge, sowie ein schnelleres
Alvancemen

— —
GHo)of und Gesellschaff.
„**s Qönigin Alexandra und die Kaiserin-Wil
wie von Rußland sind nach Paris abgereist, wo sie mii
dem König zusammentreffen. —R——
*8 Im Alitier von 84 Jahren ist in Bukarest die Für—
stin Elena Cusa, die Witwe des am 22. Februar
1866 zur Abdanlung gezwungenen rumänischen Fürsten
Alexander FJohann 1. gdestorben —
— — *
Heer und Flotte.
⸗* Das Reichsmarineamt hat der Werst von BlLo y m
u. Voß den Bau des großen Panzerkreuzers
„H“ übertragen. Der nunmehr der genannten Werft end—
zültig in Auftrag gegebene große Kreuzer ist das eine
der beiden Schiffe des diesjährigen Etats, über welche
bekenntlich das Reichsmarinenmt bereits einen Vorvertrag
abaeschlossen hatte.

Vermischtes.
Der „Schrecken des Tschungels“. Aus vtew⸗VYortk
vrird berichtet: Für die ängsiliche Vorsicht, mit der Exr—
prusident Roosevelt Sorge getragen hat, daß die Schilde
—DD— Feder vorbe
halten bleiben, entschädigen sich die amerikanischen Bür—
ger damit, daß sie den einstigen Präsidenten zur Ziel—
scheibe lustigen Spottes und freundlicher JIronie machen.
In den Blaͤttern erscheinen täglich Scherzgedichte und ko—
mische Sinnsprüche, die Roosebelts Abenteuer mit den
Raubttseren des Urwaldes behandeln, und in den Vorstadt⸗
Hheatern hält xeder Komiker es für seine Pflicht, in ir—
gend einer Form Roosevelts und seiner künftigen Löwen
zu gedenken. In Ringlings Zirkus in Madisens-Square⸗
ßart wird der erste Clown täglich von Taufenden beju⸗
elt, wenn er in der Maske Roosevelts erscheint und den
dampf mit einem Partner aufnimmt, der in ein Löwen
etl gekleidet, ganz entsetzlich brüllt. Nur mit einem
Stocke bewaffnet geht Roosevelt seinem Feinde entaegeun
uind schlagt ihn schließlich tot. Ein weitverbreitetes Rew—
erker Blatt hat eine besondere tägliche Rubrik einge—
ichtet, in der es ausschließlich „Lügenlose Telegramme
peröfsentlicht, die von Roosevelts Abenteuern berichten.
Zchon die ersten Tage von Roosevelts Fahrt auf der
Hemburg“ sind in diesen lügenlosen Telegrammen sehr
müsant geschildert. Eines Tages brach unter den Hei—
ern an Bord ein Streik aus, da heizte Roosevelt ganz
illein die Kessel des Schisses, bis die Arbeiter wieder
icchjaben. Als er am nächslten Tage gerade dem Kapi⸗
än einige Aufklärungen über Schifsahrt gab, türmte sich
vor den Dampfer eine Riesenwoge auf. Roosevelt spriugt
»on der Kommandobrücke herunter, läuft zum Bug und
chmettert die Welle mit einem Fausischlag in den Ozean.
Dann versagten die Schiffsmaschinen, zum Glück gelang
s aber Roosevelt, mit den Händen die Schrauben so⸗
ange in unverminderten Geschwindigkeit fortzudrehen, bis
»e Reparaturen der Maschinen fertig waren. Jung-Ame—
ika aber singt jetzt tagaus tagein das neueste Couplet
on „Teddy, dem großen Dichungelhelden“, vor dem die
zquna ganz Afrika bereits ängstlich zittert und den die
Bwen bei der Erziehung ihrer Kleinen als schwarzen
Nann benutzen.

———
Düppel vom 10. Februar
bis 18. April 1884.
In der Racht vom 9. zum 6. Februar 1864 hatten
zie Täncn unter Hinterlassung einer großen Menge sehr
chwerer Geschütze, Munition, Waffen und Kriegsvorräte
Aller Art die Danewerke geräumt und den Rückzug nach
erden in die verschanzte Stellung bei Düppel fortge—
etzt, wo sie nach einem ungünstigen Gefecht bei Oeverfee
noch am Abend des 6. eintrafen. Dte Stellung, mit al—
eu Mitteln der neueren Befestigungskunst verstaͤrkt, be—
tand aus 10 teils offenen, teils geschlossenen Schanzen,
»ie in zwei Reihen hintereinander lagen, und zwar der
art, daß die zweite Reihe an der weitesten Stelle nur
100 Meter von der ersteren entsfernt war. Zu der Stell—
ing gehörten auch der etwa 1500 bis 2000 Meter hinter
den Schanzen gelegene Brückenkopf und die auf der In⸗
el zAlsen besindlichen Befestigungen. Vor den Schanzen
jatten die Dänen noch nach dem Angrifssfelde zu im Be—
eiche des wirlsamsten Kartätsch- und Gewehrfeuers die
nannigfachsten Hindernisse, wie Drahtzäune, spanische Ret
er. Wolfsgruben usw.. angebracht. um die Annherung
u erschweren.
Am 10. Februar setzten die Verbündeten den Vor—
narsch fort; die preußische kombinierte Gardedivision be—
etzte mit den österreichischen Truppen das nördliche
zchleswig und Prinz Friedrich Karl mit dem kombim'er
en preußischen Korps das Sundevitt mit dem Befehl,
Düppel einzuschließen und zu stürmen. Am 22. Februai
zriffen nun die Preußen an und vertrieben die Dänen
2guernd aus den vor den Verschanzunzen liegenden Ge—
ölzen, doch blieben letztere in dem Besitz der Dörfer
Düppel und Rackebüll. Das Ergebnis dieses Gefechtes
var die Erkenntnis, daß ein Angriff auf die verschanzte
Ztelle mit Rücksicht auf die geringe Stärke und ohne
chwere Geschütze nicht rätlich war, auch hatte man er—
annt, daß sich vor dem rechten Flügel der Schanzen ein
»reiter Grund hefand. der ven Mlsen aus stark beschoyfsen
vurde.
Zo wurde denn schwere Artillerie herangezogen, und
un 15. März richteten die Batterien ihr Feuer auf di?
zchanzen 1 und 2, sowie auf Sonderburg. Am 17. er—
olgte die Erstürmung der Dörfer Düppel und Rackebüll,
o daß dte preußischen Vorposten bis in die Lime Freu⸗
ꝛenthal⸗Phytthaus-Sille-Mölle vorgeschoben werden konn—
ten. Nach dem Cintreffen von Verstärkungen war in der
Nacht zum 30. März die erste Parallele in einer Ent
ernung von 1000 bis 1200 Meter von den Schanzen ge—
zen diese eröffnet worden, und in der Nacht zum 7. Apris
vurden weitere Batterien gebaut, die um 7 Uhr mor—
zens das Feuer cröffneten und während des ganzen Ta
zes fortsetzten. So wurden bis zunt 10. April das Ba—
ackenlager in Brand geschossen, viele Blockhäuser zer'tört
ind die Düppelmühle niedergelegt. Als dann in der
Nacht zum 11. April auch die zweite Parallele ausgeho—
»en und in der Racht zum 13. die dritte Parallele ferng
var, wurden die dänischen Vorposten in die Schanzen
zurückgezogen. Am 18. April erfolgte nach vorangegan—
zenem fortgesetzten Geschützfeuer der Sturm, der bekannt—
ich mit dem Fall der Stellung, in der sich die Dänen
ast volle zehn Wochen behaupiet hatten, endigte.
Es würde zu weit führen, auf die höhere Führung
täher einzugehen, aber so viel sei gesagt, daß die Be—
»eutung der Düppelstellung viel mehr ausgenutzt werden
onnte und mußte; vor allen Dingen halntc die Stellung
als Ausgangspunkt eines vielleicht erfolgreichen Angriffs
aachdrücklicher verwertet werden sollen. —A
zeschehen konnte, erhellt schon daraus, daß den Verbün—
geten die zur Eroberung der Stellung noͤtigen schweren
Geschütze fehlten und erst aus der Heimat herbeigeschafft
werden mußten, so daß in den kriegerischen Unternehm
ingen eine Pause von fünf Wochen eintrat.
Was aber den 18. April und die voraufgegangene
Belagerung sür unsere Truppen zu einem unverwelklichen
Aorbeerreis in ihrem Ruhmeskranze machte, das ist die
ervorragende Ausdauer und Selbstüüberwindung, mit der
ie die lanze winterliche Belagerung mit allen ihren Au—
trengungen und Entbehrungen in Froft und Schneetreiben
usgehalten haben; das ist der Mut und die Tapferkeit,
mit der sie — ungeachtet der sie grüßenden Todesboten —
hrem Eide getreu zum Sturme schritten und die feste,
toch während der Belagerung immer mehr ausgebaute
Düppelstellung zu Fall brachten. Diese selbstverleugnen⸗
en Lesftungen verdsenen um so mehr hervorgehoben zu
werden, als die Armee nach fast 50jähriger Waffenruhe
um ersten Male wieder einei Feinde gegenüberstand und
damals Winterübungen noch völlig unbekannt waren. Da
um wollen wir in dieser Zeit und namentlich am 18.
April der Kämpfer um Düppel gedenken, der toten Und
gefallenen Helden in stillem Gebet, der noch lebenden aber
nit einem von Herzen kommenden dreifachen Hoch und
em Gelübde, daß wir, wie sie, dem Kaifer und dem
Baterlande die Treue halten wollen dis zum letzter
stemzuge, sei es Fricde oder Krieg

Aus Pera wird berichtet: Die Zahl der seit dve
zinn der Bewegung Verletzten wird auf 70, die
»er Getöteten auf 15 geschätzt. Die Mehrzahl der
Anglücksfälle wurde durch die Freudenschüsse der Meute—
er verursacht. Unter den Toten solsen sich einige hohe
Vürdenträger des Hofes befinden. Es ver
autet, daß im Jildiz große Verwirrung vor—
janden ist. Der Sulban hat die Rückberufung“ der
dom ehemaligen Kriegsminister aus dem Jildiz entfern—
en Palasttruppen angeordnet. Tie Rücklehr der Truppen
st bereits teilweise erfolgt. Die Truppenbewegungen ha—
ꝛen den ganzen Tag angehalten. Das Haus des frühe—
ren Kommandanten der kaiserlchen Garde, Muktaͤr
Pascha, wird von mehreren Bataillonen Meuterer be—
lagert; er hißte die französische Flagge, darauf umerte
zen die Truppen auf Wunsch der Regierung einen An⸗
iriff. Viele Versonen sind auf die im Hasen liegenden
Zchiffe gefluchtet. In Tophane sammelte sich der
Pöbel und nahm eine drohende Haltung an, wurde iedoch
zom Militär zerstreut.
Im RKonstantinopeler Vorort Arnautiotam Bos—
porus wurden zwei Offiziere, welche dem dorti—
zjen Truppenkommando angehörten, füsiliert. Die
Wache siellte die Offiziere an die Straßenmauer und nahm
die Exekution vor. In der Bevölkerung brach eine Panitk
aus, doch beruhigten sie die Soldaten versichernd, daß
nur die beiden Offiziere erschossen werden sollen.
Tiplomatische Depeschen melden, daß in Adana ein
Massacre von Armeniern siattgefunden habe.
Die Armenier sollen die Türten dadurch gereizt haben.
daß sie drei Türken umbrachten.
Tie Jomuden, ein Turkmenenstamm, umringten
die Stadt Asterabad, die vor einiger Zeit von kau
lasischen Revolutionären unter Führung des früheren Zei—
tungskorrespondenten Pano w eingenommen worden
war, und eröffneten den Kampf gegen die Revolutionäre,
wobei viele Personen getötet oder verwundet wurden. Pa—
now. floh. Seine Anhänger ergaben sich dem russischen
sonsul. Im russischen Konsulat fanden viele Bewohner
der Stadt und der umliegenden Dörfer mit Frauen und
indern Zuslucht. Dte Bevölkerung ist von einer Panik
ergrifsen, da cin Blutbad von Seiten der Turkmenen be—
ürchtet wird.
Tie Nachrichten aus der Provinz besagen, daß die
Verfassung nicht fallen dürfe, widrigenfalls die Truppen
n Konstantinopel einmarschieren würden. Unbedingt reat
ionäre Absichten sind bisher nicht nachweisbar. Neue Be—
inruhigung wird dadurch hervorgerufen, daß die Marine—
Soldaten vor dem Marine-Ministserium eine Kumndg erb—
tung veranstalteren. Sie wollen angeblich einen anderen
Marineminister. Bei Tophano, auf dem Wege von Ga—
ata nach dem Jildis wurden Männer in einem Wagen
verhastet, denen Bom ben abgenommen wurden.
Tas jungtürkische Komitee hat in einem Meeting
jegen den Kabincttswechsel protestiert und beschlos
en, mit dem mobilisierten 3. Armee-Korps nach Kon—
tantinopel zu marschieren. Jaau Bei wird mit 10 000
Freiwilligen erwarte

Beabsichtigte Proklamierung der
Republikin der Türkei.
Konstantunopel, 16. April. In Saloniki und
u ganz Mazedonien werden Flugzettel und Anschläge ver—⸗
areitet, in denen die Euntthronun g des Sul-—
Aus und die Bildung einer Republik gefordert werden.
Die provisoruche Hauptistadt der Republik soll Saloniti
verden

Oie Lage am Balkan.
London, 16. Äpril. In einer Belgrader Meld—
ing bestätigt der „Daily Telegraph“, daß die bulga⸗
ische Regierung beabsichtige, die türkifsche
degierung zu zwingen, die schwebenden Fragen
mischen beiden Ländern unverzüglich zum Abschluß zu
aringen und evennuell zur Mo bil machumg zu schrei—
en. Die Beziehungen zwischen Bulgarien und zwi—
chen Ser bien bessern sich. Indessen sind die Geruchte
iber eine Militär-Konvention zwischen beiden Dndern
ienbegründet. Serbten und Bulgarien werden sich darauf
beschränken, einen Handelsvertra g auf breiterer
vrundlage als bisher abzuschließen. Dieser Vertrag solt
um Jahre 1917 durch eine wirtschaftliche Unien ersetzt
verden. Die bulgarische Regierung hat die Durchfuhr
erbischen Kriegsmaterials, die von der Turkei über Ma—
edonien nicht geduldet wurde, nunmehr gestattet.
Belgrad, 16. Aprik. Aus Ueskueb wird gemel⸗
det, daß in Prizrend 6 Serben ermordet wurden. In
dolaschin wurden 2 Serben ermordet, der eine davon
var ein Geistlicher. Hier hegt man die Besürchtung, daß
dne Konstantinopeler Vorgänge neue Verfolgungen der
Serben und Mordtaten an ihnen zur Folge haben.
Sofia, 16. April. Da es nach den yier vorliegen⸗
den Meldungen wahrscheinlich ist, daß es, falls die Trup-*en
 von Saloniki nach Konstantinopel marschieren follten,
wischen diesen und den Adrianopeler Truppen, die zum
zultan halten, zu einem Zusammenstoß torumen dürste,
o verfügte die Regierung die Zurückberusung der auf
erurlaub befendlichen Ofsiziere und Mannschasten.
Belgrad, 16. April. Die Vorgaͤnge in der Tür—
ei bleiben nicht ohne Rückwirkung auf Serbien. Es ist
in Komitee in der Bildung begriffen, welches bezweckhkt,
sauden zu organisseren und diese nach n
bien und der nördlichen Türkei zu entsenden

Die Unruhen in Perfeen.
Aus Täbris wird berichtet: Eine Reiterschar, di—
oun Rakim Khan gegen die Stadt entsandt wurde
vurde von Sattar Khan zurückgeschlagen.
Ebenso richtete die von Ain ed Dauleh aus geführte
heftige Beschießung in der Stadt nur geringen Schaden an.
Die gesamte Praesse, durch die letzten Ereignisse
ersichtlich eingeschüchtert, hütet sich vor vorzeitigen Urtei—
ien und beschränkt sich auf die Schilderung der letzten Er
eignisse. Einige Blätter bezeichnen die Aufgaben des
neuen Kabinetts als schwierig und ermahnen die Sol—
daten, die Softas und die übrigen Studierenden, sowie
die Bevölkerung, sich jetzt nicht mehr mit Politik und De
monstrationen zu beschäftigen, sondern aus Vaterlands
iebe Pflichten zu erfüllen. Für das Jungtürkentum sin
det sich kein Verteidiger, im Gegenteil, einige Blatter ver
urteilen dessen Politik, nur wenige weisen auf dessen u
vrünaliche Verdiensie hin.

——

Der Ausbruch des Aetna.
Rom, 16. April. TDer Ausbruch des Aetna nimmt
iinen großen Umfang an. Ein heftiger Aschen—
egen ist über Cattania und Umgegend niedergegangen.
die Einwohner flüchten, die Saaten sind vernichtet. Auch
ver Sitrombosi ist in Tätigkeit gefreten
            
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