Full text : Dudweiler Zeitung

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Freitag, ven 16. Apri! 1909.

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Allgemeiner Anzeiger für den Rürgermeistereibezirh
Dudweiler.

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Mit ZBeilagen: „Velletristische Wochenschrifte. und
FTustige Blätter“.

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monatlich 20 Pfg. frei ins Haus gebracht; bei der Post
bestellt M. 2,25 vierteljährlich.
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e „Dudweiler Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.

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pal bei mehrmaligen Inserationen
—ter Rabatt.
ig von J. Unterkeller
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Wohlstand gepracht hatte und der seyr unglucttich uber
elnes Sohnes Aufsührung war. Letzterer war seiner
doantrolle so ziemlich entwachsen. Tes Vaters einzige
»ossnung lag in dem Umstand, daß sein Knabe bald 14
Jahre alt ist und aus der Schule entlassen wird; dann
vürde er in einer Werkstatt oder anderweitig Arbeit be—
ommen und sich sicher anständig aufführen. Da aber das
Schulschwänzen bei solchen Schullindern an der Tages—
ordnung ist, und Michgel sehr unwissend war, versuchte
die Probationsbeanitin den Vater zu überzeugen, daß
Zchulbesuch besser für seinen Sohn ist als Arbeit. Dies
selang ihr auch nach häufigen Besuchen. Sobald nun der
Junge sad, daß er die Schule besuchen mußte, bis er die
achte Klasse absolviert hatie, wurde sein Interesse für
eine Schularbeiten reger, — er wolite so schnell wie mög
iich mit der Schule fertig sein. Seine Lehrerin hatte we—
niger Mühe mit ihm, was seine Schulkarten bezeugten,
die wöchentlich im Probationsbureau der Beamtin vorge—
zeigt werden müssen. Nach zwei Monaten konnte Michgel
in die höchste Klasse versetzt werden; sein Interesse am
Lernen war so groß geworden, daß er die Absicht hat,
das Gymnasium zu besuchen und Apotheker zu werden.
Dieser Wechsel vollzog sich innerhalb acht Monaten.
In dieser Zeit sah die Beamün jede Woche den Jungen
ein⸗ bis zweimal, zog ihn an sich heran, gewann fein
Vertrauen und konnte dadurch einen unschätzbaren Einfluß
zusühen. Sie ist überzeugt, daß Michael von der ab—
schüssigen Bahn gewichen und sich auf dem geraden Weze
der Rechtschafsenheit zum Manne entwickeln wird. ...
Ein besonders schlimmer Fall ist „Fim — ein ver—
wahrlost aussehender Knabe, der mit noch zwei anderen
»crhaftet wurde. Jim, ein Ire, 12 Jahre alt, veran
aßte zwei kleine Kerschen von 6 bis 7 Jahren, aus ei—
ner Ladenkasse Geld zu siehlen. Der Augenblick schien
zünstig. Jim stand Wache und bemerkte sehr bald einen
Potizinen, dem er ohne weiteres, um selbst der Strafe
zu eutgehen, seine Kameraden preisgab. Als Letztere mit
der Beute aus dem Laden herauskamen, wurden sie na—
türlich fessgenommen, aber zu Jims Entsetzen er selbst,
als Zeuge, mit verhbaftet. Der Richter sah natürlich so⸗
fern wer der eigentliche Uebeltöter war, und entließ die
armen, geängstigten Kleinen mit einem Verweis und der
rische Jüngling wurde unter die Obhut der Probations-Beamtin
 gestellt.
Jims Heim war recht elend, schmutzig und unordent
sich, ohne jeden Lichtpunkt, die Mutier meistens betrun—
en. der Vater pflichwergessen. Die Beamtin machte zwei
Wochen lang beinahe tägtich Besuche in diesem sogenanw
en „Heim“ und versuchte die Zusande zu vesern VB
Uere Bruder, 15jährig, wurde wegen Gebrauchs von
Locain — Hunderte von Knaben verschafsen sich dieses Be—
uhungsmittel, pulveristert, schnupfen es mittels einer
Stahlfeder und ruinieren Körper und Geist — auch ver—
zaftet und unter Probation gestellt. Der Vater wurde
»orgeladen und ihm endrunglich seine Pflicht vor Au—
gen gesührt, das Seinige zu tun, um die Mutter vom
Trinken abzuhalten und Ordnung in sein Haus zu brin—
rien Die Beamtin scheute leine Mühe, um Eltern und
Finder auf den rechten Pfad zu leiten, und nach zehn
Manaten ungefähr zeigte sich ermutigende Besserung. Die
Zchulzeugnisse sind befricdigend und die Knaben rappor—
ieren jede Woche pünkllich und sind ansländig gekleidet .,
Auch ein Fall sei erwähnt, wo das Einschreiten der
Probat'ous-Beamtin ein schon im Gefänanis weilendes
Madchen durch Petition befreite.
Maude, ein 16jähriges, blondes, ungewöhnlich
hübsches Mädchen, wurde von der Beamtin im Gefäng
nis gesunden, wo sie eine Strafe von 60 Tagen abzuͤ
züßen hatte. Nach Ablauf dieser Zeit in die Welt zu
rückgekehrt. hätte sie wohl ihr lasterhaftes Leben weiter
esiihrt Dies mufste vermieden werden »22 war

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Jugendgerichte in Amerike
fQRue Anregung zur Schaffung von Jugendgeriehten, an
er gegenwärtig in Deutschland eiftig gearbeitet wird, ist,
wie bekannt, von Amerika ausgegangen. Als in den volk—
reichen Verkehrszentren der Veretnigten Staaten die Ver—
wilderung der heranwachsenden Zugend immer schimmer
wurde, kamen einsichtige und weiterfahrene Richter zu der
Ueberzeugung, daß es verkehrt ist, die jungen Uebeltäter
nach den Regeln des gewöhnlichen Strafprozesses und nach
den strengen Vorschriften der Strafgesetze zur Rechenschaft
u ziehen, weil sie dadurch auf dem Wege des Verbre—
hens, den sie infolge ihrer niangelnden Erziehung und
Veaufsichttgung einnmtal betreten haben, festgehalten und
verhindert werden, den Anschluß an die menschliche Ge—
sellschaft zu finden. Sie sahen ein, daß es vor allem
darauf ankommt, die jugendlichen Verbrecher vor einem
weiteren Hinabgleiten auf der schiesen Ebene zu bewah—
ren, und sie ersannen als ein geeignetes Mittel hierzu
das „Probation System“, das System der Bewährungs—
zrist. Ueber dieses System, das — uner Berücsichtigung
der anderen Verhältnisse in der Allen Welt — in unse—
ten Jugendgerichten eine sinngemäßke Rachbildung finden
soll. und die damit erreichten Erfoldge wird aus Auerika
geschricben:
Als im Jahre 1899 der Kindergerichtshof in Chicago
ine erste Sihung hielt, sagte Richter Richard Tuthitl:
„Meiner Ansicht nach ist der probationelle Gesichts—
unkt der Grundstein zum Bau, der das Rindergesetz stütt
ein Bau, der eine Brücke der Hossnung für alle diese—
igen bedeutet, die Kinder lieben und den Wunsch hegen,
eaß sür sie in der richtigen Weise gesorgt wird, und die
gern geeignete Anordnungen trefsen möchten sür solche
Kinder, die ohne diese Fürsorge ein lasterhaftes und ver—
brecherisches, also ein unglückliches Leben sühren wurden.“
Heute, nach acht Jahren, wissen wir, daß diese Pro
phezeiung nicht übertrieben war, soudern daß die Pro
bation Tausenden zum Segen geworden ist. Die Proba
non sür Kinder ist sehr klar und einsach. eine kom
plzierten, technischen Theorien sind in den Stamten ver
wickelt.
Ehe das Probationssystem exisftiecrte, wurden Kinder
von 12 bis 14 Jahren für kleine und große Vergehen
verhastet und ins Gefängnis gesteckt, wo sie mit nototri
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son war, daß diese unglücklichen Kinder, anstatt besse
it werden, sich zu wirklichen Verbrechern heranbildeten
Das Probationssystem dagegen nimmt die grsßt«
urdlsicht auf Erziehung und Umgebung der hjugendliche:
tissetäter und Missetäterinnen. Die Probationsbecnttin,
ie gerne für Kinder unter 16 Jahren gewählt wirod, jsoll
is Freundin angesehen werden. Vereinigt sie die uoti—
zen Verstandes- und Herzenseigenschaften, dann kann die
on unschätzbarent Segen für die unglücklichen Kinder wer
»n. Wie in allem anderen, so sprechen auch hier die
ultate am besten. Hier einige Beispiele:
Michael, ein hübscher, schlanker, dunkeläugiger Ita—
„ 13 Jahre alt, wurde wegen Tiebstahls verhastet.
rehatte auf dem Eis beim Schulschwänzen ein paar
Zchlittschuhe gestohlen. Er wurde nach der Polizeiwäche
sebracht. Dort sindet sich die Probationsbeanitin jeden
Morgen ein, um nachzusehen, ob einer oder cine ihrer
Schütlenge sie nölig hat. Der kletne Uebeltäter warde ihr
ibergeben, anstatt wie früher ins Gefängnis Jesteckt zu
verden, bis sein Fall vor Gericht kommt. Ihr Sestes war,
das Heim Michaels zu untersuchen, zu erkunden, in wel
ain Verhältnissen die Eltern leben, inwieweit sie ihre
Pflicht gegen den Sohn erfüllen, ob die Wohnung sich
in anständiger Nachbarschaft befindet, ꝛc.
Das Ergebnis war günstig. Der Vater war ein seler
vpoaromer Fialiener der es hoan 2au einem gewisie
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Dersohnt

ich eine Waise und hatte vor ihrer Verhaftung bel byrer
Aroßmutter, in der Nähe von Newark, gewohnt. Nach
deren Tode trat sie in einen Dienst, in dem sie nur zweij
Wochen verblieb. Dann führte sie ein unmoralisches Le—
ben, das ihre Verhaftung zur Folge hatte. Eine Petition
vurde dem Gericht vorgelegt, dahin lautend, daß das
Mädchen vom Gefängnis aus ins Staats-Mädchenheim
nach Trenton (Industrieschule) gesandt werde, was auch
genehmigt wurde. Die Beamitin entschloß sich zu diesem
ZSchritt, als sie die große Reue des Möädchens gesehen
zatte, das sie bat, es etwas lernen zu lassen, womit es
päter sein Brot verdienen könne.
Hunderte von Fällen könnten noch von dem Segen
der Probation zeugen und klar vor Augen führen, wie
die Probationsbeamten und -Beamtinnen es unternehmen,
iber das fehlende, unglückliche Kind zu wachen, es zu
eiten, es zu beschützen, mit einem Worte, ihm ein treuer
Freund zu sein.
Soweit der Brief aus Amerika. Aus den Erfahrun—
gen, die man dort mit dem Probationssyssem gemacht
hat, kännen wir für die Einrichtung der Jugendgerichce
nanche aute Lehre nehmen.

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Volitische Nundschau—
Deutsches Reich.
wNachdem im Reichsamte des Innern ein vorläufiger
?ẽniwurf zu einer Novelle zum Secunfallgesetz aufgestollf
vorden ist, trat nunmehr in diesem Reichsamte eine Kom⸗
nifsion von Sachverständigen zusammen, um den Ent?
vurf zu begutachten. Die Sachverständigen sind den Vor—
itzenden der Seeämter, den Beisitzern des Ober-Seeamts
ind der Seeämter, den Reichskommissaren, dem Anwalt—⸗
tande und sonstigen sach— und rechtskumndigen Kreisen ent—
tomumen. Sobald der Entwurf von der Kommission durch—
eraten ist, soll er veröffentlicht werden, damit die Inte⸗
essenten, insbesondere die Vertretungen und Vereine des
Handels- und Schifferstandes Gelegenheit haben. Stellung
n ihbm zu nehmen.
Oesterreich⸗ Uugera.
* In Wiener Hofkreisen wird bestätigt, daß der deut—
ze Kronpriuz aus Bukarest kommend, am 24. d. M.
zunt Besuch Kaiser Franz Josefs in Wien
iutrisst. Der Kaiser wird seinen Galt am Bahnhofe be—
rrüßen.

Hollanti
»Königin Wilhelmine weilte die lehten Tage
des üseren im Schloßgarten. Das freudige Ereiams
wird nunmehr bestimmt bis Samstag erwaäriet
Frankreich.
Ministerpräsident Clemenceau, welcher in Abwesenheit
des Minissers Pichon das Porteseuille des Auswärtigen
Amtes interimisftisch verwaltete, hat Pich on angesichts
der erensten Lage sin der Türken telegraphisch nach
Laris zurückßerufen. Pichon wohnte bereits dem letzten
Acinisterrate bei. Clemencéeau empfing den Botschafter
Fürsten Radolin und den russischen Botschaster Nelidow.
*Tie Ansicht zweier Mitglieder des Marine⸗Untersuch-⸗
ungs-Ausschusses, daß die vorhandenen Vorrate an
Arzneien und Verbandswerkzeug in den
Narine-Hospitälern durchaus unzulänglich seien, wird
durch die Vorsteher der betreffenden Verwaltungszweige
brstätigt, welche erklärten, daß keinerlei Vorräte vorhan—
den seien

Rußland. **
*Aus Petersburg wird' berichtet: Die Anleihe für
Bulgarien wurde al pari sabgeschlossen.
Sie beträat 82 Millionen und ist in 75 Jahren tilabar.

Vald nach meiner Genesung starb auch er, eine kleine
mutterlose Waise, die kaum zweijährige Lucilia, hinter—
lafssend. Ich habe mich treulich des Kindes angenommen
sie hält mich bis heute nech für ihren Onlel, und sie
toll es auch nicht erfahren, daß keine Bande des Blutes
ins verbinden.“
Fabio hatte in größter Spannung den Worten des
alten Horren gelcuscht.
„Ist Ilona wirdlich Ihr rechtmäßiges Kind?“ fragte
r endlich.
„Ich zweile keinen Augenblick daran; wiewohl bis
jeßt die große Aehnlichteit mit ihrer Mutter und Deine
Schirderung ibrer frühesten Kindheit die einzigen Beweise
„Mir war eine gewisse Aehnlich'eit gleich aufgefallen,“
zab Fablo zu, „doch wunte ich gar nicht, wo ich dieselbe
gesehen hatte; jetzt erinnere ich mich, sie gleicht denm Por—
rät ihrer Mutter.“ Daun faßte er die Hand des aucn
Hertn und bat: „Vor wenigen Wochen waren Sie nich:
mit meiner Wahl cinverstanden, jetzt, da Sie allein über
JIlonas Hand zu vesrimmen haden, bitte ich Sie nouch
umal, mir ihr, Lebensglüch anzunertrauen: moa
ins beide nicht unglücklich!“
„Du hast das größte Recht an sie,“ verseßte der te
derr gerübrt. „Hättest Tu sie nicht gerteer, so dätte da
ängst in den kalten Fluten ihr Grab ge unden. ZSie ne—
zrt Dir, wenn ihr Leéeen erhalten bleibt“
Jetzt trat der Doktor ein.
„Besser wie ich erwaktete. Sie ist etageschlasen und
vird voraussichtlich mehrere Stunden ruhen; sorgen Sie
nuir, daß ihr Schlaf nicht gestört wird', rwiderte der
Arzt heiter auf die Frage Fabios.
IIch will sogleich nach Signora Lennox gehen,“ schlug
der Marqu's vor. „Bleibe Du hier, Fabio, und sorge für
die arößte Ruhe bis zu meiner Rückkehr,“ und in freudiger
Frregung verlleß er das Haus.
Fabio war allein. Seine Stirn zog sich in drohende
Talten els er der Gefahbt gedatte der Asangze—
— —4

——
„Wer kemn ste so yassen, um sie in den Tod zu
treiben,“ murmelte er, und seine Hand ballte sich krampf⸗
haft zusammen. Plöbhlich hielt er in seinen Wanderungen
ue:Lucilia!“ flüsterten seine bebenden Lippen; —
sollte es möglich sein? sie haßte das unschuldige Kind.“
Es ließ ihm nicht länger Ruhe, er muißte Luci ia
ufsuchen und fand sie im Garten.
„Was hast Du getan, Lucilia? Was hast Tu getand“
viederbelte er finster. , α
Lubilia erschrak.
„Ich veritehe Dern nicht“ hade endiih. „Evrich
entlicher.“ . . ,
Fabio fuhr erregt sort: C e VWe konnkest Du
ur Deine Seele mit einer seld, uld belasten!
Da hättest uns bald alle ung ae Du merktest,
bie sehr Lrsender Receo bas Uind mit seiner
ete belaftigt. und die 5* 711 zur Ver—⸗
ettinal — Saruin hat ? ielit an ihme warum
ch DAtt unschnidlaäen Kind. —
— „Sprich deutlich, wenn ich Dich verstehen solll — Hat
vir?ligz Lysander das blasse Macchen geliebt?“ versetzte
LAueilia erwartungsvoll.
„Er scheint sie belästigt zu haben. — Lucie, Du wuß—
en cht, daß Du das rechtmäßige Kind Deines Onlels,
—r ben Deiner Kindheit an Dein Wohltäter war, mit
Dennein Haß versolgtest? Ilona ist sein eigenes. lana ver⸗
Arnes Kind!“
Luellia wurde leichen laß; ihren Augen glühten un—
hehllch; das heiße itglienische Blut siedete in ihren
Udern.
„Sein Kind?“ zischte ne, „ein rechtmäßiges, legiti⸗
pes Kind — und ich bin nicht länger die reiche Erbind
Sh. wenn ich das früher gegent hätte, so könnten Deine
Aermu ungen vielleicht begründet sein, Fabio Ascolt, aber
ert hast Du Dich geirrt. Ich habe Deiner Geliebten
niezt nach dem Leben getrachtet; suche nicht in mir die
Sdui ioel“
52i0 durfte nicht zweifein. ihre Warte trugen doet
— a 9 ——ee

„Es mag Dir sonderbar erscheimen, Fabic, aber den⸗
noch ist es so. — Ich war noch ein Jüngling, kaum in
einem Alter, als ich heimlich eine Ehe einging. — Sie
war schön und engelsgut, meine geliebte Nelly; doch durfa
e ich meinem Vater, der ein strenger, harter Mann war,
ein Wort von unserm Bündnis sagen. — Ein kurzes
Jahr lebten wir glücklich wie im Paradiese; der Himmel
satte selbst unser Glück vermehrt und uns ein Töchterchen,
ie kleine Ilona, geschenlt. Doch ach! das Glück war
ticht standhaft. Mein strenger Vater bestand darauf, mich
iner Expedition Afrikareisender anzuschließen. Ich will
nich kurz fassen, denn die Erinnerung an jene traurige
Zeit überwältigt mich. — Ich ahnte, daß ich mein trau—
es Heim lange verlässen mußte, versah meine weinende
Nelly mit reichlichen Mitteln, kaufte ihr das einsame Land⸗
zut unweit Neapel und nahm von ihr und dem Kinde
nit blutendem Herzen Abschied. — Wir waren übereinges
lommen, den Namen „Rinaldo“ zu führen, denn da ich
vohl wußte, daß mein Vater mich enterben würde, wenn
er von meiner früheren Verbindung hörte, weigerte sich
delly standhaft, meinen rechten Namen vor der Einwilli—
zung meines Vaters zu führen. — Als ich nach 6 Jah—
ten, die ich größtenteils krank oder in Gefangenschaft zu—
gebracht hatte, wieder in meinem Heimat'ande anlangte,
etwartete mich nur Leid und Elend. — Nelly zar tot —
von dem Kinde keine Spur — niemand im Dorse konnte
nir über den Verbleib meiner kleinen Jsona Auskunft ge—
en, denn auch die Wärterin war verzogen, ohne eine
Spur zu hintetlassen. Inzwischen war auch mein stirenger
Vater gesiorben, und gebrochen an Leib und Seele ver—
iel ich in ein hibiges Fieber. — Monatelang schwebte
ich zwischen Tod und Leben, und nur der treuen Plilege
eines Freundes. des Grafen Varry, verdanke ich meine
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