Schweiz.
*Da die bisherigen Verhandlungen in Sachen des
eutsch⸗schweizerischen Mehl⸗Koufliktes zu
keinem Erfolge zu führen scheinen, dürfte die Angelegen—
heit einem Schiedsgericht unterbreitet werden, das von
den beteiligten beiden Regierungen angerufen werden
—
scher Industrieller ein Boykott deutschen Mehles beschlos⸗
sen worden ist. Dieser dürfte sich aber keines allzugro—
ßen Umfanges zu erfreuen haben, zumal auch schweizeri⸗
scherseits die Ansichten über dieses jedenfalls äußertt zwei—
schneidige Vorgehen auseinandergehen und dieser Beschluß
von vielen Seiten bekämpft wird.
Rußland.
*General Stössel und Admiral Nebogatow ba—
hen ein Begnadigungsgesuch an den Zaren gerichtet. Es
hat bisher indes noch nicht seine Beantwortung ge—
funden.
*In Riga wurden wieder sechs vom Nriegsgerichte
derurteilte Personen, darunter ein Student des Poly—
bechnikums, er hängt.
Italien.
* Köntig Eduard erhielt vom König Emanuel ein sehr
herzliches Dankschreiben für die englische Unterstützung in
Süd⸗Italien. König Viktor Emanuel teilt in dem Schrei—
ben seine Absicht mit, in London einen Besuch abzustat—
leni, worauf König Eduard in herzlichen Worten erwi—
derte, daß er ihn im Mai erwarte.
England.
„Daily Chronicle“ beschäftigt sich mit der Reise des
euglischen Königspaares nach Berlin, von der das
Blatt wichtige internationale Folgen erwartet. Das Blatt
bebauert dabei, daß auf beiden Seiten der Nordsee die
Ruhestörer wieder tätig seien. In Deutschland, schreibt
das Blatt, wird wieder von dem eisernen Ring gefa—
bhelt, der auf Englands Betreiben um das deutsche Reich
geschmiedet werde. Das ist absurd, um so absurder, wenn
oie Fabel von einem ehemaligen Chef des Generalstabes
wiederholt wird. Niemals hat ein Minister Englands
an eine Einzwängung Deutschlands gedacht. Niemals hat
ein Minister Englands an eine Einzwängung Deutsch—
lands gedacht. Die englische auswärtige Politik ist klar:
ie beruht auf den beiden Pfeilern der Achtung vor
dem öffentlichen Recht Europas und der Sympathie mit
Allen auf einen liberalen Konstitutionalismus gerichteten
Heftrebungen. Auch Frankreich bilde keine Bedrohung
Nxr Deutschland.
—3*Castros Befinden ist so zufriedenstellend, daß
er jetzt außer Gefahr erfklärt worden ist und die Klinik
»es Profefsors Israel in einigen Wochen verlassen dürfte.
— —
Dentscher Handelstas
Berlin, 12. Januar.
Oie 32. Vollversammlung des deutschen Handelstages
eschäftigie sich in der Hauptsache mit der dteichsfinanz⸗
ctorm. Reichstkanzler Fürst Bülonw ließ sich durch den
Zraatssektretär v. Beth mannHollweng entschuldi—
ien. Schatzsekretär Sy d o w sprach über die Steuerre—
orm. Er sagte u. a.: Mich hat das, was über die
Zteuerresorm in ihrer Erklärung enthalten ist, sehr sym⸗
athisch berührt. Der Weisheit lehter Schluß ist: Kann
Re Deckung des Desizits, sür das die Mittel fehlen, ein—
ach um drei Jahre verschoben werden? Mir kommit die
SZrundung der Matrikularbeiträge ungefähr fo vor, als
venn eine ofsene Handelsgesellschaft ihre Lage dadurch
herbessern wollte, daß sie für das entstandene Defizit Ak—
epte ihrer Gesellschafter annimmt, die niemals eingelöst
verden follen. Wohin hat uns die Aufschiebung der Ma—
ritvlarbeiträge geführt? Der Schatzanweisungskredit stellt
ich sür 1908 -09 auf 475 Millionen Mark und ist schon
iberschritten durch die Zuhilfenahme des Anleihekredites.
Ich muß daher von neuem an den Reichstag mit der
Bitte um Gewährung eines neuen Schazanweisungskre—
dits in Höhe von 100 Millionen Mark herantreten. Was
wir nicht durch Schatzanweisunden bezahlen können, muß
durch Anleihen bezahlt werden. Die Fehlbeträge betrugen
n den Jahren 1906: 28 Millionen, 1907: 55 Millionen,
1908: 190 Millionen, und für 1909 haben wir einen un—
zedechkten Fehlbetrag von 207 Millionen. Hier ist Abhilfe
rölig. Unter den jetzigen Zuständen leidet unser Ansehen
im Auslande. Gegen jedes einzelne Steuerprodelt hat sich
in Sturm der Entrüstung erhoben. Es it nicht zu leug—
nen, daß die Steuern vorübergehend einen Eingriff in
zus wirtschaftliche Leben zur Folge haben, aber was wird
venn die Finanzreform nicht zustandelommie Das hei—
ige römische Reich ist daran zugrunde gegangen daß die
steichsstände nicht die Mittel gewährt hatten, um die
Interessen der Gesamtheit wahrnehmen zu können. Mö—
gen Ihre Beratungen dazu beitragen, daß unser Deut—
sches Reich zu neuen Erfolgen geführt werde.
Der Handelstag sprach sich gegen jedes Staas-Mo⸗—
nopol aus, und aus diesem Grunde sei das Gesetz über
den Zwischenhandel des Reiches mit Branntwein abzu—
lehnen. Der Handelstag unterstützte sämtliche Steuern,
die den Besitz belasten, während er die übrigen Steuern
Wiehnie.
Anläßlich der diesjährigen Vollversammlung des deus
Ben Handelstages fand in den Räumen des Zoologischen
Sartens ein Festmahl statt, das einen in jeder Beziehung
zarmonischen Verlauf nahm. Vom Fürsten Bülow ging
einn Telezramm ein, in dem er sein Bedauern ausdrückt,
2Bwiener der Einladung des Handelstages nicht folgen
Anne, und in welchem er dem Handelstage Grüße über—
nittelt, sowie die Hofsnung ausdrückt, daß die Verhanb—
ungen dazu beitragen möchten, die Finanzwirtschaft des
heiches auf eine gefestigte Grundlage zu stellen. In der
tachmillags-Sitzung wurden die Referate über die einzel—
en Steuer-Vorschläge der Regierung erstattet. In den
zebatten wurde von einigen Rednern versucht, die Ver—
ammlung einmal für das Spiritus-Monopol, das an—
ere Mal gegen die Mehrbelastung des Tabats einzuneh—
uen. Bei der Abstimmung wurde jedoch ein Antrag zu
jzunsten des Spiritus-Monopols mit allen gegen 5 Stim—
ten abgelehnt, und die Umgestaltung des Ausbaues der
esiehenden Tabaksteuer-Gesetzgebuna mit allen gegen 20
timmen angenommen.
—»AßRWZ3Z3ù,
Koloniales
An der Nordwestarenze von Kamerun hat auf eng—
ischem Gebiet ein Gefecht gegen eingeborene Neger statt⸗
jefunden, in dem deutsche und englische Truppen einer
Irenzerpedition Seite an Seite fochten. Im ganzen gab
8 fünf Tote und neunzehn Verwundete
Holsland.
*Die Erklärung des früheren venezolanischen Mini—
ters des Aeußern, Paul, der in Bordeaux einem Jour⸗
aalisten gegenüber angab, er erwarte in Paris einen
Agenten der niederländischen Regierung, gibt der zu—
faͤndigen Stelle des Haager auswärtigen Amtes Anlaß,
einem Vertreter des „Ntieuw Rotterdamschen Courant“ zu
erktären, der Journalist müsse Paul mißverstanden haben.
Bemigstens liege für letzteren kein Anlaß vor, zu glau⸗
ben, daß Holland einen Vertreter entsenden werde. Man
artet Herru Paul in einigen Tagen im Haag.
— EGSpansen.. —5
Die radikaͤlen Republikener erklärten in ihrer Ver⸗
ammlung, sich unter keinern Umständen an einem Block
ber Linken zu beteiligen. Zum Parteiführer wurde
deroux bestimmt.
J Türkei.
* Die Kammer hielt die erste Sitzung nach dem Beéi—⸗
pien ab. Auf der Tagesordnung stand die Inter⸗
dellation an den Großwesir über die innere und
ruswärtige Politik der Regierung. Der Präsident ließ
ein Schreiben verlesen, in welchem der Großwesir mil—
zeilte, er könne wegen wichtiger Verhandsungen mit den
Vertretern fremder Mächte die Interpellationen erst am
Mittwoch beantworien.
Amerika
* Tillmans Verteidigungsrede im Senat war vor—⸗
nehmlich eine Wortklauberei. Er mußte die Echtheit der
vem Präsidenten Roosevelt veröffentlichten Doku⸗
mente zugeben, bemühte sich jedoch, sie anders zu inter—
pretieren, als jeder nicht Voreingenommene sie auslegt.
Die Senatoren, sowie die Galerien, welche überfüllt wa— — —
rxen, blieben stumm und applauslos, als Tillman endete. —
Das Marinekomitee des Repräsentanten⸗- Preußischer Landtag
hauses empfiehlt den Bau von zwei Schlachtschiffen zu 12. Sißung.)
se 20000 Tons, fünf Torpedobooisiägern, vier Untersee— 3 li 2
hooten und vier anderen Fahrzeugen mit einem Gesamt⸗ J 436 erlin 12. Januar.
zuswand von 29 Nillionen Tollars, Heute 'ist der preußische Landtag wieder zusammenge—
Marokko. —5* 3 aanprnn ohn in der — Fird
* Faisu FJe ⸗ F »ci. — Die Sitzung wird mit einigen geschäftlichen Mit—
aus Duin eeepp —88 —883 —— tlungen vom Präsidenten eröffnet. Ein Antrag des
Idine ha bs, pißech aene et feine Es heigge boga deehnn die Senenmigung Zur Kinteinmg deg
er sei vergiftet worden. disziplinarverfahrens gegen ihn selbst zu geben, wird mit
hesew um ni den — K wegen
BZeleidigunzg zu verfolgen, der eschüsisordnungs ⸗Kom⸗
Hof und Gesellschaft nission überwiesen. — Das Wort zur
ses Die Herzogin-Mutter von Marlborough, Tochter des Eiubrinagung des Etats
dertent Wen Admirals Brice, ist in London geeerhöält dann
SIchicklsae des Cebens.
digt dafür, daß er ein Ohr der Kälte aussetzt, um zu hö⸗
reñ, was er nicht hören soll.
Im Neu-Baltimore⸗Hotel“ sollte großer Ball statt⸗
inden. Seit Wochen hatte sich diese Kunde durchs Land
erbreitet und alle jungen Leute auf zwanzig Meilen in
zer Runde elektrisiert. Das schöne Wetter und die präch—
ige Schlittenbahn mußten unfehlbar dazu beitragen, die
hesellschaft recht zahlreich zu machen, und als Harry Chap⸗
man's feurige Pferde, die den anderen Gespannen stets
„oraus waren, endlich dampfend vor der Türe des Hotels
hielten, wunderten sich die Insassen des Schlittens nicht,
u hören, daß das Haus bereits überfüllt sei.
„Das wird eine glänzende Hochzeitsfeier,“ flüsterte
darry seiner Gefährtin au; „wir hätten sie nicht besser
vünschen können.“
Sie waren in der Tat entschlossen, sich an diesem
Abend vor der ganzen Gesellschaft trauen zu lassen und
in Schlitten die Heimreise sofort anzutreten. Tante Pol⸗
ys Verletzungen in Folge des Tornado waren sehr ernst
ewesen und sie fühlte sich durch den jähen Tod ihres
tnäbleins so geistig gebrochen, daß ihr die Willenskraft
ehlte, Harrys Vorschlag zu bekämpfen. Und so hatte
zertha sich von der treuen mütterlichen Freundin verab—
chiedet und es war kein Wunder, wenn sie während der
angen Fahrt über die Prärie ingewöhnlich schweiafam
»Alieb.
„Wir haben ein Zimmer für Sie reserviert, Miß“,
prach der Wirt nach freundlichem Willkomm, „Sie brau—⸗
hen nicht sofort im Ballsaal zu erscheinen. Punkt zehn
ihr wird soupiert und ich denke, der richtige Moment
ür die Trauung wäre unmittelbar nach dem Mahle und
»evor der Tanr wieder hegainnt Sind Sie damit einver—
ν
Eine Erzählung aus der Prärie.
Mistreß Chapman war noch in der Küche beschäftigt
ewesen und verließ zuletzt das Haus; ihr kleines Söhn⸗
hen klammerte sich weinend an die erschrockene Mutter.
Is war ein verhängnisvoller Moment. Des Sturmes Ge—
dalt hob eben ein Dach von einem der Gebäulichteiten
nd schleuderte es gegen die Türe. aus der die Hausfrau
rat.
Entsetzliche Stille folgte. Die Wolke eilte vorwärts
ind des Orkans Wut hatte kaum füns Minuten gedauert.
Als die Gesellschaft sich wieder etwas von dem Schredcen
rholt hatte, verglich man die Quetschungen und Ver⸗
ehungen, die man erlitten, und entdedte nun erst, daß
ie Hausjrau fehlte. Ein Dutzend starke Männer hoben
das Dach weg und den entsetzten Blicken zeigte sich die
ewußtiose Mutter, die des Kindes verstümmelte Leiche
est umtlammerte. Da lag der arme kleine Rudolf im
kestlichen Gewande, geschmückt mit all seinen kindlichen
Schähen und mit — zerschmetterter Hirnschale. Bertha
zeugte sich über die entstellte Leiche und murmelte voll von
kEntsetzen: „Bin ich verflucht?“
„Es wird heuͤte keine Hochzeit stattfinden,“ lautete
ie allgemeine Reinung und die Göste, die einen Teil
hret Familien zu Hause gelassen, brachen hastig auf, zu
rfahren, wie es den Ihrigen ergangen.
Das Haus, das zu festlicher Freude gastlich seine Tü—
cen geöffnet hätte, war ein Haus der Srauer geworden
ind die Vermähluna unterbließ
— 9.
Es ist Sylvesterabend. Der Mond beleuchtet die weite
chneebededte Prärie, die Sterne funkeln gleich Diamanten
uid lustiges Schlittengeläut erschallt durch die stille kalte
Lyuft. Die jungen Leuüte der verschiedenen Riederlassungen
efinden sich alle aufs dem Wege nach Neu⸗VBaltimore. Hei—
eres Lachen, frohes Geplauder tönt durch das Schellenge—
zute: nur ün'ersten Schlitten fährt ein ernstes schweigsa—
nes Paar. Sie scheinen sich nur wenig zu sagen zu
i apar trrtirssor dor in ainortt di
„Ganz entschieden,“ entgegnete Harry und der Wirt
hahnte mlihsam den Weg zu dem reservierten Gemach.
Gegen zehn Uhr fuhr ein großer, bedeckter, mit vien
Pferden bespannter Schlitten am Hotel vor
„Jerusalem“, rief der pelzbekleidete Kutscher, „wie
errlich wir es getroffen haben! Die wußten wohl, daf
vir kamen und illuminierten uns zu Ehren. Hollah, Haus
eht riipre die Beine! Glaubte, meiner Treu, ich sa
Finanzminister Rheinbaben: Ich habe sei—
nerzeit den voraussichtlichen Fehlbetrag des Jahres 1907
auf 68 Millionen angegeben, aber hinzugefügt, daß in—
tolge des Zurückbleibens der Ueberweisungssteuern aus
dem Reiche eine Verschlechterung um 7 Millionen ein—
reien werde, sodaß sich der Gesamtfehlbetrag auf 75
Jeillionen belaufen werde. Diese Schätzung ist im we—
entlichen eingetroffen, das Ergebnis hat sich aber etwas
günstiger gestaltet, denn der Fehlbetrag beläuft sich auf
71,8 Millionen. Das ist in erster Linie die Folge da—
von, daß einem Minderüberschuß der Eisenbahn von 89
Millionen eine Mehrausgabe von über 100 Millionen tnu—
folge der Steigerung der Löhne und der Materialpreise
gegenübersteht. Die Bergverwaltung bringt eine Minder—
einnahme von 9 Millionen, die Forsten bringen mehr 11
Villionen, die direkten Steuern 18 Millionen Das Er—
gebnis des laufenden Jahres ist beeinflußt durch die Tat
sache, daß auf die alänzenden Zeiten des wirtschaftlichen
Aufschwungs plötzlich ein Rückgang von nicht geahnter
Stärke eingetreten ist. Eine Erscheinung, die sich nicht
auf Deutschland beschränkt
Nach der Rede des Miinisters setzte das Haus die
vor Weihnachten begonnenen Besprechungen der Inter—
pellationen und Anträgen wegen Linderung der
Arbeitstosfigkeit
kort. — Morgen wird dieser Gegenstand weiter beraten
Außerdem steht die Interpellatien Roeren (3.) betr
Schaustellung nackter Nerignen auf der Tagesordnung.
Deutscher Reichstag
Berlin, 12. Januar.
(182. Sitzung.) Nachmittag 2 Uhr.
Präsident Graf Stolberg verliest ein Glückwunsch—
telegramm, daß er namens des deutschen Reichstages zur
Eröffnung des türkischen Parlamentes an dieses gerichtet
habe, sowie die Antwort hierauf, Ferner einen Telegramm—
wechsel mit der italienischen Kammer anläßlich der Erd—
bebenkatastrophe.
Auf der Tagesordnung stehen
Petitionen.
dEine Reihe von Bitulschriften wird zunächst debatte—
los genehmigt.
Eine Petition des Verbandes der Bergarbeiter
Deutschlands bittet zunächst um Zulassung der Berufung
zegen die Urteile von Berg-Gewerbegerichten. Ferner um
die Besetzung des Berg-Gewerbegerichtes mit 5 Miitglie—
dern und endlich um die Zulassung von Arbeitersekretä—
ren und dergl. als Prozeßbevollmächtigte. Die Kommis-—
sion beantragt, die Petition hinsichtlich der Berufungs⸗
klage als Material zum übrigen zur Berücksichtiaung an
die Regierung zu überweisen.
Es folgte eine längere Debatte, nach welcher schließ—
lich ein Antrag Trimborn (3.) angenommen wird,
wonach der Wunsch auf Besetzung der Gerichte mit fünj
Mitgliedern zur Berücksichtigung, die anderen Punkte aber
als Material überwiesen werden soll.
Die Bauarbeiterschutzlommission München beantragt
unter Bezugnahme auf die bisherigen guten Erfahrungen
in Bayern die Anstellung von Frauenkontrolleuren aus
dem Arbeiterstand. Der Reichstag hat eine ähnliche Re—
olution schon im Dezember 19606 beschlossen, die aber
sordert, daß die Kontrolleure durch Arbeiter gewählt
werden. Vermutlich mit Rücksicht auf diese Forderung
hat der Bundesrat beschlossen, dieser Resolution eine Folge
nicht zu geben. Die Regierung von Preußen, Hessen und
Baden hättreu ihr widersprochen. Die Petitionskommis⸗
sion beantragt Verweisung der vorliegenden Bittlschrift
zur Berücksichtigung.
Sin Annnn boe rkonservativen fordert Uebergang zur
Tagesordnung.
Abg. Wiedeberg (Z.) tritt für Berücksichtigung
der Pelition ein.
Abg. Pauli (cons.) bittet um Ablehnung des Pe—
titionsantrages im Interesse der Handwerker und der
ganzen Industrie.
Dann wird die Beratung abgebrochen.
Morgen: Rechnungssachen, Wechselstempel-Gesetz und
Urbeitslosen-Unterstützung.
Zchluß 64Uhr.
ßRPRBtBRCEABeBAÖeEA
Erdbeben in Italien
Wie der „Messaggerox ersährt, sind die Befestigungs
verke im Kanal von Messina schwer beschädigt, einige fo—
Jar völlig zerstört. Nach 14tägigem Aufenthalt unter
)ru Trümmern wurde ein 40jähriger Fleischermeister le—
ꝛend hervorgezogen. Material zum Bau von Baracken is
n Reggio in großen Mengen eingetroffen. Trotzdem
Siurmwind herrscht und der Regen in Strömen nieder
zeht, wird die Errichtung von Schutzbauten sortgesebt
Die Gerostöße nehymnen an Zahl und Heitiakeit ab
—— — — —
einen wunderbar auf, und wenn ich etwas zusammenge—
butzt wäre, würde ich selbst noch ein Tänzchen wagen.“
„So putz' Dich zusammen, Paul,“ rief eine Stimme
aus dem Schlitten; „jo lange es Mädchen zum Tanzen und
Musik gibt, werden wir nicht zu Bette gehen?“
Aus dem großen bedeckten Schlitten tauchten drei junge
in ungeheure Büffefmäntel gehüllte Männer auf. Si
schritten ins Haus, machten sich ohne weiteres heimisch
wuͤschen sich Gesicht und Hände, ordneten die Haare, zupf
en die Halsbinden zurecht und erklärten sich ballfähig.
„Nun, meine Herren,“ rief der Wirt ins Zimmer, „das
Souper ist bereit, aber an der ersten Tafel findet wohl nur
die Hälfte der Gäste Platz. Die Herren, die Damen bei
iich haben, mögen mich gefälligst begleiten, die übrigen
müssen sich freundlich noch eine Weile gedulden; hinsicht⸗
lich des Mahles aber sollen sie dadurch nicht zu kurz kom
men. Wenn abgespeist ist, wird eine Trauung stattfinden
Ich werde Ihnen nicht verraten, wessen Hände und Ge
Hide noch heute vereint werden sollen, aber das Braut.
ar hat berfprochen, zu warten, bis alle gespeist haben.
Moͤglich, daß diese Ankündigung eine Kriegslist des
Wirtes war, um sich Vorräte zu retten; gewiß war jeden
salls, daß die Neugierde den Gästen den Appetit verdarb
daß in weniger als einer Stunde beide Partien abgespei
Jaslen und die ganze Gesellschaft sich erwartungsvoll 4
Zallsaale versammelte. Eine Türe am oberen Ende de—
Saales öffneie sich und der Geistliche trat ein. Sofor
hersuummte das Stimmengewirr und die Gesellschaft toist
iich, um den Brautzug durchzulassen.
Die Zeremonie begann. —
„Jerusalem, sie ist es!“ ertönte Arzrich eine Stimm
aus der Menge.
„Er ist es!“ schrie eine anvere Stimme und ein seh
hoher, bleicher, hagerer Mann bahnte sich den Weg dur—
das Gedränge und näherte sich dem Brautpaare.
Der Gestliche hiell inne; Bertha blickte auf, und *
mit dem inse: Ralft Allen!“ bewußtlos zu Boden.
Fortseßung solat