ange ohne Kompuitanonen vestehen wurde. Sollten alar—
mierende Nachrichten eintrefsen, so gedenktt Iswolsti seine
geplante Reise aufzuschieben.
Das Schicksal der Minister.
Konstantinopel, 14. April. Der Justizmini⸗
ster soil ermordet, der Marineminister ver wuns
det und der Kriegsminister gefangen genommen
sein. Die Zahl der Getöteten wird auf 17, die der Ver—
wundeten auf 30 angegeben. Die Aufständischen sperrten
die Straßen zum Parlamentsplatze ab, errichteten Barti
kaden und nrasen Vorbereitunzen, die Nacht dort zu ver
bringen
Demifssiondes Ministeriums
Wie das Reutersche Bureau aus Konstantinopel mel—
det, hat das Kabinett seine Entlassun'g gege⸗
ben, die von Sultan angenommen wurde. éEs
heißt, daß Kiamil Pascha mit der Bildung des
neuen Kabinetts beauftragt ist.
In Wien befürchtet man die Wiederauf
rollungder Balkanfrage.
Wien, 15. April. Die revolutionären Vorgänge
in der Türlei werden hier mit großer Besorgnis betrach—
tet, da man eine Wiederaufrollung der Balkanfrage be—
fücchtet. Der österreichisch-türkische Ausgleich scheint al—
ierdings gesichert zu sein, da die Gerüchte, der türkische
Senat habe Abänderungen darau vorgenommen, sich nicht
bestätigen und nur noch die Unterschrift des Sultans fehlt.
Es scheint jedoch in einem Teile der türkischen Armee
eine ernste Gärung zu herrschen, und man hält eine mi—
litärische Diltatur nicht für ausgeschlossen. Auch in Alba—
nien herrscht sehr große Erregung gegen das junatürki—
sche Komitee
Die Unruhen in Persien.
Rach brieflichen Meldungen aus Ur mia wurde der
dortige Gouverneur, der zugleich Hauptkommissar in Grenz
angelegenheiten war, von dem Führer der Revolutionär?e
Faramorz Khan verhaftet und nach Salmas verschickt. Die
übrigen Grenzkommifsare wurden gleichfalls verhaftet, doch
nach kurzer Zeit wieder freigelassen; einige von ihnen sind
von den revolutionären Behörden angestellt worden. Alle
autltchen Einrichtungen, das Zollamit ausgenommen, sind
in den Händen der Revolutionäre. In der Stadt herrscht
Ruhe. Aus Khoi und Salmas wird gemeldet: Die
Schutzwache des türkischen Konsulats in Khoi wurde auf
50 Soldaten verstärkt. Im Gebiete von Kizam befinden
sich 70 türkische Soldaten. Aus Van trafen in Salmas
50 armenische Haiducken und 60 Jungtürlen ein, die mil
Waffenvorräten ausrückten, um den Führer der Revolu—
sirnüre Pischnamaz zu unterstüßen, der zur Hilfe—
leistung nach Täbris zieht
Kautskty aus Prophet.
Schon vor mehreren Wochen sind in sozialdemokrari—
schen Blättern Auszüge aus einer Broschüre von Kan
Kautsky veröffentlicht worden. Jetzt ist die Broschüre un—
ter dem Titel „Der Weg zur Maccht“ erschienen. Im
Vorwort betont Kautsky, daß für seine Ausführungen nmicht
die Partei verantwortlich sei, sondern er allein. Wie das
H. Fr.Bl.“ schreibt, ist die neue Broschüre offenbar in
erster Linie dazu bestimmt, den Kampfesmut der Sozlal
demokratie von neuem anzufachen durch die Prophezeiung
eines baldigen Umschwunges. Mit ihren früheren Pro
phezeiungen haben die Bebel, Marx und Kautsky selbs
zwar fasi immer Schiffbruch gelitten. Bebel ist auf einem
sezialdemokratischen Parteitag von Auer wegen seiner wie
derholten Prophezeiungen eines baldigen „großen Kladde—
radatsch“‘“ verspottet worden. Diese bösen Erfahrungen
halten aber Kautsky nicht ab, von neuem als großer
Brophet sein Heil zu versuchen. Zunächst bemüht er sich,
den Eindruck zu erwecken, daß die früheren Prophezelungen
czialdemolratischer Führer gar nicht so schlecht waren,
venn sie auch zumeist nicht eingetroffen sind. Kautsty
jschließt denn auch gleich das erste Kapitel seiner neuen
Bruschuͤre mit der Prophezeiung, daß eine Revolution gar
nicht so fern sci. Er schreibt nämlich wörtlich: „Zweifler
in der Revolution (damit meint er offenbar in erfter Linie
die sozialdemokratischen Revisionisten) halten es für mög
lich, daß noch einmal eine Revolution) kommi, aber
wenn sie komme, so liege das in unabsehbarer Ferne. Fur
mindestens ein Menschenalter hinaus sei sie ganz unmög
lich Sie komme für unsere praktische Politik gar nich
in Betracht. In den nächsten Jahrzehnten mühlen wir
uns auf die Taktik des friedlichen Heineinwachsens und
der proletarisch-bürgerlichen Blockpolitik einrichten. Und
doch tauchen gerade jetzt Tatsachen auf, die uns mehr als
e veranlassen müssen, diese Auffassung für eine verfehlie
zu erklären.“ Zum Beweise für die Berechtigung dieser
Ankuündigung sucht Kautsky darzulegen, daß „die Theorie
des friedlichen „Hineinwachsens“ in den Sozialismus ein
groaßes Loch hat.“ Nach der Versicherung, daß die So—
ztaldemokraten „weder Männer der Gleiettü um jeden
Gabto ervleichte —
5. Der Himmel schütze sie“, rief er konlos. Pfeilschneu
glift das Boct über die wilobewegten Wellen. Plötzlich
faßte er krampfhaft seines Freundes Arm, seine Glleder
zitterten.
„Hast Du da den Schrtei geysrt, Leo? Es lautete wie
ein Angstschrei um Hilfel! Horchl!“
Beide horchten alemlos — wieder zitlerte der Angst⸗
schrei durch die Luft.
„Das ist Lonas Stimme, und der Ton kam aus der
Geisterhöhle, wenn sie dort ist, so ist sie verloren! es ist
unmöoglich!“
In wenigen Minuten waren sie am Ziele; sie riefen
so laut sie konnten — keine Antwort erfolgte.
„Achte auf das Boot, Leo,“ stieß Fabio hervor, „ich
will mich hinein wagen und sie retten, oder mit ihr sier⸗
ben. — Wer weiß, vielleicht ist sie nicht einmal dort durchsuche
Du die andern Felsen.“
Er sprang beherzt in die schäumenden Fluten und
bahnte sich mit Mühe den Weg zur schaurigen Höhle, Das
Wasser reichte ihm fast bis an den Arm — er achiete nicht
darauf, unverdrossen rief er seine Geliebte mit Namen —
er erhlelt leine Antwort, er tastete mit den Händen näher
und fühlte zu seinem Entsetzen ein durchnäßtes Kleid un—
ter dem Wasser. — Es war Jlona, er konnte nicht mehr
zweifeln; Behutsam versuchte er sie an sich zu ziehen.
„Gerechter Gott“, dieser Angstschrei entfuhr scinen
dippen! Sie war an der elsernen Kette fest angekettet.
Verzweiflung gab ihm Kraft, Liebe erfüllte ihn mit
neuem Mut, vorsichtig tastete er unter dem Wasser und
bald war es ihm gelungen, die Kette 2u lösen. die klat—
chend ins Wasser fiel.
„Lena, mein Liebling! wer hat das getan?“ flüsterte
er, als er sie auf seinen starken Arm nahm und die Leb⸗
lose aus der Höhle trug. Es war die höchste Zeit, denn
wvenige Augenblicke später erreichte die Flut ihren Höhe—
hunkt und die Unqglücklichs wöre unrötthar verlaren ge—
EXA
breis, noch auch Revolutionare um jeden Preis sind
chwingt sich Kautsty dann zu der Versicherung auf, daß
ille Ursache zu der Annahme vorliegt, wir seien in eine
Periode von Kämpfen eingetreten, die „höchstwahrscheinlich
creits in absehbarer Zeil erhebliche Machtverschiebungen
utrunsten des Proletarlats, wenn nicht schon seine Al
eiuherrschast in Westeuropa herbeiführen.“ Nach Ansich
Koutssys ist „die revolunonäte Klasse da und bildet seit
iniger Zeit die Mehrheit der Natibu“. Zweifel hater
aur darüber, ob „auch mit dem moralischen Zusammen
»ruch des herrschenden Regimes zu rechnen ist“. Er setz!
iber seine Hoffnung darauf, daß die Klassengegensätze sid
ucht mildern, sondern erheblich verschärfen, und daß „ge
ade die Polinnk des Imperialismus zum Ansatzpunkte“
vird, „von dem aus das herrschende System aus der
lugeln gehoben wird“.
Schon sieht Kautsky „ein neues Zeitalter der Reve
u sonen“ anbrechen. Er verkenn zwar nicht die Schwi
igleiten, heute als Prophet aufzutreten. Er propheze
ber: „Sicher ist nur die allgemeine Unsicherheit. Sicher
»aß wir in eine Periode allgemeiner Unruhe, steter Macht
erschiebungen eingetreten sind, die wie imaer ihre Fer
ien und ihre Dauer auch sein mögen, nicht eher mehr in
ment Zustande länger dauernder Ruhe enden kann, al
is das Proletariat die Krast erlangi hat, die Kapitalt
enklasse politisch und ökonomisch zu expropriieren und
»amit eine neue Aera der Weltgeschichte zu inaugurieren
Vann das eintreten wird? Kauisth ist nicht nur ein
roßer, sondern auch ein sehr vorfichnger Prophet. Er
chreibt deshalb: „Ob diese revolutionäre Periode ebenso
ange dauern wird, wie die Bourgeoisie, die 17899 be
zann und bis 1871 währte, ist natürlich unabsehbar“.
Hiernach scheint also das Ende des 20. Jahrhunderts et—
va als der Termin für das Inkrafttreten des Zukunfts⸗
tgates in Betracht zu kommen — wenn Kautsky nicht ein
benso falsicher Prophet wie Bebel isi.
— — e —
Telephon Wien-Rheinland.
Die neuesse Nummer der Mitteilungen des Wiener
Industrieilen⸗Klub enthält bedeutsame Ausführungen über
»as Bedürfnis eines unmittelbaren Fernsprechverkehres
wischen Wien und dem Rheinlande. Es wird zunächst
»grauf hingewiesen, daß die Fernsprechverbindung Wien—
mit dem in Indusirie uͤnd Handel hervorragenden Westen
zurzeit eine ungenügende sei. Mit Nürnberg und Fran—
urt a, M. könne verkehrt werden, dagegen müsse der wei
lere Anschluß nach den Hauptplätzen Wesideutschlands in
zeinuubender und kost'pieliger Weise miitelbar gesuch
werden, trotzdem der Umsang der Beziehungen zwischen
den beiden Handelsgebieten heute schon ein sehr großer
sei. Mehrere Firmen kommen schon heute fast täglich in
die Lage, sich auf Umwegen der im Westen längst beste
henden Sprachnetze zu bedienen. Es haudle sich also nar
um die Herstellung der Anschlußverbindungen zwischen be
reits lange bestehenden, aber nicht in unmittelbarem Kon
akte befindlichen Linien. Aus diesem Grunde sei die
derstellung der fraglichen Verbindung wärmstens zu be
ürworten, und es sei nicht daran zu zweifeln, daß si
sich in kurzer Zeit als gewinnbringend erweisen und die
srerreichischen Beziehungen zum deutschen Westen ganz
erheblich erweitern werde. Insbesondere haben die Firmen
der Eisenindustrie und des Bergbaus großes Interesse an
der Verbindung. Eine Wiener Möbelfabrik beispielsweise
hat in Köln eine Zweigniederlassung; dasselbe gilt von
einer chemischen Fabrik, die in Tüsseldorf ein Wert hat.
Beide Fabtiken würden künftig Gelegenheit haben, sich der
zerusprechverbindung zu bedienen. Ferner geht aus den
uschriften hervor, daß der Wunsch besteht, die rheinische
Linie möge nach Duisburg-Ruhrort bis in das Ruhrge⸗
biet, nach Essen und darüber hinaus nach Dorimund ge⸗
führt werden. Auch dafür würde sich häufige Verwend—
Anag ergeben.
Verkehrsnachrichten.
63:) Die Belastung der Rheinroute. In einer Ein—
Jjabe des Münchener Fremdenverlehrsvereins an das preu⸗
ßische Minisserium der össentlichen Arbeiten ist u. a. fol⸗
gendes ausgeführt: Den über Frankreich führenden Ver—
bindungen kommt ... der Vorteil des kürzeren Weges
zugute. Der Vorzuz liegt überdies noch und hauptsaͤchlich
in der rascheren Durchführung der Züge. Für die weni—
ger rasche Durchführung der Züge auf den belgisch⸗ und
niederländisch-deutschen Strecken dürfte eine der haupt⸗
Zchnellzücge Ostende-Köln, Hoek van Holland-Köln und
Blissingen-Oberhausen neben dem Verlehr mit Süddeutsch
land auch jenen mit Norddeutschland zu bedienen haben.
— Auf den beiden Rheinuferbahnen bereitet die dichte
Belegung dieser Linien mit Perfonen⸗ und Güterzügen der
raschen Durchführung der Schnellzüge besondere Schwie.
rigkeiten. Die Bahnhöfe in Köln, Wiesbaden und Frant—
furt koönnen den Verkehr nicht mehr bewältigen. Es ist zu
befürchten, daß der Verkehr auf den deutschen Linien noch
mehr zurückgeht, wenn nicht von seiten der deutschen Ei—
seubalmverwaltungen im Verein mit den bedrohten bel—
Iischen und niederländischen Verwaltungen ungesäuntt zur
Beseitigung der angeführten Mängel geschritten wird. Es
ericheint notwendig, den norddeugchen Verkehr vom
— Fabio erstarrte.
„Sie darf nicht sterben,“ stöhnte er, dann ergriff er
selbst die Ruder, ohne einen Blick von der leblosen Ge—
talt abzuwenden.
„Wir dürfen sie nicht in das Haus tragen, Fabio, der
Zchreck könnte Signora Lennox töten, aber wo soll sie hin?“
,Wir bringen sie zu uns; unsere Wirtin wird für sie
graen. wir haben NRimmer genug,“ schlug Fobio vor
5.
Auf der großen Freitreppe seines Hauses stand Mar—
zuis Castelli mit Lucilia und schaute verwundert auf
Fabio, der mit einer leblosen Gestalt auf den Armen, ge—
solgt von Leonardy, schnell das Haus betreten hatte.
„Was soll das bedeuten? Was ist geschehen?“ rief er
xschreckt.
„Es hat jemand versucht, meine Gelliebte zu töten;
her Arzt muß schnell kommen, ehe es zu spät ist,“ ver—
etzte Fabio.
Der Marquis zog so heftig die Schnelle, daß sie sich
non der Wand löste, und gleich darauf war die ganze
Dienerschaft versammelt.
Als der schnell herbeigeholte Arzt die Unglüdliche un—
ersuchte, lag sie noch da mit geschlossenen Augen, dann
vandte er sich an die Umstehenden.
„Sie ist nicht tot, aber ein jeder muß sich aus dem
Gemach enternen. Niemand kann hier helfen; nur die
Wirtin soll hier bleiben,“ entschied er.
Fabis wolite bleiben, dech der Arzt blieb unbeweglich,
er wußte, daß er im Krankenzimmer nichts nützen konnte.
„Gehen Si— lieber und wechseln Sie Ihre durchnäßte
leidung,“ mahnte er „onst werden wir Sie auch noch
zu pflegen haben,“ und Fabic gehorchte widerstrebend.
Marquis Castelli war der leßte, der das Krankenzim—
ner verließ. Er hatte noch lange sinnend am Lager ge—
tanden, und ein unverkennbares GErstaumen malte sich in
einen ügelt.
„Sonderbar — ich habe diese MNehnlichleit nie beme ?t“
wefterte er endlich und verließ das Gemach
Welche Nachricht sallh Signora Lennor brindenve
Xxutschen getrennt durchzufuyren und zur Sedtenung des
»nglisch- süddeutschen-schweizerischen Verkehrs besondere
züge zu schaffen, die mit größtmöglichster Geschwindigkeit
ahren. Dieser Eingabe haben sich angeschlossen: Der Rhei—
usche Verkehrsverein, der Badische Landesverband für
rremdenverkehr in Karlsruhe, der Verband hessischer Ver—
ehrsvereine, die Verlehrsvereine Mannheim und Mülhau—
sen i. E., der Fremdenverkehrsverein Stuttgart und der
norbbayerische Verlehrsverein Nürnbera.
Handel und Geweabe.
) Trucker und Verleger auf Ansichtspostkarten.
Iu der letzten Zeit hatten mehrfach Beschlagnahmen von
Anfichtspostkarten durch Polizeibehörden stattgefunden, de—
en Inhatt, was die Abbildungen wie den sonstigen Auf—
ruck betrifft, zu keinerlei Bedenlen Anlaß geben konnte.
der Grund dasür war lediglich der Umstand, daß auf
en Karten der Drucker und Verleger nicht angegeben wa—
ten. während die Behörden die Vorschriften des Preß—
zesetzes vom 7. Mai 1874 Paragraphen 2 und 6 auch
nuf Ansichtspostkarten, die sie sür Druchkschristen im Sinne
zer bezeichneten Vorschriften erklärten, für anwendbar er—
ichteten. Die maßgebendslen Handelskresse nahmen Gele—
jenheit, mit Rücksicht auf die hierdurch in den beteiligten
ʒeschäfrslreisen, namentlich auch wegen der Schädigung
zes Exports, hervorgerusene Beunruhigung beim Mini—
ter von Moltke vorstellig zu werden. Dieser hat sosort
die ihm unterstellten Behörden darauf aufmerksam ge—
nacht, daß Ansichtspostkarten, wesche lediglich Zwecken des
berlehrs, des geselligen und häuslichen Lebens dienen,
hne daß der Darstellung ein politischer, religiöser, jozin—
er oder unsittlicher Gedanke zu Grunde liegt, von der
Angabe des Druckers, Verlegers, Verfassers oder Herans
rwehers befreit sind
Vermischtes.
Ein Pariser Aprilscherz. Am 1. April in aller
Norgenfrühe hielten drei kräftige Träger mit einem sehr
chwer beladenen KRohlenwagen vor der Nummer 47 der
lvenne Henri Martin in Paris. Der Kutscher ging in
sie Loge des Türschließers und frug, einen Zettel in der
dand: „Hier wohnt doch Herr Hamelin?“ Kaum hatte
rudies gefragt, erschien mit derselben Frage und einem
eichen Zettel ein anderer Kohlenwagen-Lenker, dessen
hwer mit Kohlen geladenes Fahrzeug dem erst ange—
oummenen sich zugesellt hatte. Die Frau des Türschlee
irs ging nach oben, den Herrn Hamelin zu benachrichti—
en. Als sie wieder zurückgelehrt war, standen schon zehn
ohlenwagen vor dem Hause. „Was soll das heißen?“
hrie sie zornerfüllt, „Herr Hamelin hat überhaupt keine
eohlen bestellt, läßt er sagen, und man solle ihn in
Ruhe lassen.“ „Da muß ich wohl meine zweitausend Kilo
Anthrazit wieder heimsahren!“ rief geärgert einer der
dohlenmänner. „Und ich meine 1500 Kilo Briketts!“ ein
anderer. Und alle wie aus einem Munde: „Unerhoört, daß
man so zum Narren gehalten wird!“ Damit machten sie
dehrt, alle zehn Wagen. Um zehn Uhr läutete ein tadel—
os gekleideter Herr an der Tür des unglücklichen Herrn
damclin, und dem Mädchen, das ihm öffnete, sagte er
Melden Sie den Leichen-Einbalsamierer an!“ Mit den
Worten: „Hier ist niemand einzubalsamieren“, wurde der
derr vor die Türe gesetzt, während Herr Hamelin ihm
tachrief: „Lassen Sie sich selbsi einbalsamieren, mein lie—
»er Herr!“ Er hatte kaum die Treppe erreicht, als ein
Leichenbesiattungsunternehmer erschien, feine Dienste an—
ubieten und nach diesem ein Kausmann mit Konserven,
ine Masseuse, zwei Hand- und ein halbes Dutzend Fuß—
sleger um ihre Karten abzugeben. Als es Mittag schlug,
erließ Herr Hamelin den Schauplatz, um sich in das Ju⸗
ügzpalais zu begeben, wo er das Amt eines einfachen
Pelizeirichters beklleidet. Er hatte seinen Leuten die Wei—
ung hinterlassen, niemanden und nichts anzunehmen. In—
‚wischen lenkten von allen vier Himmelsgegenden Wagen
ruuf Wagen zur Nummer 47 der Avbennue“ Martin und ver
perrten die ganze Straße: Fünf Klaviere, einige Hun⸗
dert Sardinenbüchsen, eine ganze Flut von Mineralwãs⸗
sern, ganze Säulenreihen von Schinlen, Berge von Ge—
müse kamen an und mußten wieder zurückgefahren wer—
Jen. Alles in allem waren 322 Fuhrwerke, große und
leine, erschienen. Die Fuhrwerker, die Kutscher, die Lie—
eranten, die Lohndiener usw. waren erst sprachlos vor
Wut, dann aber mußten sie selbst hell auflachen über den
seltsamen Aprilscherz. Schließlich lachte auch Herr Hame—
in, als er infolge des Wagengedränges kaum an sein
haus gelangen konnte. Wer ihm aber diesen Streich ge—
vielt bat, weiß er noch heute nicht
„Sie wird leben; — sie braucht sich mcht zu angsn—
gjen,“ versetzte der Arzt kurz.
Der Marquis ging sogleich zu Fabio, der erktegt in
seinem Zimmer auf und ab ging.
„Wie steht's um Ilona?“ rief er dem Eintretendan
entgegen. —E —— *i
Der Marquis taumelte zurück. Re7
„Ilona heißt sie, sagst Du, Ilona? Bist Du ganz
icher?“
„Jal! Ilona Lennorx.“
Der Maqquis lächelte.
„Ich muß mich doch wohl geirrt haben,“ fuhr er
ruhiger fort, „aber die Aehnlichkeit hat inich erregt. Und
»ennoch sieht sie Janz aus, wie ihr Bild, welches ich noch
iber meinem Arbeitstisch hängen habe. — Aber der No—
me „Lennor“ ist mir fremd: er hat nie zu unserer Fami⸗
ie gehört.“
„Es ist auch nicht ihr richtiger Name; sid hat ihn nur
angenommen,“ berichtete Fabio. „Sie heißt „Rinaldi“, we—
nigstens trug ihre Mutter diesen Namen.“
Rinaldi saaft Du?“ rief der Marcçuis und wurde to—
tenbleich, „also habe ich mich doch nicht geirrtte..4
Ploͤtzlich blieb er vor Fabio siehen: 4
„Erzähle mir alles, was Du von ihr weißt, von ihrer
Vergangenheit, meine ich, vielleicht wird mir jetzt ein dunk—
es Geheimnis enthüllt.“
Fabio gehorchte. In klaren, kurzen Worten schilderte
er die Vergangenheit des Kindes, das traurige Ende der
Mutter und die liebevolle Aufnahme, die die verlafsene
Waise bei Signora Lennor gefunden hatte. Als er ge—
indet, entrang sich ein schwerer Seufzer dem Herzen des
Marquis, er hielt beide Hände vor soin blehches Gesicht
ind stöhnte:
„Sc wahr Gott lebt, JIlona ist mein eigenes Kind!“
Einen Augenblick herrschte tieses Schweigen, dann
ang Fabio von seinem Sitze.
Ahr Kinde“ rief er ungaläubig. Ihr elgenes Gind?«
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