Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Cokales und Bermißchtes
Dudweiler, den 14. April 1908.
8 Der auf Station Sulzbach am zweiten Ofstertage auf
)er Eisenbahn tötlich verunglückte Bergwerksdirektions-Sekre—
aBaith (nicht Farb, wie wir in gestriger Rummer durch ein
el phonisches Mißberständnis brachten) stamm: aus Sötern
n Birkenfeld'schen. Er war lange Jahre Jaspeklions⸗ Se⸗
relär in Sulzbach. Barth ist unverheiratet
FIn der gestrigen Schöffengerichtesizunz zu Saarbrücken
wurde der Bergmann Pauly aus Dudweiler wegen Beleidi⸗
gung dis Königlichen Obersteigers Schmidt auf Grube Dud⸗
weiler (jetzt im Ruheftand) zu 8 Tagen Gefängnis und
sämiltden Kosten verurteilt. Der Strafantrag war von der
Königl. Bergwrrksdirekti on gestillt wotrden. Pauly hatte in
offentlichet Wirischaft Sehauptungen aufgestellt, die mit
Durchstechereien auf Grube Dudweiler unter Herin Ober⸗
zeiger Schmidt in Beziehung zu bringen geeignet waren.
F In der Saarbtücken Volkszeitung steht die Nachricht,
der flüchtige Klein von Grube Dut weiler sei in Diedenhofen
zerhaftet worden. An maßgebender Stelle ist hiervon nichts
dekannt. Nach Nachrichten, die aus Munchen hierher gelangt
sind, soll Klein am Charsamstag mittags um 1 Uhr in Mun—
hen gesehen worden sein.
Z Zum Schutze unserer Wälder hat der Regierungsprä—
ident zu Trier solgende Bekanntwachung erlassen: Auch im
hiesigen Regierungebezirk, besonders in der Nähe größerer
Ate, sind die Wälder vielfach Zerstötungen ausgesetzt, die
hauptsächlich darin bestehen, daß die Triebe in den Schonun⸗
gen abgebrochen, Bäume an den Wegrändern eingeknickt
Zulturen beireten und darin Pflanzen ausgerissen, daß Ruhe—
hänke und Schutzhütten in roher Weise beschädigt werder.
Hierdurch rird der Forstverwaltung unecmeßlicher und off
nicht wieder gut zu machender Schaden zugesügt. Der Wald
dies köstliche Kleinod, oll eine wahre Etholungsstätte unseres
Volkes sein und alle, die in Kempf des Lebens hart zu
rirgen haben, sollen in der reinen Lust unserer laub bekraͤnz—
ten Berge Erfrischung, Krast und neuen Mut fürt thre Aebeit
finden. Ich richte an alle Freunde der Natur, besonders
aber an die Vorstände der Vereine jeglicher Art, ferner an
die Eizieher urserer Jugend die brungende und herzliche Bitte
durch belehrende Einwirkung ihren Emfluß zum Schutz unserer
Walder geltend zu machen, damit in dem gemeinsamen Be—
shmeben zu ihrer Echaltung der Forstverwartungen eine frei
willige Hilfe finden und ihnen ihr bisher der Bevölkerung
hewiesenes Entgegenkommen auch fernerhin erleiütert wird.
8 In Karlingen sind, mie die „Lothringer Zetung“
meldet, die Schulen bis auf weiteres geichlossen worden, da
sast alle Schulkinder und sämtliche Lehrpersonen von einer
ansteckenden Augerkrankheit (ä,yptische Körnerkrankhei) be—
fallen sind. Die ianeren Augenider der Erikrankten sind
vlauschwarz gefärbt und zeigen deutlihe Ehöhungen. Man
nimmt ar daß die Krankheit von Bergarbeitern aus Schlesien
eingeschleppt worden ist. Auch in dem benachbarten Sp'ttel
selen sehr viele Kinder und auch Ecwachsene eirkranlt.
8 „Mit der Ihnen geziehmenden Hechachtung“ — eine
Beleidigung. Viele Kaprfleute fühlen sich schon verletzt,
wenn sie Briefe irhalter, die anstelle des „Hochachtungsvoll“
oder „Achtungé vell“ mit „Hochachtend“ oder ähnlichen Ab—
ürzungen urterschrieben siad, da sie hierin eine geting—
chatzende Aeußerung wiltern. Aehnlich lag ein Fall, mit
dem sich die 145. Abteiluug des Berliner Schöffengerichts
zu defsassen hatte. Der Redaklteur der hirsigen Bühnenge—
nosf nichaftszeitung Kruse hatte von einem inzwilschen nach
dannrover verzogenen Edmenreich einen erregten Brief erhal—
sen, wetl er oder stin Vertreter sich weigerte, auf Kosten des
Briefschreibers einen Nachruf ia die Bühnengerossenschats—
einnng aufzunehmen. Der Brief war „nit der Ihnen ge—
ziebmenden Hochachtung“ unterschrieben. Es kann wohl
sei em Zweifel unte liegen, daß hier der Briefichreiber dem
Redaklrur gerade seire Geringschätzung ausdrücken wollt⸗.
Das Schöffengericht kan auch zu e'ner Verurteilung. Es
zckannte anf 10 Mark Geldstrafe evil. 2 Tage Geiaͤngnis.
als strafmildern wurde die Erregung, in der sich der Brief—
chreiber befand, in Betrecht gezogen.
8 Briesmarkenheftchen will, wie schon der Staatssekretär
Kraetke in Aussicht stellte, die Reichspost auszeben. Es ist
beabsichtigt, zwei Acten von Heftchen m'it je 20 Briefmarken
zu je 5 Pig. und dann ein solches mit je 10 Marken zu
20 Pig. Sie sollen zum Nominalbetrag von 1 Matk ver⸗
lauft werden, um die Kosten der Herstelung der Hestchen zu
e ist beabsidtia', diese mt Geschäitsanzeigen zu ver⸗
ihen.
8 Jägersfreude, tO. April. Der Ganwirt Fr.
E. aus der Türkenstraße in Saarbrücken befand sich gestern
zum Besuche seiner eikranlten Mutter hierselbst. Eegen 2
Uhr traf ihn im elternlichen Hause ein Hetzschlag. Der hinzu
gerufene Arzt konnte leider nur mehr den Tsd des in den
besten Jahren stehenden Mannes konat eren. Sbe. Viksz
8 Puttlingen, 10. April. Gestetn morgen gegen
s Uhr stürzte der 26jährige Grubenschmies August Kellel
während der Aussahrt vom Fördergerippe in den 400 Meter
lsiesen Viktoriaschacht 3. Der Leichnam wurde zerschmettert
im Schachtgrunde gefunden; er konnte nur mit vieler Mühe
geborgen werden Sbr. Volkeztg.
8 Metz, 12. Apilil. En aus dem Kranker haus intlassenes
Maͤdchen geriet mit ihrem Zuhäliet aus Eisersucht in Streit uad
warf mit der beunender Petroleumlawpe rach dem bereills im
Bett Liegender. Die Lampe explodierie und setz'e das Geit
in Btand. Der Zuhalier erlun so ichvere Brondwunden,
daß er bald darauf verstarb. Beim Versuche, das Feuec
zĩden. verbrannte sib auch das Mäychen irh⸗bli
Kdiln, 13. April. Auf ttragische Weinenm
— — eene
Dartle eine Cicitifte nedertee aen sig gui pem
ene eeretn erließ, ging letztere in Trümmer,
5 Frau sich schwere Verletzungen zuzog. Man
* e zum Bürgerhospital. wo sie alsbasd inron Ver—
— erlag.
Bonu, 13. April. (Jur Hilfebleistung ver—
n 8 eZꝛ. betge * andgericht —„XR die
e Mien wa Broich in Wesseling, die sich ge⸗
erwiesene Kranke (auf Grund des Pa—
e 7 des Nrankenversicherungsgesetzes) zu behan⸗
—
) Krefeld, en — * om Zuge getstet.)
I8 upwannvese wurde der Posibeamte —*
8 m Zuae eriagñt, furchtbar verftummelt und sofort
vamborn, 13. Apra. (Cine ai
d agender Vet ri) z daet
igie in der Gewertschaft Deutfchet Kasfer“ eine Eio
n agender Weiter, wobei unf Bergleute getbhen
eegen t sonnte wieder einsahren.

ie Füße zu wormen: e mnnzIeroer dem Feuer zu nahe
ekommen sein, denn ihre Kleider gerieten plötzlich in
ßrand und die Frau erlitt so schwere Brandwunden, daß
ie in hoffnungslosem Zustande zum Krankenhause ge—
»racht werden mußte, wo sie gestorben ist. —
() Cleve, 13. April. Ddas alte Lied.) Zwei Kin
der einer Arbeitersamilie wollten in Abwesenheit ihrer
xXAItern einem kranken in dem elben Hause wohnenden Rent—
ner Kaffec zubereiten. Als sie Petroleum in den
»rennenden Ofen gossen, exphodierte die Petro—
eum'anne, und die Kinder standen alsbald in hellen
Flammen. Sie verbrannten, ohne daß der Kranke
hneu Hiise bringen konnte. Herbeieilende Nachbarn lösch—
ten den Stubenbrand und verhüteten, daß auch der Kranke
etn Opfer der Urworsichtigkeit der Kinder wurde.
() Camp, 13. April. (Mord?) Am Ostersonntag
wvurde hier eine weibliche Leiche gelandet, deren Ober—
örper unbelleidet war. Die Leiche zeigte eine Stich—
wunde an der cinen Schläfenseite, auch hatte sie eine
Schnittivunde am Kinn. Tie Frauensperson dürfte im
Alter von etwa 20 Jahren sein. Sie trug einen Trau
ring und audere Ringe, hatte auch Ohrringe an. Es
wird vermutet, daß Mord vorliegt.
4) Wiesbaden, 13. April. (Eine Hundertjäh
rige.) Am dritten Osterfeiertag seierte die seit 30 Jah
ren hier anfässige Gräfin Berta von Kayserlingk ihren 100
Beburtstag. Sie ist eine Tochter des Grafen August von
aeseler, etne Tante des Generalseldmarschalls Grafen
daescler und eine Großtaute des Generalintendanten Gra—
fen von Hülsen-Häseler. Die Hundertjährige, die nod
iehr rüstig ist, lebt hier in stiller Zurückgezogendeit.
(6) Frankfurt (Main), 13. Aprii. (Bon den
TDriebwagen.) Wie sehr die elektrischen Triebwagen
ur Verdichtung des Verlehres auf Neben- und Anschluß—
zahnen einem dringenden Bedüfnisse eutsprachen und im
Getriebe auch wirtschaftlich befriedigten, beweist der Um
tand, daß deren Anzahl in nächster Zeit schon wieder
erntehrt werden soll. Zu den von der Staatsbahn-Ver—
valiung in Auftrag gegebenen und teilweise bereits im
Lerlehre besindlichen 32 Triebwagen werden von den Fel
en und Guilleaume-Lahmeyer-Werken weitere zehn Stück
geliefert werden, die in der Hauptsache auf Strecken der
kirekfionsbezirse Frankfurt (Main) und Mainz verkehren
ellen.
(3 Biebrich, 13. April. EEr hat gemogelt.) E—
ier umfangreichen Akzisemogelei ist man hier auf die
zpur gekommen. Ein Wiesbadener Bierlieferant lieferir
inenm: hiesigen Händler nach und nach 18000 Liter Bier
ersteuerte jedoch nur 4000 davon. Es ist jetzt Anzeige
vegen Steuerhinterziehung erstattet.
(5) Mainz, 13. April. Aufgehobene Vergün—
tiung) Nach einer Bekanntmachung der hiesiger
*isenbahndirektion berechtigen ab 4. Mai Monatskarien
—DDD
inr noch mit Eil- und Personenzügen. Bei Benutzung
der in den Fahrplünen mit D bezeichneien Züge — aum
venn sie Abteilungen führen — und der Luruszüge if
sets der tarifmäßige Schneilzuschlag zu entrichten. In
en Luxuszügen wird außerdem die fur diese Züge
onders festgesetzte Gebühr erhoben. Hiernach hoören mi—
dent 30. April die seitherigen Vergünstigungen, wonad
venigstens streclenweise, z. B. Frankfurt Worms und um
zelehrt die D-Züge von, Monatskarteninhabern o hin
Zzuschlag benuttt werden konnten, auf.
(5) Kassel, 13. April. (Gebt acht beim Rau—
ch enn!) Auf einem Spaziergang, den ein Bürger mit sei—
nem Töchterchen machte, fingen plötzlich die Kleider des
Mädchens infolge eines von der Zigaärre des Vaters
herabgefallenen Funkens Feuer. Tas Mädchen erlitt se
erhebliche Brandwunden, daß es trotz der ärztlichen Hilse
narb. Der Vater wurde lebensgefährlich verleßt.
() Friedrichshafen, 13. April. (FeppelinsBen
inboeotausgebrann't) Sier brannte das dem
vrafen Zeppelin gehörige Benzin-Motorboot „Württeni—
herg“ vollständig aus. Das Schiff befaud sich schon eine
Ziunde in seinem vor dem „Teutschen Hause“ befin dNlichen
dafen, plötzlich brannte es hell auf. Weiteres Unglick
unnte rechtzeisig verbütet werden
77entiche Spione? Weitere dcutsche Vallons finr
ieser Tage in Frankreich gelandet, unter anderem en
oelcher in Seauteny. An Bord besanden sich drei Deut
che, weiche cinem genauen Verhör unterzogen wurden
Gendarmen beschlagnahmten einen polotographischen Ap
parat, sowie Karten und verschiedene Schriftstücke, wesch.
verdächt g erschicnen. Auf Anfrage beim Kriegsministe
rinni ersolgte der Befehl, die Lustschisser nicht abfahrer
zu lassen, sowie den Ballon und alle an Bord befndli
hyen Gegenstände und Instrumente zu beschlagnahmen. Er
ner der Luftschisser erklärte, ein Professor der Physik und
Them e, der zweite ein Ingenieur und der dritte e
Renuer zu sein. Die photographischen Platten des Inge
ucurs sollen Pariser Battern zufolge nach Entwickelung
zenauer Abbildungen das Vager von Chalons und d
uimliegenden Festungswerle darstellen. Auf anderen hal
man die Umgebung von Reims entdecht. Der Professor
vurde im Besitz eines Notizbuches gesunden, worin sie
ahlreiche Aufzeichnungen besinden. Die drei Deuschen
ind vorläusfig in Haft genommen worden.
rFrecher Einbruch. In das Offiziers-Kasino des
2. Garde⸗Feldartillerie-Neg inents in Berlin wurde ein
gebrochen. Den Dieben fiel u. a. eine Feldkassette mit
etwa 2600 Mark Inhalt in die Hände.
*Vergiftet. Von einem erschuͤternden Unglück wurd«
u Besancon eine verwitwete Crau Tournier be roffen
Die Frau hatte für die Ostern den Besuch ihrer dre
Zöhne aus Paris erhalten. Als sie während der Feier
Jage in das gemeinsame Schlafizimmer ihrer Söhne —
fand sie alle drei in ihren Belten als Leichen vor. Di
sungen Leute waren durch ausströmendes Kobhlengds ver
giftet worden.
* Riesenbrand. In Szarazpatok (Ungarn) wütete ein
Brand, der in kurzer Zeit 42 Wohnhaͤuser mit zahlreichcen
Wirtschaftsgebäuden einäscherte. Ein Bauer und zwe
Frauen, welche ihre Habe retten wollten, sanden de
Tod in den Flammen.
*Wright in Rom. Ter Auviatiker Wilbur —X
wird wahrscheinlich diese Woche mit seinen Fluaversude
beginnen. Der Apparat wurde vbereits ausgestellt und
zon den Attachecs der verschiedenen Mächte besichtigt. Der
önig, begieitet voim Marimemin sier, wird den Versuchen
ꝛbenfalls beiwohnen. Diese werden ösfentlich sein.
* Poftdiebstoöhle. In den letzten Monaten sind ver—
chiedentlich die Postsäcke von London nach Gibraltar und
umgekehrt aufgeschni ien, etwaiger Wertbriefe beraubt und
dann wieder zugenäht worden sein. Die englische Posi
Alaubt sicher zu sein, daß diese Diebflähle nicht auf der
uglischen Strecke verübt werden. Das gleiche versichert
Zpunten von seiner Post. Man nimmt an, daß die gro
zen Tiebstähle wahrscheinlich auf dem Wege durch Frank—
reich erfsolgen. hat aber varläufig teine Bemeise iür dies⸗
Anuahme.
* Unruhen in Frankreich. Aus Meru wird berich—
tet, daß sich der Präfekt genötigt gesehen hat, infolge der
indauernden Ruhestörungen den kleinen Belagerungs-Zu—
tand über die ganze Gegend zu verhängen. Bisher wur—
din 22 Erzedenten verhaftet.
* Massenmörder. In Baku wurde ein langgesuchter
uus Sibirien entflohener Sträf ing festgenommen. Er hat
nach seinem eigencn Geständnis 40 Morde und zahlreiche
indere Verbrechen begangen. Seine Methode hestand
2— 585 — 2 4.7.44 —

die Fußwaschung der Münchener Apostel. 75
Alljährlich um das Osterfeft beherbergt die Isar⸗Resi⸗
zenz 12 seltsame Männer, die der Vollsmund Apostel
iennt und die allgemeine Verehrung genießen. Es sind
2 ehrwürdige Greise, aus ganz Baͤhern ausgesucht, an
enen der Prinz-Regent die uralte Zeremonie der Fuß—
vaschung vornimmt. Die inimerhin noch recht kernigen
aAsten Bauerngestalten erregten, wo sie sich mit ihren
Begleitern zeigten, allgemeines Interesse. Der älteste
von ihnen war diesmal der 95jährige Michael von Niler
aus der Pfalz, der bercits im Jahre 1906 als Apostel
zedient hatte. Weiter befanden fich unter den 12 meh⸗
ere, die auch schon das 93. Lebensjahr überschritten hat—
en. Die Aufnahme der 12 Gäste und die Zeremonie hat
ich in den genau feststehenden Formen abgespielt. Nach—
ꝛem die Greise und mit ihnen die sogenannten Sklaven—
nädchen gebeichtet und kommuniziert hatten, wurde ihnen
n einem Cafee ein Frühstück geboten. Am Tage der
Fußmaschung erhielten sie die kraditionelle violette Apo⸗
neltracht, das sie in der Koniglichen Residenz im Golde—
nen Saale anlegten. Hier wurde ihnen eine Weinsuppe
und Bier vorgesetzt. Gegen 12 Uhr begaben sie sich in
feierlichem Zuze in den Herkulessaal, wo der Prinz⸗Re⸗
gent und verschiedene Prinzen und Prinzessinnen ihrer
arrten. Die eigentliche Zercmonie ist natürlich nur ein
Markieren der Fußwaschung und ninimt immer nur we⸗
nige Minuten in Anspruch. Nachdem der feierliche Akt
beendet war, wurden den Aposieln auf Befehl des Prinz⸗
segenten noch Pakete mit Tabat überreicht. Ihrem Be—
rufe nach waren sie in der Mehrzadl Landwirte oder doch
in der Landwirischaft tätig. Mit Glücksgütern sind sie
alle nicht gesegnet, sodaß die herkömmlichen Ehrengaben
wohl dankbare Empfänger gesunden haben werden. J
Uenelte Nachrrezten und Telegramme.
Hepeschen Bureau Herold.
* Wien, 11. April. Hier hat die Nachricht, daß tür⸗
ische Treuppen in Konstantinopel sich zu Meutereien gegen
Handel treibende Europäer hinrtißen ließer, das größte Aaf⸗
ehen gemacht. Dieie neuen Umuhen, unter denen in erster
Linie Oefserre cher zu leiden haben, werden hier offen auf
inzlischen Enflaß zurückgeführt. Tie Lage in der Tünkei
vird jetzt als sehr ernst betrachtet, da det Haß gegen die
kFuropäer sich sehr leicht auch in den anderen Städten durch
Meszeleien Luft schaffen kann. Dazu kommt, daß in Maze⸗
donien seit einigen Tagen eine Agrarbewegung zum Aus—
ruch gikommen ist, bei der sich die arme Landbevölkerung
zegen den Großgrundbesitz dicktt. Weiter verschlimmert fich
zie Situation durch die drohende Haltung der maze donischen
Bulgaren, die ihre Einreihung in des Heer fordern, die
nman ihten als Ch isten bieher verweigertt da das Gesetz
aut Moslems zulasse.
* Stockholm, 12. April. Aus Goeteborg wird gemeldet,
daß die große über die TrollhättaFälle sührende Brücke ein⸗
zeftrüczt ist 5 Ziege karren und 10 Arbeiter die sich auf
der Brücke befander, stürzten in die Tiefe. Zwci der Ber—
umglücksen waren sofort tot, während die übrigen lebensge—
ähtliche Verl tzungen erlilten. Usber die Ursachen des Ein⸗
turzes ist nichts bekannt.
* Ronstantinopil, 14. April. Die Meuter ien, welche
inige Truppen'ele, durch theoleg'sche Siudenten aufgewiegelt
zegen Fremde beginzen, haben eine Panik unter den hier
vo)hnenden Europäern herdvorigerufen, Eisenbahnzüge sind voll
dod europäischen Familien, die aus Konstantinopel flüchteten.
Niemand kann sager, was die nächste Sturde bewegt, und
bees der Regierung gelingt, schnell durch tatkräftiges Ein⸗
chreiten die Ordnung wleder herzusteller. Man befürchtet
veitere Kouflkte.
* stonstaninopel, 13. April. Stambul scheint heute
aacht der Schauplotz ernster Vorgänge gewesen zu sein, ohne
daß es b'sher möalich gewesen mäte, authentische Nachrichten
u crhalten. Truppen marichieren nach Stambul. Meuternde
Soldaten, deren Zahl riele Hunderte beträgt, unstellen die
Bßrorte und fordern, daß der Glaube Mohammeds zur ge—
zötigen Geltung komme, indem sie eklären, wer gegen den
zslam sei, solle sie angreifen. In Stambul herrscht große
lufregurg; Kavalleriepatrouillen durctzzehen die Straßtzen.
dae Gerlicht, daß ins Kriegsministerium gefangene Offiziere
zebracht worden seien und daß dasselbe von miuternden Sol⸗
yaten besetzt und der Krieasminister entflohen sel, blieb dis—
RXr unheftütin

— BGu—
Aönigin Wilhelmine von Hollaud.
In fieberhafer Aufregung erwartet ganz Holland
ie nahe bevorstehende Entbindung semer Königin, in der
esten Hoffnung, daß diesmal der Storch ein Einsehen
jaben und dem Lande den seit acht Jahren ersehnten
Prinzen beschereu werde. Aus allen Stadten und von
nirlen Privafpersonen ins hboreita unendlich viese 2um

54—
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kdeil sehr kosibare Geschenle im Haag eingetrofsen: Spiel⸗
achen und Gebrauchsgegenstände sür den Thron'olger.
Vir bringen unseren Lesern heute das Bild von „ons
Vilhe mintje“ der jungen, erst im 29. Lebensjahr stehen⸗
den, sehr sympathischen Herrscherin die von ihrem Voltülhereus
 verehrt mr

Haag, 13. April. Von einer Persönlichkeit aus
der Umgebung der Königin erfährt der Korrespon⸗
dennt des „B. T.“, daß die Königin nicht im mindesten
ede. Sie geht noch taglich im Schloßgarten spazieren.
—D Schloß den 15.
tpril angenommen. Gesiern hieß es aber, daß das Er—
arnis jeden Augenblick zu erwarien sei
            
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