Cokales und Verm ischtes
Dudweiler, den 13. April 1909.
Ein gräßlicher Unglücksfall ereignete sich gestern abend
uuf der Eisenbahn. Auf der Station Sulzbach wollte der
Bergwerlsdireltions-Sektetär Farb im letzten Moment auf den
jahredanmäßigen Zug 11 Unr 42 Minuten. Im gleichen
Augenblick kam in der Gegenrichtung ein Zag und erfaßte Farb.
Dieser geriet unter dea Zug und blieb sofort tot.
F und Roß und Reiter sah man nierrals wieder!“
Bis jetzt hat es mit dem Civilanwärter Klein und dem von
ihm getaubten Gelde gleichtalls so gegan zen. Klein hait:
zwar einen Vor'prung von it va 15 Stunden, ehe der Dieb—
aadl entdeckt wurde, doch bleibt es immerhin ein wätsel, daß
bei den ausgebilbeten Telegraphen- und Telephonverhältnissen
bis jetzt eine Spur nicht zu enidecken war.
ʒIn Pieußen wied der Versuch gemacht, bei der Revi⸗
ion des Steueistempelgesetzes eine ganze Reihe von Millionen
4u gewinnen durch Erhöhung der Gebühten auf Standes
erhöhungen. Gegenwärtig weiden folgende Stempelsteuern
muf Standeserhöhungen in Preußen erhoben: wer Herz'eg
wird, muß dafür 5000 M. zahlen; die Verleibung der
Fürstenwürde koßet 3000 M., ein frischgebackener Graf muß
1800 M. zahlen, ein neuer Freihtrr 1200 M, und wer
Wert dacauf legt, seinem Nem'eag ein „von“ zuzusetzen, muß
es sich 600 M. kosten lassen. Dabei ist noch zu bemerken.
daß, wenn bei diesen Verleihungen mehrere Seitenverwandte
mitaufge ommen werden, für ieden Se tenverwandten die
volle Taxe besonders erhoben wird. Die gleichen Beiträze
müssen auch gezablt werden, wenn eine „Standeserhöhung“
aus Anlaß oder bei Gelegenheit einer Adoption oder Legi—
limation statisindet, sowie auch für die Anerkennung und
Bestätizung einer von einem aus wärtigen Fürften verliehenen
„Standeserhöhung“ eines Inlanders. Füt die Verleihung
»es preußischen Adels an eiuen ausländische Adeligen kommt
die Hälite des sür die Verleihung der betr. „Adelsstufe“
vorgeschriebenen Stempels in Ansatz. Für sonstige nachträg—
liche Anderungen oder Etgänzungen der Bestimmungen über
eine „Standeserhöhung wird ein Fünstel bes Sieueriatzes
ür die betr. Standeserhöhung in Ansatz gebracht, für Wap—
penvermehrungen und Wappenändetungen ein Achtel. Erfolgt
zie Wappenvermehrung und Wappenänderung in Verbindung
nit einer Stiandeseihöhung“, so kommt außerden der für
etztere vorgesehene Stempelbetrag zurt Echebung. Erfolgt
zie Echebung eines Inbegriffs von Gütern zu einer Stan—
)esherischaft, iinem Häzogtum odet einem Fürstentum, so
ind 6000 Mark zu zablen. Ein Kammerjanker muß für
zie Verleihung seines Patets 400 M., ein Kammerherr
1200 Mark zahlen, wenn er abec schon vorher Kammer⸗
unker war, nur 800 M. Die Verleihung von Tite an
Privatpersonen kostet den dadurch Beglückten 300 M. Die
Benehmigung zur Aenderung des Famillennomens setzt eine
Stempelste uer von 30 Mark voraus, doch kann bei nachge⸗
wiesener Bedürftigkeit der Stempel auf 5 M. ermäßigt wer⸗
den. Eine Ramensoermehrung und ein Namenswechsel bei
adeligen Namen kostet ein Viertel der für die betr. Adels—
dufe vorgesehenen Sätze. Erfolgt die Namensvermehrung
ind der Namenswechsel in Verbindung mit einer Standegerjößzung,
so kommt außerdem deer für letztere voirgesehne
Stempelbetrag zur Erhebung. Der pieußische Finanzminister
will diese Stempelsteuer auch für die Zukanft unverändert
hestehen lassen. Die Kommifsion des Abgeordnetenhanse;
iber dentt anders darüber. Sie hat festgesetzt: sür die Ver—⸗
eihung der Herzogswürde 10 000 M. für die Verleihung
)er Fürstenwürde 6000 M., der Grafenwürde 3600 M.
er Freiherrenwütde 2400 M., des Adels 1200 M., für die
krhebung tines Inbegriffes von Gütern zu einer Standes⸗
herrschaft. eirem Herzogtum oder einem Farstentun 12 000
D., füt die Verleihung des Patents für einen Kammeir—
sunker 800 Vi., sür eineu Kammerherrn 2400 M. sofern
letzierer schoön vorher Kammerjunker war, 1600 M. Es wus⸗
den ferner fesigesetzt für die Verleihung des Titels Geheimer
Kommerzientat 6000 Mark, des Titels Kommerzienrat
3000 M., füt den Titel Kommissionsrat 500 M. die üdrigen
wurden für Titelverleihungen 300 M. angesetzt. Der An—
lrag der Konservatiren, fiür Namensänderungen sitatt der
pocgeschlagenen 30 M. den Betrag von 100 M. zu erheben,
wurde abgelehnt. Man kann dem Vorschlag der Kommission
um so mehr zustimmen, as es sich hierbei um eine Steuer
handelt. die ausschließlich Begülerse trifft, denen als Aqui—
valent eine soziale Aunehmeichkeit geboten wird, die von
Ben meisten aohl bedeutend höhet einzeschätzt Herden wird,
als der verhältuülsmähig geringe Geblihrensatz bettäyt. 9
8 Düsseldorf, 7. Aotil. Wie dem Gener.lanzeiger
aus Elberfeld gemeldet wird, hat Ingenieur Paul Veeh eid
lenkbares Luftschiff erfunden. Auf Beẽehl des Kaisers bat
das Kriegsministerium nun Herrn Veeh ersucht, aussührliche
Zeichrungen und Berechnungen seines Modells nur Prüfung
sinzusender
E) SNoblenz, 10. April. Fostalisches.) Roch nicht
zenügend in das Publikum gedrungen ist die Vor—
chrift, daß die Telegraphenboten angewiesen sind, ge⸗
wöhnliche Telegramme in den Hausbriefkasten zu stecken,
wenn die Hausbewohner vorübergehend abwesend sind.
Ddie Handhabung diefer Vorschrift führt häuftg zu Unzu—
räglichleiten, daß die Adressaten es unterlaffen, nach ih—
rer Heimkehr den Briefkasten nachzusehen, zunal wenn
während der Abwesenheit keine Briesbestellung stattgefun—
en hat, wie es z. B. an den Sonntaa⸗ und Feieraa—
Nachmittagen der Fall isi.
—
Die hiesige Kriminalpolizei ksam bet einer Haus suchung
in der Wohnung des Fabrikarbeiters Lauden umfang⸗
teichen Diebflählen auf die Spur. Sie fand große Men⸗
gen Waren aller Art und allerhand Rahrungsmittel, von
denen man gleich annahm, daß sie aus Diebstaäͤhlen hec⸗
tührten. Die Untersuchurig ergab, daß VB. gemeinsam init
zwei anderen beschäftigungslosen Arbeitern die unange⸗
meldet in seiner Wohnung wohnten, feit Monaten in hie⸗
siger Stadt auf Raub ausging, wobei die drei zusammen⸗
siahlen, was sie belommen lounten. Zentnerweise holten
sie Karteffeln aus den Kellern; auch von Fuhrwerken stah—
len sie Waren und Lebensmittel, wie Brot, Butter, Kase
swe Aus Gärlen holten sie sich Femüse, fo vaß fie fen
Monaten von den Erträgen ihrer Raubzüge lebten. Alle
drei haben die Tiebstähle bercits gestanden.
.) Rheydt, 10. April. Todlicher Sturz.) Hier
türzte in der Schirmstoßwebereci von Bettnann der Schlos—
er Lenders insolge eines Sehzltritts durch ein Dach auf
ine Majchene der Fabrik. Er wurde so schwer verletzt,
daß er kurz darauf siarb, Lenders ninteIasa rau und
nf kleine Kinder.
43 Ryeydt, 10. Rpril (Genickstarr e) Nach art
ücher Feststellung sind hier in der letzien Zeit ebenfalis
Senitistarrefarte vorgelomnien, und zwar 3 Grfrankungen
ind 2 Todesfälle.
) rrefeld, 10. April. Sutltetzhicher Tod.) Lit
E 'cise tan ear ührie ditdee p n cne,
»es Personenzuges Nr. 237 erfaßt und vor die Maschine
zeschleudert, wobei er unter die Raäder kam, und ihm
»eide Arme und Beine abgerissen wurden. Der Tod Kat
ofort ein.
() Cleve, 10. April. EExplodierter Petro—
enmkocher.) In der Wohnung eines Arbeiters ex⸗
lodierte ein auf dem brennenden Hoerd stehender Petro—
enmesen. Hierbei erlitten zwei Madchen von 11 und 15
Jabren Brandwunden. Trotzdem sofort ärztliche Hilse zur
Stelle war, verschied das eine, während das andere hoffnungslos
darniederliegt.
() Münster i. W. 10. April. (Wieder einer.)
Hier erschoß sich der Bahnhossvorsteher in Tecklenburg.
In der Kasse wurde ein Fehlbetrag von 1800 Mark fefi—
gestellt.
() Tortmund, 10. Apris. (Am Hu fschlag ge—
st Aben) Der 41 Zaähre alte Fuhrmann W. Nolting
erhielt von seinem Pferde einen heftigen Schlag in die
rtchte Seite, an dessen Folgen er versiarb.
() Löhne, 10. April. (Kirchenraub.) Hier isit
in der katholischen Kirche eingebrochen worden. Der Opfer⸗
tock wurde erbrochen und seines Inhaltes beraubt; au—
ßerdem wurde cine Tauftanne von dem Diebe mitgenom⸗
nen. Der Täter ist noch nicht ermittelt worden.
() Wiesbaden, 10. April. (Waldbrand.) Zwi—
chen der P'atte und Wehen zerstörte ein Waldbrand eine
Taunen'chonung von 200 Morgen. Bei dem Ausflugsort
Fischzucht sind 30 Morgen Wald niedergebrannt.
*Nesegger als Pair. Aus parlamentarischen Krei—
en wird zum bevorsiehenden Pairsschub der Krone nahe—
gelegt, an Stelle Ferdinand Saars Rofegger als hervor—
agendsten Repräscntanten des österreichischen Schrifttums
n das Herrenhaus zu entsenden.
*Bergrusch. Aus Nizza wird gemeldet, daß im
VRerdon-Tale ein großer Bergrutsch ersolgt ift. Eine auf
09 8ubikmeter geschätzte Erdmasse, die sich vom Saint.
Vichel Berge losgelöst hat, schieot sich täglich einige Meter
vbor. Der Einsturz der auf dem Gipfel des Berges be—
indlichen Kapelle erscheint unvermeidlich.
* Aulomobilunglück. Bei Veronga ist Graf Battisti
Bernini mit dem Automobil verunglücht. Der Graf ist
iot der Chaufseur schwer verletzt.
*Grosze Erplosion. In der Via Borgo Pio fanß
in der Nähe des Vatikans eine große Exp osion statt,
vodurch mehrere Personen verletzt wurden, darunter dreit
chwer. Das Haus wurde arg beschüdent. Die Ursache der
Erplosson ist nech nicht fesigestellt. — Zu der Exrplosion be
sant eine spätere Meldung noch folgendes: Es handelt sich
um die Explosion einer Dynamitpatrone, welche von den
Bewohnern des Hauses zum Fischsang in den Tiberfluß
deleat werden sollte. Die Erplosion verursachte große
Auiregung, da man vermutet, daß es sich um ein Ätten—
tat handle. An dem Aufkominen der drei schwer Verletz
en wird gezweiselt.
* Elf Mann ertrunken. In'?olge heftigen Sturmes
cheiterte bei der Einfahrt in die Bucht von Brodrielle
ine große Schifferbarfke. Tie aus 11 Mann bestehende
Besatzung wurde von der hochgehenden See weggespült
ind sand den Tod.
*Feuersbrunst. Eine im Hafen von Genua ausge⸗
hrnchene Feuersbrunst vernichtete Warenvorräte im Werte
on anderthalb Millionen Liere.
*Neuer Flug. Der belannte Luftschiffer Santos Du—
moöont uanternahm mit seinem Einflächenaeroplan „Libel!e“
bei St. Cyr in einer Höhe von 20 bis 25 Metern einen
24 Nilometer langen Flug. Sautos Dumont, dessen
Fingapparat übcraus leicht gebaut und zierlich ist, wurde
von der zahlreichen Zuschauermenge bei seiner Landung
aeneisiert bearußt.
Wie sollen sich Fuhrwerke dem Automobil ge
Jenüber verhalten? Vor allem muß sich der RKutscher
armachen, daß er jeden Augenblick anderen, schnelleren
Befährten begegnen kann, und daß es nicht mehr angän
zig ist. auf dem Wagen zu schlasen, oder aber seine Pferd
»brauslausen zu lassen und mit anderen Kutschern plau
derno zu folgen. Nach jeder Richtuna darf nur rechts ge
ahren wirden. Grtönt von hinten das Zeichen einer FGu
»e, so nehme man die Zügel fest und lenke die Pferd
uhig und mit freundlichem Zuͤrnf nach rechts. Sehr of
pringen die NQutscher, sobaldhste von hinten eine Hup
yären, oßne sich umzusehen, vom Bock herunter, un der
Bferd am Kopfe festzuhalten. Das ist diret lebensgefähr
ich, weil der Kutscher auf diese Weise nur zu leicht voꝛr
dent Automobil überfahren wrerden kann. Der Kutsche
muß sich, ehe er absprungt, erst nach dem Auto umsehen
NMeistens wird das Abspringen aber gar nicht nötig sein
Wenn der Kutscher ruhig bleibt, werden sich auch fein
Pserde nicht so leicht aufregen. Man überlasse niemal—
die Leitung der Pferde halberwachsenen Kindern, nament
lich nicht auf Chaufseen, die größeren Verkehr zeigen. Mar
hulte daraui, daß das Fuhrwerk sehr qut veleuchtet ist.
Zoll ein Wagen halten, so stränge man die Pferde ab
und lasse den Wagen an der rechten Seite, niemals aben
in der Mitte der Straße siehen. Wenn einem Kut'che
mit unruhigen Pferden ein Automobil begegnet, so heb
er die Hand hoch zum Zeichen, daß das Automobil halte
und fahre dann in ruhigem Schritt oder Trabe mit an
stehenden Zügeln und mit freundlichem Zurufe am Kraft
wagen vorben. Vor allem muß vermieden werden, daij
die Pferde rückwärts gehen, da man jede Gewalt übe
sie verliert. Nichts ist unrichtiger, als die Tiere im Maul
eißen oder gar heflig die Peitsche zu gebrauchen, da
nurch werden sie erregt und ersi recht wild gemacht. Zu
halten der Augen ist ebeuso unrichtig, denn die Tier
sollen sich ja gerade an den Anbück' des Automobils ge
wöohnen. Ueber die Frage: Wans sollen sich Rei.
her merkene schreibt das Buch: Der Reiter muß, fall⸗
sein Pserd unruhig wird, dem Automobilfahrer ein Zei
hen geben, damit dieser Vorsichtsmaßregeln sofort ergreb
sen kaͤnn. Fühlt sich der Reiter nicht genügend Herr sei
sies Tieres, so sieige er ab, nehme es am Kopfe und
bleibe mit ihm siehen, oder führe es lieber abscits des
Weges, als daß er sich der Gefahr aussest, durch einen
olẽ blichen Quersprung des Tieres vor das Automobil zu
türzen. — Uebrigens gitt auch dem Reiter gegenüber ar
das3. was norher üher die Pferdegespanne gesaat wurde
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Humoristische Ecke.
Qualifikation. „Glauben Sie auch, daß man
ne Spiel der Kinder die Neigung für ihren künftigen Be—
cuf entdecken kann? Ich kann bei meinem Jungen nichts
derartiges heraussindent“ — „Haben Sie ihn denn schon
beobachtetz?“ — „Jda, ich habe ihm einen Tuschkasten
dandwerkslasten, einen Baukasten und einen Kaufladen
jelauft, aber all diese Sachen waren in kurzer Zeit zer—
brechen!“ — .Na, dann scheint er mir ja Nulagen zum
Möbelransporieur zu haben.“
Vor Gericht. Der Vorsitzende zum Kläger: Sie
heschuldigen also den Angetlagten, Ihnen das Taschen such
neftohlen zu haben?“ — „Ja, Herr Präsident, und ich kannß
es auch beweisen; ich habe dier eben solch ein Taschen⸗
uch!“ — „Das beweist gar nichts! Ich habe ein Taschen—
tuch in der Tasche, das genau so aussieht!“ — „Das ist
ichön möglich, es sehlen mir ja auch zwei Taschentücher!“
Hösflisch. Zuchthausdirettor (zu einem eingelicfer—
tetn Sträsflengh: „Ihr Vater ist ja auch längere Zeit ver
miir eingoe perrt gewesen.“ — Strätlina: Jaspohs ich sar
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Vom Regeninsdie Traufe. „Sind Sie denn
mit Ihrer zweiten Frau glücklicher als mir der ersten?*
— „Kann ich nicht jagen. Die erfte war ungebildet und
nerstand alles falsch; die zweite ist gebildet und versteht
alles besser.“
Die neue Faustbearbeitung. Die „Deut
sche Theaterzeitschrift“ bringt folgenden tleinen Dialog:
„Wie ist die neue Faustbearbeitung?“ fragte Eduard. —
„Die Frage ist falsch“, sagte Alzred. „Man muß fragen:
Wie sind Sie durch den neuen Fausi bearbeitet worden?“
Zur Berufswahl.
Ein Handwerkt soll der Bus nicht treiben,
Denn dafür ift er viel zu gut;
Er kann so wunderniedlich schretben,
Ist ein so feines junges Blut!
Nur ja kein Handwerk! Gott bewahre!
Und wenn ichs mir vom Munde spare,
Es muß schon „etwas Bessres“ sein! —
Ein jeder will auss hohe Pferd;
Fin jeder will sich nobel kleiden,
Doch niemand seinen Schneider ehrt.
Der Hände Arbeit geht zuschanden.
Der Arbeitsbluse schämt man sich.
Das rächt sich noch in deutschen Landen.
Das rächt sich einmal bitterlich.
Das Handwerk hat noch golbdenen Boden.
Hält es nur mit dem Zeitgelst Schritt,
Folgt es den Künsten und den Moden
Und briegt man Liebe zu ihm mit.
Wenn Bildung sich und Fleiß vermählen,
Und tut der Meister seine Pflicht,
Mögt ihr ez zum Betuse wählen:
Es ist das Schlechteste noch nicht!
Ueneste Nachrachten und Telegramme
Depeschen Bureau Herold.
x* Berlin, 12. April. In der vergangenen Nacht ist
in das Offiziers-Kasino des 2. Garde⸗Feld-Nilillerie-Regiments
eingebrochen worden. Den Dieben fiel eine Geldkassette mit
eiwa 2000 Meark Inhalt in die Hände.
*Wien, 12. April Wie der Wiener Allgemeinen
Zeilung aus London gemeldet wird, sollen die Japaner die
übsicht haben, das Bündnts mit „Eagland zu kundigen.
Das joapanisch-englische Bündnis wurde 1905 auf 10 Jahre
abgeschlossen, kann aber jährlich gekündigt werden. Als
Grund für die beaksichtigte Kündigung wird angegeben ein—
mal der heftige wirischaftliche Korkurrenzkampf Eaglands in
China und dann die Entente zwischen England und Ruß—
land. In Japan i chnet man noch immer mit der Mög⸗
lichlelt eines rusfischen Revanchekrieges Die Annäherung
des Verbündeten Enziland an den möglichen Gegner von
morgen durfte den Wert der englischen Allianz in Tokio
wohl zweifelhaft erscheinen lassen. Die Nachricht des Wiener
Blattes wird in hiesigen diplomatischen Kteisen für alaub—
vurdig gehalter.
*Hagen, 11. April. Der Vorstand des Christliche.t
Bergarbeiter⸗Verbandes richtete an das Abgeordnetenhaus
eine dringliche Eingabe wegen der Berggesetznovelle. Es wird
zor allem eine wesentliche Erweiterung der Rechte der Sicher⸗
zeitsmänner verlangt. Die christlichenationalen Abeiter wür—⸗
den keine Sicherhei smänner wählen, deren Befugnisse jedes
folgreiche Wirken bei der Unfallverhdtung ausschlössen und
»ie nur eine Kulisse der Grubenverwaltungen oder gar
Zpitzel gegen die Arbeiter wäcen.
* Haag, 13. Aptil. Die Niederkunft der Königin wird
lündlich erwartet. Während der Feiertage war das Befin⸗
den der Königin gut, sie ging viel spizieren und hatte, in
stiner Weise zu leiden.
* Rom, 13. April. Der deutsche Kaiser wird bereits
bermorgen in Venedig einlreffen und in den nächsten Tagen
»ereliss nach Korfu abreisen. Bolow wurde sosort zum
daiser beordert, um Mitteilungüber die Verhandlungen,
die er mit Tittoni gehabt hat, zu machen.
* Paris, 18. April. Weitere deutsche Ballons sind im
raufe des gestrigen Tages in Frankreich gelandet, unter
Anderem ein solcher in Scantenz. An Bord bdefanden sich
drei Deutsche, weiche einem genauen Verhör unterzogen
vurden. Gendarmen beschlagnahmten einen photographischea
Apparat sowie Karten und verschiedene Schriftstücke,s welche
zerdächtig erschienen. Auf Anfrage beim Kriegsministerinm
erfolgte der Befehl, die Luftschiffer nicht abfahren zu lassen
owie den Ballon und alle an Bord bifir dliche Gegen⸗
lände und Instrumente zu beschlagnahmen. Ener der Lust⸗
cheffer erklärte, ein Prosessor der Physik und Chemie, der
weite ein Ingenieur und der dritie ein Rentie zu sein.
die photographischen Platten des Ingenienrs sollen hiesigen
zlättern zufolge nach Entwickelung genauer Abbildungen das
ꝛager von Chalons und die umliegenden Festungswerke dar⸗
tellen. Auf anderen hat man die Umgebung von Reims
entdeckt. Der Professoc wurde im Besitz deines Notizbuches
jefunden, worin sich zahlreiche Aufzeichnungen befinden. Die
rei Deutschen sind vorläufig in Hast genommen worden.
* Belgrad, 12. April. Der älleste Marn Serbiene, der
15jährige Kosta Nikolic, machte heute durch einen Gewehr⸗
chuß seinem Leben ein Ende. Nikolic lebte unte glinstigen
materiellen Verhältnissen. In der letzten Zeit krtänkelte er
diel, und dies hat ihn auch zu dem Seibstmord getrieben.
* Newyork, 13. Aptil. Die Kohlenztichen haben die
Verhandlungen wegen der Lohnfraze abgebrochen. indessen
vird écin Streik noch nicht eiwarfet
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