Full text : Dudweiler Zeitung

en XRijca- mit ontg Wittor Emanuelr. Ande—
rersents verlautet, der Zar treise Ende des Monals in Ita⸗
lien ein und die Zarin werde eventuell auch nach Italie
konmen. Ferner erwartet man den Besuch des Königs
von Griechenland, des Zaren von Bulgarien, des Prinzen
Georg von Serbien und möglicherweise des Königs Peter
von Serbien. Ferner wird für den kommenden Sommer
der Besuch des Präsidenten Fallieres erwarlet, der mit
dönig Viktor Emanuel eine Begegnung haben wird.
Wie der „Popolo Romano“ meldet, wird die Zu⸗
sammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und König
Viktor Emanuel nicht in Venedig, sondern im
Berlanf der Reise nach Korfu zu Ende des Monats in
einem der apulichen Häfen staitfinden.
König Eduard begibt sich am Donnerstag aul
einen Tag von Biarritz nach Paris, wo er mit der Kö—
nigin Alexandra zusammentriffst und von dori die Reise
unch Genuaga antritt. Dort wird sich das englische Herr—
zcherpvaar zu seiner Mittelmeersahrt einschiffen

Vom Expräsidenten Castro.
Cinem Selegramm aus Port of Spain zufsolge,
murde der Dampfer „Guadeloupe“ bei jeiner Ankunft vor
Vavoten umgeben, die mit bewassneten Mannschaften be
setzt waren. Trotzzdem Castrosnicht an Bord war
träsen die Vehörden von Trinidad doch bündige Vorkehr
Agen, um ciner venezolanischen Verschwörung in Trim
dod vorzubeugen.
Wie aus Fort de France gemieldet wird, geh
3 dem Expräsidenten Caftro gesundheitlich besser. Er
erhielt noch keinen offiziellen Ausweisungsbefehl und war
let ruhig in seinem Hotel die weitere Entwicklung der
Dinge ab, ohne jemanden zu empfangen. Castro äußerte
sich nur, es sei möglich, daß er nach St. Thomas (Dä—
nisch-Westindien) gehe.

an
Arbeiterbewegung. —
—* Apotheker-Aussftand. In Trieest sind die Apoß
thelker⸗Assistenten wegen Neuregelung ihrer Gehalts-Ver⸗
hältnisse in den Streik getreten.
— Aussperrung? Die Lage in der Kohlen-Industrie
in Philadelphia ist äußerst ernst. Die Arbeiter sandten
Delegierte an die Arbeitgeber mit der Aufforderung und
dem Auftrage, von ihnen Anerkennung ihrer Forderungen
zut verlangen, wogegen sie ihre urspruͤngliche Forderungen
betreffs der Arbeitszeit und Löhne ermäßigten. Die Ar—
beitgeber weigerten sich entschieden, die Bedingungen der
Arbeiter anzunehmen und gaben den Arbeitern eine Be—
denlzeit. Im andern Falle drohen die Arbeitgeber mit
einer allgemeinen Aussperrung. Es handelt sich um etwa
168 000 Koblenarbeiter

Laudwirtschaftliches.
()) Zur Schweinehaltung. Es ist zweifelloz, daß in
der schmutzigen, nachlässigen, durchaus unrationellen oder
der Natur der Schweine direkt entgegenstehenden Haltung
die Hauptursache der meisten Schweinekrankheiten liegt.
Außerdem bewirlt die schinutige Haltung der Schweine
eine arge Futterverschwendung. Denn das schmutzig ge—
haltene Schwein hat kein hinreichendes Gedeihen — kein
Gedeihen, wie es zu einer vollen Ausnützung des Fut
ters nötig wäre. — Es nimmt sozar der Wert des Flei
sches durch die Haltung der Schweine in Schmutzlöchern,
in stinkender Luft ꝛc. ab. Das Fleisch (auch Feit) nach
solcher Haltung ist niemals reinschnteckend und läßt sich
auch lanze nicht so gut konservieren wie das Fleisch vor
gkkurat uͤnd möglichst reinlich gehaltenen Schweinen. —
Die Höhe der Schweineställe richtet sich nach der Anzahl
der unterzubringenden Tiere. Für 226 Muttertiere sollie
die Höhe mindestens 2,30, für 6—10 Stück 2 50—2,60
Meter und für eine größere Anzahl 2,70 —3,00 Meter bhe—
tragen.
() Was für Eier will man ausbrüten lafssen? Hat
man eine Henne, die im letzten Jahr ganz besonders ge—
legt hat, so sei man gewissenhaft besorgt, daß man ihre
ier bekommt. Veelleicht würde auch eine Base oder eine
Nachbarin solch eine Henne auf vier Wochen zur Verfüg—
ung stellen, damit mehrere solch hervorragende Nutztiere
mit einem Hahn aus besier Nutzrasse (Minorka oder Ita—
iener) zur Zucht vereinigt werden könnꝛen. Die daraus
hervorgehenden Hähne dars man aber später nicht mit ih—
ren Schwesiern paaren, eher vereinige man noch die b—
sten der Junghennen mit ihrem Vater. Würde man scec
ledes Johr eine Zuchtwahl treffen, so würde bald der Be—
tand des ganzen Dorses ein vesserer werden, und sitat
einem Durchschnitt von 80 oder 100 Eiern würde jedes
huhn vielleicht 150 Stück legen. Tamit aber würde die
Hühnerzucht bald zu besserem Ansehen gelangen, und man
— DDDD
interessieren, wie sie betrefss anderer Tiergattungen schon
längst geübt werden und erprobt ünd

X
Inxmelte er leise und verschwand kbenso schnell, wie er
deko men war. *. —
Ilona war allein; sie atmete erleichtert qauf,
Wie sehr er mich erschrectt hat,“ flüsterte sie, ich woll—
te, ich hätte ihn niemals gesehen. Und dennoch — —
jedesmal, wenn ich ihn sehe, kommt mir der Gedanke, daß
er mir nicht fremd ist, aber — wo habe ich ihn nur ge—
fehen? — Tantes Erzählung von meiner Vergangenheit
hat mich ganz nervös gemacht, ich möchte, ich hätte die
Wahrheit eher gewußt, oder man hätte auch jetzt geschwie—
gen. Jedcech, das ist ein undankbarer Gedanke, den ich
verscheuchen muß,“ und in ernĩite Gedanken rersunken. trat
sie den Rückzug an

4.
„Marquis Castelli ging unruhig in seinem Gemache auf
und ab, seine hohe Stirn war tief gefurcht und finster
bdlidte er nach der Tür, die sich soeben leise öffnete.
„Was willst Du, Lucilia?“ fragte er gereizt.
Die also Angeredete trat näher und lecte schmeichelnd
sore Hand auf seinen Arm.
„Wie lange bleiben wir nech hier, Onkel?
„Bis ich meine Angelegenheiten gkordnet habe. Du
deißl diese Steinbrüche waren nie nach meinem Geschmack,
ich will sie verkaufen, muß aber mindestens noch zwei bis
drei Wochen h'er bleiben. bhis die Sache endaültiqg erledigt
if

„Soll denn Fabio noch so lange sein Spiel mit Sig⸗
bnra Lennor treiben?“
„Was kann ich dagegen tun“, persetzte der Marquis
mitzmut'g. „Ich habe ien gewarnt ernstlich auf ihn kinm
geredet, aber er lacht über jeden Einwand; ich kann ihn
dob nicht zwingen, einer Neigung zu entsagen, die viel—
leicht scin ganzes Lebensglück ausmacht. Hätte ich das
geahnt, so wäre er überhaupt nicht hierher gekommen.“
„Der Gedanke kommt Dir zu spät, Du mußt auf
Mittel und Wege sinnen, Tabio sobald als möalich von
hier zu entfernen.“
Der Narquis hick: in seinen Wanderungen plötzlich
na dalnn sah er das inaeß Mädchen durchbohrend on
m — —

Wie's gemacht wird?
Ein Beitrag zur „Schundliteratur.“
Es ist fast unglaublich, mit welschen Mitteln das In—
resse an den Schundhefien bei den Lesern gefesselt wird.
Das Anlocken überläßt man natürlich den Bildern auf
dem Titelblatt, die infolgs der scharsdissontecennden Farbenzu⸗
ammenstellung bis über den breitesten Fahrdamm leuch—
en. Die kräftigste Stelle aus dem Inhalt steht als Kost—
irobe unter dem Bild. In einigen Serien sind auch sehn
Iraßliche Strichzeichuungen dem Text eingefügt. Bilder
virlen immer, und die Vereinigungen, denen die Ver—
orcitung guter Lektüre am Herzen liegt, sollien aus den
Erfolßen der Schundhefte lernen. Was hier möglich ist,
varum sollte das nicht auch dort ausführbar sein? Es
wäre ja töricht gehandelt im Interesse der Verbreitung
venn der Handlung nicht die nötige Portion Fortsetzung
olgt“ eingeflößt würde. Raffsiniert, so schrant die ‚„Tglü.
Nosch.“, wird die Teilnahme sür den „Helden“ der Serie
Jeweckt, und es ist staunenswert, mit welchem Geschick es
nmimer gelingt, eine starke Neugier nach dem Kommenden
hineinzuweben. Der Held bleibt zum Schlusse immer der
Zziezer, neuen Gefahren und Abenteuern kühn entgegen—
ehend. Merkt man, daß die Nachfrage nach einer Serie
intt, so gesellt sich in den Heften dem „Meister“ ein ge—
ehriger Schuler zu: der Held der neuen Heftfolge! Sein
Meister findet einen „ruhmvollen“ Untergang als Opfer
einer schüͤndlichen Verschwörung, aber sein Lebenswerk ist
in guten Händen; wie wird sich sein Nachfolger mit den
„Situctionen“ abfinden? Wird er seinem genievollen
Meister Ehre machen? Die Spannnng ist da! Am Schlusse
zahlreicher Heste fehlt es auch nicht au direkten Hinwei—
ein, z. B.:
Den Ausgang dieses furchtbaren Abenteuers wird der
solgende Band melden. — Die Fortseßung dieses Bandes
velche die Rache des „blutigen Georg“ außersit spannend
childert, bildet das nächste Heft. — Was sich weiter er
ꝛignete, soll im folgenden Bande berichtet werden. — Wel
he Schiclsale unser Held auf seinem Zuge in die Nord
ee, und wesche Kämpfe er dort zu beflehen hatte, wird
dem Leser in der nächsten Nummer erzählt werden. —
Von dieser berühmten Expedition soll in einem folgenden
Bande berichtet werden. —
Die Zweifel an der Pertfönlschkeit des Serienhelden
werden einfach niedergeschlagen, indem behauptet wird:
Wir haben es hier, wie in Hesten von zweifelhaftem Wert«
(1), nicht mit einer Phantasiegestalt zu tun Der Held
unserer Hefte hat wirklich gelebt, und noch heute erfüllt
se'n Nuhm nicht nur ieine Heimat Amerika, sondern die
ganze Welt! — Dieses Vochen auf die Wahrheit wirk
immer!

—— —
Trockene Wohnungen.
Auf ein vorzügliches Mittel zur Trockenlegung n
zauernden Trockenhaltung von Geßäuden macht Professo
Nußbaum in der „Monaitsschrft für Bau- und Wohn
ungshygiene“ eufmerlfam. Er verweist darauf, daß mar
durch Hintermauerung mit Ziegeln die in den Wänder
aus Sandstein, porösem Kalkstein und ähnlichen durch
lüssigen Gesteinen sitzende Feuchtigkeit keineswegs beseiti—
gen, höchstens mildern lann, und lenkt die Aufmerksam
eit auf ein schon im Mittelalter angewendetes, heute ver—
gessenes probates Mittel: den Käfelilt (Käfemörtel), den
nan zum Versetzen und Hintermauern des Besteins, wie
‚um Wandputz vorteilhaft verwendet, um das Haus sehr
vohnlich zu gestalten.
Dieser aus Aetz'allbrei, Sand uund Magermilch, But—
ermisch, entrahmter saurer Milch, Milchgerinnfel oder
Pflanzeneiweiß hergestellte Möriel besitzt, wie Professor
ußbaum auseinandersetzt, eine Reihe trefflicher Eigen
chafien. Er verhindert das Vordringen von Wasser uͤnd
oon Auswitterungen zur Hintermauerung oder zum In—
tenputz, während er ausreichend durchlässig für Wafser—
dampf ist, um dem Austrocknen der Wande kein Hinder⸗
nis entgegenzusetzen. Da er auch technisch als der beste
und einzig eiuwandsreie Mortel zum Vermauern von Na—
urgestein bezeichnet werden darf, so steht seiner allgemei⸗
zen Verwendunz nur sein Preis entgegen. Doch isi sein
Nutzen ein wesentlich höherer als der iür Zuschläge er—
orderliche Kostenauswand.
Wo Naturgestein nur zur Verblendung der Außenseite
iner Ziegelwand dient, genügt es, die Werkstücke in Käse—
itt zu versetzen und von der Hintermauerung durch ihn
zullkommen zu treanen. Die Mehrkosten sind in diesen
Fällen als geringfügig zu vezeichnen gegenüber dem Preis
iner Werksteinverbsendung. Werden besonders sehr dicke
Bände ausgeführt, oder soll ein Haus, z. B. ein Umban,
ofort nach der Fertigstellung in Benützung genommen
verden, dann ist es notwend'g, den Innenwandputz aus
däseklitt herzustellen. Wo die Mehrkosten für die Zu⸗
chläge keine Vedeutung haben, ist d'ieses Vorgehen alige—
nein rätlich. Der Käselut verhindert hier ebenfalls das
Lordringen der Wandfeuchtigkeit und etwaiger Auswitter
ungen vollständig. Er bietet daher dem die Wand be—
rübrenden Holzwerl Schutz, läßt die Nachteile r. Vaus
mußte. Wärest Du gegen ihn nicht so schroff und absto
zend, hingegen gegen andere weniger freundlich gewesen
o würde sich 4weifellos das Verhältnis anders gestalte
aben“ . 91
Ein spöttisches Lächeln malte sich auf Lucilias Zügen
Mein lieber Onkel, Fabios Torheit macht auf mick
nicht den geringsten Eindruck; aber es ist mir unerträglich,
daß ein Mann von seinem Stand und Rang eine unbe—
annte Dorfschöne zu sich empor heben will. Ich wie—
»erhole Dir ganz entschieden, daß ich nicht das geringste
Interesse für Deinen Schützling gewinnen kann, und daß
ch mich niemals entschließen würde. ihm meine Hand fürs
deben zu reichen.“
. „Aber noch viel weniger diesem Lysander Rocco,“
unterbrach der alte Herr sie gereizt. Der Mann ist mir
in tiefsier Seele verhaßt und ich kann nicht begreifen, wa⸗
um er uns immer verfolgt, und fest wie rine Alette an
inz tlebt. — Du weißt, Kind,“ fügte er milder hinzu—
es war seit Jahren mein Lieblingswunsch, Dich mit
Fabio zu pereinen, wenn Du es aber nicht willst, nun,
a isst Graf Blondini, der Dich auf den Handen trägt
Vor unserer Abreise habe ich dem Grafen mein letz—
es Wort gesagt, er wird mich nicht weiter belästigen,
und was Lysander anbelangt, nun, er hat mir noch nicht
eine Hand angeboten,“ verfetzte sie leise und ein dunkles
Kot färlte ihre Wangen.
Der Marguis atmete erleichtert auf, er hatte das Errö⸗
en nicht bemerkt und seine Stimme Hang ungewöbnlich
neich, als er fagte:
de pae mich, Lucilia, Lysander ist nicht der Mann,
er Ddich glüdlich machen könnte. Und in letzter Zeit —
ber das weiß ich nicht bestimmt — habe ich bemerkt, daß
r mehr wie ein ungewöhnliches Interesse für Falias Ge⸗
iebte an den Tag legt, wer weiß, vielleicht gelingt ez
hm, sie an sich zu fesseln und Fabio wäre srei.
Lucilia erbleichte; sie wandte sich schnell ab, um ihr
Erschrecken zu verbergen,
„Du irrst Dich, Onkel,“ enttzegnete sie citoiitz, nd
b me fftang fo heifer und tonsoßs daß fioe fosßost

feuchtigkeit fur die Bewohner nicht in dte Erscheinng tre⸗
ten und gestattet wenige Tage nach seiner Fertigstellung
das Bemalen oder Tapezieren der Wandflächen. Da die
Festigkeit des Käfekitts dem Zementmörtel gleichlommt,
eine Zähigkeit und sein Haltvermögen an Stein, Eisen,
dolz u. a ihm überlegen ist, so werden die Mehrkolten
der Zuschläge reichlich aufgewogen durch die Güte des
Möriels.
Auf Anregung Nußbaums find bereits viele Bauten
mit Käsekittverpuß versehen und die allergünstigsten Re—
sultate erzielt worden. So wird in der „Monaisschrift“
bon einem außerordentlich „beschleunigten“ Umbau in
Hildesheim berichtet, daß schon zehn Tage nach Vollend—
ing des letzten Putes alle Arbeilen des iuineren Anbaues
— fertig wurden und die Räume
in Venützung genommen werden klonnten. Auch hat sich
jeither (2 Jahre) keine Wandieuchtigkeit mehr gezeigt

Vermischtes.
Die Wiedergeburt Messinas. Die Freunde de«
ilten Messinas werden die neue Stadt wohl kaum wie
ererkeunen, wenn die Pläne des italienischen Ingenieurs
annizzari, die jenseits der Alpen lebhaftes Aufsehen er—
egen, angenommen werden. Nach einer genauen Unter—
nchung der Ruinen und der Einsturzursachen hat Can—
lizzari den Plan entworfen, in der neuen Stadt nur nie—
rige, höchstens zweistöckige Häuser zu errichten. Die neuen
däuser sollen villenartig gebaut werden, d. h. alle von
inander getrennt bleiben, und zwar so“l der Zwischen
aum von Haus zu Haus wenigstens so groß wie die
ppelte Höhe des Bauwerkes sein. Nach diesem Vor
chlage würde jedes Haus seinen großen, umfangreichen
igenen Garten haben, in dem unler der südlichen Sonne
Siziliens in kurzer Zeit schattenspendende Zilronen umd
pselsinenbäume erblühen würden. Messina aber würde
ielleicht das Vierfache der bisherigen Stadifläche einneh
nen und stundenweit würden aus dem Grün der Guxter
äünas der Meeresküste die Dächer aufleuchten

Stammbuchverse für Zimmerherrn. Das „Meut
Wiener Tagblatt“ bringt solgende nette Wiener Gerichts—
noriz: Frau Fanni W., eine alte, aber reiche Frau, trat
als Klägerin gegen ihren gewesenen Zimmerherrn auf
und überreichte dem Richter einen Zettel, den sie nach
dent Auszuge im Rleiderschrank gesunden hatte: „Wollen
derr Richter die Gnade haben, zu lesen?“ Der Richter
as nun unter stürmischer Heiterkeit des Auditoriums fol—
zendes: „Meiner liebenswürdigen Zimmerfrau ein Stamm
buchvrers für ihre künftigen, Zimmerherren!“ (Zu singer
nach der Melbdie: „Wenn i so aufdenl', an mein junge
nd ee

„Wenn du da wohuen willst,
So brauchst ein' guat'n Mag'n,
Mußt Alteweibertanz
Auf alt und neu verttag'n.
s darf di la z'wider's G'sicht.
Aa dumm's Geleif' genier'n,
Sunst wirst vor Aerger grau
RBBri der angß“ Traou

Zei g'scheit und dach' dazu,
Beun s' mit 'n Bes'n renut,
Wenn sie nichts heiliger's
Als ihre Möbel kennt,
Weun sj' keisft bei jedem Tritt
„Sie, Herr, das leid' i nit!“
Und tut, a s wohnest g'rad'
Rei 167 qus (Gnon

Laß d' Alte brummen, denk'.
Wenn sie net kepeln kunnt',
Ging s'nan verhalt'ner Wut
BSottsjämmerlich zu Grund'.
Wird 's 3' arg, so kündigft ha
Zwei Wochen sein bald um,
Zieh'st in ein anders Haus
Und d' Hetz is aus.“
Entrüstet wendete sich die Klägerin gegen die
hörer: „Da gibt's nir z'lachen. Eine Gemeinheit is, su
vas z'schreiben!“ Richter: „Das dürfen Sie nicht sagen.“
Der Angellagte, ein weißhaariger alier Herr, meinte lä
helnd, er habe die Verse geschrieben, weil er seinem Aer
ger Lust machen wollte; ob sie aber auf Frau W. ge
nünzt waren, müßte erst bewiesen werden; auch könnt—
er nichts dafaͤr, daß Frau W. den Zettel allen Leuten
zeigte. Wenn er boshaft wäre, lönnse er jett Frau W.
vegen des Wortes „Gemeinheit“ verllagen, und wenn sie
ruf ihrer Kage bestehe, werde er es auch tun. Klägerin:
„Na, na, da trifft mi der Schlag! Da ziig i lieber al
es z'ruck!“ Und damit sturzte sie zum Saale hinaus
vorauf der Richter den lächelnden Siammpersdichter frei
prach

—,n— äXXÇËãë ä ααιιααUαανÔâ ÜOIJ— ·

ÆAAED—qeee—e——e—25ò50 2 — —⏑—⏑—⏑—⏑, ·— —
erschrat. Sitgnor Roceo bewundert keine vblasse Schonhetg
ten. Ich habe selbst gehört, daß er offen sein Mißfallem
üder Fabios Geschmack, den er eine Verirruna —*
aussprach.“
Viellelcht irre ich mich, gab der Marquis zu, „aver
ein Mann wie Lysander sagt nicht immer was er ban
Wenn er wirklich für dieses Mädchen dine Zuneigung fühlt
— 0
tein.“
Mit zufriedenem Lächeln drückte er einen Kuß auf
ducilias kalte Stirn, nicht ahnend, wie schwer seine Worte
das Herz des jungen Mädchens verwundet hatten, dann
berltetßz er das Gemach. — ————
vucilia stand allein. Fest prebte sie die Hand duf
ihr stürmisch pochendes Herz, ihre schwarzen Augen glüh⸗
ten in unheimlichem Glanze.
„Wie er mich erschroͤft hat! — Guter Gott, wenn
seine Worte wahr wären, wenn er ein doppeltes Spiel
riebe und es nicht mit mir aufrichtig meintel Ha! ich
asse sie — — ich könnte sie tüten!“
Doch bald legte sich die Erregung; sie wurde ruhiger.
War es denn möglich, daß er an Ilonas bleichem Antlitz
Zefallen finden koöͤnnte? — Sie mußte Gewißheit haben
md beschloß, Fabio Ascoli mifzusuchen. —
„Lysander Rocco ist ein anziehender Mann, der die
dJerzen unbefangener Damen im Sturm erobert,“ sagte sie
ößlich, nachdem ste schon eine Weile an seiner Seite im
Garten geplaudert hatte, „und Ilona ist so jung und un«⸗
erfahren, fie könnte sich leicht von ihm betören lassen.““
Fabio lächelte. Wie konnte nur iemand em Ilonas
Treue zweifeln
„Ich fürchte nichts,“ versetzte er zuverfichtlich. „Mein
leiner Liebling bleibt mir treu; sie würde eher sterben, als
nich hintergehen.“ J
„Ich spteche nur zu Deinem Besten, Fabic. Ich weiß,
vie innig Du das Mädchen liebst, und hielt es für meine
Pfuͤcht, Dich zu warnen.“ V
„MNich warnen? Du siehst wohl zu schwarz; ein leerer
RNHaften, dars in Deinca Nieen Gestalt nnim
            
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