ue Fotte jur zore verteidigung des englischen
Weltreiches schaffen wolle, musse man einen gewissen Pro—
zentsatz von Schifsen geringerer Größe bancen. England
besitze eine mächtige Flotte von älteren Schifsen. Die
Dreadnoughts wären hauptfsächlich für die hohe See be—
stimmt, zum Kampfe außerhalo des Bereiches der Tor—
pedos und der schwimmenden Seeminen. In den flachen
Bewässern, wie beispielsweise in füdlichem Teile der Nord
see, würde die Schiffahrt für Dreadnoughts, wenn alle
Leuchtschiffe und Landmarken eutfernt seien, eine außeror—
dentlich gefährliche sein. In der Nacht und bei trübem
Wetter werde sich der Torpedo als ein geführlicher Feind
der Dreadnoughts erweisen. Gegen einen unsichtbaren
Feind sei das Geschütz eine wertlose Wasse. Ueber Kreu—
zer zu sprechen, sei unnötig. Diese Schiffsklasse sei aus
den letten Bauprogrammen verschwunden. Die großen
gedeckten Kreuzer wären vielleicht die wenigst brauchbaren
Schiffe der englischen Flatte, und sie hätien außerdem den
Nachteil, sehr kostspielig zu sein.
Hof unsGesellschaft.
an Der einzige noch lebende Bruder Kaiser
Franz Josefs, der Erzherzog Ludwig Viktor von
Oesterreich, der seit Jahren in fiiller Abgeschiedenheit in
dem Dorje Klesheim lebt, ist sch wer ertkrankt. Au
Befehl des Kaisers hat sich sein Leibarzt dorthin begeben
Die Lage am Balkan.
Run liegen mündliche Antworten aller Kabinettschefs
der Großmächte betreffend den Wunsch Oesterreich-Ungarnus
nach Anerkennung der Annexion und nach Streichung des
Artikels 25 des Berliner Vertrages vor, und zwar ha—
ben alle leitenden Minister ihre Zustimmung zu dieser
Auregung ausgesprochen. Wie verlautet, hätten die Mächte
die Anerkennung der Annexion Bosniens an die Beding—
ung geknüpft, daß vorher die Abänderung des Montene
aro betreffenden Artikels 29 des Berliner Vertrages ge—
fichert sei, der jetzt auch als erledigt gelten kann.
Rußland beabsichtigt demnächst bei den Mächten die
Anerkennung der b ulgarischen Unabhängig—
reist anzuregen, da die Verhandlungen mit der Türkei
sich für die bulgarische Ungeduld zu sehr in die Länge
ziehen. Eine ähnliche Anregung ist bereits vor geraumer
Zeit seitens OesterreichUngarns erfolgt. Es scheint aber,
daß die Westmächte mit der Anerlennung bis nach dem
erjolgten Abschluß der fürkischen Verhandlungen warten
wollen.
Der italienische Gesandte in Cettinje übergab
im Namen der Großmächte der monteunegrinischen Regie—
rung den schrisilichen Vertrag über die Aufhebung der für
Montenegro im Artikel 29 des Berliner Vertrages festge—
sebten Beschränkungen. In seiner Antwortnote erklärt jetz
Möontenegro sich mit diesem Vorschlage einverstanden. Es
stimmt aber auch der Forderung zu, daß der Hafen vor
Antkivari einen rein kommerziellen Charakter beibehalter
loll. Die Antwortnote erklärt weiter, daß Montenegre
volles Vertrauen zur Erhaltung guter Beziehungen mit
Oesterreich-Ungarn habe, sowie daß Montenegro sich der
Entscheidung der Großmächte wegen des Bosnien und die
Herzegowing betreffenden Artikels 25 des Berliner Ver—
trages sügen werde. Eine Kopie dieser Note ist dem
österreichischen Gesandten in Cettinje mitgeteilt worden.
Auch die anderen Vertreier der Großmächte sind in die—
sem Sinne verständigt worden. Hiermit fsind die Wünsche
der Großmächte ersüllt und die guten und freundschajtli—
chen Beziehungen zur Nachbar Monarchie können sofor
wieder ausgenommen werden.
Au 21. März erfolgte bei Velatroja ein Zusam—
unenisto ß zwischen einer ösiserreichischen, von einem
Fätznrich gesührten und einer montenegrinischen Grenz
Parronille. Die Montenegriner fenerten, die österreichi
sehen Soldaten erwiderten das Feuer nicht. Zwei öster
reichssche Soldaten wurden von den Montenegrinern an
gehalten und nach der Hauptstadt Montenegroös gebracht
Auf die Vorstellung der österreichisch ungarischen Gesandt
schast in Cettinie ertlärte die montenerinische Regierung
der Vorfall habe sich auf montegrinischem Gebiet abge
spielt. Da der österceichische Fähnrich das Gegenteil be
hauptet, wurde zur Auftklarung der Naelegenheit eine ge⸗
mischte Kommisfon eingesetzt.
σ
Gerichtszeitung.
FSEine ungiltige Tranuung am Sterbebett. Mit dem
sellenen Fall, daß eine Ehe, von dem Kultusbeamten ei—
ner Religionsgemeinschaft eingesegnet wurde, ohne daß
dieser Trauung die Ziviltrauung vorangegangen wäre,
hatte sich die Strafkammer zu Beuthen zu beschäfti—
gen. Ein jüdischer Kauimann aus Kattowitz war mit
einem Mädchen verlobt, dessen Mutter plötzlich schwer
erkranlte. Auf Wunich der Mutter ließ er sich durch ei
nen schnell herbeigerufenen polnischen Rabbiner an deren
Sterbebette mit seiner Braut trauen. Ter Angekilagt
bezeichnete daraufhin die ihm nach jüdischen Ritus Ange
treute ass seine Ehefrau, was nach deuischem Gesetz un
zulassig ist. Vor Gericht entschuldigte er sich damit, daß
hut die fraasichhe Gesenesbessimmung unbekannt »*
7
Versöhni.
Novelle von . Ruraqer
⸗5ie sind die einzige, die ic vewundere, das Ideal
aller Schönheit. Als ich Sie gestern zuerst erblickte, wie
Sie Ihr glühendes Gesichtchen über den Felsen beugten,
wußte ich, daß mein Schicksal fürs Leben entschieden war,
daß ich keine andere denn nur Sie allein in der Wellt lie—
ben würde. Ilona, meine Geliebte, ich lege mich als Skla—
be zu Ihren Füßen, als gehorsamer, liebender Sklape —
„Still, still'“, unterbrach JIlona ihn zitternd. „Solche
Worte hat noch nie jemand zu mir gesprochen.“
„Desto besser; so bleibt für mich die süße Nufgabe,
Ihrem guten Herzen Liebe zu lehren! Ilcna — —“
Doch ehe er beenden konnte, wandte sich Signora
Lennox zu ihnen. Die gute Dame ahnte nicht, daß der
Augenblick, den sie für ihren Liebling so sehr fürchtete,
bereits gekommen war: daß reine, teure Liebe in beiren
dungen Herzen schon Wurzel aefgit und fich zu ⸗iner hert,
lichen Mliite en fUteta
Es war Adend, — ein herrlicher schöner, mit unzäh—
ligen Sternen besäeter Himmel breitete sich über das
ruhyige Meer, dessen blaue Wellen im Mondenschein nue
leise plätscherten. Auf der nahen Felsenbank saßen Hand
in Hand die beiden Glücklichen, anscheinend in liebliche
Träumereien versunken. Endlich blickte Ilona auf, legte
ihr Köpichen leise auf Fabins Schulter Mid dünfsen— ihm
11
„Ich fühle es fast wie ein Unrecht, so lange hier zu
bleiben und die gute Tante allein zu lassen, hesanders jetzt,
da sie krank ist.“
„Sei ohne Sorge, süßes Lieb, Du kannst doch an die—
jem herrlichen Abend nicht im Hause bleiben wollen; sie
erwartet das auch nicht von Dir,“ beruhigte Fabio.
Ich weißk es: aber dennah — — Ji, sichspied verle—
sei Ser Silants anwan veantragte drei Wochen Gefaug—
nis; der Gerichtsbof sah aber die Sache erheblich milder
an und erkaunnte auf 30 Mark Geldstrafe
Spiel und Sport.
(y) Ein deutscher Sieg in Monaco. Nach der Me'—
zung von dem Unglück des deutschen Reunbootes „Prinz
deinrich‘“' waren die Hoffnungen der dentschen Sportswelt
auf das zweite deutsche Rennboot, die „Liseloite“ des
Herrn Hermann Weingand-Düsseldorf, gerichtet. Obgleich
das Boot kürzlich mit einem neuen Mercedes-Motor von
120 Pferdekräfsen ausgersistet worden ist und einen be
stechenden Eindruck machte, hatte es doch als einziger
dentscher Vertrelter gegen eine übermächtige sranzösische,
englische, amerikanische und italienische Konkurrenz einen
schwierigen Stand. Wie aber ein Telegramm aus Mon
tecarlo mitteilt, hat „Liselottef im Großen Preisés
»oↄnu Monaco einen gläuzenden Sieg errungen
Verkehrsnuachrichten.
) Von der Staatsbahn. Miniller von Breitenbach
)at fämtliche Direklionen der prenßisch-hessischen Staats
ahnen angewiesen, den Tiensistellen die sorgfältige Be—
»andlung des Reisegepäcds ernent und nachdrücklich
n Erinnerung zu bringen. Jasbesondere ist in lebter
zeit darüber geklagt worden, daß auf kleineren Stationen
Ynusterkofser ussp. der Reisenden bei der Nusladung und
Beförderung nach der Ausgabestelle beschädigt werden
Auf vielen KLeineren Stationen sollten Handwagen zu
Aufnarme von größeren Gepäckstucken nicht vorhanden
seist. Das Gepäck soll dort aus dem Packwagen aufn7
Erde gestärzt und dann vielsach bis zur Abfertiguigssteile
auf dem VBoden geschleift werden. Es sollen ascals
dandwagen und Gepäckkarren ꝛc, auch ij
scine Bahnhöfe beschafit werden, sofern dies zächt bereits
recheben ift
— — — —
Rechtspflege.
Kontrollversammlung und Beurlaubtenverhältnis.
Bisher hat man ganz allgemein angenommen, daß
die Einberufung zur Ronteollversaumlung sür den Ein—
berusenen während des ganzen Tages der Versammlung
die ugehörigkeit zum akt ven Heere begründe. Nanient—
liich haben Reichsgericht und Reichsmilitärgericht diese
Aussassung in zap reichen Entscheidungen verreten. Und
doch kann die herrschende MReinung vor ciner genauen
Prüfung der einschlägigen Gesetzesvorschriften nicht beste—
henn MAus diesen ergibt sich vielmehr, daß die Rontroll—
versammlung die hierzu einberufenen Maunnschaften nicht
mehr dem aktiven Feere, sondern wieder dem Beuragub
tenstonde angehören. Anf diesen Standpunkt hat sich —
wie die bekannte juristische Halbmongtsschrist „Das Recht“
nitieilt — jett iin bewußtem Gegensatz zu der ständigen
kechtsprechung des Reichsmisitärgerich s) das Oberkriegs
ericht des zehnten Atmeesorps zu Hannvver gesiellt und
ich für unzuständig zur Enischeidung von Straftaten er
lärt, die Mannschafien des Beur aubtenstandes am Tag«
zer Fontrol!versantmlung nach Beendigung der Versanini
ung begangen hatten.
Sohr richtig erlläre das Ober riegsgericht, so schreibt
„Das Recht', daß es wohl positive gesetliche Bestimmun—
den gäbe, auf Grund deren die Mamischaften während
der aküven Tienstzeit und der Uehungszeit einschließlich
des ganzen Eutlassungstages dem Militärgericht unter
tänden: sür die Tage der Kontrolversammlung sehle aber
ine solche gesetzliche Bestinmmung. Das Gesetz würde aber
weifelsohne selche Bestimmungen getrofsen haben, wenn
s die Mannschaften nicht nur während der Kontroll—
brrsanimlung, sondern auch sür die übrigen Stunden des
Taqges dem Miilitärgericht hätte unterstellen wollen.
Man kann nur wünschen, daß diese Auffassung, zu
der sich auch das Kriegsgericht der vierten Division in
Würzburg bekannt hat, beim Reichsmilitärgericht durch—
ringen wird. Denn auf Grund der jetzt herrschenden
Ansicht sind zählreiche harte Bestrasungen wegen Acht
ingsverletzuung, Gehorsanmsverweigernug und dergle'chen
erfölgt, obwohl es sich — bei Lichte besehen — gar nicht
tun miltlärische Verbrechen und Vergehen. sondern um
innveae Streitiakeiten innger Burschen handelt
——RZüüü——
Ein Ersatz des Pneumatiks? Ein seyr wunder
Punkt der Automobiie, besonders der vastfsahrzenge und
zer Omnibdusse ist der Puneunatik, der wegen der raschen
Abnützung des Gummis die Betriebskosten ungehener stei—
gert. Ein französischer Erfinder, We G. Hugon, glaubt
zun, wie La Nature berichiet, einen guten Ersatz für den
zummireifen gesunden zu haben, bei dem zwar auch die
lastischen Eigenschasten des Gunmimis verwendet werden,
zie Abnutzung aber dadurch vermieden wird, daß das
zummi selbst gar nicht mit dem Boden in Berührung
ommt. Auf den Radranz des Fahrzeuges werden knopf—
rtige Gummiblöcke aufgesetzt, die außen mit einer starken
NRetallspirale umwunden sind. Außerdem haben sie eine
este Achse, deren Verlängerung den Radkranz durchdringt
DSdort uritfesfit einer istatfken —rroder in itändiogs
„Nein, mache Dir keinen Vorwurf, meine Kleine, Du
hast nichts Unrechtes getan, nichts, was Signora Lennor
icht gut heißen würde. Bedenke, morgen kommt der Mar—
suis Casftelli, und ich muß ihn langsam mit unserem
Llan bekannt machen, daher werden wir uns nur selten
chen können.“ !n
Ilona schmiegte sich fester an ihn; sie mochte gar nicht
aran denken, daß das glückliche Zusammensein der letz—
en Zeit gestört werden sollte.
„Wirst Du nie wieder au uns kommen?“ fraate sie
uagstlich.
„Welch eine Frage! Lona, kennst Du mich nicht bes—
er? Glaubst Du, daß ich einen einzigen Tag leben kömn—
e, ohne Dich zu sehen, ohne Deine füße Stimme zu hö—
en? Geliebte, ich hoffe bald die Einwilligung des Maͤr—
mis zu erhalten, dann bitten wir auch Deine Tante um
hren Segen, aber so lange müssen wir unser süßes Ge—
eimnis in unseren Herzen verschließen. Wiederhoie mir
ber nur noch einmal. daß Du mich liebst, sage nur, daß
Ddein ganzes Herz mir gehört, und daß keine Macht de—
Welt mit Deine Liebe entreißen kann.“
„Mein ganzes Herz gehört Dir,“ flüsterte sie ihm zu
„Wann und wo werde ich Dich moraen treffen. wirst
du im Haufe sein?“
„Nein; ich mag noch nicht den Marquis und seine schö⸗
ae Nichte sehen, die, wenn sie morgen ankommen, an
wiserer Villa vorbei müssen, darum gehe ich lieber fert
ch fühle eine unerklärliche Abneiaung und Eifencht an
zen die junge Dani—s
„Fein Grutiß zur CSisersucht, Vona. Luctlta Barry
ann mich nicht reizen. Dann glaube ich auch, daß sie
zereits halb und halb mit meinem Freunde, dem Grafen
Blondini, verlobt ist, wenigstens weiß ich, daß er ihr gro—
ze Aufmerksanikeit gezollt hat, also keine Furcht, mein
dieb. Aber, wo treffe ich Dich morgen?“
„Auf meinem Vieblingsfelsen; ich will dort den gan—
jen Nachmittag zubringen.“
Eine kurze Umarmung und Lona verichwand in der
ffanen Squigti W
2puntiung geyutien bito,. Tas xXxaqahren auf solchen u
ern soll, wie Versuche gezeigt haben, recht angenehm sein
veil die Stöße durch diesen Ersatz des Reifens fast völ
ig aufgesangen werden. Gleichzeiti dient diese Einrich
ung als Gleitschutz, und überdies hat sie noch den Vor
zug, daß selbst auf seyr nasser Straße die Räder wenie
pritzen.
Zur Münchener Fahrt Zeppelins1
W*
J
—E ES ——
Unser Bild zeigt den Zeppelin 1 in voller
iber die Pauluskirche in München
—8
Krinperung an die Fernfahrt Zeppe
lins nach München.
München, 7. April. Der Prinz-Regeut stiftete für
das Deutsche Museum ein Bild, das die erste Fernfahrt
des Zeppelinschen Luftschifsfes und die VLandung auf dem
Oberwiesenfeld zur Darsicklung bringen soll. Mit der
sus sührung ist Professor Zeno Tiemer beauftragt.
Aufruf des Lustflottenvereins.
München, 7. April. Der Landesverband Bayerns
»es Deutschen Luftfsotienvereins erläßt einen Aufruf, in
nein als besondere Ausgaben des Landes bezeichnet wer
zen: Die Anlagen von Häfen, die den Luftschiffern in be
rüugter, Lage Schutz bieten, die Heranbildung junger, für
den Luftflottendienst geeigneter Kräfte, die Herstelning
on Lustkarten, die gleich den Seekarten die Napiadierungß
wi Taag und Nacht erleichtern
Ein Rachtaufstieg „Zeppelins 1*
Stuttgart, 7. April. Das Reichsluftichiff ist ge—
ternn Abend 9 Uhr 40 Min. zu einer großen Nachtsahri
migestiegen, die einen rein militärischen Charakter trägt
Das Ziel der Fahrt wird sitreng geheim gehalten. Di
zahert wird auf Befehl des Kriegsministers unternommen
Friedrichshafen, 7. April. Das Reichsluft
chiff „3. 1“, das Abends 9 Uhr 40 Min. zu einer Nacht
farrt äufgestiegen war, schlug zunächst die Richtung nach
Utntsein. Um 4 Uhr 50 Min. steuerte es nach Ravens,
burg. Die Rücklehr nach Friedrichshasen wurde um
7415 Uhr erwartet.
Friedrichshafen, 7. April. Das Luftschiff
kam unt 10 Uhr vor Friedrichshafen in Sicht, passierte
die Stadt und manbvriert über dem See.
Friedrichshafen, 7. April. Das Luftschiff
ist nach dreizehnstündiger Faährt in der Baflonbasse alan
Jelandef
——
„Sußze, treue Lona“, flüsterte Fabio, als er dlleir
wvar und seine brennende Stirn vom frischen Abendwinde
kühlen ließ. „Wie glücklich sollte ich sein, Dein treues
Herz gewonnen zu haben. Aber ach! was wird der Mar—
zuis Castelli sagen, wenn er davon hört? Er hat seit
Jahren den Lieblingswunsch gehegt, mich mit Lucilia ver—
eint zu sehen, wiewohl wir beide fest überzeugt sind, daß
dieser Bund uns fürs Leben unglücklich machen würde.
— Hoffentlich hat sie Zuneigung zu dem Grafen Blondini
gefaßt dann wird es mir leichter werden, mein Ziel zu
rreichen.“ a ů ——— T5
Unter solchen und ähnlichen Gedanken erreichte er
sein Heim und lag bald im friedlichen Schlummer, um—
jaukelt von lieblichen Traumbisdern die ihm Slonas Bild
zor Augen führten. — —
Ilona wartete am nächsten Tage geduldig auf ihrem
Lieblingsplätzchen auf der Felsenbdank. Stunden woren
chon vergangen; sie mochte nicht mehr lesen, schon lange
atte sie ihr Buch beiseite gelegt und jetzt ließ sie sehnu⸗
üchtig ihre Blicke über den schmalen Fußsteig schweifen.
uf dem der Erwartete ankommen mußte.
‚Vielleicht hat ihn der Marquis oder — die schöne
Lucilia in Anspruch genommen,“ dachte sie bei sich selbst,
ich werde ihn jetzt nicht mehr sce oft sehen.“
Diese Gedanken verscheuchten ihr das Lächeln, und tie—
er Ernst malte sich in ihren lieblichen Zügen, kräumend
aß sie noch lange Zeit, bis sie endlich jah auffprang, mit
ein ganz bestimmten Gefühl. daß sie nicht mehr quf
riesem Felsen allein sei.
Sie hatte sich nicht getäuscht. Dicht vor ihr, mit ver—
chränkten Armen, stand ein bärtiger, fremder Mann, der
eine schwarzen, stechenden Augen bewundernd auf dem
lieblichen Bilde ruhen ließ.
Ilcna unterdrüdte nur mit Mühe ein Angsigeschrei,
das ihr fast die Kehle zuschnürte. Der Anblid des frein⸗
den Mannes erjfüllte sie mit Grauen; sie wich vor ihnt
zurück; wie vor einer giftigen Schlange. Doch nachdem
der erste Schreden vorüber war, raffte sie ihren ganzen
Mut zusammen und begegnete stant haft seinem stechenden
Blic. Einen Augenblick herrschte tiefes ESchmeiden pann
r D