Full text : Dudweiler Zeitung

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Tel.do, 269, 268 u 12CI.
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Tentag, oden 5. April 1909. eitun ge liste 8ui
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⸗0. BayYrgang.
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Kllgemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereibezirl
Pudweiler.

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Mit Reilagen: „Velletristische Wochenschrifte“ und
„Lustige BRlatter“.

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„bonnementspreis
monatlich 20 Pfg. frei ins Haus gebracht; bei der Post
bestellt M. 2,25 vierteljahrlich.
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Die „Dudweiler Zeuung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.
abn ιJXRαXR dVäX DXσαπααα

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kosten zo Pfg. die paltige Zeile; bei mehrmaligen Inserationen
entsprechender Rabatt.
* — — — — ⸗ — Sg—22—22222
Redaktion, Druck und Verlag von J. Untertkeller
in Dudweiler.

24. —
Zur Frage der elektrischen Schnell⸗
bahnen.
Der Minisier der öffsentlichen Arbeiten hat auf ein
Eingabe der „Kommunalen Vereinigung für den Bar
einer „Rheinisch-Westfälischen Städtebahn“ folgenden Be—
scheid erteilt:
Der Autrag auf Erteilunz der Erlaubnis zur Vor
nahme der Vorarbeiten für eine vollspurige, elektrisch zu
betreibende doppelgleisige Haupteisenbahn für den Perso
nenverlehr zwischen Dormuund und Düsseldorf wird einer
einzehenden Prüfung unter Anhörung der beteiligten Pro—
vinzialbehören unterzogen werden. Im Anschluß an die
hereits Ihrer Abordnung am 1. d. M. gemachten Eröff—
uingen möchte ich daher von vornherein keine Zweifel dar—
aͤber lassen, daß die Konzessionierung der geplanten Pri—
yateisenbahn grundsätzlichen Bedensen begegnet. Es han—
elt sich nach den Darlegungen des Antrages um ein Un
iernehmen von größter Vedeutung, welches über den Rah
men eines interurbanen, die Straäßenbahnnetze von be
nachbarten Städten verbindenden Schienenweges weit hin
ausgeht und eine gleichlausend mit der Staatsbahn und
neben dieser herzustellende ausgedehnte Bahnlinie mit faf
durchweg eigenem VBahnkörper zum Ziele nimmt. Mi
Recht geht daher der Antrag davon aus, daß die projiet
ferte Bahn, für die eine Geschwindigkeit von 120 Kilo—
meter in der Stunde in Aussicht genommen ist, nach ih
ter Zweckbestimmung und Verkehrsbedeutung dem Gesetze
doni 3. November 1838 zu unterstellen und unter die
daupteisenbahnen einzureihen sein würde. Die Zulassung
iner solchen Weitbewerbslinie, die wesentlich auf den jetz
jon der Staatsbahn bedlenten Verkehr angewiesen waͤre
vürde aber eine Durchbrechung des im allgemeinen Lam
esinteresse planmäßig durchgeführten Staatsbahnsystems
ilden, dem der Gedanke zugrunde liegt, Eigentum und
kßerwaltung der für den großen Vlrkehr wichtigen inlän
»ischen Eisenbahnen in der Hand des Staates zu verei
ugen und daraus eine einheitlich nach staatlichen und ge—
mnenwirtschaftlichen Gesichtspunkten geleitete Verkehrsan—
czu machen. An diesem System muß die Königliche
unatsregierung grundsätzlich festhalten; sie wird sich da—
der, zumal im Hinblick auf die sehr bedeutenden, für die
Vervollkommnung der Bahnanlagen, sowie der Betriebs—
and Verkehrseinricht ungen gemachten Aufwendungen, nicht
ohne zwingende Gründe dazu entschließen können, einem
privaten Eisenbahnunternehmen Raum zu geben, welches,
ich hart neben die Staatsbahn legend, dieser auf einer
der verkehrsreichsien Hauptstrecken in beträchtlichem Maße
Abbruch tun und auf den Gesamtverkehr der Staatsbahn
in erheblichstem Grade einwirlen müßte. Es bedarf hier—
aach der ernstlichsten Prüsung, ob in der Tat ein drin—
gendes Bedürfnis sür die beabsich izte Schnellbahn anzu—
erkennen ist, und ob es nicht der Staatseisenvaynverwal—
wug überlassen bleiben muß, den fortschreitenden Verkehr
dyurch Entwicklung ihrer Einrichtunzen zu beftiedigen. In
dieser Beziehung ist darauf hinzuweisen, daß tkostspielige
Umbauten teils im Werke, teils nach bereits grundsävlich
seststehenden Entwürfen geplant sind, um in dem hier m
Vetracht kommeniden Teile des rheinisch-weitfätischen In—
dustriegebiets die Hauptstrecke durch Ableitung des Güter—
verlehrs zu entlasten, und dadurch vorwiegend für den
bersonen⸗- und Schnellzugsverkehr nutzbar zu machen. Als
dunn mauß aber bezweifelt werden, ob der außerordent
liche Kapitalsaufswand, den die Verwirklichung des Pla⸗
ies ersordern würde, vom volkswirtschaftlichen Standnnkte
 aus gerechtfert'gt und allein mit der Einführung
»es eleltrischen Betriebes ausreichend zu begründen wäre.
Weiteren Bescheid behalte ich mir nach Abschluß der
uigebrdneten Prüfung vor.

Politische Rundschan.
Teutsches Reich
*Herr v. Kiderlen-Wächier begibt sich in diejen Ta
gen, nachdem er fünf Monate aushilfsweise im Aus.
värtigen Aute tätig gewesen ist, auf seinen Posten nackt
Vukarest zurück. Er verabschedete sich am Mitiwoch von
daiser, der ihn durch anertennende Worte über seine Tä—
igkeit bei den Verhandlungen mit Frankrecich über Ma—
otko und für seine ersolgreiche Mitarbeit bei der Beileg
ing der Balkanwirren auszeichnete.
* Wie die „Neue pohtische Korr.“ hört, ist dem Kul
usminister Tr. Holle der bisherige Urlaub auf zwe
veirere Monate verlängert worden, so daß eine Entscheid
ing über eine eventuelle Neubesetzung des Kultusmini—
teriunmis zunächjt noch nicht getroffen werden wird.
*Der Gegenbesuch deutscher Magistratsmitglieder in
2ondon findet in der Woche vor Pfingsten statt.
* Dte Handelskammer zu Worms hat sich von neuen
n einstimmigem Beschlusse geaen die Schiffahrtsabgaben
msgesprochen.
*Ter weimarische Landtag nahm das Wahl
zesetz auf 25 Jahre und Verlängerung der Wahlperio
»en auf sechs Jahre an. Dagegen stimmten die Sozial
»emokraten, Kleinbauern und Miittelständler.
* Das Geschaftsjahr 1908 des Norddeutschen Lloyd ha
einen Verlust von 1714 Millionen M. zu verzeichnen
der auf die wirtschaftliche Krise in den Vereinigten Staa
sen von Amerita zurückzuführen ist.
* Das „Militärwochenblatt“ meldet: Generalleutnant v
Sch e nck, Kommandeur der zweiten Gardedivision, ij
miter Enthebung von dieser Siellung zum Generaladju
auten des Kaisers ernannt und gleichzeitig zun
kronprinzen kommandiert worden; Generalmajor v. Lo
h o w, Direktor des Armeeverwaltungs-Departements in
kriegsministerium, wurde mit der Führung der zweiten
hardedivision beauftragt, Oberst v. Zastro w, Abteil
mgschef im Militärkabinett wurde mit der Wahrnehmun
»er Geschäfte des Armeenerwoltunasdevartements beanf
rco*

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and, sowie dem Präsidenten der franzosischen YRepublit
haben. Es sci auch möglich, daß der Zar nach Lissabor
und Barcelona kommen werde. Man glaubt, daß der
Zar mit König Viktor Emanuel in Neapel zusammentre
en werde, falls ihm nicht ausdrücklich der Wunsch aus—
gesprochen werde, nach Rom zu lommen. Sodann dürftt
der Zar auch Athen und Ronstantinopel besuchen und
durch die Dardanellen nach Rufland zurücklehren, um de
200,Jahrfeier der Schlacht von Poltawa beizuwohnen.
*æ Der Zar hat auf das Entlassungsgesuch Iswolskis
noch keine Antwort gegeben. Die Entscheidung wird in
zen nächsten Tagen erfolgen.
Frankreich.
*In der Kommission für die Resorm der Mi
itärjustiz ist ein Einvernehmen mit dem Unterstaatssek
etär Cheron zustande gekommen, wonach Militärper
ouen, die vor den bürgerlichen Gerichten erscheinen, z
Beginn der Sitzung abzuurteilen sind, um zu verhindern
daß sie längere Zert mit gemeingefährlichen Uebeltätern
n Berührung bleiben.
* Die Hetze gegen Deutschland wird augenblicklid
vieder von verschiedenen Blättern eifrig betrieben. St
chreibt u. a. „CEcho de Paris“, daß die von verschiedene;
Setten in letzter Zeit in Um sauf gesetzte Meldung üben
»en Rückteist Iswolskis einen tendenziösen Charakter ge
ragen hätte. Die Freude, mit welcher diese Nachrich
pon Deutschland ausgenommen worden sei, habe in Pe—
ersburg Anlaß zum Nachdenken gegeben. Man habe sich
iberzeugt, daß man in Berlin glücklich darüber gewe
en wäre, Iswolsski in Ungnade zu sehen, der das eng—
isch-russische Einvernehmen zustande gebrächt habe. Dief
nvenugtuung würde Deutschland wahr' cheinlich nicht zu
eil werden. Der Druck, welchen Deutschland auf Ruß
and ausgeübt habe und den die „Norddeutsche Al gemeen
zeitung“ in Abrede zu jtellen suche, verfolge augenschein
ich den Zweck, Rußland zur Nachgiebigkeit zu zwinge!
mind die Ernennung eines Ministers des Auswärtigen her
»eizusühren, welcher der deulschen Politk freundlich ge
genüberstehen würde

Desterreich⸗s Ungarn.
*Im Gemeinderat zu Wien stellte Vizebürgermeisten
dr. Neumayer den Autrag, die Bürgerschaft zu ver
mlassen, daß in geeigneter Weise eine Huldigung de
ßevölkerung Wiens vor dem Kaulser an
üßlich des erreichten Friedenswerkes durchgeführt werde
Ter Gemeinderat entbietet der königlich kaiferlichen Armee
sie bereit war, mit Gut und Blut für die Ehre Oelsien
inzuireten, Gruß und Dank. In der Begründung
uan heißt es: Den in ruhiger Weise mit un
undlicher Geduild geführten Verhaudlungen hat es das
Zaterland zu verdanlen, daß ein Einvernehmen unter
en Großmächten hergestellt und die Kriegsgesahr abge⸗
vendet wurde. Unser Dank gebührt bei diesem Anlat
uuch der wehrhaften de ut schen B und estreue der
eutschen Reichsregierung und Sr. Majestät dem deuischer
daiser. Ursprünglich war ein Faclelzug geplant. de
irser Idee wurde aber abgesehen und die Huldigung der
Wiener Bevöllerung wird in Schönbrunn oder aui dem
2Idenvlatz vor der Burg siat tnden.
Rußlanud J J
*Ter Petersburger Korrespondent des „Temps beftä⸗
tigt, daß der Zar im Mal, jalls nicht unvorhergesehene
dindernisse dazweschen treten, eine lange Kreuzfa her
internehmen werde, deren Hauptzweck es sei, den Besuck
»es KRönigs von Jralien zu erwidern. Der Zan
werde Stockhoim, Kopenhagen, Christiania, Portsmoutt
ind Cherbourg oder Brest anlausen und Begegnungen mi
tA—eñnigen b01 Schveden. Dänemark. Norwedgen, Enad

— JXIJX—— —
Die Lage am Balkan.
Am Sonntag wurden in Belgrad und in der Pro
hinz große Protestmeeting gezgen den Rückzu
der Regierung gegenüber Oesterreich angeordnet.
Nach den leßten Meldungen aus Belgrad soll di
Ddynastiefrage erst nach der Regelung aller kriti
cheit Fragen mit Oefterreich-Ungarn alut werden, zu de
ien auch der Handelsvertrag gezählt wird. Die Offizier
er beiden in Nisch garnisonierenden Kavallerie-Regimen
er, 72 an der Zahl, haben in einer Adresse an der
rtegsminister ertlärt, daß sie nicht weiter den Offiziers
sock tragen werden, wenn der Kriegsminister die verrä
erische Tätigkeit der serbischen Regierung billigen sollte
da König Peter sich mit der Regierung solidärisch er
lärt habe, könne nur ein Tyronwechfel die Ruhe
n der Armee wieder hersiellen. Der frühere Kronprin,
Beorg erklärte dem serbischen Premierminister, er woll⸗
auf den Wunsch der Armee in Serbien bleiben. Diese Er
lärung ist umso bedenklicher, als ihr eine Versammlun—
»on Offizieren im Hause Georgs vorausging.
Der serbische Minister des Innern gab den Behör
den den strengen Auftrag, dafür zu sorgen, daß säm licht
Banden abgerüstet und aufgelöst werden. Die anti—
»ynastische Agitation beginnt vollfländig abzuflauen.
Aus Belgrad wird gemeldet: Sowohl der König wi
die Regierung sind beunruhigt über die Haltung Monte
negros. Die serbische Regierung hat bisher schon zwei
nal in Cettinse angefragt, ob die montenegrinische Re
Jjierung das Vorgehen Serbiens billige und sich ähnlick
zu verhalten gedenke, erhiet aber keine Antwort. Aufd
——— —⏑ —
„Das sage ich nicht!“ versetzte sie fest.
„‚Vielleicht wissen Sie es nicht,“ höhnte der Mann.
Die zarte Gestalt vor ihm erbebte. Der Schlag, so
zufällig er auch gegeben war, hatte schwer getroffen »nd
seine Wirkung nicht verfehlt.
„Selbst wenn es so wäre, kann es Ihnen gleichgültig
lein,“ erwiderte sie ausweichend.
„Torheit! Ich habe die Vergangenheit nicht wergei
Glauben Sie meine Liebe sei erkaltet, erstikt? Nein, n
iie brennt noch ebenso glühend und fest in meinem He n,
wvie ehedem und jetzt, da ich Sie aufgefunden habe r
jasse ich Sie nicht mehr; Sie müssen mein werden. Ich
iebe Sie mit der ganzen Kraft meines Herzens, undeen
Sie glüdlich machen.“
Der Mann haͤtte heftig, erregt gesprochen; doch nach
und nach klangen seine Worte milder, bis sie zulent iast
zärtlich wurden und er leise seine Hand auf die Schulter
der geängstigten Dame legte.
„Rühren Sie mich nicht an; ich ertrage es nicht,“ eß
sie angstvoll hervor. Verlassen Sie mich, oder ich rufe
um Hilfe!“
Blitzschnell war der momentane sanfte Ausdruct aus
dem Antlitz des Mannes verschwunden; drohend durch—
zohrten seine Augen die junge Dame und mit dem Rücken
tellte er sich fest gegen die Tür.
„Wo ist Ihr Gaͤtte?“ fragte er sinster.
der sie hatten von ihrem traurigen Ende nichts gehort.
luf dem nahen Friedhof des Dörschens hatte die junge
zrau ihre letzte Ruhe gefunden; ein schlichter, schmudlo—
er Hügel barg die entseelte Hülle, und Ilona streute auß
zeheiß ihrer Wärterin einige Waldblumen darauf, ohnt
aß sie eine Almung von der Behbeutung ihres Verlusten
atte

hersohnt.

— —— ———⏑⏑——
„Vyfander!“ stohnte sie endlich.
Dies eine Wort klang fast wie ein Angstgeschrei Der
iunge Mann blickte höhrend auf sich herab, dann lachte er
itter.
„Ist das der Empfang, den ich erwartete?“ fragte er
erächtlich.
„Warum find Sie gekommen? Wie haben Sie nernen
lufenthalt entdedt?“ entgegnete sie tonlos.
„‚Meine liebe Nelly, als Sie vor fünf Jahren so plötzich
 spurlos verschwanden, habe ich mir selbst geschwosen,
nicht eher zu rasten und zu ruhen, bis ich Sie ufgefun—
den hätte, und wie gut ich mein Wort gehalten habe,
ehen Sie an dem Eriolg.“
Neuy barg ihr bleiches Antlitz in ihre zitternden
hände.
„Fünf friedliche rubige Jahre,“ flüsterte sie kaum
— —
u zerstören?“
In den Augen des Mannes blitzte es zornig: drohend
ind unheimlich umwolkte sich seine Stirn, als er jetzt mit
estem Griff die Hand der jungen Dame erfaßte. die er
Jjewaltsam an sich zog.
„Friedliche, ruhige Jahre?“ höhnte er. „Jawohl! nach—
)em mein Lebensgluck zerstort, meine treue vieve verach⸗
et war. O Nelly, Netty! waren Sie denn wahnsinng,
nich um einen Mann aufzugeben, der nicht einmal wagle,
Zie oifen vor der Welt als Gattin anzrerlennen? —
Wenn ich nur wüßre, wo er wäare. wahrlich, er iollte mir
nicht so leicht entgeben!“
„Still; Sie haben kein Recht, solche Worte zu sagen.
Ich liebte Sie niemals, das wußten Sie ganz genau, aber
ch liebte ihn. Wenn unsere Verbindung heimlich gehalten
vurde und ich mich nach hier in die Einsamkeit zurüd—
iehe, so geschieht es, um die Zutunft meines Gatten nicht
u schädigen, und ich würde ehert sterben. als ihm Scha—
en zu bringen.“
Wer ik Ihr Gatte, für den Sie Ihr Leben, Ihre
Fbre aufopfern — wo ik ers
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Glührot durchbrachen die Strahlen der Sonne die
dunklen Wollen, die sich drohend am herbstlichen Himmel
zusammengezogen hatten, und fanden ihren Refler in den
Fenstern des einsamen, entlegenen Landhauses am Fuße
»er Appeninen, unweit Neapel. Ein heftiger Gewitterre⸗
gen hatte Feld und Flur wundersam erquickt; helle Trop⸗
en, gleich perlenden Diamanten, funkelten an Blumen und
dalmen, glitzerten im dunklen Laub der Bäume und in
den frischgrünen Reben, die in dichter Fülle das friedliche
däuschen umgaben. — Goldig beleuchteten auch die Son—
nenstrahlen das liebliche Antlitz einer jungen Dame, die
hre dunklen, von langen, schwarzen Wimpern beschatteten
Augen kräumerisch in die Ferne schweifen ließ. Es moch—-jen
 viele traurige Gedanlen sein, die augenbhicklich ihre
Seele beschäftigten, denn ein wehmütiger Ausdruck lagerte
in den feinen, regelmäßigen Zügen und verlieh der fsun—
gen Frau doppelten Reiz. Leise entrang sich ein unterdrücd—
ter Seufzer ihrer Brust, doch gleich preßte sie die Lippen
jest aufeinander und setzte sich auf ihren Lieblinasplas am
röffneten Fenster.
Wie lange sie dort sinnend gesessen hatte, wußte sie
selbst nicht. Plößlich unterbrach der Schall sich nähernder
Schritte auf dem knisternden Kies die lautlose Stille; sie
horchte gespannt, atemlos, — ihre dunklen Augen leuchteten
 in sreudiger Erwartung, die bleichen Wangen färbten
ich purpurn und fest preßte sich die Hand auf das pochende
Herz, das in ihrer Brust zu zerspringen drohte.
Die Schritt. näherten sich, schon im nächsten Augen—
lide wurde die Tür hastig aufgerissen und ein junger
Nam trat ein.
Die junge Frau wandte aich um — dann taumelte sie
rrstatrt und sprachlos zucück. Leichenbläfse bedecte ihre
VRangen Furin Repeunag malten ach in ibren

„Was soll aus dem Kinde werden?“ hatte Annette oft
edacht, als trotz alles Suchens lein Brief, kein Schrift⸗
ück gefunden wurde; und als sie nach der Beerdigung
och iange sinnend da saß, betrat ↄlötzlich eine fremde
)ame mit ungemein wohlwollenden Zügen das Haus und
i⸗ mitleidiq auf das iebliche A24 42 uf in
            
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