Versienu.
* Die „Times“ meldet aus Teheran, die Regierung habe
Lerhandlungen mit Deutschland angeknüpft, um 8 Of⸗
iziere und 30 Unteroffiziere zur Neu-Organisation der
ersischen Armee einzustellen.
Erdbeben in Stalien
General Mazz3 a berichtet an den Kabinettschef, daß
wieder 6 Ueberlebende aus den Trümmern gerettet wor
de sind. Es werden in den nächsten Tagen die Baracken
fertiggestellt seina, in welchen die Beamten, Soldaten umd
der übrig gebliebene Teil der Vevölkerung vorläufig Ob
dach sinden werden. Die aufgefundenen Wertsachen wer
den nach Cattania gesandt. Die überlebenden Einwohner
erhalten nach Feststellung ihrer Identität die Erlaubnis,
in den Trümmern ihrer Wohnungen nachforschen zu dür—
sen Diese Nachforschungen erfolgen aber unter Aufsicht
der Truppen. Die Wasserleitung ist teilweise wieder her—
nestellt. Ein Militärgericht wird unverzüglich in Tätig—
eit treten.
Bei den jüngsten Erdstößen in Messina rissen die
Meereswogen eine 20 Meter lange Strecke der Quaimauer
for. Eine große Menge aufgestapelter Gegenstände, ein
mit Pferden bespannter Wagen und drei Eisenbahnwagen
mi Lebensmitteln für die vom Erdbeben Betroffenen sind
ine Meer gerissen worden. Menschen kamen glücklicher⸗
weise nicht ums Leben.
Der Dampfer „Bayern“ vom Norddeutschen Llodhd,
der eine amerikanische Hilfs-Expedition an Bord hat,
traj mit dem ameritanischen Botschafter Griscom in Mes—
sina ein. General Mazza bat die Amerikaner, da in Mes—
sine keine fremde Hilfe mehr nötig sei. sich nac Cattania
und Syrakus zu begeben.
In der letzten Kammersitzung, die nicht sehr stark
beiucht war, und in der die Debatte über die Erdbeben—
Katastrophe fortgesetzt wurde, wies der Kabinettschef Gio—
litti auf die Maßnahmen hin, welche von der Regierung
befsirwortet werden. Er erneuerte das Versprechen, Mes—
sina und Reggio wieder aufzuhauen und verteidigte hier—
auf die Notwendigkeit der Verfügung des Belagerungs⸗
zuftandes. Er sagte zu, dieser Belagerungszustand würde
sobald als möglich wieder aufgehoben werden. Verschie—
dene Abgeordnete sprechen ihren Dank aus für die opfer⸗
freudige Unterstützung des Auslandes.
Bei Savona, unweit Genua, ersolgte ein Felssturz,
durch den 6 Personen getötet und 4 verwundet wurden.
Aus Messina meldet der „Eclair“: General Mazza
erkllärte in einer Unterredung mit dem Korrespondenten
des Blattes, er sei überzeugt, daß die Einführumng des
Kriegsgerichtes der Taten der Plünderer ein Ende ma—
ihcn werde. Der General hat eine große Anzahl von
Uebeltätern verhasten lassen. Die auf frischer Tat er—
tappten Plünderer wurden erschossen. Angesichts der Ver—
wesung von zirka 60 000 Leichen ist mit der Kalkbe—
zießung begonnen worden.
Der Dampfer „Verona“ ist aus Reggio mit 100 Ver—
vundeten und 13 Millionen Lire, welche der dortigen
Bank-Filiale der Bank von Neapel gehörten, in Neapel
ingetroffen. Ein Schlepppdampfer, welcher den Dampfer
in den Hafen brachte, kollidierte mit einem anderen und
zing unser. Der deutsche Dampfer „Carara“ ist mit
Lebensmitteln von der Wörmann-Linie eingetroffen.
Der Unter⸗-Direktor des öffentlichen Gesundheits-Am—⸗
tes erklärt, daß die sanitäre Lage in der Stadt eine gute
ist. Augenblicklich wird das Wasser geprüft und die Des—
sektion fortgesetzt — Feuerwehrleute fanden den Geld—
schrank eines reichen Privatmannes in Messina, der sie
mit 6000 Lire belohnte. Die Feuerwehrleute spendeten
diese Summe sofort für die Opfer der Katastrophe.
Die Krise auf dem Balkan
die Entschädigung der Türkei
Alle Wiener Blätter begrüßen die Bereitschaft Oester—
eich⸗Ungarns, der Turtei als Ersatz sür Bosnien und
die Herzegowina 2 Millionen türtische Pfund zu zah—
en als eine Friedens-Botschaft von höchfter Bedeutung.
D „Neue Freie Presse“ sagt: Die Türkei steht vor ei—
se; großen Erfolge, vor einer Morgengabe für die
unge türkische Verfassung und für die Urheber der Juli—
skevolution, die deren Ansehen in der mohammedanischen
welt bis nach Aegypten und Indien heben würde. Die
Heit“ sagt, Oesterreich-Ungarns letztes Wort verdiene,
haß die Türkei es rasch und dankbar akzeptiere. Auch das
Tageblatt“ und das halbamtliche „Fremdenblatt“ novnen
U5AMAnaehot einen Schritt nach vorwäris.
Das „Fremdenblatt“ spricht die Erwartung aus, daß
nfolge der Vorschläge, welche der österreichisch-ungarische
botschafter der Türkei gemacht habe, nunmehr die Ver—
jandlungen einen ruhigen und befriedigenden Verlauf
ehmen werden.
„Daily Telegraph“ meldet aus Konstantinopel: Der
züerreichische Vorschlag werde vom Großwesir dem Minp
Schicksae des Lebens.
Eine Erzählung aus der Prärie.
Harry fügte sich leichter, als man geglaubt hatte, in
ae Sachlage. „Tante“, sprach er am Ende der Unterred⸗
ing, „Du wirhsi mir aus irgend einem Grunde entgegen;
ich aber sage Dir offen, daß Dir's nichts helfen wird, daß
hertha unsehlbar mein Weib werden mußz. Ich will war—
en uͤnd gebe zu, daß es unrecht war, sie zu einer über⸗
ilten Heirar zu drängen: — mein Weib aber soll und
nuß sie werden, und zwar bald.“
Ich will es nicht verhindern, Harry, ich verlange
zur, daßz Du wartest, bis sie ihr eigenes Herz lennt und
die gerne folgt. Die Sache eilt nicht. Vertha ist uns
Rehr willkommen, und kommt der Tag, der sie uns ent—
ührt, so lasse es eine richtige Hochzeit sein und ver—⸗
chwinde nicht mit ihr wie ein Dieb bei Nacht und Nebel.“
So kehete denn Bertha in das Präriehaus zurück und
e frische gesunde Oktoberluit rötete ihr bald wieder Lip—
ꝛen und Wangen.
Und doch fühlte sie sich nicht glücklich. Ralfs Geschick
var eine Quelle steter Angst und oft wähnte sie in nächt—
icher Stille, seine Stimme oder seinen Schritt zu hören.
darrys fortgesetzte Werbung beunruhigte sie ebenfalls. Sie
ühlte, daß ihr Herz ihm schweige, und fürchtete doch, daß
e nicht immer die nötige Kraft des Widerstandes haben
berde. Es war eine eigentümliche Mischung von freund—⸗
chaftlicher Neigung und Mißtrauen, die sich ihm gegen—
iber in ihrem ganzen Wesen kundgab.
An einem der letzten Oktovertage aber gelang es
darry, sie zu überreden, daß sie ihn lieben, ohne es selbst
u wissen, und daß es unrecht und grausam sei, sich ohne
reifbaren Grund zu weigern, sein Weib zu werden.
Jetzt hätten wir gerade noch schönes Wetter zur
ʒeimreise, bestimme also den Hochzeitstag.“
„Tue das selbst, oder überlasse es der Tante,“ entgeg—
ete Bertha düster ich kann mich über diese Zeit nie
Aticheiden“
„Nun, heute ist der letzte Oltober — laß es Donners⸗
»a don 7 Nonombor soinn vorado fihaer gdy Tnoc
eartrat unterbreitet werden. Die Antwor, an die öster
Lichische Regierung soll dann sofort erfolgen.
Wie verlautet, hat der ungarische Premierminister Dr
Welerle bei seiner letzten Beratung mit Baron Aehren
hal namens der ungarischen Regierung erklärt, daß Un
jarn bereit sei, die Hälfte der Lasten, die sich ans Kom—
* mnationszahlungen an die Türkei ergeben, zu tragen,
Jeichviel in welcher Form die Deckung ersolgen wird.
dr. Wekerle ließ sich durch einen besonderen Minifterral
zu dieser Erklärung vor seiner Abreife. —8
Schonung den Vogein
Die harte Jahreszeit ist da, wo so mancher Vogel
zarben muß weil die Feider und Gärten verschneit sind
ind der arnie Kerl nichts findet. Wir sollen ihn des—
‚alb nicht vergessen und ihm täglich die Brosamen vom
derrentische hinausstreuen, damit er sein Dasein fristen
ann. Der Vogel arbeitet an unserem Wohlergehen, mit—
sin sind wir ihm diesen Liebesdienst schuldig. Wenn die
zögel nicht wären wie möchte es da in unseren Gärten,
juf unseren Feldern und in unseren Wäldern aussehen.
Venn es auch so manchem scheinen will, daß viele
c„chädlinge im Walde und Garten seien und deshalb ver—
aiichtet werden müßten, so sei darauf hingewiesen, daß
icher in anderer Beziehung diese Vögel mancherlei Nutzen
zringen, der größer ist als der geringfügige Schaden, den
ie verursachen. Wenn wir die Vögel nicht hätten, würde
ich das Heer der schädlichen Insekten ins Unglaubliche
rmehren. Das Ungeziefer würde alles vernichten, was
einer Freßlust zum Opfer fiel. Man hat, wie Stichel
n der „Internationalen entemologischen Zeitschrift“ be—
ichtet, die Beobachtung gemacht, daß die Raupen auch
zann noch sehr gefräfig sind, wenn sie von Parasiten
»ehaftet, also bereits angekränkelt sind. Die Vernichtung
der schädlichen Raupen ist vor allem nötig; aber auch das
)cer der Schlupfwespen ist so groß, daß ganz gut ein
eail davon vertilgt werden kann. Tazu kommt, daß die
zchlupfwespen beim Anfassen der Beute sehr phlegmatisch
ind, während der Vogel überall herzhaft dort zugreift,
vo er nötig ist. Aufgabe des Vogels ist, die Raupen
tich! mit einem Male, wohl aber ununterbrochen zu ver—
ilgen. Es ist Tatsache, daß die Zahl der Singvögel von
zahr zu Jahr immer mehr abnimmt. Deshalb ist es
insere Pflicht, vor allem die Singvögel zu schonen und
mich jene, welche Schädlinge verzehren. Wenn von geg—
nerischer Seite behauptet wird, daß sich in Gegenden, wo
namentlich kleine Vögel nisten, viele schädliche Insekten
bold zeigen, so ist das ein Irrtum. Die Erfahrung lehrt,
daß sich immer dort am meisten Raubtiere zeigen wo
nel Wild haust, ebenso werden sich sehr bald auch dort
Insekten fressende Vögel einfinden, wo die Schädlinge
massenhast auftreten. Wir werden den goldenen Mittel—
weg gehen, wenn wir die Vögel und die nützlichen In
ielten schönen. Das geschieht am besten, wenn wir schon
n der Schule die Kenntnis der nüßzlichen Insekten den
dindern beibringen
Spiel und Sport
(y) Unsere Schwimmgelegenheiten. Die Zahl der
jfsentlichen Schwimmgelegenhgeiten in Deutschland vergrö—
zert sich erfreulicher Weise immer mehr; eine ganze Reihe
neuer Bäder ist in den letzten Jahren entstanden. Im—
merhin gibt es auf diesem Gebiete noch außerordentlich
»tel zu tun. Wie das Jahrbuch des Zentralausschusses
zur Förderung der Volls- und Jugendspiele in Deutsch
and mitteilt, waren unter den mehreren Taufend Ort—
aften, die das Deutsche Reich aufweist, nur 591 Orte
im Besitz von Schwimmgelegenheiten. Es gab nur 325
Schwimmhallen, die während des Sommers und Win—
ers benutzbar waren cdie ältesten entstanden 1860 in
Nagdeburg und Bremen); freie Bade-Anstalten wurden
037 gezählt; insgesamt waren also 1362 Bade-Anstalten
onrhanden. Von diesen waren 621 städtisch, 741 im Pri
atbesitz. Oeffentliche Brausebäder waren an 382 Orten
orhanden. Besonders gute Erfahrungen machte man mit
den Schul-Brausebädern, deren erstes im Jahre 1883 in
Böttingen errichtet wurde; ihre Zahl beträgt 914. Auch
Re Schulen haben sich in der letzten Zeit des Schwim—
mans, das als eine vorzügliche Ergänzung des Turn—
nterrichts anzusehen ist, angenommen. Gelegenheit zum
imentgeltlichen Erlernen des Schwimmens war in ganz
deutschland bis zu Ende des Jahres 1908 in solgen
er Weise vorhanden: An 1193 Vollsschulen wurde der
zchwimmunterricht erteilt. Weiter fanden an 86 Mittel
ind 74 höheren Schulen (J Mädchen- und 65 Knaben—
ch:sen) Schwimmkurse statt. Von den Vereinen, die dem
eutschen Schwimmverband (Sitz Frankfurt a. M.) und
er deutschen Schwimmerschast angehören, werden alljähr
jich gegen 6000 Schmimmischüisor neu ausgebisdet
Hunst und Wissenschaft
() Das veutjiche Theater 1908. Der deutsche Büh—
ienspielplan für 1907—-08, der soeben im Verlag vor
Zreitkopf u. Härtel (Veipzig) erschienen ist, ermöglich.
wieder eine staätistische Uebersicht über die an den weient—
Tante Polly zeigte sich von der Meldung der Verlob⸗
ing weniger überrascht, als Harry erwartet hatte. „Was
zeschehen soll, wird geschehen“, murmelte sie und verließ
eufzend das Zimmer.
Es sollte eine wirkliche Hochzeit gefeiert werden, die
rste in der neuen Ansiedelung, und Tante Polly —
ie Sache so festlich als möglich zu gestalten. Alle Nach—
»arn der Kolonie wurden zum Mahle gebeten; selbst der
Wirt und die Wirtin des Neu-Raltimore⸗Hotel“ erhielten
ine Einladung.
Am Tage nach der Verlobung erschien Harry in der
düche und erkundigte sich, ob er irgend etwas tun könne,
im die Vorbereitungen zu beschleunigen.
„Am liebsten wird mir es sein, wenn Du nicht im—
ner im Hause herumstiefelst und den Leuten im Weg um—
zehst. Nimm doch die Büchse und gehe auf die Jagd.
Vir brauchen frisches Wildpret und Wachteln und Prärie—
zühner in Menge.“
„Will es tun, Tante, und will mich so viel als mög—
ich aus dem Staube machen; von Zeit zu Zeit aber
verde ich doch hereingucken dürfen, zu sehen, ob Bertho
richt davon gelaufen ist.“
„Unsinn! Ein verliebter Mann ist wahrhaftig das
»ümmste Geschöpf der Welt. Hoffentlich überdauert deine
Zuneigung aber die Flitterwochen.“
„Sie wird dauern, so lange ich lebe,“ erwiderte der
unge Mann ernst; „doch daß ich es nicht vergesse,Tante,
chreibe mir eine Liste dessen, was Du zum Mable be—
ngrt ich fahre in die Ansiedelung und besorge dann
illes.“
„Das ist unnötig; dein Onkel ist wohl im Stande, die
dosten des Hochzeitsmahles allein zu tragen.“
Ich weiß das. aber ich möchte doch lieber dazu bei—
teuern.“
„Hast Du auch Geld genug für all deine Ausgaben?“
ragte die Tante kurz. Sie war anscheinend beschäftigt, ei—
ien Brotlaib in den Ofen zu schieben, beobachtete aber
eimlich den Reffen scharf.
Harry wechselte die Faroe.
„Du hast wirklich drollige Einfälle, Tante; meinst Du
ich würde mit meinem Taschengeld nicht reichen?“
HRun ich erinnore ih von Dir aehört 2u0u hosßpo—
lichen deur yen Buhnen erfolgten Aufführungen. Von
unseren Klassikern steht wie immer Schiller an ersier
Stelle mit insgesamt 1441 Aufführungen, wovon allein
2892 auf „Wilhelm Tell“ entfallen. Goethe mit 705
Abenden („Faust“ 1. Teil 213mnal) folgt erst nach Sh a—
kespegare, dessen Werke 945 Aufführungen erlebten
davon der „Kaufmann von Venedig“ 120). Lessing fand
376, Hebbel 409, Grillparzer 363, Moliere 185 Ausfjfuh—
AAreen. Von modernen Autoren wurde Sudermann
c2mal aufgeführt, Ibsen 876 Hauptmann 476
v.al. Eine große Aufführungszahl ergeben die ständig
viederkehrenden Repertoirestücke, sodaß Blumenthal 1021
Abende, F. von Schönthan 931, L'Arronge 684 auf sich
rcizißen önnen. Als Zugstücie erwiesen sich der fran—
ostsche Schwank „Fräulein Josette — meine Frau“ mi
.2, 8. Bernsteins „Der Dicb“ mit 510 Auffübhrungen,
er auch „Husarenfieber“ brachte es noch auf 615, „Alt—⸗
heidelberg“ auf 477 Wiederholungen. Den größten
Attpieferfola trug aber E. von Wildenbruchs „Die Ra
bensteinerin“ mit 938 Aufführungen davon. Und doch be
denten diese Zahlen nur wenig gegen die alles veherr—
schende Operetse Lehars „Die lustige Witwe“ erlebte ihre
1778 Aufführungen, „Ein Walzertraum“ von O. Straufß
1741, und schon winken mit drei erst kürzlich erschienenen
neuen Opereiten, L. Falls „Die Dollarprinzessin“ (547)
und „Der fidele Bauer“ (406), sowie G. Jarnos „Die
Förster-Christl (239), neue Rekorde. Von den Opern er—
zielte die größte Aufführunaszahl G. Bizets „Carmen“
mit 479 Abenden. Nur die Neuheit „Tiefland“ von d'Al—
hers brachte annähernd soviel (463). Es folgt dann
„Lohengrin“ mit 395 Ausführungen, R. Waaner insge—
amt mit der stattlichen Zahl von 1936 Abenden, dem
regenüber Meyerbeer sich mit 152, Gounod mit 249 be
zungen müssen. Verdi zählt 757, Mozart 471, Lortzinc
3545 K. M. v. Weber 325 Aufführungen, während Beet
hovpen allein mit „Fidelio“ 219mal und R. Strauß' „Sa
lome“ 217mal aufgeführt wurde.
α OOOOO
VBerme totes
Wie Mark Twain hereinfiel. Vor einigen Wo—
hen, so weiß der „Gautois“ zu erzählen, empfing Mark
Twain von seinem New-Yorker Verleger Collier einen
Arief, worin dieser ihm mitteilte, daß er ihm zu Neu—
ahr einen Elephanten verehren würde. Mark Twain war
jber diese Mitteilung nicht wenig überrascht. Mr. Col—
ier gilt allgemein als ein zu Späßen wenig aufgelegter
Kann. Mit seinen. Verleger muß aber selbst ein be—
ühmter Humorist schonend umgehen, und so schrieb Mark
Twain zurück, er werde den Dickhäuter mit großer Freude
a Empfang nehmen. Drei Tage später suhren an ei—
iem schönen Wintermorgen vor Mark Twains Villa in
keading fünf Wagen mit Heu vor. Das Heu war für
den Elephanten bestimmt. Am nächsten Tage fand sich
n der Villa ein Mann ein und stellte sich dem fassungs—
osen Humoristen als „Professor May, diplomierter Ele—
hantenführer (Kornak)“ vor. Der diplomierte Elephan—
nführer richtete sich bei dem Dichter häuslich ein und
ccann seine Stallungen zum Empfange des Neujahrs—
sephanten herzurichten. Die Ställe wurden erhöht und
erstärkt, die Tore erweitert ꝛc. Das dauerte ungefähr
ine Woche. Endlich war Silvesier gekommen. Beglẽitet
on seiner ganzen Familie begibt sich Mart Twain zum
Ldahnhof, um den Elephanten in Empfang zu nehmen,
der seit einer Woche und länger das ausschließliche Ta—
IJesssgesprh von Reading bildete. Mit ihm hatte sich die
jönze Bevöllerung des Ortes einzefunden, und als der
Aug endlich einlief, herrschte lebhaste Erreaung. Unter
größter Spannung wird der Packwagen geöffnet, und die
Eisenbahnbeamten schleppen einen riesigen Elevhaänten aus
Pappmache herbei, der sich fein säuberlich auf vier Rä—
zern fortbewegte! Mark Twain, der seine amerikanischen
Landsleute so oft gründlich mystifizierte, muß wenigstens
Bnes eine Mal selbst die Hoften des Svasses hezahlen.
—
Verdehrsnahriten
)NPosticheck. Der Post-Ueberweisungs- und Scheck⸗
erkehr, der am 1. Jannar zur Einführung gelangt ist,
hat von vorneherein lebhaft eingesetzt. Während die Zahl
der Anmeldungen Ende Dezember vorigen Jahres rund
79090 betragen hat, war sie am 2. Januar auf nahezu
5.5 angewachsen. Es ist zu erwarten, daß die im Nach—
tragsetat für das Rechnungsjahr 1808 erst für Ende März
1908 veranschlagte Zahl von 10 000 Kantoninhabern schon
in wenigen Tagen vorhanden sein wird. Den größten
Rerlehr werden voraussichtlich die Postscheckämter in Ber—
lin. Leipzig, Köln und Franklfurt a. M. haben. Den re—
sctir stärksten Verlehr hat bisher Frankfurt mit 1038
Fontoinhabern, Berlin hat 1888, Leipzig 1538 und Köln
3426. Zu Leipzig und Köla gehören wett mehr Bezirke
als zu Frankfurt, zu Köln siehen, zu Franiurt nur drei
—W
daß Du, um etwas zu verdienen, die Goldgräbereien be—
iuchen wollest, bevor Du nach Hause reisest. Da dies
nicht geschehen ist, dachte ich, Du wünschtest vielleicht beim
Onkel ein Anlehen zu machen.“
Mistreß Chapman beobachtete gespannt den Eindrud
ihrer Rede.
Ich wollte in die Goldgräbereien gehen, und wäre
zgegangen, wenn ich Bertha nicht gesehen hätte. Was aber
die Geldfrage betrifft, so habe ich noch genug, um heim—⸗
— und Zuder und Kaffee für die Bochzeit au
aufen.“
Der Morgen des 7. November brach an. Das Wetter,
disher mild und —* veränderte sig Der Himmel ward
düster, die Luft schwer, die ganze Natur erschien eigen⸗
ümlich ruhig und leblos.
Bertha ihn sie unsagbar traurig. Trostlose Zwei⸗
el quälten sie an diesem letzten Morgen ihrer Freiheit.
Hatte sie recht getan, die Werbung anzunehmen? — War⸗
um bangte sie und wgeh fußte ihre Angst? — Sie wußte
es nicht und machte sich Vorwürfe, jetzt in lekter Stunde
noch sich solche Fragen vorzulegen
Die Gäste fingen an sich zu versammeln und wurden
n herzlichster Weise empfangen. Um Mittag sollte die
Trauͤung stattfinden und das Mahl folgen. Es mochte
elf Uhr sein; der Geistliche war bereits angelommen und
interhielt sich mit dem Brautpaare, als ploͤtzliche Finster—
us die Luft erfüllte und seltsames Getöse, gleich fernerem
donnerrollen, die allgemeine Aufmerksamteit fesselte. Man
Alle hingus ins Freie, die Ursache zu erfahren.
Es zeigte sig nur eine kleine fächerartige Wolle, die
ich mit großer Schnelligkeit näherte und aus den Feuertrahlen
zu sprühen schienen. Aller Augen hafteten auf
ieser Naturerscheinung. Da erschütterte ein furchtbarer
Ddonnerschlag den Ort, wo sie standen, mit solch überwãl⸗
igender Wucht, daß alle wie Spreu im Winde aus einan⸗
er stoben. Einzelne waren zu Boden geworfen, andere
veit weg geschleudert; die Pferde, die die Gäste am Hause
und in den Ställen befestigt hatten, rissen sich los und rasten
iber die Prärie oder stürzten in blinder Anait agegen Ge⸗
ude und Zäune.
Sartielzung 42*
*