Dem widerspricht der Abg. Rtevermann von
— VVDDD—
Information des Staatssekretärs sei einseitig.
Zur Entsendung von landwirtschaftlichen Sachverstän—
digen ins Ausland waren im Etat 202 600 Mark ausge—
woörsen. Die Kommission hat 100 000 Mark gestrichen.
Abg. Eickhoff EFIrs. Vp.) beklagt sich, daß über
disen Beschluß falsche Berichte in die Oessentlächkeit ge—
langt seien. Man habe diesen Abstrich gemach:, da noch
Ersparn'sse von früher vorhanden seien.
Nach einigen weiteren Bemerkungen wird die Regie—
rungsvorlage wieder hergestellt. — Zur Förderung deu—
scher Auslandsschulen und gemeinnütziger Zwecke im Alis—
lande sind M. 830 000 im Eität eingestellt..
Abga. EGickhoff (IFrs. Vp.) begründet eine Reso—
lution, diesen Fonds im nächsten Jahre zu erhöhen (Der
Redner wird von dem ungeduldigen Hause mehrsach un—
terbrechen.)
Abg. Görche (natle) unlerstützt den freisinnigen An
trag.
Staatssekretär v. Schön erklärt, daß er dem An
trage sympathisch gegeunüberstehe. Dieses Jahr habe we
gen der schlechten Finanzlage der Fonds nicht erhöht wer
den können.
DTie freisinnige Resolution wird angenommen. Der
Rest des Etats des Auswärtigen Antes wird ohne wei—
tere Debatte bewilligt, ebenso der Ergänzungsetat in er—
ster und zweiter Lesung.
Es soll der Etat der Reichßeisen ahnen zur
Beratung kommen.
Abg. Singer Goz) beantragt die Vertagung, da
man heute schon seit 11 Uhr tage und nicht fähig sei, noch
lsängeren Reden zu folgen. Es mache nach Auden hin ei
nen schlechten Eindruck, wenn man alles so überhaste, Er
beanirage Vertagung und werde eventuell die Beschluß—
fahigkeit bezweifeln. Es wird abgeffimmt. Ein Teil des
Zentrums und die Sozialdemokraten stimmen für den An—
irag. — Der Präsident erklärt, daß das die Mehr—
heit sei. Auf Widerspruch hin wird die Abstimmung wie—
derholt und der Antrag abgelehnt.
—Abg. Singer macht darauf aufmerksam, daß die
Abstimmung nicht ordnungsmäßig erfolgt sei, da die Un—
terftützungsfrage nicht gestellt worden sei. Trotz dieses
Widerspruches wird aber in die Lesung des Etats der
Reichseisenbabnen einaetreten.
Nach einem laͤngen Reserate des Berichterstatters wird
ein Verla jungsantrag angenommen und die Wei erberat⸗
ung auf Donnerstag 10 Uhr vertagt. — Schluß 1034 Uhr.
⸗ *
Berlin, 1. April.
Mit der Beratung des
Eitats der Reichseisenbahnen
wird fortgesahren.
Abg. Will (Zir.) reseriere eingehend über die zu
iesem Etat vorliegenden Petitionen und bringt dabei
Wünsche über den Ausbau des Bahnhofes in Diedenhosen
uund Straßburg vor. Weiter wün'cht er, daß auch Wietz
Fine Generaldirektion erhalte. Sodann erörtert Redner
eingehend die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Arbeiter
in den Betrieben der Reichseisenbahnen.
Abg. Böhle GSoz.) beichwert sich darüber, daß so—
zialdemokratische Zeitungen vom Bahnhofsverkauf ausge—
ichlossen seien, und bittet um Auskunft, wie der Chef der
Reichscisenbahnen dazu gelommen sei, zu verfügen, daß
die technischen Beamten, die in den Dienst der Reichsei—
senbahnen treten sollen, in Preußen oder Hessen ihr Exra—
men machen müssen. Die Arbeiter verlangten, daß sie
nicht weiter unterdrückt würden, sondern als aleichbewech⸗
tigt angesehen würden.
Abg. Wetterbe (Ztr.) bedauert, daß es noch i mi⸗
mer nicht gelungen sei, zwischen Elsaß-Lothringen und
Surdeuischland eine ordentliche Verbindung herzustellen.
Es muüßte eine schnelle Verbindung zwischen Colmar und
Basel geschafsen werden. Es sei auch nörig, daß eine
bessere Verbindung zwischen Wien und Paris über Elsaß—
Loͤthringen geschaffen werde.
Abg. Werner (Antis.) bringt ebenfalls Arbeiter—
wünsche zur Sprache.
Preußischer Eisenbahnminister pv. Breiten bach:
Es sind Besirebungen im Gange, die die direlten Ver—
bindungen mit Frankreich vermehren. Wir sind auch be—
nühn diese Verbindungen auszugestalten, denn win ha—
rAIrsa
auns neurß. Vie Fachvereine unierstußen wir sogar.
Abg. Kempsf(sreis. Vp.) erilärt, wir gehen in frei
ändlerischer Richtung vorwärts. An dieser Tatsache muß
eder Wider'pruch zerschellen. (Zustimmung links, Lachen
echts.) Die Zeit ist voruber, wo nur agrarische Interes—
sen im Reiche Geltung hatten.
Arg. Ahrens cGRecicksp.): Es sall kein Mißver—
sttändnis über die Fürst Hatzfeldsche Erklärung auftommen.
Seine Freunde bäten immer die Interessen allezr Be—
russstände zu wahren gesucht.
An der weiteren Terate beteligen sich Abg. We⸗—
Berr (nti.), Graf Kanis cs.), Kämpfisrs. Vp),
KrenditReihsp), Staats ekretär Syd o w, des wei—
eren die Agag. Weber (ntl) und Erzber,ger (8)
Eine wosent'iche Debatte entsteht nicht. Die zweite
Lesung ist danit beendet. Das Haus vertagt Gch
zann zu einer spoäten Nachmittags- bez. Abendsitzung.
VWreußisches AUbgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus sehte heute die Beratung der
Zetkundürbayn-Vorlage fsort. Morgen: Weiterberatung.
Zeppelins Fahrt nach München.
Friedrichshafen, 1. April. Nachdem Wilt
voch abend alle Vorbereitungen sür die Fernfahr!
zetrossen waren, siellte sich plößlich trüßkes Wetter en
degenböen fegten über den See und ließen es vor Mit—
ernacht zweiselhast erscheinen, ob die Fernsahrt des Lujt—
chisses nach München diesmal zustande kommen werde.
Nach Miiternacht hielt Graf Zeppelin mit den Ofsizieren
der Lusischifferabteilung wiederholt Konferenzen im „Deut
schen HFaus“ ab, deren Ergebnis war, daß man gegen 4
Ubr, als das Wetter sich einigermaßen auf uktären be—
gann, den Anrritt der Fahrt beschloß. Kur; vor 4 Ußr
wurde „Z. 1“ von der Dampibarkasse „Buchhorn“ aus der
Nal onhalle gezogen. In den Gondeln hatten Graf Zen
zelin mit Oberingenieur Dürr, ferner Major Sperling au—
Kommandierender, Hauptmann von Jena, Hauptmanu
Beorge, Zwilingenieur Müller, Luftschiffkapitän Hacker —
dieser am Kompaß — und die Deimlerschen Monteure, so—
wie noch einige Militärs Platz genommen. Um 4 Uhr 5
Prin. sfrüh erhob sich „Z. 1* und schug die Richtung noch
Isten ein. Kurz vor 415 Uhr passierte das Lustschiff, an
dem weithin tönenden Geräusch der Luftschrauben leicht
ꝛrtennbar, aber sonst kaum zu sehen, in mäßiger Höhe
Friedrichshafen und steuerte bei immer noch ziem ich wol.
igem Himmel und gegen den Südwestwind der baveri
schen Grenze zu.
Ulmm, 1. April. Das Reichsluftschiff passierte 5.25
Uhr Biberach und stenerte dann hinter Erbach über die
ayerische Grenze.
Mindelheim, 1. April. Das Luftschiff ist 7.05
ühr unterhalb Mindelheim vorbeigefahren. Es dürfte um
.30 Uhr in München eintrefsen.
Buchloe, 1. April. „Zeppelin 1“ kam nach 7 Uhr
rüh hier vorbei in der Rich,ung nach dem Lechfeld. Der
Flug war hoch, trotz siarlem Wind und Regen.
Schwabmünchen, 1. April. Gegen 75 Uhr fuhr
das Luftschiff an Schwabmünchen vorbei und hatte ebenso
wie beim Lager Lechfeld gegen kräftigen Südwind anzu—
ämpfen.
Mäünchen, 1. April, 9.20 Uhr. Das Luftschiff ist
hier eingetrofsen und führte über der Stadt verschiedene
Fvolutionen aus. Von der ungeheuren Volksmenge ist
»s mit Hochrufsen und Tücherschwenken begrüßt worden.
Hierauf nahm es die Richtung nach dem Oberwiesenfelde,
wo wahrscheinlich eine Landung erfolat.
Das Luftschiff dämpft gegen Sturm.“
Muünchen, 1. Apris. Graf Zeppelin suchte um 9.30
Uhr auf dem Oberwiesenfelde zu landen. Ein heftige
Südivest trieb aber den Ballon nach Oberföhring. Di
Luftschifser-Abteilung ist mit der Eisenbahn zur Hilfeleist
ung nachgefahren. Schwere Reiter azu Pferde sind aleich
kalls dem Batlon nachgeeilt
timmungsbild aus München.
Die schon in den frühesten Morgeunstunden wie ein
Laufsener durch die Stadt eilende Nachricht, daß das Zep
oelinsche Luftschiff gegen O Uhr in München eintreffen
werde, hatte fast die ganze Bevölkerung in Bewegung ge
etzt. In den Straßen drängten sich viele Tausende vor
Menschen, um teils zu Fuß, teils mit Trambahn, Auto
mobilen und Droichken der Theresienwiese und dem Ober
J — A—Tirtrgennd shatfte sim ——
Tunoshut an oer Zjar zu, wo abermals eine Landun«
versucht worden ist.
Zeppelin fliegt weiter
Mit beinahe militärischer Pünktlichkeit erschien das
dustschiff über Munchen. Auf 9 Uhr hatte Graf Zeppe—
in die Ankunst angekündigt, sfünf Minuten nach 9 Uhr
ückte der gelbe Riesenbleisust über der Bavaria empor—
Bon Westen kam er her, schien eine kleine Weile stülzu—
tehen, sich zu besinnen, senlie dann nachdenklich seine spitze
Nase, drehle sich mit eigentümlich kurzen Bewegungen
halb südwärts und überflog, so schieibt man der „F. 8.“,
aetwa 300 Meter Höhe die Theresienwiese. Der Him—
mel war bedeckt, das Gebirge aber leuchtete schneeig in
der Morgensonne herüber, verdächtig klar und nahr und
Fereinzelte Regentropfen fielen. Aber gerade, als der
zubel der ungeheuren Mengen, die als schwarze Flut sich
ber die weiße Wiese wälzte, ein wenig verklungen war,
treifte die Sonne mit leisem Lächeln das stolze Fahr
eug. Lichtbeglänzt zog es dahin, ruhig und sicher, ein
mvergeßlicher Aublick. Die Landung sollte auf dem
zrerzierplatz Oberwiesenfeld im Norden der Stadt vor
ich gehen. Im weiten Bogen über das Häusermeer von
Zuͤden nach Norden strebend, suchte das Lufstschiff, den
elatz zu erreichen. Inzwischen aber hatte ein ziemlich
ebhafter Sudwest eingesetzt, und als ich auf dem etwa
drei Kilometer ent'ernten Platz ankam, stand das Luft
chiff bereits fünf Kilometer entfernt nordösilich und kämpfte
jegen die heftigen Böen des Föhnwindes. Es hielt sich
tei! gegen den Wind, sen'te und hob sich und suchte ihm
auf schiefer Ebene beizukonmen. Anscheinend vergeb—
ich! Denn das Fahrzeug wurde klein und kleiner, suchte
ies am Boden Windschußz, gelangte um ein Haar gerade
iach Norden, erschien quer am Horizont und versuchte so
das Terrain möglichst zu behaupten, um ein Nachlassen
des Windes zum Vorstoß benutzen zu können. Der böse
Wind ließ nicht nach, wehte uns die Hüte weg, zauste er—
»armungslos die elegantesten Frisuren und Blumenhüte
ind benahm sich überhaupt recht unpassead. Vergebens
umsäumte Militär und Zivil in dichten Massen das rie—
sige Feld. Das Lustschiss war schließlich so kleine' und
ein geworden, wie ein Gedankenstrich. Da gaben di—
neisten die Hossnung ausf und lehrten heim.
Die Weiterfahrt durch Bayern.
München, 1. April. Ueber die weitere Fahrt des
duftschiffes liegen folgende Mitteilungen vor: Nachdem
der Ballon in der Richtung nach Freising zu gesteuert
zatte, lenkte er dort rechts des Hallbergermooses. Er kam
dann in die Nähe von Erding und nahm seinen Kurs
jsegen Landshut. Etwas später trieb er wieder auswäris
jegen Freising, verschwand dann aber in nordwesilicher
ichtung gegen Ingolstadt zu. Von Erding kamen geger
wölf ühr verschiedene Automobile mit militärischen In—
assen, darunter auch ein größeres Sanitätsautzznobil. di—
die Richtung gegen Landshut nahnen.
Laändshut, 1. April. Zeppelin steht schon seir
etwa 12 Uhr über Landshut. Da der Wind eine Land
ung unmöglich macht, ist militärische Hilse von hier und
ab München von der Krastwagenabteilung requiriert. Jetzt
2 Uhr treibt der Ballon Regensburg zu.
Landshut, 1. April. Fünf Minnten vor ein Uhr
vassterte das Luftischiff in einer Höhe von etwa 110 Me—⸗
ern die Stadt Landshut auf der Isarseite. Vas 2. schwere
Reiterregiment in Landshut sandie drei Eskadrons dem
Lustschiff nach Münchnerau entgegen. Graf Zeppelin warf
ihnen dort aus dem Lustsckisf eine Po stkarte folgen—
den Inhalts zu: „Liebe Kameraden! Herziichen Dant
Bitte in der Rähe zu bleiben, bis der Wind nachläßt und
ich wieder nach München retoursahren kann. Graf Zep
pelin
Zeppelinglattgelandet.
Landshut, 1. April. Das VLuftschiff ist um
Uuhr 6 Min. bei Nieder-Viehbach bei Dingolfing (Nieder
»ayern) ghückhich gesandet.
Dingolfing. 1. April. An der Landungsstelle
ind über 100 Automobile eingetroffen, welche an der
Verselgung des Ballons teilgenommen haben. Prinz Al—
ons von Bayern ist ebensalls angelangt. Der Ballon
st ganz unbeschädigt. Die gesamte Besatzung wird
in der Landungssielle beschäftigt. Graf Zeppelin wird die
zeutige Nacht auf der Landungsstelle im Automobil ver—
ringen. Falls sich aber der Wind noch legt, wird Graj
zeppelin heute Nacht nach Munchen zurückfahren und auf
berwiesenfeld übernochtey Bis ur Stunde dauert dve⸗