Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

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Freitag, oen 2. April 1909.

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Mit Veilagen: „Ressetristische Wochensedrifte‘ und
NLustige Blätter“.

KAllgemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereibezirß
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Redaktion, Druck u Verlag vo J. Unterkeller
in Dudweiler.

——æ-Keim-Germania.



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Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Dem Reichstage ging die nere Strafprozeß—
r,d,mung, die 500 Paragraphen enthält, zu. Sie zer—⸗
ällt in folgende 53 Bücher: Allgemeine Vorschriften; Ver—
ahren in erster Instanz; Rechtsmittel und Wiedergauf—
lahme; besondere Arten des Veriahrens; Vollstreckung und
dosten.
* Die sozialdemokratische Fraktion hat folgende In—
erpellation eingebracht: „Ist dem Herrn Reiskanzler be—
annt, daß sich durch die von Arbeitgebern für die Ar—
—
Laisenkassen schwere Miß st än'de urd Schädigungen
ür die aus den Betrieben ausscheidenden Arbeiter erge⸗
»en haben? Ist der Herr Reichslanzler bereit, durch eine
gesetzliche Regelung der Rechtsverhälinisse dieser Kaffenein—
ichtungen den zutage getretenen Mißfländen zu begeg⸗
ien, insbesondere die Ausprüche der aus den Betrieben
iusscheidenden Arbeiter zu wahren, durch die Berechtigung
»er Arbeiter auf eine freiwillige Weiterverficherung oder
die Verpflichtung der Kassen auf Rückzahlung der Beiträ—
ge?“ Die Interpellation wird nach Oslsern zur Beratung
fommen.

Das Echo aus Frankreich.
Die französische Presse hatte sch anfangs in der Be—
rteilung der Rede Bülows eine gewisse Reserve aufer—
egt, aus der sie aber inzwischen herausgetreten ist. Man
jat es sich von jenseits des Kanals anscheinend suggerie—
len lassen, daß nur die rohe Gewalt die Russen zur
Nachgiebigkeit gezwungen habe. Die Rede des Reichs—
conzlers hat einen Teil der Blätter von dieser tendenziö—
ten Auffassung und Beurteilung der Dinge nicht abbrin—
gen können. Selbst die von ihm vorgebrachten Beweise
von der von Anfang an stetig gleichen Unterstüßung der
oͤsterreichischen Politik durch die deutsche Diplomatie hin—
dern den „Figaro“ nicht, diese Behauptung weiterzu—
spinnen, daß Deutschland nach seiner im Anfang der Krise
ganz und gar normalen Haltung und Hife“ sür seinen
verhündeten dann plötzlich in voriger Woche mit einem
„ußerst hefsigen Druck“ und „unter Androhung des Krie—
ges“ Rußland „brutalerweise gezwungen habe“ zurückzu—
weichen. Fast mit denselben Worten schreibt auch das
Echo de Paris“, eines nur sehle in der Rede des Reichs—
—J die Erklärung für diese „brutale Politik“ Deutsch—
lands plötzlich gegenüder Rußland, dank welcher atllein
das deutsch-österreichische Bündnis triumphiere. Und Ruß—
land hält das Blatt diese angebliche Vergewaltigung vor,
um es zu beschwören, nunmehr zu der ehemals offen ge—
gen Deuischland gerichteten Politek Alexanders 3. zurück—
zukehren, und den Maͤchten der dreiachen Entente insge—
samt, um sie aufzufordern, mehr als je gegen die jetzt
sicherlich noch immer kühner ihr Haupt erhebenden „ger—
nianischen Strebercien“ zu rüsten. Ebenso erbaulich, in—
des in anderer Art, ist das Urteil des „De m ps“. Das
Blatt, das für die auswärtige Politik nicht nur seinen
eigenen Landsleuten den Ton anzugeben beansprucht, son⸗
dern sich mit der ihm eigentümlichen Bescheidenheit so—
gar auch darin gefällt, in seinen Ratschlägen für diese
Politik den „rector totius Europae“ zu spielen, hatte vor
drei Tagen erst noch über das Eingreifen Deutschlands
zugunsten Oesterreschs in Petersburg geschrieben:
„Die Kanzleien von Wien und Berlin haben durch
ihre verwegene Anmaßung die Sitten eines andern Zeit—
alters wieder aufleben lassen. Sie werden darum die mo—
ralisch Diskreditierten bleiben, die „Blamierten“, um in
ihrer eigenen Sprache zu reden.“
Jetzt hat der Temps“‘ diese Anschauung zu folgender
Finschaͤzung des deutschen Vorgebens umgeändert:
„Es ist klar, daß die Wilselmstraße im Verlause der
zrientalischen Krise, ohne den Bestimmungen des deutsch—
zsterreichischen Bundnisses untrcu zu werden, von größe—
rer Manövrierfähigleit hätte Gebrauch machen können, um
auf diese Weise das jetzt endlich hergestellte Einvernehmen
zu beschleunigen. Aber Deutschland hatte die Möglichkeit,
zwischen dieser Politit und der der unbedengten Gemein
vürgschaft (mit Oesterreich)j zu wählen. Niemand ist da
her berechtigt, ihm über den Ent'chluß Vorwürfe zu ma⸗
hen, den es in der rechtmäßigen Ausübung seiner Wacht—
aollkommenheit gefaßt hat. Indem Wilhelm 2. dem Erz
derzog Franz Insoi eionn Reistend Bue Maorbehalt ver—

Unsere veser —renh erinnern, daß in der Zeit
der Wahlkämpfe von 1307, die mit soviel Erbitte—
tung gesütrt wurden, der geistige Leiter des Flottenver
ins, Generalmajor Keim, als Hauptgegner des
Zentrums viel von sich reden machte. Der „Bayr. Kurier!
n München und die „Germania“ in Berlin enthüllten
zriese Keims, die ihm das Odium eines Aufstachlers des
furor protestanticus“ aufhängten. Der damals in der
Bildung begrifsene Block siel te sich auf Keims Seite, und
o entbrannte eine nie dagewesene Wahlagitation, wie sie
orher niemals dagewesen war. In Verbindung damit
am die große Krisis im Flottenverein, in deren Verlauf
seim und mit ihm das ate Präsidium zurücktrat. Durch
einige im Bayer. Kurier und in der Germania an den
Abdruck der Keim-Briefe gelnüpfte Erörterungen fühle Hr.
Keim sich beleidigt und erhob gegen beide Blätter Pri—
atbeleidigungsklage.“ Das war im Februar
1907, also vor mehr als zwei Jahren. Zu einer gericht
ichen Verhandlung in diesen beiden Prozessen ist es in
des nie gekommen. Die Klage gegen den „Bayer. Kur.“
og Herr Keim, nachdem der verklagte Redakteur eine ihm
efriedigende Erklärung veröffentlicht hatte, im Sommer
907 zurück — nicht aber die Klage gegen die Germania,
»bschon diese jene Erklärung abgedruckt hatte. Ueber den
veiteren Verlauf der Sache schreibt jetzt die „Germania
as folgende, das wir wegen des vielen Staubes, den
zie Affäre seinerzeit aufwirbelte, im Wortlaut des Blat
es wiedergeben: „So blieb denn diese Klage anhängig
hne daß aber auch fernerhin eine Verhandlung darüber
inberaumt worden, oder uns irgendeine gerichtliche Mit
eilung zugegangen wäre. Das einzige, womit wir be—
aßt wurden, waren verschiedene Verfuche des Vertreters
des Herrn Keim, Herrn Rechtsanwalt Dr. Löwenstein
die Klagesache durch Vergleich aus der Welt zu schaffen
Da Herr Dr. Löwenstein aber neben einer Erklärung audh
eine hohe Abstandssumme sorderte, lehnten wir diese Be
leichsvorschläge ab. In einem dieser Vorschläge bemerlt
herr Dr. Löwenstein: Herr Generalmajor Keim habe er
lärt, daß er kein Interesse mehr an der Weiterverfolgung
der Sache habe, und er (Herr Dr. Löwenstein) mache der
Borschlag aus eigener Initiative. Dann hörten wir vor
der Angelegenheit nichts mebr. his wir kürzlich von unsf—

Der Fall Tremel erledigt
Dem Pfarrer Tremel in Volsbach gang am Mittwoch
sachmittag vom Metropolitankapitel in Bamberg folgen—
»es Telezramm zu: „Suspensio aufgehoben, Pfarrvikar zu⸗
ückkehren. Wagner, Generalvikar.“ Damit dürfte der Fall
kremel sesnne Erledigung gesunden haben. Pfarrer Tre—
nel gab auch noch eine Erklärung ab, über deren Inhalt
jegenseitig Stillschweigen beobachlet wird. Die Erklärung
vird auch nicht veräentlicht. iondern nur den Aklen ein
erleist

Amerika.
* Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nord—
rmerika hat ein Ultimatum am Nicaragua gerich⸗
set, in dem 5 Präsident ver angt, daß der Präsident
ieses kleinen Staut die seit langem zwischen den bei—
»en Staaten schwebenden Sragen einem Schiedsgericht un⸗
—
jeben. um die'e Forderung zu erfur
— —
Deutscher RNeichstag.
Abendsitzuna.)
Die Beratung des
Etats des Auswärtigen Amtes
vird fortgesetzt. Abg. Görcke (utl.) bringt hierbei ei—
uge Beschwerden von Deutschen im Auslande über man—
zelhaften Schutz durch die deutsche Vertretung vor. Ei—
nige andere Redner scheießen sich diesen Klagen an.
Abg. BRiebermann v.Sonnenberg (W. V.)
erklärt dabei, daß sich der Konsulatsbeamte in Saloniki
inwürdig benormmen habe, weil er einem Rfarrer gegen—
iber dem Oberkuirchenrat nicht zu seinem Rechte verhol—
on habhe.

em Vertreter, Herrn Rechtsanwalt Dr. Thiel, folgendes
Schreiben erhieltfen: „Herrn Rechtsanwalt Dr. Thiel, h'er.
Zehr geehrter Herr Kollege! In der Pivattlagesache Keim
gegen Schlicker dürfe es doch endlich an der Zeit sein,
der Sache einen de initiven Abschluß zu geben. Wie mir
zuf der Gerichtsschreiberei misgeteilt ist, ist Verlährung
noch nicht eingetreten. Auf meinen Antrag wurde die
Berjährnung sofort unterbrochen, und der Prozeß schleppt
ich weiter hin. Ich schlage, um endlich die Sache zum
schluß zu bringen, aus eigener Initiative folgendes vor:
Zie erklären namens Ihres Mandanten, daß Sie die den
ßegenstand der Privatklage bildenden Beleidigungen nicht
nirechterhalten können und zurücknehmen. Sie tragen die
dosten des Verfahrens, und ich werde weinerseits von der
svrrordoriune ver ur
            
Waiting...

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