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Tel.o9, 259, 268 uxe 1261.
Donnerstag, oen IX. April 1909. geitungs iste 501
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⸗2. Byrgang.
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Mit Beilagen: „Velssetristische Wochenschrift““ und
„Luftige Blätter“.
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Kligemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereibezirl
Zudweiler.
rrrentspreis
daus gebracht; bei der 5
a vierteliahrlich.
Die „Dudweiler Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.
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Wochen⸗Rundchan.
Sine Aroße“ Woche liegt hinter uns, eine Woche voll
weittragender Ereisnisse. Hat fie doch die friedliche
Fntladung der Wetteewolken gebracht, die dräuend vom
Zalkan heraufgezogen waren, die allzulange ganz Curo⸗
ha bedrückten. Rtußland machte kurzum Kehrt und Ser—
en tar mit enttäuschter Miene vasselbe, was sein gro—
zer Bruder notgedrungen — tun urußte. Deutsch⸗
and darf sich das Hauperdienst an sem friedlichen
Ausgang der Balkanlrise zuschreiben. Es revanchierte sich
refsflich sür Algeciras. Dem moralischen Druck, dem ein
zurchaus ernsthafter, realer Nachdruck selundierte, rnu ßle
chließlich Rußland nachgeben und sich dem gemeinsanien
zhritt der Vächte in Belgrad anschließen. Die beiden
ideren Assozies der Tripelentente, England und Frank—
eich muh!en sich nosens volens mit dem Resultate zu—
rieben geben. Gewiß wollten beide den Frieden, aber
e verblüfsten Gesichler jenseits des Kanals und auch
Paris verrieten gar zu deutlich, daß sie sich den Aus—
zang etwas anders vorgestellt hatten. Zum mindesten
ine diplomatische Schlappe, gleichsam als Demonstratien
es Jdebergewichts der „Einkreisungs“-Mächte, wollte man
er deutsch⸗sterreichtichen Politik beibringen. Englanb.
ain Staatssekretüur Grey, war der Drahtzieher. Als
zußland aber einsah, daß es töricht sei, zur Festlegung
iner englischen Hegemonie in Europa den Engländern die
Kastanien aus dem Feuer holen, daß es auch nicht rat
am sei, dem õsterreichisch⸗deuischen Block sich entgegenzu⸗
lemmen, blies es zum Rückzuge, den nun Serbien, Ruß⸗
and, England und Frankreich verdrießlich antraten. Be—
enders die englische Presse leistet das Menschenmögliche
n wütenden Schimpfereien gegen das böse, „brutale“
deuischland, das Rußland rücdsichtslos gedenütigt habe,
ind — den Engländern eine Nase gedreht hat, — könnte
man noch hinzusügen. Das Ausmalen der „russischen Rie—
derlage“ in möglichst grelten Farben verrät die Absicht,
aufs neue ins Feuer zu blasen, um nun Deutschland und
Rußland gründlich miteinander zu verfeinden. Die
Reichstaas-Ree de Bül o ws am Montag wird hier
wohl besaänftigend wirken. Der Kanzler schickte ein paar
freundliche Komplimente nach St. Petersburg und ver—
mied es Aberhaupt, seinen unbestrittenen Ersolg über Ge⸗
bahr hervorzukehren, wenn er auch schließlich keine Ur—
sache hatte, sein Licht unter den Schefsel zu stellen. Das
erfreuliche an den Reichstagssitzungen dieser Woche war
die Einmütigkeit in der Beurteilung der Orientpolitik des
deutschen Reichs, die auf allen Bänlen der bürgerlichen
Parteien ausnahmslos bereitwillige Zustimmung fand
Ddie Rede des Reichskanzlers wurde besonders im Aus—
lande viel kommentiert, verschiedenartig natürlich, je nach
dem die betreffenden Länder Deutschland den Erolg abnn⸗
ten oder nicht.
VUVeber die Reichsfinanzreform sagte uns
der Reichskanzler nicht viel mehr, als wir schon wußten.
Das die Kesorm zustande kommen munß, sollen nicht un
sere vitalsten Interessen bitter notleiden, ist uns nichtẽ
neues. Auch die Tatsache, daß Bülow die Reform m—
dem Blod, bei Ausschaltung des bestgehaßten Zent
rums durchbringen möchte, ist uns nicht unbekannt. Dem
Nichteingeweihten neu ist es nur, daß die Regierung sich
auf“ den Standpunkt festgelegt hat: Keine Finanzreform
ohne Besißzsteuern. Wenn Bülow fest bleibt, werden die
aeasiden nun einen Miod uirücksteclken wsen 311
Anzeigen
koffen 10 Pfg. die spaltige Zeile; bei mehrmaligen Inserationen
entsprechender Rabatt.
Redaktion, Druck und Verlag von J. Unterteller
in Dudweiler.
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belm der Zweite hat sich nach langer Zeit wieder zum
Kanzler eingeladen. Bei dieser Gelegenzeit soll Bülow
Tränen. wirkliche salzig-bittere Tränen der Ruühxrxung
und Freude, verzofsen haben. Ob's wahr ist, muß der
wissen, dec das niedliche Histörchen in die Welt geseht
hat. Jedenfalls denkt Bülow noch nicht daran, die gof—
ser zu packen und das gastliche Reichsheim an der Wil⸗
helinstraße zu verlassen. Er versicherte am Dienstaz im
Reichstag seierlich, daß er solange Kanzler sein wolle,
als der Kaiser ihn mag. Das ist wenigstens offen her—
ausgesagt! Bei dieser Gelegenheit bestätigte Bülow es
nochmals, daß am Kaiserhose das Medusenhaupt der Ka—
maril'a sich niemals blicken lasse. Das hören wir gern.
In Oesterreich- Ungarn ist man natürlich voller
Freude über den Erfolg Aehrenthals, und man nimmt
ede Gelegenheit wahr, den Dank des Donaureiches für
deutschland zum Ausdruck zu bringen. Im ungarischen
Reichsstage kam es aufs neue zu spontanen Dankesäußeringen.
Inzwischen hat sich Oesterreisch bereits mit
Serbien direlt in Verbindung gesetzt, um wegen des
etzt abgelaufenen Handelsvertrags bezw. dessen Erneuer—
uing zu verhandeln. Es ist zu wünschen, daß sich das
Verhaͤltnis der beiden Länder zu einander bald freund—
licher gestalte, im Interesse des Friedens, der ja durch
die kleinen Balkan-Pulverfässer gar zu oft und zu leicht
hedroht wird.
England, das stolze, segelt noch immer in dem für
eine Riesenflotte wenig imponierenden Fahrwasser der
deutschenfurcht. Ein unbegreislicher Taumel hat die sonst
d besonnenen Leute an der Themse erfaßt. England sieht
ich von Deutschland bedroht und läßt sich den Nonsens
ncht ausreden. Der deutsche Reichskanzler machte aber
n seiner Rede am Montag bezüglich des deutschen Flot⸗
enprogramms so unzweideutige Angaben und Versicher—
ungen, daß die leitenden Persönlichkeiten der Engländer
nun wohl allmählich ihr bedenklich ins Schwanken gera—
enes seelisches Gleichgewicht wiedersinden werden.
In Spanien traf König Eduard inkognito mit
dem spanischen Monarchen zusammen, und zwar unter
iemlich geheimnisvollen Umstaͤnden. Welche Suppe doer
zeschäfüiüge und gewandte Herrscher Albions da wieder
eingebrockt hat, wird sich schon bald zeigen. Wahrschein
lich wieder eine Suppe. die andere mühsam auslöfseln
müssen.
In Persien beherrscht der unverwüstliche Parteien—
und Kleinkrieg weiter das Feld. Solange europäisches
Leben und Eigentum nicht bedroht sind, können wir den
sämpfen ohne Interesse zulchauen.
Beie mie vor lauter Bäumen den Wald
bersehen, 1h Serbien, zu dem wir noch 3urid⸗
schmeifen mubenn. Ver Tod des Kammerdieners Rocato—
vilsch hatie hier ciue besreiende Tat im Gesolge. —X
aunge genug unlicbsan aufgefallene Kronprinz Georg, das
negative Muster eines wohlerzogenen jungen Mannes, fand
bden Mut zur Selbsterkennines und zu den dargus natur—
nötig resultierenden Konsequenzen. Er entsagte der Thron⸗
solge und will den Staub Serbiens von den Füßen schüs
cic Das Beste, was er sun kann! Er will studieren;
in gewiß löblicher Entschluß. Hoffentlich findet sich im
Aunskande ein Professor, der ihm als erste Studienguelle
as bekannte Lehrbuch der guten Sitten, den — Knigge
u die Hand drüchkt
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ter Besorderung .. Airal zum Generalmspel
seur der Marine enant erden. Sein RNachfolger sej
Admiral von Fischhel sein. —
* Bei der am Mitwoch stattgefundenen Reichsstags-Er—
fatzwahl im Wahlkreise Cochem⸗Zell-Adenau wurde an
Ztelle des verstorbenen Tr. Gottfried Rügenberg der
Zentrums-Kand'dat Weinzutsbesitzer Pauly gewählt.
* Der fruhere langjährige schlesische Zentrumsabgeord—
nete Major a. D. Szuula ift auf seinem Rittergut Frie—
dewalde bei Grottkaugestorben
* Dem preußischen Abgeordnetenhaus ist ein Gesetzent
wurf über den Bergwerksbetrieb ausländischer juristi—
cher Personen und den Geschäftsbetrieb außerpreußischer
ßewerlschaften zugegangen. Der Gesetzentwurf bezweckt,
daß über das Eindringen ausländischer juristischer Per—
onen in den inländischen Bergbau eine gewisse staatliche
dontroalle ausgeübt und die rechtliche Möglichkeit geschaf⸗—
en wird, gegebenenfalls einem weiteren Ausdehnungsbe—
treben Halt zu gebieten. Deswegen sollen die ausländi—
chen juristischen Perlsonen und außerpreußischen Gewerk—
chaflen zum Erwerbe von Bergwerkseigentum, unbeweg—
ichen Bergwerksanteilen und selbständigen Abbaugerechtg-—
keiten der Genehmigung der Behörden bedürfen.
mDie zweite württembergische Kammer hat bei der Be—
ratung des Etats wider Erwarten die Münchener
BGesandtschaft, für welche 24 300 Mark in den Etat
eingestellt waren, abgelehnt.
*Aus Straßburg wird berichtet: Das Landesko—
mitee der elsaß-lothringischen Zeutrumspartei hat im
dinblick auf die bevorstehenden Bezirkstags- und Landes—
zusschußwahlen beschlossen, zur Förderung der Wahlak—
fion für jeden Bezirk einen besonderen Ausssschu ß zu
schaffen. Der Zentrumsfraltion des Landesausschusses ist
empfohlen worden, sie möge in wohlwollender Weise an
die Vorlage über die Gehaltsaufsbesseruna der
Feistlichen und Volfsschulsechrein herantreten
Zum Fall Tremel.
*Dem Bamberger „Tageblatt“ zufolge hat der Er z—
isscchoff die über Pfarrer Tremel verhängte suspensio
divinis aufgehoben und den für ihn eingesetzten Ver—
veser zurückberufen. — Erzbischof Dr. v. Abert hatte
tach der Abreise des Generalvikars Dr. Wagner neuerlich
chwere Ohunmachtsanfälle. Die Aerzte haben
dem schwerlkranken Erabischot jede Tärigleit untersaat.
Tremehnoch nicht reaktivier;
Hierzu wird von anderer Seite gemeldet, daß die
Nachricht des „Bamberger Tageblattes“, Erzbischof Dr. v.
Abert habe von Gries aus die gegen den Pfarrer Tremel
erhängte suspensio a divinis ausgehoben, und den Ver—
veser zurückberufen, in allen Tellen verfrüht sei. Pfarrer
Tremel hat telephonisch erklaären lassen, daß er sich auch
den neuerlichen Anordnungen des Domkapitels auf Wunsch
eines schwerkranken Oberhirten fügen werde. Daraufhin
ging dem Pfarrer Tremel die betreffende Erklärung in
neuer Fassung zur Unterschrift zu. Die Angelegenheit
zürite im Lause des Mittwoch noch Erledigung finden.
Oesterreich⸗ Uugarn.
*Die vorgestrige Rede Sir Eduard Greys wird in
iener politischen Kreisen als ein höchsi wicht ger und
aicht Wxeulicher Alt angesehen. Man hat den Eindruck