e⸗ englischen Volles teilt den Eindruck, den der Kanz—
er aus den Erörterungen während des Königsbesuches
hergeleitet hat, aber, wenn die deutsche Flohte meßbar
nahe daran ist, mit unserer zu rivalisieren, so ist es nicht
zu verwundern, daß der normale Eugländer nach der
Aufrichtigkeit der Versicherungen sragt, wie sie Fürst Bü—
sow abgegeben hat
Politische Rundschau.
Deuntsches Reich.
Der bisherige Zentrumsabgeordnete des 10. badi
schen Tandtagswahlkreises Säclingen-Waldshut, Landoe
richtsdireftes Birkenmeyer-Freiburz, der zugleiet
den 3. badtschen Reichssstagswahltreis vertritt, hat einé
Wiederaufstellung abgelehnt. An seiner Stel«
wurde, dem „Bad. Beob.“ zusolge, der Geistliche Ra
Dieterle, der bisher im 69. Landtagswahlkreis Eber
bach⸗Mosbach gewählt war, als Kandidat für Säckingen
Waldshut aufgestelst. Sowohl der 10. wie der 69. Wahl
kreis sind sicherer Besitzstand des Zentrums.
* Nach einer Mit'eilung des Vereins westafrikamischer
staufleute wurde dieser bei dem Auswärtigen Amt in
Berlin vorstellig, die deutschen Interessen in Libe—
risg zu schützen; die beteiligten Firmen gehen von der
Befürchtung aus, daß Liberig von England oder Frank
reich annektiert werden könnte. Die Regierung antwor
tete, sie glaube nicht an diese Möglichkeit, werde aber
nichts zum Schrutz des deutschen Handels versäumen.
* Der Disziplinarhof des Reichsgerichts hat das
auf Dienstentlassung lautende Urteil der Potsdamer
Disziplinarkammer gegen den Regierungsra—
Dtartin bestätiat
Badische Eiseubahn-Beamte und Arbeiter.
HDer Landesverein der badischen Staatseisenbahnbe
zmien hielt in Karlsruhe anter Ausschluß der Oeffent
üchkeit seine Generalversamumlung ab. Wie wir einen
ausführlichen Bericht des „Bad. Beobachter“ entnehmen,
wurde mit der überraschend großen Mehrheit von 80 9
gen 12 Stimmen gemäß einem Antrag des Hauptvorstan
des der bemerlenswerte Beschluß gesaßt, daß die Be—
amtenorganisation mit der Organisation de
Eisenbahnarbeiter einen engeren Zusammen
schluß eingehen soll. Während von einzelnen Gegnern ei
nes solchen Zusammenschlusses geltend gemacht wurde
daß die Vereinigung soviel verschiedenartiger Element
in einem Verein viele Keime zur Zersetzung in sich traf
und der Versuch einer Ueberbrückung sozialer Gegensätz
durch soziale Gleichmacherei eie Nonsens sei, wurde
Freunden des Zusammenschlusses betont,, gerade die Ue
boᷣckbrückung der soziaien Gegensätze verlange gebieterisck
ein Zusammengehen mit den Arbeitern. Tie Gegner de—
Zusammenschlusses seien vielsach Leute, deren kranthaf
rete Standesgefsühl sich gegen ein Zusammengeher
mit Unterbeamten empöre. Vielfach fehlte den mittlerer
— — höheren Beamten der Einheitsgedan?e, aber alles
dränge zum Zusammenschluß. Der Beschluß kommt ir
der Gründung eines gemeinsamen Verbandé
sekretariats und Verbandsorqans vraf
—
Oesterreich⸗ Uugarn.
*Der Abgeordnete Ralowsztli (katholische Volkspartei
richtele im ungarisschen Reichstage die dringlich
Anfrage an den Minisierpräsidenten, ob er geneigt sei
das Haus über die Beziehungen zu Serbier
aufzuklären, und ferner seinen verfassungsmäßigen Ein
fluß aufzubieten, um dem gegenwärtigen unerträglicher
Zustande entweder durch Sicheruns eines dauernden Trio
dens oder valdigsten Beginn eines Krieges ein Eude zu
Rhachen. Der Redner zollte der Bundestreue Deutsch—
Ands, woran übrigens Ungarn niemals gezweifelt habe,
hobeß Lob, und erklurte: „Wir können den Frieden nmur
iehmoͤn, wenn Sicherheit geboten wird, daß er von
Dduer sein wird. Andernfalls müssen wir den Krieg
seber heute als morgen beginnen“
Rußland.
* Der russische Minister des Aeußern, Iswolski, hat,
wie der „L.⸗Al.“ erfährt, sein Rücktrittsgesuch eingereicht.
Als sein Rachfolger gilt General Engalitschew, der
Kaiser Wilheim attachiert war und als Pflegesohn des
verstorbenen Grasen Nikolas Ignatiew, des ehemaligen
russischen Botschafters in Konstantinopel, eine aute diplo⸗
matische Schule durchmachte.
Italien.
* Die Angelegenheit der Getreidezölle wi
ner beschäftigen. Wie aus sicherer Quelle
dentt die Regierung, die Getreidezölle
ien noch abzuschaffen.
rig von Serbisen und seine Fanze Famirie
tehe auf dem Punkte, Ser ben für immer zu verlg
sen und sich nach Frankreich oder der Schweiz zu bege
g Der König von Italien soll einen Brief Koöͤnig Pe—
erß erhalten haben, worin er ihm seinen Entschluß mit
eilt und yn ersucht, persönlich beim Fürsten von Mon—
enegryo einzuwirken, damit dieser seinen Sohn veran—
asse, die Ftone Serbiens, die ihm von der Skuptschtina
angeboten wurde, anzunehmen. Man glaubt, König Vik—
sor Emanuel werde sich bemühen, die Bemühungen Kö—
uiig Peters zu verhindern und darauf bestehen, daß Prinz
Mauder von Serbien die Nachfolgeschaft antrete. —
Der bisherige Kronprinz Georg wird sich demnächst in
»as Ausland begeben und Universitäten in England und
Frankreich besuchen, um seine Studien fortzusetzen.
Hof und Gesellschaft.
⸗* In Athen ist die Meldung eingetroffen, daß das
englische Königspaar im Lausfe des April dem
Hofe in Athen einen Besuch abstatten wird. Darauf wid
sich das Königspaar währscheinlich nach Korfu bege—
ben, wo ene Zusammenkunit mit Kaiser Wil—
helm stattfinden wird.
** Der Zar tritt Mitte Mai eine große Ruslands—
reise an, auf der er zahlreiche Höfe, u. a. Stockholm
Kopenhagen, Christiania und London besuchen wird. Fer—
ner wird er in einem französischen Hasen ein Zusammen
treffen mit dem Präsidenten Fallieres haben. Zum Schluß
wird der Zar Italien besuchen.
** Generaldixektor Dr. Heinrich Wiegand vom
Norddeutschen Lloyd ist im Sanatorium von
Dr. Pariser in Homburg v. d. H., in das er sich vor
einigen Tagen begeben hatte, an einem langwierigen
Nierenleiden gestorben.
— —
Heer und Flotte.
—* Nach einer Meldung des Kriegsministeriums hat
der zweite Transport des ostasiatischen Detachements, der
mit dem Reichspostdampfer „Prinz,,Ludwig“ heemkehrt,
inter Juhrung des Hauptmanns Rose in Stärke von
3 Ofsizieren, 2441 Mann am 28 März Tientsin ver—
assen.
— »Ter Verband der Schul- und Versuchs
ch iffe, bestehend aus den Panzertreuzern „Friedric
darl“ und „Prinz Adalbert“, den Linienschissfen „Würt
emberg“ und „Großherzog Friedrich Wilhelm“, zwei Kü
tenpanzern und vier Torpedobootsflottillen ist zu einc
pierwöchigen Nebung in die Ot see ausgelausmm,
45 n J — 22
Zur Valkan-Krife.
Tie Befriedigung über Aehrenunthals diplong
ischen Erfolg ist natürlich in amtlichen Wiener Kreiser
ind in der Presse groß, doch enthält man sich klugerweis
zAler Ueberschwenglichkeiten. In den Besprechugen der
Presse wird als Wendepunkt, von dem her die schnelle
entwickelung der Krise datiert, bezeichnet das Ginlen
en Iswolskis, das dem kräftigen diplomati
chen Schritt Deutschlands zu verdanken sei, und das den
Viderstand der übrigen Ententemächte un)altbar gemachit
zabe. Nur die AUrbeiterzeitung nimmt sich kein
Blatt vor den Mund. Sie sagt: „Die Niederlage der En
entemächte konnte nicht vollkommener sein. Sie war ent
chieden und unabwendbar, als Rußland unter dem gro.
zen Drucke, den Deutschland in Petersburg ausübte, zu—
ückwich und die Annexion vorbehaltlos billigte. Aber die
geradezu beispiellose Dummheit Sir Edward Greys, in
einem blinden Haß gegen Deutschland den Widerstand
uuch jetzt noch fortzusetzen und russischer sein zu wollen
ils die Russen, hat die Schlappe Iswolskis zur allge—
neinen Biamage der Ententepolitik erhöht. Nach solchen
sxrgebnissen wird man jeßt das Schimpfen der französi—
chen und englischen Jingoblätter über Oesterreich-Ungarn
und Deuuchland mit klühlem Gleichmut hinnehmen. Ge—
aug, daß der Zweibund in der höchsten Gefahr Europa
den Frieden gerettet hat“
Berlin, 30. März
iun Serbien auf de.
zelangen lassen *
ürkich-österreich *e
von Woꝰ
tetzle sei, um Serbien iten Raschsag zu geben uB
nor der Nustrakting ves Sircites durch Oecrrteich-Ungate
mit den Bafsen zu Lewabten. Tie cerossche Regierung
wird nun der Stugtichtna die KSolleküpnote der Mächt
zur Beantiworiuig uberlassen
Die Mächte dürsten sich nunmehr alsbald mit der
Konferenzsrage beschästtigen, um die Regisirlerungç
ihrer nenerlichen Babtan Romachungen in irgend einer
Form zu vollziehen. Als Kosnferenzpunkte wer
den angenzmmen: die Reg'strierung der Anertennung der
Aunction, die Freigebung der montenegrinischen Häfen
Anfhebung der KRapitulacioinen in der Türkei, Aufhebungç
der fremben Rosftamter in der Türkei, Aufnabme Serbiens
n die Donau iomm ssion, Ancrkennung der bulgarischen
Anabhängigkeit. Ueber die Abänderung des Arcikcls 280
bes Berlner Bertrages ist zwischen den Mächten schor
ine volle Einigung erziel't worden. Der erste Absatz der
Artikels, der die Abtreteng von Spizza an Oesterreich ve
wedt, wird amrecht erhalten bleiben. Ter zweite Äbsotz
der Einschränkungen der montenegrinijchen Hoheitsrechie
zber die Häsen von Antivari und Dulsigno berrifft, so!
gesrichen werden. Die österreichische Note, die den Mach
ten deun Wunsch Oeslerreichs nach Streichung des Artikel⸗
25 des Beriner Vererages, also nach Anerkennung der
Annexion cusspricht, wird henne (Mittwoch) an die Kabi
rette abgehen
Dentscher Reichstag.
Berlin, 30. März.
(237. Sitzung.) Mittag 1 Uhr
Auf der Tagesordnung steht heute die Fortseßung
der Beratung des
Etat des Reichskauzlers
und zwar siehen zur Verhandlung die Fragen der in
nreren Politit.
Abg. Basser mann (nal.): Die heutige Debatrt
teht im Zeichen der Finanzresorm, und ich werde mich
auch nur damit beschästigen. Es ist der Wille des deut
chen Volles, daß die Sinanzrefsorm zustande komme,
Allgemeine Zusstimmung.) Wenn der Verbraouch der Mas
en belastet wird durch neue Konsumsteuern, wenn er be
astet werden muß, dann darf der Besitz nicht frei blei—
en. (Zustimmung links.) Für uns steht fest, daß die
hesitzsteruer eine aligenieine Besteuerung sein sollte, die
eden Besitzenden trifft. (Allgemeine Zust mmung links.
Früher hat sich mancher von uns für die Reichseinkom—
nenfteuer begeistert. Wir haben aber einsehen müssen,
zaß dieser Weg nicht gangbar ist. Tie Einzelstaaten be⸗
ürfen der Einkommensteuner für ihre Aufgaben selbst
Sehr richtighl) Unter diesen Umständen erachtet die
heitaus überwiegende Mehrheit der Nationalliberalen den
isbau der Reichserbschastssieuner unter Heranziehung der
deszendenten für notwendig. (Lebhafte Zustimmung lints.)
das ist der Standpunkt des gesamten Liberalismus. Ich
slaube, dieser Standpunlt wird auch in weiten Kreisen
er konservativen Partei und selbst des Zentrums geteilt.
Sehr richtig! links.) Es sragt sich nun, welche Partei⸗
zruppicrung die Finanzreé orm erledigen sollte. Das nächst⸗
segende ist, daß die Finanzreform durch den sogenann
en Block gelöst werde. Kann die Finanzreform nicht vom
ßlock gelöst werden, so wird die Führung auf das Zen
rum uͤbergehen. Man spricht von wechselnden Mehrhei—
en bei der Finanzreform. Ich bin gewiß geneigt, die
Zutmütigkeit des Zentrums hoch einzuschätzen, aber so
soch schaätze ich das Zentrum nicht ein, daß es immer
sinuräuge bei den Steuern, wenn der Block nicht weiter
ommt. (Große Heiterleit. Wir wunschen jebt keine Zer—
örung des Blockes, sonst ist ein großer Aufwand schmäh⸗
ich vertan, und man wird das im Volk nicht sehr gut
usnehmen. Ist nun heute schon der Bloch zerstört? Die
Frage ist durch die Erklärung der konservativen Parteien
ind die Erklärung der „Konservativen Korrespondenz“ anm
geschnitlten worden. Durch die ganze Lage der Sache
otl erreicht werden, daß die einseitige Vorderrschaft einer
Partei, jetzt der freisinnigen (Gelächter lints), gebrocher
verden foll. (In der Hosloge erscheint der Prinz Aug
Wilhelm mit seiner Gemahlln und Prinz 53 —
hitsow ers