Full text : Dudweiler Zeitung

Aummer ?26 Tel.o9, 259, 269 unb 1261.
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— Mittwoch, den 31. März 1809. Zeitun 8e liste 6032 25. Jahrgang.
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Mit Veilagen: „Velsetristisce Wochenschrift“ und
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9 — 9 serbeizutragen“, um ausfsseigende Feuer zu loschen, etwas
— Neichstag n Montag . inichränlen könnie. So fand er denn warme Worte der
B. Berlin, 30. März. zreundschaft für den britischen König und sein Volk,
Klugerweise hatte Fürst Bülow die „große Auftlär. Ulls er dann zur Ballankrisis überging, da horchte albes
zg“ iwher die aus wärtige Politit auf den Montag ange- Zuf. Bhew vermied es Zenssentlich, den Triumphator
kßi. Er hatte wohl das Empfinden, daß die Augen der der Politik herauszukehren. Woh! mitt Recht. Seine Aus
nzen Welt an vem Tage jeiner gespannt erwarteten ührungen waren Pilaster auf die Wunden, die die ge—
stede auf den Deutschen Reichstag gerichtet sein würden. vagte Politik Iswalslis der russischen Regierung beige—
darum mag er wohl den Sonnlag fleißig, dazu benutz »racht hatte. Die Fricdensliebe des zweiten Nitolaus
aben, sich auf den großen Montag“ vorzubereiten. Er, wurde gut zensoriert und noch einmal besonders unter⸗
jer auch von den Gegnern anerkannte Meister des Wor- trichen. Lebhaften Beisall erntete der Redner überall da,
Sund der diplomatischen „Zwischen den⸗Zeilen⸗Sprache“, wo von der Uunersschütterhichen Bundestren e
bilte die heitlen Vorgange der leblen Zeit dem deutschen Deutschlandes zu Oesserreich die Rede war und von
Belte und vqmit auch dem Auslande enthüllen und ver⸗ der Entschlossenheit, keine Demuütigung unseres Verbünde—
—RRX nachen, ohne dabei nach innen und außen anzu— ten zu dulden. Alles, was der Kanzler über Oesterreich
hßen. Eine nicht immer beneidenswerte Aufgabel Dazu und den Naiser Franz Josef sagte, war von einem Hauch
gh noch für gestern die Notwendigkeit, die Haltung esonderer Wärme durchweht. Er prach uns hier, zum
Deutschlands an der Seite des Verbündeten auch coram öerzen. Wir wissen jetzt, was veiden Teilen das Bund—
ujblies aufs neue zu beträftigen — weil wir alle das doch is bedeutet, welches Schwergewicht geschaffen ist. wenn
Zwartet haäpben. Da nun die ehrliche und entfchledene deut chland und Oesterreich geloben, „ein einig Volk von
Ste lungnahme Deutschlands der deutschen Diplomane ge Brüdern“ zu iein, das in keiner Not und Gefahr sieh
rade in den letzten Tagen einen unbestrittenen Exfolg ennt. In diejer Pinsicht war die gestrige Rede Bülows
liber die zweideutige — Rußlands und die auf Deꝛ in Programm, nicht zum mindesten auch an die Adreffe
sierreich einen Druck versuchende Haltung der übrigen En- es Aus landes gerichtet. — Die spätere Erklärung
entemaͤchte verfchafft hatte, war es bei der gercizten Efllows über die deutsche Flottenpolitik schaftse auch dari
ZAimmung gegen uns nicht leicht, den richtigen Ton zu die gewünschte Klarheit. Wir werden 19422 13 Dread—
treffen, den Ton, der die Tatsachen fesistellen mußte, aber Wughts haben und nicht 17, wie die englischen Chauvi
mieh andere nicht verleben durfte nisten und — Angsimeier wissen wollen. Unser Flotien-Bülow
 muß sich am Sonntag all das wohl reiflich Programm führen wir unbekümmert durch, geben aber kei—
hin und her überlezt und sich auch sonst überanstrengt pen Anlaß zu Mißtrauen und Wettrüften.“ Nuf diesen
haben, deun er sah gestern im Reichstage recht abge —— stellte sich auch der Zentrumsführer
spannt und gealtert aus. Die gewaltige Spannung der Aeß Irhr. von Hertlimg, der eine großzügige Rede
letzten Wochen und Tage, in deren Wittelpunkt der Reichs⸗ Relt, in der er sich mit unserec Haltung zů Oeserresch und
kanzler stand, läßt das begreiflich erscheinen. Der Reichs— »em Ausbau der Jlotte im Rahmen des Gesebes eiwer
— — tanden erklärte. Lebhaster Beifall von den Zenhunns
die Diplomatenlsgenn, in denen der spruchwördiche Apfei ben dokumentferte das Einverständnis mil deu Gitn
cum zur Erde hätte fallen können. Prinzen und Fürst— npen Hertlings. Der bons ervative Kanitz war
ichteiten erscheenen auch — man war eben gespannt auf writ, der Orientpolitit auch zusrieden Bassermann
das Kemmende, man witterte einen „großen Tag“. Nun— nttäuschte etwas. Man haste mehr von ihm erwarteit.
der Montag unterschied sich wohl vorteilhaft von der der Sozialdemokrat Ledebour nahm den Reichskanz⸗
Pypsiognonle, die feine Namenskollegen anderer Wochen exr scharf ins Gebet, doch zeigge sich Bülow in seine;
in sragen pflegen. Aber ein groder Tag“ war es dod Antwort als der überlegene Tebaiter. Staatssekretär v.
ücht. Bülow war müde, und Urberraschunzen gab es T,irpirtz unterstrich noch einmal Vülows Lingaben, daß
u großen ganzen nicht. Der Reichskanzler erörterte über vir den Flottenbau nicht veschleunigen wollen? Als dann
aus sachlich und nüchtern die Angelegenheiten der auße der Pole v. Sktarz ynski das Podium betrai, war
sen Pelitik und die Stellungnahme der deutschen Regier⸗ Xx Reichssstag beinahe leer. Man hatte genug fuür heute
ung dazu. Dann und wann unterbrach ein Bülowsches der Reichslanzler hatte zwar keinen „großen⸗ Tagei
Geistreicheln die übrige Trockenhtit der Rede, die, emge nn aber zufrieden sein. Ihm wäre sicherlich wohler,
gen der sonstigen Gewohnheit Bülows, frei zu sprechen. Venn er auch „die innere Politik“ im Reichstage hinter
zum Teil „vom Blatt“ gehalten wurde. Ter englische Ksmas- ich Jätte. Es liegt da etwas in der Luft. WMer weiß,
»esuch fand eine sehr gute Note. Der überaus b hier nicht Steine aͤm Wege liegen, die selbit ein Mann
reuadliche Eupfang des Kornigspaares bei Kaler on der politischen Verschlagenheit und Glaäͤut⸗ eines Bü⸗—
dadurch besesuigten besseren Bee 8Ww nicht aus dem Wege zu räumen vermag ..
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Prur jarui mneren.
Zie Wiener „KNeue Freie Presse“ schreibt:
Die Politik Deutschlands hat dazu beigetragen, der Well
den Frieden zu erhalten und in der richtigen Einsicht, daß
;s sich um dieses hohe Gut handle, siellte sich Deutsch
——— — Oester—
reich Ungarns. Das wird in Oesterreich- Ungarn nich
pvergessen werden; und wenn jiemals eine gleich
SZituattion in umgetehrter Stetlung eintreten sollte, wird
man in Oesterreich der Erfahrungen dieses Winters ge—
denken. Die Reichstagsdebatte zeigte, daß die Haltung
»er deutschen Regierung in der gegenwärtigen Krisis den
jesinnungen der ungeheuren Mehrheit der deutschen Na—
on durchaus entspricht. Die Gründe, die dazu geführt
zahen, dieses Bündnis zu schl'eßen, waren nicht dem An—
genblick entnommen. Es ist geschasfen worden, weil da—
urals erkannt wurde, daß die Lebensnotwendiakeiten der
beiden Reiche mitcinander übereinstimmen.
Paris, 30. März. Die gestrige Rede des Für—
stten Büllow wird von mehreren Blüttern eingehend er—
ärtert. „Figaro“ schreibt: Fürst Bülow habe ausge—
eichnete Dinge über das französisch-deutsche Marollo-Aha
ommen gesagt und mit größter Folgerichtigkeit die all
zemeinen und besonderen Gründe angegeben, welche die
beiden Regierungen zur Unterzeichnung des Abkommens
neranlaßt hätten. Denjenigen, welche finden, daß dieséè
Lösung mit der von Deutschland lange Zeit in der ma—
rotkanischen Frage beobachteten Haltung in Widerspruck
tehe, habe der Reichskanzler sehr geschickt geantwortet,
daß zwar die deutsche Methode fich geändert habe, daf
iber das Ziel stets dasselbe gewesen sei. Sowohl in
deutschland wie in Frankreich müsse jeder halbwegs ver—
nünftige Mensch dem Fürsten Bülow in allem, was er
u diesem Teil seiner Rede gesagt habe, vollauf zustim—
nen. — Was die Orientkrise anbelange, so habe
der Reichskanzler trotz seiner großen Geschicklichkeit nich!
zjonz davon überzeugen können, daß die Haltung Deutsch
ands, als es juüngst einen solchen Druck auf Rußland
zusühte, von Anfang an eine konsequente gewesen sei; al—
erdings dürse man sich darüber nicht wundern, wenn
ine große diphrmartische Rede hier und da ein Wori
enthalle, das mit Vorsicht aufzunehmen sei. — Der „Ganu—
loins“ schreibt: Der Reichskoͤnzler hat sich sowoh! üͤber
die deutscheenglischen, wie die deutsch-französischen Bezieh
ungen sehr befriedigt ausgesprochen und wir reuen uns
»arüber, daß er der korrekten und loyalen Politik Frank
eichs hat Gerechtigkeit widerfahren lassen. Was die Kri
is im Lrient betrifft, so hat der Reichskanzler die Buͤnd—
nispflicht Teutschlands in Worten gekennzeichnet, die eine
Lehre und ein Beispiel für alle Regierungen bilden sollten
In London wird den Aeußerungen des Fürsten
Vülow wenig Beachtung geschenkt. Die „Ti—
me s“ spricht von einschmeichelnden Platitüden und der
„Daily Telegraph' erblickt in der Rede des Für
ten Bülow die unverhüllte Proklamation der keutonischep
degemonie. — „Daily Graphie« schreibt: Die aroße Man

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