Anummer 24
— —R
Tel, o9, 258, 268 uäb 1I26.
— —
Montag, den 29. März 1909. geitunge liste dej
25. Sahrgang.
⸗
yrt Veilagen: „Relletristische Wochenschrifte“ und
ustige Blätter“.
—“
Allgemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereibe
DZudweiler.
—
Abonnemer svrees
monatlich 720 Pfg. frei in Paus gebracht;
bestellt M. 2,25 vierteljährlich.
Die „Dudweiler Zeuung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.
— — IEIEIEEAIIEIEEEIEICCCETT
ͤne ppä
zei mehrmaligen Inserationen
Nabatt.
α5α
2Aag von J. Unterkeller
in Dudweit
n, A
John Bulls Herzenusangst.
die Engländer sind imm algemcinen ein mutiges
Kolk. Wenigsiens habe ich das vislang inimer geglaubt.
Ver sie aber in diesem Augenoleick beobachtet, wo der
gedanke an die Möglichkeit eines Einsalls in ihr Land
ne Besltürzung hervorgerusen, die goradezu an Kopi—
bigkeit greuzt, könnte leicht irre an ihnen werden. Oder
pie die „Daily News“ sich ausdrücken: „In seiner gan—
en Geschichte hat sich cin Volk, dessen Seemacht der Neid
er Welt ist, niemals einem verächtlicheren Anfall von
systerie hingegeben.“ Kein Land solite sich sicherer füh⸗
i können als das meerumgürtete, von der kräftigsten
Flotte verteidigie Britenrxeich, das niemand bedroht, wenn
selbst nur Frieden halten will. Kein Land fühlt sich
Wber tatsächlich unsicherer. Seit Jahren bildet der Lan—
deseinsall einen der lächerlichsien aber wieder und wie—
der ausgenutzten „Einfälle“ seiner Literatur; und auch auf
er Bühne sindet ein als dramatische Leistung vollig
vertloses Stück zurzeit bei weitem den größten Anklang,
ediglich weil es eine Invasion behandelt. Wohl enden
diese Machwerke der Phantasie natürlich immer damit,
daß der Eindringleing schließlich völlig zurückgeschlagen
vrird, aber doch erst nachdem er entsetzliches Unheil an—
gerichtet hat. Das britische Publikum gefältt sich doch
jarin, die spitzigen Dornen erst recht ües in das eigene
Fleisch eingedrückt zu bekommen, oder, wie andere es be—
eichnen, „siich den Ernst der Lage vor Augen zu führen“.
Wirklich, die armen Engländer könnten uns fast leid tun,
wenn wir nicht wüßten, wer ihnen solche Angst einslonn
Ach, sie machen ja kein Geheimnis daraus. Es ünd die
bösen Deutschen.
Es gibt keinen deutschen Kellner in England, keinen
dausmann — ja am Ende auch keinen Journal sten —,
»en manche nicht für einen Spion halten. Selbst in
Freundeskressen werden, so schreibt der Londoner Korre—
pondent der „Schl.-V.-Ztg.“, will man mich necken, so—
ort derartige Anspielungen laut. O, ich weiß, es ist nur
Zdcherz — ich nehme es auch niemandem übel —, aber
daß derselbe Scherz immer wieder und in den verschie—
ensten Kreisen auftaucht, zeigt doch immerhin, wie nahe
in und derselbe Gedanke so vielen liegt. Aber es gibt
uuch Leute, die können nicht müde werden, immer wie—
ber darauf hinzudeuten, daß wir nicht nur alle geheime
Späher, sondern auch verkappte Krieger sind, die, als
eine Art Vorhut ins Land eingedrungen, im gegebenen
Noment zu den Waffen greifen — ich weiß nicht gleich,
vo wir sie verborgen haben — oder verborgen hahben
wünnten! — aus dem trojanischen Pserde englischer Gast—
lichkeit steigen und dann — hast du nicht gesehen! —
Doch das sind Hirngespinsie einzelnen. Auch ist das „Spio—
nieren auf Spione“, wenn auch so viel allgemeinen, doch
wohl wenigen sehr ernst. Jedenfalls hat kein Deutscher
irgendwie darunter zu leiden. Ja, und ich möchte noch
einmal besonders betonen, daß gerade in diesen Tagen
hiterer Erregung, die Deutschland gegenüber geführte
Sprache kaum je etwas zu wünschen übriz ließ — und
das haben wir wohl lange nicht behaupten können! —
daß, wie peinlich den Engländern auch die Wahrnehm—
ing von dem Anvwachsen der deutschen Flotte gewesen, die
Achtung vor deutscher Leistungsfähigseit nur gewachsen
und auch unumwunden zum Ausdruck gebracht ist.
Aber wie töricht uns auch diese Angst vor einem
deutschen Einfall erscheinen muß, wie lächerlich auch die
janze nationale Erregung ist, die englische Blätter selbst
I8 Hysterie und Pani? hbezeichnet haben. die Loge st
nient ĩ9 15
Deutschland, aus weil sie ihren besonderen zZwegen damtr
zlaubten Vorschub leisten zu können. Da ist zunächst die
National Serviee League, der Verband zur Einführung
der allgemeinen Wehrpflicht. „Seht“, tönt es von da,
das Bollwerk einer unüberwindbaren Florte ist doch nich
o fest, wie man bis ang glaubte. Ist die Zeit nicht
gekommen, daß die Männerwelt Englands wie die an
zerer Völker im Gebrauch der Wassen unterwiesen wer
c2?“ In ihrein Juteresse lag es nun wohl nicht, die Lage
osig quszumalen. Das läßt sich versiehen. Aber weni—
jer verzeihlich ist die Handlungsweise der Opposition, die
inter dem Techmantel der Vaterlands iebe die drohenden
gefahren um so stärfer auftrug und die Erregung mi—
illen Krästen schürte, nur um die Regierung in Mißtkre—
it oder an Ende gar zu Fatle zu bringen und nun tat—
ächlich ein Mißtrauensvotum eingebracht hat. Damit hat
ie aber nicht das geringste Glück. Aber einen tüchtigen
dieb hat sie ihr immerhin versetzt Toch ist es eben
uicht die Regieruug, sondern es sind ihre Widersacher, die
urch ihre Parteimanöver das Land vor der ganzen Welt
ächerlich gemacht haben.
Aber sollte nicht für Teutschland der Zeitpunkt ge—
ommen sein, noch einmal erusilich zu erwägen, od sich
zurch ein, wenn auch nur geringfügiges Einlenken, durch
eiin Abkommen in bezug auf den beiderseisigen Schiffs—
»au nicht ein besseres Verhältnis zu England anbahuen
ieße? Würde dadurch nicht leicht die ganze europäische
dage ein verändertes Aussehen bekommen. der Friede der
vVelt nicht um so eher gesichert werden können?
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Der Erzbischof Dr. von Abert hat nach Eingang der
ẽrklärung des Pfarrers Tremel durch seinen Bruder,
zen Landgerichtsdireltor Abert, der immer noch in Gries
veilt, an Pfarrer Tremel folgendes Telezramm gerichtet:
‚Mein Bruder, der Herr Erzbischof ist tief gerührt über
die in Ihrer öffentlichen Er lärung bekundete Gesinnung,
die ihm großen Trost bereitete. Er sendet Ihnen von
seinem Krankenbette aus seinen Gruß und Segen.“
* Die sozialdemokratifche Fraktion hat beschlossen, zur
zweiten Lesung des Etats des Reichssskanzlers
eine Resolution einzubringen, in der die Regierung auf—
gefordert wird, internationale Vereinbarungen becreffend
die Begrenzung der Rüstungen zur See und die
Beseitigung des Prisen-Rechts (Rechts der Kaperei von
dandelsschifsen in Kriegszeiten) in die Wege zu leiten.
*Wie man hoͤrt, ist Abgeordneter Graf Schwerin
köbitz für die Nachlaßstener, ebenso auch der Abgeord
icte Dietrisch-Prenztiau, der der Vermittler zwischen
»er Regierung und dem Block ist. Ueberhaupt zählt man
vei der konservativen Fraltion schon 25—230 Abgeordnete,
die für eine Besteuerung des Nachlasses in irgend einer
Form zu haben sind. Diese rekrutieren sich besonders aus
den füddeutschen und sächsischen Aogeordneten. Ihnen
chließt sich die gesamte Wirtschaftliche Vereiniaung an,
die bereits 16 Mitglieder zählt.
* Nach dem „Schwäbeschen Merkur“ schweben gegenwär—
ig Verhandlungen zwischen der Reichspostverwaltung und
er württembergi chen Postverwaltung über die Abäen—
»erung des am 1. April 1902 in Kraft getretenen
Briesmarkenvertrages. Man spricht von einer Künd'g—
ing des Vertrages durch die Reichspossperwaltung, so—
aß eine Neureqelung notwendiag wär—
— —
*Der Run auf die rumänischen, sächsischen und un—
zarischen Sparkassen in Südungarn seitens der klei—
ien Einleger dauert besonders in Kronstadt und Her—
uannstadt sort. Es gelangten bercits annähernd 100 000
dronen zur Rüchzahlung.
England.
* Der Unterstaatssekretäür des Marineministeriums har
iber das diesjährige Flottenbauprogramm Englands
olgende Mitteilungen gemacht: Unser diesjähriges Bau—
rogramm ist die Garanlie fur die natonale Sicherheit.
zm Juli legen wir die Kiele für zwei Dreadnougts, im
ovember für zwei weitere. Außerdem bestellen wir das
ßzaumaterial für noch weitere vier Dreadnoughts, die ge—
aut werden sollen, sobald es notwendig wird.
* Der seit langem zwischen dem Abgeordneten William
B'Brien und der unter Redmonds Führung stehenden
Majorität der irischen Nationalpartei beste—
ende Konflilt, der kürzlich auf der Parteiversammlung in
Dublin zu Tätlhchkeiten führte, ist durch den Rücktritt
R'Briens vorläufig beendet worden. O'Brien legt
ein Mandat nieder und gibt die politische Tät saleit auf.
Spanien.
* Die spanische Regierung sordert von der Kammer 30
Miltionen Pesetas zu Reformen im Postwesen, u.
a. eine Herabsetzung der Gebühr sür Preßtelegram—
ne um 50 Vrozent.
Persien.
*Die Ermordung der Flüchtlinge in der tür—
ischen Botschaft hat Besorgnis hervorgerufen,
ind der türkische Geschäftsträger hat nach Konstantinopel
elegraphiert, die Truppen zum Mariche nach Tehe—
an bereitzuhaltern
Türkei.
*Aus bulgarischer Quelle verlautet, daß man in Bul—
arien mit dem Abschluß des russisch-türkischen Protokolls
icht einverstanden sei und dagegen opponieren werde,
eil es über den Kopf Bulgariens hinweg beschlossen und
e FJrage der Anerkennung der bulgarischen Un—
bhängigkeit zurückgestellt sei. Alle Meldungen von ei—
em bevorstehenden Großwesirrat sind mit großer Vorsicht
ufzunehmen da Hilmi Pascha auch jetzt noch das
dertrauen des Komitees besitzt
Hof und Gesellschaft.
2* Der Pariser „Petit Journal“ bestätigt in einer Mel—
ung aus Rom, daß König Eduard und Kaiser
Wilhelm auf ihrer Kreuzfahrt im Mittelmeer eine
Bßegegnung haben werden.
** Der deutsche Botschafter in London über—
ceichte namens des de ut schen Kaisers dem deut⸗
schen Athenaeum-Klub das Bildnis des Kaisers in
goller Lebensgröße als Erinnerung an den lestten Besuch
n England.
** Der König von Sachsen ist zum Besuche der
rroßherzoglichen Herrschasten in Karlsruhe eingetroffen.
** Infantin Maria Theresia ist von einem Sohn
ntbunden worden
— !Oů
Zur Balkan-Krise.
Die Auffassung der Lage in Wien.
Paꝝs dem Beitritt Iswolskis zu dem deutichen
85 IA·* *