Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Serbien
* Serbische Blätter besassen sich mit den mysterio
sen Todesfall des Dieners des Kronprenzen Ge
org, Stesan Kolakowitsch. Sie fordern die Bestra ung det
Veörders, welcher der Polizei bekannt sein foll. Geingf
Insorma ionen aus voillkommen verläßlicher Quelle
durfte diese geheimnisvolle Assäre far den Krouprinzen
sehr böse Folgen haben. Es scheint schoön dis
ausgemacht, daß sich König Peier mit der Regierung da—
hin einigte, Kronprinz Georg soille schristtlich auf die
Thronfolge (aus eigenem Antriebe freilichj ver—
z üich ten und auf unbesümmte Zeit ins Ausland ver—
reisen. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung dieser Ver—
zichtleistung soll gemäß der Verfassung zum Thronfosger
der zweigeborene Sohn des Königs, der am 17. Je—
zember 1888 geborene Prinz Alexander vroue
miert werden.
* In einem Schreiben, an den Ministerpräsidenten vee r—
z isch tett der serbische Rronprinz auf die Thron—
folge insolge der Angrisse der serbischen Bresse wegen
des Todes seines Dieners, um die Regierung der Ruͤck—
iichtnahme auf seine Person zu entbinden
Versien.
*Im Waͤllfahrtsort Schahabdulasim bei Tehexan bra—
chen Unruhen aus, anuscheinend von der Parlein des
Schahs angestistet, um die dorthin geslüchteten Tausende
Liberale auszutreiben. Es gab mehrere Tote und einige
Verhastungen erfolgten. Scheich Mahmud beabsichtigt von
Veramir gegen Schahabdulasim vorzugetzen, um die gan—
zen Flüchtlinge zu verrreitzen. Gleichsalls soll ein Kosa—
kenkommando gegen Schahabdulasim abgehen
4 ö
Was würde Oesterreich-Ungarn ein
Krieg mit Serbien kosten?
Eine vergleichende Berechnung.
Oer letzte große Krieg war der russisch-japanische
Krieg vom Jahre 1904 - 1905. Auf russischer Seite be—
liefen sich die reinen Kosten des Krieges auf 3390 Mil—
lionen, auf japanischer Seite auf 2860 Millionen Kronen.
Auf russischer Seite entfiel auf den Kopf der Mitstreiten
den ein täglicher Aufwand von 6,1 Kroͤnen, auf japani—
scher Seite von 2,5 Kronen.
Auf Grund dieses Beispiels und in Berücksichtigung
der seither eingetretenen Presssteigerungen der wichtigten
Artikel können die Auslagen in einem eventuellen Feld—
zug zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien auf öster—
reichischer Seite mit 12 Kronen per Mann und Tag an—
genommen werden. Darin sind die Unterstützungen für
dĩie nosleidenden Familien der vieerbissen berets inve—
griffen. Stellt man nun, ganz appro mativ, das erfor⸗
derliche Truppenaufgebot mit 400 660 Mann ein (Land⸗
heer und Marine), so resfultiert ein täglichet Geldbedarf
bon 4,8 Millionen Kronen. Wird nun die Dauer eines
—
sich ein Betrag von 437 Milliouen. —
Die Gesamtausgaben sind aber damit nicht erschöpft.
Müßte der Krieg möglicherweise auf zwei Fronten ge—
führt werden, so würden die Opera sonslinien divergie
ren. Man kann also die tatsächliche Koössenhöhe auf rund
200 Millionen Kronen schätzen. Außerdem würde sich
wahrscheinlich die Norwendigleit ergeben, nach Beendig—
ung der eigentlichen Operatsonen ein gewisses Truppen
kontingent zur gänzlichen Pazisizierung des Landes da—
selbst zurückzulassen. Wenn man annimmt, daß nach Ab—
schluß des Friedens etwa 150 900 Mann auf weitere 2
Peonate im Feindessanve — e7

eseitigen, die zwischen DesterreichAngarn und Serbien
ich herausgebildet hat. Immer näher rückte daher der
sugenblick, wo aus Wien nach Belgrad die letzte Auf
orderung ergehen sollte, das Verhältnis zu demn Nach
»arstaat auf den Boden einer friedlichen Verständigung
zu stellen, und wenn darauf keine sofortige klare und
unzweidzutige Antwort ergehen würde, koͤnte man milt
dem Krieg rechnen. Es ist nun wenigstens soviel durch
den Meinungsaustausch zwischen den Kabinetten erzie
vorden, »daß die Enischeidung hinausgeschoben morden ist.
In der Stupschtina erklärte der Ministerprisident No—
walowitsch, Serbien werde, solange die diplomatischen
Verhandlungen dauern, die Mob lmachung uicht an—
ordnen.
Nach einem neuen Vermittelunzsvorschlag Greys
soll Serbien erklären, daß es die Annetion Bos
nisen s und der Herzegowina ohne Vorbehauan
rkenne und auf jede Revindikation verzichte. Ferner sell
Serbien ertlären, daß es abrüste und mit Oeslserreich Un
zarn in nornmale Verhältnisse, sowie in direkte winsschaftiche
 Verhandlungen eintreten will. Wern Serbien 63
Breysche Anerbieten, das bereits die Zustimmung in Poe
ersburg, Paris und Rom erhielt, alzepliert, sollen die
Mächte, das Einverständuis mit Wien vorausgeseßt, in
Belgrad eine Art Garantie Versicherung geben, daß Oe—
terreich-Ungarn Serbien nicht angreifen werde.
In Belgrad bleibt die Stimmung andauernd
kriegerissch. Die Regierung ist vollstündig unfäbig,
»ꝛe Bewegung aufzuhalten. Der derzeitige Stand der Art
nee beläuft sich auf 75 000 Mann aktive Soldaten und
14000 Mann vollständig kriegsmäßig ausgerüstete Fret—
villige. Trotz der neuerlichen Interventiou der Groß⸗
nächte sind innner noch große Gefahren vorhanden, da
as unberechenbare Temperament des Kronprinzen allc
efürchten läßt

Nachgeben Rußlands.
Die günstigere Auffassung, die man in Berliner dip⸗
omatischen Kreisen seit kuͤrzeun über den fredlichen Aus—
zang der serbisch-ösierreichischen Krisis hat, beruht auf
der Tatsache, daß Iswolski nunmehr den Vertreiern der
Pächte ertlärt hat, daß Rußland die Annerion Bos⸗
iens als vorllzogene Tatsache ohne weitere Bedingungen
anerkennt. Damit ist die sogenannte bosnische Frage, von
der Serbien in den letzten Noten noch sprach, beseitigt und
der Weg zum friedlichen Ausgleich gecebnet

Eine blödsinnige Erfindung.
Im Abgeordnetenhause in Wien iuterpellierte der
Tschechisch-radikale Chose, ob wahr sei, daß Kaiser
Wilhelm vor einigen Tagen geheüim nach Wien
gelommen und beim Kaiser Franz Josef sich für den
Krieq eingescetzt habe

Rechtspflege.
Eiune Frage. Ist ein Soldat verpflichtet, sich auf
Geheiß cines Vorgesetzten einer Operation zu un—
terziehen? Dieie Frage, welche weitere Kreise interessiert,
hat kürzlich das Kriegsgericht in Chemnitz beschäftigt. Ein
Zoldat, der cin Fußleiden hatte — ihm war bei Mär—
— DDDD
brreits zweimal im Lazarett operativ behandelt wor—
den, aber ohne Erfolg. Als er zum dritten Male ope—
iert werden sollte, verweigerte er seine Einwilligung und
Rieb bei der Weigerung, als der diensttuende Stabsarz
bui beiahl, den Operationstisch zu besieigen. Deshal⸗
— orr er, ⏑—

t. noch mehr beleben. Weder Gent noch Bruͤgge wer
rnen im Vertehr dieses Zuges berücksichtigt, der die etwi
12) KRilometer lanze Suecke in rund 753 Mimiten abfah
den sotl. Ob dies bei den vie fachen Schwierigkeiten, die
die Linie dem Beirieb heute noch bietet, möglich seir
zwird, steht dahin

— —— —
* 7
Wermischtes.
Eine mathematische Entdecung. Cin Beaniter
der Reichsbank hat eine eigenart'ige Entdeckung gemachr
Er hat gesunden, daß man 1000 einzelne Markstücke au
zehn Beulel so verteilen kann, daß man jede beliebige
Zahlung bis zu 1000 Mark damit leisten klann, ohne
einen Beutelöffnenzumüssen. Die Verieil
ung muß wie folgt geschehen:

1000
Well man z. B. 777 Mark zahlen, so nimmt ma
vdie Päelchen 489, 256, 32. Es ist nicht ausgeschlossen
daß diese Encdeckung praktische Bedeutung für den Geld
Ariehr gewinnt. (M. Anz.)
MNur fa Wasser net. Cin Witzbold plaudert im
N. A.“ über das Hin und Her der Kriegs- oder Frie
Tusaussichten, und verulkt dabei recht satirisch die be
Enne serbische Unreinl'chleit. Er erzählt: An den Westen
öpfen zühlte ich die ganze Woche schon ab „Geht's los?
Oder micht?“ und jedesmal fast kam ich zu einem ande
ten Resultat, d. h. deshalb, weil ich immer wieder au
ders anfing beim abzählen. Die Mehrzahl lautete sien
auf „nicht“. Es scheint, daß die Serben inimer noch nie
zanz einig mit sich selbst sind und sich das Kriezführe
noch einmal reiflich überlegen. Zum Losschlagen ist be
hnen ja soweit alles bereit, es fehlen nur noch Kano
ien, Gewehre, Säbel, Pulver, Blei und Geld, sowie de
zweite Garnitur Hosen. Die erste wird in nächt icher A
deit mit doppelten Böden versehen, damit sie nicht gle
bei den ersten Bearbeitungen in die Brüche gehen4
zem Feinde die serbischen Blößen zu Gesichte kom—
wVie man hört, sollen die Oesierreicher ernftlich beabn
igen, ihre gesamten Geschütze, Kanonen usw. in Spri«
imwandein zu lassen, denn eine über serbische Verßaͤ
nisse ziemlich gut in'ormierte Persönlichkeit erkärte,
nur zwei Mittel gäbe, mit denen man der serbiisch
riegerschar ernstlich zu Leibe gehen könne, und das se
wasser und Zachcrlin, deshalb nun auch die rasche
wandlung der österreichischen Geschütze ꝛc. in Spri
Der Tert der serbischen Nationalhymine lautet: Nu
Wasser neft

— —
Humoristische Erke.
Rer Realist.
Ob all die Menschen schlimm und gu⸗
Mit heißem Herz, mit kaltem Blut
Sich lieben, hassen müd und matt,
Bis endlich jeder lebenssatt,
Es dreht sich doch die runde Welt
VUur um die eine Nepio

1

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