Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

um einen Raubzug, sondern nur um eine woͤrlvorberei—
ete Invasion handeln.
Türkei
* In Mossul ist es zu ernsten Unruhen gekommen.
SFin Kavallerist, welcher während dem Beiram eine tür—
isce Frau insultierte, wurde verhaftet. 50 seiner
ameraden versuchten ihn zu befreien, indem sie das
Wachhaus angriffen. Es entstand dadurch ein Kampf,
in dem sich die Bevölkerung beteiligte. Diese blockierte
chließlich die Angreifer in der Kaserne. Die Intervention
des Wali und des Militärkommandanten blieb refultatlos.
Inzwischen benutzten die Missetäter die Unruhen, um die
Befängnisse zu öffnen, was Plünderung und Massakres
jerbeiführte. Der angeseheue Kurdenscheilh Said wurde
amt seiner Familie getötet. Außerdem wurden von der
Bevölkerung 30 Personen getötet und 40 verwundet. Die
Sttuation scheint ernst, da der Kriegsminister das vierte
storpskommando beauftraate, sünf Bataillone nach Mos—⸗
ul zu senden.
*Den türkischen Blättern zufolge ist die Ruhe in Mos—
sul wieder hergestellt. Die Unruhestifter werden
trenge bestraft. Von Diarbekir sind zwei Bataillone, drei
Eskadronen und eine Gebirgsbatterie dahin abgegangen.
eIn mehreren Gebieten Kleinasiens nimmt die
Bungersnot zu. Nach Meldungen an den armenischen
Parriarchen sind in der Umgebung von Tassin, Terdschan
ferner im Wilajet Erzerum, sowie in Muschk mehrert
Personen Hungers gestorben. Die Sammlungen der Ar—
menier erweisen sich als ungenügend. Eine größere Hilfs—
akliion und staatliche Hilse sind dringend nötiag
xRimerira.
sDer Kongreß setzt den Kampf gegen den Präsidenken
Roöosevelt sort. Der Senat beschloß eine Untersuchung
darüber, weshalb der Präsident die Verschmelzung des
Ztahlerusses mit der Tennessee-Company erlaubte. Das
haus verweigerte die Annahme von Botschaften, die nicht
in achtungsvollem Tone gehalten sind. Die weitere Ent—
vickelung der Dinge wird mit Spannnung erwartet.
*Robsebelt gab Einzelheiten über die Verbindung
TDillmans mit den Landschwindeleien in Oregon. Er
zeichuldiat den Senator des Versuchs, neun Viertelsaktio—
ren im Werte von 100 000 Dollars zu erlangen. Till—
nan antwortet am Montag.

Die Krise auf dem Balkan
Wie der Konstantinopeler Korrespondent der „Neuen
Freien Presse“ telegraphiert, unterstützen nicht nur Deutsch—
and, sondern auch Frankreich und Italien nachdrücklich
die Schritte OesterreichUngarns, die Türkei zur Annahme
oes Prinzips der angebotenen wirtschaftlichen Vorteile
zu bewegen.
Nach einer Meldung aus Belgrad sind der Erklär—
ung des Ministers Milowanowitsch, in der er der öster—
eichischen Regierung die gesorderre Entschuldigung aus—
rrach, heftige Auseinandersetzungen im Ministerrat vor—
ausgegangen. Vafccitsch drohte, Milowanowitsch der Un—
vahrheit und Fälschung zu beschuldigen. Als endlich der
österreichisch ungarische Gesandte, Graf Forgach, erklärte,
daß eine weitere Verschleppung die ernstesten Konsequen—
zen haben würde, erteilte das Kabinett seine Zustimm—
ung, daß Milowanowitsch eine umfassende Entschuldiaung
Igibt.
Die äußere Lage wird anhaltend als ernst betrach—
tet. Die militärischen Vorbereitungen gegen den Süden
werden eifrig fortgefetzt. Mitte Januar sollen meue
Izroße Trupuenverschiebungen nach Bosnien stattfinden.
— ü—
Erdbeben in Italien
Oer Stabsarzt an der Kaiser Wilhelm-Akademie und
Ldeibarzt des Kaisers, Dr, Niedner, begab sich Sonntag
iber Genua nach Palermo, um die Leitung bei der Aus—
tellung der vom Kaiser für die Opfer der Erdbeben-Ka—
rastrophe gestifteten sechs Baracken zu übernehmen.
Professor Graevenih-⸗Wien hat in der Meerenge von
Peessina Messungen vorgenommen, die interessante Ergeb—
risse hatten. Am Südeingange des Kanals, wo bisher
eine Wassertiefe von 1000 Meier verzeichnet wurde, be—
rägt diese heute nur noch 450 Meter. Prof. Graevenitz
zalt weitere Veränderungen des Meeresbodens nicht für
ausgeschlossen Jedensalls werde die Ausfsührung einer
neren Karte des Küstenreliefs, sowie eine iystematische
Sondierung für die Neuanlage der Leuchttürme nötig
cin

Der Korrespondent „della Serra“ berichtet aus Mes—
sina: Trotz des strengen Kriegsrechtes hören die Plün—
derer noch immer nicht auf, ihr schändliches Handwerk zu
reiben. Während der vorletzten Nacht sind zwei Pün—
erer durch Flintenschüsse getötet worden, während sie im
Begrifsf waren, einen Goldwarenladen auszurauben. Ein
ainderer wurde niedergemacht, als er gerade im Begriff
tand, einer Leiche die Finger abzuschneiden, um sich der
Kinge zu bemächtigen. Mehr als 200 Plünderer sind
erhaftet worden und werden vor ein Kriegsgericht ge—
tellt. Unter den Verhafteten soll sich auch ein Unteroffi—
sier und zweir Soldaten befinden

Schickse? des LCebens.
Eine Erzählung aus der Prärie.
Die trockenste Ecke wies mehrere Wasserpfützen, aber
gian konnte nichts besseres bhieten; und so breitelen sie erst
Wachstuch aus, dann wollene Decken und schließlich wurde
das bewußtlose Mädchen weich und warm in das große
an gewickelt. Nachdem der unerwartete Gast soweit
ergt war, sahen sich die beiden Männer stumm' und
ragend an.
„Wir haben noch eine Hand voll trockenes Holz“, be—
zann Philipp; „wie wär's, wenn wir eine Schale Tee
rauten? Etwas muß unter allen Umständen geschehen.“
„Wollen wir nicht lieber erst das versuchen?“ fragte
Paul und holte eine kleine Branntweinflasche hervor.
„Hast meiner Treu, recht: daran habe ich wabrhaftig
nicht gedacht.“
Sorgfam gossen sie einige Tropfen in Berthas Mund
ind rieben ihr Gesicht und Hände damit, aber es dauerte
vohl eine halbe Stunde, ehe sie die Augen aufmachte; und
ruch dann war ihr Blid leer und verstaͤndnislos und als
»ald senkten sich wieder ihre Augenlider.
„Ganz und gar erschöpft,“ bemerkte Philipp.
„Schlimmer als das,“ meinte Paul und schüttelte sehr
raurig das Haupt; „Du kannst darauf wetten, daß ein
chweres Fieber im Anzug ist. Sieh, wie die Wangen zu
—
„Ja sehr, aber was sollen wir mit ihr anfangen?“
„Weiß ich es denn? Jedenfalls ist die Nachtruͤhe wie—
der dahin. Wir wollen nach dem Wetiter schauen!“
Die Wänner traten vor das Zelt. Inzwischen hatte
der Regen aufgehört, die Wollken klärten sich und einzelne
Sterne flimmerten schwach.
„Ich denke“, begann Paul nach langer Pause, „das
heädchen gehört zu der Ansiedelung am Fluß, die wir ja
ben besuchen wollen. Wie wär's wenn wir gleich die
Pferde anspannten, das Vädchen auf den Wagen legten
ind uns auf den Wea machten Der Sturm ist beinahe
zorbeie“

„Du könntest recht haben, und je eher sie unter ärzt—
shHoe Bohandlund kommt. um so hesier ist es für fsie

Die Rettungsarbeiten nehmen ihren Fortgang. Sol—
aten zogen eine junge Mutter mit zwei Kindern aus
»en Trümmern hervor. Alle drei waren am Leben und
jesund. Von dem bekannten Pathologen, Professor Zo—
one ist bisher noch keine Spur gefunden worden, doch
ranz man in seine Bibliothek, wo Rententitres in Höhe
son 280 000 Lire geborgen werden konnten In den
miuinen der Banca Italiana entstand ein Brand, der
aber bald gelöscht werden konnte.
Der Dampfer „Bayern“ des Norddeutschen Lloyd
fuhr von Civisavecchia mit dem amerikanischen Botschaf—
ter und der amerikanischen Hilfs-GErpedition nach Messina.
— — —

Gerichiogertung
s Verrat militärischer Geheimnisse. Vor dem ver—
einegien Zweiten und Dritten Strafsenat des Reichsge—
richts jand die Verhandiung gegen den Maurer und Gaͤs—
ubeiter Franz Joses Huber aus Mörsch (Kreis Ellin—
hen in Baden), der des Verrats militärischer Geheimnisse
beichuldigt ward, statt. Es sind 15 Zeuzgen und 4 Sach—
versiändige, darunter drei Aerzte erschienen, die über
den Geisteszustand Hubers sich äußern sollen. Huber wird
»eschuldigt, im Jahre 1906 in Eimeldingen und Basel
der sranzösischen Regierung einen Plan der Festung
Isiein und Mitteilungen über die Befestigungsanlagen des
Forts Fritzlar gegen Zahlung von 300 und 500 Franken
aus geliesert zu haben. Der Angetlagte erklärte, er habe
seit seiner Militärzeit östers Dämmerzustände, in denen
er nicht wisse, was er tue. Im weiteren Verlauf wurde
die Oeffentlichtlit ausgeschlossen. Nachdem der Reichsan—
walt Preiser ausgeführt hatte, es sei möglich, daß der
Angeklagte die Tat im Dämmerzustande begangen habe,
wurde er freigesprochen, weil der obsektive Tat—
bestand nicht nachweisbar sei.
SFUngetrener Beamter. Der Parteisekretär des libe—
calen Wahroereins, Kuhn, wurde von der Lübecker Straf⸗
ammer wegen Betruges, Untersehlagung und Diebstahl
zu einem Jahre Gefängmnis verurteilt.
s Prozeß Wernsdorf. In dem Weimarer Beleidig—
ungsprozeß gegen den Schriftsteller Dr. Wernsdorf, der
im Jahre 1907 in einer Broschüre der gesamten weima—
rüchen Justiz moralische Verlumpung vorwarf und ver—
schiedene andere Personen schwerer Verbrechen beschul—
digte, wurde das Urteil gefällt. Dr. Wernsdorf wurde
wegen Beleidigung und öfssentlicher Beleidigung in drei
Föllen zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis verurteilt, der
Mirangeklaate Seifert wegen Beihilfe zu 100 Mark Geld—
irefe. Ein weiterer Mitangeklagter wurde freigesprochen.
Die beiden Verurteilten haben die Kosten des Prozesses
zu tragen

Hunst und Wissenschaft
(1) Das Annunciaphon. Diesen Namen trägt eine
urzlich in den Vereinigten Staaten erfundene Abart des
Telephons, die der „Voss. Zig.“ aus New-York wie folgt
zeschildert wird: Tie Erfindung gibt mittels phonogra—
hischer Vorrichtung auf Anruse durch den Fernsprecher
n Abwesenheit des Adressaten automatische Antwort. Das
Annuneiaphon wiederholt sogar zweimal irgend eine Er—
lärung oder Botschaft, die die betrefsende Person hinter—
assen will und die der Anrufende an fseiner Sprechstelle
uun deutlich vernimmt. Aerzie und Advokaten haben be—
teits viele dieser Apparate bestellt, die gerade fsür sie
araklische Bedeutung haben. Unerwartet müssen die Ver—
reter dieser Beruse oft ihr Haus oder ihr Bureau ver—
ussen. Phonographisch zeichnet nun das Annunciaphon
ezin, daß sein Besitzer abberufen wurde, in welcher Zert
e»xc zurückkehrt, und wann er von neuem mittels Fern—
precher angerufen zu werden wünscht.
(1) Der Hunger als Seilmittel. Doktor Guelpa hielt
in der Pariser Akademie für medizinische Wissenschaften
inen Vortrag, in welchem er mit beredten Worten die
ꝛer ihm in zahlreichen Fällen mit bestem Erfolge ange—
vandte Hungerkur zur Heilung der verschiedenartigsten
krankheiten schilderte. Von der Theorie ausgehend, daß
e Reinigung des menschlichen Rrganisus von allen
Viften, der bedeneudste Fafstor Ainer neuen Wethode
st, gibt Doktor Guelpa seinen Patfienten bloß flüßsige
dahrung, die die Tätigkeit der Verdauungsorgane anregt,
ind dies solange, bis eine Besserung im Befinden des
Patienten zu verzeichnen ist. In schweren Fällen von
rungenerkrankungen und bei Diabetikern hat Doktor Guel—
»a mit seiner Hungerkur bisher ganz unerwartete Erfolge
nufzuweisen gehabt, sodaß man sich für diese neue Heil—
nethode in Pariser ärztlichen Kreisen ernstlich zu interes
ieren bedinnt

— —
Spiel und Sport
«h) Aus der Schachwelt. Ein kleiner aber höchst in—
eressanter und eigenartiger Wettkampf wird vom 13. vis
6. Januar zwischen den Schachmeistern J. Miesesberlin
 und Karl Schlecht er-Wien zum Austrag kom—
men. Die beiden werden mit einander drei Partien ohne
Ansicht des Brettes vielen. Der Match findet im Stutt—

„War eine schauerliche Nacht“, brummte Paul wieder;
‚eerst wurden wir vom Feuer vertrieben und konnten unsere
ieben Sachen nur mit Mühe retten, dann hatten wir uns
aum zur Ruhe gelegt und aufgehört die Brandmale zu
blasen, so schwemmte uns ein Platzregen beinahe davon;
and schließlich wirft uns das Schicksal ein fremdes Mäd—
hen zu und läßt uns das eigene Mißageschid aus Mitleid
nit ihr vergessen.“
„Ja, ja, die Ereignisse haben sich aden gig gejagt,
bis uns vor Verwunderung sal Hören und Sehen ver—
zing. Dort ist des Mädchens Pferd, gib ihm zu fressen,
vir binden es dann an den Wagen und nehmen es mit.“
Binnen einer Stunde war das Lager abgebrochen und
zer weißbedectte Wagen rollte lanasam über die Wrärie der
Ansiedelung zu.
Diese schon öfter erwähnte Ansiedelung lag an einem
Fluß, bestand aus etwa fünfzig Wohnstätten und erfreute
ich des volltönenden Namens ‚Neu-Baltimore“. Die Leute
der Umgegend aber nannten den Ort schlechthin die An—
iedelung“.
Am folgenden Morgen hatten die Bewohner von Neu—
Baltimore sich eben zu des Tages Wühen und Freu—
den erhoben, als der Wagen unserer biederen Zeltgenossen
or einem langen Brettergebäude hielt, über dessen Türe
das Wort „Hotel“ stand. Der Wirt trat in Hemdörmeln
ind gähnend unter die Türe.
„Ich vermute, es ist Bertha Dover“, sprach er, nach—
dem er die Kranke betrachtet hatte; „die Familie wird von
dem scheußlichsten Mißgeschick verfolgt.“
„Wohnen ihre Leute in der Nähe?“
„Sie hat keine Verwandten mehr. Doch wir wollen
hier nicht lange schwatzen, ich werde meiner Frau sagen,
daß sie ihr ein Bett richte. Ich denke, wir konnen sie be—
salten, bis einer der Nachharn kommt. auch wenn wir
richt dafür bezahlt werden.“
„Alter Schurke!“ zürnte Paul; „wie kannst Du an Be—
ahlung denken, bevor Du noch einen Finger für das
Veädchen gerührt hast! Wenn Du ein solcher Geizhals bist,
uchen wir wo anders Unterkunft; übrigens brauchst Du
nicht zu fürchten, daß wir Dir zumuten, sie umsonst zu
»ehalten. Sieh her!“
Der entrüstete Mann zog einen wohlgefüllten Beut—
ind hielt ihm dem Wirt vor die Nse

zarter Schachklub siatt, dessen rühriger Vorsitzender der
Anregung zu dieser originellen, in ihrer Art noch nich
dagewesenen Schachveranstaltung gegeben hat. So all
nämlich die Kunst, ohne Ansicht des Brettes zu spielen,
ist, und so häufig auch „Blindvorstellungen“ von vervor—
ragenden Meisiern stattgefunden haben, so haben doch bis—
her noch niemals ersiklassige Meister eine Reihe ernster
Blindpartien mit einander gespielt. Die Stutigarter Ver—
anstaltung bildet also ein Novum in den Annalen des
Schachspiels.
(y) Aviatische Preise 1909. Die aviatische Saison
14309 kist, wie de verslossene, mit sehr hohen Preisen do—
tiert. Zunächst stehen bei dem Aeroplan-Meeting von Mo—
naco 100 000 Frauks in Aussicht. Weitere Meetings mit
gleich hohen Preusen sind in Cannes und Nizza geplant.
Ferner sind ausgeschrieben: verschiedene Preise des fran—
ürnjchen Aero-Klubs und der Lique Nationale, der Mi—
beln-Preis von 20 000 Franks, der Grand Prix Miche—
in von 100 000 Franks, der Gordon⸗Vennett⸗-Preis von
25 600 Franks, der Preis von Deutsch de la Meurthe von
25 000 Franks für eine Ueberquerung des Aermelkanals,
ein weiterer Preis von demselben Stifter in Höhe von
69 000 Frauks für einen 200-Rilometer Flug rund um
Buris, der 100 000-Lire-Preis des Meetings von Bres—
ia und der Preis Reinart von 12 500 Franks, der eben—
cils für eine Ueberquerung des Kanals ausgesetzt wurde.
rkolgreiche Aptatiker können sich also ein Vermögen „zu—
menfliegen“

— — — ——
Verkehrsnachrichten
(::) Fahrfarten über Rieseustrecken. Mit der Ein—
jührung des neuen Personen- und Gepäcktarifes werden
utzut Fahrkarten Uber ungeheure Strecken zur Ausgabe
gisangen. Die größte Strecke, für die man eine einheit—
liche Fahrkarte lösen kann, beträgt dem Welt-Courier zu—
folge 7757 Kilometer und führt von Berlin nach Ir—
lutsk über Petersburg und Moskau. Die Reise von Ber—
lin nach Irkutsk dauert ungefähr 16 Tage, d. h. ohne
die bekannten russischen Verspätunzen, die gerade auf der
ibirischen Eisenbahn oftt viele Tage betragen. Dieselbe
Strecke über Jekaterinoslaw beträgt nur 7376 Kilometer
ind über Warschau 7500 Kilometer. Im allgemeinen
zeichnen sich gerade die russischen Strecken durch ihre un—
Ueheure Länge aus, so daß man sogar mit dem Lurus—
zug,der doch gewiß über eine beträchtliche Schnelligkeit
csügt, neun Tage braucht, um von Berlin nach Ir—
uiss zu fahren. Von anderen Riesenstrecken, für die man
in einziges Billet nehmen kann, sind u. a folgende zu
unnen: Berlin —Om sk über Petersburg —Moskau 5300
Ritometer, oder über Alexandrowo —Warschau—Moskau
1957 Kilometer, oder über Petersburg —Jekaterinenburg
4919 Kilometer, Berlin -Tomsk über Petersburg —Je—
cerinenburg 5880 Kilometer. oder über Alerandrowo—
Berschau—Mossskau 5898 Kilometer, oder über Peters—
burg —Moskau 6249 Kilometer.

Landwirtschaftliches
(x) Buchführung und Steuererklärung. Beim Her—
annahen des neuen Steuerjadrres wendet sich die Buch—
teile der Landwirtschastskammer an die rheinischen Land—
wirte und sitellt ihnen ihre Mitwirkung bei der Aussteil—
inng des Jahresabschlusses und der Steuererklärung zur
Lerfüguug. Die sichere Fesistellung des steuerpflichtigen
Einlommens aus dem landwirischastlichen Betriebe ist eine
wichtige Aufgabe der Buchführung. Nur derjenige Land—
mirt, der eine ordaungsmäßige Buchführung besitzt, ist in
der Lage, von den Rechtsmitteln gegen eine unzutreffende
Veranlagung einen wirlsamen Gebrauch zu machen. Er
zat einen weiteren Vorteil durch die Bestimmung des
Steuergesetzes, das als Grundlage der Veranlagung das
urchschnittliche Ergebnis der drei letztvergangenen Wirt—
chastsjahre bei den landwirtschaftlichen Betrieben dienen
oll, in denen geordnete, den Reinertrag ziffermäßig nach—
veisende Bücher geführt werden. Diese Bestimmung macht
möglich, den beim Abschluß eines Betriebsjahres in—
folge von ungünstigen Konjunkturen, Ungunst der Wit—
erung und dergl. mehr festgestellten Verlust gegen die
Landwirte, die auf Grund der geführten Bücher eine Be—
echnung des Reinertrages ihrer Wirtschaft und des
teuerpflichtigen Einkommens wünschen, wollen sich mög—
uichst bald an die Buchstelle der Landwirtschaftskammer in
Uynnu wenden.

—————— — — 3
Vermischtes
Das der alte Berliner Witz noch nicht ausgestor—
zen ist, davon zeugt folgender kleiner Vorfall aus den
etzten Weihnachtstagen, den die „Voss. Btg.“ erzählt:;
dält da ein Straßenverkäuser einen Zauberapparat feil
ind preist ihn mit viel schönen Reden, der ihn umdrön
genden Menge an. Unter den Schaulustigen steht gar
»orn ein kleines Madel, dem der Verkäufer seinen Par—
platz nicht mehr zu gönnen scheint. „Jeh' nach Hause!“
pricht er väterlich: „Mutter will dir hauen und du bifst
vi4 bda!“

Eagt' ich nicht, ich wolle gehen und für die Miß
ein Bett richten lassen?“ brummte der Wirt und eilte sehr
ichtlich erleichtert ins Haus.
Der Wirtin wollte im Ansfange die ganze Geschicht⸗
verdächtig erscheinen; als ihr aber Philipp eine Banknote
in die Hand drückte, änderte sich ihre Meinung und sie
nachte sich eifrig daran, für des armen tranken Wadchens
Unterkunft zu sorgen. Der Arzt wurde geholt und alles
zetan, was Hilfe und Erleichterung bringen konnte.
Die deiden Manner vlieben bie nach der Mahlzeit und
setzten dann, als sie wußten, daß nichts versäumt worden
war, um ihrem Schützlin Sorgfali und Aue Behandlung
zu sichern, mit dem gelegentlich wieder sich
9 d Mädchens Befinden erkundigen zu wollen. ihre
Reise fort

Mister Chapman und Nee Nachbarn hatten einen gan⸗
en Tag lang in einem Umkreise von vielen Meilen die
e durchssreift, ohne eine Spur von Bertha zu finden.
a kam ein Bote von Neu⸗Baltimore, daß dort Bertha
ieberkrank läge. Mistreß Chapman rüstete sich sofort zuͤr
seise dahin. Es war ihr nicht sehr auffallend, daßH arry,
der wieder außer dem Bette sein konnte, sie begleiten
vollte. Sein bleiches, verstörtes Aussehen und der Arm
n der Schlinge erregten ihr Mitleid und sie war geneig—
er denn je. einen gewissen unbestimmien Verdacht gegen
ihn sallen zu lassen.
Der * wurde meist schweigend zurüdgelegt und
erst, als sie der Ansiedelung ganz nahe waren, erkundigte
ich Mistreß Chapman,. wie lange Harry dort zu bleiben
zedenke.
„So lange Bertha bleibt. Wird sie wieder gesund, se
iehme ich ein Zimmer im Hotel und warte, bis sie zw
Reise fähig ist; stirbt sie, so verlasse ich das Lander
luche dem Tag, an dem ich es betrat.“ ——
Aber die Veute find boͤse,“ oͤemertte die Tante; ð
An ene kann Klatschereien hervorrufen.“
„Was liegt daran? Bertha soll mein Weib wern
be sie Neu-Valtimore verläßt.“

—X
            
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