Full text : Dudweiler Zeitung

SDer Simacenfuhrer Bobrinsly erklarie in der rufssi—
chen Dume. den österreichisch serbischen Krieg gemäß
delegramnce nr bereits Aausgebrochen. () Viele
Schüler une ibst Schülerinnen seien im Beariif, als
Freiwillige Serbien zu ziehen.
Wie das „B. T.“ aus Petersburg erfährt, hat J 8-volskti
 durch den russischen Gesandien in Belgrad die
erbische Regierung ermahnen lalssen, alles, was als
derausforderung gedeutet werden und zum Kriege führen
önnte, sorgfältig zu vermeiden. In diplomatischen Krei⸗
en glaubt man gleichwohl sast allgemein an eine ent—
chlebene und sehr alkute KAriegsgesahr und es scheint nicht,
daß Herr von Aehrenthal im Inieresse des Friedens zu
dem besten und tauglichsten Jütlel greifen wird: zu der
Aufforderung an die Großmüchte, unverzüglich die Be—
ratung des Konserenz-Progranims zu beginnen.
Wie die Belgrader Blätter berichten, werde in der
nächsten Woche der ganze Hof und die Skuptschina nach
draguiewatz übersiedeln. Auch die Krieaslasse wird dort⸗
zin gebracht werden.
Kriegsminister Zivkowitsch hat den Generalstab der
5. serbischen Dipision telegraphisch zun Rriegsrat
nach Belgrad berusen. Die Beratung wurde auf Dienstag
jestgesetzt und dabei der endgültige Kriegsplan festgestellt.
Minister Milanowitsch erklärte in der Stuptschina, die
Lage Serbiens gebe zu Besorgnissen keinesweas Anlaß—
der russische Gefandte habe ihm titart, daß Rußland mit
der Nole Serbiens einnerstanden sei. Nußland werde Ser—
ien vor weiteren Temitnigungen Oesserreich⸗Angarns
chützen.
England und Frankreich verständigten die
russische Regiernug, daß wegen der serbischen Frage ein
Zdrieg mir Oesterreich nicht eut brennen dürfe.
Aus Nissch wird geneldet, daß dort der Kanzleibe—
inite des österreichischen Konsulats, Waniek, im Kaffeehanse
on Sifizieren und Zivitisten geprügelt worden ist. Er
'atte sich angeblich üher Serbicn und die Serben abfätlig
Jeäußert. Gerüchtweise verlautet, Serbien werde die NAb—
herufung Wanieks verlangen.
Eine Meldung aus Wien teilt mit, daß zwischen
Deutschland' und Oesterreich- Ungarn ein
ZonderAbkommen bevorstehe über die Haltung
deutschlands im Falle eines Krieges mit Serbien und
Rußlaird. Deutschland würde in diesem Falle, so heißt
8, sich zur wohlwollenden Reutralitätt verpflichten.
Beide Sltaaten beabsichtigen, durch ihre Botschafter in Pa—
As cinen Anschluß Fraukreichs an diese Konvention zu
rlangen, in dem Sinne, daß Frankreich gleichfalls Neu—
raluñt in einem Kriegsfalle beobachten würde. Man mißt
edoch in maßgebenden politischen Kreisen dieser Meldung
nur geringen Wert bvei.
An maßgebender Wiener Stelle wurde solgende In—
sormation üöber die Lage zwischen Oesterreich und Ser—
hien erteilt: Es wird auch iert nicht mobilisiert, es wird
nicht marschiert. Man wird auf keine Provokation ant—
worten, man wird kein Ultimatum siellen, sondern getren
der bisherigen Politik vorsichlig, aber ausdauernd gedul—⸗
dig, daran weiter arbeiten. den Lnoten ohne Schmoört—
istreich zu lösen.
Tie Pforte frug bei der serbischen Regierung an,
welchen Zweck die außergewöhnlichen serbiichen Rüstun—
ven härten

— — — —
Deutscher Reichstag.
Berlin, 16. März.
225. Sitzung.) Nachmittags 2 Uhr.
Nuf der Tagesordnung sieht die dritte Lesung des
Weingeseheutwwunries.
Eine Generaldebatte entsteht nicht. Zu 3 vertritt Muül—
er⸗Iscerlohn Ers. Vp.) einen von ihm wieder eingebrach⸗
en Autrag, die zeitliche Greuze zur Vornahme der Zuk—
crung bis 31. Januar ab 31. Dezember aus zudehnen.
Dder Antrag wird abgelchut und s 3 in der Fassung
der zweiten Lesung angeuonimmen. Eine weitere Debatte
utsteht bei 8 6a betr. Benennung der Weine nach einem
Zerschnitt aus Erzeugnissen verschiedener Herkunst. Hierzu
iegt ein Antrag RörenErzberger vor, wonach ein
olcher Verschniit nach einem der Anteile benannt werden
darf, wenn dieser Anteil in der Gesamtmenge überwiegt
Diese Worte sehlen in der Fassung zweiter Lesung.)
die Angabe einer Weinbergslage könne nur dann zulässig
din, wenn der aus der betrefsenden Lage stammende An—
eil nicht gezuckert ist. Mit 8 6a wird zugleich * 6b zur
ßeralung gestellt, der von dem Verschnitt mit auslandi⸗
chen Weinen handelt, und dessen Saß1 (Verbos der Be—
ennung verschiedener Weißweine als deutsche Weine) bei
zer zweiten Lesung von der Regierung als unonnobhar
»rklärt worden war.
Abg. Heyl zu Herrunsheim (ntl.) bittet um
Ablehnung des Antrages Rören-Erzberger.
Abg. Erzoberger erklärt, daß mit einer Mehrheit im
Zaufe anch feine Freunde bereit seien, die von der Re⸗
sierung unaunnehmbar erklärte Vorschrift im Satz1 des 8
—e, r eirr Scheiterit des Geseßes X

— Abg. Rösiche (cons) schleeft sich dieser Erklarung
ain, ninn dem Scnierken, daß Satß? des 8 66 (Verbot
der Beuennung von Verschnitlen deutscher Weißweine mit
usländischen Äoreinen a!ls Rotwein), allerdings auf—
recht erhalten bletben müsse.
Abg. Tr. David (Soz.) bekaͤmpyst den Antrag Rö—
ren-Erzberger.
Abg. Vogt-Hall (W. Vyerk ärt sich für den er—
ssen Satz des 5 66
Abd. Dove (F. VBgg.) erklaͤrt, daß seine Freunde
gegen Satz 1 im s 66 sümmen würden. Was den Satz
Sdes 8 66 anlange, so werde ein Teil seiner Freunde
ihn ablehnen, ein anderer Teil ihm annehmen.
Abg. Staufsen (W. B.): Ich habe zu erklären,
daß der Abg. Vogt-Hall in unserer Fraltion in bezug
quf seine Stellung zum Satz 1 des 8 66 allein stehe.
Hiecrauf wird erst bei s 6b der Satz 1 gestrichen, und
sodann z 6a in der Fassung Rören-«Erzberaer anagenom—
nen.
Ohne Debaite wird der Rest des Gesetzes und sodann
das ganze Weingesetz in der Gesamtabstimmung
a naen om men. ι
*228 2
Die Schiffahrtsabgaben.
Der Entwurf über die Schiffarrisabgaben, dessen
Worttaut wir mitgeteilt haben, bestätigt arle Befürchmn—
gen, die von vornherein an diesen Plan geknüpft wer—
Zen mußten. Er gehört in die lange Reihe der Ver—
—V— aufzubürden. In jedem
Falte ist die Vorlage ein Hohn auf das Wort des RKai—
crs, daß unsere Zeit im Zeichen des Verkehrs steht. Man
onnte gilenfalls zugeben, daß es „natürliche Wasserstra
gen“ im eigenilichen Sinnee des Wortes heute im Deut—
chen Reiche kaum noch gibt, denn auch die natürlichen
Strome haͤben durch Korrektionen und Anlagen aller Art
eine zum Teil sehr erhebliche Verbesserung erfahren. Aber
daraus folgt in keiner Weise, daß nun die Schiffahrt di⸗
rekt durch Abgaben sür diese Verbesserungen auftkommen
nuß. Edo gut der Standpunkt glücklich überwunden ist,
zaß für die Erleichterung des Verkehrs auf den Landjtra⸗
zen Abgaben erhoven werden, so gut ist auch die freie
Stromschissahrt eine Erxrungenschast der Gegenwart. Es
st reakliienär im übelsten Sinne des Wories, eine Ver—
ehrserleichterung wieder ruͤckgangig zu machen, die min—
»estens so alt wie das neue Teuische Reich ist. Auch darf
naͤn sich durch die sehr geschicit ausgearbeiteten Vorschläge
ber den einheitllichen Tarif, die Errichöema von Zweck—
erbänden und die Mitwiriung der Schiffahrtsbeteitiglen
en dlesen Zweckverbüuden nicht täuschen lassen. Denn zu—
letzt ist es doch die preußische Regierung, die über das
aß der Abgaben caischeidet; sie wird zweiferlos ihre
Dispositvnen nach zwei Nichungen tressen: ceinmal indem
sie die Staatsbahucn von der Konkurrenz der Strom—
schiffahrt zu befreien suücht, und dann indem sie die Ein—
uhr von Getrceide und ohle auf dem Wege der Binnen—
chi fahrt nach Möglichkeit zu verkindern sucht. Fislali—
che und agrarische Interessen werden bei der Bemessung
der Schissjahrtsabzgaben das große Wort führen. Daß es
ich bei der ganzen Vorlage nur um die Ausführung des
zreußischen Kanalgesetzes vom 1. April 19095 handelt, geht
ereits daraus hervor, daß doem jetzigen Gesetz rückwir—
ende Kraft fur alle Stromverbesserungen gegeben wer—
zen soll, die am 1. April 1905 noch nicht vollendet ge—
vesen sind. Tie Stromkassen werden also gleich bei ih—
er Begründung mit sehr erheblichen Lasten bepacktt wer—
den, zu deren Abtragung die Abgaben sehr hoch bemesser
verden müssen. Der preußischen Regierung mözen solch.
Zaschüsse in den Kram passen; sür den Vinnenschiffahrts—
berkehr aber bedeuten sie vielsach den Ruin. Aus aller
diesen Gründen erscheint, so schreicht das „Berl. Tagebl.“
bdie jetzige Vorlage unannehmbar. Sie widersprich
nich dem Artikel 54 der Reichsverfassung; deshalb muß
ie, wie auch in der Begründung zugegeben wird, als ab—
gelehnt gellen, wenn sie im Bundesrat 14 Stimmen ge—
Jen sich hat. Trotz aller Lockungen und Drohungen der
zreußischen Regierung erscheint es fraglich ob die Vor—
lage nicht schon im Bundesrat scheitert. Sollte es nich
der Fall sein, so muß der Reichstag alles daransetzen,
im die Schiffahrtsabgaben zu Fatl zu bringen. Auch die
zeteiligten Kreise sollen sich jetzt, wo die ihnen drohende
gefahr offensichtlich geworden ist, tatkräftig rühren, um sich
gegen eine neue Belastung des Verlebrs zu wehren, sĩn
Agencs noch Zeit ist

Neue Gärung unter Vostbeauiten.
Paris, 16. März. Nach der Versammlung der Post—
ind Telegraphenbeamten im Tivoli-Saal, welche von 4000
bersonen besucht war, und den allgemeinen Ausstand pro—
lamierte, fand ein Ministerrat statt, in welchem
nan sich darüber einig wurde, daß das geeignetste Mittel
em drohenden Ausstande vorzubeugen, das sei, mit alle;
ztrenge vorzugehen. Staatsselretär Symian erklärte, daß
reauf keinen Fall nachgeben werde. Heute wird, man sich
m Ministerrat abermals mit dem Aussiande beschäftigen
ind verfiügen daß bis ↄ eiteres freino Norsammsungen

Dienst eingestellt. Die schuldigen Telegraphenbeamten wer
zen sämtlich ihres Amtes enthoben, ohne daj
ie, wie es bisher Brauch war, vor einen Disziplinarra—
gestellt werden. Im Zentral⸗-Telegraphenauit blieben 2000
nach Deutschland bestimmte Telegramme unbefördert.
Paris, 16. März. Die 8 Postbeamten, welche we
gen Beleidigung des Minisiers und hoher Beam
en vor dem Schwurgericht standen, wurden zu je 6 Ta
gen Gefsöngnis verurteilt. Als im Zentral-Postamt ge
gen 4 Uhr Nachmittags, wo der Dienst bis dahin leidlich
dersesen worden war, das Urteil bekannt wurde, ste!lter
fämtliche Beamten den Dienst ein. Sie stimm
sen die Internationale an. Die Polizei drang in der
Saal und siellte die Ruhe wieder her. Auch vor und ir
dent Zentral-Postamt wurden kleine Irnppen-Abteilunger
postiert, um Ausschreitungen und Beschädi umgen der Te
egrapfen-An'agen zu verhindern.
Varis, 16. März. Die Post- und Telegraphen-Be
amten in St. Stienne hielien verschiedene Rriwatversamm
suüngen aͤb, worin sie beschlossen, ihre Variser Kollegen
mit allen Mitteln zu unterstützen. Es heißt andererseits
j Toulon sei bereils der Ausstand proilamiert worden.
Warirs, 16. März. Im Lause der Versammlung
der Vostbeamten, welche diese Nacht stactsand, und worin
der General-cusstand proklamiert wärde, wurde
der Binisierprassßgent Clemenceau und der Staatssekretä
Symian in vorschiedenen Reden scharf angegrifjen.
Berhin, 17. März. Ueber die Einwirtung des Pa
riser Telegraphinenstreiles auf die Verbindung Berlin—
Raris schrenbt man von kompetenter Stelle: Seit Ausbruch
ves Pariser Telegraphistenstreiks versucht das Berliuen
Haupuelearaphenaut fortwährend Verbinvung mit Paris
zu beksmmen, und zwar stündlich auf sünrtlichen direkten
Und indirctien Wegen, aber nientand answortet. Der tele
araphische Verlehr mit Paris ist so gut wie aufgehoben
dagcaen üt der fesenhonische Verlehr noch arncecht erhalten
Wermischtes.
Die Sicherheit in Italien. Ein Kanimann aus
Eshen hat in San Remo ein unglaubliches Erlebnis ge—
habt, das er wie folgt schildert: Er wurde am 16. Fe⸗
brnar ouf der Rückreise von Mentone im Eisenbahnwagen
berhaftet und ins Kriminalbureau geführt, obgleich er sich
tegitimieren kounte und Mitreisende für seine Schuldlosig—
sest eintraten. Sein Verlangen, den deuischen Konsul
zu sprechen, wurde ihm verweigert. Er wurde genau un—
ersucht alle seine Sachen, auch sein Geid, mit Beschlag
belegt und er dann ins Gesaͤngnis geführt, wo er zu
anderen Gefangenen hinter schwere Eisengitter gesetzt
urde. Das Rachtlager bestand aus einem Holzgeltelnl mit
Hobelspänesack und drei baumwollenen Decken. Erst am
aͤndern Morgen wurde ihm gestattet, an den Konsul zu
schreiben. Am Nachmittag erschien der Kommissar, um die
Perfonalien des Verhafteten aufzunehmen. Selbstbeköstig—
ung wurde ihm nicht gestattei, so daß er mit der schlech—
ten Gefangenenkost vorlieb nehmen mußte. Erst am drit—
ten Tage erschien der Vertreter des deutschen Konsuls,
der nach Anhörung des Tatbestandes versprach, sofort alle
erforderlichen Schritte zu tun und vor allem dafür 31
sorgen, daß das Geid jsreigegeben weroe, danut der Ver
haftete meuschenwürdige Behausung und tost erhatte. Tar
duf bekam der Verhastete eine bessere Zelle, sowie die
Trlaubnis, sich aus einem Restaurant zu beköstigen und
sich Bücher holen zu lassen; auch ersuhr er endlich, daß en
berdächtig sei, ein Por ejenitle entwendet zu haben. So
Zann wäürde er zum Prokurator gerusen, der den Sach
verhalt zu Protokorl nahm und sich zu überzengen schien
daß ein Mann, der genugsam Geld bei sich hat, nicht zu
tehlen braucht. Am 20. Februar erfuhr der Verhafrete
daß seine Freilassung, da er Ausländer sei, erst vom Ju—
zministerium in Rom genehmigt werden müsse; es se
iach Rom telegraphiert worden. Erst am 22. Febrnar tra
diese Genehmigung ein, und so wurde der Verhastete erf.
nach sechs Tagen, ohne ein Wort der Entschuldigung in
Fresheit gesetzt. Erst draußen erfuhr er, daß sein Vater,
Jer aus Rentone herdeigeeilt war, und einige italienijche
Advokaten, sich große Mühe um seine Freilassung gegeben
hatten, sonst hätte er wochentang im Gefängnis zubrin
gen koͤnnen. Er hat sosort Veschwerde eingelegt, wegen
der Verhaftung, der Bchandlung während der ersten Tage
und der Langfam'eit des Versahrens; er beansprucht auch
Entschüdigung, aber er wird sie wohl nicht zu sehen be
kommen.“ Erwähnenswert ist noch, daß ein mitreisende,
Desterreicher, der sich ais Zeuge und Dolmetscher anoor
ebenfalls verhaftet wurde, aber schon nach 24 Stunden
auf die Intervention des zterreichischen Konsuls. wiede
freigelassen nirde

— — FM—— —
SEpiel und Sport.
(y) Der geheimnisvolle Aeroplan. Sehr geheimnis
votl klingen die Nachrichten über den Aeroplan, an
sen Konstrultion zwei englische See⸗Ofsiziere bauen
len. Das Gesiell der Maschine i auns b
ren —

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