Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer o 4. o9, 259, 208 uks 1281. Samstags, den 15 März 1909. x5 ue 3 25. Jahrgans.

Mit Veilagen: „RBelsetristische Wochenstͤrift““‘ und
„CLustige Blätter“.

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RAllgemeiner Knzeiger für den Rürgermeidere
Dudweiler.

Abonnementspreis
monatlich 70 Pfs. frei ins Haus gebracht; bei der
bestellt Ni. 2,23 viertelzahrlich.
Die „Dudweiler Zeitung“ erscheint täglich mit Rusnabme der Se
und Feiertage
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kosten 10 Pfg. die spaltige Zeile; bei mehrmaligen Inserationen
entsprechender Rabatt.
Redaktion, Druck un? erlag von J. Untertkeller
in Dudweiler.
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Wort „thants“ durch „gratitude“ ersetzt wurde. Die Be—
deutung ist ja dieselbe, aber nicht der Efsfekt. Frl. Wells
aber ist auf die ichwarze Liste der Stimmdamen aesesz;
worden!
Ein aktnelles Thema. Der starke Schneesall der
letzten Tage hat, so wird der „Tügl. RNdosch.“ erzaͤhlt, in
einer größeren Stidt Westfalens viel Kopfzerbrechen ver—
ursacht und zwar nicht den Vätern der Stadt, sondern
den Scholerinnen der ersten Klasse der evangelischen höhe—
ren Töchterschule. Sie erhielten nämlich sfür einen deut
schen Aufsatz das Thema: Der Schnee ein Bild der Liebe!
Zu seiner Bewält gung sollen, wie verlautet, zahlreiche
mütterliche und sogar väterliche Hilsskraäfte herangezoger
worden sein. Hossentlich halten die jungen Mädchen, die
zie Aufgabe glücklich gelöst haben, nicht ihr ganzes Leben
yindurch an diesem schönen Bilde fest, sondern singen spä—
er lieber mit Brahms: „Meine Liebe ist grün wie der
Fliederbusch, meine Liebe ist ichyn wie die Sonne“.
Die Opiumfrage. Der Gouverneur von Hongkong
überreichte der gesetzgebenden Körperschaft ein ausführli—
hes Memorandum in der Opinumfrage, in dem er auf die
entschlossenen Versuche Hongkongs hinweist, den uneriaub—
ten Opiumhandel trrotz inanzieller Verluste der Kolonie«
zu beseitigen, und die Unfähigleit Chinas hervorhebt, sei
nen unzweifelhaft aufrichtigen Wunsch, an der Unterdrück
uinz des Opiumhandels mitzuarbeiten, in die wirksame
Tat umzusetzen, da der Schmuggel in den chinesischen Hä—
ien unverändert sortbestehe. Die erfolgreiche Unterdrück
ing des unerlanbten Opiumhandels sei unmöglich, wei
der Preis des Opiums in China die Hälfte deszenigen in
dong?ong betrüge. Ter Gouverneur ist der Ansicht, daf
die Abschassung der Spiumdiwane in Hongkong wahr
chein ich eher dazu veitragen werde, den Opiumgenuß aus
zubhrciten als einzudämmen. Ferner kündigt der Gouver
neur an, die englische Regierung werde in Berüchsichtig
ung des Verlustes, weichen die Durchführung der engli
schen Opiumpolilik auf die Einkünste Hongeööngs habe
von dem Parlament einen wesentlichen Beitraga verkan
gen. um diese Einbuße zu ersetzen.
„Jar“ Ferdinand. In den amtlichen Kundgebun
gen hat Ferdinand von Bulfarien den Tisel erdalter
„Serme Zarische Majestät, der bulgarische König“. Da⸗e
erregt in weiten Kreisen Mißbehagen. So schreibt z. B
Fürst Meschtschersei in seinem „Grasedanin“: Von Aliters
her wurde in Rußland und in der ganzen Welt nur den
russische Monarch Zar genannt. Warum sollen wir den
bulgarischen König „Zarische Masestät“ nennen? Nenn
nan vielleicht den König von VBayern, Sachsen oder
Württemberg Zarische Maiestät? Auch die wanrrhaftrus
ischen Leute in der „Rußkoje Snanija“ rebellieren, und
zwar aus einem ganz originellen Grunde: Ferdinand von
Bulgarien sei ein toustitutroneller Fürst, von der Vou—
vertretung abhäugig. Wenn nun ein soscher Türi—
Jgenannt 8 .2

Gerichtszeitung.
8SH. Ein reinlicher Mensch. Der Bauer Scherle
ius aldstetten hatte im Jahre 18905 zusammen mit sei—
nrem Sruder von der verstorbenen Mutter ein Haus ge—
erbt, auf dem für jeden der Brüder eine Wasserabgabe
yon 7 Mar, lasteter Scherle weigerte sich nun, de Ab—
zabe zu zahlen und als ans der Weigerung ein Zivril—
»rozeß entsiand, beschwor er in diesem, daß er die Was—
serleitung nie benutzt habe. Die Staatsanwaltschaft lei—
tete darauf gegen Scherle ein Verfahren wegen Meineids
ein. In der Verhandlung vor dem Schwurgericht in Rott—
veil blieb der Angeklagte bei der Behauptung, daß er
zon dem Wasser uihits gebraucht habe. Zum Waschen
zrauche er die afferleiting überhaupt nicht, denn er
vasche sich nur Sonntags und ho'se sich dann das Wasser
uus einem Bruimen. Die Leibwäsche werfe er weg, wenn
ie zu schmußin geworden sei. SDie Bettwäsche aber sei
eit dem Tode der Mutter noch nicht gewechselt worden.
der Angeklagte fand mit diesen sonderbaren Anschaumun—
gen von Reinlushkeit bei den Geschworenen keinen Glau—
hen, die ihn des wissentlichen R'eineides schusdig spra—
hen. Das Gericht verurteilte den Ungellagten darauf 31
inem Jahr zwei Monaten Zuchthaus.
Und das alles wegen einer iährlichen Abaabe von sieben
Marf

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Hanus, Hof und Garten.
Die gewöhnliche Fälschung von Senf geschieht
nit Mehl von Kartoffeln, Getreide oder Huͤlsenfrüchten,
die erkanut werden, wenn ein wenig Senf in einem mit
Wasser gefüllten Löfsel gekocht wird und nach dem Wie—
erertalten durch einige Tropfen hinzugefügter Jodtinktur
ine blaue Farbe erscheint; bleibt die Masse gelb, so ip
er Senf von Mehlzusatz frei. Auch Pseffer, besonders
ayennepseffer, setzt man denr Sent zu um ihm Schürfe
in geben. Diese Fälichung verrät sich bald dadurch, daß
in Brennen auf Zunge und Linve nach dem Genuffe zu—
ückbleibt.
Bratheriuge zu machen. Hierzu nimmt man sehr
chöne gesalzene Heringe und legt dieselben drei Tage,
cyor man Gebrauch davon machen will, in Wasser. Das
Vasser wird täglich zweimal abgeschütlet und erneuert.
die nun so entsalzenen Heringe werden jetzt in VButler
»der auch Oel gebacken, wodurch man eine delikate und
zillige Fischiveise erbeft

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Landwwirtschaftliches.
() Anbinden der Obstbäume. Man nimmt reines,
echt feinhalmiges Roggenstroh, welches man vor dem
ebrauch etwas anfeuchlet, nimmt eine kleine Fandvoil
Ziroh, legt eine schlanke Weide (peiche man vortzer ge—
zreht und angespitzt hat) in die Mine, und dreht das
auze zu einem Seile. Nun legt man es um den Baum
ind Pfahl und schlingt es um den Pfahl: dann dreht
nan beide Ende an der Rücseite des Riabls zusantmen
ind knotet es mit dem dicken Ende der Werde diurch das
naenannte Dreheband fest.

»SH. Ein vielversprechendes Genie. Ein Mann,
er es noch zu etwas bringen kann, ist der jetzt 24 Jahre
ilte „Bantier“ Jalob Dietrich, der sich vor der Straf—
ammer in Altona wegen Betruges und Vetrugsver—
uchs zu verantworten hatte. Der Angeklagte ist von VBe—
ufs Maurer, hat aber einen gewissen Trieb, seine Kennt—
tisse zu erweitern und hat als Autodidalt mehrere fremde
kzprachen gelernt. Damit noch nicht genug, ist er unter
»ie Philosophen gegangen und hat sich eifrig mit Spinoza
ind Nießzsche beschäftigt. Als Frucht dieser Studien ent—
tand im Unterfuchungsgefaungnis ein Drama, das dem—
zächst zur Aufführung kommen soll. Mit 21 Jahren war
diertrich bereits Besitzer einer Kunstsandsteinfabrik, die aber
iemlich schnell Pleite machte. Dann ging er nach Han—
nover und „gründete“ hier die „Internationalen Monzan—
verle“, für die er kapital raftige Teilhaber juchte. Bls sich
ein Dummer fand, der auf den Schwindel hineinsiel, ver—
egte er das Feid seiner Tätigkest nach Hanmiburg, wo er
inen neuen Trick versuchte. Er mietee ein Konlor, stat—
ete es schön mit Möbeln aus und ließ als Firma daraun
chreiben „Bank fuͤr Pontanwerte“. Tiese Bank jottte Bu—
ceaus in Hannover, London und Paris besitzen, erifierte
ber in Wirklichleit nur in der Phantasie des Angetlog—
en. Für diese Bank suchte er nun Angestellte, DTiretio—
en, Aufsichtsräte ꝛc. ꝛc., die natürlch hohe Nautienen siel—
en soilten. Die meisten Bewerber waren schlau cenns
sicht auf den Leim zu gehen, zwei hat der Angeloegche
iber doch um insgesamt 3000 Mark geschädigt. Ter An—
zekiagte behauptet emphatisch, daß er nemanden gescha—
igt habe. Er besite ein größeres Vermégen, doch könne
er aus gewissen Girüuden —

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Vermisechtes.
Der gefährliche „Dank der Ration“. Aus New—
hort wird der „Frtif. Zig.“ folgendes Geschichten erzäht:
?—s geschieht sehr sellen, daß der Kongreß jemandenmt den
Lant der Natiog ausspricht, aber wenn es geschieyt, hat
er so Ausgezedinete auch etwas eales dabon: er kann
tüntlich in beiden Häusern das Lort ergreifen, wenn—
ileich er auch nicht an Abstirnmungen teitnehmen darf.
Asher hat sich nie eine Gelegenheil gebeten, cine Frau
zinder erwähntien Weise zu ebren. Vor kürzerer Zeit
zurde nun eine gemeinsame Resenition vorgelegt, laut
er nantens der Beuslkerung dee Vereinigten Staaten
er Kongreß der Frau Margaret Oliria Sage und Frl.
nnag Vartlett Warner seinen Tank und seine Anerkenn—
ing dasür ausdruckt, daß sie der Militäratadenie in MWesta⸗
Leint die im Hudfon-Fluß velegcne Zsel Confutntion—
Sland gefchentt dauene“ Var Repraiennteangus naym
ie Mesoiation unbesehen an. Bhbe neinlich damt nie—
usnndemn ein Gedante darcian, welches *cwitegtum durct
zie Besolut on den beiden Tamen, die ührigene —
jaeo neeieennern »2
            
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