Cokales und Vermischtes.
Dudweiler, 9. Januar.
Der Vorstand der Kyffhäuserbundes der deutschen
Landeskriegervechände hat, wie dem „Inf.“ mitgeteilt wird,
deben einen Aufruf erlassen, in dem er darauf hinweist, daß
die Gräber der im Jahre 1870 —71 gefallenen Kameraden
)er Schmückung und Unterbaltung dringend bedürfen. Er
ichlet an seine Landesverbände, deren Unterverbände sowie
Vereine und alle Kameraden die Bitte, die pietätvolle Auf⸗
zade, durch Zahlung von jährlichen Beittägen nach Kräften
u unterflützen. Es wird darauf hingewiesen, daß, wenn ein
eder Verein im Jahre nur 1Mekesten Beitrag zahlen würde
ꝛs ausreiche, um den Zweck zu erfüllen. Mit der Zeit
verde es sogar mözlich werden, die Kriegergräber aus den
nuheren Ktiegen zu bedenken. Die Beiträge sind entweder
an die Präsidien der betreffenden Landeskriegerverbände oder
direkt an den Vorstand des Kyffhäuserbundes der deutschen
dandeskriegerverbände (GBetlin W 50, Geisbergstraßz 2) ein⸗
usenden. Der Kyffhäuferbund wird dann die gesammellen
Belder an die Vereinigung zur Schmückung der Kriegergräber
n Metz und an den elsaß—-lothrigischen Krleger-Landes⸗
zcrband in Straßburg abführen.
Z Vom Prozessieren. A.: „So ein Prozeß ist doch das
augsamfte Ding auf der Welt und kommt nie vom Flecke.“
3.: „Im Gegenteil, ein Prozeß ist vollke Bewegung.“
— A.: „Wieso denn?“ — B.: „Nun, da sieh doch, erst
vird er eingeleitet, dann geht er seinen Gang, und du stehst
zie Angst aus, daß es schlecht abläuft. Bei dem Gedanken,
er könnte verloren gehen, wandelt dich eine Ohnmacht an,
die Galle steigt dir ins Blut, und es dreht sich alles mit dir
vahrend du dich auf Akten wälzest, bis es dir plötzlich in die
lugen springt, daß dein Advokat dich an der Nase herum⸗
ieht, das fährt dir in die Krone, du schläangelst dich zu ihm
in, trittst ihm zu nah, er jagt dich zum Teufel, und du
turzest fori. Nun stürmen Sorgen auf dich ein, dein Geld
liegt nur so fort, und du möchtest mit dem Kopf gegen die
and rennen oder daran in die Höhe laufen, die Zeit eilt
vavon, du wanderst von Pontius zu Pilatus und möchest
eden bewegen, deinen Strang zu ziehen, damit fällst du ab,
er Gerichtsvollzieher schwimmt heran, du hast dich hine n—
zelegt, bleibst mit den Kosten sitzen und köantest aus der
aut fahren.“
Pflege der Leibesübungen. Die für die Volksgesund—
jeit wie die natidnale Weehrkiaft gleich wichtigen Bestrebungen
ur Ausbreitung regelmäßiger Lebeslibungen bei der Jugeud
und im ganzen Volke finden bei den Reichs und Staatsbe⸗
dorden Würdigkeit und Anerkennung, wie aus dem nachfol⸗
jendzu an den Abgeordneten von Schenckendorff gerichteten
Schreiben hernotgeht:
Berlin, 28. Tezember 1908. 1. Ew. Hochwohlgeboren
preche ich für die gefällige Uebersendung des Becichts über
sen neunten Deutschen Kongreß für Volks- und Jugent'piele
neinen verbindlichsten Dank aus. Es hat mich gefreut, aus
hm genauer über den befriedigenden Verlauf der Kieler
agung unterrichtet zu werden, die gewiß dazu beigetragen
zat, der von Ihnen geleiteten Bewegung neue Freunde und
zorderet zu gewinnen. Gerne benutze ich auh diesen An—
laß, um Ew Hochwohlgeboren zu versichern, daß ich bemüht
leiben werde, die weitere Einführung von Volks- und Ju—⸗
endspielen in die Lebensgewohnheiten unseres Volkes nach
dräften zu unterstützen. Der Staatssekretiär des Innern.
ez.; von Bethmann-Hollweg.
Berlin, den 21. Derember 1908, 2. Ew. Hochwohl⸗
eboren danke ich verbindlichst für die gesällige Uebersendung
ner Denkschrift und des Aufrufs der Deutschen Turnerschaft
ves Zentralausschusses zut Förder ung der Volks- und Jugend
pielen in Deutschland und des Deutschen Turnlehcervereins
zetreffend die Einführung regelmäßiger turnerischer und
portlicher Uebungen in den Fortbildungseschulen. Sie dürfen
ich überzeugt halten, daß ich den Bestrebungen zur Pflege
zer Leibesübungen unter der Jugend u-seres Volkes mein
vpärmstes Interesse enlgegenbringe und stets bemüht sein werde,
ese Bestrebungen soweit ich innerhalb meines Amtsbereichs
azu in der Lage bin, nach Kräften zu fördern. Der Minifter
es Innern. gez.: von Moltle
i8 Sojiale Frauenschule. Wer sich sür diese neuentst indene
kinsuührung »nteressiert, die den edlen Zweck hat, Frauen
ind Mädchen für die soziale Hilfsarbeit vorzubereiten, der
ese den äußerst instruktiven Artikel darüuber, der in der
ieuenen Nummer der vorzüglichen, über die ganze Erde ver—
reiteten Moden- und Familienzeitschrift „Mode und Haus“
Rerlag John Henry Schwerin, Berlin We57, zu sinden ist.
Rie hertlich und vielseitig ist Ubrigens wieder die neuesten
umw'ner ausgestattet! Neben der Belletristik ein reicher Mo—
dHandarbeiten, die „illustrierte Kinderweli“ die span—
Nomandeilage und vileles andere noch. Ganz speziell
Ichicksale des ebens.
Eine Erzählung aus der Prärie.
Betrubt machte sich Bertha auf, den Rüdweg. So oft
Nauch spähend in der Richtung ihres Hauses ausblickte,
wollte sich kein Signal zeigen, und als sie endlich zu
»ause anlangte, fand sie nur die drei Kinder.
Den ganzen Nachmittag und den folgenden Tag such⸗
en die Nachbarn nach Ralf Dover; aber vergebens. Die
inzige Spur war. daß er sein Pferd weggeritfen hatte
.
Seit wir unser Präriehaus zum letzten Male gesehen,
at sein Aeußeres sich bedeutend verändert. An die Stelle
er inae Stille und Einsamkeit ist lärmendes Getreibe
etreten. Mehr als ein Dutzend Häuser mit ihren Neben—
ebäuden sind wie Pilze aus der Erde geschossen. Offen⸗
zar bildet die kleine Ansiedlung einen Kern, um den sich
och mariche Auswandererschar sammeln, einen Ort, der
ald einen Krämer, ein Gasthaus, eine Post und die nö—⸗
igsten Handwerlsleute haben und dann wohl Doversburg,
Doversville oder in des Westens anspruchvoller Weise Do—
ger City heißen wird.
Unser Blockhaus selbst war in jüngster Zeit vergrö—
zert worden und die alten und neuen Wohngemächer ver⸗
»and eine breite luftige Halle, die zum Aufbewahrungsort
ür Sattelzeug und dergleichen und bei günstigem Wetter
um Sammesplatz der ganzen Familie diente.
An einem schönen Septemberabend befinden sich hier
wei junge Leute und unterhalten sich halblaut. Das Mäd—⸗
hen ist tfrotz seiner Blässe, leicht als Bertha Dover zu er⸗
ennen; der juͤnge Mann neben ihr mag etwa 25 Jahre
ählen und trägt eine seiner athletischen Gestalt ent—
prechende Kleidung, nämlich ein e dunkelblaues Staub⸗
semd, einen breiten, nach indischer Art mit Glasperlen und
Ztickereien verzierten Gürtel, einen weißen Linnenkragen a
a Byron, graue Tuchhosen und hode Stiefel. Zu seinen
Füßen liegt ein breitkrämpiger Strohhut und daneben, fast
eichsam Wache haltend, ein grotzer zcctiger Hund mit
usgestreckten Tatzen.
„Erlauben Sie mir, Sie Bertha zu nennen, dann will
v Sie heute nicht länger belästigen. Ich habe eine Schwe—
nachen wir auf jeder Nummer ‚peiltegenden mustergultigen
Schnittbogen aufmerksam, außerdem liefert der Verlag Extra—
hnitte nach eingesandtem Körpertmaß — kelne sogenannten
dormalschnitte — gegen Vergütung der eigenen Selbstkosten
on 60 Pf. pro Schnitt für Erwachsene, 50 Pi. für Kinder.
Mode und Haus⸗“ kostet trotz seines reichen Inhalts pro
RAuartal nur M. 1 mit Moden⸗ resp. Handarbeiten-Kolorits
„25 Mil. Abonnements bei allen Buchhandlungen und Post⸗
instalten. Gratis-Probenummern bei erstern und durch den
berlag John Henry Schwerin, Berlin W 57.
8 Zum Gastspiel der St. Johann⸗Saarbrücker Volksbühne
m Theatersaale des Hotels „Nassauer Hof“ am nächsten
Zonntag abend entnehmen wir der Beurteilung der Saar⸗
drücker Presse über die erfte Aufführung, daß die Volksbühne
ser Saarstädte derjenigen in Straßburg gegenüber durchaus
alonfähig, olso feiner geartet is. Wenn man bedenkt daß
er Kaiser selbst im letzten Hecbste eine Vorstellung der
3traßburger Volksbühne beigewohnt hai, so liegt in solcher
lnerkennung der hier am Sonntag gastierenden St Johann
Zaarbrücker Volksbühne durch die Presse gewiß das höchste
rob. Ueber den Inhalt des witzigen, humorvollen Stückes
chrieb die „Saarbrücker Zeitung“: „Die Stadtratswahl ist
ind bleibt für alle Lokalpolitiker eine Hanptaktion, sie mit
all ihren Geheimnissen für das große Publikum, das diesen
vichtigen Ereignissen ferner steht, einmal zu enthüllen und
in Stückchen blanke Wahrheit darüber zu briagen, war die
Aufgabe des Verfassers, der sie mit glücklicher Haad angefaßt
ind auch, wie schon betont, durchaus taktvoll und zugleich
virtsam gelöst hat. Wie drei Bürger um die Ehre kämp—
en, n den Stadtrat zu kommen, wie ihre werten Ehe⸗
jälften diese Stellung je nach ih er Anlage beurteilen und
vie's häufizg gemacht wird, der Ausergählte des Volles zu
verden, das ist der Grundgedanke des Schwankes. Es
anken sich verschiedene kleine Liebesgeschichten an das Haupt⸗
hema, das mit dem Sieg der Stadtratskandidaten und?
Jerlobungen so heiter ausklingt, wie es begonnen hat.
Vergl. das Ins.
Neues vom Bureaukratismus. Bei einem Brand,
er dieser Tage die Zuckersabrik „Ceres“ in Dirschau ein
scherte, hat Bureaukratius eine eigenartige Rolle ge⸗
pielt. Wie die „Dauz. N. N.“ mitteilen, bestand bei dem
zrande, der einen Schaden von einer Million Mark ver—
vsachte, die Hoffnung, das große Rohzuckerlager zu ret⸗
en. Bureaukratius aber verwehrte den Feuerwehrleuten
en Zutritt zu dem wohlversiegelten Raume, da — der
zucker noch nicht versieuert war Und da es viel besser
st, daß 13 000 Ztr. Zucker verbrennen, als daß sie un⸗
ersteuert das staatliche Bewahrsam verlafsen, so ließ
nan ihn verbrennen. Als die bessere Einsicht kam, war
Ss zu spät. Um streng bei dem Buchstaben des Gesetzes
u bleiben, stellte die Steuerverwaltung einen Steuerbe
nen vor das brennende Zuckerlager, weil der unabge
ertigte Zuclker vor den Augen der Steuerbehörde vernich
et werden muß.“ Da das Lager noch mehrere Tage
velter brannte, mußte Bureaukratius sich in Geduld fassen
Schulwitze. In der Monaisschrift „Kind und Kunst⸗
rosfentlicht Dr. Löwenberg (Hamburg) einen Artikel
iber schulpabagögische Beobachtungen unter ver Ueber—
christ „ßHumor in der Schule“. Der Verfasser weist auf
ie psychologischen Finerzeige hin, die in den sogenann—
en Schulwißzen liegen, und sagt: „Diese Witze“ bringen
n das eintönige Grau des Schultages eine frische Farbe
Sie sind wie die hellen Blumen im Kornfeld, sie nähren
zicht und nützen nicht; aber sie erfreuen das Herz, wen
ach der Bauer die Stirn runzelt und sich über sie är
jert. Und wenn er sie auch mit Stumpf und Stiel aus—
otten möchte, sie wachsen gottlob immer wieder. Sie
äen sich selber und fragen nicht nach Pflug und Egge,
iach Regen und Sonnenichein. Einen kleinen Strauß da—
on möchte ich hier pflücken.. — —
*Eine geführliche Sttuation. Die englische Bark
Cast Indian“, die anr 29. Dezember in Queenstown
intraf, machte furchtbare Erfahrungen mit Eisbergen.
dald nach der Umschissung des Kaps Horn geriet das4
Schiff in ein vollständiges Eismeer und war sieben Tage
ang von Eisbergen eingeschlossen. In der Nacht vom
242. September siieß das Schiff plötzlich mit einem etwa
O00 Meter aus dem Wasser ragenden Eisberge zuscmnen.
Die Takelage des Vordermastes siel herunter und
egte sich zwischen den Berg und den Schiffsrumpf. Sie
virkte auf diese Weise wie eim Pufsfer. Gewaltige Stücke
Fis fielen auf das Deck des Schiffes und zerschmetterten
zwei der Schiffsboote. Als das Schiff herumschwenkte
'am der Mittelmast mit dem Eise in Kollision und wurde
jark verbogen. Das Schiff lag eine Zeit lang wie in
iner großen Eishöhle und die Mannschaft verzweiselte⸗
in seiner Rettung. Als sich schließlich ein Ausweg zeigte
atte das Schiff einen neuen Zufammenstoß mit einer
underen Eissberge von 15 Meter Höhe. Der Kavitän sag
r habe zwei andere Schifse in dem Eise gesehen. DN
Casft Indian“ hrauchte zu ihrer Reis-⸗ 107 Iqne
— ⏑⏑
daß ich das formelle Mik Dover nicht an dessen Stelle a4u
setzen vermag.“
„Nennen Sie mich denn Bertha, da Sie einen so gu⸗
ten Grund hierfür haben.“ entgeanete das Mädchen aleich—
iltig.
und bitte, nennen Sie mich Harry, wie alle andern
es tun. Das ist Belohnung genug bü⸗ heute und ich will
zgeduldig warten. Doch kommen Sie, wir wollen einen
itt über die Prärie machen, wenn Sie immer im Hause
eingeschlossen bleiben. werden Sie nie stark und kräftig
verden.“
„Gut“, sagte Bertha, „aber beeilen wir uns. Die
Zonne senkt sich bereits und Tante — läßt mich im
Abendtau nicht fort. Bitte, führen Sie Cora heraus, ich
jabe das arme Tier einen ganzen Monat nicht gesehen
und es liebt mich doch so treu.“
„Das tue auch ich,“ erwiderte Harry Chapman.
Bertha antwortete nicht und ging schweigend in das
Zaus, um sich umzukleiden. Harry nahm den Hut auf
ind rief: Nubbin, holla, Nubbin!“
„Hier bin ich, Massa, recht zur Stelle,“ ertönte hinter
hmeseine Stimme, und als er sich umwandte, sah er ei—
nen wolligen Schädel unter der niederen Bank auftauchen,
non der er so eben aufgestanden war.
„Wie kamst Du da hinunter, Schurle?“ zürnte er und
chritt drohend auf die Bank zu.
„Hinuntergekrochen, Massa“, entgegnete der Neger und
chwang sich geschickkt aus dem Bereich des drohend neben
ihm erhobenen Stiefels.
„Wenn Du das Horchen und Versteden nicht ausaust,
Kubbin, breche ich Dir alle Knochen.“
„Sicher, Massa, ich horchte nicht; hoffe, bin besser er⸗
ogen. Dachte dort im Liegen nach, wie seltsam die Welt
st und wie die Dinge sich oft wunderbar gestalten,“ sagte
subbin mit unschuldigem Gesichte.
Düsterer Zorn sammelte sich auf Harrys Stirne und
er machte einen Schritt vorwärts, als wolle er den Neger
zu Boden schlagen.
„Marsch fort und suhre die Isgpde heraus,“ gebot er
wer schneli sich fassend,deeile Dich wenn ich Imr nich
Füße machen und Dir zeigen soll, was gut ijt für Dich.“
„Ich weiß mehr, als aut ist für Dich“ murmelte der
33 —
V9 Tas diesjayrige Benneit⸗Wettfliegen. Wie be—⸗
annt, steht es noch nicht definitiv fest, ob das diesjährige
Bennett⸗Weitfliegen wirklich in der Schweiz abgehalten
verden soll, da ein Protest Englands gegen die Zuerteil⸗
ing des Bennett-Pokals an den Schweizer Obersten
Zchaeck vorliegt. Der Vorstand des schweizerischen Aero—
Abs hat nun aber eine vertrauliche Mitteilung von der
Federation Aeronautique Internatisnale erhalten, wonach
»er am 11. Januar in London tagende außerordentliche
kongreß trotz des englischen Protestes doch der Schweiz
ven Polal zuerkennen wird, und daß also der schweize⸗
usche Aeroklub die Aufbabe haben wird, im nächsten Jahre
Ballonrennen zu veranstalten. Der Klub wird am
24. Januar in seiner Generalversammlung den Auf—
ujegsort für die nächsijährige Konkurrenz festsetzen, und
s heißt, daß das Dorf Schlieren, das nur eine Stunde
ꝛon Zürich entfernt ist, als Aufstiegsort in Aussicht ge—
rommen sei, weil sich dort sehr umfangreiche Gasanstal—
on befinden. Als Tag des Aufstiegs, an dem vorqcus
uhtlich 25—30 Ballons teilnehmen werden, ist der 27
September oder der 83. Oktober in Vorschlag gebrach
verden
Verkehrsnachrichten
—X Brieftelgramme. Nach Mitteilung der Elektrotech
nischen Zeitschrift sind in Frankreich vom 1. Dezem.
ber v. J. ab Brieftelegramme eingeführt wor—
den. Darunter sind solche schriftliche Nachkrichten zu ver—
tehen, die abends der Postanstalt aufgegeben, in der
sacht telegraphiert und am andern Morgen mit der ge—
pöhnlichen Briefpost den Empfängern zugestellt werden.
die Post spart hierbet also den vbesonderen Boten und
sie nutzt gleichzeitig ihre Leitungen während der Nacht
aus. Die Gebühren sind sehr niedrig bemessen, nämlich
1Centimes für das Wort, wenigstens aber 5 Centimes.,
Zelbstverständlich hat die Neuerung nur dort Aussicht au
zege Benutzung, wo die Entsernungen so groß oder die
Fisenbahnverbindungen so schlecht sind, daß ein gewöhn
licher, am Abend aufgegebener Brief nicht schon am näch
ttes Morgen am Bestimmungsorte sein kann
zwaͤngsvtrsseigerung.
Im Wege der Zwanssvollstreckung soll das in der Ge—
neinde Herrensohr belegene im Grundbuche von Dudweiler
Blatt 162 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsver⸗
nerkes auf den Nametn des Ludwig Büch Fuhrmann und
Milchhändler in Herrensohr eingetragene Grundflücke
Flur 22, Parzelle 145565 Petrusstraße Nr. 5
Geb.Rolle 1582, Hofraum und Hausgarten,
groß 489 Ur, a Wohnhaus
mit 144 Mark Nutzungswert
14
am 2. März 1909,
nachmittags 3 Uhr
)zurch das unterzeichnete Gericht — zu Herrensohr — Gan
victschaft Franz Kirchberg veisteigert we den.
Saarbrücken, den 6. Januar 1909.
Röniglicies Amtsgericht I1.
* 77 784
ναα
REDOy J ——
— —————
— *
—J 4 53
* üͤte —
2 Hilfe gefunden, versuche
3 *
a6 — 35
— — — 2
ichelt ärztlichen Gutachten tausendfach
izend bewährte. — Zu haben in allen
olheken, Droseun Verfümerien i Stück
52 Pio und 7.
in jeder Preislage und größter Buswahl eingetroffen.
August Couis
— Mr
α ëxR
Die Pferde kamen in wreen Minuten und gleich—
zeitig trat auch Bertha im Reitkleid unter die Türe. Mi—
streß Chapman folgte ihr und qgab ihr noch liebevolle Er—
mahnungen.
„Du sotht nicht wen reiten, Bertyu, es wird vald
Nacht und Du bist noch nicht kräftig genug
„Wir kommen, bevor der Tau sich senlt, Cantchen“,
lachelte das liebliche Mädchen und reichte Cora das ge—
wohnte Stück Zuckeer.
Die jungen Leute ritten frohlich davon. Weijtreß Cyap⸗
nans Antlitz aber zeigte einen bekümmerten Zug, als sie
den Galopp über die Prärie beobachtete. „Wenn ich mei—
ier Sache gewiß wäre, wüßte ich auch, was ich zu tun
Jjätte,“ murmelte sie, als sie zu ihren häuslichen BVeschäf—
cigungen zurüdckehrte; „was aber sein soll. geichieht vbn⸗
daß ich es ändern kann.“
Bertha galt jetzt als ein Mitglied der Familie e yap—
man. Nach dem geheimnisvollen Verschwinden ihres Bru—
ders war sie krank geworden und die Familie Chapmann
hatte es nun für das Beste gehalten, von dem Blochaut
ofort Besitz zu ergreifen und Bertha als Familienglied zr
betrachten. Dies geschah und die gute Frau sorgte f
das verwaiste Mädchen, als wäre es ihr eigen Kind.
Als Bertha sich wieder etwas erholt hatte, saß sie ei
nes Tages in einem alten bequemen Lehnstuhl am offenen
Fenster, da kam Harry Chapman vom ZFlusse herüber, un
den Onkel zu besuchen. Er schritt am Fenster vorüber un
fühlte sich von dem Anblick des bleichen schönen
chens betroffen. Des jungen Mannes Besuch verlänger
ich nun auf Tage und Wochen, obgleich ihn die Tant
»einahe kühl aufnahm und es an Winken bezüglich de
eschränkten Räumlichkeiten ihres Hauses nicht fehlen ließ
Harry aber schien das nicht zu bemerken; er nahm sofor
Stellung, als Berthas Verehrer und zeigte sich unermüd
lich, sie zu unterhalten und aufzuheitern. Jeden Tag brachtt
er junge Wachteln und Präriehühner zur Kräftigung Ber—
has von der Jagd heim. Harry Chapman tat nichts halb
ꝛr bestürmte des einsamen Mädchens Herz mit einer Be
jarrlichkeit, die vielleicht Erfolg gehabt hätte, wenn Ber
cha nicht so beängstigt über ihres unglücklichen Bruder
Schicksal und nicht so sehr mit Sorgen wegen ihrer Zu
zitft »rfiüsst gewesen wär—