zie militärischen Geheim-Wapiere, die Staats-Archive usw.
zu verpacken, um sie nach etwaigem Eintreffen einer Ordre
n Sicherheit zu brincgen. Gieichzeitig wird in militäri—
schen Kressen versichert. daß die Trnupenstärke in den
Irenzaebieten unauffällig vermehrt wir
Iialien.
Ar Das Gerücht bestätigt sich, daß der Minister
des Auswortigen, Tütt omi, an seiner Demission
sesthült. Sein Nachsoiger dürste der bisherige Botschafter
in London, Sangiuliano, sein.
Serhien.
wEines der Iudividuen, welche das Attentat
auf das Pulvernmagazin in Nisch unternommen hatten, ise
verhaftet worden. Es ist ein Bulgare. Die „Politika“
behauptet, die Attentäter hätten sich in das österreichisch⸗
ungarische Konsusat geflüchtet.
Türkei. —
* Die Stellung Hilmi Paschas ist ernstlich erscheüt—
ert. Außer den Anhängern des alten Regimes arbei—
len auch die Engländer an dessen Entsermeng und Wie—
derberufung Kiamil Paschas.
* Die Regierung hat den Gesetzentwu rreffend die
Einreihung der Christen in die Arme zurückge-—
zoaen
Amerika.
lnäIn New-Yorlker Kreisen verlautet, d. Ser bisderige
Ztaatsseklretär Bakon, der ein Geschäfte, ner von Mor—
jan ist, als Nachfolger des jetzige atschafteres
zillnach Berlin gehen wird.
* Ueber den Zeolltarif-Giutwurf in seiner jetzigen Ge—
talt verlautet aus zuverlassiger Quelle, daß die Herab—
setzung der Zölle, die für Stahl und Roheisen eintritt,
für letzteres 25 Prozent betragen soll. Wahrend baum—
wollene und Seidenwaren guter Qualität eine Zoller—
höhnug erfahren, bleibt der Zoll für mittlere unverändert.
kür gerinae wird er herabgesest
Zur Ferusprechgebühreu-Orduung.
Die Reihe der Einsprüche gegen den Entwurf einer
ienen FernsprechgebührenOrdnung will nicht enden. Es
liegen Ertlärungen aus allen Teiten des Reiches vor. In
befonoers scantser Form spricht sich die Leipziger
Haudesammer gegen die neue Vorlage aus
Sie hat Resolution gefaßt, in der gesagt wird, die
in dem urf vorgesehene Beseitigung der Wausehge—
dühren Ansten der ausschließlichen Erhebun. on Ge—
sprächs ud Grundgebühren bedeute sür weite ise von
dazidel ud Industrie eine außerordentliche, tc se ge⸗
radezu igeheuerliche Verteuerung ihrer Fernj 5⸗LUn—
schlüsse ud wie die Erhöhung der Fahrpreise if den
Fisenbe u, die Einführung der Fahrkartensteue ind die
Erhoͤhr zes Ortisporzos, eine der Entwicklun es Ver—
kehrs sche, statt ihn begünstigende Maßre Sie
überließ die Fernsprechte lnehmer überdies einseiti—⸗
en mechnnischen Gesprächzzählung des Amtes. voane ihnen
Misi eine Nachprüufung dieser Zählung zu ermöglichen.
Die Haundelskammer bedauere die Nichtbeachtung aller bis—
herieee Eingaben und Proteste und lege gegen die Bor—
aschieden Verwahrung ein.
cdie Berliner Stadtverordneten de—
ichlossen, den Magistrat zu ersuchen, dem Reichstage schleu—
nigst die Bitte zu unterbreiten, dem Gesetzentwurf, betref⸗
iend die Telephonaebühren die Zustimmung zu
versagen.
Die Frankfurter Stadtverordnetenersammlung
hat einstimmig einen Antrag gegen die
Fernsprechgebührenverteuerung angenommen. In der Be—
zrundung heißt es, daß die kleinen Gewerbetreibenden au—
ßerordentlich schwer belastet würden. Bei 10 Gesprächen
äglich betrage die Verteuerung schon 32 Prozent, bei 20
vesprächen 112 und bei 30 Gesprächen 1324 Prozent.
Auch die Krefelder Handelskammr hat
insümmiz eine Erklärung zur Vorlage angenommen, die
ich von neuem gegen die Beseitigung der auschgebühren
wendet, die, wenn nötig, bei stärkerer ung mäßiqg
erhöht werden konaten. aber nicht allacn aufgeboben
verden dürften
Ebenso hbat sich jetzt auch der Aussch; der Osna—
zrüccher Haidelskammer, die sick inächst für
den Entwurf ausgesprochen hatte, nach eing ader Aus—
prache im Hinblick auf die zu erwariende Verteuerung
er Anschlüsse in den kleineren Städten einzweilen gegen
den Entwurf erklärt, eine bestimmte Sterlungnahme bis
zum Bekanntwerden der Besichlüsse der Meich ztaas!ammiiion
sich aber vorbehalten.
Zur Erhöhung der Telephongebühren
zat jetzt auch der wüäürttembergische Industriever⸗
zand Stellung genommen. Ter Verband nahm eine Re—
olution an, die sich scharf gegen die geplante Telephonq
Vebühren-Resorm ausspricht. Er richtet darin an dia
Generaldirektion der Posten und Telegraphen das driug
gende Ersuchen, es bei der bisher bewährten Praxiszu
helassen. Sollte die General-Direltion eine Reform fuͤr
inbedinat erforderlich halten, so spricht sich der Verband
ür eine klassenweise Abssufung der Paunchalgebüihren aus.
iut aller Enlschedenteit erklaͤrt er sich aber gegen die
zinsübrunag von Ginzelgesprächsgebühren.
— —
5 *
Aur Balkan-Krise.
die serbische Antwortnote.
Die serbische Antworinote erntet als diplomatische Stil—
eissung in 88* bekannten Sinne, daß die Sprache dazu
za sei, die Gedanlen zu verbergen, von den verschieden⸗
len Seisen hohes Seo, wird aber nirgends als geeignet
u einer defimuven Lösung der Krise angesehen. Verschie⸗
Ence RAeußerungen, die von amtlicher Stelle auszugehen
cheinen, lassen sich dayen zusamnmiensassen, daß man in der
Note die Vereitwilligkeit zur Einstellung der bis jetzt
mvermindert fortgehenden Rüstungen und ferner eine
Frlärung darüber vermißt, ob Serbien bereit fei, auf
Frund des jüngst von Oesterreich erfogten Schrittes in
herhandlung min Oesterreich-Ungarn über, die wirtschaftli—
hen Fragen einzutreien. Als sehr bedenklich sieht man
Heitet ann daß in der Note die, Konferenz, von der Ser—
Fen alles erwartei, als eine Gerichtssitzung bezeichnen
iud. Moan nahm bisher au und nimmt weiter an, daß
ie Konferenz nicht als ein Gerichtshof über strittige Fra
Jen gedacht sein könne, sondern nur als ein Instrumen
in inernationalen, Sanktion der Fragen, über welche vor
Jer unter den Nächstbeteiligten eine sachliche Einigung —7
solgt wäre. Tie Parole heißt weiter abwarten, zunach
PBwarten, ob Serbien überhaupt auf die vom österrel—
isch ungarischen Gesandten jüngst abgegebene Erklärung
vGr Answort erteilen wirb. Der Versuch, Oesterreich vor
in Tisbimal zu ziehen, wird wohl in WBien wenia freund—
Ahe Aninganie uͤnden.
—V— M 24
Humoristischhe Eche.
I Einezhrau'rige Gesschischte. „Du traust also
deinem Verlobten nicht mehr?“ „Nein, ich traue ihm zu,
daß er mir nicht traut und darum iich nicht traut. sich
ie GBär trauen z ssnson«
Cokales und DBermischtes
Dadweiler, 13. Marz.
ʒ Eingesandi] Am vorigen Tonntag hieit der Berg—⸗
nanns Unterstützungs-Kassen-Verein Dudweiler-Herrensohr⸗
Frischbach-Neuweiler seine Haupt⸗-Jahresversammlung im
zasthause Poller abßb. Nach dem Geschäfisbericht, welcher an
Ztelle des eckrankten Vorsitzenden vom Kassenführer Herr
Wagner bekannt gegeben wurde, zählt der Verein 1204
Männer und 768 Franen, davon sind 82 Witwen, zusammen
1972 versicherte Personen. Gestorben sind 27 Wiitgl., aus
andern Ursachen schteden aus: 10 Mital. Neu traten ein
30. An Sterbegeld wurden 2700 Mk., an Krankengeld
und Verwaliungskosten 8 805,86 Mk. zulammen 6 505,86
Mk ran die Miiglieder resp. deren Angehörigen ausgezahlt.
Bas Gesamtverwögen betrug am 1. Januat 1909 24 273,34
Mk., am 1. Januar 22 702,89 Mi, giebt ein Mehr von
257049 Mark. Die anwesenden Kassenrevisoren erklärten
Buch⸗ und Kassenführung in sehr guter Ocdnung gefunden zu
saben und wurde dem Vorstand Entlostung erteilt. Bei der
seuwahl des Vorstandes wurden sämtliche Hesren wiederge⸗
vählt bis auf den 2. Schriftsührer und das Vorstandsmitzlied
von Fischbach, an deren Stelle die Herren: Peter Hen⸗
itus und Wilhelm Fell gewählt wurden. Als Kassenrevi
oren wurden die Herren: Heinrich Bickelmann, Wilhelm
Woöffler und Joh. Micka gewählt. Im Laufe des Sommers
oll ein Ausflug nach Camphaufen gemacht werden und wurde
der Vorstand mit den nvoligen Vorbereitungsarbeiten betrant.
8 Ein tödlicher Unfall ereignete sich in Malstatt-Burbach.
Während eine Housfrau zum Milchtaufen abwesend war. fiel
hr Kind aus dem in der Küche stehenden Bettchen in einen
Waschkübel und ertrank.
ZEnem hauten Schicksal ist ein Bergmaunn verfallen, der
m Krankenhause in Malstatt-Burbach liegt. Dem Manne ist
in der Grube das Rückzrad gebrochen, und es ist, um ihm
ein schweres Gebrechen eintgermaßen erträglich zu machen,
ine eigene Badewanne, eine Art Hängematte darin für ihn
—VVV
en Körper trägt oder wenigstens tragen hilst, ist dem Leiden⸗
nen ein ziemlich schmerzloses Liegen möglich. und der Arme
xträgt seir Geschick mit ziemlich heiterer Ruho.
8Em wertvolles Gemälde wurde der Geweinde Völk—
ingen von dem Kommerzienrat Louis Röchling zum Geschent
emacht. Dos Gemälde stammt von dem bekannten Schlachrnmaler
Professor Karl Röochling und stellt den Angriff des
grandruburgischen Infanterie Regimenzs Nr. 62 gegen Stie⸗
ingen und den Spicherner Wald bei der „Goldenen Bremm“
am Abend des 6. August 1870 dar, Das Gemälde zeigst
n anschaulicher Weise eine Szene des Kampfes, wo das
Zatatllon des Majors Grafen Schlippenbach gegen den Feind
rorgeht. Im Vordeigrund flürmt dee jetzt als Fücktlich
Wied'scher Kammerherr zun Neuwied lebeube Lrutnent von
Hepke stinen Zug voran.
8 Spurlos verschwunden ist der 24jährlge Sohn des
Ackerers Fredrich Trautmann aus Schönenberh in der Pfalz.
Der junge Mann war auf dem Völtlinger Hüttenwerk be—
chäftigt und fuht alle 14 Tage nach Hause. Nachdem er
eit dem 27. d. J. nun nicht mehr zu Hause gewesen war
ind auch nichts hatte von sich höres lassen, dam gestern der
jesorgte Vater nach Völklingen, um nach ihm zu sehen. E—
nußte dabei erfahren, daß sein Sohn seit dem 5. Februar
purlos verschwunden sei. Es wird vermutet, daß dem iun⸗
gen Trautmann ein Unfall zugestoßen ist.
8 Der Ruückgang im Eisenbahnverkebhr wird, wie der
Berlͤner „L. A.“ hört, zu einer Verringerung der Züge,
Abschaffung verschiedener Züge, namentlich zu Beginn der
Reisezeit führen. Es handelt sich dabei aber nicht um eine
jon Sparsamkeitsrücksichten di tieatte Maßrezel, sondern um
ine Maßznahme, die angewandt wird, weil die Frequenz
der Züge gesunken ift. Im Juni v. J. haute es sich heraus⸗
estet. daß gewisse Doppelzüge nicht ausreichend besetzt
varen, und um den Fortfall dieser Doppelzüge würde es
ich jetzt im wesentlichen handeln. Außer den Eisenbahn⸗
ireltionen Preußens werden sich auch diejeaigen von Baden
zayern und Sachsen an der Auberfunktionsstellung von Zü⸗
zen beteiligen. Hoffentlich „verareifr“ man sich nicht be'
der Abschaffung der Züge.
8 Die staatlichen Gruben haben im Monat Februar in
23 Tagen gefördert 872 676 Tonnen. Von Privaten wur⸗
den im fiskalischen Felde 666 Tonnen gewonnen. Die Ge⸗
amtförderung hat also betragen 873 342 Tonnrn. Abges, t
vurden mit der Eisenbahn 597 985 Tonnen, mit Schiff
14739 Tonven, mit Fuhre 37 594 Tonnen, mit Seilbahnen
110 255 Tonnen. Es lamen also zum Verkauf 760673
Tonnen. Hiervon wurden den im Bezirk gelegenen Koker⸗
eien zugeführt 210 388 Tonnen.
gDer 8⸗Uhr⸗Ladenschluß wird auch in Friedrichsthal zur
FSinsührung gelangen. Für denselben baben üch dereits 37
B schaͤftsinhaber erklärt.
Z Folgen der ungünstigen Konjunktur. Wie man hört
zeabfichtigen die „Vereinigten Vopelius'schen Glashütten“ ihre
Dutte in Quierschied vom 1. Apriil ab bis auf weiteres
ußer Betrieb zu setzen. Grund zu dieser Maßnahme ist
der Umstand, daß durch die unzünstige Konjunktur im Fer⸗
terglaegeschäft sich, infolge der notwendigen starlen Betriebs⸗
inschränkungen, eine trationelle Arbeit nur durch Konzen⸗
ration moöglich machen laͤßt. Die Arbeiter der Hütte in
fZuierschied werden auf die anderen Vopeljug'schen Hütten
xerteilt.
28 Saarbrücken, 11. März. (Der Durchstechereipro⸗
jeß auf Grube Göttelborn.) Zweiter Verhaudlungstag. Es
vird in der Zeugenvernehmung fortgefahren. Im allgemeinen
ergibt die Verhandlung dasselbe Bild wie gesteru nächmittag
ka wurden 46 8Zrugen vernommen. Die meisten werdeu
vegen des Verdachtes der Mittäterschaft nicht vertidigt.
Immer wieder hört man die Bekundung: „Ich verweigere
die Aussage, weil ich mich selbst brlasten würde“. Daß
durchstechereien vorlamen, war allgemein die Rede; positise
Aussagen werden nur wenige gemacht. Bei Vernehmuag des
Zeugen Nikolaus Dörr auf den Bergmann Kreschan, der nach
Amerika ausgewandert ist. Dieser hat zwei Briefe an seine
Lerwandten in Göltelborn geschrieben, in denen er über
eiage große Anzahl von Einzelheiten bei den Durchstechereien
Mitteilung macht. Der eine Brief schließt mit der Aeußer⸗
ung: „So gehls bei Euch Sklaven“ Auf Beschluß des Ge⸗
ichts werden die Briefe verlesen. Der letzte Zeuge war der
Irtsvorsteher Huppert aus Wahlschied. Da sein Sohn der
Steiger Huppert, unter den Angeklagten sitzt, wird er daraus
uufmerksam gemacht, daß er sein Zeugnis verweigern könne,
er verzichte auf dieses Recht. Er weiß nichts davon, daß
ein Sohn Geld oder Geshenle erhalien hätte. Er be'äigte
die Angabe des Fahrsteigers Früh, daß dieser Sammelgelder
ur Kirche und Pfarrhaus an ihn abgeliefert habe. Von der
Zereidigung wurde wigen der Verwandischeft mit einem An—
etlaßatßv ahbrelen⸗en An der Nichmittassizuna murde wiß⸗d⸗
eine große Anzahl von Zeugen veronmmen. Es zeizte sich
vieder dieselbe Erschrinung w'ie in den vorhergehenden Sitzun⸗
gen, die Zeugen rückten nur nach energischeim Zureden mit
der Sprache heraue, und dann antworteten sie nur euf die
vorgelegten Fragen. Der Verhandl nesleiter gab verschiedene
Male seinem Unwillen über das Verhalten der Zeugen Aus—
druck, indem er den anwesenden Zeugen sagte, sie möchten
nicht so dumm sein zu glauben, daß das Gericht ihren ein—
fältigen Bemerkungen Glauben schenken werde. Eine große
Arzabl von Zerey wurde wieder nicht veleidigt, weil sie
der Mittäterschaft verdächtig gemacht wurden. Ausfühßrlich
ließ si der Zeuge Friedrich Etrlich-Göttelborn aus. Er be—
kundete. daß man ihm einen „Eid“ abgenommen habe, als
er in die Partie Johann Rau kam. Er babe schwören müs—
sen, „gute Kamersdichaft“ zu halten. Nach dem Abnehmen
des Eides habe Rau ihm zugerufen: „Fritz, wenn du uns
berrätn, so schneide ich Dir mit diesem Messer den Hals ab.“
Der Sprecher hatte nämlich ein Misser in der Hand gehabt
während er Schichtenbtot verzehrte. In die „Wolfskasse“
—
zu, daß die Paiiie bei der Arbeit gebummelt babe, und daß
der Fahrsteiger dies habe wissen müssen, auch habe der Fahr⸗
steiger ston mal mehr Miter gemessen als geardeitet waren
Der Zeuge hat auch zu den Zechschulden sür den Steiger
beigetragen. Während der Vernehmung dieses Zeugen stellte
Fahrsteiger Riß an den Zeugen urd den Sachverständigen
eine große Anzahl Fraͤgen, er beschwerte sich auch darüber,
daß das Gericht gegen ihn eingenommen seit. Det Vo sizendt
erwiderte hierauf, daß er nicht auf der Anklagcthank säße
wenn er nicht deingend verdächtig wäre.
() Elberfeld, 12. März. Verhastet. Der An—
streicher Karl Schmidt, der den Tod seiner Frau durd
korigeseßte Mißhandlung herbeiführte, ist verhaftet worden
() Duisburg, 12. März. (Gift mischer mut den
vier Bräuten.) Unmier außerordentlich starkem An
drange des Publikums fand vor dem hiesigen Schwurge
richte der Prozeß gegen den 33jährigen Lademeister Frz
Körschgeuns wezen Gistmordversuchs an einer seiner ver
schiedenen Brüute statt. Der Augellagie unterhielt zu glei
cher Zeit mehrere Verhältnisse. Ernstlich scheint der An—
geklagske das Verhälmis mit einer Katharina van Over
brügge Jenommen zu haben, die er auch nach dem Willer
seiner Butter heiraten wollte. Inzwischen drängte ihr
zber cine andere Braut, sie zu heiraten. Der Angeklagie
verlobte sich nun mit beiden Madchen und zeigte der zwei
ten Braut, einer Zigarertenarbeiterin Grete Kühn, un
diede zu beruhigen, die Woh ungseinrichiug, die für die
dochzeit mit der Overbrügge angeschaftt war. Beide Mäd
hen wußlten nichis von einander. Bei der Grete Kühr
aß der Angcklagte zu Mitzag. Als die Grete Kühn eines
Abends uach Hause fam, merkte sie, daß der Angeklagt—
in ihrer Abwesenheit dagewesen war und gegessen hatte
Als sie sich die Reste der Speisen wieder warm macher
wollte, nahm sie an diesen einen Schwefelgeruch wahr
Auch die Pilch hatte einen eigentümlichen Geruch. Fer
ner war das Brot mit einer nach Schwefel riechender
Ptasse bestrichen. Als das Mädchen dem Augeklagten, de
sich bei ihr nicht wieder sehen ließ, einige Tage späte
auf der Straße begegnete, warf sie ihm den Verlobungs
ring vor die Füße und beschuldigte ihn in erregten Wor
ten, er habe sie vergiften wollen. Nachdem sie ihre Wahr
nehmungen einem Polizeibeamten erzählt hatte, wurde
der Angeklagte verhaftet. In der Verhandlung bestritt er
jede Schuld. Er gab wohl zu, Rattengist getkauft zu ha
ben, will aber davon nichts an die Speisen getan haben
Das Rattengift will er gegen das Ungezieser auf der
Cisenbahnspeichern verwendet haben. Auf die JFrage
weshalb er denn das Gift für den Eisenbahnfiskus au—
eigener Tasche bezahle, hat der Angeklagte keine Antwort
Sehr belastend sür den Angetlagten ist der Umstand, dai
er versucht hat, aus dem Gesängnis heraus ein Kassibe
an seine Mutter zu schicken, die die Aussagen der Mäd
ben beeinflussen sollte. Die Mädchen, so heißt es in den
Briefe, mußten feste liegen. Der Kassiber ist durch di
Aufmerksamkeit eines Gefangenenaussehers entdeckt wor
den. Sehr dramatisch gestalteie sich die Vernehmung der
vier Bräute des Angeklagten, von denen jede bekundete
daß er ihr die Ehe versprochen habe. Der Sachverstän
dige bekundete, daß die beschlagunahmten Speisereste Vhos
phorlatwerge enthielten. Ein als Zeuge geladener Pou
eilommissar belundet, daß dem Angellagten in der Vor
imtersuchung cin Geständnis entlockt worden sei, und zwe
dadurch, daß man ihm vorredete, die Angelegenheit get
hie Polizei nicht an, es sei das eine reine Privansach
zwischen ihm und seiner Braut. Darauf erklärte der An
eklagte: Ja, ich bin es gewesen. Bei der Vernehmun,
8 Grete Kühn deutete der Angeklagte die Möoglichkeit ar
baß diese selbst das Gift an die Speisen gebracht habe
könnte, um sich an ihm zu rächen. Auch der Verteidige
ließ diese Möglichteit offen. Wenn der Angeklagte abe
auch wirklich der Täter sei, dann repräsentiere die Tat e
nen Versuch mit untauglichen Mittein, der straffrei ble
ben müsse. Die Geschworenen schlossen sich dieser Meinun
nicht an, sondern bejahten die Frage nach Mordversuch
Darauf verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten
sechs Jahren Zuchthaus. VWrobit erklärte. *—
er Revision einlegen werde.
() Essen, 12. März. EErschossen) In Linden«
der Kuhr erschoß der 24ährige Brikettarbeiter Kalujek de
Vorarbeiter Jofiakl. Der Mörder legte ein Geständnis ab
(O Neuwied, 12. März. Motbrücke.) Hier wurd
die Probebelasiung der in Eisenkonstruktion von der Al
nengesellschaft fur Brückenbau (Neuwied) ausgeführte
Rotbrücke bei Irlich-Neuwied, zu welcher die Firma Grü
und Bilfinger (Köln) den Unierbau herstellte, vorgenon
men, und wird der Vertetzr über diese Brücke vorau—
ächtlich schon am Sandiin aujgenommen.
() Samm, 12. Marz. (Zeche Radbod.) Auf
Zeche Radbod ist die dritte Leiche zutage gefördert wo
den. Die Freilegung einer vierten dürste bald er'olger
Am Samstag vormittag soll die Beerdigung dieser vi
ersten Leichen stattfinden. Zechenvlatz und Kolonien
tortgesetzt totenitilf
(5) Dortmund, 12. März. (Verurteilte Ki
de's mörder.) Das Schwurgericht verurteilte die
Jahre alte Ida Vogelsang aus Hamm, die ihr neugeb
tenes Kind ermordet und auf dem Feuerherd verbrar
satte, zu zwei Jahren Gefängnis, und den Vater 7
sindes, der um das Verbrechen gewußt hatte. zu »
Jahren Zuchthaus.
() Hagen (Wesif.), 12. März. Getötet.) Zwisch
den Stauonen Annen und Barop der Strecke Hageu—
Dormmund wurde der Kassengehülse Leidecher aus Rüdim
hausen von einem heranbrauienden Stchnessauog orĩake
getötet.
) Pforzheim, 12. März. (GErwischt.) Der vor
warvierzehn Tagen unter Mitnahme einer größeren Ge
summe und von Goldwaren von hier durchgebrannte
brikant ist in Santa Cruz fesigenommen worden. Er he
die Absicht, nach Buenos-Aires zu flüchten. Man fand“
zrößten Teil der mitgenommenen Summen und die Ge
waren noch bei ihm vor. GEs schweben Auslieferungs
1—uRn—n