Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer x

Lel. 60, 259, 269 und 1261. Samstag, den 9. Jannar 1909. Zeitunge liste 801
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25. Jahrgang.

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KRlgemeiner Anzeiger für den Bürgermeisltereibezi
Dudweiler.
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monatlich 70 Pfg. racht; bei der P—
bestellt Na. *5 vierteljährlich.
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Die „Dudweiler Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.

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Mit Beilagen: „Welletristische Wochenschrift“ und
„Custige Blätter“.

*

3 bei mehrmaligen Inserationen
itse· ·Kender Rabatt.
4 von J. nterkeller
Dudweis⸗

Redaktion, D.

Zweites Blatt. I

ollte gerade in Deutschland zur Genuge wissen, was ein
——
rtigen Versuchen, die unsere Schlagfertigkeit gefährden.
Auch der Einwand, daß diese in bar festgelegten 120
Nillionen Mark jährlich mindesitens 4 Millionen Mart
zinsen kosten und dem Deutschen Reiche seit der Zeit
hrer Festlegung bereits einen Zinsverlust von rund 3200
Nillionen Mark gekostet haben, ist hinfällig. Denn es
ondelt sich bei dieser Summe nicht um unmittelbar nutz
ringend zu verwertendes Geld, sondern um eine ein—
nalige zunächst allerdings nicht nutzbringende Anlage
ür bestimmte Zwecke, die gebucht werden muß, wie eine
lusgabe für Festungsbauten, Kriegsschiffe oder sonfilige
eereszwecke. Alle diese Ausgaben sind gewissermaßen
zerficherungsprämien gegen den Krieg Gewiß eßen sich
venn man die Millionen des Kriegsschatzes in mlan
itzte, damit jährlich etwa 4 Millionen Mark Zinsen ge—
zinnen. Dann aber wäre auch die für den Notfall er
orderliche Kriegsreserve hinfällig. Für den Krieg abe
jüt es im Frieden zu sorgen auch auf finanziellem Ge
iet. Ebensowenig wie man im Augenblick einer Kriegs
rklärung Festungen und Heere aus der Erde stampfer
ann, kann man im Augenblick die sofort erforderliche
Aiflionen herbeischaffen. Ein Kriegsschatz ist, wie be
Abgeordnete Windthorft in jener Reichstagssitzung vo
1 November 1871 ausführte, zu betrachten „als ein 24
»er Rüstungen, die das Land haben muß“. Bares Seli
fl im Augenblick der Gefahr ebe 23αο, wie be
eite Wafsfen —8

— —
errffnet wurde, waren die Straßen der Kleinstadt von
lutomobilen und Privatfuhrwerken überfüllt, in denen
zumeist Damen saßen, die den Beginn des Tragödien
pilogs kaum erwarten konnten. Sowohl Jenkins Hains
wie auch sein Bruder Hauptmann Hains und dessen Gat
tin hatten mm den Kreisen der amerikanischen Gesellschaf
eine hervorragende Rolle gespielt. Außerhalb des win
zigen Gerichtssaales hatte sich eine aus allen Himmels
richtungen zusammengeströmie Menge versammelt, die et
wa 50 000 Köpfe zählte. Aus einem weiten Umkreis wa—
ren die Farmer zur Stälte des Gerichts geritten, und di⸗—
Krämer und Ladeninhaber hatten ihre Geschäfte geschlos⸗
ser und sich selbst, um der lieben Sensativn willen, ei—
nen Feiertag gegeben. Der greise Vater des Angeklagten,
General Hains, war einer der ersten unter den Zeugen,
aber von den Frauen, die, wie fast immer, so auch hier
die Hauptrolle in der Vorgeschichte des Prozesses spiel⸗
ten, war niemand erschienen. Den ersten Sitzungstag
nahmen die Auslosung der Geschworenen und die Bilß
ung des Gerichtshofes in Ampruch.

Der deutsche Kriegsschatz—
Oeutschland hat einen noch aus der französischen
triegsentschädigung stammenden Kriegsschatz von 120
ditliionen Mark, der in den festen Gewölben des Zu—
iusturmes in Spandau ausbewahrt wird. Seine Auf—
zabe soll es in erster Linie sein, deun Deutschen Reiche
»eim Veginn eines Krieges die notwendigen Geldmittel
n sichern, damit die gerade in den ersten Tagen wich—
igen kriegerischen Unternehmungen nicht etwa aus finan—
ielien Gründen verzögert werden. Wie nützlich ein
rriegsschatz ist, hat sich beim Beginn des deutsch-franzö—
ischen Krieges gezeigt, wo der damalige preußische Kriegs—
chatz von 80 Millionen Mark die finanzielle Grundlage
unserer Mobilmachung gewesen war. Ohne dieses Geld
väre der schnelle Aufmarsch und das entschiedene Vorge—
sen unserer Truppen unmöglich gewesen, wie Bismarck
m deutschen Reichssstage im Jahre 1871 ausdrücklich her—⸗
rurgehoben hat. Trotzdem sind in letzter Zeit wiederholt
ZStimmen laut geworden, die bei unseren veränderten Geld⸗
rhältnissen einen derartigen Kriegsschatz teils für ent—
zehrlich erklärten, teils darauf hinwiesen, daß 120 Mil—
ionen Mark bei den gewaltigen Kosten eines neuzeitli—
hben Krieges nur ein Tropfen auf einen heißen Stein
ein würden.
Diese Erwägungen müssen entschieden bekämpft wer⸗
n, vor allem der Grund, daß ein Kriegsschatz von 120
beillionen Mark bei den Vorbereitungen zu einem neu—
eitlichen Kriege in wenigen Tagen aufgezehrt sein würde.
denn der einzige Schluß, der sich daraus ziehen ließe,
väre der, daß unser Kriegsschatz ohne Rücksicht auf die
Zosten vergrößert werden müßte, um eine rasche und un—
zesiörte Mobilmachung zu gewährleisten. Uebrigens scheint
nan gerade auf dieser Seite die Bedeutung, die 120 Mil—⸗
ijonen Mark baren Geldes im entscheidenden Falle ha—
zen, zu unterschätzen. Man wird das Vertrauen zu umn
erer Heeresverwaltung und unserer Regierung haben, daß,
venn eine derartige Summe zur Sicherstellung der deut
chen Mobilmachung wirklich nicht ausreichen würde, schon
ängft eine höhere Summe dafür gefordert worden wäre.
Geradezu leichtsinnig aber würde es sein, wollte man
ich im Falle einer Mobilmachung auf die Mittel unserer
geldwirtschaft verlassen, so sehr auch zugegeben sei, daß
zutigen Tages bares Geld nicht mehr dieselbe Rolle
pielt, wie vor einigen Jahrzehnten, denn schließlich
äuft jedes derartige Finanzunternehmen darauf hinaus,
zares Geld zur Befriedigung der augenblicklich und drin—
zend notwendigen Bedürfnisse zu schaffen, und darüber
verden auch heute, bei einer fortgeschritteneren Geldwirt—
chaft, noch Tage vergehen. Im Jahre 1870 sind, ob—
vohl der Reichstag unmittelbar beim Eintritt der Kriegs—
zckfahr berufen worden war, 14 Tage verflossen bis zum
ersten Subsfkriptionstage der ersten Kriegsanleihe, so daß
insere Heeresverwaltung am Ende dieser Zeit verschie—
»entlich mit Geldichwieriakelten zu kämpfen hatte Man

Schlackensteine als Straßzenpflaster. Wir lesen in
den Chemiker⸗Zeitung: Während man in England schon
ett geraumer Zeit Blöcke aus Hochofenschlacke als Pfla
dermaterial verwendet, ist man in Amerika erst jetzt auf
diese Art der Verwendung von Hochofenschlacke gekom—
nen. Ver Haupisitz der Schlacken-Industrie ist Middles,
zorough in England. Eine New-Yorker Firma hat kürz—
ach die Pflasterung des östlichen Teils der Blackwell Is—
and⸗Brücke mit Schlackensteinen übernommen, wofür eine
Nillion Steine erforderlich sind. Die Steine sind 9 Zoll
ang, 34 Zoll breit und 4 Zoll hoch und werden durch
cingießen der flüssigen Hochofenschlacke in eiserne For—
men hergestellt.
Ruhm und Ehre gegen Bar. Ein neues Angebot
Ur Leute, die gern „unsterblich‘ werden möchten, zitiert
zie Leipziger Abendzeitung aus einem Leipziger Blatt,
m dessen Inseratenteil solgende verlockende Neujahrs-An—
eige zu lesen ist:
Ruhmund Ehre.
lönnen sich Damen und Herren der Gesellschaft mit
zeringen Mitteln erwerben. Ein hervorragender Schrift⸗
teller will aus materiellen Gründen seine literarisch
vertvollen, ungedruckten Werke, Romane, Novellen, Ge—
odichte, Ausarbeitungen ꝛc. an schöngeistige Personen
übertragen, die die betreff. Geiftesprodukte unter ihren
Namen in einem angesehenen Verlage, der ihnen nach
zewiesen wird, veröffentlichen können. Gegenseitige eh
renwörtl. Diskr ist Beding. Reflekt. woll. sich unt —
folgt Chiffre — an die Voisische Zeitung in Berlin e
wenden.
Es handelt sich also entwender um einen Beteug
zuu dem ein „hervorragender“ Schriftsteller und ein „In
zesehener“ Verlag die Hand bieten: Der Meistbietende dar
Zelegenheit, für Geld geistigen Besitz und damit „Ruhm
ind Ehre“ zu erwerben, oder aber die ganze Sache ip
ein frecher Schwindel, eine Spekulation auf die Eitelkeit
O sich die nötigen Dummen finden werden?

Vermischtes
Ein Seusationspruzetz. Aus New-York wird dem
8. T.“ geschrieven: Ein Mordprozeß, der dem amerita
ischen Publiium nicht minder große Sensanionen ver
richt, wie der Thaw-Prozeß, hat in dem Städtchen Flu—
ziing begonnen. Vor den Geschworenen steht der ameri
in sche Schriftsteller T. Jenktins Hains unter der An—
lage, den Herausgeber und Redatteur einer Zeitschrift,
RNr. Annis, ermordet zu haben. Der Vorfall, der jetzt
ein erstes gerichtliches Nachspiel erlebt, versetzte im Au—
ust v. J. die Mitglieder des Jachtklubs von Flushing,
nter denen sich auch eine große Zahl von Angehörigen
er New⸗Yorker Gesellschaft befindet, in große Aufreg—
ing. Mr. Annis wurde von dem Bruder des jetzt vor
ent Schwurgericht stehenden Schriftstellers, von dem
hauptmann in der Bundesarmee, Peter Hains, vor den
lugen der auf der Veranda des Jachtklubhauses sitzen⸗
en Gattin und vor den Augen der Klubmitglieder aujf
einer Jacht erschossen, während T. Jenkins Hains, der
etzt angeklagte Schriftsteller, mit einem Revolver in der
»and die dem Bedrängten zu Hilfe Eilenden zurückhielt.
der Prozeß gegen den Hauptmann Peter Hains wird ersl
päter stattsinden, und der Umstand, daß der Verhand
ung gegen den Haupttäter der Prozeß gegen den An
ufter und Helfershelfer vorangeht, stempelt den in Flu—
zng verhandelten Mordprozeß zu einem Präzedenzfal'
n der Geschichte der amerikanischen Justiz. Kein Wun
er, daß zu der Gerichtsverhandlung ein ungeheurer An
rang herrichte. Lange. bevor die Sitzung des Glerichte

— Der letzte Rest meines Lagers
in Damen-Confektion wird ohne Rücksicht auf Wert in nachstehenden Sarien verkauft:

Libder-Palbtotg * Ie
—A—
Ehellne—-Palbtotsc

—XV—
æxdolInt- Jachen »s sbh“
SCoßtül Röchb “ 9

Ein Umiausch der Arnikel kann nicht stattlinden.
Joseph Leby GVwe., Dudwener Marht.

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Dörom 1. Pls 13. Ja i;

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