Full text : Dudweiler Zeitung

Marotko.
*Telegramme aus Tanger berichten, daß Muley Sa—
kid beabsichtige, in Poris eine permanenté marokta nische
Besandtschaft zu errichiten. Der neue Gesandie werde sehr
wahrscheinlich gleichzeitig Vertreter Marokkos in Paris
ind Madrid sein

Algier.
* Das „Journal“ meldet aus Algier: Die Militär Be—
hörde verhaftete einen Zuaven des 3. Freniden-Regi—
nents, welcher desertiert war und sich nach Algier ge—
—— zur Enideckung
sompromittierender Schriften, wodurch bewiesen wird, daß
die Desertion von einer in Algier wohnhaften Rerson be—
rieben wurde. Nicn alaubt, ciner Organmsanon auf die
Spur gefommen un dein weiche zu FJeiertionen vufreiz—

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e ⸗ —————— —M
Die Schiffahrtsabgaben.
Straßburg, 11. März.
Unter Bezugnahme auf die anm 4. Februar in Weimar
teiner Versanmluing von Handelskammern und JInter—
ssenen abgegebene Erllärung gegen die Einführung von
Schiffahrtsabgaben auf den natürlichen Was—
erstraßen hat die hiesige Handelskammer in Anschuß
an ein Vorgehen der Handelskammer zu Mannheim an
das kaiserliche Ministierium für Elsaß-Lothringen das Er—
suchen gerichtet, im Einvernehmen mit den Regierungen
der Bundesstaaten bei der preußischen Regierung den An—
trag zu stellen, diese möge vor Beratung des Inter—
pretationsgeseszes ein Projekt vorlegen, das es
ermögliche, die Schiffahrtsabgabensrage in allen ihren
Konsequenzen zu übersehen, und das den Vertretungen
von Handel und Industrie zur Bequtachtung zu unterbrei—
B

7—
Zur Valkan-Krise.
Ein Telegramm Risaat Paschas aus Pelersburg an
die Pforte teilt mit, daß sich die Verhandlungen miit
MRußland schwierig gestalten und nicht, wie man hosfte,
in 4 bis 53 Tagen zu beenden sind. Besondere Schwierig—
keiten bereitet die Kapitalisierung der türkischen Kriegs—
schuld, deren Berechnung die Türlei Rußland überlassen
wollte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich aus den Ver—
hyandlungen Risaats mit Iswolsti noch überraschende
Wendungen ergeben.
. In der im Petersburger Finanzministerium im Bei—
sein Rifaat Paschas, Kokowzews, eines Telegier—⸗
len der Ottoman-Bank und anderer Finanzvertreter statt⸗
gefunden Konserenz wurde das rufssisch bulga-—
rischztürkische Finanzabkommen unter⸗
zeichnet

Oesterreich-ngarn und Serbien.
a. Das Gefühl einer „kritischen Sitnation“ hält in Wien
an, da das fortgesetzte Schweigen des russischen
Kabinetts bezuglich der Erledigung der serbifchen
Antwormote sehr beunruhigt. Informierte Kreise
erklären, daß, wenn das Vorgehen des Grasen Forgach
nicht ausreichen sollte, die gewünschte Klärung herbeizu—
führen, weitere Schritte des Wiener Kabineits in
nicht ferner Zeit nachsolgen würden.
Aus Kreisen, die dem Auswärtigen Amte in Wien
nahestehen, wird mitgeteilt, daß die Zustimmung
Rtußlands zu der an die Mächte zu richtenden serbi—
schen Note in Belgrad eingelaufen ist. Iswolski hat
nämlich in einem ausführlichen Telezramm die Note, der
erbischen Regierung gut geheißen und nur eine gebing—
fügige Renderung vorgeschlagen. Die Note soll in den
nächsten Tagen den Mächten miigeteilt werden. Sie wird,
vie verlautet, zum Ausdruck bringen, daß Serbien terri—
oriale Ansprüche an Oesterreich-Ungarn nicht ersebt, alle
seine Veschwerden aber den europäischen Mächten zur wei—
teren Erledigung überweist. Diese Antwort kann Oester—
reich nicht befriedigen.
„Echo de Paris“ meldet aus London, in dortigen
diplomgtischen Kreisen habe man jeden Optimismus
aufgegeben. Man betrachtet den Schritt Oesterreichs in
Velgrad trotz der vorzangegangenen Versicherungen bei den
Mächten dahin, daß kes sich um nichts anderes als eine
Aufforderung handelt, sowohl an Serbien als auch an
Rußland, dahin, die Mächte zu zwingen, alle anderen als
wirtschaftlichen Forderungen aufzugeben.
Nach einer Meldung aus Belgrad sind sämt—
liche Wehrpflichtigen des 3. Au'gebots von 38 bis 45
Jahren zu einer Kontrollversammlung einberufen worden.
Sisher sind die Wehrpflichtigen, die als Landsturm be—
hachlet werden können, noch niemals einberufen warden.

CCGC)FII. CC e ⸗
Berichtszeitung .·..
* 54 — 85
JZum zweiten Male zum Tode verüurleilt.
SH. Allenustein, 10. März.
Unter großem Andrange des Publikums fand vor dem
Sschwurgericht in Allenstein die Verhandlung gegen den des
Raubmordes angeklagten Fleischermeister und Glöckner
Kohrigk statt. — Am Abend des 6. April v. J. wurde
die Lehrerwitwe Katharina Dembski, die das 80. Lebens—
ahr überschritten hatte, in ihrer Wohnung in der Unter—
irchenstraße tot aufgesunden. Die Veiche wies am RKopfe
oier klaffende Wunden auf. Die Wohnung war durch—
wühlt, die Schübfächer herausgezogen und aus einem
Spinde ein Geldbetrag gestohlen. Bereits am folgenden
htorgen wurde unter dem Verdachte der Täterschaft der
etzt 48 Jahre alte Angeklagte verhaftet. Er stand am
15. Dezember und die folgenden Tage vor dem Schwur—
zericht und bestritt in der Verhandlung energisch die
Zchuld. Die Staatsanwaltschaft führte daher gegen ihn
zurch ein Ausgebot von 127 Zeugen ꝛc. einen Indizien—⸗
»eweis, der sich namentlich darauf stützte, daß durch die
Untersuchung an den Kleidern des Angeklagten Menschen—
olut festgeslellt wurde. Die Geschworenen sahen diesen
Beweis auch als gesführt an, worauf der Gerichtshof Roh—
riigk zum Tode verurteitte. — Dieses Urteil focht der Ver—
eidiger Rohrigts mit Ersolg an, sodaß das Reichsgerich
die Sache zur ernenten Verhandlung in der jetzigen
Schwurgertehtsperiode verwies. Inzwischen hatte Roh
rigk im Untersuchungsgefängnis ein umsassendes Geständ—
uais abgelegt, daß er die Frau mit einem Revolver er
chossen und ihr dann noch die Beinhiebe zuge ügt habe
Er ist wahrscheinlich durch Gewissensbisse zu dem Ge—
tändnis getrieben worden. In der neuerlichen Verhand—
ung hielt er dieses aufrecht, behauptete aber, daß ein
Ehepaar ihn zu dem Morde aufgestachelt habe. Geld will
er der Ermordeten nicht gestohlen haben. Die Geschwore—
nen bejahten aber die Frage nach Raubmord, worauf der
Serichtshof wiederum über den Angeklaaten die To—
Jesurnaafe ausirpro⸗ß—

8 Deserteure der Fremdeulegion. Das Kriegsgericht
nOran verurteilte den Haupiangeklagten im Prozesse
gegen die desert erten Fremden-Legionäre, Felir Pal,
dem Antrage des Staatsanwalts gemäß zu 20 Jahren
zZwangsarbeit, Degradierung und nach
rägliche Ausweisung aus Frankreich. Die übrigen
Angetlagten wurden zu weniger harten Strafen verurteilt
Augellagte erhielten je 18 Jahre Zwangsarbeit, je ei—
ner 15, 13 und 10 Jahre Zwangsarbeit, während die üb—
cigen zu 2 bis 5 Jahren Gesängnis verurteilt wurden
8Gewerbemähßiger Hehler. Die Strafkammer in Er
urt verurteilte den Militär-Effsenen-Fabrikanten Heinemann
vegen gewerbsmäßiger Hehlerei bei den Massen-Dieb—
tählen in der Linzelschen Schuhsabrilk zu 2 Jahren Zucht
haus und 5 Jahtren Ehrverluff

— — —
Spiel und Sport.
(y) Internationale Luftschiffaährt-Ausstellung in
Frankfurt a. Me. Der Garantiefsonds der „Ila“ hat die
Zumme von 700 000 Mark überschricten. Graf Zeppelin
elbst hat zu dem Garantiefonds einen Betrag von 10 000
Nark gezeichnet. Die Aussteltungsteitung beabsichtigt, die
zeichnung der Garantiescheine bis zu 1 Million anwach
en zu lassen. Zur Erprobung von Propellern wird ge
genwärtig ein besonderes Geleise eingerichtet, auf wel
yem ein Straßenbahnwagen-Untergestell durch Luftschrau
zen fortgetrieben wird. Zitr technischen Leitung dieser
lrbeiten und Versuche hat sich Herr Ingenieur Zunz der
lusstellungsleitung ehrenamtlich zur Versügung gestellt
Zu den schon voryandenen Preisen wurde aus den Ueber—
chüssen der Elektrischen Ausstellung ein verbliebener Res
»on 1300 M. zur Prämiicerung von Motorversuchen über—
viesen. Der erste Vorsitzende des Vereins der Motor-In—
ustrieslen, der Königlich Württenibergische Kommerzienrat
zerr Gustav Vischer, wurde als Ghrenmitalied in den
großen Nusschuß aufgenonimen

——
Landwirtschaftliches:
(k) Beschickung der Traubenweinkosthalle in der
lusstellung der Deutschen Landwirischafts Gesellschaft in
Leipzig am 17. bis 22. Juni 1909. Auf der diesjähri—
jen landwirtschaftlichen Wanderausstellung in Leipzie
vird die Deuische Landwirtschafts Gesellschaft wiederum
ine Kosthalle sür Traubenweine errichten. Damit soll
»ie Möglichkeit gebbten werden, Weine aus sämtlicher
eutschen Anbaugebieten in charalteristischen Gewächsen zu
osten und zu trinken. Es werden zedoch nur Ausstelle
nit jelbstgezogenen Weinen oder Genossenschaften mit vor
hren Mitgliedern gezogenen Weinen zugelassen. Die Leit
ung der Kosthalle sowie die NAuswahl der Weine unter
———

unter Verautwortlichkeit der Deutschen Landwirtschafts-Ge
sellschaft abrechnet. Die provisorische Auswahl der Wein«
aus dem Rheintal unterbalb Lorchhausen: 10 Weiß- und
2 Rotweine, aus dem Mojselgebiet 10 Weißweine und
aus dem Saargebiet 6 Weißweine hat die Landwirt
schaflsklanmmer süur die Rheinprovinz übernommen. Es
dürite sich empfehlen, haup sächlich gute gangbare Natur—
weine der letzten Jabrgänge auszuwählen, da dieselben
nach den bisherigen Ersahrungen sicher abgesetzt werden.
Der ARussteller hat die Wahl, von jeder Sorle ganze oder
halbe Flaschen an die Kosthalte einzusenden, uͤnd zwar
aue Riste mit 50 ganzen oder eine Kisie mit 50 halber
Slaschen. Von Sorten mit über 3 Wiart Anlieferungs
wert werden nur 25 Flaschen zugelassen. Nichtmitglieder
r Deutschen Landwirischafts-Geselrschaft und Genossen
Aaten, deren Vocißender nicht VRitglied der Deutscher
andwirtschafis-Gejfellschatt ist, haben eine Anmeldege,
üter von 25 M. zu entrichten; Standgeld wird nicht be—
cchnet. Die Werne sind bis zum 12. Juni 1909 an di—
Traubenweinkosihgile der andvirtschaftlichen Ausstellung
uu Leipzig einzusenden. Frachte, Roll- und Speditions
osten zragen die Aussteller. Anmesdungen zur Beiteilid
ung sind bis zum 15. März bei der Landwirtschaftskam
mer in Bonn einzureichen. von wo auch Anmeloeboger
zu beziehen siud

Vermischtes.
Zur Desinfektion von Reisegepäck. Welche Stelle
hat zu entscheiden, ob bei einem Einfuhrverbote wegeir
Zeuchengesahr das aus verseuchten Bezirken kommend—
Reisegepäck oder Umzugsgut zu desinfizieren ist oder
ungehindert in das Inland eingeführt werden darf? De
zierüber Zweisel entstanden sind, bestimmt ein Runderlaf
des Finanzminisiers an die Oberzolldirektionen: In Preu
ßen hat die Entscheidung über die Notwendigkeit oder
Entbehrlichkeit der Desinfektion in jedem einzelnen Falle
die Ortspolizeibehörde auf Grund des Gutachtens des
zuständigen Kreisarztes zu treffen. Die bisher in mehre
ren Fällen bewirkte Einholung der Entscheidung des Mi—
nisters der geistlichen uswp. Angelegenheiten hat daher
fünftig in Fortfall zu kommen. Hinsichtlich der Ausdehm
ing der Desinfeltion ist noch angeordnet, daß Leibwäsche,
Bettzeug und Kleidungsstücke, die vor Reisenden zum
persönlichen Gebrauche mitgebracht oder als Umzugsgut
eingeführt werden, in der Regel von der Desinfektion frei—
zulassen, und nur dann vor der Freigabe das Gutachten
des Kreisarztes über die Ungefährlichkteit dieser Gegen
stände einzuholen sein wird, wenn in Einzelfällen beson
dere Umstände (z. B. eine starke Beschmutzung der Ge—
genstände mit menschlichen Ausscheidungen — Stuhlgang
Titer, Blut — den Verdacht einer erfsolgten Insektion er
wecken und eine Desinfektion vorsichtshalber notwendig
erscheinen lassen. Auch ist bei der Entscheidung zu berück
sichtigen, ob die Abreise aus dem verseuchten Ort oder
Bezirke bereits erfolgte, bevor derielbe ats verseucht er—
klärt worden ist.
Der Brand der Blumenboote. Es ist in Kanton
Ditte, daß so z'emlich die ganze männliche Bevölkernng
in den Tagen, die dem Jahresanfang solgen, an den leb—
jaften Votkssesten auf den Blumenbooten teilnimmt. Dies⸗
Blumenboote sind zum Teil schwimmende Restaurants
dotels, Cafes u. s. we; sie liegen am Ufer bis weiil
n den Strom hinein, eins an das andere mit eisernen
detten befestigt, um ein Abtreiben durch den starken
Strom zu verhindern. Auf dieser schwimmenden und et
vas leicht bewegten Masse von Hunderten von Booten
vogt dann ein Gewimmel von Vergnügungslustigen durch
einander, wie man es sich nicht größer vorstellen kann.
Auch Gebete und Opfer werden verrichtet, und jeden Au—
zenblick knallen Schwärmer und Feuerwerkskörper auf
Die Blumenboote nun waren am Abend des 30. Januar
der Schauplaß eines furchtbaren Ereignisses. Eins der
Boote, das zunächst am Ufer lag, fing auf irgendein
Weise Feuer und stand im Augenblick in lichten Flam—
nmen. Alle Versuche, es zu löschen, waren vergeblich, und
mit der Geschwindigleit des herrschenden starken Nord
winds verbreitete sich das Feuer auf die übrigen Boote
die wie Zunder braunten. Ta der Brand nahe am Ufe—
begann, die Boote meist nicht voneinander losgemacht wer
den konnten, und die wenigen, denen es doch gelang
durch die starke Strömung wieder mitten in die bren
nende Masse hineingetrieben wurden, blieb den Unglück
ichen auf ihnen nichts übrig, als sich in die Fluten zt
türzen. Von den Tausenden, die ins Wasser sprangen
ind aber nur drei- bis vierhundert gerettet worden. Der
urchtbare Rauch machte es aus den Dampfern und der
Booten, die zur Rettung herbeieilten, unniöglich, deutlich
zu sehen, und die furchtbare Hitze verhinderte vin nühe
res Herankommen. Die Meisten der Unglücklichen fander
'n den Wellen den Tod; nur wenige, die durch der
Rauch erstickk wurden, wurden von den Flammen ver
zehrt. Die Hilfstätigkeit der unter ihrem Admiral heran
gekommenen chinesischen Kanonenboote und Kriegsdschun
ken mirß die— J
            
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