Nummer 535
—
⸗e. 89, 259, 268 unb 1261.
Samstag, den 6. März 1909. Zeiuna⸗e liste 80ꝛ⸗
.Jahrgang.
TIV ⸗A7
k 163 45
—.
Mit Veilagen: „Relletristische Wochenschrift““ und
—ufstige Blätffer“.
J—
4
—
Allgemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereib⸗—
—morfso
äιι
vreis
monatlich 70 Pfg. fr AS gebracht; bei der
bestellt M.. vierteljahrlich.
Die „Dudweiler Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Son
und Feiertage.
mehrmaligen Inserationen
Vehkatt.
Un⸗⸗rWNeller
Redaktio⸗
*
A
—— 2
Zweites Blsatt.
— — — ν⏑ —mmwmmc
Das bockbeinige Serbien.
Nicht genug, daß Serbien die Situation gegenüber
Oesterreich-Ungarn bis auf die äußerste Spitze getrieben,
etzt wagt das kleine vändchen sogar, den Großmächten
einen Trotzkopf zu zeigen! Den Rat, den die russische
—VV
zie verschiedenen Besuche im Belgrader Kabinett durch den
ussischen Botschafter prallten wirkungslos an dem Eigen—
inn der serb chen Regierung ab. Wie man sich nun in
telgrad die Sache eigenteich denkt, ob man an dem Ernst
der Lage nicht glaubt oder aus russische Uncerstützung im
Falle der Kriegserklärung durch Oefterreich-Ungarn rech—
iet, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls hat man
n Belgrad den Mut gefunden, auf die Vorstellung der
sächte hin, diesen zu erklären, daß Serbien auf die
»urch die Skupschtinag festaelealen Forderungen nicht ver
ichten könne.
Aus Belgrad wird über dieses neueste Ereig—
us folgendes berichtet: Im Auftrage seiner Regierung
zat der russische Gesandte der serbischen Regierung
ven Rat erteilt, sie möge allen Ansprüchen und Forder—
ungen auf eine Autonomie VBosniens und der Herzego—
wina und auf Gebietsentschädigungen entsagen. Gleich
darauf haben, wie die „Politika“ melder, die Verrreter
hver übrigen Großmächte im Ministerium des Aeußern die—
elbhen Ratschläge wiederholt. Tie „Politika“ meint, der
ussische Schritt solle Serbien nicht verletzen, sondern stelle
einen freundschaftlichen Rat dar und bezwecke vielleicht
ruch, einen Gesamtschritt der Mächte, wie er von Berlin
aus beabsichtigt sei, unnötig zu machen. Aber man könne
urch eine solche Taltik nur Kinder täuschen. Rußland
eige in diesem schicksalsschweren Augenblick einen Janus—
opf. Die serbische Regierung werde hierauf nicht im
Zinne Aehrenthals und Iswolskis reagieren. Vielmehr
ei gleich nach dem Besuch der Diplomaten in einer Sitz—
ung des Kabinetis beschlossen worden, den Großmächten
zu erwidern, Serbbien könne den Forder—
ungen nicht entsagen, welche die Skupschtina
neihren bekannten Beschlussen aufgestellt habe. Es hoffe
iber immer noch auf die Gerechtigkeit der Mächte, nach—
zeben könne es nicht. Mit dieser Antwort sei. wie die
Politika“ bemerkt, der Würfel gesallen.
Trotzdem braucht man, nach alledent, was Serbien
ich in der letzten Zeit geleistet hat, den unmittelbaren
Ausbruch eines Krieges nicht zu befürchten. Auch die
‚Köln. Z3tg.“, die auf dem Balkan gute Beziehungen un—
erhält, ist dieser Ansicht. Auf den ersten Blick koͤnnte es
scheinen, als ob mit dem Beschlüß des serbischen Kabi—
netts alle Brücken zu einer friedlichen Lößnng der Spann—
ing zwischen Oesterreich Ungarn und dem Königreich ab—
zgebrochen und nur noch die Entscheidung durch das
Schwert möglich sei. Aber man muß berücksichtigen, daß
ich d'e Dinge auf dem Balkan abspielen, wo im diplo—
matischen Verkehr der Bluff viel mehr Anwendung fin—
det als etwa im wesilichen Europa. Eine Großmacht
önnte sich) zu derartigen Erwiderungen nur hinreißen las—
en, wenn sie von der Ueberzeugung durchdrungen wäre,
der Krieg sei das eintige noch übrige Witlel, und wenn
ie den ernsten Entschluß gefaßt bätte, an die ultima
atio regis zu aphellieren. Das wifft jedoch für Serbien
uͤcht 313 Zein ledetes Riinisterium ist, obrleich es ein
koalittonsminisieriunn darstellt, in der änseren Politik
— ———— ν——retiroerr saarren eiterein eriönlichken-—
* 28 J *
—
— 2———————⏑—⏑ VO —33
— 52—23
— —
nister des Aeußern Milowanowitsch sind an dem Beschluß
der Stupfchuna für die Autonomie Bosniens und der
derzegowina so beietligt, daß man sie dafür verantwort
ich nennen kann. Sei der Stimmung, die in Serbier
uun einmal tatfächlich herrscht ist es begreiflich, daß diese
Männer nicht sosort einschwenken, selbst wenn sie sich der
Besamtheit der Mächte gegenübersehen. Man kann an
iehmen, daß die Vertreter von England, Frankreich, Ita
ien und Deutschland keine formellen Vorstellungen erho
hen, sondern sich auf den freundschaftlichen Hinspeis be—
chränkt haben, daß Serbien nicht auf Erfüllung seiner
Forderungen rechnen dürse. Damit ist aber nur gesagt,
aß eben noch kein entscheidender Schritt geschehen ist, wi
er etwa dem Abhruche der diplomatischen Beziehunger
orauszugehen pflegt. An der Einigkeit der Großmächte
n ihrer Beurteilung der serbischen Ansprüche laͤßt sich
uicht zweifeln, und das Belgrader Kabinett wird diese
katsache im Auge behalten müssen. Rußland hat aus
gewissen Gründen vorgezogen, allein vorzugehen und
damit einen Schlag ins Wasser getan. Jetzt werden die
Broßmächte wohl nicht umbin können, ihre Arbeit wie
der aufzunehmen. Die Stimmung in Europa geht do
hin, den Frieden zu wahren. Die Mehrheit der Mächte
sjat keine Neigung dazu, Serbien zuliebe Verwickelungen
m Orient zu dulden, die schließlich, wie ein französisches
zlatt sich einmal ausdrückte, zu einem „blödsinnigen“
driege führen könnten. Von fraänzösischer Seite ist auch
ürzlich die Lage dahin gekenntzeichnet worden, daß die
erbischen Forderungen weder die Knochen eines de isscher
zrenadiers noch die eines französischen Infanteristen wer!
eien. Wir glauben, daß dieser gesunde Eigennutz die
ibrigen Schritte der Mächte leiten wird. Es ist der
europäische Patriotismus“, von dem kürzlich der franzs
ische Minister des Aeußern, Pichon, gesprochen hat und
er es ermöglichen wird, eine solche Geschlossenheit im
Auftreten zu wahren, daß die öffentliche Meinung in
Zerbien davor zurückweicht. Wie gesagt, scheint es uns
zurchaus wahrscheinlich, daß die jetzige Stellung des Ka
inetts Nowakowitsch, die ihm von der Rücksicht auf in—
tere Verhältnisse vorgeschrieben wird, dann einem Ein—
rehen auf die Wünsche Eurovas Platz macht.
— —äzöö
frei entströmende Koblensfäure hingewiesen Der gebrannrit
also der von Kohlensäure freie Kolk ist porös und leichte
uls der kohlensaure; insolge dieser veränderten Struktur be⸗
sitzt er eine gerinagere Widerstandskraft gegen die über ihm
laslenden E dmassen, so daß Senkungen, Veischiebungen und
omit kleinere und größere Erderschütterungen erfolgen. Diest
Wirkungen weroen aber ganz besonders gesteigert durch Was—⸗
serzufluß zu dem gebrannten Kalk. Abgesehen von der hier—
bei duirrete den Hitze entwickeln sich auckt ungeheure Mengen
von Wosserdampf. der die 'm Innern der Erde bestehenden
Hohlräume ansfüllt und schließlich durch seinen Ueberdruchk
Sprengungen bewirkt, die Kataftrophen nach sich ziehen, wie
wir sie wiederholt zu unserm Entsetzen erleben mußten. Ees
ist kein Zufoll, daß diese großen Erderichiuterungen in der
Nähe des Meeres und auf Ipseln stattgefunden haben, schlie
ßen wir doch daraue, daß zwischen dem Meere und dem CErd—
innern ein Zusammenhaug bestehen muß. Durch den großen
Druck, der in den Tiefen des Meeres hirrscht, bahnt sich das
Tiefwasser den Weg ins Erdinnere und trifft auf den massen⸗
haft aufgespeicherteu Kalk. Die Vulkane reichen als Sicher
heitsventile nicht mehr aus, und wir erleben Erderschütterun⸗
zen wie eben geschildert.
8 Zur Neuregelung des Wetterdienstes wird mitgeteilt
daß nu mehr der Verteag zwischen der Deutschen Seewart
in Hamburg, dem Meteorologischen Instetut in London und
der Mareoni-Gesillschaft über die Lieferung von Wetterbe⸗
rich en vom Atiantischen Ozean durch orahtlose Telegraphie
zum Abschluß gelangt ift. Es werden zurächst versuchsweise
in den Frühjahrsmonaten täalich zwei Telezramme durd
Schiffe der Hamburg-Amerika Linte, des Norddeuischen Llont
und von vier englischen Schffahrslinien durch Funkenspruch
nach der englischen Station in Matland-Head gegebeu, von
wo sie darch Telegramme an die Deussche Seewarte gelangen
die sie wiederum den deutichen Weiterstetionen mitteilt
Außerdem werden mit dem Beginn des Wetterdienstes auch
drei Diachenstationen am Vodansee, in Lindenberg und Borfiel
den Brobachtungen auf die Vorhersagen dienstbar gemacht.
8 Kein Schnars als Mittel gegen Typhue, das ist die
neueste Errungenschaft der fränzesischen Miritärmedizin. In—⸗
folge ausgebrochenen Typhuefiebers wurde den Matrosen und
Soldaten der Gairnson Cherbour der Besuch von Braunt—
weinscheuken streng verboten.
8 Gegen die Grubengesellschaft von Courtieres, auf derem
Bebiete bekanntlich sich im März vor drii Jah en das großen
Unslück, bei dem über senserd Berßieute den Tod fanden
ereignete—; hat nunmehr das französi che Ministerium der
öffentlichen Bauten eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet.
Die von der Kammer eingefetzte Kommilsion entdeckte ein—
Reihe schwer wiegender Verstöße gegen bebört chin Vorschrif
en. Die Gesellschaft wird u, s. a. beschaldet, daß sie eir
Feuer, das in der Grube au gebrochen war und nicht ge
öscht werden konnie, nicht der Behörde — vorgoschriibenen
Anzeige brachte, doß sie ferner jene Meauer. welche ein
Brandmauec zur Eindammug dites Feners aufführen mußler
uicht mit Sicherheitslenapen versoh, und datz sie Spreng
ffoffe verwendete deren GHehrauch beim Reratau rtna nver
boten ist.
8Dortmund 4. Ratze Auf der zralischen *7
Peolirep seiat das Ben wtltet. Dit erwartunge
- 21430 H-1 —
EOIGCTES NauO DBeErnIIcHCES
Dudweiter, 6. Maͤrz.
Z8 Ueber die Entstehungsursache der Erdbeben. Ueber das
krdinnere wissen wir noch wenig oder garnichts, wenn wir
die bisherigen Forschungsergebnisse der Gelehrten, die sich
ibrigens völlig ugeinig find, nicht als „positives Wessen“
ehmen wollen. Dabher auch die verschiedenen Meinungen
ind Urte le über die Entftebungsursache der Erdbeben.
Möge es daher eirmal einem Lasen, der die Vorgänge in
der Natur nut nicht gerir gerem Inieresse, mit nicht geringeren
Aufmerksamkeit als der Geologe verfolot, geftattet sein, die
Resultate seiner Beobachtyng öff nilich, soweit dies eben im
—DD—
besprechen. Der „Fluͤhrer der Umsturabewegung“ im Relche
der geologischen Naiur ist zweifelsohne der Kalk, bekanntlich
eine Verbindung mt Koblensäure. Durch starkes Erhitzen
wird diefe aus dem Kalk auegetrieben, mit andern Worten
der Kalk wird in derjenigen Zustand übergetührt in welchen
wir ihn als gebrannter KarttCelciumoryd) bezeichnen. Durch
die undeheueren Danckvechältrisc in 55 m Grdinnerr
fRͤgsprechung der Ziehungsmusik.
Mebrere Mtitaruflichtige.
F — — iges
Achlung Mililarpslichlige!
9
Am Sonntag den 7. März, nachm. 2 Uhr kindet in
aale Schade⸗Jost eine
Besprechung betr. der Ziehungsmusik
tatt. Um recht 2zahlreiches und pünktliches Erscheinen bitte
die Siebungsältesten.
Kaufmännisches Wissen erwirbt
man gründlich, leicht und billig durch die
Handbibliothek der gesamten
Handelswissenschaften
(Verlag von Wilhelm Violet inSsStuttgart)
Sroße Ausgabe, Band 1224 in Leinen gebunden MuK. 45.
Sroße Ausgabe, mit Eichenregal Mu. 57.-eleine
Ausgabe, Band i—12 in Leinen gebunden Mk. 24.-Einzelne
Baͤnde, Mk. 1.50 bis Mk. 3.20
Band 1P Kaufm. Rechnen. 3 Handelsgeographie. 4 Münz⸗
Maß⸗ und Gewichtskunde. 5 Buchführung. 6.Deutsche Handels—
korrespondenz. 7 Handelsgesetzbuch. 8 Wechselrecht. 8 Handels⸗
lehre. 10 Volkswirtschaftsiehre. 11 Kaufmännische Fachaus—
drucke (deutsch — engl. — franz.). 12 Warenkunde. 13 Kontorwissenschaften.
14718 Engl. Handelskorrespondenz u. Handlexikor
daau. 16717 Franz. Handelskorrespondenz und Handelslexikon
dazu. 18 Banu⸗- und Vörsenwesen. 19 engl. u. franz. Lektür⸗
sür Kaufleute. 20 Kaufm. Gesehgeskunde. 21 Gabeisberq αα
graphie. 22. Handelsgeschichte. 23 Handelsbetrieb bis 1885. 24
Fremdwörterbuch. Ausführliche Verzeichnisse kostenfrei.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.
Much gegen bequeme Teilzahlungen von3 Wt. an beziehbar von
H. O. Sperling, Buchhandlung Ihrer Majestät der Kö—
»ioin-Mutter von Italien, Stuttgart, Johannesstr. 598.
erene schwarz und **
Ferner Büche ranzen, Peitschenstoͤke
nen, Guürtel, Hundehalerander eic, alles zu den
bdilligsten Preisen.
Anfertigung aller Echuhwaren nach Maß, Re—
araturen schnell und billig.
od2 v
heinrich Fuhrmeister,
5chuhmachermeister. Provinaialstr. 21
in feinste
Preisl
Forner
—E
3
tyRanes
Anton Lerner, e,
— — kCieselster. aß — —
Empfehle mich in Ausführung von“
‚Neubauten, Umbauten
Reparalturen eite.
mit und ohne Materiallieferung
Pläne und Rostenanschlua
bei billigsster Berechnunot
7
I,
—3
RV
Dangefte.
Blaustern J22
Rotstern Stern⸗
Violet stern
Grünstern wvesite
Braunftern) sense
aur echt mit obigem Ste raaber da
Norddeutschen Woll-Kammerei and
Kammgarn-Spinnerei in Bahrenfeld
Zu daben in den meisten Geschästea: vo nicht erdaltüß,
vπJ ν α ιιι αν andlungen radcb.
⸗
Ae
6
7 *
26 J