Full text : Dudweiler Zeitung

ellneymen, zu weschem auch Ministetpräsident Clemen—
eau und der Minister des Aeußern, Pichon, geladen sind.
*K Nach einer Veriammlung in Paris, in der hestige
royalistische Reden gegen die Republik gehal—
en worden waren, zogen mehrere Gruppen junger Leute
»urch das Bois de Boulogne nach Suresnes, um mit He—
»eln und Seilen die Statue Emile Zolas von ihrem
Zockel zu werfen. Schon war ein Seil um die Bronce—
‚üste geschlungen, als mit Revolvern bewaffnete Wache
inschritt und die Tat verhinderte. Die Demonjtranten rie—
en immer wieder: „Nieder mit Zola. nieder mit der
Repfustaner-Repuhsif

Rußzland.
* Die „Agente Fournier“ sandte an die Blätter fol—
jende auffehenerrezende Mitteilungen: Es ist zur Kennt—
tis der französischen und russischen Polizei gekommen, daß
n Paris in den letzten Wochen Bomben fabri—
iert werden, die zu einem Attentat gegen den
zaren Verwendung finden sollen. Mehrere Bomben
ollen von einer Person bereits an die russische Grenze
gebracht worden fsein. Die zur Ausführung des Atten—
tats bestimmte revolutionäre Persönlichkeit soll sich zur—
zeit noch in Frankreich aufhalten. Diese Mitteilung ist
vohl nicht sehr ernst zu nehmen, und bezieht sich wahr—
cheinlich auf die Verhaftung der russischen revolutionären
üräfin an der Tiroler Grenze, die Dynamit mit sich
ührte. um dieses nach Rußland einzufübren
Hof und Gesellschaft.
»* Die Königin von Schweden wird in nãäch⸗
ter Zeit zu längerem Aufenthalt in Wiesbaden eintreffen.
ẽs ist für sie eine möblierte Privawilla gemietet worden.
*'n KFsöönigin Alexandra ist schwer erkältet und
vird deshalb an den anagesebten Geseilichaften nicht teil—
rehmen

Zur Balkan-Krise.
Belgrader Berichte behaupten, daß bis her dort keine
Neigung zur Annahme der russischen Ratschläge bemertbar
sei. Die serbischen Rüstungen werden fortgesetzt. Die Mo—
hilisierung einer dritten Division wurde angeordnet, der
Zrenzdienst ist verschärft worden, der Telegraph mit Be—⸗
chlag belegt, die Leistungsfähigkeit der Giienbahn auf
das äußerste angestrengt.
Wie man dem Neuen Wiener Tageblatt aus Pe—
ersburg telegraphiert, wird dort die Situation wie—
der pessimistuühch beurteilt, namentlich im Oinbaick
auf den dortigen entischiedenen Widerstand, direlte ser—
isch österreichische Verhandluungen zuzulassen. Es wird
ogar behauptet, daß der Ausbruch des Krieages
invermeidlich sei.
Von serbischer Regierungsseite wird erklärt, da ß
Zerbien weder in direkte Verhandhun-—
den mit Oesterreich eintreten, noch von seinen
Forderungen ablassen können werde. Eine desinitwe Eru—
cheidung über die letztere überlasse sie den Großnchten
und erwarte, daß die Mächte Rücksicht auf die Lebens—
zedingungen Serbiens nehmen werden, da sonst die Frie—
ensaussichten nicht gewinnen würden.
Das in Belgrad garnisonierende 6. Infanterie-Regi.
nent wurde zur Verstaärkung des Grenzichuzes nach Scha—
»atz transportiert.
Der „Matin“ meldet aus Belgrad: Der russische
zesandte in Belgrad begab sich zu dem Mini—
ter des Aeußern, um sreundschaftlich auf Serbien einzu—
vbirken, damit die serbische Regierung auch weiterh'n die
isherige ruhige und kborrette Haltung bei—
ehalte. Ter von Rußland bei Serbien unternommene
Zchritt, auf welchen dieses demnächst antworten wird, ist
iur der Anfang einer AnzahlSchritte, welche seitens Ruß—
ands unternommen worden sind. Die Besuche, welche die
Gertreter anderer Maͤchte im Auswärtigen Amte mach—
en, hätten nichts mit dem russischen Schritt gemein. Es
and ein Kabinettsrat unter dem Vorsitz des Kö—
niges statt, der bis 7 Uhr abends dauerte. Das Er—
zebnis wird streng geheim gehalten. Was die For—
»erungen betrifft, welche von dem „Fremdenblatt“ in Aus—
icht gestellt worden sind, so hat die serbische Regierung
veder eine derekte noch eine indirelte Notifizierung er—
zalten. Man weist darauf hin, daß Oesterreich den Au—
I8 wünicht wonach Serbien sich zum Nachaeben ent—
chließt.
Der „Matin“ legt dem Baron Aehrentha?
tahe, nunmehr, da Oesterreich durch das Eingreifen Ruß—
ands Genngtuung erhalten habe, sein unerbittliches Pro—
zgramm ein wenig zu mildern und Serbien ge—
wisse Konzessionen zu gewähren, die eine friedliche Aus,
zragung des Konfliktes ermöglichen würde. NMehnlich äu—
zert sich der „Petit Parisien“. Das „Echo de Paris“ nennt
die von Oesterreich fsormulierten Bedingungen eine Her—
ausforderung Europas und tadelt die umerbittliche Halt—
ung Oesterreirhs gegen d3 kleine“*

Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, 3. März.
Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Weiterbera“
ing des Etats des Ministeriums des Innern fort.
Morgen: Weiterberatung und außerdem Antrag an
Frrichtuna pon Handelsämtern.

Deutscher Reichstag.
218. Sitzung.) Nachmittag 2 Uhr.
Berlin, 3. März.
Mit der Beratung des Etats für di
Kolonien

vird forigefahren.
Abg. Arnuing (uttb.) bemängelt die Eingeborenen—
Politik in Südwestafrika. Daß unsere Justizpfiege einer
enderung bedürfe, habe ja auch der Staarssekretär selbst
nerkannt. Der Alloßzolverbrauch in Südwestasrita würde
benzjalls übertrieben. Was die Landfrage anlange, so
ei eine übermäßige Spelulation wohl nicht zu besürch
en. Bei der Eulwickelung, die der Bergbau nähme, sei
vohl auch auf eine enisprechende Entwickeluna der Land—
virtschaft zu rechnen.
Abz. Ledebour (Soz.): Ich muß wie gestern so
nich heute dafür eintreten, daß die Resolution, de der
deichstag im Vorjahre angenomnen hat, auch durchge
ührt wird. Deshalb bin ich noch lange kein Kolonial
chwärmer. Im ganzen vekämpfe ich nach wie vor die
rolonialpolitit, weit sie unbedingt zur Ausbeutung und
Unterdrückung fremder Völker jühren muß. Da wir die
dolonien nun einmal haben, müssen wir fesbstverständlich
iuf Resormen bestehen, um die Unterdrückten zu uner
tützen. Wir verlangen, daß der vorährige Beschluß des
seichstages durchgeführt wird. Es soll den Eingebore
ien so viel Land gegeben werden, daß sie dadurch ihren
debensunterhalt bestreiten können. Sollte sich das Wirt
—
»aß etwwa 100 000 Weiße dort ihren Unterhalt inden.
o brauchen wir mindestens 500 000 Arbeiter, also das
3- bis 10fache der vorhandenen Eingeborenen. Meine
Freunde werden gegen die Ovambo-Resolution stimmen.
die sogenannte Selbstverwaltungs-Riesorm der dortigen
zemeinden ist bedenklich, weil nur jselbsiständige Weiße
vahlberechtigt sein sollen. Unsere Kolonialvolitik muß
roch ganz anders werden.
Abg. Semler (natl.) Im wesentlichen bin ich
nit den Ausführungen des Herrn Scheidmmiann einverstan
zen, nur muß ich energisch seine Andeutung zurückweisen.
daß eine gewaltsame Unterdrückung widerstandsloser Ein
Jgeborener erforderlich werden könnte. Wir wünschen, da
zie Ruhe im Vande aufrecht erhalten bleibt.
Abg. Lattmann (W. V.) wünscht, daß bei da
Bahnbauten in Südweitafrika mur deuteche Arbeiter ver
vendet werden.
Staatssekretär Dernburg erwidert, daß die Ver
wendung deuischer Arbeiter augeordnet sei.
Damit schließt die Aussprache. Der Etat -für Süd
westafrila wird erledigt, ebenso der Etat für Neu-Guineca
die Karolinen und Togo, und damit der ganze Koloniag
SEtat.
Die Resolutionen der Kommission betr. Kolonialab
gaben, ferner betr. die Erkundung der Verhaͤltnisse im
Svambolande, und endlich die Aenderung der Anstellungs
Verhältnisse des Büropersonals im Kolonialamte werden
angenommen. Ebenso gelangt die Resolution Graf Hom
pesch (3.) zur Annahme betr. Vorlage der Verordnun
gen der Kolonialbehörden zur Kenntnisnahme de
Reichstages.
Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird in die Be
ratung des
VRVoitetats

eingetreten.
Beim Titel Gehalt des Staatssekretärs bemerkt Abg
Pichler (3.), es sind noch viele alte Zöpfe abzu—
chneiden. Es handelt sich bei der Postverwaltung einfach
im einen Geschäftsbetrieb. Redner geht dann auf den
leichzeitig mit zur Beratung gestellten Entwurf eine
seuen Fernsprechgebühren-Ordnung ein und wendet sich
egen die hauptsächlich von Berlin ausgehende Agitation
jegen diesen Entwurs. Es empfehle sich die Verweisun
i die BudgetKommission. Das bisherige System de
bauschgebühren sei vom finanziellen Standvunkt der Vose
serwaltung nicht aufrechtzuerhalten.
Siaalssekreiär Krästke führt aus, die Reichspos
zZerwaltung habe allerdings einen großen Geschäftsbetrieb
ie habe aber auch, wie der Vorredner zugeben müsse
ils Inhaber eines Staatsmonopols große Verpflichtunge.
jegen die Allgemeinheit. Nur einige Worte zum Fern
oMeich?tgg hab

gemeinen trete jedenfalls eine Verbilligung für die Tele
phon-Teilnehmer ein, die weniger Ferngespräche haben
Hierauf wird die Weiterberatung auf morgen 2 Uh
nertaat. — Schluß 6 Uhr.
Gerichtszeitung.
S8SEin eigenartiger Beleidigungsprözeß wurde vor
dem Schöffengericht in Kassel verhandelt. Den Ausgangs—
punkt für die Angelegenheit bildete die Anlündigung in
dem jüngst erschienenen Buche RPaul Heidelbachs „Geschicht⸗
der Wirhelmshöhe“, daß aus der gleichen Feder in de
Sammlung „Stätten der Kultur“ in dem Vertag Bier
nann und Keinckhardt in Leipzig ein Bändchen „Kussel
erscheinen werde. Das verantaßte den Oberbibliotheta
Dr. Brunner in Kassel zu einem Briefe an die Verlagé
rirma Klinckhardt und Bitermann, in dem er saat, daf
zurch das angetundigte Bändchen dem Absatz seines in
Vorbereitung befindlichen Werkes über Kassel, mit dessen
Vorarbeiten er seit 24 Jahren beschäftigt sei, der Boden
entzogen werde. Und er droht dem Heidelbachschen Werke
die „allerschärfsste und rücksichtsloseste Kritik, deren er fähig
st“, an. Es enispann sich nun ein Briefweerhsel zwischer
Herrn Dr. Brunner und der Leipziger Firma, in dessen
Verlaufe Brunner sich dazu hinreißen ließ, von „Lenten
wie Sie sind“, der „Stätte der Kultur, auf der Sie beide
sich bewegen“, „dem zweifelhaften Vergnügen, mit Ihnen
brieflich belannt geworden zu sein“ zu reden und davon
pricht, daß er es sich nicht verdrießen lassen wolle, „Ih—
ren Kulturboden etwas zu heben und Ihren Horizont zu
erweitern.“ Paul Heidelbach veröffenlichte diesen Brief
wechsel in der von ihm redigierten Zeitschrift „Hessen—
land“, worauf Dr. Brunner mit einer Broschüre ant
wortete. Darauf ließ auch Heidelbach eine Broschüre er
scheinen. Die Leipziger Verlagsfirma strengte Privatklag«
gegen Dr. Brunner wegen Beleidigung an. Das Er
zebnis der Gerichtsverhandlung, war die kosienpflich ige
Verurteilung des Beklaaten zu einer Gelditrafe vor
IAd Marf

— —— — ——
Arbeiterbewegung.
— Soziale Bewegung. Aus Konstantinope!
wird gemeldet: Im Hafen von RKonsiantinopel ist eine
neue Verwicklung entstanden. Die türkischen Dochkarbeiten
haben eine Gewerkschaft gebildet und drohen nunmehr je
des Schiff zu boykottieren, das ihre Bedingungen wich—
annimmt. Es ist dies eine soziale und keine volitisch Be—
me uung.

Vermischtes.
Was der Landmann vom März sagt. (Nach al
ten Bauernregeln.) Nasser März ist für keines Bauern
Herz, der der Sonne wehrt, wird wenig begehrt. —
Ist's im Maärz zu seucht, wird's Brot im Sommer leicht
— Ist Kunigunde (3.) tränenschwer, dann bleibt gar of
die Scheune leer. — Märzenstaub ist's Pfund einen Ta
ler wert. — Trockner März, April naß, Mai luftig und
von beiden was, bringt Korn in den Sack und Wenn in
das Faß. — Ein schöner Josephitag (19.), das ganz—
Jahr gut werden mag. — Sä'st du im März zu früh
o ist es oft vergeb'ne Müh'. — Ist es an Mariä schön
und hell, gibt es viel Obst auf alle Fäll'. — Märzen
zlüte ist ohne Güte. — Auf Märzenregen folgt kein
Zommersegen. — Wie die vierzig Ritter (9.) das Wette
gestalten, so wird es noch vierzig Tage anhalten.
Märzenregen zeigen an, daß große Winde zieh'n heran
— Märzenregen bringt keinen Segen. feuchter März, der
Bauern Schmerz. — Gewitter im Märzen gehen dem
Bauer zu Herzen. — Ist Gertrude sonnig, wird's dem
Bärtner wonnig. — So viel im März die Nebel steigen
o viel im Sommer sich Wetter zeigen. — Märzenferke!
undMärzenfohlen alle Bauern haben wollen. — Trockner
März und feuchter April tut's dem Landmann nach sei—
nem Will'. — Was der März nicht will, das holt sich
der April, was der April nicht mag, das steckt der Maf
in den Sack. — Im Märzen kalt und Sonnmenschein, wird
ine gute Ernte sein. — Wenn im März viel Winde
veh'n, wird's im Maien warm und schön. — Märzengrün
tennt man lieber nicht schöͤn. — Märzenschnee tut den
Saaten weh. — Ist Marien (25.) schön und rein, wird
das Jahr fsehr fruchtbar sein. — Josef klar, gibt ein gu—
tes Honigijahr. — Auf Märzendonner folgt ein fruchtbar
Jahr, viel Frost und Regen bringt Geiahr — Trockne
Fasten autes Jahr.
Arbeiterbewegung
— Der Ausstand der Kohlenarbeiter in Kiel
ich ausgedehnt. Außer den Platzarbeitern baben sich die
Futscher der Kohlengeschäfte und die Träger, di e it
Kohlen in die Häuser befördern, den Ausständischen an—
geschlossen. Die Kutscher verweigern das Abladen der
Kohlen. Die Zahl der Hamburger Arbeitswilligen ist sa
unseränvort geiniehee D0α.
            
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