bon Algeciras berlef. An amtlicher Stelie und jedoch
keine derartigen Meldungen über Meinungsversch'edenhei—
ten eingetrofen
—t ——— ———
Hof und Gesellschaft
** Die zweite Tochter des Präsidenten Roosse—
Relt, dessen Amt am 1. März aufgehört hat,
zerlhobte sich mit dem ameritanischen Gesandtschafts—
itiachee William Philipp. Die Braut ist 20 Jahre
Alt und ailt als die schönste Tochter des Rräsidenten
Ein sranzösisches Denkmall
in Weißenburg
Vor eiwa einem Jahre bildete sich ein Komitee, das
ich die Errichtung eines Teukmals für die bei Weißen—
»urg gefallenen sranzösischen Soldaten zum Ziele setzte.
Rach den ursprünglichen Absichten sollten unter die Ge—
hrten nicht nur die Opfer des Gefechts bei Weißenburg
un 4. August 1870 einbegreassen werden, sondern, auch
ene französischen Soldaten, die in dem letzten Jahrhun—
dert im Kampfe um die Weißenburger Linie gefallen
ind. Diese alte Befestigungs!inie ist eine zusammenhän—
jende Reihe von Schanzen, die an der Lauter bei Wei—
zenburg durch den französischen Marschall Villars 1706
gegen die kaiserliche Besazung von Landau a«ngetegt
puürden. In den Koalitionskriegen der großen Revolu—
sion wurde um die Linie wiederholt heftig gekämpft. Am
13. Oktober 1793 eroberten die Oesterreicher unter Gene—
ral Wurmser nach dem Falle von Mainz die feste Stell—
ung, aber schon am 16. Dezember desselben Jahres ichlug
Pichearu, der Generalissimus der französischen Rheinar—
mee, die verbündeten Oesterreicher und Preußen. Nun
varn jene Kämpfe gewiß nicht von sehr großer weltge—
chi ilicher Bedeutung. Auch besteht bei nüchterner Be—
rahtung der Sache kein dringendes Bedürfnis, den Ge—
rallnen fast vergessener Zeit Dentmäler zu errichten. Im—
mersin war bei Gelegenheit der Errichtung eines Denk—
nals für die im deutsch-französischen Kriege Gefallenen
die Idee nicht gerade absurd, auch jener Gefallenen frü—
ꝛerer Epochen zu gedenken. Dies muß auch die Auffas⸗
ung der elsaß-lothringischen Regierung gewesen sein,
denn die zunächst zuständige Kreisdirektion in Weißenburg
zrhob gegen den ihr vorgelegten Plan und gegen den
Nufruf keinerlei Cinwendungen, sodaß inzwischen die
Zammlungen eifrig betrieben wurden. Erst in letzter
ZStunde hat nun die Zentralregierung in Straßburg viel
Zchwierigkleiten gemacht. Sie wurde dabei offenbar von
der Vermutung geleitet, daß in der Verherrlichung einer
Zeitepoche, die zufallig auch mit der Zugehörigkeit El—
aß⸗Lothringens zu Frankreich zusammenfällt, eine Spitze
gegen das Deutschtum gesehen werden könnte. Dieses Ge—
fühl war unserer Meinung nach zu fein. Offenbar dach—
jlen die Männer des Konmitees, dem übrigens alle elsaß—
lothringischen Reichstagsabgeordnete und auch einige Lan—
desausschußabgeordnete angehören, nicht so kompliziert
wie die Regierung. Wir vermuten sogar, daß nach der
ursprünglichen Auffassung der Urheber des Planes die
Zusammenlegung verschiedener geschichtlicher Ereignisse als
ine Milderung der nationaliftischen oder patriotischen
Stimmungen betraäachtet wurde, die bei der Erinnerung
an eine noch blutende Wunde auf beiden Seiten geweckt
werden könnten. Die plötzliche Schwenkung der Regier—
ung erregte die Gemüter um so mehr, als sie den An—
schein erwecken konnte, als sei sie weniger aus den sach—
tichen Gründen, die ja nun nicht neu waren, erfolgt, als
vielmehr, um den schikanösen Vorfällen der jüngsten Zeit
einen neuen hinzuzusügen. So drohte auch dieser kleine
Anlaß, dem eine Bedeutung an sich nicht zukommt, zu
einer neuen Giftquelle zu werden. Glücklicherweise hat
iber bei beiden Parteien die Vernunft die Oberhand
behalten. In einer Besprechung, die der Unterstaatssek—
retär Mandel mit den Mitgliedern des Komitees hatte,
einigte man sich, wie verloutet, auf die Formel, daß das
Dentmal die ailgemeine französische Inschrijt tragen soll:
Aux Soldats jrancais morts pour la patrie“. Der Statt⸗
halter hat zu dieser Lösung seine Zustimnmung gegeben.
Somit ist diese Angelegenbeit erlediat. ebe sie eine „Af⸗
säre“ werden konnte (F. 2*
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Deutsch-französischer Wirtschaftsverein
Der deutsch-französische Wirtschaftsverein hielt in Ber—
lin seine Generalversammlung unter Vorsitz des Direktors
Dr. Guggenheimer (Augsburz) ab. Der Sitzung wohn
len Verlreter des Zentralverbandes Deutscher Indwstriel—
ler, des Bundes der Industriellen, der Handelskammern
Berlin, Barmen, Brandenburg, Harburg, Straßburg i.
*., des bayerischen Brauerbundes und des Münchener
Brauervereins, sowie eine Anzahl Franzosen, Vertreter
von wiritschaftlichen Korporationen ihres Landes bei
Patentanwalt Maximilian Mins Gerlin) hielt einen Vor
srag über den Ausübungszwanzg für Patente, an den sich
n längere Diskussion schloß. Schließlich wurde folgende
eso Lution angenommen, zwischen Frankreich und
Deutschland slle ein Mfkonmen vetrofsen merne
den Vänder zur Aufrechteryaltung der Patente in veiden
Landern genügen soll. Ueber den Schutz der Herkunjfts—
ezeichnungen, insbesondere sur Nahrungs- und Genuß—
nittel, sprach Rechtsanwalt Wassermann GBerlin) fest, daß
iachdem das Deutiche Reich der Pariser Union beigetre—
en, kein Unterschied in dem gewährleisteten Schutz be
tehe. An den Vortraa schloß sich eine lebhafte Disftussion.
Zur Krise auf dem Balkan
Das unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Nowa—
rowitich gebildete neue serbische Kabinett hal
der russischen Regierung eine Mitteilung zugehen lassen,
in der die serbische Regierung ihre aufrichtige Friedensliebe,
das Fehlen jeglicher aggresfssi—
»er Absichten und idre feste Entschlossenheit ver—
ichert, sich aller provozierenden Handlungen zu enthacten
owie die Beratung der durch die gegenwärtige Krisis
zeriihrten Rechte und Interessen Serbiens den Groß
näcchten anheimzustellen. Als Antwort auf die Mit
eilung hat die russische Regierung ihren Gesandten in
Zelgrad angewiesen, der serbischen Regierung den freund
ichen Rat zu erteilen, ihren von der ru'sischen Rezierung
nit aufrichtiger Genugtuung aufgenommenen Entschluß
etreffendedie Beobachtung einer friedlichen Haltung auf
echtzuerhalten. Das Petersburger Kabinett sei über
zeugt, daß ein solcher Entschluß bei der gegebenen poli—
ischen Lage den Lebensinteressen Serbiens entspricht. Auch
ei dem Kabinctt bekannt, daß die Erklärung Serbiens
iber territoriale Etwerbungen bei den Mächten weder
Zympathie noch Unterstützung finden würde, und da
Zerbien ihre Zuneigung sich nur erhalten kann, wenn es
ruf den erwähnten Forderungen nicht besteht, die einen
»ewaffneten Konflikt mit Oeslterreich-Ungarn hervorrufen
önnen. Im Hinblick auf die von der serbischen Regier—
uing ausgesprochene Absicht, den Wünschen der Groß
nächte Rechneing zu tragen, rate ihr Rußland, kategorisch
zu erklären, daß sie auf Territorialsorderungen nicht bo
tehe und in allen auf der Tagesordnung siehenden Fra
gen sich vollständig auf die Entscheidung der Mächte ver
scasse
Die Belgrader Blätter besfassen sich mit der
Frage der Intervention der Großmächte.
das Organ der Kaufmannschaft „Trgowinski Glasnik“
zie Großmächte sollten in erster Reihe bei Oesterreich—
Angarn intervenieren, das den Berliner Vertrag gebro—
hen habe. Serbien habe erklärt, die Konferenz ruhig
abmorten zu wollen, und bleibt dabei. Die Stamna—
neint, jede zontervention müsse ahgelehnt werden. —
hden Frieden zu erhalten, mögen die Mächte die Konse
tenz einberufen. welche die serbischen Forderungen vrü
zen ud ißre Eicheiduncg treisen iofle
Die Kriegsvorbereitungen in Belgrad
verden fortgesetzt. Der Kriegsniinister, der vom
Ministerrat und der Stuptschina vollständig freie Hand
nallen militärischen Fragen erhalten hat, hat denje
iigen ausländischen Firmen, denen Munitionslieferunger
ibertrogen sind, die nötigen Summen angewiesen, dami
ziese Lieferungen belchleunigt werden. Auch wurden Maß
egeln zur Verstärkung des Grenzwachdienstes getroffen
loͤteilungen des 18. und 7. Regiments sind an die
zrenze abgegangen. Wie es heißt, wird man Belgrad
oviel als möglich militärisch räumen und alle Streit—
räfte des Landes im gebirgigen Innern in starken Ver—
ridigungsstellungen zu konzentrieren.
Nach einer Belgrader Meldung des „Miatin“ erklärte
zönig Peter in einer Unterredung, er betrachte Frank⸗
eich als sein zweites Vaterland und jedes von dort kom⸗
nende sympathische Wort klinge seinen Ohren wie schönste
Musit. Weiter habe der König erklärt, Serbien verlange
richts Besonderes, es wolle nur ein klein wenia Lufst und
inen Platz an der Sonne.
Die Meldung von einer geheimen Mobilisierung der
erbischen Armee bestätigt sich. Die Truppenkörper und
zwar drei Divisionen, jollen in das innere Territorium
des Landes dirigiert werden. Tas Hauptzentrum bilden
die Stadt Nannac. Im Kriegsfalle werden außer Bei—
grad alle größeren Städte links dem Vavic und der Do—
nau aufgegeben.
Nach einer römischen Meldung des „Matin“ miachte
ein aus Montenegro zurücgekehrter Italiener nä
here Mitteilungen über die Krieegsvor bvereitun
gen dortselbst. Das Land sei vollständig für einen Krieg
horbereitet Seit acht Tagen konzentriere sich die Bevöl
erung bei Spitza, wo 10000 Mann zufammengezo
jen seien. Aehnliche Truppenansammlungen seien be
Zre'sttann erfolgt. Dort hielt Fürft N ikata eine An—
hrache an das Vollk, worin er erllärte, alle Montenegri
er möchten sich kriegbereit halten. Al!e Slawen würder
Nontenegro unterstützen und Ru ßhand werde dem
ächst Kriegsschisse senden. Auch den Frauen soll der Für⸗
seraten haben, sich zu bewaffnen.
Mie der „Glos“ meldet, dauern die ru'sischen Trup
ieen an ver galirzischee trone 40r—
Aus Rom wird berichtet: Von einen auswärtigen
Blättern wurde die Nachricht verbreitet, die Königin
habe an die Fürsun Mibena von Montenegro einen
Brief gerichtet und den Tert dieses Briefes veröfsent—
licht. Der „Tribuna“ zufolge beruht diese Nachricht auf
freier Erfindung. Ein solcher Brief hat nicht existiert.
Die Meldung, daß Rußland bereits zugesagt habe
sich an einer direkten Aktion der Mächte in Belgrad zu
beteiligen, wird unterrichteterseits als verfrüht bezeichnet
Es wird erklärt, die rußsische Regierung werde sich an ei—
ner Demarche nicht beteiligen, solange sie nicht die Ge—
wißheit habe, daß jeder Druck in Belgrad vermieden wird
und daß die Mächte sich darauf beschränksen, in freund
schaftlicher Weise die Wünsche und Forderungen Serbiens
entgegenzunehmen und denselben eine derartige Form zu
geben, daß sie für alle Teile annehmbar sind.
Die leßten Meldungen aus Petersburg lauten weni,
ger günsug als in den vorhergegangenen Tagen. Obwohl
die russische Regierung ihre prinzipielle Zusͤmmung zu
der Beteilizung an der Aktion der Mächte in Belgrad ge—
geben hat., tut sie keinen Schritt, um diesen Entichluß
auszuführen.
Aus Petersburg wird gemeldet: Die Note der rus—
sischen Regierung an Serbien hat die hiesigen
Vertreter der Mächte nur teilweise befriedigt. Man ver—
mißt in der Note das Wichtigste, nämlich den Rat, Ser—
bien möge sofort abrüsten. Die Erhebung und der Haß
der Deutschen in den panslawistischen Kreisen dauern
in ungeschwächtem Maße jort.
Aus gut unterrichteter Miener Ortelte wird gemel—.
det: Da nun die bubga
digung, die während d
Ferdinand von Bulcç
gen Besprechung zwischen
Botschafter in Wien, R—
wurde, in der Hauptsache
österreichische Ablommen u
zur Beilegung der serbisch'
„Petit Parisien“ meldet
nisterium des Aeußern eing
Enttäuschung hervorgerufen
lands in der Orientfrage isp
nicht erfelgt. Das Petersbr
chen Vorschlage mit Mißtr
daltung Rußlands wird ve
Zaß sie eine Verzögerung ir
herbeiführe, während die Pé —
Ablehnung Rußlands, sich an dem geblansen Sch
Mächte zu beteiligen, erblicken
—
Deutscher Reichstag
Berlin. 1. März.
216. Sitzung.) Nachmittaa2 Ub.
Minder Beratung des Etats für die
Kolonien
wird fortgefahren.
Abg. Werner (GRip.) betont, es sei anzuerkennen
daß man hinsichilich der Behandlung der Eingeborenen zu
einem hunmaneren Verfahren gekommen ist. In der Ko
onial-Polilikt müßten vor allen Dingen die Weagebauten
erücksichtigt werden.
Abg. Edler v. Puttlitz (bns.) konstatiert die
Finmut gkeit in der Debatie darüber, daß ein Fortschrit
n der Enwickelung unserer Kolonien unverleugbar ist.
Abg. Noste Goz.) stimnmt in das Lob über der
inanziellen Fortschritt unserer Kolonien ein. Der Wer!
inserer Kolonien bestehe aber nur darin, daß den Unter
zehmern neue Wege zur Entfaltung geboten würden. In
der Rechtsprechung sei noch vieles ungerecht.
Slagqissekretat Dernburg erwidert: Die Kolo—
nialverwaltung stehe selbst auf dem Standpuntt, daß in
den Kolonien viele Mängel bestehen, aber der Vorredner
sehe doch durch seine Parieibrille.
Abg. Stor z (F. Vpy) polemisiert gegen den Abg.
Noske, und betont, die Arbeiter hätten ta sächlich Nutzen
bon der Kolonialpolitik, indem sie Rohstofse verarbeiten
Redner geht dann weiter auf die Kolonien ein und
erorlert den Fall des Gouverneurs Rechenberg und sagt
die Bedeutung Südwestafrikas habe durch die Diamanten
funde eine erhebliche Steigeruug erfahren.
Die allgemeine Besprechung ist hiermit erledizt Zur
Untersiützung von Baumwoll⸗ Kultur sind 60 000 Mart
sm Elat vorgesehen. Der Rest des Etats für Ostarik⸗
wird hierauf bewilligt.
Dienstag: Vortfetzung der Beratunz des Kol—⸗
nial Etats.