Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Rummer 50

.. o9, 259, 208 uno 1261. Montag, den 1I. März 1909. Zeitunge liste sðl
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253 Jahrgang.

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2wit Veilagen: „Velletristische Wochenstoͤrifte‘ und
„Lustige Blätter“.

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Allgemeiner Anzeiger für den Zürgermeislereiß
DZudweiler.
Abonnementspreis
monatlich 70 Pfs. frei ins Haus gebracht; bei der Po—
beftellt M. 2,25 vierteliahrlich.
Die „Dudweiler Zeuung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn
und Feiertage.
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treisen. Kommt bei den Verhamlungen etwas Brauchba⸗
ces zustande, so kunn es den Zemttunsnur recht sein. Es
jat gezeigt, daß es zn poͤfitiver prakti'cher Mtarbeit au
»er Reichssinanzresorm bereit ist und hat, als die Block—
irbeit auf einem toten Punkt angelangt war, auf einen
Veg verwiesen, den die Mehrheil des Reichstages eben; o
vie die verbündeten Regierungen für ganabar heelten.
das Zentrum hat sich nur von dem Gedanien leiten las—
en, im Rahmen der eichsverfassung etwas Brauchbares
ur Stenerung der Reichsfinanznot schasfsen zu helfen;
abei verdient noch einmal dervorgehoben zu werden, daß
er Reichsschabsetrctär uad die Versfreler der verbündeten
degierungen im Gegensats zum Fürsten Bülswdie Reschs⸗
nanzreferm niemals als Blocksache betrachtet haben Die
lingaven über den Weg, der zur Eintgung der Block
arteten führen soll, sind recht verichieden. Als das Wahr—
heinlichste wird folgendes bezeichnet: Die Konservat ven
uimmen dem Gaumpichen Gedanken einer durch die Ein—
elstaaten zu erhebenden Reichsvermögenssteuer zu, wofür
ne Linke einen erböhten Kafiee- Tee⸗ und Kakaozoll in
UMussicht ett—

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wnreigen
en 10 Pfs. uik haig Jeile; bei mehrmaligen Inserationen
witsyrchender Rabatt.
Redaktion, Druu und Verlag von J. 21lhe r
in Dudweiler.

—
ferner, er have Berlin lediglich aus dem Grunde verlas⸗
sen. weil man im Ger oits aal nach dem e orbitanten An—⸗
trage des Staatsanwans aligemein der Ansicht gewesen
sei, seine sofort ge Veryattung werde ber der Urlseilsver
lündung unvermeidlich sein Er habe aber so dringende
private Angelegendeiten zu ordnen gehabt, daß ein NAus—
schieben derselven ur inhn die ernttenen wirlschaftlichen
zronsequenzen gehabt habe.
*Die Stich wahl im Reichstagswahlkreise Alzetz⸗
Bingen ist zugunssten des Zemtrumsland daten uUeber
ansge allen. Der freisiunige Kandidat Pftarrer ne
r,eAl ist unterlegen. Die anmitliche Zahrung ergab fi
Uebel 12027 und für Korell 10 877 Semnen. Die Ra
tionalliberalen sind fast geschlossen sür den Kandidaren
des Zentrums eingetreten, während die Sozialdemokraien
für Korell simmten.
* Die Führer der Blockparteien vorhandelten am Son—
nabend im engen Kreis über eine Werstän diguns
in der Reichsfinanzreform.
* Der franzosische Botschaster Cambon wurde vom
Reichskanzuüer empfangen, dem er, wie rürzlich dem
Kaiser, die Genugtuung der sranzönjchen Regierung über
das MaroktoAbrommen auszprach.
* Die Reichstags-Ersatzwahl im Wadllreise Verden—
Hoya-⸗Syte ergab Stichwahl zwischen Dre. Hetligen
stadt (natl.) 5881, und Dannenberg Welfe) 6318.
* In Berlin trafen etwa 20 frauzoösische Dele gie vie
des sranzoͤsisch deutschen Handels⸗Ronnines mit vem Ge⸗
neralsekretär Lucien Coquer ein. Die Sitzungen des Ko—
mitees begannen am Samstag vornmitiag 11 Uhr in der
königlichen Seehand ung. RNeden der Crörterung allge—
meiner handelspolitischer Fragen sieht die Vorbereitung
fur günstige Handelsbeziesfungen zwischen beiden Landern
auf dem Programm. Samstog Abend sand im Nonopol
Hotel ein Diner für die Mitglieder der Tagung siart, 41
dem der frühere Botschafter Cambon erschienen war
Fraukreich.
* Der „Matin“ meldet aus Berlin: Fürst Bülow habe
in einer Versammlung der Führer der Blockharteien er—
lärt, daß die gegenwärtige äußere Lage überaus ernß
sei. Die Balkanfrage gleiche einem Pulverfasse
bei dem sich eine brennende Lunte befindet. „Wir sint
bereit. Bei den Vorstellungen, die wir Rußland gemach
haben, haben wir nicht verhehlt, daß wirnm cafus foe
deris, d. h. falts Rußland in einem österceichisch serbi—
schen Konflikt Serbien mit den Wassen unterstüten sollle
wir uns sofort an die Seite Oesterreichs stellen wärden.“
Der Reichskanzler habe henzugesugt: Wir würden Ruß—
and sofort angreifen. Fürst Bulow habe die großste
Diskretion über die von ihm gesprochenen Worte ver
langt und sodann gesagt: „Angesichts des Ernstes der
äußeren Situation ist ses eine patriotische Pfut, die m
nere Lage nicht zu verwicteln. Deshalb beschrwöre ia
Sie, meine Herren, der inneren gefahrvollen Vage bei
uns ein Ende zu machen. Wir müffen neue Steuern fin⸗
den. Einizen Sie sich in Betreff der 150 Millionen di—
reklte Steuern!“ — Nach einer Meldung des Wolgseher
Bureaus ist die im Vorstehenden dem Reichskanzier in
den Mund ageleate Rede vollständig erfunden,
Griechenland.
*Aus Athen wird gemeldet: Die bulgarischen
Banden lehen wieder auf. Bei Kalendra und bei Christe
im Kreise Serres haben zwei Banden furchtbare Greuel
taten verübt. 5 Griechen wurden aetöten
Türkei.
*Der Kriegsminister drohte mit feinen
demission, wenn nicht unverzüglich 150 000 Pfund rück
andiaer Sold für das Adriauopeler Korps henn n
ie so rosig dor uns liegt. Freust Tu Dich denn nicht,
Bater, daß wir ganz in Deiner Nähe bleiben, daß Victor
ür immer den bunten Rock ausgezogen und als einfacher
Landmann sein Erbe in Lörbach antreten will7“
„Darüber bin ich glücklicher, als Worte es ausdrücken
önnen, mein Kind“, erwiderte der Greis mit dankerfüll—
em Blick gen Himmel. „Die Besitzung ist auch so reich
und groß, daß es schade gewesen wäre, sie fremden Hän—
den zu überlassen. Fühlst Du Dich auch stark und gesund
genug, um die neue Arbeit zu übernehmen?“ wandte er
ich dem jungen Manne zu. 2
„Jal“ versicherte er zuversichtlich, jich fühle mich woh—
ler als je in meinem Leben. Der Winter in Nizza —
Alice als meine Pflegerin — haben Wunder gewirlt, und
ich habe die glücklich überstandene Krankßeit längft wiader
bergessen.“
Seine Augen ruhten bet diesen Worten mit zaͤrtlicher
Bewunderung auf dem lieblich errötenden Mädchen an sei—
ner Seite, und auf seinem Antlitz war keine Spur der
überftandenen schweren Zeit zurbdgehblteben. Nur manch
mal, wenn Aliece traumverloten in die Ferne schaute, lag
tin Zug tiefer Melancholle in ihren Zügen, der an die
dergangene Leidenszeit erinnerte, doch bald war er ver⸗
schwunden, und sie gedachte des neuen alücklichen Lebens
das morgen für sie beginnen sollte.
„Freust Du Dich niche Uber die Neuigfeit, mit der
Dre. Werner und Laura uns beuts üherrascort haben?“ fragte
Victor plötzlich.
„Ich freue mich von ganzem Hurzen“, versicherte Aliee,
He werbden ein glückliches Paar werden, denn sie passen
o gut zusammen. Or. Werner sagte mir, er habe Lauro
jom ersten Augenblick an geliebt, es war an ijenem Mor—
ren — — — —* * —D
„Sprich nicht von jener Zeit“, bat Viciory.
Und Laura erzählte min“, fuhr Alice umbelirt sort,
daß sie selbst garnicht geahnt habe, wie sehr sie den
Doktor liebte. Erst als er zu Weihnachten schrieb, er wolle
rhep Famen imm etnen Trone 2u Bißon au 54

Zur Reichsfinanzreform
Während durch das besonnene Eingreisen der euro⸗
ischen Großmachie der durch den serbischen Zwischen⸗
all bedrohte Weltsrieden vorläufig nicht bedroht scheint,
obt im Innern unseres Reiches der Kampf um die
steichsfinanztejsorm fsort. Die lezten Tage waren schon
ibwechjelungsvoll und es verging jast keiner, ohne Ueber⸗
aschungen zu bringen. Herr Sydow hat in der Finanz⸗
esorm sich sur den Kompromißantrag Gauwp-Herold er—
lärt, während die einzelstaallichen Finanzminister, die
chon seit einigen Tagen in Berlin weilen, sich für die
achlasteuer und gegen die Erhöhung der Matritular bei⸗
räge ausgesprochen haben Der Reichskanzler scheint mit
en einzelsiastlichen Rinistern übereinzusummen. Man
»avf nicht vertennen, daß die Situation eine umso ern—
tere ist, weil der jetzt eingenommene Standpunkt leicht
inen Appell an das Volk zur Folge haben könnte und
ferner, daß eine Ueberstimmung der Sanierungs—
niäne des Reichskanzlers durch die Stimmen der Kounser—
zativen und des Zentrums den Sturz des Fürsten Bü—
ows zur Folge haben und damit auch wohl der
blodgedanke zu Grabe getragen werden würde Die Fühz—
er der Bloctparteien entfalten daher eine fieberhafte Tä—
igkeit, um im lebten Augenblick noch einen Ausweg zu
inden, der einen Kompromiß zuläßt. Noch ist ein sol⸗
her Ausweg nicht gefunden worden und bei der Hart—
äckigkeit mit der sich die im Block vereinigten verschie—
»enen Parteten gegenüberstehen, wird sich auch wohl
chwerlich ein solcher finden lassen. Die Kon'ervativen
ehnen stritte jede dirette Steuer ab, während die Frei—
innigen ihrerseits die Konsequenz aus der Haltung der
donservativen ziehen und sämtliche Steuervorlagen sfallen
assen wollen. Fürst Bülow hat den Blockführern er—
lärt, daß er die Reichafrnanzreform mit dem Block ma—
hen wolle, und daß er mit dem Block stehe und falle.
Ddie Drohung hat auf die Konservativen nigen Eindruchk
licht verfehst, aber zum Nachgeben können sie sich den—
ioch nicht bereit sinden. Wenn sie diesen Standpunkt
zeibebalten, so wird wohl Vülow mit dem Bloch der
VLergangenheit überantwortet und ein neues Varlament
zewählt werden.
Die „Frankf. Ztg.“ legt den Standpunkt der Links—
iberalen dar und sagt u. a.; Der Antrag Hero!d ⸗Gamp
st für die Linke unannebmbar, da sie keiner Lösung zu—
timmen kann, die nicht auf das Genaueste die Leistun—
jen der Steuerzahler präzisiert; so ist z. B. eine Besteue—
ung der Einkommen von 1200 Marl, wie sie der An—
rag zulassen wurde, keineswegs eine Besteuerung des
Besitzes. Sollte es gelingen, hierüber noch nach raͤglech
ine Einigung zu erzielen, dann blieb immer noch das
chwere Bedenlen eines ungerechtfertigten Eingriffes in
zie einzelstaatlichen Finanzverhältnisse bestehen. Und so—
»ann verschieben sich die Verhältnisse für die Linkte noch
veiter: auf Grund der Nachlaßsteuer war sie bereit, Kon
essionen auf dem Gebiete der ihr unsympathischen indi⸗
ekten Besteuerung zu machen, jehzt fälit das Motiv für
»erartige Konzefstonen hinweg. Warum soll denn auch
die Linke brockfreundlicher sein als die Reichsregierung?
Zchiebt das Minisserium Bülow den Bloch in einer so
vichtigen Frage zur Seite — nun, man wird sich dann
in den Gedanklen gewöhnen. dak der Blockt der Vergan
jenheit angehört.
Die „Köln Vollsztg.“ schreibt über die Stimmung
in Berlin das solgende: In freisinnigen Kreisen ist man
on der Haltung des Reichskanzlers sehr befriedigt. Füest
Bulow soll deutlich zu verstehen gegeben hahen da

Die schwebenden Verhandlungen haben nur insosern
ine Klärung erfahren, als ganz unabhängig vom Zen—
rum der Block wieder versucht, zu einem Ergebnis über
»ie Vermögenshelastung innerhalb der Reichssinanzreform
at gelangen. Die Blockparteten haben zur Vorberatung
nnes etwwaigen gemeinsamen Vorgehens einen Ausschuß
nedergeseßzt, besstehend aus den Abgeordneten Wiemer,
Weber, Gamp und Tietrich. In dem Block nahestehen—
»en parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß
ieser Ausschuß zu Beginn dieser Woche selne Vorschläge
nachen kann. Irgend welche Schlüssfe auf das zu vermu—
ende Ergebnis dieser Blockverhandiungen zn ziehen, ist
urzeit nicht möalich.

VBolitisme RNundschau
Deutsches Neich.

*In der Generalversammlung des Vereins der Sp ei—
itusFabrikanten machte Abg Sie g (natlib.),
er in der Steuer Kommissien des Reichstages an den
Beratungen über das Branuntwein⸗Monopol jeilgenou
nen hat, Mitteilungen über die zu dessen Ersatz bestimmte
ieue Vorlage des Reichsschatzamtes. Darnach werde dem
Zpiritus eine Verbrauchsabgahe auferlegt. Die neue Vor—
age werde auch Vorschläge bringen, wie das Gewerbe
ufrecht erhalten bleiben könne, wenn eine Differenzier—
ing des Sviritus ersolgt. Ferner müsse, wenn nicht ein
ollständiger Ruin aller mittleren und kletneren Brenne—
eien eintreten soll, die Koutingeutierung beibehalten
verden. In wenigen Tagen werde der Entwurf veröf—
entlicht werden. Tie Votlage wird aber einen Passus
nthalten, daß man berechtigte Anivrüche berücksichtigen
olle.
*Wie verlautet, wird seitens der beiden Verurteillen
m Beleidigungs-Prozeß Verger, des Kapitaͤns Berger
ind Dr. JIlgenstein kerne PNenifion eingelegt wer—
en.
* Nach einem Beschluß des bayerischen Staatsministo—
iums wird Bayern unter allen Umständen sfür die
vrhüöhung der Telephongeoühren stimmen.
* Dr. Heinrich Ilgeastein, der Herausgeber des
Blaubuches“ erkiärte dem Parlser Korrespondenten des
Bertliner Tageblau“ gegenuber, daß er sich in Paris
»*6alte und bererts durch leinen Wichteneruud dor Ver
            
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