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. oä. E, 209 Iα. fFreitay, den 26. Februgr 1399.
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235. Zahrgang.
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Mit Reilagen: „Welletristische Wochenschrifte“ und
Eustige Rlätter“.
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Redaktion, —X VBerlag von J. Untevrtebler
in Dudweiler.
Allgemeiner Anzeiger für den Bürgermeislereibezir!
Dudweiler.
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bestellt M. 2,25 vierteljährlich.
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Die „Dudweiler Zettung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage
—
Ein Krieg in Sicht?
Der Zwist zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien
vegen der Balkanfrage hat in den letzten Tagen eine
erartige Zuspitzung erfahren, daß man auch in offiziösen
rdreisen die Gesährlichkeit der Sitmation nicht verkennt.
die Großmächte haben sich auf diplomatischem Wege zu
zerständigen versucht und zwar wollte man der Belgra—
zer Regierung durch eine Kollektivnote die drohenden Ge—
ahren noch einmal vor Augen führen. Rußland hat da—
aufhin kategorisch erktärt, daß es sich einem solchen Vor—
jehen nicht anschließen könne, vielmehr sei ein derartiger
Schritt in Wien zu unternehmen. Gegen ein derartiges
Ansinnen hat natürlich Deutschland mit der nötigen Deut⸗
ichkeit protestiert, das mit Recht nicht einsehen kann, wo—
nit ein solcher Kollektivschritt in Wien rechtfertigt wer—⸗
ven soll, da doch das ganze Kriegsgeschrei von Belgrad
lusgehe und Oesterreich Ungarn sich in anerkennenswerter
Veise sehr maßvoll gezeigt habe. Daß Deutschland sei—
iem Bundesgenossen in dieser Frage sekundiert, ist nicht
nehr wie Recht und wenn man sich in London über die—
es Verhalten der Berliner Regierung aufzuhalten beliebt,
o muß uns das auch einerlei bleiben. Schließlich ist
och Freundschaft noch nicht gleichbedeutend mit Nach—
aufen. Durch den Besuch des englischen Souveräns wa—
en die Beziehungen zwischen Deutschland und England
vieder geklärt, und vom deutschen Volke ist es freudig
zegrüßt worden, daß zwischen den beiden Mächten ir—
jendwelche Reibungspunkte nicht bestehen und einem
reundschaftlichen Verhältnis nichts im Wege stehe. Wenn
mn das Londoner Kabinett hinterher ein solch unbilli—
jses Verlangen an unsere Regierung stiellt, so kann das—
elbe von Berlin aus nicht entschieden genug zurückgewie—
en werden. Es gewinnt den Anschein, als ob der öster
eichisch-serbische Zwischenfall zu einer Weltfrage aufge—
auscht werden soll, denn die Londoner Meldung, daß
öngland sich mit Rußland identisch erklärt habe, läßt
ine andere Annahme nicht gut zu. Ob man in diesem
Falle di Triple-Entente zur Wirkung kom—
nen lassen will? Oder ob das serbische Kriegsgeschrei
zn langer Hand vorbereitet worden ist, um so, nachdem
zas Unternehmen mit der Türkei scheitern mußte, dem
Dreibund bezw. Deutschland und Oesterreich-Ungarn eine
Falle zu stellen? Eine Beantwortung dieser Fragen muß
zie nächste Zeit bringen. Uns will es fast scheinen, daß
stußland Serbien gegen Oesterreich-Ungarn Krieg führen
zjelfen will und daß zuguterletzt En gland auch noch
m Hintergrund erscheinen wird. Wenn diese Vermutung
ich bewahrheiten sollte, dann würde für Deutschland al—
erdings nichts anderes übrig bleiben, als seinem ange—
zriffenen Bundeszenossen zur Seite zu siehen und dann
väre der vielbesprochene und vielgefürchtete Weltkrieg
da. Die Zeiten sind ernst und die nächsten Toae fönnoen
nerhängnisvoll werden.
Inzwischen melden Wiener Extrablätter, daß Oester—⸗
reich Ungarn 160 000 Soldaten an die serbi—
sche Grenze geschickt habe, um gegebenenfalls den
erbischen Truppen wirkungsvoll entgegentreten zu kön—
ien. Wenn diese Nachricht sich ofiziös bestätigen sollte,
»ann wäre allerdings ein blutiges Völlerringen, das
vahrscheinlich mit dem gänzlichen Verfall des kleinen
Zerhenreiches enden würde, kaum vermeidlich
— — —
reichische Spione denunziert hatte, wurden vom Pobel
iberfaclen und ermordet. Beide wurden mit Stöcken er⸗
chlagen und ihren Leichen Ohren und Nasen, sowie die
Bärte abgeschnitten.
Aus Cetinje wird gemeldet: Fürst Nikita wird
demnächst nach Petersburg reisen, um den Zaren und die
cussische Regierung vollständig zu gewinnen.
Der von Belgrad in Wien angekommene Gesandte
vraf Forgach hatte eine lange Besprechung mit Baron
lehrenthal. Forgach berichtete über die Belgrader Stim—
mung, die Stel ungnahme seiner diplomatischen Kollegen
u den serbischen Forderungen, charalterisierte das neue
dabinett und erörterte die Konsequenzen des Kabinetts—
vechsels, der ungünstig beurteilt wird. Minister Freiherr
»on Aehrenthal entwickelte die Lösungs-Möglichkeiten der
erbischen Frage. Die Lösung ist jedoch nicht bevorste—
zend, daß das Ergebnis der Vermittelunasverhondeeän
abzuwarten ist.
Die offiziösen Kreise betrachten die Balkankrise
ils sehrgefährlich. Etwa 20000 Freiwillige mel—
deten sich für Serbien. Die Gerüchte über eine russische
Mobilmachung sind bisher unbegründet. Ferdinand von
Bulgarien reiste direkt über Wien nach Sofia ab.
Das neue serbische Kabinett macht in Wien den denk—
har schlechtesten Eindruck, da ihm eine Reihe von ganz
rbitterten Gegnern Ocsterreich-AUngarns angehören. Man
bezeichnet die Einsetzung dieses Kabinettis als einen Be—
weis dafür, daß alle Raischläge der Mächte in Belarad
völlig wirkungslos gewesen sind.
Nach einer Londoner Meldung des „Matin“ wurde
dort in diplomatischen Kreisen versichert, daß das Aus—
wärtige Amt über die Haltung Deuischlands sehr unzu—
sfrieden sei. Während des füngsten Besuches des Königs
in Berlin war in der Wilhelmstraße die Absficht kundge
zeben worden, daß man im Orient die Aufrechterhaltung
des Friedens wünsche und die Rächte in ihren Bemüh—
ungen, eine friedliche Lösung der Spannunga herbeiaufüh
ren, unterstützen werde.
Wie das „Echo de Paris“ aus London meldet,
oll das Peiersburger Kabinett die Absicht ausgedrückt
haben, daß ein Kollektivschritt der Mächte bei Serbien
für Rußland unannehmbar sei. Das Londoner Kabineu
werde sich dieser Ansicht anschließen.
Der Londoner serbische Geschäftsträger Gruitsch
erkläärte in einer Unterredu'ng mit dem Korrespon⸗
denten des „Echo de Paris“ folgendes: Die Behauptung,
daß Serbien den Frieden bedrohe' und unr
urch eine Kolsektivnote zur Vernunft gebracht werden
ssune, überschreite wietlich die Girenze dasß Ahbtirde n
xuropa nicht schieklich Serbien auch noch vorschlagen,
eine Bajonnette zu zerbrechen? Der Gesandte druckte die
doffnung aus, daß die Weigerung Deutschlands, in Wien
u intervenieren, keine bedrohlichen Folgen haben werde.
Nach einer Beigrader Meldung des „Petit Parisien
erklärte Novakowitsch in einer Unlerredung, daß Serbien
den Besitz eines Gebietsstreisens erhalten müsse, welcher
eine direkte Verbendung mit dem adriatischen Meere ge⸗
tatte. Das sei für Serbien eine Lebensfrage. Die Re—
sierung werde in den nächsten Tagen die Bewilligung von
33 Millionen für Rüstunaszwecde nom Vaortoment' be
intragen.
Nach einer Belgrader Meldung des „Petit Parisien“
verde das serbische Memorandum an die Kabinetie von
Berlin, London, Paris, Rom und VWetersburg gerichte,
wverden.
Der serbische Minister des Aeußern, Milowanowitsch
erklärte gegenüber einem Vertreter des „Matin“, daß sich
alle Mitglieder des Kabinetts hinsichtlich der Gestaltung
der auswärtigen Politik darin einig seien. Das Programm
der Reaierung lasse sich dabin a2utrammenfaen: Territo—
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riale Einheit und uUnion zwischen Serbien und Monte—
negro. Auf die Frage, was er von einem Kriege halte
lagte der Minister, nicht Serbien sei es, welches den Kriegç
wünsche, und er könne nicht glauben, daß es Oesterreick
sein werde, welches einen Krleg heraufbeschwören wolle.
In Wiener diplomatischen Kreisen erwartet man, daß
die zwischen dem Belgrader Gesandten Grafen Forgach
und Baron Nehrenthal stattfindenden Konferenzen keine
lärung der gespannten Lage herbeiführen werden. Man
ist der Ueberzeugung, daß Baron Aehrenthal den Mäch—
ten Andentungen niachen wird, in welcher Richtung sich
die proseltierte Kollektip-Aktion der Mächte in Belgrad
bewegen soll.
Unterrichteterseits verlautet, daß die russische Regier—
ung bisher noch leine definitiven Beschlüsse darüber ge—
faßt habe, ob sie sich doch an dem geplanten Kollektiv—
schritt der Mächte in Belgrad beteiligen wird.
In Belgrad zirkuliert das Gerücht, der Kron—
prinz habe die Absicht, als Chesf eines Freiwil—
ligen-Korpsinden Krieg zu ziehen. Der
russische Genecal Spiridowitsch signalistert selegraphisch
die bevorstehende Ankunt von 300 russischen Offizieren in
Belgrad. Am Donnerstag wurden große antiöfterreichi
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Die bisher sistiert gewesenen Kriegsrüstungen
werden wieder aufgenommen und zwar mittelsft russischer
Unterstützung. In Antivari ist ein russischer Dampfer mil
Waffen und Munition für die montenentinische Arnmee ein
getroffen.
Aus Wisen wird berichtet: Trotz aller offiziellen
Dementi erhalten sich die Gerüchte von einer für den 1.
März bevorstehenden Mobilisierung. Die Re—
erve⸗Offiziere haben bereits in kommissionell versiegelten
seuverts, welche nur im Einberufungssalle geöffnet wer—
den können und deren Abhandenkommen kriegsgerichtlich
geahndet wird, ihre Kriegsdienstbestimmungen Zugestell
erhalten. Bei den Bezirks-⸗Hauptmannschaften liegen di⸗
Mobtlisierungs-Kundmachungen vorbereiten.
Infolge der Meldung, daß serbische Emissäre nach
Oesterreich gesandt werden sollen, um Attentate ge
gen hochstehende Persönlichkeiten und verschiedene Ge—
bäude auszuführen, sind auch in Wien Vorfichtsmaßregeln
getroffen worden. Unter anderem wird die kaiserliche Hof
burg in Wien viel schärfer bewacht als sonst. Die Zahl
der Militärposten wurde vermehrt, eine Anzahl Detertive
aufgestellt. Auch eine Reihe von Eingängen zur Hof
burg, die früher offen standen, sind jeßi gesperrt worden.
Fürstin Milena, die Gattin des Fürsten Ni
lita von Montenegro, erhielt kürzlich von ihrer Tochter,
der Königin von Italien, einen Brüef, in dem viese
dem montenegrinischen Volke jede Unterstützung von Sei—
en Italiens und ihrer Person zusagt. Am Schluß des
Briefes heißt es: Seid alle versichert, daß ich in dem
Moment, indem ich den Untergang meines Vaterlandes
und meiner Heldenbrüder sehen würde, keinen Momen
mehr länger die Krone Italiens tragen würde. Hoffen
wir, daß es nicht so kommt.
Wie aus einer Mitteilung an die Londoner Blätter
hervorgeht, ist man in Londoner diplomauischen Kreisen
überzeugt, daß die Wirren auf dem Balkan friedlich bei
gelegt werden.
Die Belgrader Zeitungen kündigen an, daß in den
nächsten Tagen 13 000 russische Freiwillige in Belgrad
eintreffen werden. Der russische General Lit o w o ssch
wird ebenfalls in den nächsten Tagen hier erwartet, um
das Kommando des Freiwilligen-Korps zu übernehmen
*
Die meisten Pariser Morgenblätter sprechen sich mi
großem Nachdruck für ein energisches Einschreiten
der Mächte in Belarad aus. Man soll es, den Serben
*
VNeber den Stand des Zwistes zwischen Oesterreich—
Angarn und Serbien besagen die vorliegenden Meldun—
gen folgendes:
Aus Geilinse meldet die Südjlawische Korrespondenz:
sin früherer Portier der österreichtschen Botschaft in Kon—
tantinopel und ein gewisser Grkjanin, die man als öster—
Zur rechten Seit.
—
Mun, ift Ihnen hier etwas bekannt?“ fragte eine ihr
zünzlich fremde Stimme, „sehen Sie sich die Straßen, die
Bebäude an, haben Sie dieselben jemals gesehen?“
„Nein — und doch glaube ich, hier früher gewesen
zu sein“, versetzte der andere zögernd, aber beim Klang
eined Stimme durchzuckte es Laura, als habe sie einen
lektrischen Strom berührt, ihr Herz drohte zu zersprin⸗
zen, und heiße Röte bedeckte ihre Wangen.
„Vielleicht haben wir besseres Glück, wenn Sie den
dom sehen“, fuhr der erste Sprecher heiter fort.
„Das hoffe ich“, entaeanete eine sehr wohlbekannte
Stimme.
Laura schloß überwältigt die Augen; sie fuühlte sich
erwirrt, einer Ohnmacht nahe, dann, mit dem festen Vor
atz, Gewißheit zu haben, beschleunigte sie ihre Schritte,
um einen Vorsprung vor den Fremden zu gewinnen.
Bei dieser Gelegenheit stieß ste mit ihrem Regenschirm
imversehens an den des Herrn, dessen bekannte Stimme
hre Aufmerlsamkeit so sehr gefesselt hatte.
„Bitte um Entschuldigung“, sagte der Herr, und die
Vorte zwangen Laura, sich schnell umzuwenden. Dann
nit dem Schrei: „Victor — Hauptmann Wildenthal!“ wäre
ie beinahe vor Ueberraschung umgesunken, wenn sein Be—
lleiter sie nicht rechtzeitig gestütßt hätte.
„Kennen Sie meinen armen Freund, haben Sie ihn
e vorher gesehen?“ fraate er mit weicher, melodischer
Ztimme.
„Ich — ich glaube, ich kannte ihn“, versetzte Laurg
dockend, „aber ich muß mich irren — natürlich, jetzt weiß
sch, daß es nur Täuschung ist, aber dennoch sieht er
inem Freunde so sehr ähnlich, der seit drei Monaten
ot ist. O, es ist mir leid, Sie in Ihrem Wege aufzu
jal ten.“
Bei diesen letzten Worten schaute ste prüsend in das
Intlitz des Herrn, dessen Stimme sie so sympathisch be—
ührt hatte, sie sah seine ernsten grauen Augen auf sich
erichtet, und die bleichen Züge kamen ihr wieder unge—
nein bekannt vor.
O die Nehßpnlickkeit in boch erstaunsich — e⸗p mun ⸗8
sein“, fuhr ste dann tief vewegt fort, und jähe Röte umd
Blaͤsse wechselten sichtlich in ihrem Antlitz.
„Wer ist sie?“ fragte der Herr, der dem armen Wil—
denthal so ähnlich war, bald seinen Freund, bald die
unge Dame anschauend.
„Ich glaube, mein Fräulein, es steht in Ihrer Macht,
melnem Freunde und mir einen großen Dienst zu er
beisen. Erlaucen Sie mir, mich Ihnen vorzustellen —
Dr. Werner aus Königsberg. Jetzt bitte ich mir den Na
uen zu wiederholen, mit dem Sie vorbin meinen Freund
mredeten.“
Er sprach so freimütig und offen, daß Laura volles
Bertrauen in ihn setzte und erwiderte:
„Ich nannte ihn Victor Wildenthal“, dann verdun—⸗
elten Tränen ihren Blick, und zögernd fügte sie hinzu:
„Aber es ist ja ganz unmöglich — ich saate Ihnen schon
nein Freund statb — — —“
„Mein liebes, junges Fräulein“, unterbrach Dr. Wer—⸗
ner, vertrauensvoll ihre kleine Hand fassend, „sind Ihre
Nerven stark genug, uen mir zu sagen, wann und in wel—
cher Weise Ihr Freund sein Ende fand?“
Er ertrank beim Baden unweit Mengersdorf“, fli⸗
sterte sie. —
Sie sah das Antlitz des Doktors vor Freude auf—
leuchten, dann fiel es plötzlich wie Schuppen von ihren
Augen, und sie jubelte laut:
„stann es denn Wahrheit sein, ist es wirklich mög—
lich, daß er damals nicht gestorben ist? Ach, Hauptmann
Wildenthal, erkennen Sie mich denn nicht? Sehen Sie
mich doch an, ich bin Laura Prellwitz,.“
„Ich glaubte — ich hörte früher den Namen“, sagte
er langsam und zögernd, aber kein Erkennen zeigte sich
in seinen Zügen, „mir scheint hier die Gegend auch ein
wenig bekannt, vielleicht kommt die Erinnerung später
zurüct“, dann drückte er die Hand vor die Stirn und fuhr
ort: „wenn ich mich nur recht besinnen könnte, aber kaum
zabe ich einen Gedanken gefaßt, so ist er wieder vergessen
C1 1 411 5 RsR- 444 —EA — — —
Alice hatte sich in den letzten Monaten auffallend
nerändert; sie sah krank, leidend und kummervoll aus,
aum ein Schatten gegen früher, als sie als Liebling des
aunenhaften Glücks von allen Freunden und Bekannten
zeneidet wurde. Warum heiratete sie Arthur Arnheim,
»en sie augenscheinlich mehr fürchtete als Uebte?
k. Jetzt erst entdeckte Laura, daß die Entrüstung, die sie
mfänglich gegen Alice gehegt, einer weicheren Stimmung
Platz machte, daß Tränen ibre Augen füllten und ibre
dissen netzten.
Ich fürchte, ste macht sich unglüclich“, sagte sie dann
aut, um ihre Rührung zu beherrschen, „sie war ein Bild
tostlosen Jammers, als ich sie zulezt sah — und ich
üühle doch Mitleid mit ihr. Ich will für sie beten, viel—
eicht fühle ich mich dann besser, wenn ich die Beruhigung
sabe, für sie zu tum, was ich kann.“
*Da sie diesen Entschluß gefaßt halte, stand sie eilends
urf, um im nahen Dom ihre Fuͤrbitte für die Freundin
»or den Thron des Höchsten zu bringen und ste seinem
Schutze zu empfehlen.
* Wenn ich mich beeile, komme ich frühzeitig zurüch,
he die andern im Hause vom Schlaf erwacht sind', flü—
sterte sie bei sich selbst, nd niemand vermißt mich hier
lo früh.“
SLeise, ungesehen verließ ste das Haus und stand
zald auf der Siraße. Ein feiner Regen rieselte vom blei⸗
grauen Himmel hernieder; alles um sie her schien so
üster und traurig, wahrlich, ein schlechter Tag für eine
dochzeitsfeier.
Blötzlich lenkte sich ihre Aufmerksamkeit auf zwei
Herren, die in ganz gepnger Entfernuna Arm in Arm
dar ihr hedaingen