En Tiar ne⸗-Sensationsprozeß
Prozeiz Ilgenstein-Berger
In der Verhandlung am Montag gegen den Kapitän
Berger ertlärte Rechtsanwalt Löwenstein, daß er einen
Versuch gemacht habe, die Gegemätze in versöhnlicher und
loyaler Welsse durch eine angemessene Erklärung des Ka—
pitäns Berger beizulegen. Graf Baudissin stehge diesem
Gedanken sympathisch gegenüber. Staatssekretär von
Täürpitz habe aber erklärt, wenn es sich lediglich um
die Persorlichteit Bergers handelte, würde dieser Erle—
digung nichts im Wege stehen. Im Interesse des An—
sehens der deutschen Marine scheine es aber geboten, daß
die Angelegenheit durch einen Richterspruch ihre Erledig
ung finde.
Nach der Ertlärung Dr. Löwensteins begannen die
Plaidoyers. Erster Staatsanwalt Dr. Hage—
mann schuldigt den Kapitän Berger und den Dr, Il
genstein an, daß sie, und zwar Berger durch seine Ein—
gabe an den Staatssekretär des Reichsmarineamtes und
beide Angeklagte durch die von ihnen veröffentlichten Zei—
tungsartikel hohe und höchste Seeofifiziere in der schärf—
sten Weise beleidigt haben. Beide Angeklagte müsse die
volle Strafe des 8 186 treffen, den Schutz vor 8 193
könnten beide Anzeklagte nicht für sich geltend machen.
Strafmildernd sieht dem Angeklagten Berger zur Seite,
daß er erregt war und seine Zukunst und seinen Lebens
zweck vernichtet sah. Ich habe auch die Ueberzeugung.
daß er in dieser seiner kritischen Lage überaus übel be—
raten gewesen ist. Bei diesen seinen Beratern möge er
sich bedanken! Strafschärfend ist die besondere Schwere
der Beleidigungen, daß eine Rechtsbeugung und Verge
waltigung vorliege, daß mit Lug und Trug mehrfach al—
lerhöchste Entschließungen erschlichen worden seien. Dazu
kommt die Hartnäckigkeit, mit der er trotz voller Aufklär—
ung durch seinen Vertrauensmann Kapitän Neitzke, an
seinen Anschuldigungen festhielt. Erschwerend ist ferner,
daß Kapitän Berger auf die Frage, ob er die Artikel des
Dr. Ilgenstein gebilligt hat, gesagt hat: Wenn ich es ge—
33 hätte, würde es erheblich schärfer ausgefallen
Der Antragdes Staatsanwalts.
„Unter Berücksichtigung aller Momente kann von ei—
ter Geldstrafe keine Rede sein. Das Maximum der Strafe
wäre zwei Jahre Gefängnis. Ich beantrage gegen den
Angellagten Berger 9Monate, gegen den Ange
Jagten Jlgenstein 1Jahr 3 Roöonate 6e
fängnis, ferner Einziehung der betr. Nummern
des „Blaubuchs“ und Publikationsbesugnis für die Be—
leidigten im „Blaubuch“, „Rechtshort“, Berliner Tage
blatt“, „Berline Lokalanzeiger“, „Kieler Neueste Nachrich
ten“, „Wilhelnis havener Zeitung“, „Kölnische Zeitung“,
„Frankfurter Zeitung“, „Münchener Neueste Nachrichten“
Berliner Neueste Nachrichten“. Danziger Zeitung“ We—
ser⸗Zeilung“, „Hamburger Nachrichten“, „Kölnische Volks—
zeitung“, „Stetliner Zeirung“, »Dreedener Nachrichten“
und „Königsberger Hartungsche Zeitutes
Der Vertreter des Nebenklägers, Justizrat Dr. Sel⸗
o, kam nach längeren Ausführungen gegen Berger und
Zlzenstein zu dem Schluß: „Für die Strafe möge der
Maßstab gelten, den der Angeklagte Berger selbst abge—
geben hat, indem er in seinem Artikel im „Blaubuch“
sagte: „Wahr oder nicht wahr? Sind meine Anschuldig—
ungen unrichtig, so möge mich als langgedienten Offizier
neben der allgemeinen Entrüstung besonders sehr schwere
Strase treffen!“
Die Plaidoyers der Verteidiger werden hierauf ver—
taat
* Berlin, 24. Febr. Zu der Berhandlung am Diens—
tag im Prozeß des Kapitäns Berger war der Ange—
Aagte Dr. Ilgenstein nicht erschienen. Dem „Tag“
zufolge, ist er seit Tienstag aus seiner Wohnung ver—⸗
schwunden und bisher nicht aufzusinden
Rebenschädlinge und Weltverkehr
Aus dem Rheingau geht der „Köln. Volksztg.“ fol—
gendes zu:
Unser Verkehr mit Amerita hat es mit sich gebracht,
daß wir auch auf die in den amcrikanischen Urwäldern
in üppiger Schönheit prangenden amerikanischen Reben
qusmertsam gemacht wurden, und daß man dieselben für
unsere Gärten in Europa importierte. Dadurch ist aber
die Phylloxera, auch die gefährliche Peronospora in die
alte Welt eingeschleppt worden. Im Zahre 1879 wurde
dieselbe zuerst in Frankreich und im Jahre 1881 in des—
sen Kolonialtand Algerien beobachtet. Sie wütete dort
dermaßen, daß man damals in Algerien glaubte, den
Weinbau ganz aufgeben zu mussen. In den sfolgenden
Jahren verbreitete sich der Peronospora-Pilz über“ alle
Weinbau treibenden Länder ECuropas und machte die ent—
schiedensten Betämpfungsmaßregeln notwendig. Dadurch
wurde aber schon an sich der Weinbau erheblich verteuert.
Sin veermaliges Spritzen reicht mitunter nicht aus. um
— ⸗
Zur rechten Seit.
Anstatt der Antwort legte Arthur seine Hand auf die
Sulter de8 jungen Rädchens und saot bedrutungsnot
„Wollen Sie meine Gattin werden?“ 7777
„Nein!“ versetzte sie, schnell die Hand abschüttelnd,
iun Sie das ärgste.“
Arthur wandte sich dem Greise zu, aber selbst für die—
ses chrwürdige Alter fühlte er kein Mitleid. Kurz ent⸗
schossen wiederholtte er sein Lügengewebe. Als er geen⸗
det harte, sank der müde Greis gebrochen in seinen Stuhl,
verdeckte sein welkrs, gramdurchsurchtes Antlitz mit den
Händen und stöhnte laut:
O. Ernst mein Sohn — mein armer., lieber Sohn!“
d
„Ich gebe noch einen Tag Bedenkzeit, Alice“, sagte
Art“ur, ehe er das Haus verließ. „Morgen um dielelbe
BSein komme ich wieder und hole mir meine Antwort; aber
ich wöre es Ihnen, wenn Sie mir nicht versprechen,
mic zu heiraten, wiederhole ich meine Aussagen vor Ge—
rich. und sorge dafür, daß der Mörder nicht seiner wohl⸗
vordimiten Strafe entgeht.“
Eine halbe Stunde war vergangen. Der tiefgebeugte
Valer hatte den jungen Mann mit inständigen Bitten an—
gesleht, von seinem Vorhaben abzustehen — er blieb aaurt
und erbarmungslos, nur der Entschluß, sein Ziel zu er—
reichen wurde immer sester in ihm
„Ich überlaße es Ihnen, Herr Rittmieister“, sagke er
in fesner unersckütterlichen Ruhe, „vietleicht haben ie
nocn so viel Einfluß auf Alice, um diesen ösffenn en
Slandal zu vermeiden. Sie muß einwilligen, meine Sat—
tin zu werden, danmn ist das Geheimmis ganz sicher bei
uns. Reine lang hrige Freundschast zu Ihrem Fauise
perbicet mir, dene tritigen Grund diefe Schande überd
Joer Haupt da bringen. ibdenthat hor mein Veéerer,
Eenast mein unde is ich die Sereneintene — — den
—
ιαν Verr zu werden. Weit schlimmet aoch
iber ist es, daß die Bekämpfungsarbeiten, das heift das
Spritzen, die Entwickelung der in den Weinbergen vor—
ommenden nützlichen Infekten in einer Weise störte, die
ein Mensch voraussehen konnte. Infolgedessen entwickelte
ich in den letzten els Jahren der alte Feind unserer
Trauben: der Heu— und Sauerwurm, der nun von In
ekten weit weniger verfolgt wurde, in außerordentlicher
Weise und führie sur den Weinbau zu nie dagewesener
Schadigungen. Es ist bekannt, daß eine Sauerwurmtala
mität wie die in den letzlen elf Jahren nie zuvor dage
wesen ist. Es fielen derselben 50 Prozent der Trauben
und in manchen Jahren, wie namentlich 1898 und 1906
ogar 90 Prozent der Kreszenz zum Opfer. Die schlecht«
Rentabilität des Weinbaues und namentlich des Wein
haues im Rheingau isi darauf zurückzuführen. Im Rhein
zau bildet die Rieslingrebe den Hauptrebsaß. Edelbar
ist hier nur mit der Rieslingrebe möglich. Die Riesling
rebe ist aber dem Sauerwurmfraß mehr ausgesetzt al⸗
alle anderen Rebsorten. Die Rieslingtrauben reifen lang
samer und der Sauerwurm kann deshalb in diesen sick
änger nähren und existieren als in den weicheren Trau—
»ensorten, die rascher in ihre Reife übergehen. So ist
die Sauerwurmtkalamität, in der wir uns im Rheingau
befinden, eine Folge des Weltverkehrs, und dieser ist e—
n letzter Instanz, der dem Weinbau den schweren Schlao
persetzt hat. Es bleibt der Wissenschaft und Praxis vor
»ehalten, Mittel und Wege zu finden, um den Weinbau
»or den Verheerungen des Sauerwurmes zu retten. Die
Weinbau treibende Bevölkernung des Rheingaues kann abe
eanspruchen, daß der Weinbaͤu angesichts dieser Kalami
ät nicht mit einer Steuer, wie die Flaschenweinsteuer be
astet werde, die ihren weltberühmten Qualitätsban noch
voiter schädigt. Nur auf diesem Qualitälsbau beruht auch
das Ansehen des Deutschen Weinbaues in der woeiten
Velt. Schädigt man diesen Qualitätsbau, so wird über
üupt das Ansehen des deuischen Weines untergraben und
dann werden der deutsche Weinbau und mit ihm Hun—
derttauseude von Existenzen zugrunde gehen.
Gerichtiszetung
z Verurteilter Chauffeur. Der Chauffeur Schmüdt,
der mit einem Kraftwagen des Prinzen Friedrich Wil—
zelm auf der Chaussee Konitz-Stargard einen Knaben
überfuhr und schwer verletzte, wurde vom Schöffengericht
Preußisch⸗-Stargard zu 6 Wochen Gefängnis und 50 M.
Heldstrafe verurteilt. Schmidt war davongefahren, ohne
ich um den Knaben zu kümmern.
— ——— —
Spiel und Sport
y) Preis für Luftschiffahrten. Kommerzienrat Ed.
B y F — a. M. hat einen Preis von 3000 M.
sur Luftschiffahrten der Frantfurter Ausstellungsleitung
ur Verfügung aestellt.
Landwirtschaftliches
)(Düngung der Wiesen mit Mineralsteffen hat
den großen Vorteil, daß durch sie die Gräser einen hö—
jeren Gehalt an verdaulichen Proteinstoffen bekommen.
Man fand, daß auf gedüngten Wiesen der Proteingehalt
J Prozent gegen 3 Prozent auf nicht gedüngten Wiesen
etrug.
).(Eiskrusten müssen unscr allen Umständen ve—
seitigt werden, und wenn möglich, recht bald. Das—
felbe kann geschehen durch Ueberfahren des Feldes mi—
auhen Walzen, durch mehrmaliges Uebertreiben von Och—
sen, durch Aufschlagen und Durchschlagen seitens der Ar—
beiter mit hölzernen Schlägeln, stumpfen Hauen, auer—
gelegten Kreuzhauen ꝛc. ꝛc.
Rechtspflege
s Rechte des Innungsvorstandes. Ist ein Inn—
ungsvorstand befugi, Geldstrasen über die Innungsmit—
zlieder zu verhängen? Diese Frage hat die Kieler Straf—
ummer bejaht. Der Vorstand der Inn'img Bauhütte in
Neumünster, deren Satzungen der Bezirksausschuß geneh—
migt hatte, erließ eine Ordnungestrase gegen ein Mitzlied,
das den zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
bercingarten Lonntarij nicht einhielt und eine Vorlad
ung der Innung nicht befolgte. Der Gemaßregelte erstat
ete Anzeige gegen den Obermeister, und gegen diesen ist
Anklage aus z 153 der G.O. erhoben worden. Gegen
das freisprechende Urteil der ersten Instanz legte die
Amtsanwaltschaft Berufung ein, die das Gericht nach dem
Antroge der Staatsanwaltschaft verwarf. Es entschied, daß
der Innungsvorstand völlig korrekt gehandelt habe, und
zum Erlaß der Strafandrohung befugt gewesen sei. Pri—
votunternehmungen, wie Innungen, stehe das Recht zu,
Ztrafen bis zu 20 Mark anzudrohen
— — —
Landwirt chaft iches
2(Schwach enwickelten Saaten gibt man im Win—
ter oder Frühsahr eine Kopfdungung mit Jauche, wel—
er man zur Secung des dem Boden etwa mangelnden
zebalts an Mhosphörfäure nom etwas Suverphosphat
* — — — — —
in mir, daß seine Entdeckung dem Toten das vVeven nicht
wiebergeben könne, und die Lebenden dadurch mit Schmach
und Schande überhäuft würden, daher wollte ich ver—
schweigen, was meine Augen gesehen hatten. Aber Ali⸗—
drohte, nicht eher zu rasten und zu ruhen, bis der Moͤrd.
entdeckt sei, und diese Drohung mußte ich um jeden Preis
berhindern, und so will ich sie zwingen, meine Gattin zu
werden. Ich rede ganz offen mit Ihnen, Herr Rittmei—
ster, mein Betragen mag Ihnen sonderbar erscheinen, viel—
laicht bin ich in Ihren Augen ein gewissenloser Schurke,
aber ich war dem Ziele schon oft so nahe, daß es mich
schier zur Verzweiflunz bringt, wenn ich es jetzt nicht er—
eiche. Früher war ich ein anderer Mann, aber Alice hat
diese traurige Veränderung in mir hervorgebracht. Jeden
zuten Gedanken in mir hat sie in einen böͤsen verwan—
hert, meine ganze Natur hat sich geändert, seitdem sie
grausam meinen süßen Traum zerstörte, den ich von
Jugend an hegte! Früher war ich ein Ehrenmann, jetzt
— — er brach plötzlich ab, dann lachte er kurz und rauh,
als Alice ihn mit unsagbarer Verachtung anschaute, „ich
vill jetzt nicht weiter in sie dringen“, fuhr er dann mil
ꝛrzwungener Ruhe dort, „morgen um dieselbe Zeit komme
sch wieder, um meine Antwort zu holen. Gute Nacht,
Herr Rittmeister, es ist mir wirktich leid, aber ich konnte
Ihnen diesen Hummer nicht ersparen. Niemals hätte ich
in Wort über den Tod meines Beiters verkauten lassen,
ier es gab für mich kbein anderes Mittel, die Hand
meiner Gelieblen zu gewinnen. Sie soll meine Gattin
werden, sie soll und muß es.“
Eilig verließz er nach diesen Worten das Gemach und
schon im nächsten Augenblicke verhalklten draußen eine
Schritte.
Alice schwankte zu ihrem Vater hinüber, kniete an
seiner Seite und ließ ihren Tränen freien Lauf, die sie
in der Gesenwart des gehafkten Ttannes gewaltsam zu—
riene drüngt hatie. Der aute, tieg ocute Vater ließ sein
Hind ruhig ausweinen; er fand kein Trosteswort, denn
fein eigenes Herz drohte unter diesem neuen, schred qer
Schuage fast 2u hrechen
zuruhrt Fallsß die Zufuhr vos, Zauche nicht möglich ist,
gibt man schwachen Saaten im Frühsahr Chilisalpeter als
dopfdünger. Die erste Düngung gibt man etwa in der
ersten Hälfte April und die zweite zirka 14 Tage später
Im allgemeinen giit der Saß, daß die Düngung zu er—
folgen hat, nachdem am Halme drei oder vier Blätter ent
wickelt sind.
Bermischtes
Die schnellsten Eisenbahnzüge. In Amerika zwi—
chen New-⸗York und Pennsylvania, will man elek rischen
Berkehr einrichten mit einer Geschwindigkeit, welche die—
enige bei den höchstangespannten Versuchsfahrten in Preu—
ßen auf der Militärbahn Berlin — Zossen — 200 Kilometer
in der Stunde— noch übertreffen soll. Da es sich dabei
nicht, wie während der Versuchsfahrten in Preußen, um
einzelne Wagen, sondern um schwere Züge handeln wird,
darf man annehmen, daß die Amerikaner mit der Aui—
zabe der geplanten Geschwindigkeit wohl auch etwas war—
ten werden. Mit den Dampilokomotiven erreicht man
jeute im regelmäßigen Betriebe oftmals sehr hohe und
»iel höhere zeitweilige Geschwindigkeiten, als sich nach
»em Fahrplan im Durchschnitt ergeben; auf jener Strecke
vird durch Volldampf eingeholt, was auf den durch
Weichen, Abzweigungen, unklaren Strecken durch Ver—
angsamung der Fahrt eingebüßt worden ist. Man kann
»as am Tage während des Fahrens im Zuge mit der
Ahr in der Hand an der Verfjolgung der Kilometerzah—
en feststellen, die auf Steinen oder Tafeln neben den
Hleisen angebracht sind. Selbst 120 Kilometer Geschwin—
digkeit kommen dabei nicht selten heraus. ODie modernen
großen und starken Schnellzugssokomotiven sind solchen
Leistungen wohl gewachsen. Die Durchschnittsstundenge—
chwindigkeit nach dem Fahrplan ist geringer. Man bat
oiel Aufhebens gemacht von dem neuen Blockzuge, der
zwischen Brüssel und Antwerpen ohne Aufenthalt verkehrt
und sehr große Geschwindigkeit haben soll; stellenweise
mag das zutreffen, nach dem Plane gebraucht er aber
für die 44 Kilometer Entfernung 36 Minuten, macht nur
70,6 Kilometer Stundengeschwindigkeit. Die größten
durchschnittsgeschwindigkeiten auf Dampfbahnen finden sich
heute noch immer in Amerikta; so weisen Züge zwischen
Tamden (Philadelphia) und Atlandik City Stundenge—
chwindigkeiten von 101.8, 105,6, 107,2 und 109,6 Kilo—
meter auf. Daran schließt sich England; Zwischen Dar
ington und PYork, sowie zwischen Forfar und Perth ver
ehren Züre mit 99 Kilometer Stundengeschwind'igkeit
Hieranf folgt Frankreich, und zwar neben der Paris
Mittelmeerbahn mit der Nordbahn. Ein Paris-Brüsse—
v Erxpreßzug, der für die ganze Strecke noch nicht vie:
Stunden gebraucht, legt in glatter Fahrt die 181 Kilo—
neter lange Strecke Paris — Busigny in 112 Minuten zu—
rück, macht 96,9 Kilometer Stundengeschwindigkeit, für
eine so lange Strecke mit vielen verkehrsreichen Bahnhö
en eine sehr achtbare Leistung. In Deutschland wird
zon einem Schnellzuge Hannover—Berlin diese 256 Ki—
ometer hange, also größere Strecke, neuerdings auch oh—
ie Unterbrechung zurückgelegt, aber in 193 Minuten, was
nur 79,6 Kilometer Stundengeschwindigkeit ausmacht. Die
größte Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht der preußische
ahnbetrieb zwischen Berlin und Wittenberge mit 823 Ki
omeltee. K. R—
c
Humoristische Ecke
Kindliche Naivität. Mutter: Sieh nur
wie der Onkel wieder umeinanderspringt — früher konn⸗
te er nur ganz langsam gehen. Das kommt vom Brun
nentrinken! — Elschen: Nicht wahr, Mama, da bhat der
Onkel Springbrunnen getrunken.
Luftschlösser. Bettler, der einen leeren Geld
beutel fand): Jetzt, wenn der voll wä' und i' wär' ehr—
lich und krieget an' ordentlichen Finderlohn und kau—
et mir a' Votterielos und krieget 'n Hauptgewinn, na—
ha brauchat i' mi' auch nimmer so schief anschauen z'la
sen, wenn i' — betteln tät.“ —
„Was sonen wir tun, Alice?“ stöhnte er endlich nach
kurzer Pause.
„Ich weiß es nicht — weiß auch gar keinen Aus—
weg“, gestand sie schluchzend, laß uns Doktor Mayfeld
fragen, er ist unserem Hause ein treuer Freund, er wird
uns gewiß gut raten.“
„O, nein! nein!“ rief der Vater leidenschaftlich erregt
aus. „Niemand darf diese Schande ahnen, wir dürfen sie
niemanden sagen.“
„Ein Jeder wird es früh ginng erfahren, wenn
Arthur seine Drohung ausführt“, verseßte sie tonlos.
„Er darf es nicht sagen — das Geheimnis muß ver
borgen bleiben“, stöhnte der unglügliche Greis, „o, Alice,
mein geliebtes Kind, rette Ernst und unseren guten
Namenl“
wWPaterl“ rief sie erschredt, „Du kannlt doch nicht von
mir verlangen, daß ich diesen entsetzlichen Menschen het—
raten soll?“
„Es bleibt uns keine andere Hilfe“, klagte der alte
Herr, verzweifelnd die Hände ringend, „o, mein Kinde
es ist mir selbst so schwer, dieses Opser von Dir zu ver⸗
langen, aber rette Ernst, bewahre unseren ehrlichen Namen
vor Schmach und Schande.“
„Ich kann es nicht, Vater — ich kann es nicht!l“ rief
sie schaudernd. Gibt es denn gar keine Hilfe? Wie kann
er beweisen, daß Ernst es getan hat? Lieber Vaiter,
schreibe doch sofort hin und frage ihn darüber!
„Ich habe keine Ahnung, wo er te, unterbrach er
sie schnell, „es will mir fast scheinen, als wolle er uns
absichtlich seinen Aufenthalt verbergen. Er versprach mir
beim Abschied, nicht eher zu schreiben, als bis er sich drü—
den in Amerilka eine sichere Eristenz gegründet habe. Selbst
venn ich seine Adresse wüßte, so würden wir doch zu spät
Nachricht erhalten, denn Arthur will nur bis morgen
warten. Alice, wir men um jeden Priis diese enties—
liche Schande verbergen. Ich bin ein alter Mann, stehe
nit einem Fuß im Grabe, dieser neue Schlag würde mein
Inde schnell herbeiführen.“
„Lieber Vater“, schluchzte sie angsterfüllt, „sprich nicht
'o, ich kann's nicht ertragen. PMein Lebensglüg ist längst
nernichtet, es kann sich nicht trauriger gestalien. Aber Du
ollst derunter nicht leden. Wenn Arthur morgen kommt
vill ich iim — das Versprechen geben.“
Die Worte erstarben auf ihren Lippen, sie war einer
Ohnmacht nahe; der Vater feng sein Kind mit den Armen
auf, sonst wäre sie zu Boden gefsallen.
Als der Erwartete ann folgenden Tage erschien, enp⸗
ing ihn Alice in stiller, dumpser Resignation.
„Seharren Sie noch in Ihrem Entschluß, Artkur?“
begaunn sie mit eisiger Kälte, „ann nichts Sie bewugen,
mich frei zu geben?“
Lein, Blice, ich muß Sie gewinnen um jeden Bees
oet X, versetzteer, durch ihre Worte mitiger geworden.
o ei es denn“, hauchte sie matt, „alle Cüneihelten
* n41KSEmerom Bast abhnohben“