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Darauf hatte Graf Münster den Degen gezogen und die
Kompanie auf die Barrikade geführt und sie genommen“
Im Schloß.
In den Zimmern und besonders in der Halle des
Menorchen sah es, wie man in einem so verhängnisvol⸗—
en Moment denken kann, auch sehr bewegt aus; der
dönig schien aber zu dem festen Entschluß gekommen,
iunmehr ein kräftiges Handeln dem revolutionären Trei—
entgegenzusetzen. Leider gestattete er an diesem Tage
ehr vielen Personen Gehör, die den Monarchen mit Vor—
stellungen und Ratschlägen bestürmten. So sprach Vin⸗ie
und Fürst Lichnowsky zum Könige; sie rieten zum Nach—
Jeben; es sei keine Emeute, es sei der Ansdruck des ol
zgemeinen Volkswillens. Auch Graf Arnim hatte gesagt:
„Mit Bajonetten können Eure Majestät nicht mehr regie—
ren.“ Auch erschien eine Deputation, an der Spitze der
greise Bischof Neander in voller Amtstracht (niit ihm
der Buchhändler Dr. Gunmbinner, der Dr. Loewe, der
Bezirksvorsteher Lademann und Ring und der Stadtver
ordnete Reimer). Der Vischof sagte ungefähr soꝛ „In
Eurer Majestät Hauptstadt fließt Blut, Allerhöchstdieselben
wollen diesem Einhalt gebieten und besehlen, daß das
Militär zurückgezogen werde und nach den Kasernen ab—
rücke.“ Der König erwiderte darauf, daß zuerst das Vort
die Stellungen aufgeben möge, er wolle alles bewilligen,
aber nur der Bitte, nicht der Gewalt.“
Unmittelbar darauf aber wird erzählt, wie der Kö—
nig, den man vergebens zur Abreise nach Potsdam zu
bestimmen versucht hatte, „in diesem Moment schlecht ge—
faßt hatte.“ So wäre es gelommen, „daß der Monarch
mehr den Eingebungen seines Gemüts und Herzens
folgte und die unglückliche Bekanntmachung „An meine
ieben Berliner“ selbst redigierte, die der Professor Heu—
el nach einer Buchdruckerei beförderte, die im Rayon der
Insurierten lag.“ Der 19. März brachte dann neue Un—
terhandlungen, deren Folge der Besehl an die Truppen,
sich aller Feindseligkeiten zu enthalten und der Abmarsch
der Trupven aus Berlin war
Das Leichenbegängnis.
Von den Ereignissen „nach der Katastrophe“ sei nur
noch das Leichenbegängnis der im Kampfe gefallenen
Bürger hervorgehoben: „So ging der Zug am Schlosse
porüber, wo Seine Malestät der König jedesmal auf dem
Balkon erschien, sobald die Särge vorbeikamen und die—
selben durch Abnehmen des Helms grüßte. Auch die Bür—
ger in dem Zuge nahmen die Hüte ab und grüßten ehr—⸗
erbietig, Es war eine merkwürdige Ruhe und Ordnung
bei diesem Leichenbegängnis, selbst auf dem Platz fand
gar kein Drängen der Zuschauer statt, wozu sonst der
neugterige Berliner so sehr geneigt ist. Ich besfand mich
mit den Umgebungen des Königs an den Fenstern de
Sternensaals. Wenn eine Abteilung Särge vorüber war,
so trat der König wieder in den Saal vom Balkon hin
ein und stellte sich dann öfters hinter uns,um zu sehen
und nicht gesehen zu werden. — Es war hier davon die
Rede, daß man zuerst verlangt habe, daß das Militär
Regiment, Alexander) ein Spalier zu dieser Feier—
ichleit bilden sollte, es wurde möglich, dies zum Glück
noch abzulehnen und dagegen des Könias Erscheinen zu—
zusichern. ————
Nachdem dieser, nicht zu leugnen, großarlige Leichen—
zug vorüber war, dinierte der König; es fand in der
Halle statt, wozu ich auch befohlen war ... C. Wa
Ein Marine-Sensationsprozeß
Prozeßz Ilgenstein-Berger.
MNamens des Angeklagten Berger gibt Rechtsanwalt
Dr. Löwenstein eine längere Erklärung ab, in wel—
cher u. a. gesagt wird: Ich bedauere, daß ich, irregelei—
tet durch ein mir gegebenes und nicht erfülltes Verspre⸗
hen, den unter Nr. 3 meiner an den Marineminister ge—
sandten Beschwerde erhobenen Vorwurf gegen das Kabi—
nett gerichtet habe, während diese Verhandlung ergeben
hat, daß dieser Vorwurf nur einen leitenden Offizier im
Vcarinekabinett betrifft. Ich bitte Exzellezz Müller
bieserhalb um Enischuldigung.
»Hierauf setzt Admiral Schmidt als Nebenkläger
eine ant Mittwoch abgebrochenen Bekundigungen fort. Es
durcha olich. dak Kapitän Berger auf Grund des
244. uer⸗
en. Neben mauchem Guten und teilweise sogar recht Gu—
en enthalten sie doch auch mgnqerlei Unguͤnstiges. In
inem solchen Bericht vom Jahre 1892 heißt es u. o.
aß er „zuweilen etwas zu scharf eingreife.“ In einem
heticht von 1893 wird gesagt: „Er ist etwas scharf ge—
Jen feine Untergebenen. Er empfindet Unbequemlichkei⸗
en reichlich lebhaft, worunter seine Stimmung leidet.“
In einem Bericht des Prinzen Heinrich beißt es: „Ka—
zitän Berger ist von sich selbst reichlich eingenommen und
517mahnungen schwer zugänglich. Er legt wenig Talent
n fseiner Stellung als Wachhabender an den Tag ttrot
—
perd gesagt, er sei noch zu sehr von sich eingenommen.
zn einem solchen von 1902: ,‚In der Behandlung der
Zfüziere bedarf er noch gelegentlicher Anleitung. Er lei—
et an einem Mangel an richtiger Einschätzung der eige—
ien Persönlichkeit.“ Admiral Schmidt erklärt auf Be—
ragen weiter, daß er den Kapitän Berger auf Fehlen
n durchaus wohlwollender kameradschaftlicher Form hin
Jewiesen habe. — Großadmiral Kösster sagt als Zeug—
ius, daß er dem Angeklagten stets mit besonderem Worl
vollen entgegengekommen sei, weil Berger wirklich tüch
iges geleistet habe. Nachden aber der Angeklagte Ber
sjer aus Ostasien zurückgekehrt sei, wäre er ein anderer
zewesen: Es war ein veränderter Mensch, den ich zu
Besicht bekam; die jugendliche Frische, der Feuereifer wa—
en geschwunden. Anstelle dieser schätzenswerten Eigen
chaften war eine Verbissenheit getreten; es war nicht mehr
zer frische Mensch von früher. — Vizeadmiral v. Müll—
er stellt den Admiral Schmidt als einen Ehrenmann
in. Von Rachsucht sei ihm nichts bekannt gewesen. —
rorvettenkapitän Heinrich äußert sich über die Be—
ichtigung der „Amazone“: Er ist nicht der Ansicht gewe—
en, daß Admiral Schmidt eine besondere Voreingenom—
nenheit gegen Kapitän Berger bekundet habe. Admiral
Zchmidt habe ihn scharf behandelt, aber nicht ungere—
ondern der jeweiligen Sachlage entsprechend. — Der
Ungeklagte hält dem Zeuzen mit erhobener Stim—
ne noch eine große Reihe von Momenten vor, die im
Widerspruch stehen sollen mit Einzelheiten seiner Aus
age. Namentlich soll der Zeuge sich wiederholt ihm ge—
zenüber sehr ungünstig über den Admiral Schmidt aus—
lesprochen haben, mit dem er Differenzen gehabt habe —
der Zeuge gidt zu, daß zwischen ihm und dem Ad—
niral Schmidt kleine Reibereien vorgekommen seien, die
rher nach wenigen Tagen beigelegt wurden. Wenn er in
einen Kümmernissen mit seinem Kameraden gefprochen.
o geschah dies wohl in dem Vertrauen, daß der Kame
cad die Erregung dabei richtig einschätze. Er sehe aber,
daß er sich darin getäuscht habe
Die Anerkennung des
Königreichs Buigarien
Die von Sofia aus verbreitete Meldung, daß Ruß—
and, Frankreich und England Bulgarien als Königreich
imerkannt hätten, und daß, wie andere auswärtige Mel—
zungen dazu befsagen, die Auerkennung Deutschlands und
Hesterreichs bevorsiehe, mußte von vornherein auf starle
zweisel fioßen, weil für diese Anerkennung durch die
Nächte, die von Bulgarien allerdings sehr stark betrieben
vird, die notwendige Voraussetzung einer Verständigung
Lulgariens mit der Türkei noch fehlt. Erst wenn die?
rfolgt ist, wird es zur Anerkennung kommen, und man
nuß besonders annehmen, daß Deutschland und Oester
eich abwarten werden, bis Bulgarien seinen Verpflichtun—
sen gegen die widerrechtlich besetzten Orientbahnen und
egen die türkischen Staatsgläubiger, denen der bisherige
firumelische Tribut zusteht, in irgend einer Form nach
oͤnemt Das ist die Auffassung in den Kreisen Berlinen
uswärtiger Diplomaten, auch solcher, die den bulgari—
Hhen Wünschen grundsätzlich geneigt sind. In dießen Krei—
en meint man, daß das Gerücht von der angeblich schon
rfolgten Anerkennung Bulgariens als Königreich durck
zronkreich, Rußland und England wahrscheinlich auf die
latsache zurückzusühren sei, daß Ferdinand von Bulga—
ien vom russischen Hofe die Zußage erlangt hat, daß er
vahrend seines Aufenthaltes in Petersburg aus Anlaß
»er Beerdigung des Großfürsten Wladimir perfönlich in
Frage des Zeremoniells und der Rangordnung als bul—
Jaͤrischer Zar behandelt werden soll. Das ist etwas an—
deres als die völkerrechtliche Anerkennung
RPulgarien vo* sich von
cGroß⸗
—*nn
2. 33—
*Politische Rundschau
Deutsiches Reich.
* Die von der Finanzkommisfion des Reichstage
eingesetzte Subkommission, die eine Einigung über Be
sitz⸗ oder Vermögensbesteuerung, oder eine andere Steuer
reserm herbeiführen sollte, hat ihre Tätigkeit beendet
ss ist ein Einverständnis dahin erzielt worden, daß eint
Besitzsteuer für Reichszwecke notwendig ist, aber über di
Form hat man keine bestimmten Beschlüsse gefaßt. Sit
wird nächsten Donnerstag an die Finanzkommission über
hre Tätigkeit berichten. Bis dahin wird wahrschein ick
zwischen den Parteien und mit der Regierung über ein
Form der Besitzbestenerung vahandelt werden, denn die
Zeit drängt. Die bürgerlichen Parteien der Linken sind
wie die „Frkf. Ztg.“ schreibt, fest entichlossen, sich au
leine der in dem Steuerprogramm der Regierung entkbat
lenen indirekten Steuern und Konsumabgaben durch bin
dende Beschlüsse einzulassen, bevor nicht Sicherheit dafür
gewonnen ist, daß auch eine Besteuerung des Besitzes im
Rahmen dieser Finanzreform zustande kommt.
* Ter hessische Landiag wird seine Tagung in der
nächsten Woche wieder aufnehmen. Die Zweite Kammer
tritt am Donnerstag, den 25. Februar zusammen. Di
Erste Kammer ist zu einer Plenarsitzung auf Samstag
den 27. Februar einberusen worden. Auf der Tagesord
nung der Ersten Kammer steht u. a. die Beratung und
Abstimmung über den Antrag des Abg. Dr. Gaässine
über die Wahlrechtsvorlage.
Oesterreich-Ungarn.
*Die bisherigen Konserenzen des Ministerpräsidenten
mit den Führern der Parteien des Abgeordnetenhau'e
yatte zum Ergebnis, daß die Einberufung des Reichs
rates für die Mitte des März festgesetzt ist. Die Konfe
renzen zur Flottmachung dieses Parlaments werden fort
gesetzt. Die Besprechungen mit den Abgeordneten de—
böhmischen Landtages ergaben dagegen, daß der bölh,
mische Landtag in der nächsten Zeit mit Aussicht auf Et
folg nicht zusammentreten kann. Die österreichische Re
gierung versichert aber, daß sie gegenwärtia an eine Anui
lösßung des Reichsrates nicht dent
Fraukreich.
* Infolge des im „Matin“ erschienenen Artikels übe
die Rolle, welche der denutsche Kaiser beim Abschluß des
deutschexfranzösischen Marokko-Abkom
mens gespielt hat, veröffenllicht das Blatt jetzt einen
neuen Artikel folgenden Inhalts: Da Namen genann
worden sind, welche bezeichnet werden, als seien sie di
Informatoren des „Matin“, sehen wir uns gezwungen
nitzuicilen, daß weder der Abgeordnete Erzberger nod
Fürst Radolin in Frage kommen. Die Rolle des Letzte
ren in dieser Angelegenheit beschränkt sich auf die Erklä
rung, welche wir unter seinem Diktat geschrieben un?
oeröffentlicht haben, nachden wir dem Fürsten den Wort
laut des kasserlichen Telegramms vorgelegt batten. Di
eine Tatsache bleibt bestehen, daß die erwähnte Aeußer
ung uns von einer Persönlichkeit zugestellt worden ist
vor welcher sie der Kaiser getan hat. Andererseits schreib
der „Matin“ als Kommentar zu der Note, welche von de
„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ veröffentlicht wor
den ist, es sei unmöglich, daß Fürst Radolin in der be
annten Weise die Sache abstreiten könne, da er doch
selbst dem Mitarbeiter des „Matin“ die Aeußerungen i
die Feder diktiert habe.
Persien.
* Eine Zirkulardepesche des Reschter Landtags an di
Jefandtschaften ersucht diese den Schah zu veranlassen
eine volksfeindlichen Ratgeber zu entlassen unj
die VBerfassung herzustellen aur Vermeidun—
von Blutveraießen.
Amerika.
*Der Legislater von Hawrai wurde eine Bill vor
gelegt, die den Japanern die Si ichsere i in den Ge—
spoassern von Hawai verbietet
Hof und Gesellschaft
** General Castro hat Berlin verlassen und sich zu
nächst zu weiterem Aufenthalt nach Dresden begeben
woser bleiben wird, bis er wieder ganz gesund ist. Wie
er einem Mitarbeiter der „Voss. Ztg!“ erklärte, habe er
Dresden gewählt, um während der Genesunaszeit Pro—
essor Israel nahe zu sein
— — —
Heer und Flotte
Ueherlinger Seeboten“ von Friedrichst
sollen gegen Mitte März mit 0
Auftichiff 31“ Aufstie
Bon jetzt ab nur »