Serbien.
* In der letzten abgehalsenen Sitzung des altradikalen
Alubs teilte der Mini sterpräsident mit, daß
hin pecsönlich in einer mit dem König gehabien Unter
edung dieser ihm erklärt habe, er sei fest entschlossen,
ugunsten des Kronprinzen abzudanken.
Dadurch hoffe er den Zwistigkeiten der Parteien ein Ende
u machen. Diese Misteilung rief im altradikalen Klub
zroße Erregung hervor. Vald darauf verbreitete sich in
janz Belgrad und Semlin dos Gerücht daß König Ve—
er ab629danken gedenke
Versien.
*Aus Teheran wird gemeldet: Den persischen Re—
lutionären oder, wie sie sich selbst nennen, Nationali—
ten, ist es gelungen, de Bruüͤderde s Schah sge—
qfugen zu nehmen, wodurch sie eine mächtige Waffe
n die Hand bekommen haben Der Prinz wurde in der
»auptstadt überfallen, ergrifsfen und in das benachbarte
dochland geführt. Die Nationalisten verlangen nun ein
öfcaeld von 20 000 Wiark für seine Freidab⸗
Türkei.
*Aus Konstantinopel meidet der man: Der letzte Mi—
nifterrat hat das noch unter Kiamil Pascha ausgestellte
ßudgetabgele hent und den Finanzminister au'—
zefürdert, einen neuen Entwurf auszuarbeiten. Außerdem
ist ein Ausschuß zur Regelung der türkischen Finanzen
eingesetzt worden.
*Verschiedene Abgeordnete fordern die sosortige De—
nission des gro ßen Muffi, weil dieser in der Kam—
nmer die Oberhoheit der Staatsgewalt über reli e Ein—
ichtungen gebilligt hat
Marokko.
Der französische Gesandtenin Marokko, Regnault,
erhielt Anweisung, gemeinsam mit seinem spanischen
kollbegen gewisse, besde Nationen angehende Punkee
der Algeciras-Atte in Fez mit dem Maghzen im
Auschluß an die vorjährigen Abreden in Rabat zu re—
geln. Der gleichzeitige Ausenthalt der französischen und
der spanischen Mission in der maroktanischen Haupistadt
wird Gelegenheit bieten, dem S ultan die vollkommene
Uebereinstimmung darzutun, die zwischen den Kabinetten
in Paris und Madrid hbiusichstich Marokkas fortdauernd
herrscht.
* Der Dampfer „Menerthe“ ist nach Mazaghan abge⸗
zangen. um eine Mahalla an Bord zu nehmen, welche
estimemt ist, die Truüppen Mule y Hafids in
FJez zu verstärken. Eigenartige Sicherheitsmaß—
degeln sind getroffen worden, uͤm eine Fahnenflucht die⸗
jer Mannschaft zu verhindern. Die Mannschaften werden
nämlich jeden Abend in Gruppen von 100 Mann in Ket—
en gelegt. An Bord des Transportschiffes werden sie
unter Eskorte anderer Soldaten niit aeladenem Gewebr
zewacht
—— —
2 17
Hof und Gesellschaft
** Nachdem am Donnerstag auf dem Rathaus in Slutt⸗
Jart die standesamtliche Trauung der Gräfin Hela
Zeppel'in mit dem Oberleutnant von Branden—
tein vom 19. Ulanen-Regimenm statigefunden hat, er—
'olgte am Freitag in der Schloßkirche der kirchliche Trau—
akt, dem auch das württenibergische Königspaar bei—
wohnte. Der König hat den Freiherrn von Branden—
tein in den Grafenstand erhobe
Heer und Flotte
— * Der neue Ballon der Motor-Luftschiff—
Studien-Geselischaft den „Parseval 3*
Jat in Bitterfeld seinen ersten Aufstieg unternommen, Die
Jührung hatte Hauptmann von Kehler. Der Aufsneg und
zie Fahrt, die 4 Stunde dauerte, waren ausgezeichnet
ind befriedigend in jeder Beziehung. Besonders bemer—
enswert war der vollkommen ruhige Gang der Motoren
ind der Schraube, die bewirkte, daß die Vibration der
Bondel im Verhältnis zu den anderen Motor-Ballons
aum zu merken war. Es wird in den nächsten Tagen
ꝛei ünsti Witte ch eine Reihe uaßn Xrton vex
— —
ienen sollen
enen gauen Militär-Luftschifs, „Große1“
ourde eine Fahrt unternonmmen, die eine Stunde dauerte.
die Rührung halte Major Sverlina übernommen
—— 7U0 — —
Mißklänge zum Marokko-Abkommen
Sie sensationelle Mitteilumng des Pariser „Matin“,
aß der deutsche Kaiser schon immer ein freundschaftliches
erhältnis mit Frankreich angestrebt habe, dabei aber auf
en energischen Widerstand der ihn umgebenden Diplo—
raten und selbst der deutschen Armee gestoßen sei, hat
a der deutkchen Presse einstimmigen Protest hervorgeru—
en. Nach unserer Ueberzeugung und nach unserer Kennt—
is der Vorgange im Jahre 1905 anläßlich der Marol—
zaffäre, hat in Deutschland niemand ernstlich einen Krieg
ait Frankreich gewünscht, obschon sich die Situation da—
nals bedenklich zugespitzt hatte. Die deuische Regierung
at sich seinerzeit vieles gesallen lassen, nach Ansicht vie—
r kompetenter Stellen noch zu viel. Damals haben
zjele angesehene Blätter gegen die nachgiebige Haltung
er deutschen Regierung ihre Stimme erhoben, als mit
—
at die deutsche Diplomatie alles ausgeboten. um den
ftrieden zu wahren.
Die deutsche Presse verurteilt das Verhalten des Pa—
ser deutschen Botschafters Radolin, der das Glückwunsch—
elegramm des deutschen Kaisers dem deutschfeindlichen
Matin“ zum Abdruck zur Verfügung siellte, das dieser
ungehälsigen Angriffen gegen die deutsche Diplomatie be—
nitzte. Man spricht vom Rücktritt des Fürsten
kadolin. Nachdem der Kaißfer sich seit den „Daily
Selegraph-Debatten“ einer offensichtlichen Zurückhaltung be—
leißigt hat, uuß es umsomehr auffallen, daß er nun
on seinen Voischastern an die Oeffentlichkeit gezerrt wird.
5e wird wohl ustig sein, daß der offiziöse Apparat sich
nöglichsft eingehßbend mit diesem Vorfall beschäftigt, damit
r bis in die leinsten Details ktargelegt wird. Auffallen
nuß es sreilich, daß dies noch nicht unaufgefordert ge—
chehen ist, denn die Denentierungsmaschine ist doch sonst
ei alsen Kleinigkeifen sofort bei der
— — —
—
Zur Krise auf dem Balkan
Verschäriter Konflikt zwischen Oesterreich-Ungarn und
Serbien.
Der „Neuen Freien Presse“ telegraphiert man aus
Petersburg: Trotz der serbenfreundlichen Gesinnung pan—
fawistischer Kreise in der Duma und in der Preffe ver—
chließt man sich un leitender Stelle nicht der Ansicht, daß
Desterreich- Unganrn berechtigt sei, eventuell ener—
zische Schritte gegen Serbien zu unternahmen. Jeden—
salls beschloß die russische Regieruna, unter
aAlen Umssänden seine Nentralität zu wahren.
Aus Praag wired gemeldet: Ter „Bohomia“ wird
von maßgebender diplomatischer Seite mitgeteilt, falls
Serbien nicht diplomatisch und militärisch a ber üsst e, und
zeige, daß es als friedlicher Nachbar sich geberden will,
werde kommen, was komimen muß und zwar bald
Wie das Blatt „Stampa“ berichtet, verlautet auch in
dom, die österreichische Negierung habe cin Ultima
um san Serbien gesandt des Inhalts. daß Serbien
binnen 7 Tagen abrusten munse, andernsaus Oesterr
FTruppen an die Grenze schicken werde.
Unter den Serben in Prizrend wurden Samm
‚uigen zur Ausrüstung serbischer Banden veransialtet
Zum WBoykott gezen Oesterreich-Ungarn wird von den Ser—
en immer noch sehr gehetzt: dennoch finden die öster⸗
eichisch-ungariichen Waren hier ungeslörten Absatz.
Oefterreich. Ungarn und die Türkei.
Aus Konstantinopel wird berichtet: Aus be
ster Quelle verlautet, daß über das türkisch-österreichische
Protokoll zwischen den beiden Regierungen völlige
Finigkeit erzielt und auch über die haändelspolitischen
Fragen eine beide Teile bejriedigende Formel gefunden
vorden sei. Die Annahme des Protokolls dürste in dem
Ninisterrat erfolgen. Der russische Botschafter empfing
»on seiner Regierung neue Instruktionen die er der
Pforte unterbreiten wird.
Die neuerlichen Meldunzgen über Mobilisierungen und
Truppennachschühe werden von Wiener amtlicher Seite
»ementiert. Seit Donnerstag ist der rufsische Gesandte in
zelgrad, Sergeew, in Wien, wo man auch den Grafen
rorgach erwartet. Sergejew hat einen Vermittelungsvor—
Hlag Paschitsch mitgebracht, dessen Inhalt aber noch un—
etannt ist. Es verlautet, das Wiener Kabinett werde
tur bei einer vollständigen Klärung der Lage in wirt
chaftliche Konzessionen an Serbien einwilligen.
Ein Marine-Sensationsprozeß
Prozeß Ilgenstein-Berger.
lin. 19. Febr.
Beugenvernehmung
wird fortgesetzt. Oberkriegsgerichtsrat von Schön hat
einerzeit die Vorgänge auf dem „Geier“ untersucht. Bei
»en Erhebungen siellte sich heraus, daß Berger die Mann—
chouften in ihrer freien Zeit Strafarbeit hat ausführen
assen. Die Maunschaft machte einen niedergedrückten und
inzufriedenen Eindruck, was darauf zurückzuführen war,
»aß sie so viel mit Strafarbeit beschäftigt wurde. Es ist
veiter festgestellt worden, daß Kapitän Berger die Leute
aufgefordert hatte, einen wegen einer strafbaren Hand—
ung Verdächtigen durchzuprügeln. Kapitänleutnant
dnippe war seinerzeit Lentnant auf „Geier“. Er sagte
ius: Berger war sireng, aber gerecht, wir wußten, wor—
in wir waren. Es ist nicht vorgekommen, daß die Leute
bgen zu strenger Behandlunz murrten. Auf Befragen
urch den Staatsanwalt Tolli erklärte der Zeuge: Es ist
eiel in der freien Zeit gearbeilet worden, um das Schiff
un Ordnung zu bringen. Wenn wir wieder im Hafen
varen, erhielten die Leute erhöhten Urlaub
Kapitän v. Krosigk wurde nochmals vernommen.
Der Angeklagte Berger hielt ihm vor, daß in dem an
den Kaiser gerichteten Immediatgesuch nicht klar erkenn—
zar gewesen sei, um welche Beschwerden es sich eigent
ich hondle. Er, Berger, sowohl als Kapitän v. Dom—
»rowsti hatten oem Zeugen ooch Briefe geschrieben, und
3 ware demnach ein leichtes gewesen, seinem Chef Auf
lärung zu geben, welche Beschwerden Berger vorzubrin
jen habe. — Zenge von Krosigk: Ich weiß nicht, ob 'ich
neinem Chef von den Briefen Mitteilung gemacht habe
— Angekl. Berger: Herr von Krosigk, dann sind Siec alse
chiild daran, daß ich drei Jahre umsonst gekämpft habe,
zaß ich nervös geworden, und daß ich jetzt auf der An
lagebank bin! Vors. (unterbrechend)?: Ich kann nicht
ulassen, daß ein solcher Schluß gezogen wird. Die Zeu—
genaussage zu beurteilen und Fesistellungen zu trefsen, ist
Zache des Gerichtshofss. Es begann dann die Verneh—
nung des Admirals Schmidt. Er erklärt, daß ihm der
Angeklagte Berger schon früher als junger Leutnant be—
annt gewesen und er ihn nicht nur als tüchtigen Offi—
„ier, sondern auch als netten und vornehmen Kameraden
geschätzt habe. Der Zeuge widerlegte dann eine Anzahl
von dem Angeklagten Berger gemachter Angaben
Deutscher BNNeichstag
Berlin, 19. Febr.
210. Sitzung.) Nachmittag 2 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die Beratung des An—
trages AUlbrecht u. Gen. betr. Regelung des Arbeiits—
jerhältnisses zwijschen ländlichen Arbeitern und Gesinde.
Abg. Arendts (ons.) tritt dem Antrage entge—
gen, der im wesentlichen doch nur bezwecke, Unzufrieden—
jeit zu säen. Nicht die schlechte Lage der Landarbeiter
ei die Ursache, der Landflucht, sondern vielmehr die Ver—
nügungssucht der Abwandernden.
Abg. Zu beil (Soz.) betont, daß man den Land—
arbeitern die einfachsten Menschenrechte verweigere. In
den Kontralten stehe immer nur von Rechten der Arbeit—
seber, aber nicht von denen der Arbeiter. Diese hätten
Uso nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pislicht—
olche, gegen die aquten Sitten veritohende Kontrakte zu
rechen.
Abg. Bindewald MRip.) meint, Herr Zubelil
ollte doch über ländliche Arbeitsverhältnisse nicht reden,
er habe doch keine Ahnung davon.
Abg. Werner (GBRechsp.) bemerkt, daß Schimpfen
des Herrn Zubeil mache seinen Freunde keine Sorgen.
Tie Abgg. Zubeil und Stadthagen Goz.)
ompfehlen nochmals den Antrag.
Damit schließt die Diskussion, worauf noch zahlreiche
versönliche Bemerkungen folgen. In deren Verlauf wird
der Abg. Werner wegen beleidigender Worte gegen—
iber dem Abg. Zubeil vom Vizepräsidenten Kämpi zwei—
mal zur Ordnung gerufen.
Hierauf erfolgt über den Antraa auf lleverweisung
des Antrages Albrecht an eine Kommission namentliche
Abstimmung. Tiese ergibt Annahme des Ueberweifungs—
Antrages mit 209 gegen 106 Stimmen.
Es folgt die Beratung eines von dem Abg. Bran—
dirs u. Gen. beanutragten Gesetzentwurfes hetreffend die
Freiheit des
Grundeigentums—-—Erwerbs.
Abg. v. ßZembowski (GPole) empfiehlt den Ge—
etzentwurf. Daß es Eigentumsbeschränkungen aus sach—
ichen Gründen gebe, sei wohl richtig, aber aus rein per—
önlichen Gründen, jemanden den Grundeigentums-Erwerb
u versagen oder ihm die Errichtung einer Wohnstätte auf
einem Grund und Boden zu verbieten, beispielsweise
loß deshalb, weil er ein Pole sei, sei nicht angängig.
die direkte Veranlassung zu dent Antrage sei das be—
annte legislative Vorgehen gegen die Polen in Preußen.
Abg. Praschma (3.): Wir stehen alle diesem
rẽnteigenungsgesetz gegenüber auf dem Standpunkt des
— V—
das Eigentumsrecht, das unverletzlich sein sollte, wird
on der preußischen Ansiedlungsgesetzgebung schwer ver—
etzt. (Sehr wahr! im Zentrum.) Die Eigentumsbeschränk—
ing erfolgt nicht unter Unständen berechtigten sachlichen
Rücksichten, sondern aus persönlichen, aus politischen Grün—
den. (Seqhr richtig! im Zentrum.) Deshalb begrüßen wir
den vorliegenden Gesetzentwurf Bravo! im Zentrum und
hei den Polen.)
Abg. Stadthagen ESoz.) sagt, es sei ganz un—
weiselhaft, daß die ganze Ansiedlungs-Gesetzgebung, so—
weit sie Eigentumsbeschränlungen im Ziele habe, gegen
das Reichsrecht verstoße. Der vorliegende Autraa habe
daher volle Berechtigung.
Abg. Gothein (7. Vag) ist der Ansicht, daß die
sfknteionunaspositik gegen das Reichsrecht verssiöße Woer
es gut meine mit dem Reiche, wird wunschen mussen, dap
wir mit unsern polnischen redlichen Mitbürgern in Frieden
leben. Deshalb würden seine sämtlichen politischen Freunde
aus beiden Fraktionen diesem Antrage zustimmen. (Bra—
vo! bei den Freisinnigen.)
Nächste Sitzung: Mittwoch. — Tagesordnung: Etai
des Rechnungshofes, 3. Lesung der Dampfer-Subyention
Schluß 54u5
— —————— —
Preußischer Landtag
AUbaeordnetenhaus.
Berlin, 19. Febr.
Das Abgeordnetenhaus hat heute die dritte Berat—
unz des Besoldungs-Gesetzes für katholische Pfarrer in der
Gesamtabstimmung angenommen. Dann folgt die Berat
unug der Gesetzentwürfe, welche die Bereitstellung von
Veitteln zur Diensteinkommensteuer bezwecken. Zur De
batte gelangt in zweiter Beratung der Gesetzentwurf be—
treffend das Einkommensteuergesetz und Ergänzungssteuer
gesetzes. — Morgen Fort'etung des Etaiẽ
Humoristische Ecke
Erkannt. Ein Student schreibt an seinen gutmü—
tigen Onkel: „Lieber Onkel, die Uhr, die Du mir neu—
lich schenktest, hat leider ein kurzes Leben gehabt, indem
ich neulich beim Kahnfahren ins Wasser fiel und dabei
die Uhr verlor; eine neue würde mir daher willkommen
sein.“ — Antwort des Onkels: „Lieber Neffe daß die Ubr
verseffen ist, glaube ich Tir recht gern.“
Zur Kur. Freundin: „Weshalb schmollst Du denn
ucit Deinem Manne?“ — Zunuge Frau: „Denke nur, die—
ser schlechte Mensch, als ich heure Morgen wegen eines
ieuen Hutes ohnmächtig wvurr und das Mädchen Was—-ec
bringt, trinst es mein Raöann anf einen Zug aus und
dat, nun wäre es ihm wieder bBesierf“
5D
Aus aller Welt
* Die Messer⸗eLlttentate in Berlin. Vis jetzt sind
leine neuen Attentate durch den Messerstecher verübt wor—
den. Nur ein junger Mensch erlaubte sich einen Scherz
ndem er in der Landshuterstraße in Schöneberg einem
Fräulein mit seinem Taschenmesier einen Stich in das
Kgleid beibrachte, der aber eine Verletzung der Dame micht
zue Folge hatte. Der Täter ist ungesehen entkommen.—
Freitag vormittag gegen 11 Uhr wurde ein Messer-MAt
entat verübt, diesmal von einer Frau auf einen Mann
Auf dem Wochenmarkt in Rummelsburg verletzte eine
Frau einen Mann durch Messerstiche. Die Täterin suchte
zu entfliehen, wurde aber eingeholt und verhaftet.
* Gemeinsam in den Tod. In der Jungsfernhaide
bei Berlin wurden die Leichen des 28 Jahre altsen Hilfs—
zerichtsvollziehers Emil Brandenburg aus Duisburg und
einer Braut, der 23jährigen Albertine Angerstein aus
München-Gladbach aufgefunden. Vrandenburg hatte inm
Finverständnis mit seiner Braut diese und dann sich selbs
durch Revolverschüsse getötet. Hindernisse, die sich ihren
Verheiratung entgegengestellt haben, haben das ungalüd
liche Paar in den Tod geirieben.
*Vom Wachtyposten erschossen. Ein Posten an der
Artillerie-Kaserne in Budapest hat einen Konstabler, der
auf seinen dreimaligen Anruf keine Autwort gab, er—
schossen.
* Lawinensturz. Bei Kelsani (Tirol) hat eine La—
wine 8 Hütlsen fortgerissen. Ob sich Menschen darin be—
funden haben, ist noch nicht sestgesiellt.
*Gorki nicht ausgewiesen. Die Meldung, die ita—
lien sche Regierung habe Gorki ausgewiesen, da von der
russischen Regierung ein Haftbefehl gegen diesen erlassen
worden sei, ist salsch. Weder wurde Gorki aus Jialien
ausgewiesen, noch hat die rusiische Regaierung einen Haft—
befeht! gegen ihn erlassen.
*Ein Familiendrama. Vor 14 Tagen hat ein Kauf—
nann aus Paris namens Tanenden seine Nichte im Anu
omobil aus Nancy entsührr und nach Bordeaux ge—
racht. Diese Entführungsgeschichte hat ein tragisches
Ende genommten. Der Vater der jungen Dame enddeckte
eine Tochter nach vielem Suchen in Bordeaur und brachte
sie ins Elternhaus zurück. Tanenden reiste dem Mädchen
wieder nach und drang in das von seinen Verwandien
ben ohnte Haus ein, wo ihm die Mitter mit der Tochier
entgegentrat. Tanenden gab drei Schüsse au' seine Nichte
ab und einen vierten auf sich selbst. Das Mädchen sanl
chwer verwundet um und auch der Zustsand Tanenden—
ĩt hossnunagasté
* Verurteilter Bankdirektor. Vas Landgericht u
Dresden verurteilte den Direktor Helbing von der
im Herbst 1906 in Dresden zusammgebrochenen Bank fün
Grundbesitz und Erwerb zu 1000 Mark Geldstrafe oder
200 Tagen Gefängnis und den Gehilfsen Waetzold zu 300
Mark Geldstrafe. Das Gericht nahm als erwiesen an, daß
die Bücher so unordentlich geführt waren daß sie keines
Ueberblick gewährten.
8SEiner schweren Bestrafung verfielen die beiden
Gelegenheitsarbeiter Friedrich Zchalowsky und O. Rieske
die sich vor der Straskauimer des Landgerichts 1in Ber—
lin wegen Bedrohung zu verantworten hatten. Das
Sericht erkannte gegen Schalowsky auf 26 Jahre Ge—
fängnis und gegen Rieske aus 5 Jahre 3 Monate Zucht.
haus unter Anrechnuna von je ) Monaten Untersuchung
Gerichtszeltung
s Mehr Höflichkeit. Daß ein Landwehrmann in
Schriftstücken, die ihm die Militärbehörde übersendet, die
Anrede „Herr“ verlangen kann, hat das Kriegsgericht der
17 Division in Hamburg entschieden. Der in Lissabon
als selbständiger Rausmann ansässige Landwehrmann V.
»rhielt im vorigen Jahre vonn Hamburger Bezirks-Kom—
atando einen Gestellungsbesehl zu einer Uebung. Mit
stücksicht guf sein Geschüft und die vedeutende Entfernung
bat er um Befreiung von der Uebung; er nahm an, dafß
ein Gesuch stillschweigend bewilligi worden sei, blieb in
dissabon und versäumte die Uebung. Darauf erhielt er
»om Bezirks-Kommando den Befehl, sofort den Paß ein
usenden, „damit wir die weileren Maßnahmen treffen
önnen“. Die Anrede tautete: „An den Wehrmann V.“
deber die Form des Schreibens war V. so aufgebracht,
daß er erregt darauf antworteie nuud für die Zukunft die
Anrede als Herr forderte. Als er dann im vorigen Mo—
nat zum Besuch seines Vaters nach Hamburg kam, wurde
er verhaftet, ein'ge Tage, in Untersuchungshaft behalten
und wegen unerlaubter Entfernung und Achlungsversetzung
vor das Kriegsgericht gestellt. Der Vertreter der An—
klage beantragte unter Zubilligung milderuder Umstände
23 Tage Mittelarrest. Das Kriegsgericht sprach ihn aber
voen der Anklage der unerlaubten Entfernung frei, da er
der Anficht habe sein können, daß sein Befrelungsgesuch
genehmigt worden sei. Auch sei er an und für sich be—
rechtigt gewesen, als Landwehrmann die Anrede Herr zu
nerlangen. Dagegen sei dies Verlangen in achtungsver—
evender Form gestellt worden, und wenn ihm auch eine
jewisse Erregung zugute gehalten werden dürfe, sei dod
die Achtungsverletzung selbst dadurch nicht ausgeräamm
Das Urteil lautete auf drei Tage Wiltelarrest, die al
verbüßt erachtet werden