Full text : Dudweiler Zeitung

Anmnmer 41 A. do9, 289, 209 und 1060. Donnerstag den 18. Februar 1909. gZeitunge liste 801 25. Jahrgang.
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Klgemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereiberi
Pudweiler.

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Mit Reilagen: „Relletristische Wochenschrift“ und
Lustige Blätter“

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A8 gebracht; bei der
nierteljährlich.
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Die „Dudweiler Zeuung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonm—
und Feiertage.

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; bei mehrmaligen Inserationen
tor·Kender Rabatt.
— J. Unterkeller

Redaktion, —

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Wochen-Rundschau
dönig Eduard hat Berlin verlassen und ist
vieder auf Schloß Windsor eingetrofsen. Man kann mit
dem Ergebnis des Besuches zufrieden sein, wenn auch
— Das alte
Nißtrauen gegen Deutschland scheint in Eugland zum
rößten Teil überwunden, und wenn wir uns nicht sehr
zuschen, hat die Berliner Monarchenzusammenkunft einer
riedlichen Verständigung die Wege geebnet, wenn auch
in einer Entente a la Frankreich-England wohl kaum
zu denken ist. Ein engerer Zusammenschluß der beiden
nkiralen zur See könnte freilich nichts schaden, aber not—
vendig ist er nicht, die Hauptsache ist und bleibt, daß
nan sich gegenseitig Vertrauen entgegenbringt und nicht
unter jeder Maßnahme Invasionsgelüste vermutet.
Bei den wichtigen inneren Problemen ist wenig Zeit
jeblieben über den englischen Königsbesuch eingehende
Betrachtunzen anzustellen. Die Reichsfinanzreform, deren
ßeschick noch immer unbestimmt ist, sieht im Vordergrund
des Interesses. Sie naähert sich jetzt unverkennbar
hrem entscheidenden Stadium. Die Taktik des Gehenlas—
ens wird jetzt nicht mehr fortgesetzt werden können. Die
Frankf. Zig.“ ist derselben Ansicht und meint. „Es muß
zöt festgestellt werden, ob eine Einigung zwischen der
rinten und Rechten über die neuen Steuern möglich ist
‚der nicht und was, wenn sie nicht möglich ist, weiter ge—
chehen soll. Die Bemühungen um ein Kompromiß wer—
)en offenbar lebhaft betrieben, und so kann man wohl
rwarten, daß es bald zu entscheidenden Beschtüssen in
cgend einer Richtung kommen wird. Die Position der
einken ist bei diesen Verhandlungen verhältnismäßig sehr
zünstig. Ihre Hauptforderung, daß eine etwaige Ver—
nehrung der indirekten Verbrauchsabgaben undzer allen
Aniständen durch eine starke Heranziehung des Besitzes
eraünzt werden muüsse, ist so einleuchtend, daß selb
enservativen sie imn Prinzip akzeptiert haben. Im Ve
auen auf die Berechtigung und auf die Popularitat die—
xForderung kann die Linke allen Eventualitäten in der
veiteren Entwicklung der Resormaktion mit Ruhe en-—
egensehen. Umgekehrt haben die Konservativen sich in
ine sehr unbequeme Situation gebracht. Die Nachlaß—
teuer haben sie so maßlos bekämpft, daß ein Nachgeben
n dieser Frage ihnen nicht leicht werden würde; allen
indern Besitzstenern stehen abet vom Standpunkt der Kom
ervativen aus eigentlich mindestens ebenso schwere Be—
henlen entgegen wie der Nachlaßsteuer. So haben die
donservativen sich selobst den Weg verbaut, und sie sehen
zech ein, daß ohne eine Besitzsteuer diese Finanzre orm
ticht gemacht werden kann. Es gehört für die vLinte
vahrlich wenig Kaltblütigkeit dazu, die Gunst der St ude
inszunützen und sich durch die scheinbare Festegleit de—
enners nicht verblüffen zu lassen.“ Das ist der Sie
stemmen sich a*

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nach wic vor mit aller Energkle gegen jede direkte Steuer
und im Falle des Beibehaltens dieses Standpunktes sei—
ens der Rechten wollen die liberalen Parteien ihrerfens
zie übrigen Sydowschen Vorschläge ablehnen. Das wäre
allerdings eine verzwickte Lage und die Konsequenz der
Neßierung würde wohl ein Appell In das Volk sein.
Dder Reichstag hat ach in der verflossenen Woche mil
anwesentlichen Gegeustaänden besaßt, während das preußi—
che Abgeordnetenhaus an; Dienstag in die Beratung
der Berggesetznovelle eingeiteten ist. Der Regierungsver—
reter lehnte ein einheitliches Reichs-Berggesetz ab, jedoch
zringt die Vorlage große Vorieile für die Arbeitnehmer.
die Vorlage ist schon seit Monaten Gegenstand der hef—
igsten Kritik sowohl von seiten der Bergbautreibenden
uis von seiten der Arbeitnehmer gewesen, aber man darj
ruch nicht die schwierige Lage der Regierung bei diesem
ßesetze verkennen. Die preußische Regierung, das muß
nanktbar anerkannt werden, hat beiden Teilen Vorteile ge—
»xacht und den Standpuntt der unbedingten Parität ge—
vahnrt Das Gesetz bedeutet einen großen Forwschritt,
rvenn es auch nichts Voltkommenes iü
Die Lage auf dem
Balkan ist entschieden wieder nervöser geworden. Die
igenllichen Konflikte zwischen Oesterreich und die Türkei,
owie zwischen Bulgarien und die Türkei können als bei—
lelegt gelten. Jetzt gärt es im Innern des Ottomanischen
deiches wieder. Das Kabiunett Kiamil Pascha mußte
inem Gewaltstreich der jungtürkischen Abgeordneten un—
erliegen und der Jungtürke Hussein Hilmi Pascha wurde
insielle Kiamil oberster Beaniter des Reiches. Derartige
kte der Willkür und Gewalt sind wenig dazu angetan,
»as Ansehen der Jungtürlen im Auslande zu heben. Man
äsfte doch wenigstens Kiamils Rechtfertigung anhören
nüssen. Die öffentliche Meinung ist sehr erregt, trotzdem
»ilnin Pascha sofort Veranlassung nahm, den ausländi—
Hen Botschaftern zu erklären, daß in dem Verhältnis der
Lürke‘ zu den Mächten eine Aenderung nicht eintritt. —
während die Hauptsfaltoren bei der Ballkankrise sich auf
iplomatischem Wege einigten, hält in
Serbien das Ariegsfieber an. In Belgrad wird
rauf losgerüstet und mobilisiert und man wiill allen Ernstes
rach Wien marschieren. Der serbische Kronprinz, den
nan schon lange nicht mehr für geistig normal hält, ist
iatürlich der Haupträdelsführer. In Wien scheint die Ge—
uld auch zu Ende zu gehen, denn man will zur Abkih⸗
ung der heißen Gemüter einige Granaten nach Serbien
erüberschicken. Hoffentlich wird damit die Sache erle—
oigt sein. —
In England ist man begeistert über die herzliche
Aufnahme Köniz Eduards in Berlin. Bei der Adreßde—
zatte im Unterhaus erklärte ein liberaler Abgeordneter,
der begeisterte Empfang des Königspaares werde dahin
virfen, jedes Mißverstaändnis und jede falsche Auffassung
er gegenseitigen Beweggründe, die auf dieser und jener

—— ——
Seitẽ der Nordsee bestanden haben mochte beseiti
Er sei nberzeugt daß die uͤberwiegende Wegheengen
den Nationen ein aufrichtiges Verständnis und ein ge—
aenseitiges gutes Einvernehmen wünsche.
Durch den Rücktritt des ersten Seelords
wird der alte Zwist zwischen —e ee
der Welt geschafft. Die Hauptflotie wird jebt in die
Vordiee verlegt. Wenn dies das Refultat der Monarenbegegnung
 sein sollte, so wäre das wenig erfreulich
Politische Rundschau
Deutsches Reich.
*Die Budgetlommission des Reichstages setzle die Be⸗
ratung des Etats für Südwestafrika fort. Man sprach
den Wunsch aus, daß grundlegende Verordnungen vor
ihrer Veröffentlichung dem Reichstage mitgeteilt werden;
Emgehend wurde die Ovpambo frage besprochen,
Staatssekretär Dernburg teilte mit, daß das Kreditgeben
an Eingeborene nur mit Genehmigung des Gouverneurs
staitfinden darf und der Landerwerb den Händlern ver—
boten ist. Für die Gewinnung von Arbeitskraäften ist
das Ovamboland sehr wichtig.
* Bestimmte Angaben über die Grundlage einer Ver
staändüigunng in der Reichssfinanzreform, wie sie ein⸗
zelne Blaͤtter bringen, entbehren insosern der Begründ—
uͤng, als noch geraume Zeit vergehen dürfte, bevor teils
durch die vertraulichen Verhandlungen in Subkommissio⸗
den, teils durch Verhandlungen hinter den Kulissen zwi⸗—
schen Regierung und Parieiführern eine Verständigung
er die Steuerobjelte und, wenigstens in großen Zü⸗
gen, auch über die Steuerformen erzielt werden wird.
steuerdings sind wieder neue Steuerprojekte aufgetaucht.
dahim gehört eine Steuer auf Kohlen, nmämlich
uf die Produktion pro Tonne und eine Erhöhung des
Kaffeezolles. Beide Ideen haben in einzelnen
parlaͤmentarischen Parteien ihre Vertreter, und es isi
möglich. daß sie als Anträge auftauchen werden. Ob die
Regierung auf solche Anträge oder auf einen derselben
eingehen wird, läßt sich mit Sicherheit nicht sagen, zu—
nal dazu ja ein Beschluß des Bundesrats gehören würde.
Vorlaͤnfig scheint die Regierung, die solange wie möglicÿh
an ihren eigenen Vorschlägen festhält, von den neuen
aoch nichts wissen zu wollen. Aber es wäre natürlick
oreilig zu sagen, daß sie schließlich ablehnen wird. Wer
veiß heute schon, wozu die Regierung sich noch drängen
laßt, wenn es sich um die kritische Entscheidung handelt
ob die Finanzreform zustande kommt oder nicht.
*Der Verband Säüchsischer Judustrieller hielt in
Dresden seine stark besuchte Fahresversammlung
ab, in der der Vizepräsident des Reichstages, Professor
Ba a sche über Weltwirtschaft, Industrie und Kolonien
prach. Der bisherige Vorstand des Verbandes wurd—
uGßeher gemöbhlt Tieser umioßt jeßt 4500 Firmen mi
            
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