Türkei.
Wie eine Meldung aus Dscheddah am Roten
Mecre besagt, hat ein türkisches Kanonenboot im Rolen
Neere ein Schiff unter englischer Flagge vernichtet: das
Wassen für die aufrührerischen Beduinen nach Arabien
ichmuggelte. Dabei sielen zahlreiche Personen im Kampf⸗
*Tie Deputiertentammer beschloß unter großem Bei—
rall, in einer FJnterpellation am Samstag vom
Sroßwesir Aufklärung wegen der ohne Befragung der
dammer vollzo enen Aenderung im Ministerium zu ver—
angen. Die Stimmung hat in jungtürkischen Kreisen
»stentativ gegen Kiamil umgeschlagen. Soweit die hie⸗
igen Verhältnisse eine Vorausfage gestatten, scheint Kia—
nils Stellung ernsthaft erschüttert zu sein. Das gefamte
Ministerium mit Ausnahme der visr ernannten Mimsfer
vird demissionieren.
*Durch die vom Großwesir verfügte plötzliche Ent—
lassung des Kriegs⸗- und des Marine'-WMinr,
wers ist der für Freitag geplant gewesene Staats—
inere ich des jungtuͤrkischen Komitees vereitelt worden.
Am Freitag sollte namlich der Sultan bei der Auf—
fahrt zum Selamlik entthront und eine Militär⸗-Dit—
otur errichtet werden, die das Komitee dem ällesten Sohn
des Sultans, Abdul Azid, übertragen wollte. Ddie bei—
den abgesetzten Minisier erscheinen schwer kompromittiert
Man siebt schweren inneren Kämpfen entgegen
Serbien.
*Ter König hat zwar die Abdankung des
Kriegsminifters Zivkowitsch noch nicht angenommen, aber
es ift vollkommen ausgeschlossen, daß Zivkowitsch das
Kriegs⸗Portefeuille behält, da die Altradikalen gegen ihn
Vbeinen, intrigieren und ihr früher oder ipäter doch zu
Fall bringen werden
Amerika.
Das Marine-Budget wird demnächst dem Kongreß
interbreitet werden. Es sieht Ausgaben in Höhe von
384 Millionen Dollar vor. Die Regierung beabsichügt
einen Kriegshasen an der Küste des Stillen Ozeans zu
errichten, sowie zwei Panzerschiffe von ie 26 000 Tonnen
n Auftrag zu geben.
*Der Senatsausschuß, weicher eine Untersuchung über
die Kritik Roosevelis in der Hallung der Sicherheits—
Behörden einzuleiten hatte, hat seinen Bericht eingereicht.
Es wird darin erklärt, daß die Worte des Präsidenten
tugeziemend seien.
—rr —
Hof und Gesiellichaft
** Es überrascht allgemein, daß auf dem letzten Hof⸗
u der Throafolger Erzherzog Fran z Ferdinand
nicht anwesend war. Ein Blatt erfährt dazu, daß der
Thronfolger wieder an einem Lun genleiden er—
rankt sei, das er bereits vor seiner Verheiratung hatte.
Er befindet sich schon seit einer Woche in einem Sana—
torium in Wien. Die Nachricht von der Erkrankung des
Threnfolgers, die in amtlichen Kreisen verbeimsicht wird.
nuft Besorgnis hervor.
** Ueber die bevorstehende Zusammenkun ft des
donigs Alsons von Spanien mit dem Kö—
nig Manuel von Portugal erfährt ein Madri—
der Blatt, daß es sich wahrscheinl'ch um ein Projelt han—
—A engli—
chen Prinzessin zu verheiraten. In Aus—⸗
icht sei die Prinzessin Victoria von Connaught, Schwe⸗
ler der Kronprinzessin von Schweden und Cousine der
Zdönigin von Spanien, genommen. Prinzessin Vietoria ist
3 Jahre älter als König Manunel. In England fähe
nan es aus politischen Gründen sehr gern, wenn auch
uf dem Thron Portugals, ebenso wie in Spanmen, ein—
enalische Prinzessin sei.
Preußischer Landtag
Abgeordnuetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus hat heute die zweite Berat—
ung des Jusltiz-Etats zu Ende geführt, worauf die zweite
Berctung des Gesetzentwurfs betr. die Besoldung der
evongelischen Geistlichen begonnen wurde. — Morgen:
Foettfetzung des Pfarrerbesoldungs-Gesetzes und Noßelle
uni Beragesetz.
— — — —
Deutscher Neichstag
Berlin, 12. Febr.
204. Sitzung.) Nachmittag 2 Uor.
Mit der Beratung des Etats de—
Reichsamts des Innern
vird fortgefahren.
Veim Titel „Weiterer Zusatz zur Invalider-Versicher—
uing“ bemertt Abg. Stadthagen (Soz.): Die Kon
rolle sei ungewöhnlich scharf. Es gäbe zahlreiche Fälle,
wo die Aerzte Arbeitsunfähige für arbeitsfähig geschrie⸗
den hätten. Den Arvbeitsunfähigen werde man doch wei—
er entaegenkommen müssen.
Abg. Oertzzen Gieichsp.) Die Aerzte seien aller—
dings sehr mißtrauisch und eine scharfe Kontrolle sehr am
Platze.
Abg. Cuno (F. Vpy) erklärt, man sollte die In—
validen⸗Versicherung der Krankenversicherung anschließen.
Dann schließt die Debatte. Für allgemeine Interes—
jen des Handels und Gewerbe sind 100 000 Mark ein—
gestellt.
Es folgt das Kapitel Statistisches Amt:.
Hierzu liegen 2 diesolutionen vor.
Abg. Levin Goz,) erklärt, die bisherige amtliche
Streifstatistil sei durchaus unzuverlässig.
Staatssekretzir v. Bet hmann-Hollwe g erwi
dert: Die verbündeten Regierungen würden sich darüber
schlüssig machen, in welcher Form die Staiistit aufgenom⸗
men werden soll.
Aba. Heckssccherr (Fr. Vp) tritt für die Resolution
zin betr. die diätarische Beschäftigung in den Reichsimtertt
Beim Kapitel „Disziplinarbehörden“ wird eine Reso⸗
iution angenommen, die von der Kommission beantragt
ist, und die Wiederaufnahme des Strafperfahrens gegen
Beamte verlangt.
Auf Anregung des Abg. Giesberts (3.) erklärt
Dr. Caspers vom Reichsamt des Innern, wegen ei—
ter einheitlichen Bergbausiatistik nach Art der preu ßischen
habe sich der Staatssekretär bereits mit den übrigen für
den Vergbau in Betracht kommenden Regierungen in
Verbindung gesetzt und von diesen zusagende Antworten
aranen. Eine altgemeine Lopnstatuunr mache Schwie—
cigleiten, aber es soll eine solche wenigstens probeweise
für eine einzelne Industrie erfolgen.
Abg. Erzberger (83) erklärt, die Kommission
habe mit Staunen gehört, daß die Arbeitszeit der Bu—
reanbeamten bei den Zentralbehörden nur eme sechsstün—
dige sei, und habe einstimmig gewünscht, daß auch in
viesen Bureaus acht Stunden gearbeitet werde.
Siaatssekretär p. Bethmann-Hollweg erwi—
dert. daß die betr. Beamten zu viel geistige Arbeiten zu
erledigen hätten, und aus diesem Grunde eine achlitün—
dige Arbeitszeit nicht angängig sei.
Aach einer längeren Debatte wird dann auf Antrag
des Abg. Erzberger dieser Titel an die Kommifsion zu—
uckherveisen
ba. Schiffer (3.) wünscht, daß die
Ausländer an den Technischen Hochschulen und Faͤchschu—
en mehr aͤls bisher eingeschränkt werde, damit die In⸗
inder, für welche die Schulen ja zunächst bestimmt sind,
ahlreicher die Schule besuchen können.
Abg. Gothein (Fr. Vp.) polemisiert gegen den
Abg. Schiffer. Eine Bevorzugung der Aus'ändert bei un—
eren Technischen Hochschulen und Universfifäten dürfe na⸗
ürlich nicht stattfinden eine Benachteisigung aber auch
ticht
Abg. v. Gamp (Qieichsp.) meint, man dürfe nicht
ibersehen, welche Gefährdung für unsere Industrie in ei—
ier zu ausgiebigen Zulassung von Auslänsern bestehe.
Staatssekretaͤr v BethmannHolltwe g be—
nerkt, man müsse in jedem einzelnen Falle prüfen, ob
eine Schule auch den allgemeinen Imeressen des Reiches
diene
Kömn'g Eduard in Ber u
König Eduard bei den 1. Garde-Dragonern.
Vom Ausenthalt des Königs Eduard bei den ersten
ßarde-Dragonern ist zu melden: Während der Tafel dankte
er Kommandeur, Major von Bärensprung, dem König
ür sein Erscheinen und brachte ein dreifaches Hurrd
ruf den König aus. Der Kömig erwiderte in deutscher
Sprache, er freue sich, bei seinem schönen Regiment zu
ein, das jederzeit, im Krieg wie im Frieden, sich so
uhmvoll hervorgetan have, und von dem er überzeugt
ei, daß es seinem allerhöchsten Kriegsherrn immer Ehre
nachen werde. Es sei sein besonderer Stolz, dieses Re—
ziment von seiner Mutter übernommen zu haben, und er
josse, daß auch seine Nachfolger Chefs des Regimentes
sein würden. Er trank auf das Wohl des Kaisers. Ge—
zen Ende der Tafel erhob sich der König nochmals, um
auf das Offizierkorps zu trinken. Nach der Tafel ließ sich
der König mit dem Offizierkorps auf der Veranda pho⸗
ogroͤphieren. Der Aufenthalt behagte dem König so, daß
rretwas über die festgesetzte Zeit blieb. Der Koönig ver—
ieh den Offizieren des Regiments Orden. Das voöͤr der
daserne versammelte Vublikum begrükte den Königsehr
ebaaft.
Von der Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Reg'ments
egab sich König Eduard nach dem Kaiser Fried⸗
ich Museum, wo sich auch die Königin, die Ka— i se⸗
inn und der Kaiser einfanden. Geheimrat Bode
ührte die Fürstlichkeiten und wies auf die Haupistücke
»er Sammlungen hin. Das englische Königspaar gab
einer Bewunderung Ausdruck über die eigenartig schöne
xinrichtung der Säle und die Aufstellung der Kunssunoen—
*
Galaoper.
Donnerstag abend fand Galaoper im kostbar ge⸗
chmückten königlichen Opernhause statt. Gegeben wurden
kdeile aus der historischen Pantomime „Sardanapal“. Das
daus füllten die geladenen Gäste und Fürsten mit ihren
vemahlinnen, das diplomatische Korps, die Borschafter,
»ic Ritter des Schwarzen Adlerordens und die höchsten
zirilkeamten und Militars. Um 84 Uhr erschienen die
Fürstiichkeiien in der großen Hofloge. Der König in
eun scher Admiralsuniform fahrte die Kaiserin, der Kaiser
nuäder Uniform seines englischen Dragoner-Regiments
ührte die Königin. Die Fürsten verneigten sich dreimal
zor der Gesellschaft. An der Brüstung der Loge nahm
ie Kaiserin, links neben der Königin Platz, zu deren
sechten der Kaiser. Links neben der Kaiserin König
ẽduord, weiterhin die Kronprinzessin. Der Kronprinz und
zie anderen Prinzen und Prinzessinnen des Kaiserhauses
iahmen ebenfalls in der großen Hofloge Platz. In der
Pause verließen die Fürsten die Loge nicht; nach der Vor—
tellung hielten sie im Fover Gerele d
erlin, 12. Febr. König Eduard verlieh dem
IAberbürgermeister Dr. Rirschner den Royal Victo—
ibeOrden mit dem Stern und sandte mit einem liebens—
würdigen Handschreiben 100 Pfund Sterling für die Ar—
nen Berlins. — Bürgermeister Dr. Resiscke und Stadt—
brordnetenvorsteher Miche let erhielten den Royal
bietoria-Orden am Bande. Fräulein Kirschner ist
nit einer kostbaren Brosche beschentt worden.
Pots dam, 12. Febr. Der von gestern auf heute
verschöbene Besuch des Mausoleums durch König Eduard
vurde der großen Kälte wegen abgesagt.
Dover, 12. Febr. Die königliche Jacht „Alexan—
ra“ erhielt Ordre, heute nach Calais zu fahren, um das
dönigspaar auf seiner Rückkehr von Berlin am Samstag
in, Bord zu nehmen. Ein Geschwader von fünf deutschen
Zchlachtschifsfen und Kreuzern traf gestern auf der Höhe
son Dover ein und dampfte in wesilicher Richtund danon
Fürst Bülows Unterredung mit Sir Ch. Hardinge.
Fürst Büllo wehat mit Sir Ch. Hardinge, dem
tandigen Vertreter des Auswärtigen Amtes bei den Rei
en des Königs Eduard, eine lange Unterredung gehabt,
e sich auf die Politik der veiden Länder und ihre Be
iehungen zu einander ersireckt hat. Herr Dernbur 6
at Gelegenheit gehabt, sich mit dem engkischen Kolonial
ninister Lord Crewe zu unterhatten. Diese Besprech
mgen waren vorauszusehen, und sie werden vielkeicht nich
ie einzigen sein. Es ist durchaus glaubhaft, denn es
nitspricht dem ganzen Charaktter die'es freundschaftlichen
Hesuches, daß die Herren von diesen Unterredungen be—
ricedigt sind, und daß sie festgestellt baben, daß keinerlei
ztreitrunkte zwischen den beiden Ländern existieren. Daß
nanche Mißversiändnisse sich leicht befeitigen lassen, und
aß Momente der Annäherung jür die Politik beider Län—
er gegeben sind, das und Achnliches wird man nach dem
ende des Besnuches als erfreuliches Ergebnis desselben hö⸗
en können und es wird gewiß den Tatsachen entsprechen.
— ———— ——
Zur Erbschaftssteuer
Die Steuer- und Finanzkommission des Reichstages
sat bei der Erbschastssteuer-NRovelle den Hauptparagra⸗
heu, der die Steuersätze sür die einzelnen Verwandt—
chafisgrade enthält, zurückgestellt bis zur Drucklegung ei⸗
ies hierfür von freistnniger Seite angekündigten Antra-—
jes. Dieser Antrag liegt, von Dr. MüllerMeinin—
Jeu gestellt, nunmehr vor. Bekanntlich soll nach den
Beschlüssen, die die Finanzkommission bei der Beratung
er Nachlaßsteuervorlage gefaßt hat, zunächst verjucht wer⸗
en. durch die Ausgestaltung der Erbschaitsstener den Er—
atz für die Nachlaßsteuer zu gewinnen, und nur soweit
ies nicht gelingt, soll auf anderem Wege versucht wer
en, den Besitz heranzuziehen. Der Antrag Müller-Mei—
ningen führt die Besteuerung der Ehegatten und Deszen—
»enten ein und brinzt für die anderen Verwandten ein
uni Teil sehr erhebliche Erhöhung der Steuersätze:
Die Erbschastssteuer für Ehegatten, für Kinder und
war eheliche und solche, denen die rechtlichs Stellung ehe—
icher Kinder zukommt, sowie für uneheliche Kinder ge⸗
senüber dem Vermögen der Mutter soll einprozentig sein,
ür Enkel vierprorentig, ebenso für an Kindesstatt ange
ieinmene Perfonen und für uneheliche, vom Valer aner—
annte Kinder gegenüber di sem; bier betrug der bishe—
iage Steuersatz 6 Prozent. 6 Prozent soll“ die Sieuer
ür Urenkel betragen: desgleichen wie bisher fur Schwie—
jer- und Stiefkinder und ebenso für leibliche Eltern und
ür voll- Und halbbürt'ge Geschwister. für die der bishe
cuersatz 4 Prozent bekrägt. Auf 8 Rrozent wi
die Steuer erhöht für Großeltern (bisher6 Prozen) *
üür Abkömmlinge ersten Grades von Geschwistern (bish
BProzent). Auf 19 Prozent wird die bisherige 6Pro;
Ztkeuer für Abkömmlinge zweiten Grades von Geschw
tern, auf 16 Prozeut sür Geschwister der Eltern (bishe
Prozen) und für Schw'eger⸗ und Stiefeltern, sowi
entferntere Voreltern (bisher6 Prozent), auf 20 Prozen
ür Verschwägerte im zweilen Grade der Seitenlinie (bis
jen 8 Prozent) und auf 25 Prozent in den übrigen Fär
len der Testameniseinsetzungen (bisher 10 Prozent) er
jöht. Die Steuerprogression soll dieselbe bleiben wie bis
zer. Für Ehegatten und Deszendenten soll sie erst bein
IArb teil von 100 000 Mark beginnen, für je 100 000 M
ein Zehntel Prozent betragen und bis zum zweisache
des Grundsteuersatzes gehen bei einer Million und das
—AH
Ein fürchterliches Verbrechen
Aus Santia'go (Chile) meldet die deutsche Ka
heftelegrammgesellschaft: Die bei dem Brande der deu.
schen Gesandtschast verkohlt aufgefnndene Leiche wurd—
hisher für die des Kanzüsien Beckert gehalien, weil si—
die Kleidungsstücke Beckerts anhatte; eine nochmalige Un
iersuchung der Leiche ergab indessen, daß dem Gebisẽ
tach der Ermordete nicht mit Beckert identisch ist, viel
mehr isr dieserErmordete der chilenischedDi
ner der deutschen Gesandischafst. Danach liegt der Ve—
dacht einer fürchterlichen, durch Beckert begangenen T—
dor: Beckert habe erst den chilenischen Kanzlissien ermon
det, dann die Kasse beraubt, darauf dem Ermordete;
jeine, Beckerts, Kleider angezogen und endlich ansche
iend selbst den Brand gefliiftet.
Hierzu teilt die deuische Kabeltelegramm-Gesellschaf
mit, mit Rücksicht auf diesen Vorgang habe die deutsch—
Regserung der chilenischen Regierung eine dauernde Un
kersiütung für die Hinterbliebenen des 'auf so grausige
Weise ermordeten Gesandtschaftsdieners anbieten lassen.
Beckert verhaftet.
Santiago (Chile), 12. Febr. Der der Brand
stiztuns und des Mordes verdächtige Gesandtschaftssekre
tär Beckert ist verhaftet worden.
Santiago de Chile, 13. Febr. Der in Chil—
lan verhaftete Kanzlist Beckert in hierher überführ
worden.
Santiagode Chile, 13. Febr. Es ist ein
waͤndfrei festgestellt. daß der in der Gesandtschaft aufge
fundene Leichnam der des chilenischen Pförtners Ezechie
Tapia ist. Die öffentliche Meinung beschuldigt de⸗
Kanzlisten Beckert des Mordes und der Brandstiftung
Er soll das Verbrechen begangen haben, um dadurch den
Diebstahl der 25 000 Piaster zu verheimlichen, die au⸗
zer Nasse der Gesandtschaft verischwunden fsins
— — —
Ein Dementi Chamberlains
Wie die „Birmingham Daily Mail“ meldet, demen
tierte Chamberlain aus Cannes die von einem
Berliner Blatt gebrachte Nachricht, nach welcher Deutsch
and während des Burenkrieges Vorschläge gemacht wor
den seien, die auf den Abschluß eines deulsch-englischer
Bündnisses und den Ausschluß Frankreichs aus Marokk⸗
zingezielt hätten.
Es handelt sich dabei um eine Mitteilung des „Ber
iner Tageblattes“, in der angegeben war, England habe
m Winter 1899—1900 eine Annäherung an Deutschlant
zesucht und dabei eine deutsch-englische Verständigung übe
Maroktko unter Ausschluß Frankreichs empfohlen. Der Vor
schlag sei von Deutschland mit großer Reserve aufgenom
nien worden; später sei dann der Plan, teils infoige de—
deutschen Volksstimmung, teils infolge des Zwischenfall⸗
mit dem Dampfer „Bundesrat“ fallen gelaffen worden
und als er dann etwa ein Jahr sputer wieder aufge
iömmen worden sei, habe er sich an der von Deutschlant
befürworteten Erhöhung der chinesischen Seezölle, die ir
England sehr unangenehm berührt habe, endgültig zer
schlagen. Für die Politik der Gegenwart sind diese Aus
grabungen, mögen die Mitrteilungen richtig sein ode
nicht. bedeutunassn
Zur Krise au dem Balkan
Donnerstag Vormittag ist am Berge Banjica, nah—
bei Belgrad, eine Militär-Revuse abgehalten wor
ben, die der serbische Thronfolger leiteie. Auch sint
von der Insanterie und Kavallerie neue Gruppen zu Waj
fenuͤbungen einberusen worden. Die freiwilligen Legio
nisten halten täglich Kriegsübungen ab. Der Kronprin
steht wieder int Vordergrunde. Ihm werden von de
rieg?partei Ovationen dargebracht. Sein Verhalten i⸗
doch mißfällt den besonnenen Kreisen.
Die achte Partie der Insanterie und die zweite Par
ie der Kavallerie-Reserve sind zu einer 14tägigen Waj
enübung einberusen worden. Tas Kriegsministerium ha
ür Zwecke der Ausrüstung der Banden eine große Par
ie Gewehre, Munition, sowie Sprengstoff zur Herstellung
ꝛort Handbomben zur Verfügung gestellt. Dem mazedo
rischen Komitee wurde durch den Sektionschef Spalaiti
»ic ein großer Geldbetrag übermittelt.
Die Pforte hat angeordnet, den Bau der Bahnlini
todosto-Maradli sofort in Angriff zu nehmen, um da
zurch eine neue strategische Aufmarschlinie gegen bulga
ische Truppen aus Anatolien an die bulgarische Grenzt
uu erhalten.
Die bulgarische Regierung wird nunmehr von der
Sobranje die Ermächtigung zum Abschluß der von Ruß
and angebotenen Anleihe fordern.
Die bulgarische Regierung erhielt aus Peters
hHura die Mitteilung, daß die russische Regierung dem
nächsi einen bestimmten Termin für die Anerrenn—
ung der Unabhängigleit Bulgariens und des neuer
Titels des Fürsten vorschlagen wird
() Schlittschnyfahren. Einer der beliebteste;
interperle, Bn , zu sagen, der betiebteste, ist da—
Sislaufen und es ist wohl nicht unangebracht, auch jetzt au
eine prattische Sernmethöode hinzuweisen. Die visher seh
»ft bei den Kindern angewendte Methode, wie die Geüb
en sofort mit den Füßen nach rechts und nach links hir
Züge zu nmanhen, ist nicht zu empiehlen. Der Lernend
erhalte sich un Gegenieil rudig, ilelle zuerst die Füße pe
allel und nace zriannuen, die Kanten““nd Spiten de
Schlittsezuhe cher einibarts ars quiswärts, ven Körver et
was vorgebeugt. BRBun versuche man sich vorwärts zu be
pegen, mebr schleifend, (rutschend) als schreitend.“ Di
Fiiße hebe man so wenig wie möglich und ziehe den Fup
nit deim man abgestoßen (ausgetreten), rasch wicder “d
den andern, damit sie beide wieder bei einander sind um
das Gleichgewicht erhalten werden kann. Auf diese Weis.
ist es schon edungen, in wenigen Stunden das Schlitt
schuhfahren zu erlernen
Heer und Flotte
* Die sonst gut insormierte „Münchener Zeitung“ er
ährt, daß die diesjährigen KatserManunsver zwi
chen Stuttgart, Heislbronn und Crailsheim die größter
verden, die Deutschland jemals gesehen haben wird, Faf
in Viertel des ganzen dentschen Heeres soll vor den
kaiser manövprieren. Diese Meldung wird auch von ⸗ir
ettibten mörischen Freisfen bestätiat