Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Cokales und Vermischtes
Dudweiler, 10. Februar.
*, Wir machen hier noch insbesondere auf die heute abend
agende Gartenbauvereinsversammlung aufmerksam. Die bei⸗
en Vorträge werden eine rege Beteiligung schon allein ge⸗
hrend begrunden.
78 Delegierten⸗ VBersammlung. Am vergangenen Sonnta
and in Landsweiler eine Delegiertenversammlung der Werk
rättenarbeiter der kgl Saargruben statt, die sehr gut? besucht
har. U. a wurde über Lohnfragt und Schichldauer ver⸗
jandelt. Da der Herr Minister den Zoll beamten Steuerfre⸗
seit für Verdienst aus Nebenarbeiten bewidigt hat, wurde
zer Antrag gestellt, an die vorgesetzte Behörde eine Eingabe
wecks Steuerfreiheit der Ueberschichten zu richten. Ferner
vurde beschlossen, die nächste Delegiertenversammlung in
Quierschled abzuhalten. Mit einem Hoch auf Se. Majestät
en Kaiser wurde die Versammlung um 6 Uhr geschlossen.
z Nächsten Sonntag, von nachmittags 4 Uhr ab, findet
nn Vergrügungslokale der Gtube Camphausen eine Wohl—
ätigkeitsvorstellung statt. Diese wird veranstaltet von der
ARitsgruppe Camphausen des Vaterländischen Frauenvereins.
das Programm ist ein ausgewähltes, abwechselungsreichts:
idein drei Theateistücke, sowie verschiedene Musik. und Ge⸗—
igoi ecen. Die seltens der Orusgruppe Camphausen veran—
ralteten Konzerte eifreuten sich stets großer Beliebtheit und
ahlreichen Besaches. Dies ist in anbetracht des guien Wer⸗
e8 auch für nächsten Sonntag zu wülnschen.
8 Mit der Flugmaschine zum Nordpol. Während die
iugtechniker voch rastlos mit dem Prodlem ringen, die
eistungsfähigkeit jund Sicherheit und Lenkbarkeit der Flug⸗
aaschine bis zu einer zuverlässigen praktischen Anwendbarkeit
u steigern, beschäfligen sich die Nordpolforsaer bereits mit der
Nöglichteit, den Aersplan in den Dienst ihrer Aufgaben zu
ellen. Der Engländer Sandon Peikins hat den Plan ge⸗
aßt, das lühne Unternehmen zu wagen, mittelz einer Flug⸗
naschine den Nordpol zu erreichen, und in aller Stille arbeitet
nan an dem Apparat, mit dem im kommenden Sommer
jer abenteuerliche Flug augetreten werden soll... „Der
benteuerliche Flug“ Das trifft diesen Plan, von dem wir
»Kuriosität halber hier Notiz nehmen,
8 Wibztig für Lehrhauer Wichtig sür die in der drei—
nonatlichen Hauerprobe bifindlichen Lehrhauer ist nachstehend⸗
on seiten der kgl Bergwerksdirekion zu Saarbrücken erlassene
ßerfügung: „Es wird hiermit angeordnet, daß die Lehr⸗
auer während der Hauerprobe in besonderen Unterrichtsstun—
hen über das Auftreten und die Bekämpfung von Schlag
vettern und über andere bergpolizeiliche Feagen belehit
werden. Die in der Hauerprobe befindlichen Lehrhauer haben
daher den Uebungsstunden beizuwohnen. Andernfalls wird
x zur Prüfung nicht zugelassen.“
j Berggesegnovelle. Die vom Handelsminister Dr. Del—
ud gelegentlich der Interpellationsdebatte übetr die Radbod⸗
atustrophe angekündigte Novelle zum Berggesetz wird im
bgeordnetenhaus in allernächster Zeit erwartet. Die Vor—
ge muß auch in kürzester Zeit im Abgeordnetenhaus zur
sten Lesung gelangen, wenn die Session nicht weit über
fingsten hinaus ausgedehnt werden soll. Denn käme die
o lage erst kurz vor Oflern an das Haus, so könnte die
ommission, an die sie zweifellos verwiesen wird, erst nach
ern daruber beraten und, da die Vorlagte auch rom Herren⸗
aus zuerst in einer Kommission und daun im Plenum be⸗
aten werden muß, so könnte sie erst geraume Zeit nach
zfingsten zur Verabschiedunz gelangen.
*Cingesandt.) Eine hübsche Sammlung selbstgefertigter
rczeugnisse der Conditorkunst hat Herr Artur Kahm nach
iner Ruͤckreise von der 1. internationalen Dekorfchule in
asel jetzt im Hause seiner Eltern aufgestelli. Wir finden
a die „süßesten“ Sächelchen, u. a täuschend imitierte Mar—
hall Niel Rosen, Fuchsien, Edelweis, hübscht Trom peter
juren, Tiernachbildungen etc, bis zum imvosanten Telljenkmal,
 ja selbst zwei vollkommene Gemäldenachbildungen
hübschem Rahmen sind vorhanden. Zu diesem Ersolg
iner Kunst beglückwünschen wir Herrn Kahm und koͤnnen
e Besichtigung der wirklich hübschen Zusammenst ellung,
elche in dieser Woche Interessenten gerne gestattet wird,
zr besiens empfehlen.
* Altenwald, 8. Febr. Am Samstag abend
ach im Schlafzimmer der Kinder des Steigers Cyr. Schmidt
euer aus, das die ganze Zimmereinrichtung zeiftörte. Einem
zeitergreifeu konnte vorgebeugt werden. Zum Gluͤck waren
e Kinder des Genaunten an diesem Abend ausnahmsweise
n einem andern Zimmer zu Beit gebracht worden.
St. Ingbert, 8. Febr. Bei Vergebung der Ar—⸗
eiten zum Umbau des Bahnhofe Scheidt (Strecke St. Ing⸗
zert Scarbrücken) betrug die Höchstforderung 222 450 Mi,
ie Mindestforderung die Kleinigkeit von 93 439 M. weniger
das sfind 120 011 M.
ßNeunkirchen, 8. Febr. Am Samstag vormitag
 versuchte ein sandesloses Mädchen aus der Pfolz im
hi esigen Gerichtsgefängnis sich durch Erhängen das Leben
zu nehmen. Da man noch rechtzeitig darauf aufmerksam
wurde, konnte ihr Vorhaben verenelt werden.
8. Püttlingen, 7. Febt. Dieser Tage versagte das
leltrische Licht plößiich. Deu banzen Abend war der Ort in
Dunkel geh üllt; man mußte die Lampen und Kerzen wieder
ervorholen, um in den Wohnräumen wiceder Licht zu er⸗
zalten. Die Straßen blieben allerdings dunkel. Wie es
Lißt, hat die Zeatralleitung in Heiniß versagt. Volksz.
gTurkismühle, s. Febt. Den Tod in der Rahe
jefunden hat Samstag morgen gegen 8 Uhr die Frau Post⸗
etretär Röder von hier. Letztere in vor einiger Zeit aus
iner Rervoenheilanstalt, in der sie zur Heilung untergebracht
var, zurückgekehrt und hat nun ans heinend in einem Anfali:
yon Schwermut die unglückselilge Tat beaangen. Die Leiche
vurde bald darauf gelaändet.
2Ottweiler, 6. Febr. Bei einer hiesigen Familie
ichlen ein Mädchen aus Wiebelskirchen, um ihr in die Pflege
gebenes uneheliches Kind zu besuchen. Nach dem Weggang
8 Mädchens reichte die Pflegemutter dem Kinde die Flasche
nit Milch, worauf bei dem kleinen Wefen siarkes Erdrechen
jutrat, wonach dag Kind in einen bewußtlosen Zustand vers
iel, aus dem es bis jetzt noch nicht erwacht ist. Die Pflege—
nutter, nichts gules aoͤnend, ließ den Rest der Milch unter—
uichen, und es stellte sich heraus, daß Quecksilber beigemischt
vat. Auf Grund dieser Feftelinng wurde das Maädchen
inler dem Verdacht des Mordversuchs an ihtem eigenen
linde verhaftet und in Untersuchungshaft abgeführt.
Meilningen, 19. Febr. Das Schwurgertcht ver—
reilte die Aufwaͤrterin Groß und den Maurer Malch we⸗
wor tiaticher Mißhandlund ihres Kindes zu vier Jahren
us

Frankfuct a. M., 9. Febr. Ueberall vom Ober
nain liegen Nachrichten vor, daß der Wasserstand falle
Las den Schaden anlangt, so laͤßt er sich vorerst und
ielleicht überhaupt nicht mit genauen Ziffern angeben
die Bewohner der vom Waffer heimgesuchten Häusen
onnten rechtzeitig das meiste in Sicherheit bringen. Ei—
den schweren Verlust erleidet der Frankfurter Ruder-Ver
ein, dessen Vorstand ihn auf 12 000 M. fchätzt. Ueber
ein schweres Rettungswerk wird der „Frkf. Ztg.“ ge—
chrieben: Abends 755 Uhr wurde die Feuerwehr nach
Riederrad ans rote Hamm alarmiert, wo ein im Felde
allein stehendes kleines Häuschen vom Hochwasser be—
»roht war. Die Bewohner, eine Beamtenfamilie von 5
Lersunen hatten sich auf den Boden des einstöckigen Hau—⸗
es geflüchtet. Eine Abteilung der Frankfurter Feuerwehr
on 30 Mann, die gerufen wurde, schoben einen Nachen
in das Häuschen. Sie mußten eine Strecke von 80 Me
er durch das Wasser waten, das ihnen bis unter die
Arme reichte. Die Bewohner wurden durch die Fenster
n den herbeigeschafften Nachen geschafft. Auf dem Rück
veg wäre der Nachen von der fiarken Flut beinahe fort⸗
gerissen worden.
—Göörlitz, 9. Febr. Vom Hochwasser ist Wasser
durch die Bruchlöcher in den Schacht des Braunkohlen—
ergwerks Joseph Hermann-Grube in Troitschendorf ge—
»rungen und hat diese vollständig gefüllt. Der Betrieb
st eingestellt. Alle Arbeiter mußien entlassen werden. In
tittwiß ist ein Arbeiter beim Abssoßen von Eis⸗
latten errunken.
—D Hier wurde
die 25jährige Dienstmagd Elisabeth Sklomeit mit zer⸗
chmettertem Schädel tödlich verletzt aufgefunden. Sie ist
das Opier eines unsittlichen Uebersalls. Als mutmaßli
het Täter wurde ein hiesiger Schlossergeselle verhaftet.
() Krefeld, 9. Febr. Opfer des B erufs.) Bei
dem Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen auf der
derdinger Straße ist der Schaffner Hans Günter zwischen
die Pufser geraten und sosort getötet worden.
) Aachen, 9. Febr. Massenkündigun g.) Au
her Nadelfabrik von Brause u. Co. haben die Stampfer
vegen Lohnabzugs die Kündigung eingereicht.
——
er vorvergangenen Nacht hat der Schlosser Josef Hahn
eine 37jährige Ehefrau erschlagen. Die Frau hatte sich
or seinen Drohungen vergeblich ins Schlafzimmer der
dinder geflüchtet. Der Moͤrder ist verhaftet.
6) Carnap, 9. Febt. (Tödlicher Unglücks—
all.) Bei der Herstellung von Abdämmungsarbeiten
turzte ein Steiger so unglücklich, daß er das Genick
() Herne, 9. Febr. (Der Strafe entzogen.)
Der Pferdehändler Schomburg, der unter der Anklage des
Betruges stand, hat seinem Leben ein Ende gemacht.
(E) Dortmund, 9. Febr. EErdbewegungen.)
deftige die Häuser in ihren Grundfesten erschütternde Erd—
ewegungen wurden in der Nacht in benachbarten Ge—
neinden, zum Teil auch in Dortmund wahrgenommen.
Es scheinen große, durch den Berabau verursachte Hohs—
äume eingestürzt zu sein.
s5) Maunheim, 9. Febr. (GGroßer Fortschritt.)
Das zu Ostern beginnende neue Schuljahr der Mannhei—
mer Volksschule bringt eine bemerkenswerte Neuerung.
die befähigten Schüler der fünften Klasse erhalten au—
zerhalb der ordentlichen Schulzeit wöchentlich je 4 Stun
zen französischen Unterricht. Die Schüler, die diesen Un—
erricht während des Probejahres mit Erfolg besuchen
ommen im sechsten Schuljahr in eine sogenannte Sprach.
lasse, in welcher der französische Unterricht im Rahmen
er normalen Schnlzeit erteilt wird. Sobald die erfor—
ꝛerlichen Lehrkräfte vorhanden sind, werden auch Sprach⸗
lassen für die englische Sprache gebildet.
Oldenburg, 9. Febr. Riesenbrand.) Unter
en Petroleumvorräten der Deutsch-Osnabrücker Petro⸗
eumgesellschaft in Blexen ist ein Riesenbrand ausgebro⸗
hen. Bis 14 Uhr waren 5 Petroleumtanks vernichtet.
* Unterschlagung. Nach Unterschlagung von 10000
Park ist der 33)jährige Buchhalter Georg Baumann, der
uis Filialvorsteher der Berliner Paketfahrt-Geseillschaft
ine Filiale in der Potsdamerstraße letete, flüchtia ge—
vorden.
*Skandal-Affäre. Die „Münchener Post“ will eine
SlandacszAffäre entdectt haben. Das Blatt meldet: Ange—
chene Perfonen der allerbesten Gesellschaft hätten feit
ängerer Zeit im Hofstaat wüste Orgien abgehalten. Bei
»er Polizei soll nach derselben Quelle eine offizielle An—
eige über diese Vorgänge eingelaufen sein.
*Acht Kinder ermordet? Infolge der Anzeige ei—
uas Diensimädchens leitlete die Kriminalpolizei gegen ein
fhepaar in Hamburg die Untersuchung ein. Von 11 un—
helichen Kindern, welche das saubere Paar in Pflege
otte, waren allein in einer Woche 8 gestorben. Der Fäll
rreg; großes Aufsehen.
*Aufgehobenes Spielernest. Tie Polizei hob in ei—
iem Restaurant in Beuthen an der Krakauerstraße ein
zpielernest mit vielen Verzweigungen auf. Viele ange⸗
»hene Personen sind hierbei kompromittiert.
*Verschwunndenes Dorf. In Rotterdam eingetrof⸗
ene indische Blätter melden, daß bei einem Erdrutsch in
Chcribon das ganze Dorf Tjibuhuhan mit 453 Einwoh—
icrn kurz vor Tagesanbruch blitzschnell in einen tiefen
Schlund rutischte. Nur etwa 40 Dorfbewohner kamen mit
dem Leben davon.
mJIun den Flammen umgekommen. Bei dem Brande
ines Nachtlogserhauses in Manchester in der Großvenor
Street kamen 8 Personen ums Leben. Das ganze Haus
var voller Logisgäste, als das Feuer ausbrach. Der
rad griff rasch um sich und die 300 Nachtgäste stürzten
n veller Panik nach den Ausgängen. Ein Teil von ih
ten sprang aus den Fenstern, wobei mehrere verletzt
vurden. Als die Feuerwehr eintraf, war das Haus in
Flan men gehüllt. 8 Männer erstickten in ihren? Betten.
Nan fand später ihre verkohlien Leichen unter den Trüm—
nern des abgebrannten Hauses. 15 Personen erlitten er—
sebliche Verletzungen und mußten ins Hoivpital geschafft
verden

Humoristische Eck⸗
Einangenehmer Patieni. „Herr Doktor,
Sie haben mir eine Rechnung über 100 Mark für Be—
uche und 60 Mark für Medikamente geschickt. Das ist
nin zu viel — aber wir können uns ausgleichen; die 60
Pdark für Medikamente zahle ich Ihnen, und für die 100
Mark für Besuche mach' ich Ihnen Gegenbesuche!“
Renommage. Leutnant A.: „Zum Kuckuck, Ihr
Logis wurde Ihnen gekündigt!? Aus weschem Grunde
»enn?“ — Leutnant B.: „Na, weil ganze Zimmerdecke rui—
riert worden ist . . . durch Soestyfrovfen!“

utseb-⸗frauzösi ches
Marotkko-Abkommen
Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frank—
eich über Marolto, die seit einiger Zeit gefützrt wurden,
ind zu Ende gelangt. Tienstag Vormittag dürften die
ffizieösen Mitteilungen in beden Hauptstädten ersolgen.
Der französische Botschafter Cambon weilte seit ei—
nisen Tagen in Paris, um dort die Anzgelegenheit zum
Aluß zu vringen Er wird Dienstag Vormittag wie

hder in Bern erwartet. Die neue veutschranzonsche Ron⸗
nention hält sich natürlich im Rahmen der Algecirasaktte,
ie begrenzt aber gewissermaßen die Interessengebiete bei—
»er Länder und wahrt einerseits Frankreichs politische
und andererseits Deutichlands ökonomische Intereisen in
Marokko.
„Petit Republique“ meldet über das deutsch-französi—
che Marokko-Abkommen, daß beide Regierungen von dem
Ztandpunkt ausgegangen sind, daß für die französischen
Interessen in Maroklo der politische Charakter, für die
eutschen Interessen der wirtschaftliche Charakter maßge—
end sein sollte. Beide Regierungen sind dahin einig ge—
vorden, sich zum Abschluß ihres Abkommens der Akte
son Algeciras als Grundlage zu bedienen. Eine Einig-⸗
ing ist erzielt worden über alle Punkte, welche Anlaß zu
ünftigen Meinungs-Unterschieden geben könnten. Dem
genannten Blatte zufolge handelt es sich um folgende
Zunkte: 1) Die Frage der öffentlichen Bauten in Marokko
zat für Frankreich nur Interesse, was wegen der Nähe
»er Algerien von besonderer Wichtigkeit ist. 2) die Fi—
nanzfrage, über welche ein Ergebnis erzielt wurde hin—
ichtrich der Mittel und Wege zur Hebung des marokkani
schen Budgets, 3) die Räumung des Schausa-Gebiets,
Aber welche eine vrinzivielle Vereinbarung getroifen wor
der ist
Zu dem Inhalt der Abmachungen zwischen Deutsch—
and und Frankreich inbezug auf Marokko soll, wie aus
Aeußerungen von Persönlichkeiten, die der Regierung nahe
tehen, geschlossen werden muß, die Weiterentwickelung der
Dinge in einer Weise geregelt erscheinen, daß politische
Mißrerständnisse, wie sie in den letten Jahren vorka—
men, für die Zukunft nach Möglichkeit ausgeschlossen blei—
ben. Man ist demnach überzeugt, daß die öffentliche Mei—
nung in Frankreich diese Abmachuna mit Genuatunnag be
gröüßen wird.
Der „Matin“ erfährt, daß die deutsche Regierung es
gewesen sei, welche die Initiative zu dem MarokkoAb—
oncmen ergrissen habe. Der deutsche Kaiser habe im
sinvernehmen mit dem Reichskanzler es dem Staats—
ekretär des Aeußern v. Schön und dem Pariser Botschaf-—
er Fürsten Radolin überlassen, eine Grundlage für die
Berständigung ausfindig zu machen.
Das deutsch-französische Abkommen über Marokko ist
Ddienstag vormit's— im Auswärtigen Amt durch den
Staualssekretär w o n Schön und dem französischen Bot—
chafter Cambon unterzeichnet worden
Neueste Nachrichten und Telegramme.
Depeschen Bureau Herold.
*Berlin, 10. Febr. Bei dem gestrigen Einzuge des
englischen Königspaares kam es durch das Scheuen der Rap⸗
pen der Carosse der Kaiserin und Königin zu Zwischenfällen.
Die Rappen waren bereiis durch die schmetternden Fanfaren
unruhig geworden. Auf der Schloßbrücke scheute das Sattel⸗
pferd infolge des Geschützdonners und sprang zur Seite des
Handpfeides, durch welches letzteres stürzte. Die Furstinen
mußten umsteigen und die Fahrt in einem andern Wagen
fortsetzen. In demselben Augenblick klitzte von der Seite
ein Schuß auf, welcher die Pfeide derart außer Fassung
brachte, daß sie sih losrissen und direkt auf die Gexeit—
Eskadion rannten, wobei ein Gefrelter aus dem Sattel ge⸗
rissen wurde und sich eine bedeutende Kopfwunde zuzog. Die
Rettungsmanaschaften waren sofort zur Stelle. Die Ver—
letzung ist nicht ernfler Natur.
Berlin, 9. Febr. Das Abgeordnettnhaus setzte heute die
zweite Beratung des Lehrer⸗Vesoldungsgesetzes sort bei den
Paragraphen 6 bis 19, welche die Alterszulagen, Dienst⸗
wohnung und Mietentschädigung betreffen. Die Paragraphen
vurden aagenommen, ebenso die Paragrapoen 20 bis 26,
welche die Orts- und Amtszulagen regeln. Dann folgte die
Beratung der Paragraphen 26 bis 38, die das Dienstland,
Brennmaterial, Raturalleistungen, Umzugslosten, Gnaden⸗-Quar—
tal, Berechnung der Dienstzeit von Priratschülern, den Rechts⸗
weg bei Streiligleiten und anderes mehr betreffen. Auch
diese wurden unvetändert angenommen, ebenso die Paragr
39 bis 42.
* Du sburg, 9. Febr. Die Lehreirschast im Industriege⸗
biet ist in eine siarke Etregung geraten. Es ist bekannt ge—
worden, daß die Bürgermeister von Oberhausen, München—
Zladbach, Rheydt, Reusscheid, Solingen und Koblenz ein
Abkommen trafen, nur das Normalgehalt zu zahlen und keine
IAttszulagen, ferner den gesetzlichen Minde isatz für Mietsent⸗
chädigunz und Amtszulagen. Die Westfälische Vereinigung
der Lehrerschaft im rheinisch⸗westfälischen Industriegebiet ladet
zu einer Protestversammlung nach Duisbutg ein.
* Erfurt, 10. Febr. Bei einem ehelichen Zwist geriet
der Hausbesitzer Hermann Müller in solche Wut, daß er zu
seinem Revolver griff und seine Frau niedeischoß. Unmittel—⸗
bar darauf tötete sich Müller durch etnen Schuß in die
Schläfe. Das Familiendrama vollzvg sich in Gegenwart
riner jungen Tochter des Paares
* Beuthen, 10. Febr. Großes Au'sehen enregt hier die
Tatsache, daß die Söhne des Maschinenfabrikanten Bryllacreitza
voc Gericht erschienen und ihren Vater beschuldigten im Jahre
19804 zwei seiner Kinder getötet zu haben.
* Graz, 9. Febr. Bei Mariazell wurden durch eine
Lawine zwei Kinder und eine alte Frau verschüttet und ge⸗
zötlet. Auch der Stall eines Gehöftes wurde zerstört und
5 Rinder von der Lawine getötet.
*München, 10. Febr. Die Nachrichten auswärtiger
Blätter über ein Demissionsgesuch des Kul—
tus ministers sind unrichtig.
*Weimar, 10. Febr. Am Schluß der Dienstag-Sitzung
 des VLandtages teitte der Chef des Finanz⸗De—
partements, Dr. Hu nius, dem Hause mit, daß er ihm
uber die in Berlin im Bundesrat gepflogenen Verhand—
ungen über die Lösung der Reichsreform Be—
richt erstatten werde. Daraufhin wurden die Tribünen
geräumt. Auch die Vertreter der Presse mußten den Saal
perlassen, worauf der Finauzchef seinen Vortrag hinter
verschlossenen Türen hielt.
*Gleiwitz, 10. Febr. Ein Massenprozeß, der
sich gegen den Vorstand und eine große Anzahl Mitglie—
der katholisch-polnischer Vereine richtet, nimmt hier am
22. Februar seinen Anfang. Die Anklage lautet aui—
doch- und Landesverrat.
*Paris, 10. Febr. „Petit Parisien“ berichtet aus Pe—
tersburg: In den Wandelgängen der Kammer geht das
Berücht um, daß Azew verhaftet worden sei. Die
stegierung werde die Verhaftung an dem Tage mitteilen,
in welchem die angekündigte Interpellation in der Dumä
iber Azew eingebracht wird.
*New⸗-NYork, 10. Febr. Roosevelt richtete eine
sange Depesche an die kalifornische Legislatur, in der er—
eiärt, die Japaner-Bills seien geeignet, schwere Unzu—
räglichkeiten heraufzubeschwören; ihre Wirkung werde ge—
ing, aber der Japan zugefügte Insult sehr groß sein.
Zöllten die Bills angenommen werden, so werde die
Bundesregierung durch die Gerichte vorgehen
            
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