Nummer 50
—— —— —ö——e——2—
J Dienstag den 5. Februar 1909. Zeitun ge liste 301
25. Jahrgang.
— eeI
J I ) 40
Kllgemeiner Anzeiger für den Rürgermeistereibezi
dudweilser.
Zuit Beilagen: „Relletrigische Wochenschrifte and
nette
—
—
monatlich ?0
—X
798215
okracht; bei der
KKrlich
Anzeigen
kosten 10 Pfg. die spaltige Zeile; bei mehrmaligen Inserationen
entsprechender Rabatt.
—IXVA;sA————
naterkeller
—ůòX——ü———ò — ——— —
Die „Dudweiler Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.
— —
Die Reichsfinanzreform im Lichte des
Auslandes
Nur zu leicht erhält ein Volk, besonders wenn es
nicht Gelegenheit hat, in der Welit seinen Blick zu wei—
en, einen engen Gesichtskreis; es verliert die Fähigkeit,
iber sich und seine Leisiungen frei und unpartelisch zu
irrcilen. Es ist daher lehrreich, einmal an Stimmen des
luslandes festzustellen, wie man dort über die wichtigste
nnerpolitische Angelegenheit, die Deutschland seit Jahren
eherrscht, nämlich die Reichssinanzreform und das ihr
ugrundeliegende Elend der deutschen Reichsfinanzen, ur—⸗
eilt Es hieße, eine Vogelstraußpolitik treiben, wollte
nan verkennen, daß in dem nuͤchtern und klug denkenden
ind rechnenden Englaͤnd die Urteile darüber besonders
jerb sind. Man läßt dort für den Staatshaushalt keine
indern Grundsätze gelten als im Privatleben und kann es
aher nicht begreifen, daß die politischen Parteien in
deutschland, trotzdem das Elend unserer Reichsfinanzen
ereits jahrelang besleht, sich noch nicht zu einer entschie⸗
»enen Beseitigung der Mißstände aufgerafft haben.
In besonders offener und lehrreicher Weise spricht
ich ein englischer Geifllicher, Lous Elkind, in der „Fort⸗
nighuly Review“ über die Notwendigkeit der Reichs finanz⸗
eferm und die Gründe aus, weshalb sie bisher noch
licht zustandegekommen ist. Seiner Ansicht nach ist das
urückzusühren auf die vielen Parteien, die unser politi—
ches Leben geschaffen hat, und denen es wegen ihrer
ormäckigkeit nicht möglich ift, sich zu gemeinsamem Han—
ꝛeln zusammenzutun. Die Folge davon sei, daß ihre
bolitit bisweilen das Ziel der allgemeinen Wohl⸗
ahrt verfehle. Denn was immer von der einen Seite
in Maßnahmen zur Beseitigung der Uebelstände angeregt
verde, rufse mindestens bei diner großen Partei Anstoß
sernor Die eigennützige Hartnäckigkeit der Parteien bei
dee Beratung der Reichssinanzresorm habe eine Rückstän⸗
digkeit der Nation bloßgelegt: denn vom ersien Augen—
licle sei es klar gewesen, daß eine Finanzreform vor—
endommen werden müsse, wenn das Reich nict schweren
Zchaden erleiden solle.
Das Voltk als Ganzes habe sich, freilich mit einem
zroßen Aufwand von Lehren und Ermahnungen seiner
»Slitischen Köpfe, von der Notwendigkeit der Reichsfinanz⸗
reform überzeugen lassenSollie die Reichsfinanzreform
rotzdem scheitern, so geschehe das, nicht weil die Par⸗
eien im eichssstage nicht von der Notwendigkeit der Er—
chließung neuer Steuerquellen überzeugt seien, sondern
veln die verschiedenen Parteiinteressen bei jedem wesent⸗
ichen Punkie aufeinander prallten und ein gemeinsames
dandeln unmöglich machien. Nicht mit Unrecht weist der
nnglische Verfaffer darauf hin, daß sich bei diesen Berat—
mgen ein Bild innerpolitischer Zerrissenheit ergebe, das
in Deutschtards trübste Zeit erinnere.
Auch in Frankreich steht man dem Verhalten der Par⸗
en bei der Reichsfinanzreform mit ähnlichen Empfin—
Politische undschau
Deuntsches Reich.
*Wilhelm von Schön, Staatssetretär des Aus wärti⸗
geii Amles, Kaiserl. Wirkl. Geheimrat, ist vom Gro ß—
erzog von Hefssen durch die Verleihung der
Freiherrnwurde ausgezeichnet worden uuͤd er—
sielt aus diesem Anlaß auf dem Empfang bei dem tür—
ischen Botschafter Glückwünsche von zahlreichen Mitgüie—
dern der Berliner Gesellschaff nng 837 divlomat c
sorps.
Der frühere vortragende Rat im Auswärtigen Amte
n Paris, Fürst Lichnowsky, äußerte sich dem Korre—
puondenten des „Petit Parifien“ gegenüber: Die Ver—
ehrung unserer Flotte ist notwendig angesichts der sich
tändig weiter enswickelnden kommerziellen Beziehungen
deutschlands. König Ednard wird sich bei seinem bevor
ehenden Besuche in Berlin persönlich von unserer freund
haftlichen Gesinnung überzeugen können, obwohl bei se
inem intelligenten und wohlunterrichteten Souverän
orcusgesetzt werden kann, daß er ohnehin die wahre
ztin mung in Deuitschland' kenne.
*Eine in Frankfurt a. M. von etwa 6000 Personen
esuchte Versammlung im Alberi Schumann Theater
iahm Stellung gegen die beabsichtigte Erhöhung der
Ruaufteuer. Die Versammlung, die einberusen war von
jranksurter Brauerei⸗Verband, von Frankfurter und be—
nachbarten Gastwirte-Vereinen, von den Organi ationen
z»er Flaschenbier- und Kolonialwarenhändler, vom BGe—
oerlschafts-Kartell und von den Verbänden der Brauerei⸗
rbeinsern und Konsumenten aus Franksurt und Umge⸗
end nahm eiunstimmig eine Resolution an, in der Pro⸗
est eingelegt wird gegen die dem Reichstage unterbreitete
zerlage eines Braufteuergesetzes. Die Versammlung hat
/ie bestimmte Erwartung ausgesprochen, daß der Reichs⸗
ag der Brausteuer-⸗Erhöhunq seine Zustimmung verfagen
verde.
*Ein neues Theaterverbot, noch weit unverständli⸗
her als die bisher erlassenen, meldet der „Lothringer“
uis Hayingen. Ein dort bestehender Verein von Elsäs⸗
ern wollte zwei Einatter in elsässischem Dialekt, die vom
ztaatsanwali Greber herrühren, zur Aufführung bringen.
der Ertrag war für die durch das italienische Unglüd
jeschädigten bestinimt. Der Kreisdirektor von Dieden
ofen. West verbot jedoch ohne Angabe von Gründen X
lufführung. Mit diesem System der starlen Hand kanr
RNe Regierung Syn dathie für die deutsche Sache
erzwingen, die Gegensätze vielmehr nur verschärfen
Oesterreich⸗ Uugarn.
*Die freisinnige Couleur der deutschen Studenten konnte
ergangenen Sonntag auf dem Graben in Prag unge
tört promenieren. Dda aber der Zuzug von Passanten
mmwier stärter wurde, sodaß Bürgerstreig und Fahrdamm
ibersüllt waren, wurde nit Rücksicht auf die Sicherheit
er Passauten die Raäummnag des Grabens durch die
J dpo n auf dem
— —
zminissters auserfehen. Kokowzew hat die Absficht
Posten eines Botschafters in Paris anzunebmen
Italien.
* Die „Tribuna“ kommentiert die Auflösung der Kam—
mer, sowie die Ausschreibung der Neuwahlen und drückt
die Heffnung aus, daß die Gegner der Regierung die
Wahlperiode nicht dazu benutzen werden, um eine Polikil
zu befürworten, welche die nationalen Interessen gefähr—
den könnten, besonders in dem Augenblick, wo Italien
friedensbedürftig sei, um seine Wunden zu heilen
* Dem „Giornale deItalia* zufolge finden die Nen—
wahletn am 7. oder 14. März statt.
* Der „Secolo“ schreibt, die neue Kammer müsse fich
om Dreibunde losfagen, den öffentlichen Verwaltungs
dienst reorganisieren und den Schaden wieder gut mia
hben der durch das Erdbeben verursacht worden i*s
Schweiz.
* Der deutsche Gesandte überreichte dem Bundespräsi
denten die Antwort Deutschlands auf die letzte Not
der Schweiz betreffend den Mehlstreit. Deutschland mach
neue Vorschläge, welche eine Verständigung erleichtern.
Sin Ausschuß des Bundesrats ist für heute einberufen,
Aum den Vorschlag zu prüfen und die Haltungde—
Zchweiz zu bestimmen.
*Nach einer Meldung des „Echo de Paris“ aus Bern
sollen Deutschland und JItalien entschfossen fein, einen ge
meinschaftlichen Standpuntt in der Frage der Ver—
taatlichung der St. Gotthard-Bahn einzunehmen.
Man spricht von einer Konferenz in Bern, zu welcher
Vertieter der beiden Staaten, welche die Bahn bishen
ubrentioniert haben. beimohnen sollen
laud.
*Der Ministerrat wird sich endgültig mit der Frage
er Marinebauten beschäftigen.
*„Daily Telegraph“ versichert, daß zum Zweck der
chneller. Inangriffnahme der Arbeilen für den neuen
Kriegshafen Rosis alle nötigen Ausschreibungen be—
ceits ergangen seien
Chile.
* Zu dem Tode des deutschen Gesandischaftssek—
retare in Santiago de Chile, der am Samstag unter
den Trümmern des von Feuer zerstörten Gesandtschafts—
zebäudes als Leiche aufgefunden wurde, wird berichtet:
Der Verdacht, daß der Staatssekretär er mordet woöor.
den ist, bestätigt jirch. dDie ärztliche Untersuchung
der Leiche hat ergeben. daß der Schädel in zwei Teile
Wespalten wan
—r — —
Hof und Gesellschast
** Der „Figaro“ teilt mit, daß König Eduard?
nah seinem Besuch in Berlin Paris nicht berühren wer—
de Er würde aber, bevor er nach Biarritz geht, einige
Zeit in der fraʒozischen Hauptstadt verweilen.
*Präsident Casro äußerte sich gegenüber dem
Berliner Vertreter des „Pariser Journal“, ex könne es
— deß Gome;, dem er mehr als
ten nabe. Er sei über—
dett und sich an
tragen