2 2 5 — — S 2 D 4
————— 79 v —IJ — 32 Samsiag 24. Den. 00.
J 5 —— A————
Aä * 8 —— 7 41 —3 * 4 83 3 —A 3— Anzeigen
* 5 — — 3 —*
ih u Axvenahen⸗ A 4 AMI —31 IV——— 9 7 d wenen id e— sspaltig
der Soan⸗ — 38 ⸗ — d —— —— —* * — * —35 J ——— ue
XAX —e * * * aus waͤrtige 4
——⏑—⏑
donnemrentsapreis
aatiic; 70 frei inꝰs
gaus gebprachi
der Post bestest x 228
viertel jahrl Fernsprech⸗ Anschlrun Saarbrüdien NRx. &c, 250 2609 1. 1261.
— — —
— in der Ecke hing stimm die sonn eo sebendige, immer schnar⸗
rende Wanduhr, die der Water gemacht hatte. UAn
dem großen Tisch hatten sie allr jeden Tag um die
Zuppenschüssel gesessen — wie lastige Späße hatte der Vater im—
ner getrieben! — ach, und da im Winkel neben dem Nädhtisch der
Mutter lag in der umgestülpften Fußbank gebetet, nur schwer zu
rkennen, ein Flickenbündel, Trudels vergessenes Püppchen.
Dicke Tränen rollten der Kleinen plötzlich aus den Augen
„Mein Gretchen will ich haben — und Mutter soll wiederkom⸗
nen — und Vatecr — und wir wollen wieder in unserm Haus
vohnen!“ Und laut aufschluchzend rannte sie nach der verschlosse—
ꝛen Haustür, trommeite mit beiden Fäustchen daran und ries
lehentlich: „Mutter, Mutter, aufmachen!“ — Aber stumm und
tisll blieb alles. Inzwischen war die Dämmerung tiefer herabge—
unken, and in der vereinsamten Wohnung war es schon ganz
zunkel geworden.
Heine hutte still, mit zuckenden Lippen, dabei gesanden. Dann
zahm er sein Schwesterchen an der Hand und trocknete sacht die
Tränen von dem heiseeweinten Kindergesicht.
„Komm, Trudel, weine nicht mehr; heut ist ja Weihnachten!
Vater ist im Himmel beim lieben Gott' und schickt uns gewiß das
Thristkindchen oder den Weihnachtsmann, und der macht auch
uinsere Mutter wieder gesund, und wir ziehen wieder in unser
daus. Darum habe ich ja den Brief an den Weihnachtsmarn
eschrieben, damit er weiß, wo wir jetzt wohnen!“ Dabei zog
deini ein zusammengefaltetes Papier aus seiner Jacke, legte es
iuf das Fensterbrett und beschwerte es sorglich mit ein paar
Steinchen. während Trudel, rasch getröstet, neugierig zuschaute
ind nur ab und zu noch einmal kurz aufschluchzte.
Dann faßten sich die beiden Kleinen bei den Händen, kletter—
en wieder durch die Zaunlücke und warfen noch einen letzten
ehnsüchtigen Blick auf das Häuschen, aus dem das Glück weg⸗—
zezogen war.
Rasch schritten fie nun der Stadt wieder zu. Rotglühend ver—
chwand der Sonnenball hinter dem nebligen Horizont. Da
am ihnen ein Mann entgegen, dessen Gestalt sich an dem gelb—
euchtenden Himmel scharf abzeichnete. Auf dem Rücken einen
zollgepackten Rucksack, in der Hand einen festen Stock, so schritt
et Wanderer eilig dahin. Trudel warf noch einen rafschen Blick
auf den langen, mit glitzerndem Reif versilberten Bart und sagt
sann mit frohem Lächeln halblaut: „Heini, der Weihnöchtsnann!
Gewiß hat er uns schon vorhin am Haus gesehen.“
deini nickte bloß; ihm war der Schreck in die Glieder gefahren;
r zog stumm seine Mütze, während Trudel ganz zutraulich rief:
Guten Tag, lieber Weihnachtsmann, wir haben Dir dort einen
rief ins Fenster gelegt!“ — Der Mann hielt an. „So? Na
venn ich einmal der Weihnachtsmann bin, muß ich es auch be—
veisen. Kommt mal her, ihr kleine Gesellschaft!“ Und dann
og er aus der Tasche ein Päckchen Honigkuchen und reichte es
hnen mit der Frage: „Wo wohnt Ihr denn?“
Nun nahm Heini das Wort: „Eigentlich wohnen wir in
dem Haus dahinten; aber jetzt, weil Mutter im Krankenhaus
iegt, wohnen wir Krumme Gasse 6 im Keller; das steht eben
n dem Brief, Herr Weihnachtsmann.“
„Schön, mein Junge, will sehen, ob ich hinkommen kann.
Aber nun macht, daß Ihr schnell nach Hause kommt, es wird
unkel!“ Noch ein Knicks, ein verlegenes Grüßen der beiden, und
ie eilten gehorsam weiter.
Sinnend und mitleidig schaute ihnen der Mann nach. Wer
nochten diese armen Kinder wohl sein, die das öde dunkle Haus
iufsuchten, wie verirrte Vöglein, die noch immer um ihr zerstör—
es Nest schwirren? Jedenfalls wollte er sie wiederfinden. Was
ie wohl für einen Brief meinten? Richtig, da schimmerte das
Papier auf dem Fensterbrett des verlassenen Hauses — zugleich
ber fiel der Blick auch auf ein Schild neben der Tür, und beim
Schein eines rasch entzündeten Streichholzes las der Wanderer
mit stockendem Atem: Luise Wohlbauer, Feinwäscherin. Konnte
es denn sein? Das war ja der Name, den er zu suchen ging —
der Name seiner einzigen Schwester, die er in behaglichem Wohl
tand, an der Seite eines braven Mannes, vor drei Jahren wer—
assen hatte, um im fernen Asrika sein Glück als Farmer zu ver—
uchen. Seit einem Jahre war er ohne Nachricht; da hatte ihn die
Sehnsucht nach der Heimat gepackt, nach den einzigen Menschen,
die ihm nahestanden. Und nun fand er nach vergeblichem Fra—
sen und Forschen zufällig die fast verwischte Spur der geliebten
-chwester wieder! Und die beiden Kinder! Wie war es mög—
ich, daß er die strahlenden Blauaugen nicht wiedererkannt, die
zenen der Schwester doch so glichen! Wie treu und tapfer hatte
er kleine Bursche daneben qusgeschaut! „Krumme Gasse 6 im
Zelser — oh, Ihr lieben kleinen Schelme, ja, der Weihnachts—
nann wird zu Euch kommen — zuerst aber geht's zum Kranken—
vauie und Goft gebe hdaoß ich's don auft trefien“
— — t7t
Sine Stunde später saß er am Bett einer selig üchelnden,
blassen Frau, die immer wieder die Hand des geliebten Bruders
treichelte und der ihr nun erzählte, daß er sie samt den Kindern
nitnehmen wollte in seine neue Heimat im fernen Deutsch-Ost⸗
afrika. Sie würde sich bald erholt haben, und dann zum Früh—
jahr könne fie, meinte der Arzt, ohne Schaden die Reise an—
reten.
Auf eine leise Mahnung der Pflegeschwester nahm er liebe—
rollen Abschied von der Schwester, die mit dankgefalteten Hän—
den zurückblieb.
In der Kellerwohnung der Myyme Hansen aber strahlte
jeut abend wirklich ein Christbaum, inter welchem ein Schaufkel—⸗
ferd neben einem rosa verhängten Puppenbett stand. Immer
wieder lüftete Trudelchen mit Vorsicht die Gardine, um ihr
Luppenwickelkind im Schlaf zu bewundern, während Heini bald
nit dem bunten Dampfschiff weite Seereisen durch die Stube
antrat, bald als kecker Reiter im Sattel thronte. Der „Weih—
nachtsmann“, der jetzt Onkel Heinrich hieß, saß behaglich mit der
qualmenden Pfeife der Muhme Hansen gegenüber, die heute, wie
es Heini gewünscht, wirklich ein vergnügtes Geficht machte; denn
te hatte auf ihrem Tisch ein neues, warmes Tuch und einen
»lauen Hundertmarkschein gefunden, damit sie in ihren alten
Tagen auch einen Notgroschen habe. Nach Afrika mitzugehen
ils Beherrscherin der Hühner, wie Onkel Heinrich es ihr ange—
hoten, hatte sie erschrocken abgelehnt. —
Unter dem Strahl des neugeschenkten Glückes erholte sich die
Rutter rascher als gedacht, und als im Garten des Häuschens die
rsten Veilchen dufteten, trat die Familie nach wehmütigem Ab—
hied von ber lieben alten Heimstaͤtte die Reise nach dem fernen
Isrika an. —òPy—
—— 9 97 * 23* — 241
FJür die zunge elt.
Der Brief an den Weihnachtsmann.
VRon Hans Jung. (GOnkel Hans.
(Rachdruck verboten.)
Mich friert so, Heine,“ klagte das kleine Mädelchen, und
elte von einem Fuß auf den andern, „sind wir noch nicht
fertig?“ — Fest wickelte sie die dicken, blauroten Fäustchen
„as grobe Wolltuch, schob das Näschen auf das Brett, welches
Verkaufstisch diente, und sah beweglich zu dem Bruder em—
der da oben saß und einen herrlichen, bunten Hampelmann
und niedertanzen ließ.
Nur 10 Pfennig, liebe Dame; nur 10 Pfennig der letzte, der
letzte; Herr, bitte, nehmen Sie ihn mit!“ rief er immer wie—
nit seiner dünnen, hellen Knabenstimme, und dazwischen nickte
* leinen Schwester tröstend zu: „Gleich Trudel, bloß noch
etztel“
„eini hatte heut Glück. Noch fünf Minuten, dann war auch
letzte von dem Dußend Hampelmännern verkauft, mit dem
zjeut früh auf den Weihnachtsmarkt geschickt worden war.
ilf Zehnpfenniger klapperten in seiner Tasche; nun würde die
Muhme Hansen, bei welcher er jetzt mit der Trudel wohnte,
gewiß auch mal ein vergnügtes Gesicht machen, heut zum
iigabend. Ob wohl gar in der düstern Kellerwohnung zur
ht ein Christbäumchen brennen würde? Heini hatte nicht
agt, die Muhme danach zu fragen. Sie murrte und schalt
ier so viel, daß die Stadt nur ein paar Mark zahle für die
der, und wie lange sie die Plackerei noch haben sollte? Dabei
sie gerade keine böse Frau, nur vergrämt und verbittert durch
Lebens Mühsal. Sie sorgte für die ihr anvertrauten Kin—
deren Mutter schon seit vielen Monaten im Krankenhaufe
„‚so gut sie es verstand; tagsüber arbeitete sie als Scheuer—
bei reichen Herrschaften, und wenn sie dann abends heim—
war sie müde und schickte die Kinder so rasch wie möglich
Bett. Küssen und liebkosen war nicht ihre Sache; nur manch—
strich sie mit der harten Arbeitshand den verschüchterten
nen über die lockigen Scheitel und murmelte dann: „Ihr
en Würmer, wer weiß, wie bald —“ Meiter verstanden die
ider nichts.
deut waren Heini und Trudel vergnügt, trotz Kälte und
ager. Wie gut doch alle Leute waren! Das machte die Fest—
ide. Die alte Apfelfrau nebenan winkte ihnen schon mit der
zen, braunen Kaffeekanne, und als Heini die mitgegebene dicke
tschnitte hervorholte, strich sie für ihn und Trudel sogar
iter darauf und legte zwei große Aepfel daneben. Hei, das
neckte nach getaner Arbeit! Die Wintersonne strahlte vom
uen Himmel nieder und tat beinahe, als ob fie wärmen wollte;
s Gedränge der Verkäufer und Kaufenden auf dem Weihnachts-—
t sah sich so lustig an, und Trudel hob das neugierige Näs—
wverlangend auf jeden Verkaufstisch, um wenigstens den süßen
it der bunt bestreuten Honigkuchen und zuckerbestäubten Weih—⸗
sstollen zu genießen. Weiter wagte sie nichts zu wünschen.
Blsatzlich zupte sie den Bruder am Aermel. „Heini, hast Du
den Brief für den Weihnachtsmann?“ fragte sie mit wichtig
zen Augen.
N türlich, Trudel; komm, wir wollen ihn rasch hintragen;
u noch früh am Nachmittag.“ Er seufzte ein bißchen, der
ere, kleine Kerl. Ihm war es nicht so ganz ficher, ob die
he mit dem Weihnachtsmann ihre volle Richtigkeit hatte; aber
wagte doch nicht, seinem fünfjährigen Schwesterchen die boif⸗
gsfreudige Erwartung zu zerstören.
ẽFlink trippelte die kleine Blonde neben dem Bruder her; schon
ten sie in der Vorstadt angelangt, wo der Schnee noch weiß
Straßen und Plätzen lag und so hübsch unter den festen Kin—
tritten knirschte. Ganz draußen, schon ein bißchen im Felde—
nd da ein kleines Haus, von einem Gärtchen umgeben. Der
imn war an mehreren Stellen niedergebrochen, der Gartenweg
ich hohes, dürres“ Unkraut versperrt. Die Kleinen stiegen über
utthaufen, erfrornene Koblitauden und überschneite Steine
veg bis zu dem niedrigen Fenster. Eine Schelbe war zer⸗
hen, und durch die Lücke spähten die sehnsüchtigen Kinder—
n wie gebannt in das Innere der ärmlichen Stube. Ertt
sam gewöhnte sich der Blick an das dort drinnen herrschene
nmerlicht. Da stand noch der einfache Hausrat — der große,
rherzz-an Gebnitirhl in dom die kranke Mufter so aff aefessen
Die Trauung König Leopolds.
Von allen Seiten wird nun die kirchliche Trauung
des Königs Leopolds als feststehende Tatsache bestätigt
Ein früherer Kutscher des Königs namens Gietro Donat
rzählt, daß die Trauung im Februar 1908 in Bordighera
in der Franziskanerkapelle Sant' Ampeglio stattgesunden
hat. Der König soll mit der Baronin Vaughan im Au—
tomobil von Nizza in schärfster Fahrt über Monte Carlo,
Mentone und Ventimiglia nach Bordighera um 10 Uht
abends abgefalren scin. In der Begleitung des Paares
»efanden sich sein Majordmus und ein Ordonnanzoffizier,
der Chaussfeur und Gietro Donoti, der am Triüitbrett sei—
ien Platz nahm. 5600 Meter vor der Kapelle wurde ge—
halten und der König mit der Begleitung begaben sich
in dieselbe, um nach einer Stunde zurückzulehren. Leo—
vold jührte die Baronin am Arm, die überaus glücklich
zu sein schien. Nachts um 1 Uhr war man wieder in
»er Villa. Wir bringen heute das Bild der Kapelle an
er romantischen Küne von Vordiahero
— ⏑
Humoristische Ecke.
*Einkleiner Egoist. Mama: Also das ist der
Wunschzettel, den Du für Dich und Klärchen gemacht hast.
Liest.) Ein Schlitten, eine Trommel, Bleisoldaten, ein
Zchaukelpferd, Schinschuhe, ein Gewehr und eine Puppe.
Aber Karlchen, der Wunschzettel ist viei zu lang, da mußt
Du schon etwas streichen. — Karlchen: Na, dann laß'
dlärchens Vuvne wegai
3 3 —w. 7 —
Die Schwarmgeister.
Historischer Roman von Gustav Lange.
. Fortsetzungꝰ Nachdruck verboten.
Es ist ein Zimmer, fast wie dasjenige, welches sie auf
Sparenburg bewohnte, wo wir Divara wieder finden.
Die Wände werden von dicken Mauern gebildet; aber
e sind nicht, wie auf der Sparenburg, mit festen ledernen
sareten beschlagen, auf denen noch hier und da ein golde—
er Vogelkopf darauf hinweist daß die Manuornkefseidung
glanzend war.
jer ist alles kahl, fast abschreckend. Das im Halb—
el stehende Bett sieht aus, wie ein mit einem weißen
uen überdeckter Sarg — so schmal ist das Spind, wel⸗
es ohne Füße flach auf den feuchten Quadersteinen steht,
ie den Fußboden bilden. In das fast bis auf den Fuß—
oden hexabgehende Fenster hat man neben den grünlich
linden Glasscheiben einige neue, helle eingezogen. Aber
as Blei klafft allenthalben und zeugt von der Ungeschick⸗
teit der Künstlerhand, die dieses Meisterstück ausführte.
Sin langer, hoher, eichener Tisch, fast wie eine Schlacht⸗
ank anzusehen, war an der dunkelsten Seite des Gema⸗
ses aufgestellt. Er war mit einer Mischumng von Wasser
und Ziegelmehl rot gefärbt.
In den drei Tagen, die Divara sich schon hier befand,
ar nur ab und zu ein alter, wortkarger, narbenbedeckter
Schließer erschienen, der ihr Speise und Trank hrachte.
luf inständiges Bitten hatie sie von demselben erfahren,
aß sie sich auf der Kommende des Johanniterstiftes bei
derford befand und ihr Bruder hier gleichfalls gefangen
ehalten wurde. Mehr konnte sie nicht erfahren, der Schlie—
er wußte selbst nicht, welches Schicksal ihrer harrte, aber
chlinm mußte es un sie stehen, denn ihren Bruder hatte
nan in eines der unterirdischen Gefängnisse geworfen. aus
em ein Entweichen unmöglich war.
Has Stift mußte weit ab von der Straße nach Mün⸗
der liegen, denn es war ein langer Ritt an dem linken
üfer eines Flusses entlang durch weite, meist unangebaute
Strecken gewesen, auf denen sich nur selten ein einzeln
iegender Bauernhof zeigte. Jan Joris den man halb zu
Tode geschleift, hatte man für den Rest des Weges wieder
uuf sein Pferd heben müssen.
Anmnm dritten Tag, der alte Schließer hatte ihr bereits
das Abendbrod gebracht, kehrte dieser noch ein Mal zurück,
ils bereits die Betglocke geläutet worden war und stellte
ine brennende Kerze auf den Tisch.
„Gleich wird der Kommthur Rahmond D'Esperon kom—
nen, nehmt Euch zusammen,“ flüsterte beim Abgehen der
-Zchließer Divara zu.
Die Türe öffnete fich nach einigen Minuten wieder
ind ein unscheinbarer alter Mann, gefolgt von einem
Schildknappen trat ein. Die kleine, hagere Gestalt war
n einen schwarzen Mantel eingehüllt. Das Gesicht war
yis zu der scharfgebogenen Nase in einen grauen, bis
zie Brust herabhängenden Bart versteckt, an welchen si
ein die Schultern bedeckendes Haupthaar anschloß.
Die Erscheinung dieses Mannes, welcher einen breit
rämpigen Hut mit einer ungeheuren voten Feder trug
jatte fast etwas Gespenstisches. Divara trat unwillkür
ich einen Schritt zurück.
„Der Herr Kommthur!“ meldete der ihn begleitende
Schildknappe, verbeugte sich tief und wollte sich eñtfernen.
„Bleibe hier, Bertram!“ sagte Raymond D'Esperon mit
infreundlicher Stimme. „Seit vielen Jahren habe ich mit
einem Weibe gesprochen und will es setzt auch nicht ohne
zeugen tun.“
Der Schildknappe verzog keine Miene, sondern stellte
ich in kerzengerader Haltung neben der Türe auf.
„Jungfrau,“ wandte sich der Kommthur an Divara.
„Ich ermahne Euch, mir die volle Wahrheit zu sagen.“
„Nie ist eine Lüge über meine Lippen gekommen.“ ent⸗
egunete Divara und richtete sich stolz auf.
„Um so besser, also gebt auch jetzt der Wahrheit die
Ehre. Wer ist der Mann, mit den Euch die Knappen
getroffen haben und der sich jetzt in sicherem Gewahrsam
befindet?“
„Mein Bruder!“
Raymond D'Esperon wich zurück und schlug ein Kreuz
in der Luft, als spreche er eine Beschwörungsformel gegen
das Mädchen aus.
„Also doch!“ sprach der Kommthur mehr für sich und
zu Divara gewandt, setzte er lauter hinzu: „So ist es er⸗
wiesen, daß er ein Wiedertäufer ist und Ihr eine Wieder⸗
täuferin seid!“
Divara rang entsetzt die Hände. In welche Gefahr
war sie und ihr Bruder geraten.
„Edler Herr, ich verstehe den Sinn Eurer Worte nicht,
aber ich kann nur beteuern, daß ich nie Gemeinschaft mit
diesen Leuten gehabt habe.“
„Wollt Ihr auch bestreiten, was die edle Frau Sibylla
— auf meine Anfrage mir geantworiet
hat?
Divara stieß einen leisen Schrei aus und sagte dann
mit schwacher Stimme:
„Oh, die edle Frau wird nie und nimmer etwas
Schlimmes gegen mich gesagt haben!“
„So höret,“ entgegnete Raymond D'Esperon mit har⸗
ter unerbittlicher Stimme. „Frau Sibylla von Rauschen⸗
hurg hat Euch als kleines Mädchen Euren Eltern, die
jener verderblichen Sekte eingestandenermaßen angehörten,
entrissen, um Eure Seele zu retten. Doch die gute Saat
ist nur halb zu Wachsstum gelangt. Den eigenen Sohn
er Edelwittwe haht Ihr umgarnt und waret vor drei
Tagen im Begriff nach Münster zu fliehen — nach Mün—
ter, wo leider die falschen Propheten so manches
Ohr gefunden haben. Wollt Ihr daher noch in Abre
tellen, gleich Eurem Bruder mit den Sektierern im Ein—
erständnis zu stehen?“