Full text : Dudweiler Zeitung

verstegeit: bei der Dienerschaft wurde kein Widerstand ge
ee obwohl die Baronm telegraphischen Befehl gab
cit allen Gewaltsmitteln sich der Beschlagnahme zu wi
dersetzen. —
Rach dem Tode König Leopolds.
Brüssel, 22. Dez. Die Prinzepsin Luise em
pfing gestern den Besuch ihrer Schweslert S tephanie
und ihrer Tante, der Gräfin von Flandern. Vaun suhr
die Prinzessin Luise nach dem königlichen Palast, wo sie
längere Zeit am Sarge ihres Vatlers weille mo einen
Biumenstrauß niederlegte. Sie war tief gerührt und brach
in heftiges Schluchzen aus.
Brüssel, 22. Dez. Dem „Peuple“ zufolge soll zwi—
schen den drei Schwestern Lusse, Stephanje und
Flementine durch Vermittelung ihrer Tante, der
Bräfin von Flandern, eine Aussöh nanrung stattgefun—
en haben.
Paris, 22. Dez. Die Baronin Vaughan ist
gestern Abend auf ihrem Schloß Balincourt —X
Sie war sehr aufgeregt, umarmte ihre Kinder und be
jab sich dann zum Friedensrichter, um die Abnahme der
gerichtlichen Siegel zu beantragen. Das Friedensgericht
pon Pontoise wird heute über die Antrag Beschluß fas⸗
sen. Für morgen werden die aus Brüssel bommenden
Möbel und Hausgeräte in Paris erwariet — Wie das
Brüsseler Blatt Peuple“ versichert, hat die Barong
Vaughan in den letzten Tagen bedeutende Geldbeträge aus
Brüsseler Banken zurückgezogen.
Brüssel, 22. Dez Wie verlautet, ist Baronin Vaug—
zan nicht auf Schloß Balincourt angelom—
men. Ihr Aufenthalt ist unbekannt.
Brüissel, 22. Dez. Die zu dem Leichen begäng—
1i 8 hierher kommenden Delegierten treffen alle
ncognito ein und werden nicht amtlich empfangen. Für
die heutige Leichenseier sind sirenge Maßregeln getroffen
vorden, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.
J
—
247 Schloß Balincourt.
Schloß Balincourt, das Besitztum der Baronin
Baughan, geborene Delacroix, ist min zum zweiten
btale von den Töchtern des Königs versiegelt worden.
Das im Departement Seine et QOise gelegene Schloß ist
ein Geschenk des Königs. Prinzessin Luise, die äüteste
Lochter des Verstexbenen trifft Anstalten, alle Schlösser
ind Besitzungen, die der König der Vaughan hinterlassen
jat mit Beschlag zu belegen. Sie hofft zirka 70 Millio⸗

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für die Erben herauszuschlagen. Kurz vevor der fran⸗
fische Friedensrichter mit Hilse der Gendarmerie in das
Schloß drang, um die Siegel anzulegen, hatte die Baro⸗
Rin mit 8 Automobilen in rasender Eile das Schloß
verlassen, und war in der Richtung nach Paris gefahren.
Zwei Autos waren mit Roffern vo lbepackt, während in
dem Dritten sie mit ihren Kindern Platz genommen hatte.
Saämtliche Gemächer des weitläufigen Schlosses werrde

Die Sowarmgeister.
Historischer Roman von Gustav Lange. *
26. Fortietzuna Nachdruck verboten

14. Kapitel.
Die beiden Geschwister waren noch nicht weit geritten,
als fie hinter sich Hufschlag vernahmen. Als Jan Joris
und Divara sich umblickten, sahen sie hinter sich fünf Rei⸗
ter ihnen folgen.
„Das sind Sparenburger!“ rief Divara entsetzt.
„Meinst Du? Ich kann mir zwar nicht erklären, wie
man Deine Flucht so zeitig entdeckt und uns so nahe auf
den Fersen sein könnte, aber da werden sie vergebene An⸗
strengung maͤchen, uns einzuholen.“
„Die Sparenburger haben flinke Rosse.“
„Sei, unbesorgt; auch ich habe die besten Läufer ge⸗
wählt. Und dann haben unfere Pferde geruht, während
die Sparenburger Reiter schon mehrere Stunden unter⸗
wegs sein müssen, wenn sie uns nachgesandt worden sind.“
Jan Joris gab seinem Pferde die Sporen, während
er das seiner Schwester am Zügel ergriff, sodaß es in
gleich schneller Gangart folgen mußte.
„Wir haben das ravensbergische Gebiet hinter uns und
sind gerettet,“ sagte nach einigen Minuten Jan Joris,
nachdem er sich durch einen Umblick über die Gegend orien⸗
tiert hatte. „Der Weg hier links am Waldessaume führt
nach Münster, den werden wir einschlagen.“
Wirklich, die Sparenburger konmenin gleichem Tempt
nicht folgen, der Abstand zwischen ihnen und den beiden
Geschwistern wurde immer größer, wie sich Jan Joris
hei einem Rückblick mit Genugtuung ee konnte.⸗
„Lafsen wir unsere braven Tiere einen ugenblick ver
schnaufen,“ sagte Jan Joris. „Sieh, ich hatte doch recht,
die Spatenburger Holen uns acht“ ein min wenn Ei
nit uns bis nach Münster um die Weite lattfen —“
Die weiteren Wacie erstacben Jan Joris anr den Liv

Lokales und Bermischtes.
Dudweiler, den 23. Dezewber 1809.
seonzert unserer Bergkapelle. Aus dem uns vor
iegenden Programm filt das Welhnachts-Konzert im Saalc
Kiet schy find folgende Rummern besonders hervorzuheben
Quvecture zur Oper „Franz Schubert“ von Suppee, Einleit⸗
ung und Chor aus „Lohengrin“ von R. Wagner, Ouverture
zu „Undine“ von Lortzing. Dies sind die hervorragenden
größeren Werke. Wie afljährlich, wird auch ein größzeres
Tongemälde: ‚Fröhliche Weihnachten“ zum Vortreg gebracht.
Dieses Tongemälde bringt zurꝛ Ausdruck: 1. Am
heiligen Abend, 2. Schneefall, 3. Blinder Leietrmann vor der
Tür, 4. Knecht Rupprecht kommt, 5. Der Tannenbaum
6. Stille Nacht, 7. Der Festmorgen bricht an, 8. Was das
Thrtfikind bescheert hat, O. Spaziergang, 10. Vor der Hanpi⸗
wache, 11. Papas Mittagsschräfchen, 12. Was Papa nich!
sehen darf, 13. Schlitteufahrt, 14. Auf dem Tanzboden,
15. Gute Nacht. Im weiteren Teil des Ptozramms wird
auch der bekannte und beim Publikum so beliebte Fötist Herr
Afche ein Solo zum Besten geben. Ein weiteres Solo ist
zur Tromba vorgesehen. Dies ist eine Ruslese aus der
pielen für das diesjährige Konzert vorgesehenen Nummern,
Das Ptogramm enthält jedoch noch riele andere Proben der
Musik.
Beilagen. Der heutigen Nummer liegen die illu—
krierien Sonntags⸗Blätler bei, da wir für die Freitags aum⸗
ver eine Sondei⸗-Weihnachts⸗-Beilage herstellen ließen.
Die Gewinnliste der Kunstausstellungs⸗Lotterie in Munchen
iegt bei der Geschäftsstelle zur Einficht für Interessenten
ffen.
Unserer Postboten an Weihnachten zu gedenken und
hnen eine kleine klingende Anerkennung ihrer Dienste
zuteil werden zu lassen, ist ganz angebracht. Gerade der
Stand der Post⸗Unterbeamten ist einer der schwersten, von
dem bei Wind und Wetter, mag es glühende Sonnenhitze
oder eisizkalt sein, treueste Pflichier süllung verlaugt wird.
Dafür wird er ber nicht eiwa sehr gut bezahlt — eine
kle ne Anerkenaung kommt ihm deshalb sehr gelegen. Also
vergesset seiner nicht!
Bedancerliches. In Amsterdam haben 1200 Lehrer
und Lehrerinnen ihre Kinder über das Rauchen ausgefrägt.
Danach rauchten von hundert inaben 17 regelmäßig, 35
)ann und wann. Von 5689 Seche- und Siebenjährigen
archten 416 regelmäßig, 1162 dinn zund wanr. Die
auchenden Schüler werden bezeichnet als die schlechtesten der
Kiasse, unanfmerksam, oft geradezu st impfsinnig; sie schrieben
schlecht und mit zitiernder Hand. — 4600 Veillionen gibt
unser Volk jährlich fur Alkohol und Tabak aus, 50 Milli—
onen für Schundllieratur, zusammen mehr als die 5 Milli⸗
arden, die Frankreich Kriegsentschädigung zahlte. In Dffen—
bach a. Mefand man bei zwei Schülern von 12 und 13
Jahren allein 162 Schundhefte schlimmster Art.
Auch ein sofortiger Eutlassungsgrund. „Ortho⸗
graphisch richtig schielben muß ein Angesfelter können, der
in einem kaufmännischen Geschält größeren Umfanges älig
ist und auch zeitweise den Prinzipal zu vertreten hat.“ So
hat das Vorsteheramt der Kausmannschaft in Tilsit (Ostpr.)
in einer Klazesache entschieden und hinzugefügt: „Bei dem
Engagement darf der Geschäftsinhaber diefe Fahigkeit slill
schweigend voraussetzen. Stellt sich aber spätei heraue, daß
der junge Mann nich orthographisch richtig schreibt, so steht den
Prinz val nach 8 70 des H.G.⸗GB. das Recht zu, das Diepst:
verhältnis ohne Einhaltung der Klindigungefrist zu lösen.“
Das Kaufmannsgericht entschied in gleichem Sinne.
Eingelegte Berufung. In der Strafsache gegen die
sünf Unteroffiziere des Infanterieregiments Nr. 70 ie vom
Krie zögericht der 16. Dipision am 7. Oktober weten Ver—
brichens gegen 8 176 Abs. 3 des R. St.⸗G.⸗B. verurteilt
wurden, hat der Gerichteherr Berufung eingelegt. Es wur—
den damals verurteilt: der Vizefeldwebel Hardnack we gen
Vornahme urzüchtiger Haudlung an einem Mädchen unter
14 Jahren tn einem Falle und wegen Ungehorfams zu 6
Monalen Gefang is; Sergeant Hummel wegen des selben
Lerbrechens in zwei Fällen zu 7 Monaten Gefangnis; der
Sergean: Leim wegen desselben Verbrechens in zwei Fällen
ju 6 Monaten Gesängnis; der Unteroffizier Bachoff zu zwei
Monaten Gesäugnis. Von den weltecen zur Anklage stehen⸗
den Fällen waren diese Unteroffiziere fregesprochen worden,
auch die vom Veitreter zur Anklage beautraate Dearadation
var nicht ausgesprochen worden.
Trier, 18. Dez. Ein Landwirt aus Niederfell verkaufte
gestern auf dem Biehmarkt eine Kuh um den Preis von
1986 Mark. Als er nach beendetem Markt den Känfer suchte,
war dieser verschwunden. „Aber, Sie mussen fich doch den
Namen gemerkt baben.““ meinte ein anderer zu dem na—

pen, denn aus dem Walde links brachen plötzlich eine An—
zahl bewaffnete Reiter und umringten die beiden Flücht⸗
inge sofort.
„Frennd, laß Deine Waffe stecken!“ rief der Anführer
der Reiter, indem er sein Schwert zog und damit einen
Hieb nach dem Arm Jan Joris zu fuͤhren drohte.
„Was wollt Ihr von uns ẽ fragte Jan Jorts, dy
wohl einsah, daß hier jeder Widerstand vergebens w
and daher sein Faustrohr wieder sinken ließ. „Wir sind
friedliche Reisende, laßt uns daher unseres Weges ziehen.⸗
„Ah, seht dort hinten die Reiter, die haben es wahr
scheinlich auf Euch abgefehen. Es scheinen Sparenburgen
zu sein. Wollen erst hören, was die von Euch wollen;
hier können fie Euch nichis anhaben, wenn Ihr bloß Rauf
händel mit ihnen gehabt habt und wir haben idt Lust
den Starenburgern beizustehen.“
„Ich kenne die Reiler nicht,“ machte Jan Joris noch⸗
mals den Versuch fortzukommen. „Wir werden in Osnaͤ—
brück erwartet, haltet uns daher nicht länger auf.“
Hm, wie ein gewöhnlicher Strauchdieb seht Ihr ja
gerabe nicht aus,“ entgegnete der Anführer, indem er mi
einem wohlgefälligen Blick die wie eine Edeldam— geklei
dete Divara musterte. „Aber auf dem Weg nach Muͤnfter
wollt Ihr Osnabrück erreichen *
Jan Joris sah ein, daß er hier einen Fehler gesagt
hatte und wollte sich daher verbessern:
„Dann haben wir uns wohl verirrt? Zeigt uns der
rechten Weg, wir werden Euch dankbar sein?“
Doch dazu war es schon zu spät, denn nun warer
auch die Sparenburger herangekommen, die sofort Divarc
erkannten, aber nicht wenig erstaunt waren, anstatt in iher
Begleitung den Junker von Rauschenburg einen ihnen
vollständig unbekannten Mann zu sehen.
Jan Joris erkannte, daß er hier nun nicht mehr auf
zütliche Weise davonkam. Die Erfolge der Wiedertäufer
n Münster heranlaßten die umliegenden geistsite, Sut

Mann und Geld Suchenden. „M'r scheneid sich doch
raogen,“ entgeanete der biedere Feller, abrigens ein 4
zermögende: Mann.
Efssen, 22. Dez. Außer der Hauptstelle in Essen w.
der Zechenderband an 16 Orten im rheinisch⸗westialische
KRergwerkereoier Arbeits-Kachweisstellen errichten. Die Ver
seilung der dem Arbeitsnachweis angeschlossenen insgefan
226 Schachtlagen ist wie folgt auf die einzelnen Rachweit
tdellen porgenommen worden: Essen 43 Zech⸗r, Gslsenkirche
26 Zechen, Bochum 24 Zechen, Dorimund 33 Zechen, Bottro
s Zechen, Buer 7 Zechen, Gladbeck it. W. 4 Zechen, Ham
z Zechen, Herne 16 Zechen, Kamen 5 Zechen, Luͤdgendor!
mund 11 Zchen, Moerse 5 Zechen, Oberhessen 318 Z scher
Recklinghausen 18 Zechen, Sprockhöpel 4 Zechen und Witte
7 Zechtn.
Alleustein, 21. Dez. Die Gattin des in Allenstin er
moideten Majors v. Schönebeck beabsichtigt, sich aufs neu
zu verheitaten. Die Hochz'it sol im Januar statifinden und
zwar mit einem Berliner Schriftsteller. Bekaunntlich ist Fta
—AV
auf längere Zeit wegen ihtes Geisteszunaades in einer Heil
anstalt intermert gewesen.
* Qöln, 22. Dez. (Ueberfalllauf ein Mad
hen.) Als gestern Nachmitaa in einem Hause ve
Stammheimerstrahe ein 20jöhri es Dienstmädchen in der
deller der Herrschaft gehen wollte, um Kohlen zu holen
vurde es von drei Männern, die sich vermutlich im Kel—
er versteckt hatten, um einen Einbruch im Haufe zu ver
ben, über'ol en und schwer mißhandelt, sodaß das Mäd
hen bewußtlos liegen blieb. Nach einiger Zeit wurde e
nit schweren Kopfverletzurgen im Keller gefunden. Di
käter sind uner'annt entsommen. Der Arzt stellte be
em Mädchen einen Schädelbruch und eine Gehirnerschü⸗
erung fest.
* Duisburg, 22. Dez. Bergmannslos.) Au
ner Zeche „Westende“ gab in der Grube ein schwerer Stür
al'en nach, wodurch die Steinmassen ins Rollen kamen
fẽin Bergmann wurde dabei getötet, ein zweiter wurd
hwer verleßt
*Gladbeck, 22. Dez. (Der Gladbecker Dieb
tahl vor Gericht) In der Gruben-Diebstahls-Af
äre ist jeßt den verhaf eten Steigern Opel und Neuß die
Anktsage zugesteltt worden. Die Verhandlung wird be
seits in den eriien Tagen des Janunar stattfinden

Bum Londoner xvarenhausbrand. Das —X
rach in einer der oberen Elagen in einem mechanische
Transport-gtundlauf aus. Von dem Gebäude sind nur di—
Dauern übrig geblieben. Bis jetzt find 8 Leichen au
»en Trümmern des abgebrannien Warenhauses hervor
zehott worden. 10 Angestellte werden noch vermißt um
man glaubt, daß sich noch Leichen von Käufern unie
den Trümmern befinden.
Motorboot⸗Unglück. Aus Nizza wird berichtet: Ba
on Pernetz Haußmann ist bei einer Probefahrt, die e
nit einem Mechaniker in einem neuen Motorboot unter
iahm, verunglückt. Aus noch nicht aufgeklärter Ursach⸗
Tplodierte der Zylinder des Motors und zertrümmert«
das Boot. Die beiden schwer versetten Insassen sind er
runken.
Entdeckter Schu— 1. Die amerikanische Bundes
behorde verhaftete 15 onable Modendaͤndterinnen we—
gen Einschmuggelns bon zoilpflichtigen Waren. Die dem
Fiskus entzogenen Summen belaufen sich auf 10 Millis
nen Mark. Die Waren wurden zum größten Teil auf
den Dampfern der Red Star Linde und der Amertta⸗Li
nie befördert.

Luftschiffahrt.
*Parseval-Ballon. die Bestellung eines Par—
seval⸗-Ballons durch die Parseval⸗ Lustsahrzeug⸗ Gesellschaft
München ist definitiv erfolgt. Der Preis beträgt 278 600
Mark. Der Ballon wird aͤm 1. Mai 1910 in München
eintreffen und von da ab seine regel mãäßigen Faqordben
ufnehmen.
*Verunglückte Luftschiffer. Ein in Lieg
titz aufgestiegener Ballon trieb im Sturmregen an di
Atseeksisse. Awer Imsassen prangen aus der Gondel un
vurden leicht verlert. Der dritte landete eine Streck
veiter; er erlitt schwere Verletzungen

—

Gerichts zeitung.
SProzetz Friedjung. Tie Vergleichs-Ver
ndlunaen im Vrozeß Friedjung führten azu einem
günstigen Resurtat. In der wiedereröffneten
Schwurgerichtssihung gab Dr. Friedaung die Erklärungç
ab, daß er die beiden strittinen Dokbumente ausfcheide und
uch die übrigen nicht zum Wahrrheitsbeweis in Ansprug
zehmen wosle. Hierauf zogen die Kläger die Klage zu
rück, worauf Dr. Friedjung und der Redakteur de—
„Reichspost“, Ambros, freigetvrochen wurden. Damite
der Aroro 2u 6

und weltlichen Herrschaften ihre Gebiete schärfer bewaͤchen
zu lassen und mit den aufgegriffenen Wiedertäufern kur⸗
zen Prozeß zu machen und einem solchen Streifkorps war
ex und seine Schwester in die Hände gefallen. Durch die
Zparenburger wurde seine Schwester a das Kinder einer
Wiedertäuferfamilie verraten und von ihm würde man
ein, Geständutsß auf der Folterbank zu erlangen suchen
Sein Leben stand auf dem Spiele und'das seiner Schwe⸗
ster auch. Rasch wechselte er mit Divara einen Blick des
Einverständnisses und waͤhrend die Sparenburger mit den
anderen Reitern sich über die beiden Gefangenen unterhielten/
gab er seinem bereits ungeduldig scharrenden Roß die
Sporen, daß es hog aufbäumte uud mit einem Satz den
Kreis durghrag. hne Zweifel wäre Jan Joris fortge⸗
kommen, aber ein lauter Aufschrei seiner Schwester berun—
laßte ihn, sich umzuschauen —Dlvbara woax es nicht ge⸗
lungen, ihm zu folgen, indem einer der Reiter ihrem Pferde
noch rechtzeitig in die Zügel gefallen war. Da wandte
auch er sein Pferd wieder um und ließ es wi derstandslos
zeschehen daß ihn einer der Reiter an dar S
Pferdes band.
Die Sparenburger sahen ihre Aufgabe erfüllt. Sie
sollten doch nur den Junker zurückbringen, die Jungfer
Iber laufen lassen. Den Junker konmen sie aber seiner
Mutter nicht zurückbringen, weil sie ihn nicht getroffen
hatten, der andere ging ihnen nichts an und um Divarc
brauchten sie sich nicht zu kuümmern. So ritten sie denn
mit leeren Händen nach der Sparenburg zurück.
Auch der andere Reitertrupp entferme sich, noch eine
Strecke auf der Straße nach Münster zu reitend, che sie
einen anderen Weg einschlugen. Jan Joris mußte neben—
herlaufen und wurde zuweilen mehr geschleift als er ging.
War es daher zu verwundern, wenn ein reisender Hand⸗
werker, der von Münster her ihnen begegnete, stehen blieb
und den Reitern und ihren Gefangenen nachschaute? Nut
n Jan Joris Augen blibte es u—
            
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