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Montag den 20. dDezember 1909.
erlebte er einen Jubel der Massen und vbegelsterte De—
monstrationen, wie sie sein Onkel, der König, seit Jahren
nicht mehr gesehen hatie. ——— F
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Volitische Aundschaut.
Deutsches Reich.
* Ein englisches Blatt bringt die Meldung von einer
ingebtich nach Neujahr siattfindenden Reise Kaiser
Wilhelms nach England. Wie die „Tägliche Rund—
chau“ hört, ist an Berliner Stellen, die davon unterrich—
tet sein könnten, von einer solchen Reise nichts bekannt.
* Zur Begegnung des nn Berlin gewesenen englischen
Broßfinanziers Sir Ernest Cassel mit dem deutschen
daiser erfahren die „Leipz. N. N.“: Die Audien;
Cassels beim Kaiser, der bekanntlich auch ein Intimus
König Eduards ist, fand batd nach seiner Ankunft in
Berzin statt. Cassel gab dabei dem Kaiser Aufklärungen
üher den Grund seiner Berliner Mission, nämlich über
seine Verhandlungen mit Berliner Großbanken wegen der
Endstrecke de Bagdadbahn. Nach der ersten Au—
dienz lud der Kaiser Sir Ernest Cassel für Freitag zu
inem Frühstück ein. Der Tafel wurden noch zugezogen
der Reichskanzser, der preußische Finanzminister, der frü—
here Handelsminister und jetzige Staatssekretär des In⸗
tern Delbrück, und Ballin. Cassel wurde, als er vom
aiser zurückkehrte, von Interviewern förmlich umlagert,
nerweigerte aber über den Verlauf der Audienz, der in
Finanzkreisen Bedeutung beigemessen wird, jede Auskunft.
'assel hat Berlin bereiss wieder verlassen, um nach Paris
oeiterzufahren und dort weiter über die Bagdadbahn-An—
gelegenheit zu verhandeln.
* Unter dem Titel „Journal d'Allemagne“ soll in
Berlin cine neue große französische Zeitung er—
scheinen. Unter Leitung von Freunden des Pazisismus
will sie für eine Deutschrfranzösische Annähe—
rung Propaganda machen.
*Im Berliner Lebrer-Vere'nshause fand die erste
ßauptversammlung der konservativen Verei—
nigung statt. Wernn auch der Vorsitzende, Rechtsanwalt
Bredereck in seiner Eröffnungsrede darauf hinwies, daß
der Vereinigung nichts ferner liege, als mit der Ver
ammlung gegen den konservativen Parteitag zu prote—
tieren, so lief es schließlich doch darauf hinaus. Das
‚eigte das Referat des Oberstleutnants a. D. von Rabe—
nau über den konservat'ven Parteitag. Er bezeichnete die
Ablehnung der Erbschaftssteuer als schlimmen taktischen
Fehler der konservativen Partei. Der Konservativismus
müßte, so sagte der Redner, auf breitere Grundlage ge—
stellt werden, weil die Partei nicht mehr die nötige
Fühlung mit dem Volke habe. Die konservative Partei—
eitung will nun die Brücke schlagen zwischen Konserva—
iven und Noslsf
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Albert önig der Belgier.
Der einziee dienig Lecronds 2, der 1859 ge
orene Prinz BRloert ist im Alter von zehn Jahren ge
torben. Die Throͤniohie ging alsdann an des Königi
ßruder Philipp, Grasen vVon' Flandern, der im Jahr
905 starb, und hierauf an dessen 1869 geborenen Sohrt,
»en Prinzen Baldnin über, der 1891 gessorben ist. Prli
Ubert, der zweite Sohn und jetz ge König, ist am 8
April 1875 geroren. Er hat sich am 2. Oktober 1900
nit der Tochter des crzogs Karl Theodor in Bayeru
zerheirattt. Er hat drei Kennder; deren ölhsestes, der kleine
dronprinz Leopold, ist am 3. November acht Zahre alf
zgeworden.
Bei dem starken und absointen Willen des Rönigs
zeopotd 2. trat der junze blonde und hochaufgeschossene,
chüchterne Prinz Albert volkommen in den
zintergrund. Er bewohnie einen Valast in der Riee de
zeience, der übrigens auch nur gemietet, und sogar zum
deil mit gemieteten Möbeln aussta'fiert war. Seine Ge—
vohnheiten waren siets von der größten Einfachheit und
ein Familienseben, ganz im Gegensatz zu dem des Kö—
tigs, von vollkommener Herzlichteit. Der Tod seines Va—
ers, der stets sein Vermögen aut zu verwaltoen verstand,
etzte zwar die Grüfin von Flandern in den Besitz außer—
zewöhnlicher Mittel. Trotzdem dachte Prinz Albert keinen
AJugenblick daran, seine Lebensweise zu ändern. Er war
»er Ehrenpräsident unzöhliger Vereine, und seibst wenn
gesellschalten nichts andetes betreben, ass mit Pfeil und
Bogen zu schießen, brachte es Prinz Rloert nicht über
ich, eine angebotene Eyrenpräsident'chaft abzulehnen. Die
ßopularitt des Peizen und seiner Gattin ist auf dieze
Veise recht groß geborden. Bei westem wichtiger als
iese Vereinsmeierei sind die Reden, die Prinz Albert
jei entsprechenden Gelegenheicen vor Arbeitern getallen
jat, und die beweisen, daß der unge König, auch wie—
er ganz im Gegensatz zu Ledpold 2., die Bedeutumag der
ozialen Fragen erkannt und hrem Suidum einen be—
rächtlichen Teil sainer Arbeiten gewidmet het Uifsiziell ist
Prinz Albert zum ersten Mal vor vier Jahten vor dem
dande aufgetreten, als er seine Witgliedichaft zum Senat
rlangte. Dieses erste Austreten des Prinzen geschah un—
ibhängig vom König und der Prinz hat, ohne den Kö—
ug vorher zu befragen, seine erste RNede im Senat gehal—
en. Als spöter dann die Verhandlungen Velgßiens mit
»em König zwecks Uebvergabe des Kongostaates erfolgten
ind der König mit ailler Zähigleit den Siaat fur sich be—
alten und das berüch iste Raubshstem fostretzen wollie,
sat Prinz Albert, ohne dabei irgendwie hervorzutreten,
ine Meinung über die Kongoangelegenheit gehabt, die
ibsolut nisEt mit der des Könegs parallel ging. Prinz
Albert ist dann selöst nach dein Kongostaat gegangen, den
eꝛx längs des Feusses durchquert hat. Dem König hat er
or seiner Rückkehr nach Europa ein schmeichelhaftes Tese—
zramm gesandt, aber es steht fest, daß Prinz Abert Klar—
eit über die Zustaäͤnde in der Kolonie ersangt hatte, und
aß er als König cin warmer Förderer des von dem
dolonialminister Renkin begonnenen Resormwerkes sein
vird. Vor aslen Dingen wird König Albert niemals ein
villigen, die Einkünste der Kolowie für al'erhand phan—
astische Zwecke zu verwenden, die nichts mit der Kolon'e
u tun haben. Noch vor kurzem hat Leopold 2. eine ver⸗
weifelte Anstrengung gemacht, um mit Geldern, die aus
er Kolonie zu erpressen sind, eine Handels- oder gar
driegsflotte zu bauen, Banken und Unternehmungen in
zhina zu gründen usw. König Albert schlägt andere, ru—
sigere Bahnen ein. Er suchte zunächst die man—
selnde Basis für die Flotte zu schafsen. Er hat eine
Natrosenschule in Ostende gegründet, Schaluppen zu Ueb—
ingszwecken entweder selbst gestiftet oder doch die Gelder
afür zu erlangen gewußt, und er hat im Senat mit ab—
emessenen, überlegenden Worten, als vor einem Jahr
ie Reform der Schiffahrtsgesetzgebung ersolge, ausein—
indergesetzt, wie er sich die Ausbildung Belgiens zu ei—
iem Ueberseehandel treibenden Volke mit eigener Flotte
enkt. Er war in England gewesen, hat zahlreiche Kon—
erenzen mit Reedern und Schiffsbauern abgehalten, er
jat ale möglichen Weriten und Einrichtungen besucht,
ind es ist bekannt geworden, daß er sich eine Legitima—
ions'arte als Reporier einer Schiffahrtszeitung ausstel—
en ließ, um Gelegenheit zu haben, als Journalist un—
auffel ig das kennen zu lernen, was ihm als Primzen
tets verborgen bleiven würde. Seine Rede im Senat
eigte, daß der junge schüchterne Prinz zu einem tüchti—
sen und klugdenkenden Mann herangereift war, der weiß,
vas er will und der das, was er will, mit Eifer, aber
hne die leidenschaftliche Ungeduld seines Onkels durchzu—
ühren sucht. In dem gleichen Maße, in dem die Ver—
nlagung des Vrinzen dem Publikum bekannt wurde, stieg
ie Achtung, die man vor ihm heate, und els er von sei—
ser Danggreise nach Antwerven und Brüsffee »wäckkehrte
Griechenland.
* „Chronos“, das Blatt des Militär-Bundes, veröffent⸗
icht einen Artikel über die gesellschaftliche Demoralisa—
tion in der Hauptstadi, durch die auch der jetzige
önigliche Hof beeinslußt und angesteckt worden sei. Wäh—⸗
rend der Hof des früheren Königs Otto ein Mufster von
Moralität gewesen sci und moralisch und wissenschastlich
hervorragende Männer Griechenlands vereinigt habe, so
drängten sich jetzt um den Herrscher und die Prinzen Per—⸗
onen ohne sittliche Eigenschafien, die nur den Vorzug
eines spät erworbenen Reschtums besäßen und ein schlech
tes Musterbild der Repräsentation des königl chen Hau
ses abgeben. Es sei Pflicht der Ratgeber der Krone, den
Her scher darauf aufmerlsam zu machen, daß er seing
Bunit unwürdigen Personen nicht zuwende
Türkei.
* Nach Konstantinopeler Meldungen scheint die Turkel
unter der Bedingunz, daß Griechenland einer Lösung
der kretischen Frage nach dem ostrumelischen Vorbild
zustimmt, den Anschluß des griechischen Bahnñetzes an
das türkische genehmigen zu wollen. Weiter sagt dasselbe
Blatt, daß Deutschland uͤnd Oesterreich Angarn eine di⸗
relte türlisch-gricchische Vereinbarung begünftige, und daß
man Hoffnung hegt, ein solches Absommen herbei zu füh⸗
ren, ohne England zu verstimmen. Der angekündigte Be⸗
such Achmed Rizas in Athen wird von versch edenen
Blästern zwar mit Befriedigung begrüßt, doch wird zu
gleich betont, daß die Türkei noch weit von einer Äm—
näherung an Griechenland entfernt und die Aussichten hier⸗
für nicht gerade groß feien. —
Gerichtszeitung.
8Würzburger Verpflegungs-Prozeßz. In dem be—
kannten Würzburger Verpflegungs-⸗Skandal kam es am
Donnerstag und Freitag vor dem Schöffengericht in Würz⸗
burg zur gerichtlichen Verhandlung. Der Angeklagte, lei—
tende Redalteur des Würzburger General-Anzeiger, Wal—
ter Meiberg, hatte im September dss. Is. in seiner Zei—
tung die Verpflegung der anläßlich der Manöver durch—
ziehenden Truppen durch den Theater⸗Restauraleur Hant
Troll in vier Artikeln scharf kritisier. In dem von dem
Restaurgteur angestrengten Prozeß wurde im Laufs der
Verhandlung, in welcher 60 Zeugen, darunter 40 Reserdisten
geladen waren, die Verpflegung von den Zeugen
ils misetabel bezeichnet. Redakteur Meiberg wurde
nfolgedessen nur auf Grund der Paragraphen 185, 166
200 des EStr.⸗G.«B. (üble Nachrede) zu 100 Mark Geld—
strafe und Tragung sämtlicher Kosten verurteiltt.
8Zum Tode verurteilt. Vor dem Schwurgericht in
Prag stand der 25 Jahre alte Arbeiter ——
unter der Anklage, am 5. September dss. Is. die 63
Jahre alte Witwe Friedrika Köpke in Plauen i. V. er—
mordet zu haben. Der Angeklagte leugnete zwar, das
Bericht hielt aber die Schuld für erwiesen und verurteilte
hn wegen Mordes zum Tode durch den Strang.
Oesterreich⸗Ungarn.
* Obgleich die Obstrukt'on im Parlament fortdauert, ist
doch insofern eine leichte Besserung zu verzeichnen, als
s infolge der Bemöhungen der Christlich-Sozialen gelun—
jen ist, eine allgemeine Obmänner-Konferenz zustande zu
»ringen, in welcher man durch eine Reform der Ge—
chäftsordnung die Obstruktion zu bese tigen hofft, damit
ie dringenden Regierungs-Vorlagen bis Weihnachten er—
edigt werden koͤnnen. Erst wenn diese Verhandlungen
resultatlas versaufen sollten, wird d'e sosortide Vertagung
des Peichsrates ersolgen
Schweiz.
* Die vere nigte Bundesversammlung hat den bisheri—
gen Fnanzmin ster Comtesse zum Bundespräsiden—
en für das Jahr 1910 gewählt. Wir bringen unsern
Lejsern beistehend das Bild des neuen Präsidenten, der
diesen Posten bereits einmal, im Jahre 1904, belleidet
bat. Robert Comtesfe wurde am 14. August 1847 zu
vler (Neuchatel) geboren, befuchte nach Absolbierung
einer heimat schen Lehranstalten die Hochschnlen zu He—
Ibera und Varis, war donu 1274 als Untersuchunt
Aus aller Welt.
Das Spielen mit Waffen. In einer Tapetenhand—
sung in der Großen Frankfurter Straße in Berlin han—
ierte der Sohn des Inhabers mit einem Revolver. Da—
»ei entlud sich die Wafsfe und die Kugel drang einem
zusehenden 7jährigen Knaben, dem Sohne eines Naäͤch—
bars, in den Kopf. Der Knabe siarb auf dem Wege nach
dem Krankenhause.
Selbstmord eines Oberlehrers. Der Oberlehrer
Franz Pradel vom königlichen Gymnasium in Glogau hat
sich in einem Nachbarort aus unbekannter Ursache er—
schossen.
Verunglückte Arbeiter. In der Dampfkessel- und
Kupferwaren-Fabrik in Leopoldsau wurden vier Arbeiter
durch Einsturz eines 40 Zentner schweren Stoßes von
Blechplatten verschüttet. Ein Arbeiter wurde getötet, drei
schwer verletzt.
Vergiftung. In der Gendarmeriekaserne zu Szeo—
lani (Ungarn) wurden sechs Gendarmen und eine Köchin
vergistet aufagefunden. Von den Tätern fehlt jede Spur
r KRaufer er i Golsdfische gran⸗
G 777 2 —A 71 —432
2 8 66 —8 — 4 J — 9* 538 24 9 —8 8 7 9
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Leder-Wareén.
Als passende Geschenke emfehle:
)amenhandtäshchen
Postkarten und
Photographie-Albums
chreibmappen
ktenmappen
Zrief- und Zigarrenetuis
Portemonnaies
dindleder-Reisetaschen
ichulranzen
in besten Qualitä.en
bdei billigen Preisen.
Iuxus und
Geschenkartikel.
Moderne Nickel- und
Messing-Warer
Kaffe- und Teesorvice
Tafelaufsãtze
Fruchtachalen
Solinger Stadlwaren
Ess-Bestedce
in Alpacca und versilbort
Moderne Figuren
ete etc.
in hübschen, modernen Ausführungen
bei mässigen Proiser
2. — Sänmtliche Arnikel in viefachen und keinen Ausführungen.
AIs neuestes Spiel für Knaben emipfehle das JRode lLiüer-s pie l.
In gröster Fuswahl hei hiltsasten Preicen empfehle ich:
Holz-Schaulkelpferde häsenbahnen zum Aufziehen
von 2.60 an. vorzüglick laufend, von 584 an.
Leiter-u Kastenwagen Kisenbahnen mit Dainpfbetr
hestungen .“. Ställe —LXXEE
aoldatengarnituren Luftschifre
RKaufladen- Mechanisehe Spielwaren
Xcnheit! Walthers Ingenienr-Baulcasten. Neuheit!
Denkbar gröszte Fuswabl.
*
ß S 5 22
August Loufs hudweller am Markt.
08. Dudweiler am Markt.
Grosste Auswahl! in Spielwaren. Lederwaren und Gesgchenk.Frtijkel. — Cleder Runae einie Glam,ecpe mit glas arane