Nach dem Tode Leopolds 2.
Berlin, 1d. Dez. Auf der hiesigen belgischen
BSesandtschaft liesen gestern vom König von Sach
sen, dem Prinz-⸗Regenten von Bayern, dem Herzog von
Sach'en⸗Koburg-Gotha Beileids-Teregramme ein. Reichs,
lanzler von Betymann-Holweg und der Stagaissekrelär vo.
Schön gaben ihre Karten ab, während der Unterstaa
kretär im Auswärtigen Amt, von Stemmrich, persönlich
in der Gesandtischaft erschien, um die Teilnahme der Re—
gierung auszudrucken. Sämtliche hier beglaubige Diplo⸗
tten übermittelten teils persönlch, tcis durch Kartenab—
zabe die Koudosation ihrer Reßitrungen.
Berlin, 18. Dez. Munpreußischen Hosfe is—
vegen des Todes König erpouds eine Hoitraue!
pon drei Wochen, bis zum 7. Januar 1010 einschließich,
ingesagt worden.
Dresden, 18 Dez. Der König beantwortete die
hmtelegraphisch zugegangene Nachricht von dem Ableben
sönig Leopolds mit einem herz ihen Beileidstele
zramm. Die Teilnahme der sächsischen Staatsregierung
vurde der belgischen Regierung durch den Staatsminister
Brafen Vitzthum von Eclstädt übermittelt.
Karlsruhe, 18. Dez. Wegen des Ablebens des Kö—
nigs Leopod hat der großherzogliche Tof Trauer
nif 21 Tage bis zum 6. Januaren. J. anzelegt.
Paris, 18. Dez. Die Nachrufee, welche die ernfte
oliesche Presse Iranteichs dem verstorbenen König
Leopold widmet. ünd ohne Ausnahme von der größ
ien Anerkennung, te lweise sogar von Bewunderung in—
piriert. Die Zeitungen gehen mit diskreten Bemerkungen
über persönliche Dinge hinweg und betonen, daß die Zä—
higkeit und Härte im Chara'ter Leopolds der Durchfuüh—
rung seiner Pollttk zustatten kam, und daß diese Politit
dem belgischen Volk zum Segen gereichte Der „Temps“
zrinnert daran, daß Leopo'd, der für Belgien ein großer
dönig gewesen sei, seine Kongopolitik gegen die anfäng
iche Gleichgültigkeit des belgischen Volkes durchgesetzt habe.
Man werfe ihm vor, daß er auch sich selbst bereichert
zabe. Aber das sei natürlich, da er sich an die Spitze
eines großen Unternelmens siellte, bei dem er selbst ei—
nen Teil feines Vermögens eingesetzt hatte. „Journal
»es Debats“ meint, daß die persönliche Härte Leopolds
»ald vergessen, daß aber seine politische Bedeutung in
Zukunft noch mehr hervortreten werde.
London, 18. Dez. Die Blätter be'prechen das Ab—
leben König Leovolds meist nur im Hinblick auf
den Kongostaat und enthalten sich eines Urteils über
ein Privatleben. Die „Times“ schlieft ihr Urteil mit den
Worten: „Ar hätte ein großker Mann sein und enen edle—
cten Platz in der Geschichte ausfüllen können, wenn sein
herz besser gewesen wäre.“ Die „Daily News“ sagt: „Mit
dem Tode Leopolds bricht ein hellerer Tag für den Kongo
in. Solange der Despot lebte, konnte keine Macht der
Erde sich von der Erbschaft seiner Mißregierung befreien.
Jetzt, da die belgische Regierung die Moͤglichkeit hat, die
Aufgabe der Refsorm einzuleiten sind die Aussichten ganz
Indere
res BVaters erhielt, brach sie in heftiges Schluchzen aus
ind rief immerwährend, ich habe meinen Vater nicht mehr
zesehen. Als sie sich etwas beruhigt hatte, sandte sie
wei Telegraͤmme nach Brüssel, das eine an ihre Schwe—
er Clementine, worin es heißt: Ich werde mit gebroche⸗
iem Herzen die VLeiche meines Vaters beweinen. Ich habe
nich bisber, um den Wunsch meines Vaters zu respektie—
cen, abseits gehalten. Das andere Telegramm wurde an
»en Prinzen Albert gerichtet und hatte fo genden Wort
aut: Schmerzlich daruͤber berührt, daß ich meinen Vater
n seinem letzten Augenorick nicht zur Seue stehen konnte,
eile ich an seine sierbliche Hülle, um an der Trauer für
neinen Vater teilzunehmen. Ich teile Dir als Oberhaupf
inserer Familie mit, daß ich nach Brussel komme. Ich
josse, an Dir eine Stütze zu finden in Erinnerung aklen
ener Lieben, welche wir verloren haben und im Anden
en an Jenen, welchen wir augenbeicklich beweinen.
die Prinze'sin ersuchte hierauf den Korrespondenten des
Matin“, in ihrem Namen foigende Erklärung zu veröf
entlichen: Ich werde mich niemals trösten können über
en Gedanken, daß der König gestorben ist, ohne daß
eine Tochter ihm ein letztes Lebewohl sagen konnte. Ich
veiß, daß dieser Schmerz von der ganzen Familie ge⸗
eilt wird. Ich fahre mit der berechtigten Hoffnung ab
im Sarge des Königs alle Familien-Zwistigkeiten beige
egt zu sehen. Ich für mein Teil bin vereit alles zu ver—⸗
jessen, was ich gelitten habe und ales zu tun, um eine
Lersöhnung mit meinen Schwestern herbeizuführen. Ich
enne den weisen und versöhnenden Geist des Königs und
ch weiß, daß er sich mit ganger Kraft dazu verstehen
vird. alle Streitigleiten zu beseitigen und alle Zweifei
eizulegen. Ich habe das Vertrauen zu dem guten Wil—
en meiner Familie, daß wir in unserer Trauer das
—„chaufspiel einer vollständigen Einigkeit geben, welche so
wollständig ist als nur möglich. Die Winzessin ilt bereits
on Budapest abgereift
WVermischtes.
Zu gewissenhaft. Der Kommandant des Spiel—
»erges bei Brünn, bekanntich bis in späte Zeiten ein be—
rüchtigtes Gefangnis für polstische Verbrecher, helt sich
nit eiserner Härte an den Buchstaben seiner Vorschriften.
Fin Gefangener, dem die Kette den Fuß —XX—
»en hatte, bat um die Amputation desselben, da er sonsi
terben müsse. Der Kommandant berichtete darüber nach
Wien trotz Einspruches des Arztes, der auf sofortige
Amputation drang, und begründete seine Meldung damit,
»aß ihm der Gefangene mit zwei Füßen übergeben wor—
»en sei, er daher für dessen Kompleithcit zu bürgen habe.
She die Entscheidung von Wien kam, war der Gefangene
gestorben.
Der Kampf mit dem Tiger. In dem indischen
Distrikt Kllna am Hoogh!yfluß herrscht Schrecken und Rat—
osigkeit: ein menschenfressender Tiger, so wird aus Kal—
utta berichtet, versetzt die Bevölkerung wethin in Angsi
und Entseßen. Nach der Ahenddammerung wagt nmiemand
ein Haus zu verlassen und da keiner Feuerwaffen besitzt,
betreibt der Tiger unszitört seine grauenvolle Jagd. Ei—
nes seiner letzten Orfer wmar ein Hirtenknabe, der vier
Büffel heimtrieb und dabei von dem Raubtier überrajsche
vurde. Der Junge ritt auf einem der Büffel, die bein
Erscheinen des Tizers die Flucht ergrifsen. Der Knabe
iel herunter und wurde sofort von dem Tiger getötet
Zeinen halbverspeisten Leichnam fand man fpäter am
Wege. Angesichts der Wehrlofigkteit des Volkes wollte der
sevieren⸗ Maho zu ehnem anßerordentlichen Ausnahmemit
sel greifen: er worlte die Ueberreste des Knaben vergiẽ⸗
len, um so den Tiger bei seiner Wiederkehr dem Tode
uit überliesern Aber die unglücksichen Eltern widersetzten
ich und so treiot der Tiger nach wie vor sein Unwesen.
kin durch seine orperkrasft bekannter Kuli hatte mit der
Bestie ein gußerordentliches Nobentener: in seiner Fütte
vurde er von der blutgierigen Riesenkatze überfelsen,
rer er vermochte sich noch aufzurickhten und versuchte iß
der Verzweiflung der Todesangst den Tiger zu erdrofseln
Zeine Vertsidigung war io wirksam, daß der Tiger wirk
ich von ihn abließ und sich »urückzen Schwer verwun
det blieb der Kuli in inem Blute liegen, aber die Le
nensgesahr iti überwunden
Von der Barin. Im Zusammenhang mit den jüng
sten Meldungen über den ungünftigen Zustiand der Zarin
verlautet, daß die Zarin demnächst zu längerem Ausfent
sjalt in San Remo eintrifft. wo sie die Villa Nabel be
vohnen wird.
Ein unmenschliches Ehepaar. Aus Triest wird
semeldet: In Muggia hat der 30jährige Bergarbeiter R.
vrill, sowie seine Frau Antonie ihr ßjähriges Söhnchen
u Tode gemartert und ihm schließlich mit einem Beil
den Schädel eingeschläden, worauf sie die Leiche in einen
Graben warfen. Das Piorderngar wurde verhaftet
Brüfsel, 18. Dez. Wie hiesige Blätter mitteilen, ist
Baronin Vaughan tatsächlich in den letzten Tagen
ortwährend in der Nähe des Königs geblieben, eben—
o am Tage der Operation, an welchem fie sich im Ne—
enzimmer besand. Ebenso wohnte sie der Abfassung des
destaments des önigs durch den Notar Morren bei. Sie
war ferner in der serten Nacht zugegen, als der König
seinen Geist aufgab und sie ist es gewesen, die dem Köö—
nig die Augen zudrückte. Sie beteuigte sich ferner an
der Leichen Toilette und an der Aufbahrung des Königs.
Sie weigert sich entschieden, das Palgis zu verlassen, in—
dem sie iich auf ihr dem Nöniag gegebenes Wort sidtzte.
Es gelang nur mit Mühle, sie zu veranlassen, sich zurück—
uzieben, um den Mitgliedern der königlichen Famikie den
Zutrzitt zu verschassen. Wie aus zuständiger Quelle mit
geteilt wird, hat der König seinen Kindern letztwillig d'e
Summe von 15 Mill'onen vermacht, die das Erbteil dar—
stellen, das er von feinem Vater erhalten hat.
Brfel, 18. Dez. Ein Mitglied der Regierung er—
flärte, die Baronin Vaughan habe die Absicht, spä—
ler nach Brafsel zurückzwehren, Ihre Anwesenheit würde
Aber mur o lange geduldet werden, um ihr Zeit zu las—
en, ihre Privatangelegendetten zu ordnen. Sollie sie
rgendroie Ztandal berrorrufen io würde die Regierung
hre e
Varis, 18. Dez. König Albert soll dem Drän—
gen der Vresfevertreter nachgegeben und solgendes ecrklärt
aben: Ich bin augenblickklich nur der Erbprinz, Die Re—
zierung übt die interimistische Gewolt aus. Vorderhand
»in ich nur ein einfacher belzischer Untertan. Als solcher
sommit es auf meine Ansicht nicht an und a's zukünftiger
dönig kammet es mir nicht zu, eine Zukunit. die für eine
aerantwarttiche Rooferuna von Wicrhtigkeit ist. festzusegen
J
*
3 Lina Morgenstern F. Nach zehntzgigem Kranken—
ager ist in Berien inn hlter von 79 Jahren die bekanne
zchruütstellerin Vina lern verstorben. Am 25. No
nember 1830 in Brese. Tochter des Fabrikanten A.
Bauer ageboren. sorte ieit ihrer Nerheiratunag im Jahre
Die versöhnliche Luise.
Baris, 18. Tez. Der „Matin“ meldet aus Buda- i
yest: Als die Vrinzeißn Luise die Nachricht vom Tode
WRO—
5 —5 1 war, hatte sich die Erinnerung der Tochter der Wieder—
5 Die —AI äuferfamilie allmälig verwischt, um endlich fast vollstän—
vistorischer Roman von Gustav Lange. ig zu erlöschen. Als das Kind an der geheimnisvollen
20. FJortsetzung.) Nachdruck verboten. ZFrenze angelangt war, jenseit welcher die“ Jungfrau er
„Schwörennir, Dich durch kein Jurament dem Orden blüht, da wich der letzte Rest jener undeutlichen Erinnerzu
verbinden! bat Divara. ungen, die Divara absichtlich aus dem morgenrötlichen
„Ich schwöre! Aber Du, Divara? Leiste auch Du mir Himmel ihrer ersten Liebe verbannte. Die Schattenge—
einen Schwur, bekräftige mit einem heiligen Eide, nie- dalten aus ihren ersten Kinderjahren flüchteten sich in
mals meine Mutter zu verlassen, was Dich auch locken das Reich der Träume. Von einer bangen Ahnnng zu
mag. Schwöre mir, daß Du mir treu bleiben willst ...“ mmer kräftigeren Leben erweckt, machten sie das Mäoͤchen
In diesem Augenblick kam die Zofe der Edelwittwe ur furchtsamen, aber nur desto scharfsichtigeren Beobach
und rief Divaras Namen. Diese kam nicht mehr dazu, erin von Allem, was auf ihre Vergangenheit oder Zukunft
den von dem Junker verlangten Eid zu leisten, sondern Bezug haben konnte. Die Gegenwärt Jgehörte ihrer heili—
hatte eben noch Zeit, einen flüchtigen Kuß auf Kunos zen Liebe, die den reizenden Schmelz der Kindlichkeit noch
Wange zu drücken und ihm Lebewohl zuzuflüstern. nicht abgestreift hatte.
Dann eilte sie zu ibrer Pflegemutter. um den Ahend— Jetzt war Kuno fortgerissen von ihrer Seite, ohne daß
segen zu lesen ie Zeit gefunden hatte, ihm unverhüllt ihr Herz zu öffnen
ind einen Plan für die Zukunft als Trost über diest
-„chrecken der Gegenwart mit ihm zu entwerfen.
Mit wilder Gewalt erhob sich das, was so lange in
hrem Innern geschlummert hatte, um Divara zum wehr—
losen Opfer der quälenden Empfindungen zu machen. Es
var jenes Geheimnis, dessen Lösung das Mädchen noch
nicht zu erreichen vermocht hatte, welches sich mit rauhei
Bewalt auf ihren Lebenspfad stürzte. Divara war nicht
die Tochter der Freiin Sibylla von Rauschenburg, nicht
die Schwester Kuno's — sie wußte es längst; aber wer
war sie denn? Das Kind unbekannter fremder Leuten.
autete die Antwort und durch kein Fragen, kein Lauschen,
kein Zermartern ihres Gedächtnisses hätte Divara eint
weitere Erklärung des Rätsels erzwingen können. Ge—
taltungslose Schemen wogten auf und nieder, in ihrer
Undeutlichkeit doppelt entsetzlich. Wie das Unglück, wel—
hes Kuno fortgetrieben hatte, mit der düsteren Jugend
‚jeit Divaras zusammenhing, konnte sie zwar nicht erraten
daß aher der denaueste Gonian ynrhanden war fiißstfe 6
854 standig in Ber in. Fier war es auch wo ju
eichste schriststellerische und gemeinnurige To tigteit
vickelte, wo sie kurz nach ihrer Verheiratung für
Zache Fröbeln sich begeisternd, den Kindergärten-Ver.
zründete. Im Jahre 1866 gründete sie die Berliner Voyl
küchen, 1868 den Kinderschutzverein, der als erster
itimmt war, der großen Säugalungsflerblichteit zu steue.
dachdem sie 1869 die erste wisenichaftliche Forbirdund
chule sjür juunge Damen ins Leben gerusen hatte, folb
1873 die Gruündung des Berliner Haussrauenvereins—
zjen Verteuerung und Verfäl'chung der Lebensmittel. U
ꝛrmüd ich war sie dann zum Besten der Allgemeinheit
lig, 'o eröffnete sse 1887 mit zwei Aerzten Kurse
häuslsche Krankenpftege. Ihre Schriften haben zum W
sttarke Auflagen erlelbt Seit 1874 gab sie in Berline
Deutiche Hausfrauenzeilung heraus. Mit er Verstorben
st eine der markantesten Erscheinungen im Berliner
zentichen Leben dah' ngegnnden
—D
Luftichiffahrt.
*,Varseval 3.5. Zu den Blättermeldungen.
der Lenldallon „Parsevar Zzmnm den nächsten Tag
nach Köln übersührt werde, erfahren wer an zuständig
Stelle, daß bisher eine derartige Absicht nieht bestebt.
der Kölner Ballonhalle werden unterdessen an dem Lu
icheff „Zeppelin 2“ prastische Meuerungen, de sich wa,
rend der Luttschiffmanöver als notwendig erw esen haber
vorgenomnten Ingenieur Wuürtler iist mit cinem Monte
in Köln statloniert und hat rine eigene Werkstätte eing—
richtet, die nur den Neuerungen am Zeppelin-Ba lon dien
*Parsevaluftschiffahrt-Gesellichan
In München wurde mit einem Grund⸗Kapital vr
100 000 Mark eine Parsepoal Luftichitfiahrt-Gese Echaft g
gründet. Die Unternehmer sind der bayrische Automobi—
Klub und der deutsche Tonren⸗Klub. Für das nächste Jah
sind bereits ständi je Fernfahrten mit “einer Zwischenland
ung in Oberammergau in Aussicht genommen.
*Fiasto des ,fliegendemn Maschineng
wehrs“. Wie der „Hup? aus Luitichifferkreisen
schrieben wird, werden sebt die einzelnen Daten über d
Ergeonisse der Schießversuche vom Flugapparat aus ba
annt. Von der Mitührung eines Maschinengewehr durc
den Flugkünstler Latham auf seinem Flugapparat kan
iatürlich, wie wir schon vermuteten, leine Rede sen. To
ächlich ist, selbst wenn ein Maschinengewehr auf de
ẽlugapparat mitgesührt werden lönnte, das Abfeuern
ies Schusses nicht möglich, da eine Katastrophe unver
meidlich wäre. Schie ßversuche auf dem Erdboden haber
ergeben, daß der Flugapparat in eine derartige Erschüt
erung gerüt, daß er in den Löflen zerschelen würvde
Es sind a so nur Versuche gemacht mworden, Granaten hem
abzuwerfen. Von einem vorgetäuschten Ziel ist durch d
ranate nicht der geringste Teil verletzt worden. Dab—
var der Flugkünstler noch nicht einmal durch fseindlich
Jeschosse in seiner Flugsicherheit gestört. Er warf bein
Lorüberftiegen auf das Ziel sechs Granaten, dee alle da⸗
ziel verfeblten. DTie Scheßübunden werden erst im Frühb
ina fortacseßt werden
Humoristische Ecke.
*Ausschlaggebend. Frau A.: ‚„Was habe.
Sie eigentlich mit Ihrem reizenden kleinen Hund gemacht?
— Frau B.: „Den habe ech weggegeben. Es war ja eir
leizendes Tier, aber es pabte nicht zu meinem neuo⸗r
Wintermantel.
*In der Kneipe. Student (abends vergeblech au
aͤleiderzalken suchend)?: „Jean, wo ist denn mein Ueber
eher?“ — Keuner: „Entschr ldigen Sie, Herr Dolton
Jaben gar keinen mitgebracht:!“ — Student (nachdenklich
„So .. der Wievielte ist denn heuter“ Keliner „De
Reunundzwanzigste!“ — Student: .Ja, dann kann s ichor
timmen!“
*Eine Partie unbrauchbar gewordener Leute habe
ich zum alten Eisen geworfen und ist selbige weit unte
Selostkostenpreis sofort ahzugeben Frödserei Gernanio—
Kiel.
Wahres Geschichtchen. In der Weichselnie—
derung unweit des Dorfes Notter, einer Gegend, die sehn
häufigen Ueberschwemmungen ausgesetzt ist, befindet sich
neben einem Landwege ein Pfahl, dessen Holztafel fo
gende Ausschrist trägt: „Wenn diese Aufschrift unter Wai
ser steht, so ist der Wen nicht besbrnn
— — XVj————o — ⏑ e e——
wmit überzengender Gewalt. Ein Streich war vom Schick
sal aus undurchdringlichem Versteck bereits geführt; daß
ein zweiter noch in der Luft über ihrem Haupte schwebte,
fürchtete Divara nicht nur, sondern sie glaubte es körper—
lich fast zu fühlen. Ein unsägliches Grauen beschlich die
Einsame. Sie lehnte sich fest an die Lehne ihres Sessels
und schob denselben bis an die Mauer zurück, um sich zu
hergewissern, daß Niemand hinter ihr stehe. Ihre Furch!
kämpfte mit der Besorgnis, ihrer Pflegemutter einen viel
eicht tödlichen Schrecken zu bereiten. ... Divara war
jeden Augenblick im Begriff, nach dem Schlafgemach der
Pflegemutter zu eilen, sich ihr zu Füßen zu werfen und
Alles zu enthüllen, was in den letzten Stunden geschehen
war und dennoch fand sie nicht den Mut, sich zu bewegen.
Endlich erhob sich Divara. Es galt, der von Kuno
ausgesprochenen Bitte zu genügen. Nur nach und nach
durfte der Frau von Rauschenburg die Kunde von Kunos
Flucht beigebracht werden. Den phantastischen Rausch,
welcher Divara umfangen hielt, mußte sie niederkäm—
pfen; sie war die Erste, welche in mutiger Weise zu han—
deln verpflichtet war.
Divara öffnete die schmalen, bis zum Fußboden rei—
chenden Fensterflügel. Frische balsamische Nachtluft quoll
ihr entgegen. Mit dem Entweichen der schwülen Atmo—
sphäre des kleinen Zimmers schien ihre geistige Kraft
wiederzukehren. Sie war bereit, auf den schmalen Söller
hinauszutreten, um sich, umfächelt von der frischen Luft⸗
strömung, vollends wieder zu erholen.
Da traf ein eigentümlicher Ton ihr Ohr. Es klang
wie Metall, wie das Auftreffen eines Schwertes auf einen
harten Gegenstand.
Divara schrak unwillkürlich zusammen. War das ein
Vorlaut, einer jener mysteriösen Laute, welcher kommende
chlimme Dinge verkündigt? Dicht vor ihr an der steiner⸗
ien Balustrade mußte der Gegenstand auf die Buramauer
ruüffreschslagen sot