Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 17. Dezewmber 1909.
Singesandt. Eine wichtige Neueruaz füc den Berg⸗
»au. In Grube Camphausen werden gegenwärtig von Herrn
Steiger Escher Versuche mit einer amerikanischen Schräm—
naschine ausgeführt. Die Leistung beträgt pro Schicht 60
»is 70 qm und duürfte noch höher werden. Nettoletstung
der Maschine war schon in der Stunde über 20 qm. Ist
zie Konstruktion des ganzen Apparatis auch schwerfällig, so
dürfte diese Leistung wohl als einzig im hiesigen Revier da⸗
dehen. Den weiteren Versuchen ein gutes Gelingen zum
Segen des ganzen Bergbaues!
Vom Saarbrücker Knappschaftsverein wurden im
MNonat Oktober an Krankengeld gezahlt an die Miglieber des
Steinkohlenbergwerles
Kronprinz 3087,06 Mk.,
Gerhard —5788,11 Mtk.,
Von der Heydt 2853,26 Mk.,
Dudweiler 8418.44 Mk.,
Sulzbach 7568,22 Mk.
Reden 10397,96 Mk.,
Heinitz 132,34 Mt.,
dönig 7860,96 Mk.,
Friedrichsthal 0854,38 Mk.,
Zöttelborn 4923,22 Ml.,
Lamphausen 4726,74 Mk.,
vürften hausen 1166,44 Mk.,
Faktorei und Hafenamt 198.30 Mk.,
usammen 8142842 Ml.
Die Saarbrücker Bergschule hatte im Schuljahr
1908 -00 22 Schüler in der Mittelklasse 1
und 19 Schuler in der Mittelklasse 2 für Bergleute, sowie
16 bis 18 Schüler in der Mittelklasse (Maschinenleute)
Die Unterklasse (Bergleute) war mit 33 und die Unterklasse
Maschinenleute) mit 10 Schülern besetzt. In der münd—
ichen Entlassungsprüfung erhielten von den Schwülern
der Mittelklaye 9 das Gesamtprädikat gut, 21 befriedigend,
25 genügend und 4 kaum genügend. Von den abgehenden
Schüleen traten sofort 18 zum Militär ein, wähcend 45 den
Berginspektionen zur Beschäftigung überwiesen wurden. Trotz⸗
zem zu diesen 45 noch weitere 27 vom Militär zurückkomi⸗
nende Bergschüler hinzutraten, gelang es nicht, die Forder⸗
ing der Berginspekliionen um Ueberweisung ausreichender
dilfskraäfte für den Anfsichts dienst völlig zu befriedigen. Da
die aälceren Bestimmungen über die Fahrsteiger und Ma—
schinenwerk neisterprüfung einstweilen noch für die älteren
Zeamten Geltung behalten müssen, sind für die Zulassung
zur Oberklasse zunächst Ueber zangsbestimmungen erlassen wor⸗
den, die sich im wesentlichen auf folgende Punkts erstrecken:
. Die Bewerber müssen in der Regel eine zwei⸗ bis sünf⸗
ährige Dienstzeit als elatsmäßige Beamte zurückgelegt haben.
2 Diejenigen Bewerber, welche die Mittelklasse der Bergschule
nit einem geringeren Prädikat als „gut“ verlassen haben,
nüssen sich einer Aufnahmeprüfung unterziehen, die durch das
Lehrerkollegium der Bergschale abgehalten wird. 3. Ueber
die endzültige Aufnahme enischeidet nach Maßgabr der ein—
zereichten Zeugnisse — Bergschulzeugnis, Zeugnis des Werks⸗
hirektors — und des Ausfalles der Prüsung auf Vorschlag
zer Bergschule der Vorsitzende der Königl. Bergwerksdirektion.
—AVV
‚zweite Kammer in Dresden verhandelte in ihrer heutigen
Sitzung Über eine freisinnige Interpellation betreffend die
Fleischleuerung. In der Begruündung der Interpellation be⸗—
onte Abg. Koch freis.), daß zu der Fleischteuerung auch
ine Brotteberung hinzukomme. Die Folge sei eine Unter⸗
ꝛrnährung der Bevolkerung. Die Landwirischaft sei trotz
illen Schutzes, den sie auf Kosten der übcigen Bevölkerung
genieße, nicht in der Lage, so viel Vieh auf den Markt zu
hringen, als zur Ernährung dee Volkes norwendig sei.
Ztaatsminister Graf von Vitzthum⸗Eckstaed wies in seiner
krwiderung an derHand von statistischem Material nach, daß
ine Viehteuerung, so weit Rinder und Schafe in Frage
ämen, nicht bestehe. Nur die Schweinepreise hätten sich auf
ber Höhe von 1906 erhalten, dagegen seien die Fleischpreise
her Bewegung der Viehpreise nicht überall gefolgt. Das
liege zum Teil an dem zähen Festhalten der Fleischer an den
ininel errungenen hohen Fleischpreisen und an der Aus—
zildung des Zwischenhandels. Die Erzeugungskosten des
Fleischers seien in stetem Wachsen begriffen, bei den Land⸗
virten infolge des Umstandes, daß sie teuete Kraftfutter⸗
nittel verwenden müssen, um der Nachfrage nach besserem
Fleisch zu genügen, bei den Fleischern infolge höherer Aufvendungen
 für die Ausstattung der Läden usw. Vor allem
aber werde das Fleisch verteuert durch den Zwischenhandel.
Diesen zu beseitigen wäre allerdings verfehlt, nur müsse der
Zwischenhandel auf ein vernünstiges Maß zurückgeführt wer⸗
den. Der Minister betonte ferner im Hinblick auf das Ver⸗
hältnis zu Amerika, daß wir diesem Lande gegenüber nicht
den letzzen Trumpf, aus der Hand zeden sollten. Die
zeforderte Aufhebung der Grenzsperre wütde nur bedeuten,
daß die Viehbestände derSeuchengefahr schutzlos preisgegeben
würdin. Es wurde eine noch gröhere Steigerung des Fleisch⸗
zreises eintreten. Unsere Fleischerzeugung sei einer siarken
Ausdehnung fähig, es werde auch in Zukunft möglich sein,
)em gesteigecten Bedarf zu entsprechen, nur müsse die Vieh⸗
ucht in die rechten Bahnen geleitet werden. Die deuitsche
dandwirtschaft müsse ihre Futtererzeugung steigern. Der
Minister schloß: „Nach alledem erblickt die sächsische Staats—
cegierung in einer verständnievoclen und ftetigen Förderung
der lanck wirtschaftlichen Viehzucht das natürlichste und sicherfte
Mittel, die Fleischpreise so zu gestalten, daß dem Gtweibe
in angemessener Verdienst wierd, ohne daß der Verbrauch
hremäßig belastet wird.“
Bau⸗Sektetär. In der gesirigen Sitzung des Blrger⸗
neistereiratis wurde der Techniker Herr Heinrich Otto zum
Zau⸗Sekretär gewählt.
Saarbrücker Apollo⸗Theater. Die interessanten Ring⸗
rämpfe, welche täglich vor fast ausverlauftem Hause stattinden,
 dauern nur noch ein paar Tage. Es ringen in diesen
etzten Tagen die Hauptchampions um die ausgesetzte Prämie
jon 2500 Biark. — Die Kämpfe weiden dadurch immer
pannendet und interessasnter, so daß dieselben ihre Anziehungs⸗
raft auf die Freunde des Riugsports nicht verfehlen. Seit
16. cc. gelangt neben den Ringkäupfern ein neues Speztial⸗
atenpragramm zur Aufführung welches aus nur erstklassigen
Zünstlern befteht. Morgen Sonntag nachmittag findet wie
jewöhnlich um hälb 4 Uhr eine Volklsvorstellung statt, worin
zas ganze Programm bei kleinen Preisen aufgeführt wird.
Wir können den Besuch des wunderhübschen Apollo⸗-Theaters
nit seinen glaͤnzenden Leistängen iedermann aufrichtig em⸗
ofehlen.
Eingesandt Am verflossenen Sonntag hielt die Dud
neilesr⸗Herrensobrer Nalftahant im Nakale Huao Mertens ibre

diesjährige Herbst-Geueralwersammlung ab.
Nach dem Geschäftsbericht beirugen dle Einnahmen vom
l. Januar bis 1. Dezember 19098 572462,10 Mk.
ie Ausgaben 575506,06
nithin Umsatz 1147 958 17
Der Umsatz ist dem Vorjahre gegenüber um 300000
Pdart gestiegen. Spareinlagen wurden in dea Monaten
366 000 Mark eingelegt. Dem Vorjahre gegenüber über
160 000 Mark mehr, ein sicheres Zeichen für den guten Ruf
»er Kasse. Die Mitgliegerzahl beträgt heute über 440, und
)a u. b. H. besteht, und der jedjähtige Gewinn dem Re—
erdefonds zugeschrieben wird, mit diesem Jahr 15000 M.
erreicht. so ist gute Sicherheit geboten. Als 2. Pankt der
Tagesotdnung hielt Hettr Verbandceviot Siarkd etnen Vor⸗
rag über Bürgichaften, welcher mit großem Beifall auige—
rommen wurde. Zim Shlasse hielt der Vo sitzende, Herr
Pastor Porten, eine schön?e Aasprache üder den Sparsiun.
Alle Mitglieder verließen befriedigt die Versammlung.
Merkwürdiger Vorgang. AmMintwoch dieser Woche,
nittags gezen 12 Uhr, wurde ein etwa 7jähriger Schuljunge
n der Luisenstraße von einem fremden Manne angefallen.
Dieser hielt dem Jungen Mund und Nase zu, schleppte ihn
twa 50 Meter weit bis zu einem Abocte, wacf den Jungen
nit seinen Schukbllchecn in den Abort und machte dea Deckel
su. Hierauf entfernte sich der ftemde Mensch. Da die
UWortgrube nicht tief war, konnte der Junge den Deckel hoch⸗
seben und aus seiner uperqauicklichen Lage befreii werden,
hne Schaden an seiner Gesurdheit genomnen zu hüben.
In dem Täter vermutet man etuen Geistestranken, der am
10. d. Meaus der Heil⸗ und Pflegeanstalt in Saargemünd
utspcungen und bis jetzt noch nicht eigtiffen werden konnto.
Anstellung. Die Herren Burgermeisterei⸗Sekretäre
dammer und Kopp wurden u der gestrigen Bürgecmeisterei⸗
atssitzunz endgüllig angestellt.
Rabenvater. Auf Anzeige der Nachbarschaft erhlelt das
Polizeiamt Mitteilung von darbarischen Mißhandlungen, die
in Vater seinem Kinde aus erster Ehe, ein etwa Zgjähriges
Mädchen, bei jeder Gelegenheit zuteil werden ließ. Der Fall
—
janzen Kötper voller Striemen und Flecken. Trotgden be—⸗
jauptet der numenschliche Vater, sein Kind nur mit der Hand
jezüchtigt zu haben. Anzeige ist erstattet.
Neuer Totenwagen. Der fuͤr Dudweiler neu kbe⸗
chaffte Totenwagen trifft heute hier ein. Ert ist von der—
elben Wagenfabrik aus Kirschheimbolanden bezogen, von
velcher auch der frühere geliefert war. Dirser neue Toten⸗
vagen dürfte wohl der schönste im ganzen Saarrtvier sein.
Der alte Totenwagen ist von der Firma in Zahlung genom—
nen worden.
Bodm Ahetu, 17. Dez. S, szusammen«
t o ß.) Auf seiner Talfahrt ist in einer der lerten Rüchti
der Personendampfer „Parcival“ der Köln-Düsseldorfer Ge
eilschaft bei Ariendorf vor Anker gegangen, weil er in
olge Nebels nicht mehr weiter konnte. Am Vormittag
wischen 10 und 11 Utze bewegte sich nun der Schlepp
anipfer „Gebr. Fendet Nr. 15* mit vier Schifsen im An
—
u gaehen. Dabei fuhr der Schlerppampfer mit großern
zewalt gegen den Personendampier, sasaß der vorder—
deil dieses Bootes starte Beihnedigunßen erlitt. Im vor
eren Raume entstand ein sorugs Le, daß die Pumpel
n Gang gesetzt werden musien. Nwal BNachen gingen ver
oren, einer wurde später einzebracht, der andete triet
veiter, da seine Landung insolge der siarlen Beschädig
igen, die er erlitten hatte, kenen Zweck mehr hatte. Der
Zchlepppampfer kam besser weg, er trug nur ageringer
Schaden davon.
* Vom Rhein, 17. Dez. (Berkaufte Burg—
ruine.) Die bekannte Büurgeuine Stahleck wurde von
der Domäne für 5000 Mark an den Altertumsverein fün
deimatschutz und Denkmalpftege abgegeben.
* Bonn, 17. Dez. (SZu den Studenten-Exr—
essen.) Das hiesige Kartell der Studentenkorps er
lärte der Disziplinarbehörde“ der Universität muͤndlich
daß die Korpsstudenten, welche an den Ausschreitungen
»ei dem jüngsten Bierausflug teilgenommen haben, aus
dem betrefsenden Korps ausgeschlossen worden seien. Die
Behörde gab sich indes mit dieser Erflärung nicht zufrie—
den und droht mit der Suspendierung der Korps fün
den Fall, daß keine schriftliche Erklärung abgegeben wird.
* Vom Hunsrück, 17. Dez. GGEin Gemüts
nensch.) Ein amüsantes Inserat bringt die „Sunsrückern
zeitung“. Es lautet: „Aus dem Gefängnis zurück! Sprech⸗
tunden in der freiwilligen Gerichtsbarkeit jeden Donners,
ag auf der Rechtsschutzstelle in Simmern. H. Großkel
ing.“ Es handett sich um die Rechtsschutzstelle des Huns
ücker Bauernvereins, und dieser Herr Großkerwing, Itw
her Metzger, Feldwebel, Gendarm, Gerichtsschreibergehilse
ind Gerichtsvollzieher, ist der Vorsteher der Rechtsschutz⸗
selle. Seine Gefängnissirase war die Folge einer Belei—
igung eines Amisrichters. 1
* Hamm, 17. Dez. Betrogene Bank.) In dem
Bankhaus Gerson u. Co. erhob ein Angestellter einer
Möbelfabrik mit einer gefälschten Quittung 10 000 Mark
ind flüchtete mit dem Geld.
* Bottrop, 17. Dez. (Das alte Lied.) In der
ßrosperkolonie benutzte ein 16jähriges Mädchen zum
rzeueranmachen Petroleum. Die Petroleumflasche explo—
ierte und das Mädchen erlitt derart schwere Brandwum
»en, daß keine Haffnung auf Erhaltunag des Lebens nor⸗
anden ist.
* Heidelberg, 17. Dez. (Kostbare Funde. Bei
»em Bau des Königstuhltunnels sind an der westlichen
xinfahrtsstelle mehrfach Stoß⸗ und Backenzähne vom Mam
nuth gefunden worden, was zu der Annahme berechtigt,
»aß diese prähistorische Tierspezies in großer Anzahl hier
ind in der benachbarten Rheinebene vorkam. Die Fund—⸗
tücke werden ins geolngische Institut agebracht.

Sp Telegraphische Uhrenstellung. Von drei Minu
n vor acht, bis zwei Minuten nach acht morgens ruht
iglich jeder telegraphische Betrieb im gesamten Deuischer
deich. Still und erwartungsvoll steht zu dieser Stund⸗
n jeglichem Telegraphenapparat Deutschlands ein Beam
er. Und puntt acht Uhr schwirrt durch alle Drähte en
zromimpuls, und überall pochen die Hebel kurz und
harf an. Das ist das Uhrenzeichen. Im ganzen Reick
erden danach die Zeiger gerichtet. Im Berliner Haup—
legraphenamt steht eine afironomisch genau gehende Uhr
zurch sechs riesige Umschalter werden kurz vor acht saämt
sche Leitungen des Amtes an einem in ihrem Werk be
ndlichen Kontakt geschaltet. Und automatisch gibt sie
ann allen kund, daß es jetzt-bis auf Bruchteile eine
zekunde genau acht Uhr ist. Kurz darauf quittieren alle
jeamten im Reich durch ein bestimmtes Zeichen nach Ber—
in, daß sie das Uhrenzeichen empfangen haben. Das is
ugleich eine Bekundung darüber, daß alle Leitungen in
»triebsfähigem Zustand sind

Gemutserregungen als Ursache von Herzlen
Eines der interesantesten arztichen Forschungsgebiete
der Zusammenhang von Herz- und Gemuäsrsleiden.
Rheiner in St. Gallen führt hiervon einige charakters
che Beispiele an. Der Kummer vei schwerer Erkrank
eines lieben Kindes, die stete Befürchtung eines bey
tehenden Verdrusses führen, und zwar mehr als
Trauer um eine unabanderliche Tarsache, bei besond
SEmpsiudeichkeit der Herznerven oft rasch zum Gefühl
nes unangenehmen Druckes, zu Beilemmung oder
ingstgesiehl in der Herzgegend. Es ist, wie wenn
Scharten über das Herz hinginge, andere empfinden
Schmerz hinter dem Bruftoein oder im Bereich der—
e, die ihnen sast das Herz abdrückt. Solche Boich
en neeryolen sich unter Umständen jahrelang nach
eni desanders unüngenehmen Assett, rauben Schlas
urtit, batern oft tage- und noachtelang, bis sienen
mein erqunenden Schraf verschwunbden iud. Schon
zrimerung an das zu den genannten Herzempfindum
uührende Vortommnis kann in leidigen Zallen polche au
ösen. Wilensstatte Menschen vleiden von den Her zst
ingen um 'o miehr verschont, aus sie ernen, der se
chenn Störung mit Gleichmut zu begegnen. Veippielen
nechlegen Einflusses von heftigen Gematsbewegungen
das Herz sind die plöblichen Todesfälle nach Schreck,een
der Chlorosormnarkose, wo bei der Seklion am Her
nichts Kranthastes gefunden wird. Man hat Todesfa
bei der Rarkose ersebt, wo unmöglich das Chloroso
schuld sein konnte, weil der Tod sosort beint Einatm.
der ersten Tropfen auftrat. Hier konnte nur die An
das wircsame Moment gewesen sein, die lähmend
die Herznerden einwirkte und damtt den Herztod herb—
führte.
Die Turbaufrisur als „Ehehinderungsgrunc
Von einem höchst sonderbaren „Ehehinderungsgrund“, t
neben seiner tragischen auch eine komssche Seite hat, wi
aus einer füddeutschen Großstadt geschrieben: Der Mol
olgend, machte sich eine junge Dame, die seit einig
Wochen verlobt war, eine Turbanfrisur, um thren Brä—
igam damit zu überreneean Nach den Gesetzen der Mo
verwendese ste sür disee gze üm einer Frifur die nöt
gen Strähnen falsches Hanr, die goldischimmernden Ba
der, sie baute sich ein Drautaeste! auf dem Kopfe an
und ließ sich vom Frstur das Haar in kunstvoller We
darüber ordnen. Nun verändert ja bekanntlich nichts de
Besicht einer Frau in dem WMaße, wie eine Frisur, u
wie die Turbanfrisur überhaupt. Der Bräutigam,
unger Architekt, mit Sinn für alles Schöne und Nat
liche, war, als er sceine Braut in dieser Frisur wiede
ah, von ihrem Aublick so entsetzt, daß er sich ihr völl
fremd gegenüberstellte. Zuerst erkaunte er seine Bro
überhaupt nicht, sie hatte durch die neue Frisur Züge
hr Gesicht bekommen, wie er sie an ihr noch nie e
deckt hatte. Alles, was ihn an seine Braut fesselte, d
Liebreiz, die Schlichtheit ihres Wesens und Aussehen
das Anmutige und Natürliche, das war im Augenbl—
durch die Modefrisur zerstört. Nun wäre es ja noch«
gangen, wenn die Braut ihrem zukünftigen Herrn undC
bieter die Konzession gemacht hätte, die Frisur zu löse
Sie aber erklärte energisch und bestimmt, daß die Tu
»anfrisur in dieser Saison „das einzig Wahre“ sei, 4
jede elegante Dame sie trage. Der Bräntigam aber, der
nichts so verhaßt war, als alles Unnatürliche und Ga
machte, erk ärte, daß er eine Frau, die über solche Ar
sichten verfnge, unmöglich heiraten könne. Die Verlobun
wurde gelöst, und alles das hat der „Turban“ verschulde—
Telegramme.
Berlin 17. Tez. Gestecn mittag hat ein junger Man
auf dem Postamt 68 in der Ritterstraße, während die Mar
lenverkäuferin einen Augendlick den inneren Schulterraun
oerlassen hatte, die Schranke überstiegen und die Wechselkas
in der sich 150 Mark befanden, gestohlen. Obgleich sich
dem Postamt Beamte und Publikum befanden, ist deo Die
mit der Beute entkommen

Karlsruhe, 18. Vez. Hier sand eine außerordentlich
Sitzung des erweiterten Landesausschusses der konfervau
ven Partei Badens statt, in der der Ausgang der Land
tagswablen und die derzeitige politische Lage besprochen
wurde. Es wurde beschlossen, in die Vorbereitung et
waiger Neuwahlen, die vielleicht näher seien, als“ mar
denke, einzutreten.
Heidelberg, 18. Dez. Wie das „Heidelb. Tageblatt“
von einem Mitglied der Ersten Kammer erfährt, ist der
in der Thronrede anläßlich der diesjährigen Landtagser—
»ffnung angekündiate Gesetzentwurf zur Aenderung der
ßemeinde- und Städteordnung vom Ministerium des In—
nern fertiggestellt. Nach dem Entwurf hält die Regierung
am Dreitlassensystem fest, will aber die Sechstelung uns
den Proporz einsühren.
Petersburg, 18. Dez. Das Kommunique der Re
gierung über die Beziehungen Rußlands zu Japan wird
von einem Artikel der „Nowoje Wremija“ beantwortet. der
die Loge im iernen Osien als unmitielbar kriegsgefährlich
barsteltt Der Artikel verursachte in der Gesellschaft Er—
tegung und wurde auch an der Börse beachtet.
Rew-York, 18. Dez. Die New-Yorker Handelskam
mer verwarf eine Resolution, die sich für Subpentionen
bon Schifiahrtslinien aussprach

Zelayas Absetzung.
NewseVYork, 18. Dez. Der Kongreß von Nicaragua
hat den bisherigen Präsidenten Zelahya abgesetzt.
Mach einer MReldung des Wolffschen Bureaus hat Zelav⸗
sein Amt freiwillig niedergelegt.)
New-NYork, 18. Dez. Die Vereinigten Staaten op
ponieren dagegen, daß Madriz Präsident von Nica—
ragua wird, während Mexiko ihn begünstigt. Aus Pana—
ma kommt das Gerücht, die Deutschen in Nicaragua bät—
en die RNeichsrenieruna um Schutz ersuch

2.. —

Brüffel, 17. Dez. Im Auftrage der Prinzessin Luise
jat fich heute ihr Brüsseler Rechtsanwalt mit dem zuständigen
BZerichtspersonal und Zeugen nach Laeken begeben. Nach
inem kurzen Aufenthalt im Gartenhause, wo der König ge
jorben ist, degab sich die ganze Gesellschaft nach der Villa
)ee Baronin Vanghan. Diese verweigerte dem Richter und
)en ihn begleitenden Zeugen den Zurriit. Eist nach wieder⸗
rolter Auffotrderung namens des Gesetzes öffnete sie und es
vurde alles beschlagnahmt, was irgend von Wert war. Wie
jerlautet, soll anch etne Beschlagnahme in einer Briüsseler
Bank porgenommen werden. Dort soll ein Geldschrank mit
Beschlag belegt werden, in dem die Baronin Vauabhan all⸗
Papiere aufbewahrt hat.
Innsbruck, 16. Dez. Am Helm in der Nähe von
Innichen wurden die Jäger Batschinger und Lampacher von
riner Lawine überrascht. Batschinaex ift tot. Lampacher
schwer verletzt.
Rom, 17. Dez. Der Papst empfing gestern die in
tatholischen Anstalten untergebrachtea Waisenkinder, die seit
dem Erddeben in Caladrien und Messina ihre Eltern verloren
haben. Mit den Kindern waren auch die Schwestern vom
Roten Kreuz erschienen. Der deutsche Gruß wurde non
Panßke dentsch ermibvert
            
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