Full text : Dudweiler Zeitung

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Donnerstag 16. Dez. 09
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edennea. Druch und Berlag von J. Unterkeller, Dudwellex.

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Das neue italienische Kabinett.
Es hat über eine Woche gedauert, ehe man für da
dabinett Giolitti, das am 2. Dezember wegen der Aus
ichtslosigtet seines Steuerrefsormprogramms zurücktrat
inen Ersatz gesunden hat. Zwar war es von vornherein
iemlich llar, daß nur Varon Sydney Sonnino mit de
zildung dieses neuen Kabinetts betraut werden könnte
ber die Zusammenjebung des Kabinetis stieß deshall
a Rom auf größpere Schwierigle'ten, weil Sonnino i
er Kammer keine einheitliche Menrheit hinter sich hat
daß man gezwungen war, andere, der Sonnino⸗Par.
i nahestehende Kammergruppen, wie die Giolitti⸗Parte
ad die Rechte, bei der Kabinettsbildung zu berück
hligen.
die italienische Presse begleiset dieses Ministerlun
iit wohl vollenden, wenn auch nicht gerade enthusiasti
chen Artikeln. Das Ministerium sei gut, weil es honlo
en sei, und die Kammer werde ihm Zeit lassen, sich zu
et tigen, sagt die „Tribnna“, die aber auf der anderen
zeite befürchtet, daß das Kabinett nur so lange leben
verde, wie es Giolitti gefalle. „Messagero“ dagegen ta—
elt es, daß Sonnino in sein Kabinett keine radikalen
zlemente aufgenommen und die „Vita“ endlich erklärt,
as Kabinett Sonnino werde das letzte reationäre Ka—
inett in Italien sein. Die Vorwürfe der beiden letzten
zlätter schießen natürlich weit über das Ziel hinaus.
— V
inservativ⸗gemäßigt liberales Blockministerium. Der Füh—
er der Katholiken, Cornaggia, üußert sich im „Corriere
Italia“ sehr absprechend über das neue Kabinett und
ellt fest, daß sich die Kirche unter Giolitti sehr wohl be—
inden habe, während man noch nicht wisse, wie man
ch zu Sonnino verhalten solle. Ob das Kabinett Son—
ino lange am Ruder bleibt, ist ireilich eine anderq
jzrage. Hat doch der fruhere Ministerpräsident durch seine
a das neue Kabinett auigenommenen Parteigenossen so
iel Einfsluß, daß es, wie ja auch die „Tribuna“ schon
ndeutet, eigentlich in sein Belieben gestellt ist, wann er
em Ministerium Sonnino den Hals brechen und sich an
ine Stelle setzen will. Man wird daher mit der Wie—
erlehr eines Ministeriums Giolitti in jedem Fasle zu
echnen haben, auch wenn es dem Kabinett Sonnino ge⸗
engt, in der Kammer sein Programm durchzuführen. 9
An dem neuen Ministerium interessiert natürlich in
ister Linie die Persönlichkeit des Ministerpräsidenten
Ibst. Baron Sydney Sonnino, geboren 1847 in Aleran—
ria (Egypten), ist der Sohn eines italienischen Israe—
tten und einer protestantischen Engländerin. Nach juri—
ischem und medizinischem Universitätsstudium widmete er
ch, inzwischen zum Protestantismus übergetreten, dem
iplomatischen Dienst, der ihn nach Oesterreich-Ungarn,
eutschland, Frankreich und Spanien führte, und ging
ann völlig ins parteipolitische Fahrwasser über. Sche
380 Mitalied des linken Zentrums in der Kammer, isti
1887 wRan Grisni als Unterstaatssekretär des Schatzes

n das Minttertum verusen worden, eine Stellung, vie
rubis zum Jahre 1889 inne batte. Von 1893 bis 1896
eitete er unter Crispi selbst das Finanzminifterzum, doch
rat er im März des letzten Jahres von diesem Posten
trück, als die trag'schen Ereignisse in Abessinien Crispi
ürzten. Inzwischen zum Senator und Baron ernannt,
egnügte er sich seit 1904 mit der Führung der Opposi—
on gegen die Kabinette Zanardelli und Giolitti. Im
kebruar 1906 wurde er mit der Bildung des Kabinet:s
etraut. doch währte seine Ministerpräsidentschast damals
uur bis zum Mai desselben Jabres, weil er für
ein Programm der Eisenbahnyverftaatlichuna keitne Mehr—
eit in der Kammer fand. Er mußte damels Giolitti,
en er jetzt wieder ablöit, Platz machen. Hervorstechend
it bei Sonnino seine ungemeine Rührigkeit, die es ihm
rmöglichte, während der hundert Tage seiner ersten Mi—
nisterpräsiden schast vierzig Gesetzentwürfe einzubringen,
nit denen er zum Teil die heutige Finanzblüte Ita iens
eraufführte, — und jseine über jeden Zweifel erhabene
ech schaifenbesit. Von ihm hatten seine Parteigenossen
tichts an Vergunstigaungen zu erwarten, wie das sonst
n Italien üblich ist; auch stelte er als Ministerpräsident
ie biser beliebte Verteilung des italienischen Reviilien—
onds an die Presse ein
Eine wichtige Frage ist nun: Wie itehen Sonnino
ind sein Minister des Auswärtigen, Graf Guicceiar—
BRinni, zu Deut'chland und Oesterreich-Ungarn, al'o zum
Rreibund? Erfreul'scherweise haben sie aus igrer
Rreibundsfreundlichkeit nie einen Hehl gemacht, so daß,
oenn der Dreibundsvertrag am 31. März 1914 asblauft,
nd das Kabinelt Sonnino sich dann noch om Ruder be—
indet. seine Erneuerung durchaus sicher ist. Trotz Racco—
sigi wird also die von Tittoni vorgezeichnete Richtung
er auswärtigen Politik Italiens weiter innegehalten wer—
»en. Sagte doch Graf Guicciardini, als er unter Son—
iino zum erstenmal Minister des Auswärt'gen war, im
zenat: „Der Dreibund ist eine Garantie für unsere In—
eressen auf dem Balkan. Was Mazedonien anbetrifft,
»sichert uns der Dreibund gegen jede ohne uns vorge—
ommene Aenderung, und was Albanien angeht, so bie
et uns ein Sonder Abkommen mit Oesterreich-Ungarn,
as ein Zusatz zu dem Bündnisentwurf ist, eine Sicher—
eit gegen Aenderungen, die das Gleichgewicht an der
ldria berühren würden.“ Sonnino selbst denkt natürlich
icht anders. Auch ihm sind, wie man weiß, alle Reg—
ingen der Irredenta, die, wenn sie von obenher unter
ützt würden, ja zweifel'os zu ernsten Komputkationen
wischen Italien und Oesterreich-Ungarn führen müßten,
atieffter Seele verhaßt. So dürste das Verbältnis Ita—
iens zu den vbeiden mit ihm im Dre bund vereinigten
daiserreichen durch den jetzigen Kabinettswechsel keine
zeränderung erleiden.

Wolitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* In der vorigen Session des Reichstags hat der tragi—
omische Kampf um die zolltechnische Unterscheidung zwi—
schen Braugerste und Futtergerste zu dem
Beschluß geführt, daß die Futtergerste durch eine Fäer
bung kenntlich gemacht wird. Als solche hat der Bun
desrat ECo sin bestimmt. Damet wird seit einigen Wo
hen gefärbt; aber es hat sich gleich herausgestellt, daf
fleses angeblich unde adiuch wirte
Us Schleswig Horteen tanen n der Schlak
er, daß das Fteiich von Tieren, die zuirEvängerste ge
fürtert waren, unverkanfich sei. Der sche?wig-holfteinsch.
Abg. Carstens hat nun im Mmeichstage den sich dafür in
teressierenden Abgeordneten den Magen und die Därm—
rines mit Eosingerste gesütterten Schweines demonstriert
die ebenso wie das Fleisch eine start rote Färbung und
rußerdem eine Entzündung aufwiesen. Ein Vertreier des
Reichsschatzamts hat in der vorigen Session zugesagt
daß, wenn das Färben mit Eosin irgend welche Schäder
fjür die Interessenten zur Folge haben sollte, man felbsi
verständlich versuchen würde, zu einem anderen Kenn
zeichnungsverfahren überzugehen. Man darf also anneh
nen, daß das jeht geschiet.
*Wie der „Lolal-Anzeiger“ aus Straßburg meldet, si
dürfte ein Wechsel in der Leitung des Reichs
isenbahnamts bevorstehjen. Der bisherige Präsiden
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Fisenbahndirektionsprässdent in Sirafburg, Waclkerzapp
verden. Auf Anfrage an Berliner unterrichteter Stels
wird bestätigt, daß Präsident Schuntz um seinen Abschier
eingekommen, daß aber eine kailerliche Entscheidung bis
her nicht erfolgt sei.
*Wie die „Voss. Zta.“ berichtet, wird ein Stellenver
mittlungsgesetz in nächster Zeit den Bundesratbe
chäftigen. Der Inhalt des Gesetzes entspricht etwa den
Zpezialgesetz für Stellenvermittlung für Schiffsleute von
Juni 1902 und ist als Ersatz der Bestimmungen der Ge—
verbeordnung gedacht. Eine wesentliche Verschärfung ge—
jenüber den Verordnungen des genannten Spezialgeetzes
ieht der neue Entwurf insofern vor, als die Erlaubnis
ür Ausübung des Stellenvermittlergewerbes von dem
Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig ge
nacht werden soll. Dies bezieht sich nur auf die Erteil
uing von neuen Konzessionen.
* Die freisinnige Fraktions-Gemeinschaft war Dienstag
ibend im Reichstiage zu einer Sitzung versammelt, um
iber die Frage der Fusion zwischen den drei freisinnigen
harteien zu beraten und den Bericht des zu diesem Zwech
ingesetzten Vierer-Ausschusses entgegen zu nehmen. Der
lusschuß hatte erst am Dienstag mittag seine Arbeilten
zeendet. Das von ihm entworsene Einigungs-Pro—
tramm, ein ziemlich umfangreiches Tokument. in nacß

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Puppenlappen
Flickstücke

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