der Sozialdemokratie in Sachsen auf diesem Vti ßstand
urückzuführen seien.
Aog. Markur (Itr.) empfiehlt Beschleunigung der
luszahlung der Unterfützungen in der Weise, daß die
dommunalverwaliungen Vorschüsse leisten.
Schatfekretäir Wermusth erklärt, die Regierung
verde bemüht sein, die Unterstützung möglichst rasch zu
gzewähren.
Abg. v. Richthofen (konf.) führt aus, Jeine
Freunde hätten zu dem Schatzamt vas Vertrauen, daß es
as Gesetz in jedem Punlte, so wie es gedacht sei, wohl⸗
vollend ausführen werde.
Abg. Gever Goz.) legt dar, daß das durch das
ieue Tabaksteuergesetz angerichtete Unglück noch größer
ei, als seine Freunde es zur Zeit befürchtet hätten. Ein
roßer Mangel sei übrigens, daß man dvdie Arbeiter in
»er Zigarettenindustrie ausschließen wolle, Trotz der
Wahlrede, die der Abg. Everling vorhin gehalten habe,
eten gerade die Natonalliberalen an diesem Unheil in
»er Tabablindustrie schuld, denn die Nationalliberalen
jätten mit Bülow die ganze Finanzreform eingeleitet
ind dann erst habe es der Schnapsblock leicht gehabt,
ie Sache zu Ende zu führen. Der Schnapsblock (Präsi—
ent Graf Stolberg, Sie meinen, wenn Sie von dem
sIchnapsblock sprechen, doch nicht Mitglieder des Hauses.
3türmische Heiterkennn Der Schnapsblod hatte es leicht,
die Finanzrefsorm zu Racden, als er die Liberalen hin⸗
msgeworfen hatte. roteken den Sozialdenolraten.)
Abg. Pachnicke Ers. Vgg.) hält den Sozialdemo
raten vor, daß sie mit ihrem Verbot der Heimarbeit den
etreffenden Volksschichten mehr Schaden als Nutzen brin
zen würde, und drängt auf beschleunigte Bereitsiellung
on Unterstützungen.
Abg. Burckhardt (W. Vag.): Auch die Sozial⸗
demokraten sind mitschuldig an der Tabaksteuer, denn
erst durch ihren Entschädigungsantrag haben sich viele Ab⸗
geordnete bewogen gefühlt, für die Sieuer zu stimmen.
Abg. Erzberget (tr) stellt in Abrede, daß,
wie der Abg. Everling behaupiet, die Ärbeiter dadurch
geschädigt seien, daß sie Unterstützungen fiatt Entschädig⸗
ingen erhielten. Die Hauptschuld an der Tabaksteuer⸗Er⸗
zöhung, wie sie jetzt vorliege, falle den Nationalliberalen
zu. Noch in ihrem letzten Äntrage Weber⸗Mommsen hai⸗
ten die Nationalliberalen der Tabatindustrie 60 Millio⸗
nen aufladen wollen, während die neue Mehrheit ihr nur
45 Millionen auferlegt habe.
Abg. Weber (nath) wendet sich lebhaft gegen die
Ausführungen des Vorredners. Es sei nicht richtig, daß
die Nationalliberalen und er persönlich Vorschläge ge—
aae hätten, durch welne hichee noch größere Belastung — —
des Tabakgewerbes herbeigeführt worden wäre.
Nach weiteren Bemertungen der Abgg. Erzber⸗— Sprachecke.
ger (Ztr) Burckhardt (W. V.) und v. Gamp Juteresse, interessant, interessieren Wustmann sag
(Reichsp.) wird der Titel nach dem Vorschlage der Bud⸗ in seinen Sprachdummheiten: Das Erstaunlichste vor
get⸗Kommission genehmigt, ebenso der Rest des Nachtraas⸗ Vieldeutigkeit und infolgedessen völliger Inhaltlosigkeit sind
Etats. wohl die Wörter Interesse, intereffaͤnt und interessieren.
Es folgt dann die Interpellation von Hert⸗ Man müßte eine lange Abhandlung schreiben, um all
ling u. Gen. (Ztr.) betr Zwangsarbeitsnachweis der Ar⸗ Bedeutungen dieser beliebten Fremdwörter vorzuführen
neitgeberverbände im Ruhrrevier, in Verbindung mit der Sbensogut könnte man hier siatt „interefsant“ fesseind, an—
denselben Gegenstand betr. Interpellation Albrecht u. Gen. ziehend, ansprechend sagen, vielleicht auch ergötzlich, rei
Staatssekretär Delbräück erklärt sich zur Bean— end, entzückend, beachtenswert. Häusig ist es dasselb—
wortung bereit. wie bedeutsam, nerkwürdig, anregend, unterhaitend, lehr—
— Abg. er I Wehenee Irgehne reich, inhaltreich, willkomnmien usw. Es kommt viel dar
⸗ — 4— ation seiner Partei. Er weist dabei name auf die auf an, wofür sich jemand „inieresstert', d. h. woran er
* *5 5 brinz Abecven beien· — Srregung im Ruhrrevier hin. Auf eine Beschwerde des Anteil nimmt, wofür er Sinn yat. sich vielleicht erwärm
dern der 30 ez gadnige ist am 8. Apri 1878 in a ateeetee ganitrie — A
Brüssel geboten ind mit einer Tochter des vor kurzem ablehnend geantwortet mit einer Motivierung, die von was er sordert ober behünsute en n Wohlwoller
verstorbenen —8M Karl Theodor in Bayern seit dem en Arbeitern als durchaus unzulänglich angefehen werde. umender une Vvas interesfiert mich“, bedeutel bei einen
2. Ottober 1900 vermählt. Der Zechenverband müßte ein arößeres Verantwortlich- Brande im Munde des Besitzers etwas anderes, als ir
Bei dem Tode eines belgischen Herrschers geht die rissgefuüͤhl haben em eines Feuerwehrmannes, eines Baukundigen, eines
Regierungsgewalt zunächst an die Minister über. Beim Abg. Bome,burg GSoz.): Die Behörde lehnt es Zuschauers oder eines Versicherungsbeamten. Dementspre
Tode Leopayolds 1. hat dieser Zwischenzustand acht nicht nur ab, auf paritätischen Arbeitsnachweis einzuge- hend geht es ihn etwas an, beirisst oder kümmern ihn
Tage gedauert. hen, sie lehnt es weiter ab, mit den Arbeitern üůber⸗ ist ihm wichtig, reizt, fesselt, zieht ihn an, unterhält ode
* — —— )aupt über gemeinsame wichtige Angelegenheiten zu be—⸗ ergötzt ihn, ruft seine Te lnahme hervor, und aͤhnliches
Deutscher Neichstag. aten, Redner streift dann die schwarzen Listen. Wenn Feilnahme it dt eine in⸗ Verdentschung von
6 Dezb die Regierung nichts tue, so mache sie sich mitschuldig. teresse“, aber freilich nicht immer. Es kommu sehr daram
Vormittag 11 Ubr. Berlin, 14. Dezbr. Staatssekretäar Delbrück: Ich habe zu prüfen, ob in, ob man sagt: „Etwas hat für mich Interesse“ oder
end r. wangs -Rachweis der Zechen mit den bestehennden ich habe Interese suür va eer e e zan
Auf der, Tagesordnung steht: Zweite Lesung Feseben n Einllang fieht. und ferner, ob die Ge⸗ sffe⸗.“ In dem Lsten Falle könne mig dafür einsetzen
des NachtragsEtats und Interpellation etzgebung einzuschresiten hat. Was die erste Frage an— Bichtigkeit, Bedeutung, Wert, Reiz, Anziehendes u dal.
otr. Zwangsarbeits-Nachweis im Bergbau. aigt, so steht fest daß dem Arbeiter freisteht, Atbeit n dem zweiten: Teilnahme, Anteil, Neigung, Eifer, Vor
Entsprechend einem Antrag der Geschäftsordnungs— u suchen auf Grund der Freizügigkeit, daß die Arbeiter iebe, Gefallen, Sinn, Aufmerksamkeit usw. in dem drit
tommission versagt das Haus die gerichtlich nachgesuchte iber kein Recht haben auf eine bestimmte Arbeitsstätte. en: Vorteil, Bestes,. Heil, Nutzen, Gewinn, Zwech, Ei
Vernehmung des Abg. Schüler als Sachverständiger. der Handelsminisier wird gewiß Gelegenheit nehmen, im zennutz u. ähnl. Schon das Darge otene genügt jeden
Es folgt die zweite Beratung des Nachtrags-Etats zreußischen Abgeordnetenhaus über sein Verhalten Rede falls, um zu zeigen, daß das „Interesse“ mit seiner gan
von 1909. Die Kommission hat die erste Rate des an uind Antwort zu stehen. Bleibt also die zweite Frage zen Sippe überflüssig ist. Dazu kommt, daß die deut
die Bundesstaaten zu überweisenden Betrages zur Unter- brig, ob das deeich Veranlassung hat, gesetzgeberisch vor⸗ scher Bezeichnungen ausdrucksvoller sind, genauer den ie
stützung von Hausgewerbetreibenden und Arbeiter des ugehen. Mißstände kommen fsa überall vor. Es ist nur desmaligen Beziehungen entsprechen. Beduemer if ee
Tabak-Gewerbes von 2 auf 26 Mitl. M. erhöht. ie Frage, ob sie so groß sind, um zu einem gesetzgeberi-⸗ natürlich, das seelenlose Fremdwort zu gebrauchen. Hier
Abg. Everling (ntl.) wirft einen Blick auf die chen Einschreiten zu zwingen. Es wird nichts anderes über findet man fast in jedem Jahrgange der „Zeitschrif
Verhandlungen der Reichsfinanzkommission über die Ta— brig bleiben, als dem Arbeits-Nachweis eine unparteiisch⸗ des Kllgemeinen Deuischen Sprachvereins⸗ Betrachtungen
valsteuer. Bedausrlich und unbegreiflich sei, daß damals Stüde zu geben. Jedenfalls ist es aber nicht möglkc, 3 Belehrungen, besonders „interessant“ aber ist die „Ne
ein eigener Antrag, den stellungslosen Tabat- en'paritäuschen Arbeltsnachweis fofort zu regeln. Es bersichtstafel der Verdeutschungen von Interesse und fei
arbeitern statt einer Unterstützung, Entschädigung zu ge-⸗ ehen dem noch große Bedenken entgegen. Ich meine ner Sippe‘, die vor Jahren einmal mit ihr ausgegeber
vähren, keine Mehrheit gefunden habe. Bedauerlich jei uilso, die Verhälmisse sind jetzt noch nicht derart, um zu wurde: bot sie doch nicht weniger als 251 deutsche Aus
auch, die Begtenzung der Gesamt-Unterstützungssumme auf inem obligatorischen Arbeitsnachweis zu führen, obgleich drücke zur gefälligen Bedienung daäͤr
1 Mil. M. Zweifellos jei, daß die letzten Wahlerfolge ch in einem soichen ein erftrebeeries Ziel sehe.“ Die — — —
— 2 —E——— — — . * — — — F
31 3 eben des Kindes sich zu den reizenden, glühenden Phan- dem Tannendunkel hervor. Rasch näherte sich der junge
Pie duwarmgeilter. tasien der erblühenden Jungfrau' erhebt. Mann. Sein großes, blaues MAuge, seine feinen Züge
Sistorischer Roman von Guftav Lange. Aber nicht der Strahl des hoffnenden, sehnenden Glüt drudten tiefe Bewegung aus.
14. Fortsetzung.) Nachdruck verboten ckes der Jugend schimmerte im Auge der Einsamen. Die „Aher Divara!“ rief, der Ankommende, indeß er die
8. Hapitel. dunklen Sterne waren wie im schwermütigen Sinnen auf Hand der Schönen ergriff und, an seine Brust drückte.
Ef Jahre waren seid jener Zeit vergangen, da David die fahlen Gräser des Bodens gerichtet. Der schneeige „Wie kannst Du Dich nur bis hierher verirren? Hier ist
nut kenten Leuten aus ber Epatenburg entwichen Räcken war gebeugt, die seine Hand mit dem Reiherwedel seid urdenklichen Zeiten der Platz, wo der Scharfrichter
ar. gesenkt. Welche trüben Gedanken bargen sich ig * ugr Itues schauerlichen Amtes
Furchtbare Stürme hatten inzwischen Deutschland be- von einem dichten, dunklen Haarkranze umsäumten stolzen walte ; wei u denn das nicht!
wegꝰ pe Zwickauer r Thomas Münzer Stirn? Welche schmerzliche Geheimnisse umfing das reich „Bisher wußte ich es nicht. Ach, verzeihe mir, Kuno,
und Pfeifer an der Spitze, hatten zum Schwerte gegriffen. seschmückte Mieder dieses schimmernden Seidenkleides? um so mehr die Zeit schwindet, um so lebhafter taucht
urn ihre Lehre zum Grundgesetz für eine neue Ordnung Das Mädchen blieb stehen und sah sich mit unver⸗ bor mir eine Erinnerung aus der Vergangenheit auf. Es
der weltlichen Dinge zu erheben. Die Landleute in Fran- kennbarer Ängstlichkeit um. Sie erblickte Niemand und klingen mir Worte in den Ohren, die vor vor Jahren
Fen und Schwaben hatten sich erhoben und bei Frauken- tmete erleichtert auf. Nur uoch kurze Zeit horchte sie der Schloßkaplan zu Deiner Mutter sprach. Ich war da—
hausen war es zu einem furchtbaren Zusammenstoß zwi⸗ gach dem Walde hinüber, ob es sich dort vielleicht rege mals noch ein Kind und habe nicht alles verstanden, was
Ichen ihnen, und dem Heere der Fürsten und Edelleute ge- der Specht hackte fern im einförmigen Takte; die Schnepfe ꝛx sprach. Er erzählte von meinen Eltern die große
ommen. über tünftausend der Landleute büßten hier mit trich quarrend und quitzend am Walde dicht über dem Sünder wären und die man am Fuße des Johannisber⸗
dem Leben, daß Sie sich von den Sendlingen der Wieder⸗ UAnger hin zum versteckten Bruunen. ges hängen würde, sobald man sie faͤnde. Damals habe
täufer hatten betören lassen. Ein Schauder schien das Mädchen zu überlaufen. Sie ich auf diese Worte nicht geachtet, aber jetzt kommen sit
Es war im Spätsommer des Jahres 1533. Der Tag aßte ihre Robe, sodaß man die Spitzen ihrer rotseidenen nir nicht mehr aus dem Gedächtnis und gleichzeitig dräng!
war ungewöhnlich warm gewesen und der Abend entfaltete Schuhe sehen koönnte und lief, leicht wie ein Reh, nach äch mir immer die bange Frage auf, wer waren meine
alle Schönheiten der Luftroͤgion, womit sich der beginnende einem von einem flachen Graben unmizogenen Gras- und Eltern? Waren sie wirklich so große Sünder? Endeten
Herbst aͤnlͤndigte. Jin schimmernden Goldglanze thronte aumlosen Platze am Fuße des Johaim sberaes ie am Galgen, wie der Kaplan ihnen prophezeiet hat?
die Sparenburg anf dem Felsen, desfen Kreideschichten Hier machte sie Halt. Längst schon wollte ich mich üherzeugen, ob am Fuße des
gleich herniederrieselndem, geschmolzenem Metall erschienen. Neben ihr befand sich ein etwa drei Fuß hoher, halb Johannisberges sich eine Richtstätte befindet. Erst— heute
Der Wald hatte sich in bunte Farben gekleidet. Zwischen imngesunkener, roh behauener Stein mit dem ravensburgi habe ich es gewagt und finde, daß in meinem Gedächtnis
dem salb gewordenen Grün waren breite, orangefarbene chen Reiter und seinem Sparrenschilde. Über dieser Fie doch zum Teil die damaligen Worte des Kanlans richtig
EStriche gezogen, und auf dem Schnitte der Berge glänzte gur war ein Dreieck eingegraben, von dessen Spitze drei erhalten geblieben sind. Ften Dicha Mi
es wie vergoldete Bronze. Der Mädchensommer mit sei- enkrechte Linien herahliefen — ein Galgen. FJ „Divara, welche böse Träume quälen Dich! Wie kannst
nen feenhaften Schleiern zog langfam durch die sauft be— Das Mödchen erschrak, als sie dieses Zeichen erblickte Du nur Deinen Fuß hierher an diee Stante lenken, die
wegte Luft und schmückte den Saum der blaugrünen Tan- und wollte rasch davoulaufen, als fie das Nahen eines jeder Mensch fliehen muß wie die Pest! Von dem, Au⸗
mnenwälder mit schneeigen Panieren. zewaltigen Rüden zurückhielt, der sie, laut anschlagend, genblick an, da Dich ein Fremder hier trifft, stehst Du
Am Rande des Waldes, welcher sich in zierlichem Bo— nit allen Zeichen der Freude umsprang. mit der Tochter des Scharfrichters auf einer Stufe *
gen den nee ae — „Pluto!“ flüsterte die Schöne, sich rasch umschauend Du bist unehrlich. Komm laß uns eilen, du wir,
same Dame lustwandeln. Eine schlänke biegsane Gestalt Koinmst Du allein?“ he wor gesehen werden. dort über den Bannaraben hin—
in auf der Grenze sich befindend, auf welcher dos Traum— Jetzt rat eine dohe ritterliche Jünglingsgestalt aus weakommene
Vom Sterbebett König Leopolds.
Brüssel, 14. Dez. Von gestern Abend bis heute
Morgen ist im Zustande des Kranken keine Aenderung
zu verzeichnen gewesen. Wie mitgeteilt wird, hat der
könig einige Zeit geschlafen und konnte sich gegen 42
Uhr mit seinen Aerzten unterhalten. Prinz Albert iele—
zraphierte gestern Abend an die Mitglieder der könig—⸗
lichen Familie und fremden Staatsoberhäuptern, um sie
von dem Ernst der Lage zu benachrichtigen.
Brüssel, 14. Dez. Die Operation, die an König
Leopold heute vormittag vorgenommen wurde, ist gelun—
zen. Sie dauerte etwa 20 Minuten. Der Darm ifi ent⸗
eert, ein Geschwür ist nicht gefunden worden. Der Zu⸗
tand des Königs ist, wie verlautet, sehr befriedigend.
Brüßsel, 14. Dez. Sechs Aerzte und drei Kran⸗—⸗
enschwestern waren bei der Operation zugegen. Von der
Familie des Königs war niemand anwesend, jedoch hielt
sich die Freundin des Königs, Baronesse Vaughan,
im Palmennpavillon, wo die Operation stattfand, in der
Nähe des Königs auf. Die Prinzessin Clementine, die am
Sonntag Abend im Palmenpavillon war, ist es gewesen,
und nicht der König, die die Baronesse Vaughan an die—
sem Tage hat abweisen lassen. In Hofkreisen wird be—
zauptet, daß die Prinzefsin Louise morgen früh um 7
Ahr in Brüssel eintreffen wird. Es wird aber auch be—
hauptet, daß der König die Prinzessin nicht sehen will.
Der Senat ist telegraphisch zusammenberufen worden, um
in dringender Sitzung die Militärreform zum
Abschluß zu bringen, da das Gesetz noch durch die Un⸗
erschtift des Königs Kraft erhalten soll.
Lertneter der verounderen deegierungen fuhlen steh vou
rei von einer Abhängigkeit von den Unternehmern, .
ind lediglich bestrebt, in dem Widerstreit der Interesser
dasjenige zu finden, was nach Lage der Sache zwee
näßig ist und dem Frieden dient.
Es wird dann Besprechung beschlossen.
Abg. Beuchel (cons.) ssimmt dem Staailssekrets
in jeder Beziehung bei.
Die weitere Besprechung wird auf morgen 11 Uh
nertagt, vorher dritte Lesung des Nachtrags⸗Etats. E
wurde dann noch eine heute eingegangene Lex⸗Pachnil
a. Gen. betr. mecklenburgische Verfassungsfrage auf di
Tagesordnung gesetzt.
Schluß 634 Uhr.
— ——Ä — —Ä—(——————
Vermischtes.
Märchenspiele. Sehr viel Anklang fand im Berlinc
Basispieltheater eine geschmackvolle Art dramatischen Kunsi
zewerbes, die Münchener Märchenspiele. Reizvolles Bild
werk gibt die Illustration zu einer lleinen szenischen Un
aichtung des Andersenschen Märchens vom Schweinehir
die als ein liebenswürdiges „Spiel für jung und alt
on B. Küßner verfaßt ist. Auf Farbe und Fläche 1
»as Bild aufgebaut, reliefmäßig; man merkt den Zu
ammenhang mit dem Münchener Künstlertheater. Vo
illem in dem streng linearen Garten mit den architekto
atschen Tarushecken; dann in dem witzig grotesken Figu
enornament der Doktores vor dem weißen Vorhang um
am gelungensten in der rothölzernen Märchenburg, di
zanz aus der Phantasiewelt des neuen künstlerische
Zpielzeuges siammt. Eine gut eingestimmte Darstellun,
raf den lieblich-einfältigen Ton dazu und die Musik vor
Istel umklang das mit vollsliedhaften Weisen.
Humoristisches.
*Gutl gegeben. Witwer (zuum Vermittler): E—
wäre schon alles schön und gut... die Dame, die Si
mir vorschlagen, würde mir auch sehr gut passen ... abe
bedenken Sie doch, meine Frau ist ja erst einige Monat
ot!“ — Vermittler: „Na, ich hab' eben gedacht, es se
besser, wenn Sie sich nicht erst so sehr an die Freihei
zewöhnen!“
*Ein nettes Paar. „Wie, der Professor ha
die Philologin geheiratet? Das muß wohl ein sehr zer
treutes Paar geworden sein?“ — „Das will ich meinen
Bei der Hochzeit trug er den Myrtenkranz und sie de—
Zylinder.“ — —— —