Full text : Dudweiler Zeitung

Kunst und Wiß enschaft.
SHermanu Kaulbach *7̃. Hermann Kaulbach
ole schon gestern kurz gemeldet, seinem schweren Leiden
n der Nacht vom 8. zum 9. Dezember erlegen. Seit kur⸗
er Zeit schwer erkrankt, ging der hehre Recke der schönen
Zunsi der Auflösung rapide entgegen. Die Aerzte konsta
ierten Gehirnhautentzundung. Hermann Kaulbach, der 69
Jahre alt wurde, ist der große Sohn seines großen Va—
sers Wilhelm von Kaulbach. Zu München am 26. Jull
1846 geboren, widmete er sich anfangs gelehrten Studien
imn der Univbersität, um später umzusatteln und sich ganz
zer Ralerei zuzuwenden. Er wurde ein Schüler Pilo—
iys und als solcher Historienmaler. Seine genialen Ge—
nälde, die sich durch herrliche Komposition und Feinheit

erof. Hermann Raulbach.
er koleristijschen Durchführung auszeichnen, sind allbelanu
ind hochgeschätzt. Er hat eine Reihe von Historiengemäl—
»en geschaffen, unter andern seine beliebtesten Arbeiten
ie sich durch virtuose Technik und Detailtunst hervortun,
vie „Lucrezia Vorgia“, Krönung der hl. Elisabeth, Mo
arts letzte Augenblicke, Ludwig 11. und sein Barbier 18
ßarbier le Dain; seinen religiösen Gemälden ist eine be
ondere Innigteit des Ausdrucks eigen. Besonderes In
eresse im Publilum erregten seine lieblichen Kinderbilder,
HRit Hermann Kaulbach ging einer unserer ersten deut
sen Künstler der alten Schule dahin.
keichstanzier gesiern in Ossiziersuntsorm erschienen sei
vir sind in der vorigen Tagung unzweiselhast konsttuüo
tell etwas weiter gesommen. Redner erörtert sodanm dit
teform des preußischen Wahlrechts und würtscht Veseiug
eing der schlimmsten Auswüch? der letzten Finanzreform
ehandelt dann sozialpolitische Fragen, besonders die neu
steichsversicherungsordnung. Redner kritistert eine Reihe
on aktuellen Fragen und bedauert unsere innerpolitisch
zerfahrenheit Der leitende Staatsmann sei nicht im
ande, ein festes Programm vorzulegen. Seine Parte
erlange eine liberale RNegierung, d. h., Reechtsgleichhei
ür alle Staatsbürger. Seine Freunde wollen siets gut
beziehungen pftegen zu der venachbarten nationalliner
en Partei, wolten aber keine Verschmelzung met ihr.
Reichslanzier v. Bethmann-Holweg: Zu de
ußischen Wahlresorm kann ich hier keine Ertlaͤrung ab
eben, weil diese Frage nicht vor dieses Haus gehört
h habe mich gestern, so fährt der Reichscauzler fort
nit Absicht zjeder Kritik der Vergangenheit serngehalten
Nit meinen Ausführungen meine ich nicht eine Partei
ondern alle. Was nun die Frage der auswärtigen Po
iltit anbelangt, so sehe ich von allen Bemerkungen al
ind will nur folgendes erwähnen: In der Kongofrag
st es uns gelungen, mit England eine Uebereinsänimunm
u erzielen in einzelnen Fragen. Ich habe die Zuversicht
— 00—
ingt. Englische Staatsmänner haben in ihren Reden fü
zute Beziehyungen zu Deutschland plädiert und diese al—
jrößte Aufgabe ihrer Staatskunst bezeichnet. Ich kam
ziesen Standpuntt nur in gleicher Weise erwidern. Je
in gewiß, daß wir uns einander immer mehr näher'
verden, und daß wir dann die Interessen beider Lände
vahren. Ich bin überzeugt, daß die italienischen Staats
nänner den Wert des Dreibundes nicht nmedriger wi
isher einschätzen. Unsere Politik mit Rußland wird mi
ller Ruhe und ohne Veidenschaft geführt.
Staatsselkretär v. Schon: Die Marotktkofrage ist u
in ruhigeres Fahrwasser gelangit. In vielen Puntiene
lebereinsiimmung mit Frankreich erzielt worden. Ta
taatssekretär weist darauf hin, daß auch die Kongofcag
iner ersprießlichen Entwickelung entgegengehe.
Abg. Scheidemann Goz,) richtet scharse An
riffe gegen die Regierung, und wird wegen seiner lei
enschastlichen Rede von dem Vizepräsidenten Prinz Ho
senliohe zur Ordnung gerufen.
Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg weist di
zorwürfe des Vorredners zurück.
Abg. Gamp Geichspi wendet sich zunächst gege
zie Sozialdemoiraten und geh dann auf den Etateir
jessen Einz eiten er im wesentlichen vbellige. Er wünsch
sine Verminderung des Beamtenheeres und vessere Tel
honauntaagen für das Land. Des weirrren verteidigt viet
jer oꝛe Haltung der Reichspartei bei den aogeschlossene
Serhandlungen üser die Finanzreform.
Abg. Fürst Radziwill Gpole): Unsere Siellun
ur Finanzrtesorm basiert auf dem Gesichtspuult des fiel
ieren Uebels. Was die jetzige Parteikontellanon betriffe
dmüsse er betonen, daß keinerlei Bündnis vestehe, d
em seine Parteit beteiligt sei..
Hierauf erfolgt Vertagung.“ —
Moragen 11 Uhr: Fortsetzung. — Schluß 6 uhr.
— —
Vermischtes.
Sprachverwirrung. Bei einem Manöver steht ei
vürttembergischer Hauptmann mit seiner tkombinierte
dompanie auf Vorposten. Gegen Morgen reitet er di
Gorposten-⸗Linie ab und gelangt an eine Feldwache, di
uin sächsischer Leumant lommandiert. Dem Leutnant di
ibliche Meldung, „daß es nichts Neues gebe“, machend
uft der württembergische Hauptmann diesem zu: „Gut
Morge, Herr Kamerad, habe Sie scho' g'iade?“ — 5Vee
bedaure sehr, Herr Hauptmann, kann wirklich nich dienen!
— „Herr Kamerad, ich frag', ob Sie scho' g'lade habe?
— „Herr Hauptnann, ich sage Ihnen doch eben, es tu
nir wirklich sehr leid, ich habe, weeß Gott, wirklich keene!
— „Herr Kamerad, es scheint, daß Sie mich nit versiand
sabe; ich frag', ob Sie scho' g'lade habe?“ — „Ei
cheint mir och so, als ob wir uns nich recht verstande
hätten; ich sage doch ganz deutlich, daß ich keene habe
wenn Herr Hauptmann aber mir vielleicht ein Stückcher
geben könnten, wäre ich sehr dankbar dafürl!“ — „Za
Herr Kamerad, was meinet Sie denn eigentlichz“
eMWMWu Schok sIodot

*
— Humoristisches.
*RekrutenUnterrichi. „Pollig, nennen Si—
mir die hervorragendsten Soldatentugendeul“ — „Mut,
Tapferkeit, Ausdauer!“ — Gutl.. Schulz, fahren Ei
sort!“ —Schweigsamkeit!“ &Drücken Sie sich deut
icher ausl NMaulholten 53

Lokales.
M Treffende Kritik des 25-Pfennigstückes. Eit
iederer Torsbewohner gab seiner Meinung über das neu
zeldstück in einem Zigärrengeschäft in Magdeburg rech
rastisch Ausdiuck. Als ihm der Verkäufer beim Wechselt
uch ein 25-Pfennigstück hinlegte, schob er es energisch zu
ück und meinte: „Biermarken brute ich nich!“ Er blie!
uch bei seiner Meinung und lehnte jede Anfklärung mi
erftändnisinnigem Lächeln ab. Der Mann dürfte dat
dichtige getroffen haben; das neue Geldstück gleicht in der
dat mehr einer Spiel- oder Biermarke, als gutem deut
chem Geld.
O Postalisches. Die Zahl der Postwertzeichen, die
zie Reichspost im Jahre 1908 verbraucht hat, hat die
Zumme von 44 Milliarden überschritten. Sie betru—ç
264 Millionen Stück, nahezu doppelt so viel wie vor
wei Jahren, in dem die Reichspost 2394 Miillionen Post
vertzeichen absetzte. Beim Verbrauch der einzemen Sor
en ergibt sich eine eigentümliche Verschiebung. Das weit
us haufigste Wertzeichen war früher die Zehnpfennig
narke. Dieses Verhältnis blieb bis zum Jahre 1901 be
tehen. Seitdem hat es sich zugunsten der Marke zu fün
Pfennig verschoben. Waͤhrend der Absatz der Zehnpfen
aigmarke nur langsam gestiegen ist, wächst der Verbraud
der Fünfpfennigmarke schneller und schneller. Von diese
wurden 1908 fast 1503 Millionen, von der Zehnpfennig
marte 1111 Millionen gebraucht. An der dritten Stellt
teht jetzt die Marke zu 3 Pfennig mit 683 Millionen.
dein anderes Wertzeichen erreicht diese Zahlen auch nur
mnähernd. Die Zwanzigpfennigmarke wurde mit 222
Nillionon Stück abgesetzt, weniger die Marke zu 50 Pfg.
nit 104 Millionen. Auch die neuen Sorten zu 30, 406
ind 80 Pfennig weisen eine Steigerung des Verbrauches
kt. Dagegen gehen die höheren Werte, von 80 Pig.
„von Jahr zu Jahr zurück. Der Absatz der Marken zu
Mark ist von 101341 8tick auf 71 923 zurückgegan—
———
astkarte zu 5 Psfenma, doch ist deren Gebrauch geg⸗
⸗Nletzte Jahr etwas zurückgegangen, von 393 Million
uf 379 Millionen Stuͤch, ofsenbar infolge der Zunahme
er Verwendung von vorgedruckten Formularen und Am
chts?arten. Alle Postwertzeichen haben 39714 Millionen
Nark gebracht.
Theaterabend. Wie aus einer Anzeige in der heutigen
sumuer ersichtlich, wird seitens des Unterhaltungsvereins
„Gemürtlichteit und Treue“ ein Theaterabend mit Weihnachts—
escherung für ortsarme Kinder im Saale der Witwe Ried—
chy veranstaltet. Um dem an urs geftellten Ersuchen gerecht
u werden, verweisen wir auch an dieser Stelle auf die Ver—
instaltung.
Kinematograph. Dudweiler hat jetzt auch seinen
dinematographen. Dieser eröffnet heute im Gasthaus Wwe.
Maul am Wasserwerk seine Vorstellungen.
Schulnenlinge. Auf die Bekanntmachung der Herren
Rektoren Knorz und Hermann sei hiermit auch an dieser
Stelle aufmerksam gemacht.
GrubenKonzert. Um Sonntag den 12. d. M.
nächmittags von 4einhalb Uhr ab findet Konzert der Gru—
»enkapelle in der Bergfesthalle statt, wozu auch die Bürger
einseres Ortes freien Zutritt haben.
BOhne Lügen keine Hetze! Unter der Ueberschrift
„Die Radbodwitwen“ haben sozia demotratische Blätter bi⸗
zauptet, daß die Witwe Dora, deren Mann bei dem Massen⸗
inglück auf der Zeche Raddod sein Leben einbüßte, für sich
uind ihre Kinder teine Uafalltente beziehe, weil die Ehe nicht
ꝛach den gesetzlichen Vorschriften eingegangen worden sei.
Ddemgegenüber stellie der „Kompaß“, das amtliche Organ der
dnappschaftsberufsgenossenschaft, fest:
Die Witwe Dora ist nach der vorliegenden Urkunde seit
»em 7. Mai 1894 mit dem verunglückeen Dora verheirauet
zewesen. Sie erhält aus Anlaß seines Todes fuür sich: a)
in Unfallrente 141,60 M. b) an Zusatzrente 168,80 M.
) an knappschaftlicher Witwenrente, 103.80 M. und lann
Jierzu einstweilen monatlich 10 M. von der Sparkasse ab—
seben, daß sind jähclich 120 M., so daß sie jährlich zusam⸗
nen über 535 20 M. verfügt. Die Kinder erhalten a) an
Anfallrente 849,60 M., b) an Zufsatzrente 339,60 M. zu⸗
ammen 1189,20 M., so daß die Hinterbliebenen des ver⸗
inglückten Dora insgesamt 1724.40 M. oder monatlid—
143,70 M. erhalten.
Arbeitergelder sürs Auslanind Die „Deutsche Ar—
zeitgeber⸗Zeitung“ rechnet nach den Angaben der Protokolle
der sozialdemoktatischen Parteitage und der Kongresse der
reien Gewerkschaften aus, daß die deutschen Arbeiter in
)en letzten Jghien über 2300 000 Mark für das Ausland
u Unterftützungen von Auständen und dergleichen gegeben,
hrerseits abet nur vom Auslande 17 256 Mark empfangen
saben. Das genannte Blatt fügt mit Recht hinzu, daß die
zusländischen Genossen sich diefe internationale Selidarität
zut und gern gefallen lassen könnten.
„Genossen“ als Geschaäftsleute. Das sozialdemo⸗
rotische Gewerkschaftehaus zu Kassel ist zwanzsweise ver—
teigert worren. Es war mit einem Kostenaufwande von über
300 000 Mart erbaut worder. Der Voranschlag
war um mehr a's 200 000 Mark Überichritten worden. Mil
300 000 Mark ist die Zentral⸗Krarkenkasse des Deutichen
Maurerverband.s als erste Hypothekengläubigerin beteiligt
»ann solzt als zweiter Gläubiger ein Backfteinfabrikant, der
hei der Veisteigerung mit 306 000 Mark der Höchstbietende
lieb und den Zuschlag erhielt. Sämtliche Forderungen det
dandwerker sind unberücksichtigt geblieben. Eine Reihe von
handweikern isft dadurch schwer a schädigt worden.
Zur Hygiene der Gastwirtschaften. Wie wir im
Aerzilichen Vereinsblart lesen, wurde karzlich in der 36. Ple—
rarversammlung des Sächfischen Landesmedizinalkollegiums
olgender Antrag anzenommen: „Das LVandesmedizinalollegium
 wolle és für angezeigt erklären, daß zur Besörder
ung der Sauberkeit in den Gastwirtschaften vom Ministeriam
)es Innern verordnet werde, daß in den Gastwirischaften
»es Landes Pfeffer und Salz nar in Streubüchsen, Senf in
Tuben, Bro in einzelnen Schniiten, Weißbrödchen in Perga—
nentpapter eingewickeli, Zahnstocher in automatenartig wir⸗
enden Behältern dem Publikum zur Veirfügung gestellt werden
türfen, endlich das sogenannte Einsprengen der Wäsche, so—
vohl für Bett⸗ wie für Tischwäsche unter allen Umständer
d. h. wenn die Waäsche gebraucht worden ist) den Gastwirter
derboten werde. — Namentlich der letztere Passus scheint
vie schon vor einiger Zeit an dieser Stelle betont wurde
»om hygienischen Standpunkie sehr wesentlich. Wie häufi—
verden gebrauchie Wäschestücke, Servietiten usw.,, weun sie
richt beschmutzt sind, einfach angefeuchtet und dann gemangt
and so dem Publilum wieder zum S brauch geboten!
Kus Audh und Fern.
Saoarbrücken, 11. Dez. Schadenfeuer. In der neun—⸗
ten Abendstunde brach genern in emem Hause der Eisenbahn⸗
traße Feuer aus. Der Brand zerstörte in kurzer Zeit das
Dachgeschoß des umfangreichen Gebaͤudes des Mekaermeistere
Fischera

* Duisburg, 10. TDez Der Mordbube?) Du
etzt nach Pleschen in en veförderte russische Entläufen
Idolf Ledermann, der . jede Verbindung mit den
tfachen WMord Boguslaw leugnete, scheint
uchlich mit denn Verbrechen in Verbindung zu stehen,
zie Personaleschreibung des Mörders auffallendec
Ledermann zutrifft. Ber jeiner Vernehmung hat er sich u
den Angaben über mien Aufeuthalt in der Mordnach
erschiedentlich in Nderiprüche verwickelt. 4
* Bonn, 10. Dez. Der Fall Feith.) Zum Far
Feith, mit dem die Suspendierung des Korps Borussi
in Verbindung steht, kann die „Deutsche Reichszeitung“ ent
gegen anderslautenden Nachrichten auf das Bestimmtest
mitteilen, daß Feith, der keiner Studentenkorporation an
gehört hat, nienials zum Duell gefordert worden ist. Et
wa acht Tage vor dem Manöver erklärte der Rittmeiste;
dem Einiährigen Feith, daß er ihn in der Liste der Of
fiziersaspiranten gestrichen habe. Ein Qual fitationsattes
wurde Feith beim Abgang nicht ausgehändigt.
* Stuttgart, 10. Dez. (Jur Erkrankung des
GBrafen Zeppelin.) Das Befinden des Grafen
Zeppelin hat sich verschlimmer, sodaß die Aerzte ein«
Ueberführung des Grafen, der sich seither in seiner Villa
befand, ins Hospital angeordnet haben. Graf Zeppelin
befindet sich seit gesterrn Abend im Katharinen-Hospital
unter ständiger ärztlicher Pflege
* München, 10. Dez. (PochenErkrankung. —
Broßfeuer.) Hier ist ein neuer Fall von Pockener
rankung zu verzeichnen. Gestern nachmittag wurde die
Tochter eines Lohnkutschers aus der Karlstraße in das
drankenhaus eingeliesert. Sämtliche Bewohner des Hau
es mußten sich der Schutzimpfung unterziehen. Auch sons
nd Maßregeln gegen die Weiterverbreitung der Krank—
eit ergrifsen — Heute Nacht 12 Uhr brach in der Gast—
v ertschaft zum „Schweizer Wirte in vber Tegernseestraß;—
zroßfeuer aus, das das Oekonomiegebäüude und den Dach
uhl des Hauptaänwesens vernichtete Große Mengen vor
deu und Stroh verbrannten. Vormittaas 9 Uhr war de
rand noch nicht gelöscht
* München, 10. Dez Großer Schneesall.)
zn der vergangenen Nacht sind so gewaltige Schneefälle
nedergenangen. daß die Schneehöhe in der Stadt mehr
ls Meter beträgt. Der gesamte Verkehr auf den 25
Ztraßenbahnlinien ist unterbrochen. Zahllose Fuhrwerk«
nd Automobile blieben im Schnee stecken Hunderte vor
srbeiter sind mit der Freischaffung der Straßen beschäf—
igt. Der Schneefall dauert an. Im Eisenbahnverkehr sim
o große Störungen eingetreten, daß man militärische Hilfe
ur Freimachung der Strecke requirieren mußte. Der Pa—
iser Erpreßzug, der um 47 Uhr in München eintreffer
ollte. ist bisher ausgeblieben, so daß von München aus
in Ersatzzug abgelassen werden mußte. — Der groß«
Z„chneefall hat heute vormittag 10 Uhr einen Streil
er Straßenarbeiter hervorgerufen. Die Arbeiter
veigern sich, noch weiter zu arbeiten, falls nicht der Stun
ensohn von 35 Pfg. auf 40 Pfg. erhöht wird. Es lkom
nen etwa 1000 Arbeiter in Betracht
Ans aller Belt.
Gestrandetes arregsschiff. Das Kir'egsschifs „Wür
temberg“ strandete in der Bucht zwischen Glücksburg un
Hollis. Die bisherigen öAIbbringungsversuche durch Tor
edoboote waren ergeonislos. Cine Gefahr für das Schi
cheint jedoch nicht zu bestehen. Der Dampser Hollman
ist mit Leichtern nach der Unjallstelle abgegangen.
Der Fall Hofrichter. Der Rechtsanwalt Dr. Pref
burger, den die Familie des Oberleutnants Hosrichter 3
dessen Rechtsbeistand gewählt hat, suchte vor einigen Ta
jen beim Krieasministser um die Erlaubnis nach, zu
Voruntersuchung und eventuellen Schrußverhandlung ge
gen Hosrichter als Verteidiger zugezogen zu werden. De
Irtegsminister ertlärte, hierzu sei nur der Kaiser iompe
ent. Ueberigens sei der Entwurf der neuen Militärstraf
wozeßordnung auf Hofrschter angewandt worden, und e
— D—
mintster teilte nun dem Dr. Preßburger mit, der Kaise
jabe entschieden, er wolle oorläusig im Stadium der Vor
untersuchung eine Ausnahmeverfügung nicht trefsen, wer
as eine Ungerechtigleit gegen andere wäre, und weil un
er Umständen Hofrichter schlechter gestellt sein könnte, d
ntach der neuen Strafsprozeßordnung beispielsweise di
UVerurteilung zum Tode auch ohne Geständnis cerfolger
önnte, was unter der alten Ordnung nicht der Fall ist
Für das Stadium nach dem Abschluß der Voruntersuch
uing werden weitere Entichließungen möalicherweise ande
rer Art vorbehaiten.
Fiür und wider Cook. Aus Kopenhagen wird be
ichlet: In Skandinavien nehmen die Sachverftändigen di—
ieuerlichen Angriffe gegen Cook nicht ernst. Cooks Set
retär Mr. Vonsdale gibt in „Politiken“ eine lange Er
lärung ab und bezeichnet Mr. Loose und Mir. Dunkt
ils Spitzbuben und die Beschuldigungen als gemeine Lü
ten Prof. Reusch, Vorsitzender der Norwegischen geogra
hischen Gesellschaft, bezeichnet die Angrisse als haar
träubend, kein ernster Mensch könne an sie glauben. WNr
Zonsdale hat jetzt Cools Papiere der Universität überge
»en. Das Untersuchungskomitee ist ernannt: es besteh
nis drei Astronomen, zwei Meteorologen und zwei Schiff
fahrtskundigen, Vorsitzender if dor Mitronomievrofessor
Stroemgren.
M Das New-yorker Sechstage-Rennen. Im Net
HYorter Sechstage-Rennen brachte die vierte Nacht mehrer.
aufregende Zwischenfälle, darunter das Ausscheiden des
dolländers Stol, das übrigens zu einer Bravourleistung
Rütts Anlaß gab. Nachdem Stol sich um Mitternacht zu
rückgezogen hatte, hielt der junge deutsche Rütt währent
nehr als 8 Stunden allen seinen Gegnern Stand in de—
doffnung, daß lein Partner das Rennen wieder aufneh
men würde. Aerzte und Masseure boten alles auf, un
den Holländer, der an einer Schwellung der Knie lit
und die Beine nicht mehr heben konnte, wieder kampf
ähig zu machen, aber ohne Erfolg. Am Ende seinen
rraft angelangt, stieg Rütt um 9 Uhr Vormittags ab
Nach den Rennbestimmungen hatte Rütt noch vier Stun—
den Zeit, sich einen neuen Partner zu suchen. Als zwei
ten Partner wählte Rütt mit einer Runde Verlust, Clark
Donnerstag abend zog eine riesige Zuschauermenge nach
Nadison⸗Square-⸗Hall. Ueber tausend Personen mußte der
Zutritt verweigert werden. Auf die Siegesaussichten der
ieuten Mannschaft Clark⸗Rütt wurden zahlreiche Wetten
ibgeschlossen. Beide Fahrer hoffen, ihre rückständige Runde
ald einzuholen. Bei Ablauf von 90 Stunden führten
Fogler⸗Root, WalthourCollins, LawsonDemara, Pye⸗
dehir, Halstead-Lawrence m'it einer Reforddibanz von
—834 Gilometer

Trager der diesjahrigen Nobelpreise. Aus Stock
solm wird unterm 10. Dezember gemeldet: Die heute zu—
herteilung gelangten Preise der Nobel-Stiftung sind ar
olgende Persönlichkeiten vergeben worden: Den Prei
ür Chemie erhielt der Begründer der physikalischen Che
nie, Professor Wilhelm Osiwald in Leipzig. Der Medizin
Preis wird dem Schöpfer der modernen Krebs-Operation
Hrofessor Kocher-Bern zuerkannt, während der Preis fü
Lhysik zwischen den Männern der drahtlosen Telegraphie
osessor Marconi und Prosessor Ferdinand Braun it
traßburg geteilt wird. Der Preis für Literatur fällt de
PHwedischen Romauchrifttellerin Selma Laagerlöf zu. —
            
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