Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

se

nen Töchtern hat sich der Körig.
ste, ertzweitz; da er selbst keinen
nNeffe, Albert, der mit uner Toch⸗
Tazen verstorbenen Zerzogs Karl
ermählt ist, nach ihm den Thron

ageit zu uberreiten. Ver Anleihebedarf ist soweit wie
aöglich eingeschränkt. Mit den Regierungen werden die
zarteien darin übereinstimmen, daß es unsere erste Auf⸗
abe ist, Lem Reiche eine solide Finanzgebarung zu sichern
Sehr richtig! rechts), und bei der Lösung dieser Aufgab—
nerder. auch die Parteien wieder zusammenardeiten müß
ew, „ie über den Sreuern auseinandergeraten sind, mö—
zen ihre politischen Differenzen fortdauern oder nicht. (Zu—
iimmung.) Auf die Vorgänge der damaligen Zeit greisfe
ch nicht zurück. Ich kann mir davon keinen Nutzen für
ie vor uns liegenden Geschäfte versprechen. (Sehr richtig!)
Benau wie im Juli, so sind die Regierungen auch Heute
ioch fest überzeugt, daß, nach den im Juli beschlossenen
ieuen Steuern ein Etat vorgelegt werden mußte, der zu
iner Gesandung der Finanzen führen könnte. Ebenso
venig wie bisher wird in Deuischland die Regierung je—
nals eine Parteiregierung sein. (Große Unruhe und leb—
jafter Widerspruch auf der äußersten Linken.) Die gegen
värtigen Vorlagen, wie sie in der Thronrede erwähm
ind, hat man als zu nüchtern bemängelt, tatsächlich aber
ntbehren sie nicht jedes politische Interesse. Ich verschließe
»ie Augen nicht vor der Erregung, die noch das Laud
urchzieht, ich glaube aber doch, daß es weite Kreise im
Lande gibt, denen daran liegt, daß unsere Politik Festig
eit und Stetigkeit im Inneren wie nach Außen ausweisi
Lachen bei den Soz.) Wie Deutschland seine Stellung
urch nüchterne Arbeit gewonnen hat, so kann es diese
iuch nur dadurch behaupten. Und wie bei dieser Arbeit
ille Kräfte der Nation mitgewirkt haben, so muß es
nuch in Zukunft bleiben. Wir brauchen nicht ängstlich in
»ie Zukunft blicken, dazu haben wir keinen Anlafß, wir
nüssen nur besorgt sein, daß die gegenwärtigen Wirren
iberwunden werden. Geifall.)
Reichsschatzsekretir Weer muth: Der Nachtrags-Etat
non 520 Millionen beweist die bisherige traurige sinan—
ielle Lage und die Notwendigkeit einer solideren Ge
taltung unserer Finanzen. Es hat für 1910 die Vorein
uhr berücksichtigt werden müssen. Was die Erhöhung der
tieuen Einnahmen anbelangt, so wird es ja noch eine
janze Weile dauern, ehe Publikum und Behörden sich an
»en neuen Bestimmungen gewöhnt haben. Es erscheint
»eshalb ganz besondere Vorsicht geboten in Bezug auf
ieue Ausgaben. Bei der neuen Etataufstellung ist das
ßrogramm besolgt worden, die Ausgaben fest im Zügel
u halten. Wir werden sehen, daß, wenn man auch nicht
mif einmal im Sparen zu weit gehen kann, doch einzelne
lusgaben sprunghaste Einbuße erfahren haben. So sind
ei Militär- und MarineEtat erhebliche Ersparnisse er—
ielt worden, andererseits sind zahlreiche wünschenswerte
lusgaben zurückgetreten. Wir glauben, daß unsere Fi⸗
ianzen durch Sparsamkeit nach und nach der Gesundunç
entgegengeführt werden können. GBeifall.)
Frhr. v. Hertling (Ztr.): Meine Freunde mei—
ien, daß der vorgelegte Etat im ganzen einen günstigen
Sindruck macht. Was die Anfechtung der neuen Steuerr
inbelangt, so hat der Schatzsekretär wohl daran getar
nit seinen vorsichtigen Schätzungen. Neue Steueriaster
ȟrfen in absehbarer Zeit dem deutschen Volke nicht mehn
ruferlegt werden. (Beifall.) Die Ausgaben müssen fortan
orqfältig den Cinnahmen angepaßt werden. (Sehr rich
ig.) Redner geht dann auf die auswärtige Politik, zu—
tächst auf Marokko ein. Auf leinen Fall dürse der Ein—
druck erweckt werden, als ob Deutschland die Schutzmacht
»es Islam sei. In unserer Hoffnung, auf eine ersprieß—
iche Entwicklung kann uns auch der vielbesprochene Be—
uch in Racconigi nicht beunruhigen. Keinesfalls darf sich
Deutschland bei der Kongofrage ins Schlepptau Englande
iehmen lassen, wie das eine gewisse englische Presse
vünscht. England macht jehtzt eine gewaltige Krise durch
jedeutende Verfassungsänderungen sind möglich, möglich
iuch, ein Uebergang des klassischen Landes des Freihan—
els zum Schutzzoll. Das wäre ein frappantes Gegen
tück zu gewissen Bestrebungen bei uns. (Sehr richtig
rechts.) Wir haben eine unglaubliche Steuerhetze bei uns
hinter uns, mit soviel Unwahrheiten und absichtlicher Ir—
efiihrung. (Beifall rechts und im Ztr.) In diesem gro—
zen Kampfe, den Schutz der Regierung anzurufen, darar
saben wir nicht gedacht, aber eine wirkungsvollere Auf
lärungsarbeit der Regierung wäre doch wohl wünschens
vert gewesen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Aufgabe der
egierung wird es sein, auf wirtschaftlichem Gebiete aus—
ugleichen, die mittlere Linie festzuhalten. Wir werden sie
arin unterstützen, denn das Zentrum ist nicht einseitig
grarisch, sondern unterstützt auch Handel, Industrie und
zewerbe in ihren Interessen. Redner erörtert dann die
dationalitätenkämpfe. Bedauerlich seien die vielen Ver—
zächtigungen des katholischen Volksteils in der Presse
ind in Versammlungen. An irgend einer bedeutenden
ztelle müßte offenbar die Maxime herrschen, daß Katho
iken in hervorragenden Staatsstellungen nicht hineindür
en. (Lachen links, Beifall im Zir.) Wir sind keine kon—
essionelle Vartei. (Heiterkeit und Beifall.) Freilich sind
vir für die berechtigten Interessen der Katholiken ein—
etreten. Redner erörtert dann den neuen Intoleranzan—
rag und geht darauf auf den Großblock in Baden ein
Lir lassen uns keinesfalls ausschalten, sondern werden
ꝛchlich mitarbeiten. (Beifall im Zentrum.)
Aba. Richthofen (ckons.): Auch meine Freunde
sind bereit. mit dem Reichskanzler vositiv zu arbeiten, fso—

Marokko.
* Nach einer Meldung der „Times“ aus Tanger hat
Muley Hafid seinen Spezialgesandten in Paris aufge—
fordert, einen letzten Versuch bei der französischen Regic—
rung zu unternehmen zu dem Zweck, eine Abänderung
des Anleihevertrages zu erlangen. Sollte die französische
Regierung dieses ablehnen, so haben die Gesandten völ—
lig freie Hand, die Frage der Anleihe zu erledigen. Der
Sultan habe auch einen letzten Schritt bei der deutschen
Gesandtschaft wegen der Gruben-Konzession in Marokko
unternommen. Die Gesandtischaft erklärte jedoch kategorisch,
daß eine Anleihe unbedingt notwendig sei und die fran—
zösischen Bedingungen angenommen werden müßten

Sachsens und Badens Einspruch gegen die
Schiffahrtsabgaben.
Oie vom Finanzminister Rüger in der sächsischen 2.
KDammer zum 24. November angekündigte Denkschrift der
sächsischen und badischen Regierung über den preußischen
Antrag auf Einsührung von Schiffahrtsabgaben auf den
regulierten Strömen ist zur Ausgabe gelangt. Sie ist in
eben denselben scharfen ablehnenden Formen gehalten, wie
die damalige Erklärung von Rügers, der den preußischen
Entwurf in jener Sitzung als eine verfassungswidrige Ver—
gewaltigung der kleinen Bundesstaaten bezeichnet hatte.
Das Dresdener Journal veröfsfentlicht in einer Sonderbei—
age die Denkschrift Sachsens und Badens über die Ein—
iührung von Schiffahrtsabgaben. Die Denkichrift schließt
mit folgenden Worten:
Die Regierungen Sachsens und Badens glauben dar—
zgjetan zu haben, mit wie überaus weittragenden und
zrundsätzlich bedenklichen Folgen wirtschaftlicher, politischer
uind verfassungsrechtlicher Art die von der königlich preu—
zischen Rezierung erstrebte Zulassung von Schiffahrtsab—
zaben auf den regulierten Strömen verbunden sein wür—
de. Sie können sich der ernsten Sorge nicht erwehren,
daß die Bestimmungen der Vorlage weite Kreise Deutsch—
sands wittschaftlich schädigen, den föderativen Charakter
des Reiches antasten, die Eintracht unter den deuischen
Bundesstaaten stören und das Vertrauen in die Unver—
letzlichkeit der Verfassung erschüttern würden. Wir geben
uns der Hofsnung hin, daß es gelingen möge, die Abga—
venfreiheit der deutschen Ströme, dieses Wahrzeichen der
deutschen Einheit und Bollwerk des guten Einvernehmens
wischen den deutschen Bundesstaaten. zu schirmen und zu
erhalten.

Hof und Gesellschaft.
*Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich
werden voraussichtlich in kurzer Zeit eine Reise nach dem
Orient antreten, um im Auftrage des Kaiserpaares der
Einweihungsfeier der Kaiserin Augusta-Statue
und der Himmelfahrtskirche auf dem Oelberge bei Jeru—
salem beizuwohnen.

—KW' D—O —

Luftschiffahrt.
*Versicherung für ZeppelinLuftschiffe.
Die „Times“ berichtet, daß beim Lloyd eine Versicherung
für zwei Zeppelin-Lufischiffe abgeschlossen worden sei, die
inen regelmäßigen Luit'chiffdienst am Rbein zu versehen
saben. Diee beiden Luftschiffe seien mit 600 000 M. ver—
ichert. Die Police gilt für ein Jahr.
*Parseval 5. Der zu Sportzwecken gebaute „Par—
seval 52 unternahm Mistwoch Nachmittag mit 1200 RKu—
zikmeter Gas ürlung scine erste Probefahrt, die qut ge—
ang. Er kreuzie eine halbe Stunde über Biserfeld
———
Dentscher Reidstag.
Rachzn'ttaa 1 Uöͤr Berlin, 9. Descnbe
(7. Sitzung.)
Tie erste Lesung des Etats.
Die Tribine und das Haus sind stark be'setzt. Am
Bundesratstisch sind sämtliche Staatsselretäre mit dem
Reichskanzier erschienen. Ausf der Tagesordnung steht die
Generaldebatte über den Etat. Das Wart er—⸗
hält zunächst
Reichskauzler von Bethmann-Hollweg:
Meine Herren! Der Etat, in dessen Beratung Sie
jeute eintreten, ist mit besonderer Vorsicht aufgestellt, und
das zu tun war fur die verbündeten Regierungen die erste
zraktische Forderung aus den Ereignissen der letzten Ses—
ion. Die Einnahmen sind, wie Ihnen der Herr Schatz⸗—
ekretär näher ausühren wird, so veranschlagt, daß sich
tach menschlicher Voraussicht das Ist mit dem Soll dek—
en wird. Allen Anforderungen für die Aufrechterhaltung
uinserer Wehemacht ist genügt. Allgemeine Richsischnur war
es, in keinem diesort das Maß des unbedinat Notwen—

Die Schwarmgeister.
Historischer Rmman von Guitav Lange.
—A Machdruck verhnten

nen, der mit Spannung die Worte des Wachtmeisters angehört
 hatte, demütig an den Burghauptmann:
„Edler Herr! Wir sind keine Mörder und wissen nichts
non einer so schrecklichen Tat!“
„Woher kommt Ihr des Weges?“
„Wir sind ehrliche Leute aus Delft, die sich kümmer
ich von ihren Künsten ernähren!“
„Ist jener dort auch aus Delft?“ fragte der Burg—
Jjauptmann, auf den riesigen Dudelsackpfeifer deutend. „Ich
neine, der müßte ein Schottländer sein?“
„Er ist es, edler Herr. Er gehört eigentlich auch nicht
zu uns, sondern ist erst vor einigen Tagen zufällig zu
ins gestoßen. Wir anderen sind in Holland geboren.“
„Wie heißt Ihr und welches sind die Künste. von de—
ien Ihr Euch nährt?“
„Ich heiße Jorxis, bin eigentlich Arzt und habe in
—V
die anderen kurzweilige Schaustücke aufführen, tanzen au
em Seile und was dergleichen Künste mehr sind.“
„Also seid Ihr Gaukler und Possenreißer?“
„Nicht im gewöhnlichen Sinne, gnädiger Herr, wie
inser Freibrief von Kaiser Karl V. beweist.“
„Desto besser für Euch, wenn Ihr Euch als unverfäng
liche Leute ausweisen könnt. Moraen werde ich sehen
vas Euch Rechtens ist.“
„Aber gnädiger Herr,“ bat Joris, „wir sind gebun
den, gefangen ... Unser Eigentum befindet sich im Walde.
Wollt Ihr nicht Barmherzigkeit üben und uns freilassen!“
„Das geht nicht,“ antwortete der Burghauptmann
barsch. „Danket Gott, daß Ihr hier seid, denn hier an
der Stelle des herzoglichen Drostes werdet Ihr viel mil—
der behandelt. Wäret Ihr in der Stadtvoigtei, so wür—⸗
den keine zwanzig Minuten vergehen, daß Ihr die Dau—
nenschrauben an Euren Händen fühltet ...“
Herr von Ascheburg winkte Stablhut zu sich und be
Hs ihm die Gefangenen sammt und sonders diustmotser

4 Kapitel.
Es begann schon zu dunkeln, als Wachtmeister Stahl⸗
hut mit seinen Reitern und den Gefangenen vor der Spa—
renburg anlangte und die Torwache deren Ankunft mel⸗—
dete, worauf das Fallgatter herabgelassen wurde.
„War nicht noch ein Knabe dabei?“ fragte Stahlhut,
der als Letzter durch das Tor einritt. Seine Leute schau⸗
ten sich um, aber keiner gab Bescheid. Sie glaubten wohl
ruch einen Knaben neben dem Mädchen bemerkt zu haben,
aber niemand hatte Acht darauf gegeben, wie derselbe sich
uf dem Wege einen Augenblick unauffällig an den schwarz—
bärtigen Mann herangeschlichen, mit demselben einige leise
Worte ausgetauscht hötte umd dann beimlich zurückgehlie—
hen war.
„Kein Schade weiter, wenn sich der Bengel gedrückt
jat,“ brummte Stahlhut in seinen Bart. „Wüßte so nicht,
vas ich mit demselben anfangen sollte.“
Auf dem Schloßhofe drängten sich die Gefangenen scheu
zusammen und blickten ängstlich auf den herbeigerufenen
Burghauptmann. Herr von Ascheburg war noch immer
arg verstimmt über die Störung an seinem Hochzeitstage
und musterte daher mit nichts weniger als mit qnädigen
Blicken den seltsamen Aufzug.
„Was bringt Ihr aber da für Leute?“ fraate er kopf—
chůttelnd.
Der Wachtmeister rapportierte nun, wie und wo er die
Leute gefangen habe, die nach seiner Meinung ganz un—
zweifelhaft an der Ermordung des Griesbertel beleiligt
waren. Als der alte Kämpe seinen holperigen Bericht be—
det hatte da wandte sich das Oberboaupt der Gefange

weir dies uns irgeno moglich ist. Auf den Etat einge—
jend, erklärt Redner, deßs sür die Ausdehnung unseres
tolonialeisenbehunene? h auf die Konservativen zu
technen sei. Etycz .eyör Aufklärung der Bevölkerung über
die neuen Steseru hätte die Regierung allerdings tun
können. Auf die auswärtige Politik eingehend, nmieint
Redner: Ursere wirtichaftlichen Interessen scheinen nicht
ganz qusreichend gewahrt. In der wirtschaftlichen Politi
mülten die Grundsütze des Naltarifs von 1902 festgehal—
ten werden. Unere Partei jreht selbstständig da, wir küm
mern uns um andere VPVarteien nicht.
Abg. Bassermann (natlh.): Neberschauen wir
die Lage Deutschlands, so ist wahrzunehmen eine starke
Verbitterung. Vorwürfe von rechts und vom Zentrum
sind über uns hageldicht niedergegangen. Man rät uns
wir sollten uns von der Linken nicht umgarnen lassen
Wir haben nichts getan, als eine Finanzreform abge—
lehnt, die wir für schädlich hielten. Der Regierung ha—
ben wir gesagt, ohne eine allgemeine Besitzsteuer keine
Finanzreform. Tief bewegt haben wir heute die Mahn—
ung zur sachlichen Arbeit gehyört. Der Gedanke, unsere
sachlsiche Mitarbeit, hier zu verweigern, liegt uns fern.
Angesichts der neuen Situat'on haben wir auf eine Mitwirkung
 im Präsidium verzichtet. Redner verbreitet sich
dann über den Etat und fordert besonders Sparsamkeit
Sodann berührt er die Fragen der auswärtigen Politik
Hierauf tritt Vertaagung ein. — Freitag 1 Uhr: Fort
setzung der heutigen Debatte. — Schluß 6 Uhr.
Kunst und Wissenschaft.
V SHSermann von Kaulbach *7. In München isti
Professor Her mann von Kaulbach, der hochge—
schätzte Maler, an den Folgen einer schweren Gehirnhaut
entzündung gestorben.
3 Epochemachende Erfindung. Aus La Rochelle
meldet der „Matin“: Hier wurden interessante Versuche
mit einem neuen Verfahren, Television genannt, vorge
nommen. Erfinder dieses Verfahrens ift ein junger Ge—
legrter namens dtignony, der in Gemeinschaft mit dem
Direktor des städtischen Laboratoriums, Fournier, diese
Intdeckung gemacht hat. Die Beiden haben einen Appa—
cat erfunden, welcher gestattet, die Person, mit der man
sich telephonsch unterhält, auf mehrere Kilometer Entfern,
ung zu segen

Folgenschwere Explosion.
Die von einer furchtbaren Explosionskatastrophe be
troffene Gasanstalt in Hamburg ist erst im vorigen Jah
bedeutend vergrößert worden und befindet sich im Frei
hafengebiet. Die Erplosion entstand nach neuerlichen Meb
dungen dadurch, daß der neue, riesige Gasometer, der
rößte der Welt, einen Riß erhielt und das ausströmend

*
— *
——
A ——E— ——
Gas sich an einer Flamme entzundele. So ist das schon
oft von großen Feuersbrünsten betroffene Hamburg wie—
derum von ener neuen furchtbaren Katastrophe ereiet wor—
den, die in ihren Schrecknissen fast an die noch nicht ver
zgessene in Genf heranreicht.
— AAäö—
in Gewahrsam zu bringen, morgen im Laufe des Tages
sollte das Verhör beginnen.
Da näherte sich der Schloßvoigt dem Burghauptmann
und wies darauf hin, daß die Blutprobe wenigstens noch
jeute vorgenommen werden möchte, so lange die Wande!
bei dem Ermordeten noch frisch sei. Morgen war es dazu
zu spät und fehlte dann ein wichtiges Beweismittel.
Der Burghauptmann gab, wenn auch widerwillig, seine
Zustimmung und nun wurde der Schloßkaplan herbeige—
ufen. Da es inzwischen vollends finster geworden war,
o mußte die Schloßkapelle, wohin man den Ermordeten
jebracht hatte, erleuchtet werden und dabin wurden nun
ie Gefangenen geführt.
Die Leute sahen einander mit entsetzten Blicken an,
Us das Bahrtuch von der Leiche entfernt und die Brust
»erselben entblößt wurde. Ein uralter Mann mit langem,
veißem Barte, dessen untere Vartie von Blut gerötet war,
zeigte sich.
„Heran denn, einer nach dem anderen,“ befahl der
Burghauptmann, an dessen Seite der Kaplan, der Scheß⸗
ooigt und Stahlhut getreten waren, um zu beobachen,
W ques genau nach den hierfür geltenden Vorschrin en
geschah.
Joris, wie er sich selbst genannt hatte, das Oberhaupt
der fahrenden Leute, trat an die Bahre und legte mit ei⸗
ner sicheren Haltung die Hand auf die Brust des toten
Mönches.
„Ich, David Joris, beteure, daß ich unschuldig bin aw
dem Blute dieses Mannes,“ sagte der Holländer.
Nach ihm kam seine Frau, als welche er ein bleiches,
abgezehrtes Weib bezeichnete. Sie schauerte zwar zusam—
men, aber auch sie sprach mit fester Stimme die Beteuer—
ung ihres Mannes nach und erfüllte damit die Blutprobe,
die in damaliger Zeit als untrügliches Zeichen für Schuld
»der Nichtschusd bei einer des Mordes verdächtigen Verson
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