Full text : Dudweiler Zeitung

VLokales.
O* Geschäftspapiere sind eine Art von Gegenständen
zer Briefpost, die in Deutschland verhältnismäßig wenig
zekaunt und im Gebrauch ist. Man kann selbst die Beob—
achtung machen, daß die Einrichtung sogar Postbeamten
nicht gegenwärtig ist. Als Geschäftspapiere werden ange—
sehen: alle Schriftstücke und Urkunden, ganz oder teil
weise mit der Hand geschrieben oder gezeichnet, die nicht
die Eigenschaft einer eigentlichen oder persönlicher Korre
spondenz haben, wie Prozeßakten, von öffentlichen Beam—
ten aufgenommene Urkunden, Frachtbriefe oder Lade—
scheine, Rechnungen, Quittungen auf gestempeltem oder
ungestempe'tem Papier, die verschiedenen Dienstpapiere der
Versicherungsgesellschaften, offene Briefe oder Postkarten
uͤlteren Datums, die ihren ursprünglichen Zweck erfüllt
haben, Abschrifsten oder Auszüge außergerichtlicher Ver—
träge (auch auf Stempelpapier), handschriftliche Partitu
ren oder Notenblätter, die abgesondert versandten Mann
tripte von Werken oder Zeitungen, korrigierte Schülerau
»eiten, Militärbpässe, Lohn-, Dienst- oder Arbeitsbüche,
ꝛc. ꝛe. Geschäftspapiere unterliegen, was Form und äu
zere Beschaffenheit betrifft, den für Drucksachen geltenden
Vorschriften. Die Auischrist muß aber die Bezeichnung
Beschäftspaptere enthalten. Das Gewicht einer Sendung
mit Geschäftspapieren darf 1 Kilogramm im Verkehr mit
den deutschen Schutzgebieten und dem Ausland 2 Kilo—
gramm nicht übersteigen. Nach Oesterreich und Ungarn
sind Geschäftspapiere nicht zulässig. Geschäftspapiere kön—
nen auch mit Druchsachen und Warenproben vereinigt
werden. Das Porto boträgt für Geichäf spapiere im In—
land bis 250 Gramm 10 Pifge, vis 500 Gramm 20 Pig.,
bis 1 Kilogramm 30 Pig. Geschäftspapiere von 1 bis2
Kilogramm nach unseren Schutzgebieten und Wostanstal⸗
ten in China und Marolko kosten 60 Pfg. Nach dem
Ausland kosten je 50 Gramm 5 Pfa.. die Sendung aber
mindestens 20 Pfg.
— Verpackung der 25—Pfennigstücke. Auf Veran
assung des Reichskanzlers wird bekannt gemacht, daß die
Fünfundzwanzigpfennigstücke, die demnächst ausgegeben
werden, in Beuteln zu 100 Mark oder in Rollen zu 10
Uark zu verpacken sind.
Richtigstellung. In einer Notiz betr. Ankauf des
alten Kronenbergerschen Hauses auf dem Büchel durch die
Gemeinde Dudweiler war der Verkaufspreis in einer aus⸗
wärtigen Zig mit 18000 M. augegeben. Dies war seitens des
Berichterstatters ein kleiner Irrtun; nur um die Hälfte
hat er sich geirrt! Das Haus wurde durch die Gemeinde iülr
9000 Mark angekauft.
Perfonalnachrichten. Der seit dem 29. März d. J.
hei der Bergwerksdirektion zur Beschäftigung überwiesene
Regierungsbaumeifter Liebich ist vom J. Dezember 1909 ab
dauernd in den Dienst der Bergverwaltung übernommen
worden. — Der Bergmann Rudolf Becker ist vom 1. Jan.
1910 ab zum Hilfegrubenwächter bei dem Steinkohlenberg⸗
werk, Gerhard ernannt worden. — Die Kleinkinderschullehrerin
Fil. Karoline Ludwig zu Altenkessel trit am 1. Jannar n.
J. in den Ruhestand. Ihre Stielle wird von demselben Zeit⸗
punkie ab der Hilfslehrerin Frl. Pauline Zincktaf zu Wiebels⸗
kirchen übertrazen. — Die Kleinkinderschullehrerin Frl. Klose
zu Elversberg ist vom 1. Januar nm. J. ab an die Klein—
linderschule zu Hilchbach, die Kleinktnoerschullehrerin Frl.
Metzger von demselben Tage ab von letzterer Schule an
erstere versetzi. Brgmsfrd.
*. Von den Saargruben. Wie verlautet, sollen sämt⸗
liche Grubenbeamten in diesem Jahr zu Weihnachten eine
Gratifikation erhalten, da der für 1908 bewilligte Betrag
von den Gehältern bei der Nachzahlung abgezogen und bis⸗
her noch nicht ausgezahlt wurde, auch den Beam'en der für
1908 bewilligte Betrag reichlich zustehßl. In kammenden
Jahren werden dagegen nur meht SGratifilationen an obere
Werksbeamte und an mittlere Werksbeamte für außer zewöhn⸗
siche Leistungen gewaͤhrt. (Sbr. Volksz.)
SDie Entvölkerung Frankreichs. Jetzt ist die Frage
der Entvölkerung Frankreichs auch in der Kammer zur Sprache
gekommen. Der Abgeordnete Gauthier (de Clagny) hat in
der Beratung des Budgets des Innern den Gegenstand an⸗
geschnitten; er hat die Nachteile der Entvölkerung geschildert
und hat daunn auch die Gründe derselben erörtert. Er findet
die Ursachen teils in der zunehmenden Glaubens⸗ und Reli⸗
gionslosigkeit, teils in der Ausbreitung des Malthusianismus.
Der erstere Grund ist jedenfalls hinfällig, denn die Statistik
lehrt, daß das Zweikindersystem in der frommen Bevölkerung
ebenso zu Hause ist, wie in det unfrommen. Ganz abgesehen
davon, daß es gar kein Mittel gäbe, die Bevölkerung, wenn
sie nicht mehr glauben will, zum Glauben zu zwingen. Ueber
die andere Ursache, den Malthusianismus, haben sich die Mi⸗
nister Briand und Barthon geäußert; beide verurteilten die
malthusianische Propaganda, die durch Flugschriften und Pro⸗
spekte betrieben wird und erklärten, daß Verfügungen erlassen
worden seien, damit die Urheber dieser schändlichen Werke
trenge bestraft werden; einige derselben seien auch bereits
verurteilt worden. Der Ministerpräsident hat noch beigefligt
die bestehenden Gesetze seien genügend zur Unterdrückung des
Uebels, wenn es sich aber herausstellen sollte, daß sie nicht
genügen, so würde er nicht zögern, neue und kräftigere Maß⸗
regeln zu verlangen. Die Kammer billigte diese Erklaͤrungen
Man darf aber mit guten Grunden bezweifeln, daß der Krieg
gegen die malthufianische Schriften die Entrölkerung Frank⸗
reichs aushalten werde; dazu sind ganz andere Mitiel asötig.
Mit dem Problem hat fich dieser Tage auch Paut Margueritte
einer der berühmten Schriftsteller⸗Brüder beschäftigt, er schrieb
einen Aufsatz, in dessen Emleitung es heißt:
Wir verlieren alle sechs Monate den Wert einer Stadt
von 28 000 Einwohnern. Frankreich schaut zu wie es lang⸗
em stirbt. Der Staat ktimmert sich nicht darum. Ich glaube
nicht, daß es auf der Welt ein tragischeres Schauspiel gibt
als dieses namenlose Hinsiechen. Man tut nichts, man will
nichts tun. Und so stirbt Frankreich aus.
Dann häͤlt er den Leuten, die nicht beiraten und keine
Kinder haben wollen, folgende Strafpredigt:
Vecgeßl ein wenig euer persönliches Interesse, um nach
dem Inleresse des Vaterlandes zu schauen. Die Unfruchtbar⸗
leit der Ehen ist ein betrügerischet Bankrott gegenüber
Frankreich⸗ Ueber dem Vermögen, über dem Vergnügen,
üͤber allen egoistischen Freuden, welche die Grundlage und
der Zweck eures Lebens sind, steht die Familie, diese Zelle
des vaterländischen Organismus, und wenn ihr euch weigert,
diese Zelle zu konstituiren, so werdet ihr dem Lande nicht
bloß unniltz sondern schädlich, denn er veischlingt einen Teil
des Reichtums und der Lebenskraf', der euch nichts gebühri.
Frankreich hat nicht die Mittel, diejenigen leben zu lassen,
die nicht für es tun. Ihr schuldet ihm Kinder, wie ihr ihm
die Steuer schuldet. Das ist ein Pflichtopfer, dem niemand
fich emziehen kann.
Aber Paul Margueritte predigt nicht bloß, sondern er
macht auch Besserungsvorschläge: Er schreibt: „Wir brauchen
nier Kinder auf iede Haushaltung. Wohlan. machen wir

diefe vier Kinder obligatorisch. Wie? Sreifen wir den
Beldbeutel an!“ GEr will also die harten Egoisten dort
assen, wo sie am empfindlichsten sind: am Portemonnaie
FIr schläͤgt folgendes vor:
Die Familie, die nur ein Kind hat, muß eine Steuer
zezahlen, die drei Viertel igres Vermögens bettägt, Familien
mit zwei Kindern bezahlen zwei Viertel. Den Ehelosen wird
das ganze Vermögzen konfisziert zu Gunsten derer die viele
dinder haben. Vom vierten Kinde an erhält jede Familie
Zteuererleichterungen und Vorteile aller Arten. Mit 23
Jahren muß jeder eine Familie gründen, einerlei, ob in ge⸗
etzlicher Ehde oder in freier Bereinigung: man muß nur
zer Steuerbehörde den Namen der Gefährtin mitteilen und
es ist gleichgültig, ob fie und die Kinder legitim sind oder
nicht. Die Scheidung muß erleichtert werden, damit jeder⸗
mann ein unerträgliches Band lösen und ein neues Band
nüpfen kann. Im Notfalle muß die Mitgift verboten, und
elbflverständlich muß auch das Verbot der Vaterschaftsk.agt
aufgehoben werden.
Das sinb die Vorschläge Pau! Marguerittes. Sie sind,
vie man siehl, sehr radikal, aber sie haben nicht die geringste
aussicht, verwirllicht zu werden. Immerhin sind sie ein Be⸗
veis dafür, wie den besten Männern die Sorge um Frank—
leichs Zukunft am Herzen nagt. Wenn siie nicht die ganze
Zröhße und Schwere des Uebels erkennen würden, so würden
ie nicht so scharfe und kühne Rettungsmittel vorschlagen.

4

Aus Rah und Fern.
Saarbrücken, 4. Dez. Gestern nachmittag gegen 4
Uhr faud hierselbst eine Sitzung des Ausschusses der Knapp⸗
chafiskafse stait. Es wurde u. a beschlossen, die Beiträge
ur Knappschaftskasse pro 1910 nicht zu erhöhen. Es werden
mithin im nächsten Jahre diesekben Beiträge wie dieses Jahi
erhoben werden.
Altenwald, 5. Dez. Ein recht trauriger Voraang hat
ich hier abgespiell. Am Freitag morgen brachte sich Frau
W. eine Schußverletzung im Kopfe bei. Die Frau lag be—⸗
innungslos bis Samstag abend, wo der Tod sie erlöste
Die Frau hatte ein schweres Gallensteinleiden, was wohl viel
dazu beigetrager, daß sie in geistige Verwirrung geriet, in
velchem Zustande sie dann die Tat verübte.
* Aachen, 4. Tez. Geisteskrank.) Der Mörde
Niederau aus Corne imunster, der am 20. Juli den neun
jährigen Knaben Wilhelm Haller im Felde bei Corneli
münster ermordet hat, ist nach Untersuchung auf seiner
Geisteszustand der Irrenanstalt in Düren überwieser
worden.
* Mayen, 4. Dez. (Der Mörder seines Va—
ters.) Ein hiesiger Familienvater wurde im Streit—
von seinem 171ährigen Sohne mit einem Messer derar
verwundet, daß seine Behandlung im Krantenhaufse not
wendig wurde. Der Verletzte ist gestorben.
* Darmstadt, 30. Dez. (Er hängit.) Der etwa 30
Jahre alte verheiratete Gefangenenaufseher Hauser hat sich
heute in seiner Wohnung erhängt. Vor kurzem wurde vor
der hiesigen Straftammer gegen einen früheren Althändler
 Abt wegen falscher Anschuldigungen verhandelt. Ab
hatte dem Gefangenenausseher verschiedene Unregelmäßig
leiten vorgeworfen, die von Häuser unter Eid bestritten
wurden. Er hat sich nun wahrscheinlich aus Gram über
die gegen ihn erhobenen Vorwürje und vielleicht auch we
zen eines Meineids erhängt.
* Göttingen, 4. Dez. (SZwischen Himmel und
FErde.) Beim Aufstieg des Ballons „Segler“ wurde ei—
Zoldat in die Höhe gerissen. Das Schlepptau schlang sich
im seine Beine und er hing mit dem Kopf nach unten.
Zum Glück gelang es den Balloninsassen, nachdem der
Ballon eine Höhe von etwa 400 Meeter erreicht hatte, den
Zoldaten in den Korb hineinzuziehen.
Ein dreister Raubanfall. In Berlin wurde im
Zweigpostamt 60 in der Schwedenstraße von zwei nod
nicht ermittelten Burschen an dem diensttuenden Ober
»ostassistenten Richard Ebel ein Raubmordversuch verübt
Zie hatten es offenbar auf die Beraubung der Postkasse
ibgesehen. Die Täter waren an den Schalter getreten.
Während der eine Briefmarken forderte, gab sein Kom—
lize einen Revolverschuß auf den Beamten ab, der ihn
eicht verletzte. Als er zum zweiten Mal abdrücken woll—
e, versagte die Waffe. Die Täter entkamen. Die sosor
rufgenommene Verfolgung mußte insolge der eingetrete
ien Dunkelheit bald eingestellt werden. Das Polizeiprä—
idium hat 500 Mark Belohnung für ihre Ergreifung aus
gefeht.
Die Hamburger Vergiftungsaffäre. Zu den Mas
en⸗Erirankungen im Irrenhause Friedrichsberg bei Ham
»urg wird gemeldet: Entgegen anders lautenden Wield—
ingen wird versichert, daß nicht 293, sondern 762 Per—
onen erkrankt sind. Der Verdacht richtet sich jetzt geger.
‚wei Personen, die mit den Speisen zu tun hatten, ehd
ie den Kranken gereicht wurden und zwar stehen beid
in freundschastlichen Beziehungen zu einander. Während
eine dieser Personen mit der Zubereitung der Speisen
netraut ist, hat die andere die Ausgabe der Portioner
uinter sich. Die Direktion der Anstalt hat seit langem an
geordnet, daß von jeder Speise eine Probe zurückbleiben
nuß. Merkwürdigerweise soll aber gerade von der in
Betcacht kommenden Reisspeise keine Probe mehr vorlie
gen. Dies erhöht den Verdacht eines verbrecherischen An—
chlages wesentlich.
Ein sauberes Pärchen. Der angebliche polnische
Schriftsteller Saluslki, der mit der Frau eines Berliner
sßroßkaufmannes durchgegangen war, wurde in Wien ver
zastet wegen Entführung, sowie Bedrohung des Eheman
nes. Die Frau ist nach Berlin zurückgekehrt.
Angeschossen. Bei einer Treibjagd, die von eine
Jagdgesellschaft in der Gemarkung Verna bei Homber—
ibgehalten wurde, wurde der auf seinem Acker arbeitend
Landwirt Trieschmann erschossen. Wer den unglücklicher
zchuß abgegeben hat, konnte noch nicht festgestellt werden
Die Zyankalibriefe. Die Kette der Indizien geger
Zofrichter soll nunmehr vollständig geschlossen sein. All—
lud toren Oesterreichs hatten den Auftrag, in ihren
Standorten Untersuchungen anzustellen und bei ihren Re—
zimentern nachzuforschen, ob in einer anderen Stad.
ihnliche Umstände in Betreffs des Tatsachen-Materials
vorliegen wie in Linz. Dieser Auftrag wurde als un—
möglich telegraphisch widerrufen. Es soll dieser Wider—
ruf mit der Auffindung eines Pulvers im Hose des Hof—
richterschen Hauses zusammenhängen. Man maß diesem
Funde ursprünglich keine Bedeutung bei. Kaiser Franz
Josef hat mit dem Bericht der mit der Untersuchung be—
teiligten Ministerien auch einen Bericht des Statthalters
von Oberösterreich eingefordert.
Juwelendiebe. Aus Prag wird berichtet: Unbe—
kannte Täter sind nachts in das Juwelengeschäft von
Shadky in der Vorstadt Weinberge eingebrochen und
jaben das ganze Warenlager im Werte von vielen 1000
Kronen geraubt.
Riesenbrand. Durch eine verheerende Feuersbrunst
ist in Baltimore ein ganzer Stadtteil abgebrannt. Zahl—
eiche Menschen sind ums Leben gekommen. Der Gesamt
chaden wird auf 300 Mill. Dollars geschätzt. Ausführ
iche Meldungen sind infolge Kabelunterbrechung ausgoe
—n—

Tesegramme.
Gladbeck, 6. Dez. Ein Schwager von Reuß, der im
Besitze eines Sparkassenbuches von mehreren tausend Mark
st und Über dessen rechemäßigen Erwerb er keine Aaskunft
zeben kann, ist verhaftet worden.
Essen, 6. Dez. Auffehen erregt die Verhaftung des Bor⸗
zehers der Kruppschen Konsumvereine, Gustav Dreyer, wegen
ichweren sittlichen Verfehlungen.
Essen, 6. Dez. Hier tagte gestern eine von 1300 Berg⸗
leuten besuchte Bersammlung, die sich mit der den Berg⸗
euten ungünstigen Antwort des Handelsministers in der An⸗
zelegenheit des Zechenarbeitsnachweises beschäftigke. Die
Bergknappen brachten unhellig zum Ausdruck, daß zwischen
Bergleuten und Zechenbesitzern nicht eher Frieden eintreten
önne, bis eine völlige Gleichberechtigung beider Teile einge⸗
reten sein würde, auch koͤnne man kein Vertrauen zur Re—⸗
zierung haben, solange diese mit einer Stellungnahme aufrete,
 wie jetzt bei den Zechenarbeitsnachweisen. Eine zum
Schlusse der Versammluag gefaßte Nesolution trug dieser
Stimmung Rechuung. Es wurde weiter sodaun zum Aus—⸗
druck gebracht, daß die Bergleute, wenn nun auch die Par⸗
lamente, wie es die Regierung getan habe, versagten, auf
eine energische Selbsthilfe angewiesen seien. Notwendig bleibe
aber, um die Gemeinsamkeit einer Attion nicht zu gefährden
daß man auf alle Faͤlle sich den Anordnungen der Fuhrer
der Lroßen Organisationen füne.
Berlin, 6 Dez. Gestern Nachmitlag wurde aus der
Spree der Rumpf einer weiblichen Person gefischt, der Kopf
Arme, Beine und Unterleib fehlten. Die Leiche, die mit
Papierfetzen umwickelt waren, kann 8 bis 14 Tagen im
Wasser gelegen haben. Es handelk sich anscheinend um mit
Bestialität ausgeführten Lustmord. Noch fehlt jeder Anhalt
über die Person der Getöteten, Auf die Ergretfung des
Täters hat die Staatsanwaltschaft 3000 M. Belohnung aus⸗
gesetzt.
Borlin, 6. Tez. Die über Paris durch die ganze Welt
derbreitete Meldung von einem ungeheuren Brande, der halb
Baltimore in Asche gelegt haben soll, erweist sich als eine
sette Ente von echt amerikanischem Umfange. Die direkt in
Newyork eingezogenen Etkundigungen haben ergeben, daß der
kilarmnachricht jede Unterlage fehlt und in Baltimore alles
wohl und munter ist.
Dessau, 4. Dez. Der Herzog von Anhalt ernannte den
Präfidenten Laue⸗Dessau als Nachfolger des jetzigen Ober⸗
praͤsidenten von Schlesien, von Dallwitz, zum herzoglichen
haus⸗ und Staatsminister.
Oedenburg, 6, Dez. Aus Furcht vor Strafe wegen
Mißhandlung von Soldaten hat sich in Gums der Leutnant
kEugen Hodaszy erschossen. s
Gleiwitz, 6. Dez. Ju den letzten Wochen wurden hier
aus der Kaserne des Ulanen-Regiments Rr. 2 von Katzler
zwei Karabiner neuesten Modells von den Gewehrständen auf
dem Flure gestohlen. Durch Regiments⸗ und Korpsbefehl ist
eine besondere Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der zur
derbeischaffang der Karabiner oder Ecrmittelung des Diebet
deitraͤgt.
Berlin, 6. Dez. Der RNeichsrag wird seine
Weihnachtssferien Dienstag, den 17. Dezember veginnen
und am 11. Januar die Verhandlungen wieder auf—
nehmen.
Budapest, 6. Dez. Nachdem die Audten zen We—
terres und Andrassys beim Kaiser wieder teine Lösung
in der ungarischen Krise gebracht haben, erwartet man
in hiesigen politischen Kreisen, daß nun mit dem weite—
ren Verbleiben des Kabinetis Wecerles nicht mehr zu
rechnen ist und die Ernennung eines parlamentarischen
Geschafisministeriums vevorsteht.
Petersburg, 6. Dez. In unterrichteten Kreisen wird
behauptet, die dieise Stolypins und des Finanz- und
riegsministers nach Livadia hänge mit der Lage im
ernen Osten zusammen. Man besjurchtet zwar nicht, daß
Japan triegerische Absichten versolge, Tatsache sei aber,
daß Japan einige Bestimmungen des Friedensvertrages
in tendenziöser Weise zu seinem Vorteil auszulegen suche,
und daß deshalb, sowie zur freundschaftlichen Beilegung
sonstiger Meinungsverschiedenheiten Verhandlungen zwi—
schen Rußland und Japan eingeleitet werden jsollen.
Paris, 6. Dez. Aus Toulon wird gemeldet, der
Thef des Marinegeneralstabes sei zu der Ueberzeugung ge—
langt, daß es unmöglich oder zum mindesten sehr kost
pielig sei, das ehemalige Panzerschiff „Jena“ zu heben.
Der Minisier dürfte infolgedessen den Auftrag erteilen, das
Wrack zu sprengen.
New-York, 4. Dez. Das Staatsdepartement läßt
nerlauten, Zelaya unterhalte Emissäre in Washington,
velche versuchen, die Kongreßmitglieder gegen Taft s
Politik zu beeinflussen. Zelaya beabsichtige zu fliehen, in—⸗
»essen werde die Bundesregierung sich seiner versichern.

weannyhezrm, 4. Dez. Der heftige Weststurm, der
seit zwei Tagen über unserer Gegrnd braust, hat auch in
der Lanzschen Luftschiffhalle auf der Rheinau seine Tücke
zeübt. Der große Vorhang des Einflugtores wurde in
Stücke zerrissen, einer der großen Eckpfseiler geknickt und
onstigen Schaden angerichtet. Das Luftschiff selbst blieb
unversehrt. Im Schloßgarten und Waldvark wurden sehr
mächtige Bäume entwurzelt.
London, 4. Dez. Ein schwerer von Westen kom—
mender Sturm tobt über England, der allenthalben
großen Schaden anrichtete. Die telegraphischen Verdind—
ungen mit dem Kontinent erlitten große Beschädigungen.
Die Telegramme erlitten erhebliche Verzögerungen.
LVondon, 4. Dez. Fortwährend laufen weitere
Nachrichten ein über die Verheerungen, welche der Sturm
angerichtet hat. Ein Passagierdampfer nach der Türkei
ist zweimal aufgelaufen. Die Beiboote eines Panzer—
schiffes und eines Kreuzers wurden vom Sturme losge—
rissen und zertrüummert. Der Torpedobootszerstörer Nr. 66
ist gestrandet. Ein großer Dampier ift hei Glovelsho
aufgelaufsen.
London, 5. Dez. Sämt'liche Kanaldampfer berich—
ten von Gesahr, wie man sie seit Jahren nicht mehr ge—
wohnt war. Ein Dampfer von Ostende brauchte 8 Stun—
den für die Ueberfahrt. Eine Anzahl von Unfällen wur—
den berichtet. Der Dampfer, der zwischen der Insel Illan
und England verkehrt, hat wahrscheinlich Schiffbruch ge—
litten Er hatte 12 Vasaaiere und 20 Mann Beisatzung
An Bord.

Flen⸗burg, 6. Dez. Von 4 Toiprdobooten, die in⸗
solge des Sturmes im Hafen von Husum Schutz suchten,
strandete in der dortigen Außenföhrde das Torpedoboot G.
84. Das Boot sitzt so hoch auf, daß es bei normaler Flut
vom Wasser gar nicht erreicht wird. Die Bergung dürfte
sich sehr schwierig gestalten. Versuche waren bisher vergeblic.
Moskau, 5. Dez. Die Cholera nimmt hier einen epi—
demischen Charakter an. Gestern erkrankten im Nachtaiyl
5—Personen. Ursache der Erktankung ist der Geruß von de—
aturitten Spiritns
            
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