Hoffmann, dem Zeyngevore⸗-Hofsmann, gewahlt worden.
Ungefähr das elbe Simmenverhälinis der Wahlmänner
hatten die Urwahlen schon im Vorjahr ergeben. Auch da—
mals hatten die bürgerlichen Parteien zusammen eine kleine
Mehrheit. Bei der Wahl der Abgeordneten aber blieben
eine Anzahl bürgerlicher Wahlmänner fern, und zwar wie
es allgemein hieß, zum Teil infolge sozialdemokratischer
Einschuchterung. Eine solche hat diesmal nicht stattgefun—
den oder nicht wie früher gewirkt, denn es haben nur
neun bürgerliche Wahlmänner gefehlt. Als Symptom für
einen Umschwung in der Wählerschast läßt sich diese Wahl
nicht verwerten, zumal ja in den drei andern Berliner
Wahllteisen die früheren sozialdemokratischen Mandatsin—
haber mit starker Mehrheit gewählt worden sind. Im 5.
Bezirk erhielten Borgmann (Soz.) 318, Schöler (freis.)
203 Stimmen, im 6. Bezirk Heymann (Soz.) 403, Max
Schulz (freis.) 284 Stimmen, im 7. Bezirk Hirsch (Soz.)
393, Goldschmidt (freis.) 253 Stimmen. Als das Resul—
tat im 12. Wahlkreise verkündet wurde, brachen die So—
zialdemokraten in Pfuirufe aus, brachten Hochs auf Hoff—
mann aus und verließen unter Gesang der Arbeitermar⸗
seillaise den Saal.
Frankreich.
*Der auf Frankreich bezügliche Satz der deut—
schen Thronrede wird in Paris als erfreuliche Bestä—
tigung der in Pichons jüngster Kammerrede betonten
Fortdauer des guten Einvernehmens zwischen Deutschland
und Frankreich in der Marotto-Sache betrachtet. Beson
deten Wert legt man, wie der „Temps“ hervorhebt, dar
auf, daß des Marokko-Paktes in der Thronrede noch vor
dem Dreibund gedacht wird. Das Fehlen eines besonde—
ren, das Verhältnis Deutschlands zu England charatkteri—
sierenden Satzes sucht man damit zu erklären, daß ge—
wisse deutsch⸗englische Verhandlungen noch nicht spruchrei
sind, und daß man deutscherseits alles vermeiden wolle,
was geeignet sei, die Entschließungen des mit allerlei
Schwierigkeiten kämpfenden englischen Kabinetts irgendwie
zu beeinflussen
England. *
*Das Kabinett Asquith fand sich zu einer Beratung
usammen, zur Festsetzung der Politik des Ministeriums
ind des Textes der Thronrede, die der Premier fo—
sort nach der Entschetdung des Oberhauses dem Köntg
vorlegen wird. Es wird angenommen, daß man die
Session am Freitag schließen wird. Die neue Session, die
nur zur Auflösung des Parlaments bestimmt wäre, dürfte
gegen den 10. Januar einberusen werden, so daß das
neugewählte Haus, da zwischen den zwei Parlamenten
mindestens 35 Tage liegen müssen Mitte Februar seine
Arbeiten beginnen kann.
* Der Antraga Lansdowne anf Ablehn—
ung des Budgets wurde im Oberhause mit 275
Stimmen Majorität angenommen.
Japan.
* Das in militärischen Fragen gut unterrichtete Peters—
burger Vlatt „Swiet“ bringt einen bemerkenswerten Arti
kel, worin erklärt wird, daß die beunruhigenden Gerüchte
über kriegerische Pläne Japans in Ostasien eine
immer bestimmtere Form annehmen. Der Generalgouver
neur des Küstengebietes, Unterberger, berichtet über ener
gische Rüstungen der Japaner. Japanische Staatsangehö
rige liquidieren ihre Geschäfte und kehren in Massen nach
Japan zurück. In Petersburg sei die Lage in Ostasien
Gegenstand von Beratungen hober Würdenträger ge—
wesen.
Ein politisches Duell.
Petersburg, 1. Dez. Bei einem Duell zwi—
schen Gutsschko w und dem Grafen Uwaromw erhielt
letzterer einen Schuß durch die rechte Lunge.« Gutschtom
wurde nicht verletzt.
Die Vorgeschichte dieses Duells ist kurz folgende:
Graf Uwaromw haätte in einer Unterredung mit dem
Ministerpräsidenten Stolypin vor einigen Tagen von
diesem die Aeußerung empfangen, daß die Okttobri—
steenn nicht Politster, sondern „Politikaster“ seien, und die—
ses Urteil Stoiypens dann in einem russischen Blatte ver—
öffentlicht. Hierauf hatte Gutschkow als Führer der
Oktoristen den Minisierpräsidenten zur Rede gestellt. Ue
ber diese Aussprache war jedoch nichts in die Oeffentlich
teit gedrungen. Einige Tage später aber erklärte Gutsch
kow im Reichsdumagebäude vor Zeugen dem Grafen Uwa
row wörtlich: „Graf, der Ministerpräsident hat mich be
auftragt, Ihnen zu sagen, daß Ihre Wiedergabe seinern
Worte eine freche Lüge sei.“ Als darauf Graf Uwaron
schriftlich den Minislerpräsidenten um ein Aufklärung über
dieses Vorgehen Gutschkows bat, ließ ihm Herr Stolypin
—W
terview und das damit verbundene indirekte Dement
des Ministerpräsidenten, wie es in der Zeitung wiederge—
geben war, für eine Unwaährheit erklärt habe. Aus diesen
Worten ergab sich also, daß Gutschlow in durchaus ei
genmächtiger Weise gegen den Grafen Uwarow vorgegan—
gen war. Zugle'ch aber zeigte sich, daß der Ministerprä—
sident durchaus nicht bereit war, die Verantwortung für
— ß2 — ARSWü——— —“—»—»«⏑ —⏑‘‘ æ8æ—2æE—æcæwü———æ
7 15
Die CEhristhume.
Erzählung von C. Burger.
Nachdrud verboten.
„Und doch ist es besser, ich erzähle ës Ihnen. Haber
Sie Ihr Versprechen, meine Lebensgeschichte anzuhören
denn vergessen?“
„Nein, im Gegenteil, ich möchte sie gern hören!“
„Settdem ich weiß, daß Ihr Bruder drüben in Ame—
cika ist, will mir der Gedanke nicht aus dem Sinn, ob er
nir vielleicht helfen tann. Sie sagen, er ist in Kolumbia.
Isft em etwa in der Umgegend von Vancouver?“
„Dort landete er. Er muß von dort etwa drei bis
rier Tagereisen im Innern des Landes sein. Winr richten
seine Briese nach Saratonta, im dortigen Farmhaufe hat
er sich aufgehalten. Aber er schreibt so selten; wir wissen
aicht, ob er noch dort ist.“
„Glauben Sie, daß er — dort — Nachforschungen für
mih anstellen könnte?“ Der Graf brachte nur zögernd
ind mit sichtlicher Anstrengung diese Worte hervor.
,Das würde er ganz bestimmt, wenn —“
„Sie müssen erst alles wissen,“ unterbrach sie der Graf.
Vor ewa zwanzig Jahren reiste ich nach Vancouver, um
ort mein Glüd zu machen, und fand — eine Gattin.“
Helene blickte erstaunt und fragend aufp.
„Vleine Vaura ist schon seit vielen Jahren tot,“ fuhr
»er Graf sort, „ich liebte sie leidenschaftlich; sie war ein
Engel, und ich war threr nicht würdig. Die Jahre ver—
zingen, das wenige Geld, das ich mitgenommen hatte, war
ärigsi verzehrt, wit drangen immer neser in das Land
hinein, und durch meiner Hände Arbeit mußte ich das
veben meiner Frau und meiner beiden kleinen Mädcher
rtsten
Der Graf seufzte.
42
21011
Dann fuhr er io00
zch eirnen o
21974
414*
zn
die von iym dem Grafen Uwarow gegenuver gesproche
ien Worie zu überneemen. Graf Uwarow hat daraus—
chriftlich nochmals den Ministerpräsidenten auf diese ihm
zugefügte Beleidigung aufmerksam gemacht und zugleich
zede Beziehung zu diesem abgebrochen.
Das in Petersburg stattgefundene Duell ist lediglich
eine traurige Folge dieser Affäre, in der sowohl der Mi
nisterpräsident wie auch Gutschkow keine tadellose Rolle
gespielt haben, denn an der Richtigkeit der Worte des
GBrafen Uwarow braucht man bei der anerkannten Lau—
terkeit seines Charakters nicht zu zweifeln.
Sollte Graf Uwarow seiner Verwundung erliegen, so
wäre das für das parlamentarische Leben Rußlands ein
ichwerer Verlust, denn seine hervorragende Intelligenz
die ihn allerdings seine eigenen Wege führte, sodaß er
ich vor einiger Zeit von der Oktobristenpartei losgelös
zatte, hat sich in manchen Reden in der Reichsduma of
enbart.
— öôtä AqCGGÊ)GGÓÚe4lfs
Hof und Geiellschaft.
** Die Uebverfuhrung der Leiche des Her—
ogs Karl Theodor von Bad treuth nach der Schloß
irche in Tegernsee findet in der Nacht vom Donnerstag
zum Freitag in aller Stille statt. Die Beise zung erfolg—
Freitag vormittag 11 Uhr.
Deutscher Reidestag
2. Sitzung. Mittag 1 Uhr.
Berlin, 1. Dezbr.
Auf der Tagesordnung steht die
Wahl der Präsidenten und Schriftführer.
Den Vorsitz führt der bisherige erste Vizepräsident Dr
Paasche.
Bei der Wahl des Präsidenten wurden 364 Zetter
abgegeben, von deuen 96 unbeschrieben waren, die von
den Nationaltiberalen und Freisinnigen stammen. 260
Stimmen entfielen auf den Grafen Stolberg (kons.), der
demnach als Präsident gewählt wurde. Graj
Stolberg nimmt die Wahl an und übernimmt das
Präsidium. Die Wahl des 1. Vizepräsidenten
ergibt für Dr. Spahn (Zentrum) 246 Stimmen, der
somit gewählt ist. Dr. Spahn nimmt die Wahl an
Bei der Wahl des 2. Vizepräsidenten wurden
351 Stimmzettel abgegeben, davon 118 unbeschrieben
Auf den Namen des Abg. Paasche lauten 221 Stim—
men, außerdem sind 12 zersplittert. Auf Befragen sei—
tens des Präsidenten, Grafen Stolberg, erklärt der Abg.
Paasche, daß er im Einverständnis mit seinen politischen
Freunden zu ertlären habe, daß er die Wahlablehne.
Beifall links.)
Abg. Normann (lons.): Ich schlage vor, die Wahl
des zweiten Vizepräsidenten auf übermorgen zu ver
agen, dagegen in der Wahl der Schriftsührer fortzufahren
Ueber den Antrag Normann entsteht eine Geschäfts
ordnungs-⸗Debatte, da von seten Singer (soz.) Wi
derspruch erhoden wurde.
Abg. Müller-Peiningen Uufss. V.) hebt hervor,
daß nach der Ge'schästsordnung die Wahl der Schrisftfüh—
rer derjenigen der Präsidenten zu folgen habe. Die An—
nahme des Antrages Normann verstoße also gegen die
Geschäftsordnung.
Abg. Basssermann (natl.) tritt dieser Auffassung
bei und erklärt sich gegen den Antrag.
Die Abgg. Gröber (Ztr.) und Dietrich (kons.)
treten für den Antrag Normann ein.
Es wird schließlich über den Antrag Normann abge—
stimmt, und zwar auf Verlangen der Linken namentlich
Der erste Teil des Antrages (Vertagung der Wah—
des zweiten Vizepräsidenten auf übermorgen) wird dar—
auf mit 220 gegen 90 Stimmen bei 42 Enthaltengen an—
genommen.
Präsident Graf Stolberg: Der zweite Teil des
Antrages Normann, jetzt zur Schriftführerwahl zu schrei—
ten, ist zurückgezogen worden (Heiterkeit links und Rufe
Aha!) Also müssen wir uns jetzt vertagen, meine Her—
ren. Die nächste Sitzung schlage ich vor, Freitag 1 Uhr
abzuhalten, und zwar mit der Tagesordnung: Wahl des
zweiten Vizepräsidenten und der Schriftführer, sowie die
erste Beratung des Handelsprovisoriums mit
England.
Widersoruch gegen diesen Vorschlag wurde nicht er—
hoben. — Schluß 44 Uhr.
Nächfie Sitzung: Freitag 1 Uhr
— — —
Humoristische Ecke.
*Wucherers Söhnchen. „... Wenn ich Dei—
nem Vater 500 Mark geborgt hätte, unter der Beding—
ung, daß er jährlich 75 Mark davon zurückbezahlen müß—
e, wie viel würde er mir dann nach Verlauf von drei
Jahren noch schulden?“ — „5600 Mark!“ — „Falsch, meil
Zungel — „Aber, Herr Lehrer, ich kenn' doch meine
VBater
geworden sei, denn bisher trug er wie ich den einfachen
Namen: Arthur Nobel. WMein Vater war ein harter, stren⸗
zer Mann, der mich an spartanischen Gehorsam gewöhnt
hatte, und den ich daher mehr fürchtete als liebte. Er
schrieb mir ferner, daß ein Gerücht von meiner Verheira—
tung zu ihm gedrungen sei, und daß, falls dieses Gerücht
auf Wahrheit beruhe, er mich nicht allein enterben, sondern
auuch nicht mehr als Sohn anettennen werde.“
Helene schien seine Gedanken zu erraten.
„Verließen Sie Ihre Gattin?“ fragte sie schaudernd.
„Nein, wenigstens nicht sogleich, doch verschwieg ich
hr den Inhalt des Brieses. Ich wußte selbst keinen Rat
und schlug ihr vor, mich eine Zeit lang von ihr zu trennen,
um mir in einer anderen Gegend eine gesicherte Stellung
zu versae Veine arme, gute Laura willigte ein; sie
tat alles, ich wünschte. — Dann schrieb ich meinem
Vater, verschwieg ihm meine Verheiratung und zeigte ihm
neine Rucktehr an. — Meine Gattin, metine Kinder hatte
ich nun verlassen, aber dennoch mochte ich von dem Vande
nicht scheiden, worin sie weilten. Ich blieb noch ein gan—
zes Jahr, hielt mich in verschiedenen Gegenden auf, bis
ich den strengen Befehl zur sofortigen Ruckteht von meinem
Vater erhielt. Ich mußte gehorchen, wenn nicht die Schale
ieines Zornes über mich ausgeschüttet werden sollte, und
ich gehorchte!“
Helene sah den Erzähler mit finsteren Blicken an.
„Kehrten Sie m die Heimat zurück chne Abschied von
Weib und Kindern?“ fragte sie tonlos. „Lebten Sie dort
in Glanz und Ueberfluß, ohne der Not der Ihrigen zu ge—
denken?“
Graf Erlaus Haupt sankd tief herab.
„Es gibt keine Entschuldigung für mich,“ stöhnte er
es müßte denn die Strenge meines Vaters sein, die mir
ie Worte in der Kehle erstickte. Ich durfte nicht mehr vor
Aner Seitte meichen feine Reis- unternehmen sonst ron—
Vermischtes.
Die Schätze Abdul Hamids. Seit Monaten ist
ine türkische Stiaatskommission, der auch ein Pariser
Bankier angehört, damit beschäftigt, die im Palaste des
Ersultans Abdul Hamid gefundenen Schmuckgegenstände
abzuschätzen. Wie verlautet, wird die Kommission mit
ihrer langwierigen Arbeit demnächst fertig sein, und wird
dann in Paris die öffentliche Versteigerung der letzten
Schätze des Gefangenen von Salonti vor sich gehen. Bis—
her ließen die Jungtürken für ihn noch einige Rücksich
walten, solange sie damit rechneten, daß er die in aus
.M
die türkische Staatskommission bei der Abschätzung.
ändischen Banken hinierlesten Depots freiwiklig den neuen
Vachthabern abliesern und die noch verborgenen Wert—
zegenstände angeben würde. Diese Rücksicht scheint jetzt
zu sallen, wie die Nachricht beweist, daß um die Villa
Allatini, wo der Eisultan beklanntlich a!s Gefangener lebt,
eine hohe Mauer aufgeführt wurde, welche die Abge⸗
chlossenhe t des einst so gejürchteten Herrschers noch er—
„öht. Die über Abdul Hamsds Vermögen verhängte Kon—
iskaion hat den jetzigen Herren der Türkei schon genü—
gende Mittel geliefert, um die Kosten der dringendsten Re—
sormen des neuen Regiments zu decken; der Verkauf der
Juwelenschätze wird der Staatskasse weitere bedeutende
SZummen zu bhren.
O„T— —--I-Verkehrsnuachrichten
O Die deutschen Posteinrichtungen sind in letzter
zeit wieder von zahlreichen ausländischen Postbeamten
„um Gegenstand eingesenden Studiunmis gemacht worden.
Sin Regierungsrat im japanischen Verlehrsministerium un
terri htete sich beim Reichspostamt und bei der Oberpost
direküon in Berlin über die Organisation der Verwalt—
ing und bei den Postämtern in Berlin, Leipzig, Franturt-Main
und Kelu über ven Betriebsdienst, über die
Abwicklung des Zeitungsverlehrs mit dem Auslande ꝛc.
Sr begleitete auch mehrere Bahnposten. — Die niederlän—
dische Postverwaltung entjandte vier Beamte, von denen
zwei den Austrag hatten, das Rechnungswesen und haupt—
ächlich die Aufstellung des Etats zu studieren, während
die beiden anderen — darunter der Vorsteher des Post—
amts in Rotterdam — Düsseldorf desuchten, um von den
Personalveryältnissen und der Geschäfisleitung der Oberx—
postdireltion Kenntnis zu nehmen. Gleichzeitig besichtigten
sie die betriebstechnischen Einrichtungen der Hauptpostäͤm—
ter daselbst. — Der Generalin peltor der nmiederländisch—
indischen Postverwaltung verweilte längere Zeu in Ber—
lin, um verschiedene Post-Dienstzweige und ⸗Einrichtungen
in Auzenschein zu nehmen. — Der dänische Generalposi
inspeltor besuchte Berlin, Dresden, Leipzig, Köln, Ham—
burg und Frankfurt-Main, um einen Einblick in die Or—
Janisation der deutschen Postverwaltung zu gewinnen. —
Von einer schwedischen Postkommission studierte ein Be—
amter das Rechnungswesen und den Bahnposddienst, u. a.
auf den Strecken Berlin-Frankfurt (Oder), Berlin-Dresden
und Dresden-Bodenbach, ein anderer die letzten Neuerun—
gen im Posidienst — Automaten, Krastwagen, Stempelmaschinen
2c. — und die Behandlung der Auslandsend—
ungen, während ein dritter sich mit dem internationalen
Abrechnungswesen, besonders über Postanweisungen und
Postpakete, vertraut machte. — Ein Postbeamter aus Glas—
zow besichtigte das Postamt 1 in Hamburg. — Vier Be—
amte der Generaldirektion und der Posidirektion in Buda—
pest besuchten verschedene Postämter mit lebhaftem Durch—
gangsverlehr in Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt—
Nain. — Zwei Mitglieder der Generaldirett'on der Würt,
embergischen Posten und Telegraphen unterrichteten sich
uüber die Paket-Postanlagen in Dresden, Lespzig und in
dannover
„Und dann, was taten Sie nach dem Tode Ihres Va—
ters?“ fragte Helene in banger Erwartung, ohne auf die
letzte Bemerkung einzugehen. Ven dem Augenblid an,
da Ihr Vater tot war, waren Sie Ihr eigener Herr, nah
men Sie sich jetzt Ihrer unglücklichen, perlassenen Famili—
an?“
„Allerdings. Ich reiste sofort nach Vancouver und er—
suhr dort, was sich in den Jahren meiner Abwesenhett zu⸗
getragen hatte. Meine Frau hatte mir folgen wollen, doch
anbemittelt, wie sie war, hatte sie sich mühsam his nach
Saratonta geschleppt und war gerade in der Weihnachts,
iacht im Walde gestorben. 8wei wohlhabende Farmer hat—
ten die Kinder angenommen, das war alles, was ich er—
ahren konnte. Ich wagte nicht, sie aufzusuchen; sie mußten
gelernt haben, einen Vater zu verachten, der sie schonungs⸗
los dem Elend überlassen hatte und an dem Tode der Mut—
ter Schuld trug.“
Helene sah ihm voll ins Antlitz.
„Ste konnten nicht mehr gtücklich sein,“ flüsterte sie gedankenvoll,
selbst das reiche Erbe konnte Ihnen das ver—
lorene Glück nicht ersetzen.“
„Site haben Recht, Helene. Sett jenem Tage, da ich
oon meiner Gattin und von meinen Kindern Abschied
aahm, haben die heftigsten Gewissensbisse mich gefoltert.
Ich glaube selbst, daß der tiefse Seelenschmerz deutlich in
meinen Zügen ausgeprägt ist, denn meine Freunde ziehen
ich scheu vor mir zuruch, und ich mochte niemandem meine
Lebensgeschichte anvertrauen, bis ich Sie kennen lernte.“
„Ich hatte mir noch im Herbst die Zutunft so rosig
ausgemalt,“ fuhr der Graf ainnend fort, „und hatte gehofft,
wir könnten beide nach Amerika reisen, um meine Kinder
zu suchen und so nach Kräften gut zu machen, was ich
so schwer gefehlt und verbrochen habe. Ach, es war
in Traum! Ich kannt Ibhr ——