CSuftschifsahrt. —
*BleriotEindecker in Wainz. Das Fest
ungsgouvernement von Mainz hat dem betkannten Frank
furter Sportsmann Franz Verheyen die Erlaub
nis erteilt, mit seinem Blerio Eindecker Flug
versuche auf dem Großen Sand zu unternehmen. Ver
heyen hat sich dafür verpflichten müssen, die Offiziere der
Mainzer Garnison, wie auch solche von auswärtigen Trup
penteilen nach Mögichleit in der Flugtechnit zu unter
weisen. Die ersten Flugversuche Verheyens werden bin
nen kurzem erfolgen.
*Luftschifflinien. Mit Freuden wäre es zu
begrüßen, wenn sich eine Meldung bestätigte, die die „B
3. a. M.“ bringt. Es heißt da:
„Zwischen Direktor Cousman von der Deut
schen vVuftschifsgesellschaft, die die Einrichtung von Luft
schifslinien fuür Zeppelinsballons verwirtlichen will, und
Hauptmann von Kehler, dem ersten Geschäsftsfüh
ret der Berliner Molorluftschiff⸗Sudiengesellschaft, ha
kürzlich in Berlin eine Rücksprache stattgefunden, wo
nach es nicht ausgeschlossen ist, daß die beiden Geserl
schaften ihre Juteressen in gewissem Sinne vereinigen
Zurzeit schweben zwischen Berlin und Friedrichshaten
Verhandlungen, die eine konkrete Gestaluung der Teit
nehmer beider Bailonarten, des starren und des un
starren Systems, an der Ausgestaltung der deut'chen
Luftschifflinien bezwecken. Auf den Ausgang der Ver
handlungen, die wohl aus der sachgemäßen Ueverleg
ung resultieren, daß zwei so verschiedene Ballontype
sich ausgezeichnet ergänzen und am ehesten einen mög
lichst regelmäßigen Vin senberrieb vei verschiedenster Wei
terlage gewährleisten, kann man füglich gespannt sein.“
Die Gegensfätze, die eine Zeitlang zwischen dem starren
und unstarren System vestanden und auch zu recht pen—
lichen Kontroversen in der Presse geführt haben — man
erinnere sich nur an die letzten kritischen Verössentlichun
gen des Majors Parseval — scheinen also überbrückt wor
den zu sein, was dem Fortschritt der deutschen Luftschiff
fahrt nur dienlich sein kann.
*,Parseval 3.“ Es wird bestätigt, daß „Parse⸗
val 32, der bei den letzten Kölner Luftschiffmandvern gut
abgeschnitten hat, m Reich übernommen wer—
den wird. Der Ballon beßtzt bekanntlich eine Eigenge—
schwindigkeit von 14 bis 15 Meter. Bis zur de initiven
Abnahme durch die Militärverwaltung bleibt „P. 3“ in
Bitterseld
Arbeiterbewegung.
— Buchdruckerstreik. Die Buchd ruchereihilfs
arbeiter in Dresden sind in eine Lohnvewegung
eingetreten. — —
Kunst und Wissenschaft.
Photographien aus der Vogelschau. Wie der
„Matin“ berichtet, hat ein Franzose namens Sacommey
ein sehr einfaches Verfahren ersonnen, um Photographien
aus der Vogelschau aufzunehmen; er sendet mitielft zweier
Flugdrachen, etwa in der Art. wie man Flaggen hißt,
einen photographischen Apparat in etwa 200 bis 300 Me—
ter Höhe und läßt denselben nach vollführter Aufnahme
wieder zu Boden gleiten.
PZum Kampfe gegen die Tuberkulose. Den vie—
len Meldungen der leßten Zeit, die von Auffindung neuer
Mittel gegen die Tubertulose berichteten, gesellt sich jett
eine weitere hinzu. Dem „Lok.Anz.“ zufolge will Proi.
Vallee an der Tierarzneischule von Alfort bei Paris eine
neue Behandlungsmethode bei Tuberkulose mittels eine
Terums entdeckt haben. Diese Methode besteht darin, daß
Pferde mit Einspritzungen von scharf gifligen Präpara
ten lebender Tuberkelbazillen während mehr als zwei
Jahren völlig immunisiert werden. Das den Pferden
abgezapfte Serum siellt, wie verschiedene Impiversuche an
Tieren dartun, bis zu einem gewissen Grade ein Heit⸗
mittel gegen die Tuberkulose dar. Versuche an Menschen
sind bisher mit diesem neuen Serum noch nicht gemacht
worden. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Max Wolff, der
betannte Leiter der Berliner Universitätsklinik für Lun
gentranke, teilt zu der Erfindung mit: „Ich würde nich.
dazu raten, Versuche mit derartigen Präparaten auf den
Menschen auszudehnen, ohne daß eine außerordentlich
große Reihe von absolut einwandireien Tierexperimenten
borlieat“
— — —
WBermisites.
Der „B. 2“ als Ursache eines Wahlprotestes.
Aus Aachen wird der „Fr. Zig.“ berichtet: Hier fand
am Tage der Antunft des „8. 2“ die Wahl von Stadt—
verordneten statt. Als das Lujtschiff eintraf, enttsernten ch
ein Wahlvorsteher und mehrere Beisitzer aus dem Wah.
lokal, um das zum ersten Male erscheinende Luitschiff zu
betrachten. Da innerhalb dieser Zeit der Wahlakt unter—
brochen wurde und der Zentrumskandidat nur mit sieben
Stimmen Mehrheit über den Gegenkandidaten siegte, soln
wie es heißt, die Gültigkeit der Wahl angefochten werden
Die Ehrisiblume.
Erzählung ron C. Burger.
Nachdrud verboten.
„Böse Hexel“ brauste der junge Mann auf, „ist das der
Dank, daß ich meilenweit mit Dir diesen Weg gemacht
habe, nur allein um Dir gefällig zu sein?“
„Nicht um mir gefällig zu sein,“ widersprach sie er⸗
zürnt. „Du weißt recht gut, daß ich lieber allein reite.“
Michael wandte sich an Saarfeld.
„Sie müssen dech zugeben,“ sagte er lächelnd, „daß eine
junge Dame nicht allein und schutzlos einen so weiten Ritt
durch unwirtbare Wälder machen darf.“
Ich bin keine junge Dame,“ versetzte die gereizte Ama—
zone, „daran erinnerst Du mich doch täglich und stündlich,
Michael, wie kannst Du es nur vergessen? Ich bin nur ein
armes Findelkind, das die Güte und Barmherzigkeit Dei—
nes Onlels angenommen hat — das Kind eines elenden
Vagabunden und einer Landstretcherin! Erzählst Du nicht
täglich mir, und bei Gelegenheit jedem Fremden mit die⸗
sen Worten meine Familienzeschichte?“
Purpurglut ergoß sich über Michaels Antlitz.
„Was mülssen unsere Freunde von Dir denken?“ flüsterte
er ihr beschwichtigend ins Ohr. „Aber wir dürfen keinen
weiteren Augenblid verlieren, wenn wir den Onkel nicht
mit dem Mittagessen warten lassen wollten Darum, wenn
Du Deine Lage hinreichend geschildert hast, so wollen wir
uns verabschieden“
Wie ein flüchtiger Sonnenstrahl glitt ein anmutiges
Lächeln über das Antlitz des jungen Mädchens; man hätte
nicht glauben sollen, daß diese schelmisch lächelnden Lip—
pen noch vor wenigen Setunden so harte Worte hervorbrin⸗
gen konnten. ——
„Ich muß zu meinem lieben Vater zurück,“ sagte sie
mtt herzgewinnender Freundlichteit, die ihr so wohl an—
stand, „er wird mich gewiß schon vermissen. Wenn er nicht
in letzter Zeit so alt und hinfällig geworden wäre, so
Pyürde or fie gewie bösuichen“ qghöor or haf mich beoitrenat
Der weise Seneca und die „Antilärmbewegung“.
Auch in alter Zeit wurde — so schreibt man der
Tägl. Rodsch.“ — der Haus- und Stadtiärm schon als
rufreibend empfunden. Ein Brief Senecas erzählt da—
»on. Seneca vermutet, Lucilius werde ihn für eisern
»der für taub halten, da er nicht durch den Lärm, den
er schildern will, verrückt werde. Welcher Art war nun
der Haus⸗ und Stadtlärm einer Großstadt, durch die noch
ein nach Beute gieriges Automobil mit Gebrüll rasend
dahinfuhr, und in der noch kein Grammophon unerwünsch
vesänge hinausschmetterte? Seneca wohnte über einen
ßade und mußte zuhören, wenn Kraftmenschen ihre Ueb
ingen machten, wenn die Hand des Salbers, der sein
zeschäft in der gemeinsten Weise betrieb, auf die Schulter
latschte, wenn des Spielers Ball rasselte und der seine
Zallschläge zählte. Dann hörte er plötzlich Zanken und
Beschrei, denn ein Dieb war abgefaßt. Badende sangen
»as Hineinspringen in das Bassin verursachte ein gewal—
iges Geplätscher. Der Haarausrupfer bot sich mit Ge—
chrei an, bis er einen rupfen konnte, wobei dann dieser
chrie. Durch verschiedene Ruse, jeder mit eigentümlichem
Tonfall, boten Kuchen- und Wurst⸗ und Brothändler ihre
Varen an. Endlich gab noch ein Rudermeister mit sedr
auher Stimme den Ruderern den Takt an. Ein Flöten.
»läser übte. Karren fuhren hin und her, ein Schmied
ind auch ein Säger arbeiteten in nächster Nähe. Seneca
interscheidet, wie wohl jeder, der schon unter Lärm ge
itten hat, zwischen den gleichmäßig fortdauernden Töner
ind den zuweilen unterbrochenen und darum unangeneh
neren, zwischen der größeren Störung durch Stimmen
edender Leute und der geringeren durch gewöhnlichen
rärm. Und dieses Ge'schrei und Getöse, den ganzen ge—
childerten Lärm hat der stoische Weise aufzesucht, um sich
im Ertragen dieses Uebels zu erproben und zu üben. Es
zelingt ihm, indem er seinen Geist nötigt, auf sich selbf!
acht zu geben und sich durch nichts, was von außen
ommt, abziehen zu lassen. Es gelingt ihm in dem
Maße, daß er seinen Brief beginnt: Süille ist doch wahr—
üch zum Studieren nicht so nötig, als man gewöhnlick
denlt. Seine Meinung ist: auch tiefste äußere Stille gib—
dem keine Ruhe, in dem Leidenschaften toben, oder den
das Gewissen quält. Ist man in Wirklichkeit beruhig
ind verachtet den Schein, so wird man durch nichts zer
treut und in seinen guten, festen Gedanken unterbrochen
Doch handelt Seneca trotzdem nach der an anderer Sielle
zeäußerten Ansicht, daß sich die Weisheit nicht durchau⸗
im Aufsuchen oder Herbeiführen der Uebel zeigen muß,
»der beim Ertragen und Ueberwinden unvermeidlicher Ue—
del oder beim Befreien davon durch den Tod. Und da
er zugeben muß, daß es doch angenehmer ist, keinen Lärm
zu hören, ruft er: „Genug der Qual! Ich ziehe fort
von hier.“
Ein „Weltreisender“. Die Königliche Polizeidirek—
ion in Dresden erläßt folgende Bekanntmachung: „Nach
zjierher gelangter Mitteilung beabsichtigt der sogenannte
Weltreisende Emil Pohlig aus Solingen demnächst in
Dresden öffentliche Vorträge über seine Ereignisse und
Abenteuer zu halten. In seiner Ankündigung behauptet
er, in den Jahren 1897 bis 1903 zu Fuß um die Erde
dewandert zu sein. Dies beruht auf Unwahrheit. Er ist
ielmehr in dieser Zeit rund 34 Jahbre lang in deut—
chen Strafanstalten untergebracht gewesen. Vor dem
Besuche dieser Vorträge warnt die Polizei nachdrücklich.“
Eine komplizierte Sprache ist das in Wales ge
prochene kelti ssche Idiom. Ein englischer Journalist
herichtete jüngst, wie die Münch. N. N. schreiben, dies
leine Zwiegespräch mit einer Schäferin: Schönes Kind
wem gehören deine Schafe? — Gorouwy Cadvaladz. —
Wo wohnt dein Herr? — In Trergeikrawylltion — Wo
lieagt denn das? — Bei Llanerchvmeddimondo. Der Wegqg
führt über Llanfairmatvafarneithaf und Charel Caebrai
hucain oder über Llangelhaiarn Dort wohnt mein Bru—
der, der Mesner der Pfarrei Llanfairvw'lawynavyll. —
WPas Wunder. daß schon Zulian der Avostat diese alt—
ehrwürdige Sprache ein „Rabengekrächz“ genannt hat!
Vom VWesuvs. Ueber den Ausbruch des Vinkans vor
Tenerifa schickt der Mitarbeiter des „Daisy Telegraph“
der das Lavafeld persönlich besichtigte, von Santa Cru
de Teneriffe einen interessanten Bericht. Danach fließ
die Lava jetzt noch in drei verschiedenen Richtungen in
zroßen Strömen den Berg herunter. zwei der Ströme ha
den die Richtung aufi Santiago und der driste geht ir
ver Rihtung auf Jcod. NRuf den Seiten des Berges selbsr
ind nicht weniger als vier neue Krater entifanden. Aus
dentelhen schlagen die Flammen boch empor, und die
Lang ftiekt in gewaltigen Mengen aus den Kraiern her
rus, es scheint. daß der Lavastrom an Stärke noch im
ner zunimmt und als der Mitarbeiter das Lavafeld be
btigte. bedeckte dasselbe schon eine Fläche von über vier
NQuadratmeisen. Der größte der Lavaströme hat eine
Rreite von üher 600 Schritt während die beiden anderen
e ungefähr 400 Schritt breit sird. Die aroßen Plania
zen von Bananen Tomaten und Kartoffeln sind bei—
»ghe ganz vernichtet Auf dem nördlichen Teit der Insel
urnr die Vanik unter den Einwohnern groß. und der
NRütarbeiter saagt 225 8 aanze in Gefahr hefindliche Ge
Ihnen zu sagen, daßz Sie und In Freund jederzeit in
Waldbrunn willkommen sind;“ dann gab zie mit graziöser
Naͤtürlichteit den Herren die Hand und sprengte an der
Seite ihres Begleiters davon.
Eine Zeit lang herrschte tiefes Echweigen, dann fragte
Michael im sarkastischen Tone. x
„Was hältst Du von den beiden Leuten?“
„Es sind die einzigen seingebildeten jungen Herren, die
ich in meinem Leben kennen lernte,“ gab die Gefragte mit
einem spöttischen Seitenblick auf ihren Begleiter zurüd.
„Hoho!“ rief Michael beleidigt; „willst Du Dich zum
Richter über uns aufwersen? Du dentst wohl gar nicht an
leichtert, as Versprechen gebe ich Ihnen gern— — Sagen
den PMann, der Dich aus dem Elend emporgezogen und
dann mit Lurus überschüttet hat!“
„Wenn Du meinen lieben, guten Vater meinst, ohl der
ist der edelste, beste Mann auf dem ganzen Erdentreis,
aber er ist nicht jung, und ich sprach nur von fungen
Herren.“
„Ich bin auch noch jung, ich war kaum zweiundzwan⸗
zig Jahre alt, als ich vor sechs Jahren Europa verließ,“
versetzte Michgel schneidend, „und meine Schwester Martha
cam im vorigen Jahre allein um Deinetwillen nach Ame—
rila herüber, aber Du erlennst die Großmut nicht an“
3. Fortsetzung.
„Unnütz dargebrachte Opfer werden selten anerkannt;
niemand hat in Waldbrunn nach Martha verlangt; ausge—
nommen Du allein.“
„Du bedentst Deine Worte nicht,“ rief Michael von
neuem gereizt. „Du siehst nicht ein, was gut für Dich ist,
sonst müßtest Du wissen, daß ein junges Mädchen nicht
allein mit einem Manne wohnen kann, der nicht einmal
mit ihr verwandt ist.“
„Oh!“ lächelte Vally gedehnt, „Herr Richter ist mir
nehr wie ein Verwaäandter; er ist mir seit langen Jahrer
in lieberoller, treuetr Vater; wenn Tu aber Dich selbf
ofrist — mir bprarethhen ig t otnmal itt einarto—
aAnde nnernatb wentger Stunden vollständig verlane;
var Hunderte von Familien sind in Tenerifkfa angekom
nen alle aus den gefährdeten Plätten Auf dem Bere
zermeser haben sich auch neue Krater gebilde Das
in Vulkan. den man seit langer Zeit iür ausgestorbe;
ielt. da seit dem Jahre 1705 kein Ausbruch vorgekom
nen war. Gewaltige Mengen Lava sind in die benach
arten Taler geflossen, und einige derselben gleichen La
raseen Es ist sicher, dak der materielle Schaden gro
werden wird und daß es sange Jahre dauern wird be
die Insel sich von diesem Unalück wird erholen können
Aus aller XWelt.
Das große Vos gezogen. In der Donnerstae
Vormi tagsziehung der Königlich Preußischen Klassen-Lot
terie wurde das große Los gezogen. Es fsiel auf die
Rummer 187 926.
Die beschädigte Stradivari⸗-Geige. Professor Bur
mester sollte in Königshütte ein Konzert veranstalten. Be
seinem Eintritt in das Hotel Graf Reden stürzte der ihr
»egleitende Musikdirektor Otto Wynen aus Kattowitz, der
die jüngst vom Künstler für 100 000 Mark erworben«
Srradivari-Geige trug. Die Geige hat durch den Stur;
zwei Langrisse und einen splitterart gen Riß davongetra
gen. Aus diesem Grund konnte das Konzert nicht statt
finden. Bei O. eyer in Berlin wird die Art der Ver—
letzung der Geige geprüft werden.
Feuersbrunst. Die Ortischaft Boenoeczk (Ungarn
steht in Flammen. Bisher sind 70 Wohnhäuser nieder
gebrannt. Ein Säugling ist in den Flammen umgekom—
men, mehrere Personen erlitten schwere Brandwunden.
Schneeftürme. Das seit drei Tagen in Nordbsh
nen herrschende Schneetreiben hat sich zu einem furcht
»aren Schneesturm entwickelt. Der Verkehr stockt in der
Sebirgsgegenden vollständig. Nicht einmal die Postschlit
ten können sich durcharbeiten.
Eisenbahnunfall. In Wien filieß der aus Russisch.
VRowosiesßa eintreffende Personenzug mit der Maschin
eines auf dem Czernowitzer Bahnhoͤf zur Abfahrt bereit
stehenden Zuges zusammen. Vier Perionen wurden seh
schwer, 16 leicht verletzt.
Die Wiener Giftmordaffäre. Von dem Urhebe
des Gistmordes ist noch immer keine Spur entdeckt
Die Postbehörde hat nun festgestellt, daß die Briese vor
einem Postdiener aus dem Postkasien gebracht wurden
Die Polizei hat einen vollständig mit den Gistbriefen gan
g'eich ausgestalteten Brief hergestellt, mit dem Versuch
an den Postkasten gemacht werden sollen, um festzustel
len, ob er leicht und ohne Druck und Beschädigung in der
Kasten geschoben werden kann. Ferner ift jestgestellt, das
im ganzen acht Gistbriefe abgeschickt wurden. Ter di
dartographieschrift lehrende Offizier am Geographischen
Instetut ertlärt, daß die Schrift der Briefe unbedingt vor
einem Militär herrühre. — Eine weitere Meldung be
agt: Die gericht iche Obduktion der Leiche des Gouver
teurs von Taussig wurde in der Wohnung vorgenommen
Magen und Eingeweide werden einer chemischen Unter
suchung unterzogen. Gegen die Mödelfirma, von der die
arssnik⸗ und antimonhalügen Stoffe stammen, wurde eint
straferichte che Unterruchung eingeleitet. Die Firma gib⸗
an. die Stose aus Eng!'and bejogen zu haben. Die be—
treffe nden Sto svorräte wurden gerichtlich beschlagnahmt
Vom Vesuv. Nach einer Meldung aus Teneriffo
lassen die Eruptienmen des Teideberges nicht nach. Sie
werden von fortwährendem Zittern der Erde und unler
irdischem Donner begleitet. Die Bevöllkerung der preis
gegebenen Ortichaften zieht den Lavaströmen mit Kir
chenprozessionen und Bittgebeten entgegen. Die Lava
ströme zerstören in wachtender Nusdehnung die frucht
teichen Fluren.
Glückliche Schatzfinder. In der Nähe von Pavia
haben arme Bauern einen Geldschatz gefunden, der sie von
hren finanziellen Sorgen befreien dürfte. — Eine Mel—
zung aus Rom besagt: Auf einem Landgut bei Pavia
wurde von Bauern eine große Amphore gefunden, die bis
zum Rand mit Goldmünzen aus dem 13. Jahrhundert
zefüllt war. Der Wert jeder einzelnen Münze soll über
tausend Franks betragen.
Sprachjecke.
Unterassistent. Ein Leipziger Blatt meldet: „Den
Weichenstellern erster Klasse foll der Titel Unier
assistent beigelegt werden. Dies ijt ein langgehegten
Wunsch genannter Beamten und auch ihrer Siellung ent
prechend“. Darüber kann man anderer Meinung sein
seißt es dazu mit vollem Rechte in der Zeitschrisft dee
Allgemeinen Sprachvereins; denn das Wort Weichenstelle
zat Sinn und Verstand für jeden, der es hört, und mach
hm einen mit einer höchst wichtizen und verantwortlichen
Tätigkeit betrauten Beamten bekannt. Von Unterassistent
»agegen ist der zweite Bestandteil für die meisten Hören
nhait'os, und der erste das Wort Unter-, nicht geeignet,
ine besonders hohe Vorstellung zu erwecken. Aber natür
ich ist „Unterassistent“ fseiner als „Weichensteller“, wei
s weninstens zur Hälste ein Zremdwort ist
zu spre ven.“ J
„Du weißt nicht, wat rech! und billig stl TDen an
sehlte dieHerrin, dem Ouel die Pflegetin; u alse
notwendig, daß Martha kam,“
„Du widersprichst Dir, Michagel; soeben sagiest T.
Martha sei allein um meinetwillen gekonunent“
„Du bist das eigensinnigste Mädchen auf Gottes Erdee
den,“ rief er zornig aus, und beide setzten schweigen ihret
Weg weiter.
So lange der junge RNichter im Hause seined Ohelt
lebte, hatte er mit neidischen Blicken den Eindringling ne
trachtet, der ihm, nach seiner Meinung, sein Erbe kauber
wollte. Anfänglich versuchte er, Valesta zu verleumten
jedoch weder Ontel noch Tante schenkten ihm Glauben, unt
jo blieben seine schändlichen Bemühungen etfolgles. De
alten Herrn zu bestimmen, sein ängst gemachtes Testamenit
imzustoßen, wollte ihm erst recht nicht gelingen, trotzden
ꝛx in den grellsten Farben die Butkunft childerte und ve
jaupten wollte, daß, sobald Valestka Eroin sei, ihr würd
er Vater erscheinen würde, um selbst das Besitztur
Tochter anzutreten.
Dieser letzterte Cinwand schien auf den iten Hoerr
doch einigen Eindruck gemacht zu haben, und er überleg
mit Herrn Lester, welche Schritte zur Sscherslsellung *
Zukunft seines Lieblings zu nehmen selen Dieser ari
offen und ehrlich, daß er keinen Menschen einer unehrlichen
Handlung fähig hielt, und daher Michaels wahren Charaf
ter nie recht erkannt hatte. Er schlug eine heliche Verbit
dung der belden sungen Leute von und alante hiermtie—
hesien Ausweg gefunden zu habes
— DDDDDD
das Besitßtum in besser Ordnung halten,“ riet er ihm, un
Sie habens Gewißkeit, daß für Valesta gut gesorgt isn
Aber ich hesse, Sie werden noch viele Jahre leben, da wil
aber keine Stunde lichen vor den Tode jind, so ist es bet
er, ꝰ3an sorat bei Veiten für dieukunft.
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